Veranstaltung: Von der Krise zum Zusammenbruch des Kapitals?
Erstellt von Achim am Freitag 24. April 2009
Freiburg, Mittwoch, 13. Mai, 20.00 Uhr, Jos Fritz-Café, Wilhelmstr. 15 (Spechtpassage)
Eine Debatte zwischen Lothar Galow-Bergemann (Gruppe “Emanzipation und Friede”/Stuttgart), Joachim Bruhn (ISF) und einem Vertreter von “La banda vaga” (Freiburg). Diskussionsleitung: Christian Stock, Redaktion ”Blätter des iz3w” (www.iz3w.org)
Lothar Galow-Bergemann (Gruppe “Emanzipation und Frieden”, Stuttgart): Dass die gegenwärtige globale Krise die größte seit 80 Jahren ist, ist Allgemeingut. Dass es eine fundamentale Krise der Marktwirtschaft ist, begreifen hingegen die wenigsten, selbst unter radikalen Linken. Es entlädt sich das seit über 30 Jahren angestaute Krisenpotential einer Produktionsweise, die an einem an sich höchst erfreulichen Vorgang scheitert: nämlich dass immer weniger Arbeit notwendig wird. Entweder die staatlichen Phantastilliarden-Pakete verpuffen und treiben selbst die größten Staaten in den Bankrott oder sie greifen vorübergehend noch einmal – um den Preis einer nachfolgenden noch größeren globalen Krise. Der regressive Antikapitalismus, der sich Heuschrecken, Zocker und Spekulanten als Ursache des Übels zusammenphantasiert, greift um sich und entlädt sich in dem Maße im Volkszorn, wie die Krise nicht mehr nur in der Tagesschau stattfindet. Emanzipatorische Intervention muß der regressiven Krisenverarbeitung in den Köpfen Aufklärung über den systemischen Charakter der Krise entgegensetzen und Impulse für die Suche nach Alternativen jenseits von Markt und Staat geben. – Weiteres von L. Galow-Bergemann siehe unter: www.krisis.org/2009/every-bank-is-a-bad-bank sowie www.krisis.org/2008/das-gute-und-die-gier.
La banda vaga: Jeden Tag neue Meldungen über zusammenbrechende Banken und weltweite Börsencrashs belegen: Das kapitalistische Weltsystem befindet sich in seiner schlimmsten Verwertungskrise seit Jahrzehnten. Doch anders als die oberflächlichen “Analysen” der bürgerlichen Presse suggerieren, ist nicht die Gier amerikanischer Spekulanten und Banker die Ursache der Misere, die Gründe liegen vielmehr in der Irrationalität der warenproduzierenden Gesellschaft selbst. Gerade der Erfolg der kapitalistischen Produktionsweise ist die tiefere Ursache dieser Krise. Die Fähigkeit immer mehr Dinge mit immer weniger Einsatz von menschlicher Arbeitskraft zu produzieren bringt das System an seine Grenzen. “Die wahre Schranke der kapitalistischen Produktion ist das Kapital selbst.” (MEW 25, S. 260) Doch der Kapitalismus wird nicht einfach zusammenbrechen und vernünftig eingerichtete Verhältnissen von selbst entstehen lassen. Dafür braucht es die bewußte Tat derjenigen die unter den herrschenden Verhältnissen zu leiden haben. Dies wußte auch der holländische Rätekommunist Anton Pannekoek, als er 1934 schrieb: “Die Selbstbefreiung des Proletariats ist der Zusammenbruch des Kapitalismus.” – Es diskutiert ein Vertreter der rätekommunistisch-anarchistischen Gruppe. La Banda Vaga (Siehe auch: labandavaga.antifa.net
Joachim Bruhn (ISF): Die negative Vergesellschaftung durchs Kapital ist zur unmittelbaren Naturalform der Individuen geworden. Samt und sonders sind sie “Eigentumsbestien” (Johann Most), Kapitalatome, die ihre Verwertbarkeit als Naturrecht reklamieren. Wo doch, wie 1923, Panik herrschen sollte: Inflationshysterie, Bank-Run, Flucht in den “Sachwert” und Kartenlegen, herrscht jetzt die Stille vor dem Schuß. Diese unheimliche Ruhe erklärt sich allein aus dem absoluten Vertrauen der Deutschen in die unbedingte Faschismusfähigkeit ihres Souveräns, in seine Potenz zur “Brechung der Zinsknechtschaft”, in seine autoritäre Gewalt zur Geldreform, die das Geld, das “Zeichen der Trennung zwischen dem Produkt und seiner Austauschbarkeit … so arrangieren (soll), daß es die Identität ausdrückt” (Marx). Es wird der Staatsbankrott sein, der den Deutschen erweisen wird, daß das Programm der NSDAP von 1920 zu einem gewissen Teil bis heute unerfüllt blieb: Die Partei, hieß es da, “bekämpft den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns.” Einander anfallen werden sie sich als die Juden ihrer selbst.


