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	<title>krisis &#187; Andreas Exner</title>
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	<description>Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft</description>
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		<title>Einlauf</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Jul 2009 06:33:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Naturverhältnis und Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>

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		<description><![CDATA[Streifzüge 46/2009 Andreas Exner Für den Kapitalismus ist die Welt nur ein lästiges Durchgangsstadium der Verwertung. Dummerweise vermehrt sich Geld nicht einfach so. Man muss dazu Rohstoffe und Energie gewinnen, Menschen kontrollieren, Waren produzieren. Eine Zeitlang mag es gelingen, Besitztitel auf Profite anzuhäufen, die künftighin der Warenproduktion entspringen sollen. Doch früher oder später ist damit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Streifzüge 46/2009</p>
<p><em>Andreas Exner</em></p>
<p>Für den Kapitalismus ist die Welt nur ein lästiges Durchgangsstadium der Verwertung. Dummerweise vermehrt sich Geld nicht einfach so. Man muss dazu Rohstoffe und Energie gewinnen, Menschen kontrollieren, Waren produzieren. Eine Zeitlang mag es gelingen, Besitztitel auf Profite anzuhäufen, die künftighin der Warenproduktion entspringen sollen. Doch früher oder später ist damit Schluss.<span id="more-3683"></span></p>
<p>Die Weltlosigkeit des Kapitals strafen seine Krisen immer wieder Lügen. Noch mehr aber strafen seine Krisen uns. Die Ahnung, dass der Kapitalismus an unsere Grenzen stoße, liegt in der Luft. Nur aussprechen will sie niemand. Dabei sind die Hinweise darauf sonder Zahl. Zwei stechen besonders ins Auge: vor 2008 die Verteuerung von Erdöl, Rohstoffen und Nahrungsmitteln. Und bis auf weiteres der durch den Kapitalismus verursachte Klimawandel.</p>
<p>Mit Händen ist es zu greifen: Der Kapitalismus ist ein totes Ende der Geschichte. Doch eine Konsequenz daraus sucht man noch vergebens. Autos fahren weiter, Staaten machen Schulden, Treibhausgase werden emittiert. Grüne wollen dealen. Vom Wachstum kommen die Abhängigen aller Couleur nach wie vor nicht los. Wie wir uns selbst das Joch der Geldvermehrung auferlegen, so auch der Natur. Uns zum Humankapital degradierend, degradieren wir die Welt, als wäre sie nur dazu da, dem Kapital zu dienen, als ein Rohstofflager und eine Deponie ohne Ende. Doch genau dies gibt die Welt nicht mehr allzu lange her: diese Ressource beginnt zu versiegen.</p>
<p>Nur wenige trauen sich erst zu sehen, was auf der Hand liegt: Die Geldwirtschaft verdammt uns zu wachsender Zerstörung; lösen wir uns davon nicht, so blüht uns keine Zukunft mehr. Eher wird von manchen, anstatt Kapital, Markt und Staat zu transzendieren, bereits der Mensch geistig ausradiert: es gäbe zu viele unserer Art. Und eher traut man den erneuerbaren Energien just das zu, woran das fossile System gerade scheitert: endloses Wachstum. Solcher Unsinn ist gefährlich. Wer bei uns nun komplizierte Lösungen sucht, wird freilich enttäuscht – Produktion für konkrete Bedarfe anstatt für Geld, that’s all.</p>
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		<title>Sackgasse Regionalwährung</title>
		<link>http://www.krisis.org/2009/sackgasse-regionalwaehrung</link>
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		<pubDate>Thu, 14 May 2009 15:08:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur- und Ideologiekritik]]></category>
		<category><![CDATA[Wert, Ware, Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>

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		<description><![CDATA[Contraste &#8211; Zeitschrift für Selbstorganisation April 2009 Andreas Exner In den Debatten um eine Alternative zum Kapitalismus tauchen ein ums andere Mal zwei Konzepte auf: der Tauschkreis und die Regionalwährung. Beide Konzepte sind miteinander eng verbunden. Und beide wurzeln theoretisch in der Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine „natürliche Wirtschaftsordnung“ begründen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Contraste &#8211; Zeitschrift für Selbstorganisation April 2009</p>
<p><em>Andreas Exner</em></p>
<p>In den Debatten um eine Alternative zum Kapitalismus tauchen ein ums andere Mal zwei Konzepte auf: der Tauschkreis und die Regionalwährung. Beide Konzepte sind miteinander eng verbunden. Und beide wurzeln theoretisch in der Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine „natürliche Wirtschaftsordnung“ begründen wollte.<span id="more-3558"></span></p>
<p>Gesell meinte, im Zins die Wurzel aller Übel erkannt zu haben. Der Zins sei leistungsloses Einkommen. Als solches sei er zu bekämpfen. Gesell führte auch die Krisen auf den Zins zurück. Als Lösung propagierte er Freigeld und Freiland. Während die Freilandidee heute keine Rolle mehr spielt, erfreut sich das „Freigeld“ nach wie vor großer Beliebtheit.</p>
<p>Das sollte Anlass zur Sorge sein. Denn Gesells Analyse ist falsch und seine Ziele können nicht die unseren sein. Seine Kritik am „leistungslosen Einkommen“ sparte den Unternehmergewinn wohlweislich aus. Den Markt hielt er für eine gute Einrichtung. Er meinte allerdings, dass sich dort nicht die „Fittesten“ durchsetzen, da der Zins den Geldbesitzern eine Macht verleiht, die nicht auf eigener Anstrengung beruhe. Erst wenn der Zins beseitigt ist, würden nur mehr die „Fitten“ überleben. Auch Krisen gehörten dann der Vergangenheit an.</p>
<p>All dies ist falsch. Wir wollen die Konkurrenz ja nicht verstärken, sondern müssen sie überwinden. Es kann auch nicht darum gehen, die Marktwirtschaft vom „Kapitalismus“ zu „befreien“. Der Markt ist nur eine Sphäre des Kapitals – der Bewegung von Geld-Ware-Mehrgeld. Das Mehrgeld, das der Vernutzung von lebendiger Arbeit entspringt, spaltet sich dort in Unternehmergewinn und Zins. Den Zins zu kritisieren und den Unternehmergewinn zu verteidigen ist deshalb unlogisch. Auch eine Perspektive ergibt sich daraus nicht.</p>
<p>Kapitalismus ist ein System, in dem alles gekauft und verkauft werden muss. Der Kapitalismus ist deshalb Geldwirtschaft. Er macht alles zur Ware und anstelle direkter Herrschaft oder gemeinschaftlicher Entscheidungen tritt der anonyme Markt. In einem solchen System wird selbst die Lebenszeit zur Ware, Lohnarbeit zur beherrschenden Form von Tätigkeit und die Abhängigkeit von der Kapitalverwertung damit umfassend.</p>
<p>Der Geldwirtschaft ist die Konkurrenz eingebaut. Am Markt wird ja nicht bewusst und gemeinschaftlich darüber entschieden, was für wen von wem und auf welche Art produziert und verteilt wird. Ganz im Gegenteil trennt das Geld die Einzelnen in vereinzelte Einzelne, die nur mehr über ihre Waren und das Geld „kommunizieren“. Die Konkurrenz führt dazu, dass Menschen gegeneinander arbeiten müssen. Und sie führt zu einem Wachstumszwang. Denn ein Unternehmen, das weniger Gewinn einfährt als der Konkurrent, droht über kurz oder lang vom Markt zu verschwinden.</p>
<p>Die Geldwirtschaft bedingt allerdings auch einen Wachstumsdrang: den abstrakten Selbstzweck, aus Geld mehr Geld machen zu müssen. In einer Wirtschaftsweise, in der die Produktionsmittel und Rohstoffe inklusive der Arbeit gekauft werden müssen, und in der alle Waren verkauft werden müssen – wo also Geld den Anfangs- und den Endpunkt der Produktion darstellt – ist das nicht anders möglich. Mit 100 Euro Waren im Wert von 100 Euro zu produzieren macht keinen Sinn. Den macht geldwirtschaftliche Produktion erst, wenn aus 100 Euro zumindest 101 Euro werden.</p>
<p>Diesem Ziel hecheln deshalb alle Unternehmen hinterher. So verselbstständigt sich die Produktion gegenüber den konkreten Bedürfnissen, die sie eigentlich befriedigen sollte. Aus 100 Euro können 101 Euro werden, daraus 1.000, 10.000 und so immer fort. Für das Wachstum der Geldwirtschaft ist kein Ende denkbar, weil sich in ihr immer nur Geld auf Geld bezieht. Konkrete Bedürfnisbefriedigung, die an sich selbst eine Grenze findet, weil niemand endlos durstig ist, unaufhörlich isst, ständig Sex hat, oder gleichzeitig in zwei Häusern wohnt, spielt dann keine Rolle mehr.</p>
<p>Wachstumsdrang und Wachstumszwang bedingen Krisen. Weil alle Unternehmen auf Teufel-komm-raus und ohne sich abzusprechen produzieren, wird Kapital immer wieder an der zahlungsfähigen Nachfrage vorbei investiert. Und es kommt regelmäßig dazu, dass Kapital keine ausreichenden profitablen Investitionsmöglichkeiten mehr findet und die Produktion in Folge einbricht. Das im Übermaß angehäufte Kapital wird entwertet, die Perspektiven sehr vieler Lohn- und damit Kapitalabhängigen werden zerstört.</p>
<p>Regionalwährungen ändern an all diese strukturellen Problemen nichts. Es ist auch nicht zu erkennen, welcher entscheidende Unterschied – um ein Beispiel zu nehmen – zwischen dem früheren österreichischen Schilling und dem heutigen „Chiemgauer“ bestehen sollte. Dass kein Zins existiert, kann ja wohl kein Kriterium sein. Japan hatte jahrelang Nullzinsen, und auch die USA sind auf dem besten Weg dorthin.</p>
<p>Was dagegen ansteht, ist, die Geldwirtschaft durch eine direkte Kommunikation der Produzierenden zu ersetzen. Das ist in der Tat schwierig. Aber eine andere Möglichkeit, aus dem Kapitalismus auszusteigen, gibt es nicht.</p>
<p>Zum Weiterlesen: <a href="http://www.krisis.org/2005/bye-bye-zinskritik">Bye bye Zinskritik. Über die Grenzen der Tauschkreise und den Unsinn der Freiwirtschaft</a></p>
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		<title>Die ökologische Krise des Kapitals</title>
		<link>http://www.krisis.org/2008/die-oekologische-krise-des-kapitals</link>
		<comments>http://www.krisis.org/2008/die-oekologische-krise-des-kapitals#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 26 Dec 2008 16:11:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krisentheorie und Krisenanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Naturverhältnis und Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Lauk]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Streifzüge 44/2008 Andreas Exner und Christian Lauk Bis zur Jahreshälfte 2008 stiegen die Preise für Energie, Rohstoffe und Lebensmittel drastisch. Inzwischen geht die Teuerung zwar zurück, doch werden sich die Ressourcen auch in einer Rezession weiter verknappen. Seit einem Tiefstand 1998 stiegen die Erdölpreise kontinuierlich. Bis 2007 hielt man diesen Trend zumeist für eine kurzfristige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Streifzüge 44/2008</p>
<p><em>Andreas Exner und Christian Lauk</em></p>
<p>Bis zur Jahreshälfte 2008 stiegen die Preise für Energie, Rohstoffe und Lebensmittel drastisch. Inzwischen geht die Teuerung zwar zurück, doch werden sich die Ressourcen auch in einer Rezession weiter verknappen.<span id="more-3027"></span><br />
Seit einem Tiefstand 1998 stiegen die Erdölpreise kontinuierlich. Bis 2007 hielt man diesen Trend zumeist für eine kurzfristige Marktverzerrung. Spätestens jedoch, als der Ölpreis im Jänner 2008 die magische Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritt, begannen die Alarmglocken zu läuten. Die Preisralley setzte sich bis zum bisherigen Höchststand von 147 US-Dollar pro Barrel im Juli fort. Inzwischen ist die Ölnachfrage und damit der Ölpreis wieder deutlich gesunken. Das Grundproblem bleibt aber auf der Tagesordnung. Sobald die Nachfrage wieder anzieht, ist erneut mit einem Preisanstieg zu rechnen.</p>
<p>Oberflächlich betrachtet ergibt sich der Ölpreis aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Steigt die Nachfrage und hält das Angebot nicht Schritt, so ist ein Preisanstieg die Folge. Tatsächlich wuchs die Ölnachfrage in den letzten Jahre deutlich und überflügelte das Angebot. Was hinter der Angebotsentwicklung steckt, ist aber nicht ganz leicht zu eruieren. Dementsprechend wurde die Erdölteuerung höchst widersprüchlich debattiert. Während manche die Marktmacht der OPEC im Zentrum sahen, betonten andere die Rolle der Spekulation, der Ölkonzerne oder des Kriegs im Irak.</p>
<p>Studien weisen allerdings darauf hin, dass hohe Erdölpreise bereits Peak Oil widerspiegeln könnten, den Höhepunkt der Erdölförderung. Dieser Punkt markiert den Gipfel einer Glockenkurve. Sie beschreibt den Zeitverlauf der Förderung von einzelnen Ölfeldern, von ölproduzierenden Ländern, aber auch der Weltölförderung. Die Energy Watch Group datiert Peak Oil auf das Jahr 2006, andere rechnen damit in naher Zukunft.</p>
<p>Tatsächlich bringt nicht erst der letzte Tropfen Erdöl die Krise. Sie beginnt weit früher: dann nämlich, wenn die Förderung aus geologischen Gründen zurückgeht und weder eine wachsende noch die bestehende Nachfrage mehr decken kann. Die Förderung nimmt nach dem globalen Peak der Ölproduktion mit einer Rate von mindestens einem Prozent jährlich, vielleicht aber auch weitaus schneller ab.</p>
<p>Inzwischen weist auch die Internationale Energieagentur auf die kommende &#8220;Versorgungskrise&#8221; hin. Sogar der EU-Energiekommissar Andris Piebalgs warnte bereits vor Peak Oil. Dieser ist allerdings nur ein Teilproblem. So prognostiziert die Energy Watch Group den globalen Peak bei Erdgas und Kohle für 2025. Bei Erdgas dürfte der entscheidende regionale Peak für Europa früher eintreten. Jedenfalls werden auch die anderen fossilen Stoffe teurer, wenn sich die Nachfrage vom Erdöl auf sie verschiebt. Umso mehr, als der Aufwand für die Erdöl- und die Kohle-Förderung zunimmt.</p>
<p>Die fossilen Stoffe decken rund 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Dagegen bildet den Löwenanteil der &#8220;Erneuerbaren&#8221;, die in den übrigen 20 Prozent enthalten sind, die traditionelle Brennholznutzung im globalen Süden. Erdöl und Erdgas sind aber nicht nur Energieträger. Sie sind zudem die zentralen Ausgangsmaterialien der Chemie. Kunststoffe, Arznei- und Pflanzenschutzmittel werden auf Erdölbasis produziert, und die Herstellung von Stickstoffdünger ist auf Erdgas (oder Kohle) angewiesen.</p>
<p>Es gibt also mittelfristig auch ein Stoffproblem. Allein der Bedarf an Kunststoffen für Textilien zum Beispiel ist enorm. Will man ihn mit Baum- oder Schafwolle oder Hanf decken, so schränkt das die Flächen für die Ernährung weiter ein. Umso mehr, wenn der Klimawandel zu Produktionseinbußen führt und nach Peak Gas der Stickstoffdünger knapp wird.</p>
<h4>Das Übergangsproblem</h4>
<p>Wachstum des Kapitals heißt Wachstum des Energie- und Stoffverbrauchs. Denn abgesehen von Kurssteigerungen bei Wertpapieren unterliegt der Kapitalverwertung immer auch ein Stoff- und Energieverbrauch. Das ist ökologisch höchst problematisch, doch bleibt der Wachstumskonsens davon weitgehend unberührt, auch in der Ökoszene. Dahinter steckt nicht allein Bornierung, sondern durchaus ein Faktum: Ein &#8220;ökologischer&#8221; Umbau des Kapitalismus ist nur möglich, wenn es Profit und Wachstum gibt.</p>
<p>Diese Sicht freilich impliziert, dass das Kapital von selbst auf die &#8220;Erneuerbaren&#8221; switcht, wenn die Preise der &#8220;Fossilen&#8221; steigen. Demgegenüber wird nun aber sichtbar, dass mit steigenden Energiepreisen alle Preise steigen. Dies umso mehr, als neben den Erdölpreisen in den letzten Jahren auch die Metallpreise gestiegen sind. Denn einerseits gehen steigende Energiepreise in die Kosten der Förderung, der Verarbeitung und des Transports von Metallen ein. Andererseits aber sind die leicht ausbeutbaren Lagerstätten zusehends ausgeschöpft und die Produktion lässt sich nicht mit beliebiger Geschwindigkeit ausdehnen. Davon abgesehen sinkt die Arbeitsproduktivität in der Metallgewinnung tendenziell und die Preise steigen deshalb letztlich in jedem Fall. Die &#8220;Erneuerbaren&#8221; werden also nicht von selber attraktiv, und in einer Rezession verschwinden auch die investiven Mittel für den &#8220;ökologischen&#8221; Umbau.</p>
<p>Tatsächlich benötigt der Aufbau erneuerbarer Energiesysteme nicht nur Energie, sondern auch Metalle &#8211; und das in großen Mengen. So verwundert nicht, dass Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windkraft in Deutschland, die hohen Metallpreise dafür verantwortlich macht, dass die Neuinstallation von Windkraftanlagen 2007 deutlich zurückging. Auch der Ausbau der Solarenergie wird durch diesen Trend gehemmt.</p>
<p>Erneuerbare Energiesysteme brauchen materielle und energetische Inputs. Bis auf Weiteres hängen deshalb auch die erneuerbaren Systeme von fossilen Energien ab. Die Grenzen der metallischen Ressourcen schließlich sind von Windparks und Solaranlagen grundsätzlich nicht zu überwinden. Nicht-erneuerbare Ressourcen sind für sie unersetzlich.</p>
<p>Solche Beschränkungen haben großes Gewicht. Nicht zuletzt deshalb, weil die gesamte Distribution und Nutzung der Energie an die fossilen Energien angepasst ist: ob Pipelines, Öltanker, alle möglichen Motoren oder Heizungen. Nicht nur ein Umbau der Energieversorgung ist nötig, sondern auch ein gewaltiger Umbau der gesamten Technologie und Infrastruktur. Und auch diesen ermöglichen nur Profite und die Erwartung von Profiten &#8211; eine Beschränkung, der auch die Staatsausgaben unterliegen.</p>
<p>Außer dem Nadelöhr der Verwertung gibt es noch ein stoffliches Übergangsproblem auf dem Weg in eine erneuerbare Zukunft: Werden zu wenige fossile Ressourcen in zu langer Frist für den Aufbau erneuerbarer Stoff- und Energiesysteme investiert, so reichen ab einem gewissen Punkt die fossilen Ressourcen nicht mehr aus, um auch nur annähernd soviel Energie und Stoffe zu produzieren wie heute. Umgekehrt intensiviert sich die Verknappung und das Wachstum verlangsamt sich, wenn man in zu kurzer Zeit zu viele fossile (und metallische) Ressourcen in den Ökoumbau lenkt. Im Extremfall würde man damit beginnen, auf breiter Front erneuerbare Systeme zu installieren, nur um auf halbem Wege zu erkennen, dass die erschöpflichen Ressourcen, die man für die Fertigstellung braucht, nicht reichen.</p>
<h4>Vom Akkumulations- zum Entwertungsregime</h4>
<p>Steigt der Wert der fossilen (und metallischen) Inputs, weil die Förderung immer aufwändiger wird und geringere Erträge bringt, so verändert das den Kapitalwert. Der Wert der Produktionsmittel vergrößert sich, Ausrüstungsgüter für die extrem kapital- und zunehmend energieintensive Erdölförderung mit inbegriffen. Aber auch der Wert der Ware Arbeitskraft vergrößert sich, wenn der warenförmige Lebensstandard konstant bleiben soll. Denn die Arbeitsproduktivität geht zurück.</p>
<p>Allgemein gesprochen verlängert sich jene Arbeitszeit, die eine Gesellschaft aufwenden muss, um all das herzustellen, was die Lohnabhängigen konsumieren. Dieser Teil der Arbeitszeit stellt die Reproduktion der Arbeitskräfte sicher. Umgekehrt verkürzt sich daher die unbezahlte Arbeitszeit, die sich letztlich im Profit ausdrückt.</p>
<p>Dieser Umstand hat weitreichende Konsequenzen. Konzentrieren wir uns dabei auf die Profitrate, d.h. das Verhältnis von Geldgewinn zu Kapitalvorschuss. Die Profitrate ist die zentrale Steuerungsgröße der Kapitalakkumulation. Sie bestimmt die Nachfrage nach Krediten, die der Erweiterung der Produktion dienen, entscheidet aber auch über die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Die Größe des Geldrückflusses, aus dem das Unternehmen seine Kredite finanziert, hängt ebenfalls von der Profitrate ab.</p>
<p>Die Profitrate ist eine Geldgröße. Sie liest der Kapitalist in den Bilanzen ab. Werttheoretisch betrachtet wirkt auf diese Rate das Verhältnis mehrerer Faktoren ein, die empirisch nicht in Erscheinung treten, die Bewegung der Profitrate jedoch kausal bestimmen: das Verhältnis des Mehrwerts m zu den Wertmengen, die für Arbeitskräfte (variables Kapital v) sowie für Maschinen, Rohstoffe, Energie etc. (konstantes Kapital c) vorgeschossen werden müssen, um einen Produktionszyklus starten zu können.</p>
<p>Der Wert der Produktionsmittel &#8211; das konstante Kapital c &#8211; geht unverändert in den Produktwert ein. Das variable Kapital hingegen setzt den Produkten mehr Wert zu, als es selber verkörpert, weil die Arbeitskraft mehr Wert produziert, als sie selber hat (und als Lohn vergütet bekommt).</p>
<p>Der kapitalistische Arbeitstag teilt sich daher in einen bezahlten und einen unbezahlten Teil. Mehrwert (m) wird, gesamtgesellschaftlich gesehen, durch unbezahlte Arbeitszeit gebildet. Bleiben die Länge des Arbeitstags und die Intensität der Arbeit gleich, so schrumpft der Mehrwert, wenn sich die bezahlte Arbeitszeit, die dazu dient, die Arbeitskraft zu reproduzieren, ausdehnt. Das ist die erste Konsequenz einer Wertsteigerung bzw. Verteuerung von Energie und Rohstoffen.</p>
<p>Die zweite ist, dass sich der Kapitalvorschuss (c + v) vergrößert. Wird mehr lebendige Arbeit (v) und tote Arbeit (c) benötigt, um z.B. Erdöl zu produzieren, so steigt dessen Wert; damit aber auch der Wert aller Produktions- und Konsummittel, in die das Erdöl direkt oder indirekt eingeht. Dasselbe gilt auch für andere Energieträger oder Rohstoffe, wenn sie aufwändiger gewonnen werden müssen; und es gilt umso mehr, wenn der Mengenertrag zugleich zurückgeht. Sinkt bei steigendem Wert des Kapitalvorschusses der Mehrwert, so fällt die Rate des Profits, die das Verhältnis m / (c + v) ausdrückt.</p>
<p>Sinkender Mehrwert könnte durch sinkenden Wert des konstanten Kapitals, also der Maschinen, Energie und Rohstoffe wettgemacht werden, was unter den Bedingungen der Ressourcenkrise ausgeschlossen ist. Selbst wenn das variable Kapital (v) gleich bleibt, der warenförmige Lebensstandard also sinkt, so würde sich ein steigender Wert von Energie und Rohstoffen in größerem Wert von c niederschlagen. Der Mehrwert bleibt dann unangetastet, und doch fällt die Rate des Profits.</p>
<p>Das einzige Gegenmittel wären längere Arbeitszeiten, intensivierte Arbeit und eine starke Absenkung des Lebensstandards durch Reduktion von v &#8211; einzeln oder in Kombination. Der Mehrwert (m) würde steigen, aber auch das relative Gewicht von (c), weil v abnimmt. Also müsste m schneller steigen als c. Ansonsten fällt auch unter diesen Annahmen die Rate des Profits.</p>
<p>Freilich riskiert eine solche Akkumulationsstrategie, die nicht die Produktivität vorantreibt und damit den Reallohn steigert, sondern stattdessen den Arbeitstag verlängert und den Konsum reduziert, in Hinblick auf soziale Kämpfe ihren Kopf. Vor allem aber kann sie das fossil betriebene Kapital nicht in existierendem Umfang verwerten: Raffinerien stehen still, Transportmittel bleiben in den Garagen und die Auslastung von Fabriken sinkt, wenn sich die fossilen Ressourcen verknappen.</p>
<p>Diese ökologische Krise des Kapitals bereitet nicht mehr wie bisherige Krisen den Boden eines neuen langen Schubs der Akkumulation. Anders als bei Kapitalkrisen üblich, vernichtet sie nicht allein den Wert, sondern auch den Gebrauchswert der betroffenen Kapitalien. Während in einer herkömmlichen Krise Unternehmen bankrottieren, die dann billig gekauft werden können, so kann ein Teil der vernichteten Kapitalien in der ökologischen Kapitalkrise nicht mehr für eine erneute Verwertung in Gebrauch genommen werden. Selbst wenn es regional oder sektoral zu einem neuen Aufschwung kommt, so begrenzen ihn die Peaks. Und er findet auf geringerem Niveau des Outputs statt.</p>
<p>An die Stelle eines neuen Regimes der Akkumulation tritt damit ein globales Regime der Entwertung. Vom Standpunkt des Kapitals aus wäre dabei der beste mögliche Fall eine &#8220;Akkumulation auf dem Rückzug&#8221;, die von metropolitanen Bastionen aus die übrige Welt für den Wechsel der Ressourcenbasis in Form eines Erdöl- und Biomasseimperialismus funktionalisiert. Gesellschaftlicher Widerstand muss das verhindern.</p>
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		<title>Obama &#8211; hell erstrahlt, wer am Abgrund steht</title>
		<link>http://www.krisis.org/2008/obama-hell-erstrahlt-wer-am-abgrund-steht</link>
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		<pubDate>Sat, 08 Nov 2008 23:10:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Staat, Politik, Demokratie und Rechtsform]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>

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		<description><![CDATA[Andreas Exner, 7. November 2008 “Krieg, nicht etwa ökonomische Weisheit, beendete die Depression” schrieb John Kenneth Galbraith. Mit ökonomischer Weisheit meint Galbraith den New Deal. Schon bei Amtsantritt 1933, mitten in der Großen Depression, hatte US-Präsident Franklin D. Roosevelt damit begonnen, die Amerikaner auf ein nationales Rettungspaket hin einzuschwören. Es sollte den Kapitalismus aus seiner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Andreas Exner</em>, 7. November 2008</p>
<p>“Krieg, nicht etwa ökonomische Weisheit, beendete die Depression” schrieb John Kenneth Galbraith. Mit ökonomischer Weisheit meint Galbraith den New Deal. Schon bei Amtsantritt 1933, mitten in der Großen Depression, hatte US-Präsident Franklin D. Roosevelt damit begonnen, die Amerikaner auf ein nationales Rettungspaket hin einzuschwören.<span id="more-2473"></span> Es sollte den Kapitalismus aus seiner bis dahin größten Krise ziehen.</p>
<p>Roosevelt galt als charismatisch, er war ein Führer. Die Zwischenkriegszeit war schlechthin die Zeit der Führer. Aufmerksamen Zeitgenossen entging das nicht. Hier trug sich etwas zu, das new und zugleich spooky war. “Inwieweit können wir eine faschistische Wirtschaftsplanung ohne eine faschistische Politik haben?”, fragt da zum Beispiel ein gewisser Norman Thomas. Der ist Sozialist und beantwortet in der New York Times vom 18. 6. 1933 die Frage, ob der New Deal Sozialismus ist &#8211; “Is the New Deal Socialism? A Socialist Leader Answers.” Fehlanzeige, so sein Verdikt.</p>
<p>Wolfgang Schivelbusch hat in “Entfernte Verwandtschaft” (S. Fischer, 2008) die Parallelen zwischen dem Faschismus, dem Nationalsozialismus und dem New Deal in der Periode von 1933-1939 untersucht. Die Studie Schivelbuschs ist bemerkenswert. Darin beleuchtet er den Boden, auf dem der New Deal Roosevelts entstand. Wendet man den Blick vom Führer Roosevelt ab, sieht man eine Bühne, die er mit italienischem Faschismus und dem Nationalsozialismus teilt.</p>
<p>“Aus Präsident Roosevelts Stimme sprechen Ernsthaftigkeit, Güte, Entschlossenheit, Überzeugung, Stärke, Mut und Zuversicht”, meinte ein Zeitgenosse. Und tatsächlich, so zeigen Studien zu Roosevelts blendender Radiorhetorik, die zu 70 % die 500 gebräuchlichsten Worte der englischen Sprache nutzte, um ihre Effekte zu erzielen, dass Roosevelts Radiostimme wahrgenommen wurde als: “a golden voice”, “fresh”, “pleasant”, “rich”, “brilliant”, “melodious”.</p>
<p>Und so sprach er also, der Führer des amerikanischen Volkes, am 4. März 1933, anlässlich seines Amtsantritts:</p>
<p><em> Die Fülle liegt vor unserer Haustür, aber um sie freigebig zu verwenden sind wir zu ermattet angesichts des Angebots. Der Grund dafür ist: die Herrscher über den Tausch der vom Menschen gemachten Güter haben versagt; wegen ihrer eigenen Sturheit und ihrer eigenen Imkompetenz; sie haben ihr Versagen zugegeben; und haben abgedankt. Die Praktiken der skrupellosen Geldwechsler stehen vor dem Gerichtshof der öffentlichen Meinung. Sie werden abgelehnt von den Herzen und dem Geist der Menschen.</em></p>
<p><em>Wahrlich, sie haben es versucht, aber ihre Bemühungen haben sie in die Muster einer abgenützten Tradition gegossen. Mit dem Versagen des Kredits konfrontiert, haben sie nur vorgeschlagen, mehr Geld zu verleihen. Der Verlockung des Profits beraubt, mit der sie unsere Leute dazu überredeten, ihrer falschen Führung zu folgen, haben sie zu Ermahnungen Zuflucht genommen, und flehen tränenreich darum, das Vertrauen wiederherzustellen. Sie kennen nichts anderes als die Regeln einer Generation von Selbstsüchtigen. Sie haben keine Vision, und wenn es keine Vision gibt, gehen die Menschen unter.</em></p>
<p><em>Die Geldwechsler sind ihren Thron im Tempel unserer Zivilisation geflohen. Nun mögen wir den Tempel den alten Weisheiten wieder zurückerstatten. Das Ausmaß dieser Rückerstattung liegt in dem Umfang, in dem wir soziale Werte, die nobler sind als reiner Geldprofit, zur Geltung bringen.</em></p>
<p><em>Glück liegt nicht im bloßen Besitz von Geld; es liegt in der Freude, etwas zu erreichen, in der Erregung der kreativen Anstrengung. Die Freude und die moralische Anregung der Arbeit darf nicht länger in der verrückten Jagd nach dahinschwindenden Profiten untergehen. Diese schwarzen Tage werden alles wert sein, was sie uns kosten, wenn sie uns lehren, dass unsere wahre Berufung nicht darin besteht, bedient zu werden, sondern uns selbst und unsere Gefährten zu dienen.</em></p>
<p><em>Die Falschheit des materiellen Reichtums als Erfolgsbeweis zu erkennen muss Hand in Hand damit gehen, den falschen Glauben abzulegen, dass öffentliches Amt und hohe politische Position lediglich nach Status und persönlichem Profit bewertet werden; und es muss Schluss mit einem Verhalten sein, das im Bank- und Geschäftswesen einem heiligen Vertrauen das Konterfei gefühllosen und selbstsüchtigen Verbrechens gegeben hat. Kein Wunder, dass das Vertrauen schwindet, da es doch nur auf Ehrlichkeit und Ehre, der heiligen Verpflichtung, auf vertrauensvollem Schutz, auf uneigennütziger Leistung floriert; ohne diese kann es nicht existieren.</em></p>
<p><em>Die Sanierung verlangt allerdings nicht allein nach einer Änderung der Moral. Die Nation verlangt nach Taten, und zwar jetzt.</em></p>
<p><em>Unsere größte Hauptaufgabe ist es, die Menschen in Arbeit zu bringen. Das ist kein unlösbares Problem, wenn wir es mit Weisheit und mit Mut angehen.</em></p>
<p>Wie nah uns die Vergangenheit doch ist.</p>
<p>Freilich: 2008 ist nicht 1933 und Obama ist nicht Roosevelt.</p>
<p>Wenn etwas an Obamas sachpolitischer Botschaft bemerkenswert ist, dann ist es ihr konventioneller Charakter, der mit der Change-Rhethorik krass kontrastiert. Nichts daran ist new.</p>
<p>Das spiegelt sich auch in seiner Beraterkaste wieder. So gehört nicht nur Galbraith, sondern auch Paul Volcker zur Entourage des Präsidenten. Volcker war Vorsitzender der Federal Reserve vor Alan Greenspan. Während Greenspan mit leichtem Geld die Finanzblasen der letzten zwei Jahrzehnte aufpumpte, wurde Volcker durch seinen gnadenlosen Zinsschock 1979, noch unter dem Demokraten Jimmy Carter, berühmt. Wenngleich von Volcker unbeabsichtigt, stürzte die drastische Zinserhöhung der FED damals die Dritte Welt in eine massive Schuldenkrise. Nicht zuletzt war das der Vorlauf zur Ausplünderung des globalen Südens durch Investoren aus dem Norden. Sie leitete der Internationale Währungsfonds im Zuge der Strukturanpassungsprogramme, die er den Schuldnerländern verordnete, in die Wege. So regulierte der Währungsfonds die Umschuldung der Schulden und die Aufstockung des Schuldendienstes.</p>
<p>Demokraten und Republikaner &#8211; eine gar nicht so weit entfernte Verwandtschaft.</p>
<p>Einen “New Deal” wird Obama also kaum zustande bringen. New wird da nichts, spooky ist das dafür umso mehr. Denn die historische Situation ist völlig neu.</p>
<p>Die USA befinden sich nicht mehr am Beginn ihres Aufstiegs, wie in den 1930er Jahren. Die Große Depression war in dieser Hinsicht, so merkwürdig das klingen mag, ein Oberflächenphänomen des Übergangs der Macht aus den Händen Englands in die der Vereinigten Staaten. So jedenfalls im Rückblick und in der historisch langen Frist.</p>
<p>Das ist nun anders. Die USA befinden sich im Absturz. Schon Ende der 1970er Jahre, als Volcker die Stagflation mittels Zinsschock zur Rezession veredelte, war diese Entwicklung bedrohlich nahe. Der Vietnamkrieg hatte die USA nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch arg bedrängt. Die Produktivkraft der amerikanischen Ökonomie war immer mehr hinter ihren Konkurrenten Deutschland und Japan zurückgeblieben. Die beiden Ölschocks machten die militärische Schwäche der USA, die Embargos nicht verhindern konnten, bis in den Autotank der Masse hinein fühlbar. In den Jahren 1977 und 1978 schließlich drohte eine Flucht aus dem Dollar.</p>
<p>Volcker regelte die Sache. Reagan setzte nach. Der Neoliberalismus betrat den Mainstream.</p>
<p>Den hat auch Bill Clinton nicht verlassen. Clinton stand, wie alle anderen Sozialdemokraten dieser Periode, dafür ein, den neoliberalen Sozialkahlschlag zu kaschieren. An der Gesundheitsreform, die er wie Obama propagierte, scheiterte er kläglich. Ansonsten kaum unterscheidbar von den Republikanern.</p>
<p>Natürlich wirkt Obama nicht wie von gestern. Ja, im Vergleich zu McCain oder Bush sieht er richtig frisch aus, attraktiv, keine Frage. Und selbstverständlich ist es ein großer Erfolg für den Antirassismus, in dieser Hinsicht in der Tat ein historisch höchst bedeutsames Ereignis, dass Obama in einem ehemaligen Land von Sklaventreibern mit breiter Mehrheit in das höchste Amt gewählt worden ist. Allerdings hat auch die Regierung Bruno Kreiskys &#8211; um ein naheliegendes Beispiel zu bemühen &#8211; nicht dazu geführt, dass Österreich mit der Nazikontinuität brach. Was Obamas Erfolg wirklich für den Rassismus in den USA bedeutet, muss sich zeigen. Wie in anderen Bereichen ist Skepsis angebracht.</p>
<p>Von solchen Momenten abgesehen, ist die Stoßrichtung der national-populären Botschaft Obamas von Roosevelt nicht weit entfernt.</p>
<p>Während Roosevelt, viel moderater im Ton, jedoch zeitgleich mit Hitler antisemitische Stereotypen bedient, in seiner Antrittsrede die “Selbstsucht” der “Geldwechsler” verantwortlich macht für die Krise, die “Geldwechsler” bildtreu aus dem “Tempel” vetreiben will, um das Gefühl nationaler Einheit wieder herzustellen, beschwört Obama in seiner Rede zum Wahlsieg den “amerikanischen Traum”:</p>
<p><em> Die Antwort kam von Jungen und Alten, von Reichen und Armen, von Demokraten und Republikanern, Weißen, Schwarzen, von lateinamerikanischen und asiatischen Amerikanern, von den amerikanischen Ureinwohnern, von Homosexuellen und Heterosexuellen, von Behinderten und Nichtbehinderten. Von Amerikanern, die der Welt klar machen, dass wir nie nur eine Ansammlung von Individuen oder roten und blauen Staaten waren. Wir sind &#8211; und wir werden es immer sein &#8211; die Vereinigten Staaten von Amerika.</em></p>
<p>Wie aus einem Medium spricht hier der Gedanke, dass dieser Traum bereits ein Alptraum ist. Wir sind es, die Einigen, die Vereinigten. Wir sind es, und, noch wichtiger, werden es immer sein. Immer.</p>
<p>Wie seltsam. Als müsste man heutzutage die Ewigkeit des Staates, die nationale Dauer noch benennen, ja, beschwören. Man hätte das nicht mehr müssen. Aber man sieht, man muss. Muss das sagen: es wird immer so sein. Punkt.</p>
<p>Und sollte da jemand geglaubt haben, draußen in der Welt, die nicht Amerika ist, dass wir nur eine Ansammlung von Individuen sind, nein, das sind wir nämlich nicht, dann soll das einer nur geglaubt haben. Dann werden wir das nämlich klar machen, der Welt. Der, die nicht Amerika ist. Und das, umgekehrt, sind wir.</p>
<p>Die Krise rüttelt an den Grundfesten, in der Tat. Neben dem Einbruch der Kreditmärkte, der schon eine große Zahl von Amerikanerinnen und Amerikanern existenziell bedroht, zeichnet sich gerade in den USA deutlich eine Wirtschaftskrise ab, die global schlagend werden wird. Obama reitet, wie zuletzt Roosevelt, auf der Flutwelle einer großen Krise, die alle Sicherheit hinwegspült.</p>
<p><em> Ich war nie der erfolgversprechendste Kandidat für dieses Amt. Wir haben mit wenig Geld und wenig Unterstützung angefangen. Unser Wahlkampf wurde nicht in den Hallen von Washington ausgebrütet. Er begann in den Hinterhöfen von Des Moines, den Wohnzimmern von Concord und unter den Vordächern von Charleston. Er wurde von hart arbeitenden Männern und Frauen getragen, die tief in ihren wenigen Ersparnissen gegraben haben, um fünf, zehn oder zwanzig Dollar beizusteuern.</em></p>
<p>Die Krise ist der Moment, in dem der Führer kommt. Der Mann aus dem Nichts. Der, der zu Euch gehört. Wie selbstverständlich. Ihr hattet ihn nicht gekannt. Aber jetzt ist er da. Hört ihm zu, er ist bei Euch &#8211; ihr, das Volk. Ihr, der Souverän. Ihr, das Nichts, das mit dem Staat eins wird, wenn es ihm zuhört.</p>
<p>Da bleibt kein Auge trocken und kein GI versehrt. McCain, Teil eines schäbigen Kriegs für den amerikanischen Alptraum, wird im Mund Obamas zum nationalen Helden:</p>
<p><em> Er hat Qualen für Amerika ausgehalten, die sich die meisten von uns nicht vorstellen können. Wir sollten die Dienste würdigen, die dieser mutige und selbstlose Mann für uns geleistet hat.</em></p>
<p>Den Helden braucht der Patriotismus wie ein Gebet das Amen.</p>
<p><em> Lasst uns also zu einem neuen Patriotismus auffordern, einer neuen Verantwortlichkeit &#8211; wo jeder einzelne von uns beschließt, sich zu beteiligen und härter zu arbeiten und nicht nur an sich selbst, sondern an uns alle zu denken. Lasst uns daran denken &#8211; und das ist vielleicht etwas, das uns die Finanzkrise gelehrt hat &#8211; dass wir keine prosperierende Wall Street haben können, wenn der kleine Mann leidet.</em></p>
<p>Hier kommt Obama in seiner Rede das erste Mal zu einer sachpolitischen Aussage, ganz traditionell sozusagen. Und was er sagt, ist das: wir setzen darauf, dass die Wall Street prosperiert. Aber das geht nur, wenn die Arbeiterklasse bei Laune bleibt. Dass da niemand auf dumme Gedanken kommt &#8211; Leistung bleibt oberstes Gebot. Und natürlich sollten wir nicht so egoistisch sein. Brav hackeln, schön Geld ausgeben. So wird alles wieder gut.</p>
<p>Oberflächlich wirken die USA eigenartig ruhig, aus der Entfernung des gelegentlichen Beobachters in Europa. Sicher, man kennt die Berichte von der alltäglichen Gewalt in den Ghettos, dem Elend und Rassismus, der militanten Engstirnigkeit. Doch schon David Harvey hatte darauf hingewiesen, dass der Irakkrieg nicht zuletzt vor dem Hintergrund der wachsenden, wenngleich latenten Spannungen in der amerikanischen Gesellschaft zu verstehen ist. Der Krieg kam im rechten Moment, die Risse noch einmal zu kitten. James Kunstler übrigens geht davon aus, dass die USA angesichts der Verknappung fossiler Ressourcen und den daraus folgenden Turbulenzen als Staat früher oder später überhaupt zerbrechen wird. Unmöglich ist das nicht.</p>
<p>Auffällig nun, wie dünn die sachpolitische Botschaft Obamas angesichts solcher Plattenverschiebungen im gesellschaftlichen Gefüge und seiner Perspektiven ist. Merkwürdiger noch. Als Beobachter aus der Entfernung, der schlicht die Worte liest, die da einer von sich gibt, versteht man gar nicht, worum es da gegangen sein soll, bei dieser Wahl, dem historischen Ereignis. Obamas Rede mutet eher wie die Predigt eines euphorischen Priesters an, nett aber ziellos, oder wie eine leicht trunkene Familienansprache anlässlich einer Hochzeit, eher schon als die Rede des Politikers, der amerikanischer Präsident sein wird. Was eigentlich, worum geht es? Wandel, wo? Wohin?</p>
<p>Vielleicht ist das zum Teil banal. Was soll einer sagen, der Leuten gegenübersteht, denen er nicht helfen kann. Aber das erklärt nicht alles. Obama kommt nämlich mehrmals auf das Bild der Einheit zu sprechen, ja, er beschwört die Einheit geradezu, und das ist signifikant. Da legt sich einer hinein, ins Zeug. Und das hat’s in sich.</p>
<p><em> Wir steigen in diesem Land auf oder wir gehen unter als eine Nation, als ein Volk.<br />
</em><br />
Das sagt er, Obama: Ein Volk, ein Raum, ein Staat. Aufstieg oder Niedergang. Sieg oder Niederlage. Alles oder nichts. Und er sagt:</p>
<p><em> Lasst uns daran denken, dass es ein Mann aus diesem Staat war, der als erster die Flagge der Republikaner ins Weiße Haus gebracht hat, eine Partei basierend auf den Werten Eigenständigkeit und Freiheit und nationale Einigkeit.</em></p>
<p><em>Das sind Werte, die wir alle teilen. Und obwohl die demokratische Partei heute Nacht einen großartigen Sieg errungen hat, bleiben wir demütig und entschlossen, die Trennung zu überwinden, die unseren Fortschritt so lange verhindert hat. “Wir sind keine Feinde sondern Freunde”, sagte Lincoln zu einem Volk, das sehr viel gespaltener war als das unsrige. Auch wenn die Leidenschaft strapaziert wurde, muss das nicht das Band unserer Zuneigung reißen lassen.</em></p>
<p>Und natürlich verspricht er, dass Amerika eine neue Führungsrolle ausüben werde. Wer einen Beweis dafür braucht, soll ihn sich nur ansehen, ihn, Obama. Oder Euch, das Volk &#8211; the people, dem der eklige Geschmack des deutschen Pendants freilich fehlt. Während unter Bush die Freiheit nicht enden wollte, so will das unter Obama die Hoffnung nicht. Am Ende seiner Rede will auch der Glaube nicht mehr enden, woran auch immer.</p>
<p><em> Heute Nacht haben wir einmal mehr bewiesen, dass die eigentliche Stärke unserer Nation nicht von der Macht unserer Waffen oder unserem Reichtum abhängt, sondern von der andauernden Kraft unserer Ideale: Demokratie, Freiheit, Entfaltungsmöglichkeiten und nicht enden wollende Hoffnung.</em></p>
<p>Anders gesagt sagt er, dass weder Waffen noch Reichtum die Macht der USA noch aufrechterhalten. Das heißt, sie ist so gut wie bereits nicht mehr vorhanden. Die Amerikaner, die wie alle -aner und -eicher und -en und -is und -ir, die Österreicher und Deutschen und Kanadier und Mexikaner und wie sie alle heißen mögen, die sich da tummeln unter Flaggen, Mächten, Morden, doch nur von den Flaggen, Mächten und Morden leben, die sie aufrichten, indem sie sich ihnen zuordnen, unterordnen, sie begehen und feiern immerfort, diese Amerikaner haben realiter immer weniger, was sie noch aufrecht hält.</p>
<p>Ist seine Stimme so “frisch” und “melodiös” wie die Roosevelts? Ich weiß es nicht, Roosevelt habe ich nicht gehört. Aber er klingt gut, dieser Obama, richtig gut. Aufrichtig, ernsthaft, begeisternd, viel sympathischer als McCain oder Bush, er verheißt etwas. Aber was?</p>
<p>Sachpolitisch verheißt Obama das Gegenteil von Change. Er ist die perfekte Illusion, so perfekt wie der Zusammenhalt, den er er anruft und, wie er sagt, perfektionieren will. Nicht lange ist es her, da machten er und sein Beraterstab davon reden, sie wollten die Wall Street noch bis in die dunklen Gassen der amerikanischen Ghettos hinein verlängern, Aktien für alle, ein Volkskapitalismus, lautete das Programm. Die Realität hat dies vom Tisch gefegt. Obamas Zielvorstellung ist das aber wohl immer noch.</p>
<p>Obama hat auch ein Herz für Farmer. Er kommt aus Illinois. Illinois befindet sich östlich des Mississipi und südlich des Michigansees. In meinem Atlanten der Wirtschaftsgeographie sieht man dort das Wort “Mais” quer über den Bundesstaat geschrieben. Mit Mais verbindet Obama viel, denn die Maislobby in den USA ist mächtig.</p>
<p>Roosevelt hatte eine große Krise. Nimmt man Obama und vergleicht seine Chancen, die historische Krise des Kapitalismus zu bewältigen, so muss man ihn als einen bezeichnen, der am Rande eines Abgrunds steht. Den USA fehlt sogar das Geld für Krieg. Bevor aber ein Staatenlenker davon ablässt, Staat zu machen, stürzt er viele andere hinein, in den Abgrund. So oder so &#8211; Frieden reicht da völlig aus. Im Fall von Mais fallen jene, deren Lebensmittel teurer werden. Rund 20 % der Maisanbaufläche der USA werden bereits für die Produktion von Agrosprit genutzt. Das ist mit einer der Hauptgründe für die Hungerkrise in der Welt. Davon unberührt ist Obama dazu entschlossen, die Agrospritproduktion der USA auszuweiten.</p>
<p>Der Kapitalismus löst ein Problem, indem er es verschärft. Das wird Obamas Job sein.</p>
<p>Aber sehen wir die Dinge andersrum. Die Geschichte ist soeben erst wieder eröffnet worden. Insofern gibt es doch Wandel. Und das lässt tatsächlich hoffen. Zur Zeit Roosevelts war es die Arbeiterbewegung, die in zahllosen wilden Streiks gegen die Arbeitsdisziplin kämpfte, teilweise sogar mit dem Ziel vor Augen, die Kontrolle der Produktion zu erlangen. Der New Deal hatte nicht zuletzt den Effekt, die Arbeiterbewegung zu institutionalisieren und ihr Begehren nach Befreiung großteils abzutöten. Mit dem Zweiten Weltkrieg, der die fortdauernden ökonomischen Probleme nicht nur von NS-Deutschland, sondern auch des US-Kapitalismus löste, kam die Arbeiterbewegung unter eiserne staatliche Kontrolle. Und ihre Führungskader boten sich, wie in allen Industriestaaten der damaligen Zeit, willig an. Dennoch wird daran deutlich, dass die Zeit des gefährlichen Charismas zugleich die Chance bietet, den falschen Glanz zu zerstören. Die Schicht der Illusion ist dünn. Freilich, nur einem machtvoll verästelten Aufbegehren kann es gelingen, sie wirksam zu durchbrechen und etwas Neues sichtbar zu machen.</p>
<p>Uns sollten die Trennungen interessieren, die Obama offenbar zu schaffen machen. Und von denen wir hoffen, dass sie mehr ihm eine Sorge als die seiner Wählerinnen und Wählern sind. Die Spaltungen nämlich, die zwischen denen, die noch an Gott, Obama und den Staat glauben, und denen, die daran glauben, dass der Mensch ihre Geschichte selbst macht, verlaufen. Bruchlinien, die keinen Abgrund aufspannen, aber dennoch solche, an denen sich ein gesellschaftlicher Konflikt um eine Perspektive entwickeln kann. Man muss die Alternative aus ihrer Unsichtbarkeit in das Licht der Auseinandersetzung bringen. Und dazu brauchen wir die Trennung.</p>
<p>So bleibt Obamas Wahl zutiefst ambivalent. Zu hoffen bleibt, dass die Not, die kommt, nicht dem Amoklauf zur Norm verhilft, sondern den nahen Ausweg in die selbstbestimmte Kooperation erkennen lässt.</p>
<p><em> Hätte es die sozialen Bewegungen der 50er und 60er Jahre nicht gegeben, Obama und Hillary wären keine Spitzenkandidaten im gegenwärtigen Präsidentschaftswahlkampf<br />
</em><br />
schreibt Grace Lee Boggs, über 90, Aktivistin aus Detroit im Jänner diesen Jahres. Und weiter:</p>
<p><em> Aber weder Obamas Rasse noch Hillarys Geschlecht reichen für meine Unterstützung aus. Keiner von beiden ruft das amerikanische Volk dazu auf, sich dem Materialismus und Militarismus zu konfrontieren oder die konzerngesteuerte Globalisierung herauszufordern oder Alternativen dazu zu entwickeln. In dieser kritischen Periode der menschlichen Geschichte sollten wir aber genau das von uns verlangen und von jeglichem Präsidentschaftskandidaten, welcher Rasse, welchen Geschlechts oder welcher Religion auch immer.</em></p>
<p><em>Glücklicherweise entsteht eine neue Führerschaft aus der Unsichtbarkeit heraus, auf dem Grassroots-Level. Sie baut Gemeinschaft auf anstatt sich um Ämter zu bewerben.</em></p>
<p>In einem TV-Interview, das Grace Lee im selben Monat gab, stellt sie noch deutlicher heraus, worum es geht:</p>
<p><em> Nun ja, Barack Obama verwendete eine Formulierung in seiner Rede in Ebenezer, die wir, wie ich glaube, in gewisser Weise begrüßen müssen. Er sagte, wir müssen “durch Beispiel” führen. Das ist, was wir tun müssen. Er kann das &#8211; vielleicht kann er das. Ich weiß es nicht. Aber wir hatten charismatische Führer in den 60er, und sie sind fast alle erschossen worden. Und wenn wir so sehr von charismatischen Führeren abhängen, sind nicht nur sie in echter Gefahr, sondern wir üben unsere Kräfte nicht in Beziehung zu den Situationen, in denen wir uns befinden, aus, um die Welt neu zu machen. Und an diesem Punkt stehen wir.</em></p>
<p>Und in einem Zeitungskommentar vom Oktober macht Grace Lee Boggs klar, dass die neue Art von Führung keine Führung ist und keine Führer hat. Ganz anders:</p>
<p><em> Nun müssen wir erkennen, dass die massiven Zwangsversteigerungen von Häusern, die ganze Stadtviertel zerstören, ein Ergebnis der traurigen Realität darstellen, dass wir auf der Main Street genauso wie auf der Wall Street eine Kasinowirtschaft geschaffen haben, unter der Annahme, dass wir endlos auf Kredit leben können.</em></p>
<p><em>Wenn wir anerkennen, dass wir selbst daran Schuld sind, anstatt andere dafür zu beschuldigen und zu dämonisieren, können wir die Kraft in jedem von uns entdecken, die Welt dadurch zu verändern, dass wir uns selber ändern. Eine Möglichkeit, um ein neues Gespräch zu beginnen, nicht nur mit Obama-Anhängern, sondern auch mit denen, die eher zu McCain neigen, ist, Beispiele dafür zu bieten, wie wir uns sicherer fühlen würden und glücklicher wären, wenn wir einfacher leben würden, sodass andere einfach leben können.</em></p>
<p>In Detroit zum Beispiel, wo Grace Lee Boggs selbst aktiv ist, gibt es eine breite Bewegung, die sich um Urban Gardening und viele andere Ansätze für sozialen Wandel bemüht. Immer geht es darum, menschliche Beziehungen neu aufzubauen oder freundlicher zu gestalten und damit zu verknüpfen, anders zu produzieren, gemeinsam, mit Blick auf die wichtigen Dinge im Leben: Kunst, Gemüse, Spaß.</p>
<p><em> Mit diesen verschiedenen Mitteln, schreibt Grace Lee, begrüßen wir die Kraft in uns, die Welt neu zu kreieren. Und so befreien wir uns auch von den gewählten Vertretern in Washington, die uns entmächtigen, indem sie uns Lösungen versprechen, die uns dahin bringen, wie Opfer zu denken, von ihnen abhängig für ein paar Brosamen.</em></p>
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		<title>Kapitalismus tötet</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Nov 2008 09:58:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krisentheorie und Krisenanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Naturverhältnis und Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>

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		<description><![CDATA[Andreas Exner Zwischen 2007 und 2008 wurden Nahrungsmittel global gesehen um 52 Prozent teurer. Laut FAO vergrößerten 2007 deshalb 75 Millionen Menschen das Heer der Hungernden. Weltweit sind damit schätzungsweise 923 Millionen Menschen mangelhaft ernährt. Die Ursachen scheinen auf den ersten Blick recht unterschiedlich. Ungünstige Wetterverhältnisse zwischen 2005 und 2007 verringerten die Ernten der globalen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Andreas Exner</em></p>
<p>Zwischen 2007 und 2008 wurden Nahrungsmittel global gesehen um 52 Prozent teurer. Laut FAO vergrößerten 2007 deshalb 75 Millionen Menschen das Heer der Hungernden. Weltweit sind damit schätzungsweise 923 Millionen Menschen mangelhaft ernährt.<span id="more-2364"></span></p>
<p>Die Ursachen scheinen auf den ersten Blick recht unterschiedlich. Ungünstige Wetterverhältnisse zwischen 2005 und 2007 verringerten die Ernten der globalen Hauptproduktionsgebiete. Zugleich verdoppelten sich im letzten Jahr die Düngerpreise. Und auch die Preise der fossilen Treibstoffe erreichten ungeahnte Höhen. Parallel dazu wuchs die Nachfrage nach Agrotreibstoff. Zwischen 2000 und 2007 verdreifachte sich laut FAO die Produktion von Agrosprit, der gegenwärtig 2 Prozent des weltweiten Treibstoffbedarfs des Transports abdeckt. Die Spekulation mit Nahrungsmitteln verstärkte den Aufwärtstrend der Preise noch.</p>
<p>Seit Jahresmitte sind die Preise bei Mais, Weizen und Reis um 60 bis 40 Prozent gefallen. Doch die weltweite Hungerkrise droht sich erneut zu verschärfen, warnen <a href="http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=28833&amp;Cr=Food&amp;Cr1=Crisis" target="_blank">UNO</a> und <a href="http://www.fao.org/news/story/en/item/8271/icode/" target="_blank">FAO</a>. Diesmal auf noch höherem Niveau. Denn die Finanzkrise hat inzwischen den Agrarmarkt erreicht. Bauern und Agrounternehmen steht weniger Kredit zur Verfügung, um Düngemittel zu finanzieren. Bei fallenden Preisen für Agrarprodukte sinkt zudem der kapitalistische Produktionsanreiz. Umso mehr, als hohe Treibstoff- und Düngerpreise die Profitabilität der Agrarproduktion zusätzlich reduzieren. Wird weniger gepflanzt, so fällt die Ernte geringer aus.</p>
<p>Ziehen die Agrarpreise wieder an, so trifft das Länder, die Nahrungsmittel importieren müssen, nun mit doppelter Gewalt. Sie können auf den krisengeschüttelten Finanzmärkten nur schwer Geld dafür locker machen. Dabei stiegen die weltweiten Importe von Nahrungsmitteln heuer zum ersten Mal auf über 1 Billion US-Dollar, 23 Prozent mehr als letztes Jahr und 64 Prozent mehr als 2006. Entwicklungsländer werden dieses Jahr um 35 Prozent mehr Geld für Nahrungsmittelimporte ausgeben als 2007. Die Konsequenz dieser Entwicklung liegt auf der Hand. Künftig wird weniger importiert und der Hunger nimmt weiter zu. Selbst wenn die Agrarpreise während der Erntesaison 2009 und 2010 nicht wie befürchtet steigen, werden Menschen massenhaft verhungern, weil ihnen das Grundnahrungsmittel des Kapitalismus fehlt: Kapital.</p>
<p>Immer brutaler verletzen die Auswirkungen dieses sinnlosen Systems die Grenzen des Erträglichen. Immer mehr Menschen sterben, weil das Kapital Zugang zu Lebensnotwendigem nur gegen Bares erlaubt. Und weil es unsere Umwelt lebensfeindlich macht. So sind die schlechten Ernten der letzten Jahre wahrscheinlich bereits als eine Folge des vom Kapitalismus verursachten Klimawandels zu begreifen. Der Anstieg bei den Treibstoffpreisen wiederum kündigt den Peak Oil, das Fördermaximum beim Erdöl an, das bereits eingetreten oder in den nächsten Jahren zu erwarten ist – Konsequenz des enormen Hungers nach fossilen Stoffen, dem das Kapital alles opfert.</p>
<p>Agrosprit soll nun beide Probleme lösen: erstens den Klimawandel bremsen, zweitens die Erdölabhängigkeit verringern. Wie sich jetzt allerdings mit Gewissheit zeigt, verdrängt der Umstieg auf Sprit aus Biomasse den Anbau von Nahrungsmitteln. Und NGOs wie <a href="http://www.biofuelwatch.org/" target="_blank">Biofuelwatch</a> argumentieren, dass der Biomasseanbau für Agrosprit den Klimawandel sogar verstärkt. Der Preisanstieg beim Stickstoffdünger schließlich spiegelt nicht zuletzt die Teuerung bei Erdgas, das man bei dessen Produktion benötigt.</p>
<p>Nicht nur Nahrungsmittel, Energie und Düngemittel verteuerten sich in den letzten Jahren. Auch Metalle legten preislich kräftig zu. Schon vor der Finanzkrise übten steigende Rohstoff- und Energiepreise spürbar Druck auf die Profitrate aus. Sie hätten das kapitalistische Wachstum selbst ohne den Zusammenbruch der weltweiten Immobilienblase stark geschwächt. Der Kapitalismus stößt also Schritt für Schritt an seine materiellen Schranken. Indem er seine Basisstoffe erschöpft, entzieht er sich selbst immer mehr die stoffliche Produktionsgrundlage. Ökologische und ökonomische Grenzen werden zusehends deckungsgleich.</p>
<p>Die aktuelle Hungerkrise freilich zeigt in grellem Licht, was es bedeutet, wenn eine Alternative ausbleibt. So geht der globale Norden buchstäblich über Leichen, indem er sich an den Fetisch Auto klammert, den Klimaschutz zur Polit-Show deklariert und Kriege um Ressourcen führt. Das ist aber nur die zerstörerische Seite. Jenseits von Ignoranz und Unbewusstheit steht ein wachsendes Bedürfnis nach Befreiung. Darin leuchtet ein klarer Gedanke auf, den inzwischen eine Vielzahl von Ansätzen reflektiert: Wir müssen eine grundsätzlich neue Art der Produktion entwickeln. Es geht um eine solidarische Ökonomie, die Kostendeckung und Profitorientierung abschafft und konkrete Versorgungsziele an ihre Stelle setzt.</p>
<p><em>Das ist die erweiterte Einleitung zur kommenden Nummer der <a href="http://www.contraste.org/" target="_blank">Contraste &#8211; Monatszeitung für Selbstorganisation</a>. Darin haben wir den Schwerpunkt “Ressourcenkrise” gestaltet. Mit Artikeln zu Transition Towns, Peak Oil, den Grenzen der Erneuerbaren, Fülle und Verzicht sowie zur Perspektive Globaler Dörfer. Unsere Empfehlung: abonnieren, lesen.</em></p>
<p>Literaturtip: Exner, Lauk &amp; Kulterer: “<a href="http://www.social-innovation.org/" target="_blank">Die Grenzen des Kapitalismus. Wie wir am Wachstum scheitern</a>” (Ueberreuter, 2008)</p>
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		<title>Begrabt Haider</title>
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		<pubDate>Thu, 30 Oct 2008 15:11:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag und Wahn]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>

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		<description><![CDATA[Andreas Exner Sekretärinnen stellen an ihren Arbeitsplätzen Kerzen auf; Schulklassen pilgern in den Landtag, um seinen Sarg zu sehen; ein Meer von Kerzen macht aus der Unfallstelle einen Friedhof; der ORF wittert große Traurigkeit; sie lege sich auf den Klagenfurter Hauptplatz, breite sich aus über das ganze Land. Und wirklich, wer dieser Tage den Winden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Andreas Exner</em></p>
<p>Sekretärinnen stellen an ihren Arbeitsplätzen Kerzen auf; Schulklassen  pilgern in den Landtag, um seinen Sarg zu sehen; ein Meer von Kerzen  macht aus der Unfallstelle einen Friedhof; der ORF wittert große  Traurigkeit; sie lege sich auf den Klagenfurter Hauptplatz, breite sich  aus über das ganze Land. Und wirklich, wer dieser Tage den Winden  Südösterreichs lauschte, hörte sie leise weinen. Unsere Kärntnerinnen  und Kärntner. Trauert, Leute, trauert. Und zwar um mich. Ich wohne hier,  es ist entsetzlich.<span id="more-2320"></span></p>
<p>Die Reaktion auf Haiders Tod ist ein soziales Phänomen, das wir  analysieren müssen. Diese Hysterie ist eine Warnung. Ihre Gefühlswucht  macht im ersten Moment nachgerade fassungslos. Noch fassungsloser aber  macht, dass nicht nur seine Anhänger, sondern auch angebliche Kritiker  von Haiders Tod betroffen sind. Jedenfalls wird der Sachverhalt so von  den Medien dargestellt. An sich ist das bereits ein soziales Faktum, das  befremden muss.</p>
<p>Haider war der Typ, dem man im NS besser nicht begegnet wäre, sofern man  kein Nazi war oder kollaborierte. Haider wusste, was er tat; und ihm war  klar, worauf seine Politik hinauslief. Wie funktionieren also  Haider-Gegner psychisch, wenn sie angesichts seines Todes Trauer spüren,  oder Betroffenheit?</p>
<p>Zweierlei ist denkbar. Entweder es gibt eine Identifikation mit dem  Angreifer. So erklärt die Psychoanalyse die paradoxe Sympathie, die  Opfer von Gewalt mitunter für die Täter fühlen. Das scheint fraglich,  denn Basis dieses Mechanismus ist ein Gefühl großer Ohnmacht, die im  Fall der Kritik an Haider nicht gegeben war. Es ist aber auch Folgendes  möglich: Vermeintliche Kritiker übten ihre Kritik aufgrund ihnen  äußerlicher Normen, und weniger aus dem Motiv, Haiders Politik zu  brechen. Könnte es nicht sogar möglich sein, dass, wer Haider  kritisierte, das weniger aus einer grundsätzlichen Ablehnung heraus tat,  sondern eher weil sein Auftreten zu rabiat und rotzig, zu irrational  war, inhaltlich aber durchaus Übereinstimmungen bestanden?</p>
<p>In diese Richtung deutet jedenfalls, dass man Haider nicht unbedingt  dafür verurteilte, was er wollte, sondern weil er es nicht umsetze. So  wurde zumal in Teilen der Linken argumentiert. Wetterte Haider gegen die  Globalisierung, wollte er einen starken Staat, setzte er sich für die  &#8220;kleinen Leute&#8221; ein, denunzierte er arrogante Bonzen oder agitierte  gegen &#8220;Schmarotzer&#8221; und migrantische Billigarbeitskräfte, so wusste er  in der Tat den sozialdemokratischen Volkskonsens unter sich, der Nation,  Arbeit und Autorität hoch hält wie sonst nichts und sich von den  Gewerkschaften bis in die Globalisierungskritik hinein erstreckt.</p>
<p>Wahre Haiderfans allerdings unterscheiden sich von einer solchen  Übereinstimmung, die still bleibt und sich unter Kritik verbergen  konnte, durch das Moment der Begeisterung. Woher rührt sie?</p>
<p>Ihre Quelle liegt darin, dass Haider der Idealtypus des konformistischen  Rebellen war. Er war der Cop der Politik. Wie der Bulle abendlicher  Krimiserien war Haider ein Zwitterwesen, das Widersprüchliches vereinte:  Während er der Autorität ins Gesicht schlug, sehnte er sich zugleich  nach Autorität, ja, er übte sie mit Genuss in Kärnten aus. So brachte er  einen fundamentalen Zwiespalt adäquat zum Ausdruck &#8211; nämlich den Hass  auf &#8220;die da Oben&#8221;, die &#8220;uns&#8221; kanifeln und sich erheben, gegen die man  dennoch nicht aufbegehrt, sondern lieber selbst kanifelt und sich  erhebt. Aus diesem Hass wächst keine Sehnsucht nach Befreiung, sondern  die Leidenschaft dafür, hart durchzugreifen. Man will sich nicht die  Autorität vom Leib halten, sondern schlicht eine andere; will endlich  selbst autoritär sein dürfen, am besten noch autorisiert. Das Progrom  als Verhaltensvorlage.</p>
<p>Der konformistische Rebell verspottet das Gesetz, nur um es selbst noch  härter einzufordern und zu setzen. War Haider der Polit-Cop, so die  &#8220;Altpartei&#8221; der Staatsanwalt. Der Polit-Cop wühlt auch ohne den Befehl  zur Hausdurchsuchung, erpresst ein Geständnis und prügelt, er, der Arm  des Gesetzes, braucht sich um Verfassungsnormen nicht zu kümmern &#8211; er  nämlich ist des Gesetzes Ursprung, der nackte Wille zur Gewalt außerhalb  des Raums des Rechts. Dieser Wille spannt diesen Raum erst auf. Der  Polit-Cop Haider: Freiheit und Notwendigkeit in Personalunion. Seine  Freiheit war Einsicht in das, was man als kleiner Mann für nötig hält.  Arbeit muss sein. Österreich den Österreichern. Freiheit für uns, damit  wir tun können, was wir müssen.</p>
<p>Damit bewegte sich Haider im weiten Feld der Schnittmenge im  Gefühlshaushalt der Rechten und der Linken. Das konnte er so spielend  leicht, nicht nur weil er eine psychobiografisch bedingte Begabung dafür  aufwies, sondern weil die konformistische Rebellion in allen steckt, die  es in dieser Gesellschaftsform aushalten sollen. Sein potenzielles  Publikum war demnach groß. Denn Rebellion ganz ohne Konformismus heißt  in der kapitalistischen Gesellschaft letztlich, die eigene Vernichtung  zu betreiben. Konformismus ohne Rebellion jedoch ist ebensowenig  möglich, weil dem Zwang am Individuum immer etwas entkommt &#8211; sexuelle  Leidenschaft, ein Traum vom besseren Leben, Zweifel, Enttäuschung, Wut,  die Erfahrung von Liebe.</p>
<p>Die besondere Gefährlichkeit von Haider und seinen Fans liegt allerdings  darin, das, was in ihnen vorgeht, vollständig zu verdrängen. Sie können  so ungeniert den Anderen zum Sündenbock, zur Ursache ihres Leidens  erklären, weil sie ihr Leben für so richtig halten. Alles daran stimmt:  die Heimat, die so schön ist; die Arbeit, die man tun muss; die  Leistung, die belohnt wird; und dass man kein Slowene ist, ein Ausländer  oder gar ein Jude; und auch kein Homosexueller (der Haider &#8211; Heuchelei  verpflichtet &#8211; offenkundig war).</p>
<p>Das freilich ist wiederum Allgemeingut, in abgeschwächter Form. Und  genau deshalb ist die kapitalistische Gesellschaftsform, gerade in ihrer  Krise, so gefährlich: dass in dieser Sicht im Grunde alles daran stimmt  &#8211; die Lohnarbeit, die man mitbestimmen will; die Steuern, die man zahlen  soll; die Demokratie, die unser höchstes Gut ist und die man ausweiten  müsste; der Nationalstaat und das Geld, beides feine Sachen; würde man  nur richtig regieren und regulieren. Wären da nicht die Regellosen und  die Deregulierten.</p>
<p>Anders als beim Polit-Cop Haider und in Leserbriefen an die  <em class="moz-txt-slash"><span class="moz-txt-tag">/</span>Kronen-Zeitung<span class="moz-txt-tag">/</span></em>, wo man hinter der Finanzkrise dunkle Personen ahnt,  die ins Gefängnis gehören, steht man hier, im Allgemeinen, allerdings  auf der Seite des Staatsanwalts. Man fordert Regeln für die Reichen,  appelliert an die Autorität, in deren Händen die Macht zum Guten liegt.  Ist Haider ein konformistischer Rebell, so handelt es sich hier um einen  rebellischen Konformismus. Befreiung ist für ihn ein Fremdwort, die  Regulierung ist sein Nonplusultra.</p>
<p>Wenn Bundespräsident Heinz Fischer Jörg Haider &#8220;Talente&#8221; und  &#8220;Begabungen&#8221; nachsagt, so ist das deutlich zu relativieren. Haider  glänzte weder intellektuell noch moralisch oder ästhetisch. Er war nicht  integer und auch kein Visionär. Als Haider plakatierte, &#8220;Er hat Euch  nicht belogen&#8221;, glaubten ihm das laut einer Umfrage nicht einmal seine  Wähler. Hier ist eine Analogie zu Hitler ausnahmsweise stimmig.  Allerdings springt diese Durchschnittlichkeit, mit dem Abstand der  Jahrzehnte, bei Hitler noch frappierender ins Auge. Wer heute mit  heutigen Augen und Ohren eine Rede Hitlers verfolgt, sieht einen  unscheinbaren, ja, unappetitlichen Menschen, hört einen, der brüllt und  undeutlich Sätze artikuliert, die keinen Sinn mehr haben. &#8220;Groß&#8221; und  &#8220;bedeutend&#8221; war Hitler, war Haider, nicht aus eigener Kraft, sondern  weil die Leute ihre Kraft auf sie projizierten, sich ihrer  Eigenständigkeit enteigneten, die zum Idol gerann.</p>
<p>Der konformistische Rebell zieht alle Wünsche der Wunschlosen auf sich.  Er verkörpert das, was ihnen abgeht: ihren Zusammenhang als Menschen.  Das tut er, weil die, die ihn anhimmeln, sich nicht anders aufeinander  beziehen können als durch ihn, das allgemeine Äquivalent ihrer Ohnmacht,  Spektakel ihrer Unterwürfigkeit, in die sie selbst sich begeben haben.  Wer Äußerungen zum Tod von Haider liest oder hört, dem wird dieses  Moment ins Auge springen &#8211; Haider, der mir geholfen hat; Haider, ohne  den ich Angst habe; Haider, der Sicherheit gab; Haider, ohne den wir  nicht wissen, wie es weitergeht; Haider, der ein echter Haider war, bis  in den Tod; das war einfach er, der Haider.</p>
<p>Ich und Haider, Haider und Ich. Wir, die Haiderianer. Nicht Du und Ich,  keine freie Assoziation der Individuen, sondern die Uniformität der  Isolierten, der voneinander Abgewandten und deshalb auf ihn  Ausgerichteten &#8211; das wird hier deutlich sichtbar. Seine Fans existieren  als Fans nur durch ihn und in ihm, wie Dr. Haider als Dr. Haider nur in  ihnen und durch sie existiert, fleischgewordene Projektionsfigur ihres  wunschlosen Unglücks.</p>
<p>Als Erich Fromm in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, also  am Vorabend der NS-Herrschaft, den Sozialcharakter von Arbeitern und  Angestellten in Deutschland mit den Methoden der statistischen  Psychoanalyse studierte, kam er zu folgendem Ergebnis: 10 % der mehr als  3.000 Befragten hatten einen autoritären, 15 % einen stark  antiautoritären Charakter. 75 % fielen in die Kategorie des ambivalenten  Charakters zwischen diesen Polen. Fromm wollte wissen, &#8220;in welchem  Ausmaß die jeweiligen politischen Meinungen mit der Gesamtpersönlichkeit  übereinstimmen.&#8221; Seine These war, dass bewusst verfolgte Ziele, all das,  was Menschen behaupten, politisch anzustreben, nicht unbedingt das sein  muss, was sie tatsächlich mit Leidenschaft erhoffen, und wofür sie  letztlich eintreten.</p>
<p>Diese These erwies sich nach Abschluss der Erhebungen, die in der  Hauptsache zu Beginn der Großen Depression, 1929 und 1930 durchgeführt  worden waren, von einer schlagenden Evidenz, &#8220;denn der Triumph des  Nationalsozialismus enthüllte einen erschreckenden Mangel an  Widerstandskraft in den deutschen Arbeiterparteien, der in scharfem  Gegensatz zu deren numerischer Stärke stand, wie sie sich in den  Wahlergebnissen und Massendemonstrationen vor 1933 gezeigt hatte&#8221;,  schreibt Fromm. Tatsächlich entsprach der Massencharakter der Menschen,  die in der Arbeiterbewegung aktiv waren, eher einem autoritären Muster,  was es den Nazis leicht machte, ihre Ziele zu erreichen, als sie darum  zu kämpfen begannen, die Ambivalenten auf ihre Seite zu ziehen.</p>
<p>So erklärt sich auch der politische Verlauf vieler Rebellionen und eine  häufige persönliche Biografie politisch Aktiver. &#8220;Man könnte das  politische Leben des zwanzigsten Jahrhunderts als einen moralischen  Friedhof von Persönlichkeiten bezeichnen, die als angebliche  Revolutionäre begannen und sich als bloße opportunistische Rebellen  entpuppten&#8221;, schreibt Erich Fromm in <em class="moz-txt-slash"><span class="moz-txt-tag">/</span>Der revolutionäre Charakter<span class="moz-txt-tag">/</span></em> 1963.</p>
<p>Wohin wird die Globalisierungskritik tendieren, wenn die Krise erst  einmal ihre Regulierungsillusionen überrollt hat? Wie werden die  Gewerkschaften reagieren, wenn die Hoffnung, mit Wohlverhalten  Zugeständnisse abringen zu können, zunichte ist? Wie handeln wir, wenn  das Eintreten für eine gesellschaftliche Alternative schwieriger, aber  auch entscheidender wird? Wollen wir auf Autoritäten vertrauen oder  beginnen wir, ein anderes Leben praktisch ins Werk zu setzen? Wie können  wir den Konformismus zurückdrängen und die Eigenständigkeit stärken,  auch in uns selbst? Wie wird die Freiheit vom Leiden an der Gesellschaft  attraktiv &#8211; und damit die einzige Perspektive, die uns bleibt, real.</p>
<p>Dass Haiders Tod massenhaft Trauer auslöst, ist schlimm genug. Schlimmer  jedoch ist die Rücksichtnahme auf die Gefühle seiner Fans, die von allen  geteilte Betroffenheit, die allgemeine Identifikation mit der  Herrschaft. Der konformistische Rebell ist eine gefährliche Figur. Nun  ist zu sehen, dass diese Charakterstruktur hierzulande dominiert.  Begrabt Haider.</p>
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		<title>Buchvorstellung: Die Grenzen des Kapitalismus</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Oct 2008 06:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Antisemitismus und Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Krisentheorie und Krisenanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik der Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Naturverhältnis und Ökologie]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Lauk]]></category>
		<category><![CDATA[Die Grenzen des Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Konstantin Kulterer]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie wir am Wachstum scheitern.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><a href="http://www.social-innovation.org/"><img src="http://www.social-innovation.org/wp-content/uploads/2008/09/exner_et_al_21.jpg" border="1" alt="" hspace="8" width="113" height="170" align="left" /></a>Wie wir am Wachstum scheitern</h3>
<p><em>Von Andreas Exner, Christian Lauk und Konstantin Kulterer</em></p>
<p>220 Seiten EUR: 19,95 CHF: 34,80</p>
<p><a href="http://www.amazon.de/Die-Grenzen-Kapitalismus-Wachstum-scheitern/dp/3800073668/" target="_blank">Bestellen auf Amazon</a></p>
<p>Das Buch „Die Grenzen des Kapitalismus – wie wir am Wachstum scheitern“ ist ein Projekt des Social Innovation Network (Sinet) und das Ergebnis mehrjähriger, intensiver Diskussionen im Kreis um Andreas Exner, Christian Lauk, Konstantin Kulterer, Ernst Schriefl aus Wien und Klagenfurt. Wir möchten zeigen, dass der in das kapitalistische System eingebaute, positive Rückkopplungsmechanismus namens Wirtschaftswachstum mit einem kontinuierlich steigenden Verbrauch von Energie und Rohmaterialien verbunden ist. Und dass dieser steigende Verbrauch – und somit auch das Wirtschaftswachstum – früher oder später an seine natürlichen Grenzen stoßen wird.</p>
<p><span id="more-766"></span>Mit unserem Buch ist diese Diskussion nicht beendet. Ganz im Gegenteil: Eine zum guten Teil auf knappe natürliche Ressourcen (Land, Energie und Rohmaterialien) zurückzuführende Inflation verteuert Grundnahrungs- und andere Lebensmittel und zeigt die Dringlichkeit eines radikalen Umdenkens. Wir sind uns sicher: Der Entwicklungspfad, auf dem sich unsere Gesellschaft seit der industriellen Revolution befindet, ist eine Sackgasse. Er ist nicht auf Sand, schlimmer, er ist auf die fossilen Energien Kohle, Öl und Gas gebaut. Und die reichen nicht ewig. Doch wie kommen wir da raus? Und wo wollen wir hin?</p>
<p>Wir widmen uns mit diesem Weblog allem, was helfen könnte, der Antwort auf diese Fragen näher zu kommen – praktisch und theoretisch. Wir wollen bequeme, doch gefährliche Illusionen zerstören. Zum Beispiel, wenn von Spiegel Online oder sonstwem wieder einmal ein technologisches Großprojekt als Lösung aller Energieprobleme gefeiert wird. Wir wollen die von der Mainstream-Ökonomie gepredigte Problemlösungskraft des Marktes als Zerstörungskraft entlarven. Zum Beispiel, wenn das angebliche Heilmittel Emissionshandel gepredigt wird. Wir wollen aber auch auf Projekte aufmerksam machen und diskutieren, die Keimformen für die nächste große Epoche nach der Industriegesellschaft sein könnten. Und, last not least, machen wir auf wichtige Termine von uns und uns nahestehenden Gruppen aufmerksam.</p>
<p>Wir laden herzlich dazu ein, unsere Beiträge zu kommentieren und zu diskutieren! Je nach Zeit, Lust und Laune diskutieren wir gerne mit!</p>
<p><a href="http://www.social-innovation.org/">http://www.social-innovation.org/</a></p>
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		<title>Ressourcenkrise als Formationsbruch</title>
		<link>http://www.krisis.org/2008/ressourcenkrise-als-formationsbruch</link>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 08:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krisentheorie und Krisenanalyse]]></category>
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		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>
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		<description><![CDATA[Oder: Emanzipation unter Bedingungen, die sich die Linke nicht gewünscht hat]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Oder: Emanzipation unter Bedingungen, die sich die Linke nicht gewünscht hat</h3>
<p><a href="http://www.krisis.org/2008/emancipation-under-conditions-that-the-left-didnt-want">englische Version</a></p>
<p>analyse &amp; kritik 530, 15.8.2008</p>
<p><em>Andreas Exner, Christian Lauk, Konstantin Kulterer</em></p>
<p>Steigende Preise für Lebensmittel vergrößern den Hunger, es droht eine globale Rezession und gleichzeitig wird Energie immer teurer. Innerhalb weniger Jahre hat sich das Terrain für linke Bewegungen dramatisch verändert. Doch viele setzen weiter auf bekannte Rezepte. Damit zielt man an den realen Herausforderungen vorbei.<span id="more-804"></span> So werden beispielsweise die steigenden Erdölpreise höchst widersprüchlich debattiert. Während manche die Marktmacht der OPEC im Zentrum sehen, betonen andere die Rolle der Spekulation, der Ölkonzerne, der Nachfrage in den Schwellenländern oder den Krieg im Irak.</p>
<p>Praktisch unbemerkt weisen Studien allerdings darauf hin, dass die steigenden Erdölpreise bereits den Peak Oil widerspiegeln könnten, den Höhepunkt der Erdölförderung. Die <em>Energy Watch Group</em> datiert den Peak Oil auf das Jahr 2006, andere rechnen damit in naher Zukunft. Tatsächlich bringt nicht erst der letzte Tropfen Erdöl die Krise. Sie beginnt weit früher: dann nämlich, wenn die Förderung zurückgeht und weder eine wachsende noch die bestehende Nachfrage mehr decken kann. Nach dem Peak geht die Förderung mit einer Rate von zwei oder mehr Prozent pro Jahr zurück.</p>
<h3>Vom Akkumulations- zum Depreziationsregime</h3>
<p>Ebenso unbemerkt verweist inzwischen auch die Internationale Energieagentur (IEA) auf die kommende &#8220;Versorgungskrise&#8221;. Ähnlich der Ölkonzern Total, der erklärte, die Ölförderung sei immer schwieriger zu erhöhen. Sogar der EU-Energiekommissar Andris Piebalgs warnt bereits vor dem Peak Oil. Nichts davon dringt in die Klimadebatte oder die Ökobewegung. Seltsam eigentlich, denn hohe Erdölpreise galten bisher als Wundermittel für den ökologischen Umschwung. Fast wirkt es so, als würde auch die Ökobewegung stillschweigend auf das Erdöl setzen.</p>
<p>Dabei ist der Peak Oil nur ein Teilproblem. Die <em>Energy Watch Group</em> prognostiziert den globalen Peak bei Erdgas und Kohle für 2025. Bei Erdgas dürfte der entscheidende regionale Peak für Europa früher eintreten. Jedenfalls werden auch die anderen fossilen Stoffe teurer, wenn sich die Nachfrage vom Erdöl auf sie verschiebt. Umso mehr, als der Aufwand für die Erdöl- und die Kohleförderung zunimmt.</p>
<p>Die fossilen Stoffe decken rund 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Dagegen bildet den Löwenanteil der &#8220;Erneuerbaren&#8221; die traditionelle Brennholznutzung im globalen Süden. Erdöl und Erdgas sind zudem die zentralen Ausgangsmaterialien der Chemie. Kunststoffe, Arznei- und Pflanzenschutzmittel werden auf Erdölbasis produziert, und die Herstellung von Stickstoffdünger ist auf Erdgas (oder Kohle) angewiesen.</p>
<p>Es gibt also auch ein Stoffproblem. Allein der Bedarf an Kunststoffen für Textilien ist enorm. Will man ihn mit Baum- oder Schafwolle oder Hanf decken, so schränkt das die Flächen für die Ernährung weiter ein. Umso mehr, wenn der Klimawandel zu Produktionseinbußen führt und sich nach dem Peak Gas der Stickstoffdünger verknappt.</p>
<p>Das Fazit ist: Lichtet sich erst einmal der &#8220;unterirdische Wald&#8221; der fossilen Stoffe, so bleibt nur die Expansion in die Fläche. Dort aber kostet eine Ausdehnung des Energie- und Stoffkonsums der wenigen das Leben vieler. Vor allem, wenn man Biomasse nutzt.</p>
<p>Neben den Erdölpreisen steigen auch die Preise für Metalle. Und davon brauchen die erneuerbaren Energiesysteme eine ganze Menge. So verwundert nicht, dass in Deutschland bereits die Neuinstallation von Windkraftanlagen zurückgeht und steigende Rohstoffpreise den Ausbau der Solarenergie bremsen. Hinter der Wachstumsfixierung vieler Linker steckt ein geheimes Wissen: Ein angeblich &#8220;ökologischer&#8221; Umbau des Kapitalismus ist nur möglich, wenn es Profit und Wachstum gibt. Doch wird fälschlich angenommen, dass das Kapital von selbst auf die &#8220;Erneuerbaren&#8221; switcht, wenn die Preise der &#8220;Fossilen&#8221; steigen. Demgegenüber wird nun sichtbar, dass mit steigenden Energiepreisen alle Preise steigen. Die &#8220;Erneuerbaren&#8221; werden nicht von selbst attraktiv, und in einer allgemeinen Rezession verschwinden auch die investiven Mittel für den &#8220;ökologischen&#8221; Umbau.</p>
<p>Hinzu kommt, dass Distribution und Nutzung der Energie an die fossilen Energien angepasst sind: ob Pipelines, Öltanker, alle möglichen Motoren oder simple Heizungen. Nicht nur ein Umbau der Energieversorgung ist also nötig, sondern auch ein gewaltiger Umbau der gesamten Technologie und Infrastruktur. Und auch diesen ermöglichen in kapitalistischen Produktionsverhältnissen nur Profite und die Erwartung von Profiten. Dieser grundlegenden Beschränkung unterliegen auch die Staatsausgaben.</p>
<p>Außer dem Nadelöhr der Verwertung gibt es noch ein stoffliches Übergangsproblem: Werden zu wenige fossile Ressourcen in zu langer Frist für den Aufbau erneuerbarer Stoff- und Energiesysteme investiert, so reichen ab einem gewissen Punkt die fossilen Ressourcen nicht mehr aus, um auch nur annähernd so viel Energie und Stoffe zu produzieren wie heute. Umgekehrt intensiviert sich die Verknappung und verlangsamt sich das Wachstum, wenn man in zu kurzer Zeit zu viele fossile (und metallische) Ressourcen in den Ökoumbau lenkt.</p>
<h3>Fetischisierung der Krise soll Repressionen legitimieren</h3>
<p>Der Fordismus hat seine Widersprüche an die Peripherie, aber auch in die Zukunft verlagert. Heftige soziale Kämpfe hatten im 20. Jahrhundert eine spezifische Bearbeitungsweise von Konflikten hervorgetrieben, die darin bestand, diese qua Wachstum in die Umwelt zu &#8220;verklappen&#8221;. Dieser &#8220;produktivistische Sozialpakt&#8221; zwischen Unternehmern und Lohnabhängigen zehrte an der natürlichen Lebensbasis. Nun quillt der Müll &#8211; in Gestalt von Klimawandel und Co. &#8211; zurück in die Metropolen und die Ressourcenquellen werden knapp. Zugleich nehmen soziale Kämpfe zu.</p>
<p>Damit werden die Perspektiven jener knapp, die auf ein neues Akkumulationsregime nach dem Ende des fossilen Ressourcenregimes setzen. Nicht nur zeigt sich, dass die inneren Widersprüche des Kapitalismus kein Potenzial der Befreiung haben. Denn genau diese Widerspruchsdynamik hat ja in erhöhter Naturaneignung resultiert. Vielmehr wird auch klar, dass die kapitalistisch-bürgerliche Gesellschaftsformation nicht für ihre &#8220;Selbstaufhebung&#8221;, sondern nur für Selbstzerstörung taugt. Akkumulation des Kapitals heißt immer auch Akkumulation von Müll und Erschöpfung natürlicher Ressourcen. Das zeigen empirische Daten eindeutig. Ebenso klar muss sein: Eine absolute Reduktion von Verbräuchen, Emissionen und Abfällen ist, während das Kapital akkumuliert, nicht möglich.</p>
<p>Wenn der Wert der fossilen (und metallischen) Inputs steigt, weil die Förderung immer aufwendiger wird und geringere Erträge bringt, so verändert das den Kapitalwert. Der Wert der Produktionsmittel vergrößert sich, Ausrüstungsgüter für die extrem kapital- und zunehmend energieintensive Erdölförderung mit inbegriffen; aber auch der Wert der Ware Arbeitskraft, soll der warenförmige Lebensstandard annähernd konstant bleiben. Dann verlängert sich die gesamtgesellschaftliche Arbeitszeit zur Reproduktion der Arbeiterklasse, womit die unbezahlte Arbeitszeit zurückgeht. Folglich sinkt die Mehrwertrate, denn sie ist nichts anderes als das Verhältnis von unbezahlter zu bezahlter Arbeitszeit. Wahrscheinlich steigt zugleich der Grad der Wertzusammensetzung, das heißt das Verhältnis von toter zu lebendiger Arbeit. Aber selbst wenn dieses gleich bleibt: Die Profitrate sinkt.</p>
<p>Das einzige Gegenmittel wären längere Arbeitszeiten bei intensivierter Arbeit und einer starken Absenkung des Lebensstandards &#8211; sofern die Mehrwertrate dann schneller steigt als der Grad der Wertzusammensetzung. Doch diese Akkumulationsstrategie aus dem 19. Jahrhundert riskiert in Hinblick auf soziale Kämpfe ihren Kopf. Vor allem aber kann sie das fossil betriebene Kapital nicht in existierendem Umfang verwerten.</p>
<p>Diese ökologische Krise des Kapitals bereitet nicht mehr wie bisher den Boden eines neuen langen Schubs der Akkumulation. Denn sie vernichtet nicht allein den Wert, sondern vor allem auch den Gebrauchswert der betroffenen Kapitalien. Selbst wenn es regional oder sektoral zu einem neuen Aufschwung kommt, so begrenzen ihn die Peaks.</p>
<p>Und er findet auf geringerem Niveau des Outputs statt. An die Stelle eines neuen Regimes der Akkumulation tritt so ein globales Depreziationsregime (Entwertungsregime). Vom Standpunkt des Kapitals aus wäre dabei der bestmögliche Fall noch eine &#8220;Akkumulation auf dem Rückzug&#8221;, die von metropolitanen Bastionen aus die übrige Welt für den Wechsel der Ressourcenbasis in Form eines Erdöl- und Biomasseimperialismus funktionalisiert.</p>
<p>Weil die Linke immer noch eine Modernisierungsbewegung ist, hat sie womöglich größere Probleme als die Elite, die Peak-Epoche in den Blick zu bekommen. Für die Sicherung von Herrschaft sind kapitalistische Produktionsverhältnisse grundsätzlich sekundär. Es müssen lediglich der Zugang zu Ressourcen und zu Lebenszeit gewährleistet und ihre Ausbeutung ausreichend legitim erscheinen.</p>
<p>Dass sich die Elite im Verlauf der großen Depreziationsbewegung grundlegend restrukturiert, während die Linke nach einem neuen Akkumulationsregime vergeblich Ausschau hält, ist nur die eine Gefahr. Die andere besteht darin, fetischistischen Deutungen der ökologischen Krise Vorschub zu leisten. Dort, wo eine Analyse der Naturgrundlagen und der sozialen Verhältnisse der Naturaneignung fehlt, weil sie nicht in das Bild des &#8220;ewigen Kapitalismus&#8221; passt, bekommen wahnhafte Verarbeitungsformen freies Spiel, die drohen, Repression und Ressourcenkriege zu rechtfertigen.</p>
<h3>Auch linke Leitbilder sind auf Wüstensand gebaut</h3>
<p>Denn nach herrschender Sichtweise, die beileibe nicht nur die Sichtweise der Herrschenden, sondern ebenso die der Beherrschten ist, kann das Investitions- und Konsumniveau des globalen Nordens niemals des Übels Wurzel sein. Da sind eher die Chinesen schuld oder überhaupt &#8220;die Überbevölkerung&#8221;. Schon deutet sich ein neuer Fetischismus an, der die Krise der gesellschaftlichen Naturverhältnisse nicht als solche erkennt, sondern stattdessen einen Teil der Gesellschaft zur Natur erklärt. In der Peak-Epoche könnten Rassismus und Sexismus dem Antisemitismus als klassische metropolitane Krisenideologie den Rang ablaufen.</p>
<p>Ungeachtet der Tatsache, dass Klimawandel und Peak Oil nur zwei Seiten einer Konsum- und Produktionsweise darstellen, sind die beiden Debatten über weite Strecken strikt getrennt. Dort aber, wo sie zusammenlaufen, gewinnt ein Rationierungsdiskurs an Kontur. Das Cap-and-Share-Modell von FEASTA etwa will Verschmutzungsrechte (mit abnehmender Jahresmenge) allen Individuen zu gleichen Teilen und bedingungslos überlassen. Die irische Regierung bekundete Interesse an der Idee. Und das Konzept der Tradable Energy Quotas von David Fleming stieß bei britischen StaatsvertreterInnen auf Resonanz.</p>
<p>Während FEASTA einen egalitären Ansatz hat, der de facto die fossile Ressourcenbasis der Betriebe vergesellschaftet, will Fleming den Staat und die Unternehmen von vornherein mit 60 Prozent der fossilen Rationen bzw. von Verschmutzungsrechten ausstatten, die sie in einem zweiten Schritt ersteigern müssen. Ansätze wie das Oil Depletion Protocol von Richard Heinberg wiederum stellen die Kritik von Herrschaft angesichts der Krise überhaupt und dezidiert hintan. Die soziale und die ökologische Frage verdichten sich hier also zu einem neuen Terrain der Auseinandersetzung, das Möglichkeiten der Emanzipation, aber auch viele Fallen birgt.</p>
<p>Die Peak-Epoche verändert die material-ökologischen Verhältnisse tief greifend. Die Linke, die mit den fossilen Ressourcen groß geworden ist, muss sich so rasch wie möglich darauf einstellen. Dazu gehört auch, die eigenen Leitbilder zu hinterfragen. Können &#8220;Fortschritt&#8221; oder die &#8220;Befreiung&#8221; von einem angeblichen &#8220;Reich der Notwendigkeit&#8221; noch sinnvolle Zielbestimmungen abgeben?</p>
<p>Es scheint fraglich. Als Leitbild für die Peak-Epoche bietet sich nicht Entwicklung an, sondern Abwicklung. Denn die Infrastrukturen und sozialen Verhältnisse, die sich im 20. Jahrhundert auf einer ständig verbreiternden fossilen Basis aufgebaut haben, sind buchstäblich auf Wüstensand gebaut. Es gilt, sich von diesem Ballast zu lösen.</p>
<p>Was vielen als Zumutung erscheinen wird, ist allerdings als eine historische Chance zu begreifen. Sie zwingt uns nicht nur dazu, das zu tun, was wir &#8220;ohnehin schon immer wollten&#8221;. Sie gibt uns auch die reelle Möglichkeit, Herrschaftsstrukturen, die sich tief greifend reorganisieren müssen und damit angreifbar werden, nicht in eine neue Gesellschaftsform mit einer stationären &#8220;Wirtschaft&#8221; auf erneuerbarer Basis fortzusetzen, sondern abzubauen.</p>
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		<title>Die Welt &#8211; ein Dorf: Interview mit Andreas Exner</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 07:00:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Zum neuen Buch “Die Grenzen des Kapitalismus”]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zum neuen Buch &#8220;Die Grenzen des Kapitalismus&#8221;</p>
<p>Download: <a href="http://www.archive.org/download/krisis/die-welt-ein-dorf-interview-mit-andreas-exner-audio-53-mb.mp3">die-welt-ein-dorf-interview-mit-andreas-exner-audio-53-mb.mp3</a> (53 MB)</p>
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		<title>Die große Illusion &#8211; Mega-Blase Weltwirtschaft</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Oct 2008 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kritik der traditionellen Linken]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Mega-Blase Weltwirtschaft]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>www.social-innovation.org, 6. Oktober 2008</p>
<p><em>Andreas Exner</em></p>
<p>Die “Regulation der Finanzmärkte” wird zum neuen Mainstream. Der CDU-Politiker Heiner Geißler erklärt, dass “die Marktideologie gescheitert” sei. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac fühlt sich bestätigt. Hat man es doch seit Jahr und Tag gesagt: die “entfesselten” Finanzmärkte sind instabil. Nun fühlt Attac seine große Stunde gekommen, so scheint’s. Und man bläst zum Halali: “Die Krise ist die direkte Folge der Gier und der Skrupellosigkeit der Banker und Fondsmanager &#8211; und vor allem der Tatenlosigkeit der Politik”, tönt Attac Deutschland auf der Titelseite seiner Webpage.</p>
<p>Attac liegt falsch.<span id="more-800"></span></p>
<p>Die vermeintliche “Gier” ist dem Kapitalismus eingebaut. In einer Geldwirtschaft macht Produktion nur Sinn, wenn mehr Geld dabei herauskommt als investiert worden ist. Das erzwingt nicht zuletzt die Konkurrenz &#8211; wer keinen Profit macht, kommt darin um. Und weil am Markt niemand vor dem anderen sicher ist, wird der Profit auch nach Kräften maximiert. Ganz abgesehen davon, dass in einer Geldwirtschaft es gar nicht anders sein kann als dass mehr Geld besser ist als weniger Geld. Attac fuchtelt völlig zu Unrecht mit dem moralischen Zeigefinger herum. Mehr Moral hilft keinen Zentimeter weiter, wenn das Problem in der Struktur der Gesellschaft liegt. Skrupellos ist es, nur Leben zu können, wenn man sich verkaufen kann. Dass Attac dagegen jemals aufgetreten ist, habe ich noch nicht gehört.</p>
<p>Darüber hinaus ist Spekulation auch kein Privileg der Finanzmärkte. Vielmehr ist jede wirtschaftliche Tätigkeit im Kapitalismus letztlich spekulativ. Kein Produzent kann nämlich sicher sein, dass sein Unternehmen auch erfolgreich ist. Das zeigt sich ja immer erst in der Zukunft. Wer keine Kristallkugel hat, muss also spekulieren. Ganz egal, ob ein Betrieb nun Waren produziert oder ein Investmentfonds Unternehmen kauft.</p>
<p>Die “Gier” der “Wallstreet” anzuprangern ist aber nicht bloß falsch. Schlimmer noch: sie grenzt an Heuchelei. Der globale Norden verbraucht bekanntlich ein Vielfaches der Ressourcen des globalen Südens. Wir fressen der Welt buchstäblich die Zukunft weg. Dagegen sind die vermeintlichen Eskapaden von Managern nicht mehr als Peanuts. Die “Heuschrecken” sind nicht die Manager, sondern wir selbst.</p>
<p>Warum werden dennoch “die Spekulanten” für die Krise einer Produktionsweise verantwortlich gemacht, für die letztlich alle die “Ursache” sind, die Konsumenten, Arbeiterinnen und Wähler. Die Antwort scheint mir in zwei Richtungen zu liegen. Erstens ist es immer bequem, “die Anderen” zur Wurzel eines Missstands zu erklären. Weit unbequemer zum Beispiel wäre es, sich für die Hungernden einzusetzen und eine militante Kampagne gegen den individualisierten Massenverkehr zu starten. Unbequem wäre es auch, Arbeitskämpfe zu Kämpfen um die gesellschaftliche Kontrolle der Produktion zu radikalisieren.</p>
<p>Zweitens aber zeigt sich in der projektiven Schuldzuweisung im Sündenbock genau die Ohnmacht und Perspektivlosigkeit, die Attac nach eigenen Aussagen eigentlich bekämpfen will. Doch anstatt zu versuchen, das eigene Leben in die Hand zu bekommen, vom Alltag bis hin zur Organisation der Produktion, stellt Attac Forderungen an “Vater Staat”. Der kann vermeintlich alles regeln, wenn man ihn mit guten Argumenten und gutem Willen überzeugt. Damit hat man sich der Chance, das eigene Leben selbst zu gestalten, schon begeben.</p>
<p>Tatsächlich ist die Krise kein begrenzter Brand an der Wallstreet, den man mit ein paar Gesetzen in den Griff bekommen wird. Es zeigt sich vielmehr eine historische Grenze des kapitalistischen Weltsystems. Wir nähern uns dem Kulminationspunkt einer Krise des Wachstums und der Umwelt, die sich seit dem Ende der 1960er Jahre aufgebaut hat.</p>
<p>Damals waren beim Ölschock 1973 erstmals natürliche Grenzen für die breite Masse vorstellbar geworden. Und schon ein paar Jahre vorher begann die Profitrate der Weltwirtschaft zu fallen. Die 1970er Jahre waren deshalb ein Jahrzehnt schwachen Wachstums und zunehmender sozialer Auseinandersetzungen. Umso mehr, als eine ganze Generation die Arbeit und das Geldverdienen satt hatte und gegen Bosse, Politik und Normen rebellierte.</p>
<p>Erst die neoliberale Politik von Thatcher und Reagan setzte einen wirksamen Gegenschlag. Sozialabbau, Reallohnsenkungen, eine Verschärfung von Arbeitsdichte und Arbeitszwang &#8211; ganz allgemein eine zunehmende Kontrolle der Lohnabhängigen durch Staat und Kapital &#8211; ließen die Profitraten wieder steigen. Während der globale Norden sein Konsummodell fortschrieb, trieb er allerdings auch die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen massiv voran. Als in den 1990er Jahren dann die Tigerstaaten sowie Indien und China die Bühne der Weltwirtschaft betraten, nahm der Druck auf die Produktionsgrundlagen weiter zu.</p>
<p>Die steigenden Rohstoffpreise, die Teuerung bei Lebensmitteln und Energie zeigen also: die kapitalistische Produktionsweise erreicht ihre Grenzen.</p>
<p>Das schlägt sich bereits in der Wirtschaft nieder. So haben viele Unternehmen schon vor dem vollen Ausmaß der Finanzkrise, das sich nun schrittweise zeigt, Gewinnwarnungen ausgegeben &#8211; und zwar aufgrund der steigenden Rohstoffpreise. Die Provimi-Gruppe etwa, einer der weltweiten Führer im Futtermittelsektor, vermeldete 2007 um 15 % geringere Profite als im Vorjahr. Der Grund: Teuerung bei Rohstoffen. Ebenso der Autobauer Toyota. Business Standard schließlich berichtet, dass die Profite der indischen Wirtschaft nicht zuletzt unter hohen Rohstoffpreisen leiden. Die Liste solcher Meldungen ist lang.</p>
<p>Die Steigerung der Inputkosten schlägt sich auch auf die Erdölbranche nieder, die ohnehin eine der kapitalintensivsten Branchen der Weltwirtschaft ist. So werden etwa Erdölbohrungen teurer. Ein aktueller Bericht der International Herald Tribune sieht darin eine der Ursachen für die Stagnation der Erdölförderung in Nicht-OPEC-Staaten. Das ist plausibel, denn die großen Ölfelder der Welt sind bereits alt und immer schwerer auszubeuten. Reserven neu zu erschließen wird immer aufwendiger und bei steigenden Energie- und Materialkosten wird der Energy Return on Energy Invested (EROI), das Verhältnis zwischen energetischem Aufwand und Ertrag, immer schlechter werden.</p>
<p>Für die Lohnabhängigen steigen deshalb die Lebenshaltungskosten. Sollten sie als Reaktion darauf höhere Löhne durchsetzen, so würde das die Profite noch stärker unter Druck bringen und die Rezession &#8211; falls das dann überhaupt noch möglich ist &#8211; verschärfen. Das ist fürs Erste aber ohnehin sehr unwahrscheinlich, denn in einer Rezession steigt die Arbeitslosigkeit und die Bereitschaft zu Arbeitskämpfen sinkt.</p>
<p>Der Finanzblase geht vor den Augen der Welt die Luft aus. Doch beteiligen sich all jene, die wie Attac den Ernst der Lage verkennen und billige Rezepte verkaufen wollen, an der Bildung einer neuen Blase, die mindestens genauso gefährlich ist: der Illusion der “Regulation”. Diese Blase freilich wird viel rascher als die Immobilienblase platzen, wenn das wahre Ausmaß der Krise erst einmal schlagend wird. Dann aber ist wertvolle Zeit bereits verloren.</p>
<p>Es ist unangenehm, aber wahr. Angesichts der Ressourcenverknappung und des Klimawandels ist die Weltwirtschaft bereits im Ganzen eine “Blasen-Ökonomie”; eine monströse Wette auf eine Zukunft, die nicht mehr kommen wird. Diese Realität gilt es zu erkennen. Und die Konsequen daraus zu ziehen: Wir müssen selbst Auswege suchen, die tragfähig sind. Die Politik wird dabei schwerlich helfen.</p>
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