05.11.2017  Beitrag drucken

Vorwärts in die Regression

Wie die kapitalistische Krise zum Treibsatz für Rassismus, Nationalismus und Autoritarismus wird

Vortrag und Diskussion mi Norbert Trenkle

Sa. 11. November, 19:00 Uhr
Desi Nürnberg, Brückenstraße 23

Der Volkszorn von rechts bis links macht die „Finanzoligarchie“  für die globale kapitalistische Krise verantwortlich. Diese Vorstellung ist nicht nur ideologisch regressiv, weil sie impliziert, die Lösung aller Probleme bestünde in der Beseitigung einer kleinen Zahl an Vermögenden und ihrer Handlanger, die „das Volk“ nach Strich und Faden betrögen; zugleich ist sie auch der Sache nach grundverkehrt. Denn die jahrzehntelange Aufblähung des Finanzüberbaus stellt keinesfalls die Ursache der ökonomischen Verwerfungen dar, sondern ist Ausdruck einer fundamentalen Strukturkrise des Kapitalismus. Das erreichte Produktivitätsniveau ist mit dem bornierten Zweck der Kapitalverwertung nicht mehr kompatibel, weil es immer mehr Arbeitskraft überflüssig macht und damit massenhaft Menschen ins Elend stürzt.

Die Krise hat aber nicht nur ökonomischen Charakter, sondern stellt den gesellschaftlichen Zusammenhang insgesamt in Frage. Während soziale Spaltung und allgemeine Konkurrenz sich zuspitzen, greifen rassistische Hetze und Ausgrenzung um sich und der Nationalismus erlebt eine unheimliche Renaissance. Nicht nur die Rechtspopulisten von der AFD, sondern auch Linke wie Sahra Wagenknecht fordern die Rückkehr zum abgegrenzten Nationalstaat. Zwar ist die Vorstellung, die kapitalistische Krise ließe sich auf diese Weise lösen oder auch nur eindämmen, vollkommen haltlos. Dennoch bleibt sie brandgefährlich, denn sie befördert die Ethnisierung der gesellschaftlichen Widersprüche und bereitet ideologisch den Weg für eine autoritäre Krisenverwaltung.