Die Arbeit hoch? — Kapitel 8
Berufspädagogische Streitschrift wider die Totalverzweckung des Menschen im Postfordismus
8. Ohne Muße keine (berufliche) Bildung!
Die Unfähigkeit zur Opposition ist Zeichen der Verknechtung durch die eigene Vergangenheit. — Hans-Jochen Gamm1
Selbst-Bewußtsein – das Bewußtsein seiner selbst – und die damit verbundene Fähigkeit zur Selbst-Reflexion ist es, was den Menschen spezifisch auszeichnet und ihn von anderen Lebewesen unterscheidet. Dieses konstituierende Merkmal ermöglicht es ihm, seine individuelle Geschichte in bezug auf eine selbstgewählte Richtung zu beeinflussen sowie die Geschichte seiner gesellschaftlichen Einheit und der Gattung insgesamt mitzugestalten. Der Mensch ist grundsätzlich in der Lage, die aus der kritischen Reflexion seiner Erfahrungen gewonnenen Erkenntnisse in einen Sinnzusammenhang zu bringen, darauf aufbauende “sinn-volle” Zielvorstellungen zu entwickeln und diese zu verfolgen. Durch die Befähigung zur vernünftigen Reflexion ist der Mensch aus dem Tierreich mit seiner instinktiven Ausstattung herausgehoben, sie stellt die grundsätzliche Basis seiner Emanzipation von der Natur dar2, wenngleich er seine Anbindung an die Natur auch nur graduell abzuschütteln vermag. Die Vernunftausstattung ermöglicht ihm die Reflexion seiner Vergangenheit und die Einflußnahme auf seine Zukunft; sie läßt ihn jedoch auch gewahr werden, “daß er eine kurze Lebensspanne vor sich hat, daß er ohne seinen Willen geboren wurde und gegen seinen Willen sterben wird”3.



