Vorankündigung krisis 33
Thema: Aspekte der globalen Krise
Nach dem Platzen der Immobilienblase ist allenthalben von der Krise des Kapitalismus die Rede. Gemeint ist aber zumeist nur die Krise des so genannten Finanzmarktkapitalismus, die auf die „Gier der Banker und Spekulanten“ zurückgeführt wird – verbunden mit der Hoffnung auf eine Rückkehr zum „gesunden Kapitalismus“. Tatsächlich jedoch hat die derzeitige Weltwirtschaftkrise einen viel grundsätzlicheren Charakter. Sie stellt eine weitere Etappe der Krisenverschärfung und -beschleunigung im Verlauf eines langen, säkularen Prozesses dar, der alle Sphären und Ebenen der Warengesellschaft erfasst und deren Grundlagen erschüttert. Verschiedene Aspekte dieses fundamentalen Krisenprozesses stehen im Fokus dieser krisis-Ausgabe.
Karl-Heinz Lewed untersucht die Krise der modernen Subjektivität und richtet dabei den Blick vor allem auf deren Verlaufsform in den islamisch geprägten Ländern. Er führt den enormen Zuspruch zum islamischen Fundamentalismus auf die narzistische Prägung des modernen Subjekts zurück, das angesichts des Scheiterns der nachholenden Modernisierung nun seine Größenphantasien auf „Gott“ statt auf die „Nation“ richtet. Ergänzend dazu analysieren Ernst Lohoff und Attila Steinberger die Hintergründe der Massenproteste im Iran und stellen dabei vor allem die Frage, wieso die Opposition trotz der eklatanten Krise des Regimes nicht in der Lage war, dieses zu stürzen.
Auf einen anderen Aspekt konzentriert sich der Aufsatz von Julian Bierwirth. Er setzt sich mit den post-operaistischen Konzepten der Immateriellen Arbeit und des General Intellect auseinander und zeigt, dass diese die Krise der Arbeit zwar indirekt reflektieren aber nicht dechiffrieren können. Neil Larsen würdigt Adornos Methode der immanenten Kritik, verweist aber auch auf deren historische Grenzen vor allem im Hinblick auf die Kritik von Aufklärung und moderner Vernunft. Tomasz Konicz schließlich analysiert den Krisenverlauf in verschiedenen osteuropäischen Ländern und seine sozialen, politischen und ideologischen Konsequenzen.
Inhalt:
Karl-Heinz Lewed: Erweckungserlebnis als letzter Schrei. Der Islamismus als Heilsversprechen in der Krise der modernen Subjektivität
Ernst Lohoff: Die etwas andere Normalisierung. Der Teheraner Frühling und die Krise des warenproduzierenden Systems
Attila Steinberger: Protest und konservative Restauration im Iran
Julian Bierwirth: Streifzüge im Postfordismus. Anmerkungen zu Immaterieller Arbeit und General Intellect
Neil Larsen: Das Idiom der Krise. Über die historische Immanenz der Sprache bei Adorno
Tomasz Konicz: Osteuropa in der Krise. Von der Defizitkonjunktur zur Datschenwirtschaft
Ca. 170 Seiten, 12 Euro. Erscheint im Frühjahr 2010



