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	<title>krisis &#187; Manifest gegen die Arbeit</title>
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	<description>Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft</description>
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		<title>Manifest gegen die Arbeit &#8212; Übersicht</title>
		<link>http://www.krisis.org/2006/manifest-gegen-die-arbeit-uebersicht</link>
		<comments>http://www.krisis.org/2006/manifest-gegen-die-arbeit-uebersicht#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 16 Nov 2006 15:33:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohne thematische Zuordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Manifest gegen die Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Das »Manifest gegen die Arbeit« ist in folgenden Sprachen erschienen / The »Manifesto against Labour« has been released in following languages: Deutsch / German: Manifest gegen die Arbeit Englisch / English: Manifesto against Labour Spanisch / Spanish: Manifiesto contra el trabajo Französisch / French: Manifeste contre le travail Italienisch / Italian: Manifesto contro il lavoro [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das »Manifest gegen die Arbeit« ist in folgenden Sprachen erschienen / The »Manifesto against Labour« has been released in following languages:</p>
<p>Deutsch / German: <a href="http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit">Manifest gegen die Arbeit</a></p>
<p>Englisch / English: <a href="http://www.krisis.org/1999/manifesto-against-labour">Manifesto against Labour</a></p>
<p>Spanisch / Spanish: <a href="http://www.krisis.org/1999/manifiesto-contra-el-trabajo">Manifiesto contra el trabajo</a></p>
<p>Französisch / French: <a href="http://www.krisis.org/1999/manifeste-contre-le-travail">Manifeste contre le travail</a></p>
<p>Italienisch / Italian: <a href="http://www.krisis.org/1999/manifesto-contro-il-lavoro">Manifesto contro il lavoro</a></p>
<p>Portugiesisch / Portuguese: <a href="http://www.krisis.org/1999/manifesto-contra-o-trabalho">Manifesto contra o trabalho</a></p>
<p>Russisch / Russian: <a href="http://www.krisis.org/1999/manifest-protif-truda">МАНИФЕСТ ПРОТИВ ТРУДА</a></p>
<p>Persisch / Persian: <a href="http://www.krisis.org/1999/persian-manifesto-against-labour">Manifesto against Labour</a></p>
<h4>Einige Kritiken:</h4>
<p><a href="http://www.krisis.org/2003/anmerkungen-zum-manifest-gegen-die-arbeit">Luca Santini: Anmerkungen zum &#8220;Manifest gegen die Arbeit&#8221;</a></p>
<p><a href="http://www.krisis.org/2003/wenn-der-berg-kreisst-und-eine-maus-gebiert">Charles Reeve: Wenn der Berg kreißt und eine Maus gebiert</a></p>
<p><a href="http://www.krisis.org/2003/kommentare-und-gedanken-zur-krise-der-arbeit">Les Éditions Rouge et Noir: </a><a href="http://www.krisis.org/2003/kommentare-und-gedanken-zur-krise-der-arbeit">Kommentare und Gedanken zur Krise der Arbeit<br />
</a></p>
<p><a href="http://www.krisis.org/2003/bemerkungen-zum-manifest-gegen-die-arbeit">Jaime Semprun: </a><a href="http://www.krisis.org/2003/bemerkungen-zum-manifest-gegen-die-arbeit">Bemerkungen zum &#8220;Manifest gegen die Arbeit&#8221;<br />
</a></p>
<h4>Und zwei Erwiderungen:</h4>
<p><a href="http://www.krisis.org/2004/arbeitskritik-und-soziale-emanzipation">Norbert Trenkle: Eine Replik auf Kritiken am Manifest gegen die Arbeit</a></p>
<p><a href="http://www.krisis.org/2000/kapitulation-vorm-kapitalismus">Norbert Trenkle: Kapitulation vorm Kapitalismus</a></p>
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		<title>Arbeitskritik und soziale Emanzipation</title>
		<link>http://www.krisis.org/2004/arbeitskritik-und-soziale-emanzipation</link>
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		<pubDate>Mon, 27 Dec 2004 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik der Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik der traditionellen Linken]]></category>
		<category><![CDATA[Krisis 28 (2004)]]></category>
		<category><![CDATA[Manifest gegen die Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Trenkle]]></category>
		<category><![CDATA[Zum Manifest gegen die Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Replik auf Kritiken am Manifest gegen die Arbeit]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="zaehl"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/147d9cb301c64683acc8dd30d4e23c6a" width="1" height="1" alt=""><br />
</span></p>
<h3>Eine Replik auf Kritiken am <em>Manifest gegen die Arbeit</em></h3>
<p><a href="http://www.krisis.org/2004/critique-du-travail-et-emancipation-sociale">französische Version</a></p>
<p>erschienen in: Krisis 28 (Oktober 2004)</p>
<p><em>Norbert Trenkle</em></p>
<p>Das vor fünf Jahren veröffentlichte <em>Manifest gegen die Arbeit</em> hebt sich zweifellos aus dem Rahmen der sonstigen <em>krisis</em>-Publikationen hervor. Seinem Charakter als Pamphlet entsprechend, zielt es darauf, zentrale theoretische Positionen, die im Laufe der Jahre in dieser Zeitschrift entwickelt wurden, in komprimierter und zugespitzter Form in den öffentlichen Diskurs zu tragen. Dies ist nicht ohne Erfolg geblieben. Wohl keine andere Veröffentlichung der <em>krisis</em> hat so viel Resonanz, auch über den deutschsprachigen Raum hinaus, gefunden – und das heißt nicht zuletzt auch: so viel Kritik auf sich gezogen. Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Kritiken quer zu den länderspezifischen und verschiedenen linken Diskursen in vieler Hinsicht überschneiden. Die im <em>Manifest</em> formulierte Kritik trifft also offenbar etwas, das all diesen Diskursen trotz sonstiger Differenzen gemeinsam ist; eine gemeinsame Grundlage, die als so selbstverständlich gilt, dass sie normalerweise nicht einmal mehr ins Bewusstsein rückt.</p>
<p><span id="more-218"></span>Die in der letzten Ausgabe der <em>krisis </em>veröffentlichten vier Kritiken am <em>Manifest </em>von Jaime Semprun, Charles Reeve, Luca Santini und Les Éditions Rouge et Noir (im Folgenden ERN) können in diesem Sinne durchaus als exemplarisch gelten. So unterschiedlich ihre Ausgangspunkte, so sehr kreisen sie doch jeweils um die gleichen Fragestellungen und zentrieren sich auf die gleichen Punkte.<a name="_ftnref1" href="#_ftn1"> [1] </a>Insofern ist die folgende Replik auch nicht nur als direkte Antwort auf diese vier Kritiken zu verstehen, sondern sie hat allgemeineren Charakter.</p>
<h4>Nichts Neues unter der Sonne?</h4>
<p>Sosehr die Polemik gegen die Arbeit als gesellschaftliches Zwangsprinzip spontan starken Anklang findet (übrigens gerade auch bei Menschen, die sich sonst weitgehend außerhalb des linken Diskurses bewegen), so sehr stößt doch die ihr zugrunde liegende fundamentale Arbeitskritik mitsamt ihren Implikationen in der Regel auf heftige Abwehr. Die Stoßrichtung ist dabei zumeist eine doppelte. Zum einen wird uns vorgeworfen, die Arbeitskritik sei ja eigentlich gar nichts Neues, denn es gebe in der Geschichte der Linken eine ganze Traditionslinie, die je nach Perspektive vom Anarchismus über Lafargue bis hin zu den Situationisten und den italienischen Operaisten reicht. Diese Ansätze würden wir jedoch außer Acht lassen und allenfalls am Rande erwähnen, um dann so zu tun, als ständen wir allein auf weiter Flur. So schreibt etwa Charles Reeve: „Hinsichtlich der Kritik des modernen Reformismus wiederholt <em>krisis</em> – mit prononciertem Gusto für Süffisanz –, was bereits geschrieben wurde. Liest man sie aber, gewinnt man den Eindruck, als habe die Kritik des modernen Kapitalismus an dem Tag begonnen, als <em>krisis</em> anfing nachzudenken” (S. 151).<a name="_ftnref2" href="#_ftn2"> [2] </a>Diese und ähnliche Vorwürfe gehen zumeist mit dem Einwand einher, unsere Arbeitskritik greife zu kurz und falle sogar hinter die erwähnte Traditionslinie zurück, weil sie, wie Santini schreibt, die angeblich „wesentliche Bestimmung der Arbeit im kapitalistischen Umfeld” vernachlässige, nämlich „das Moment der Schaffung und Auspressung des Mehrwerts” (S. 155).</p>
<p>Nun sind wir natürlich nicht so vermessen, zu glauben, unsere Arbeitskritik ex nihilo im historisch luftleeren Raum entwickelt zu haben. Auch wenn die Arbeiterbewegung ihrer Grundtendenz nach eine Bewegung für die Anerkennung der Ware Arbeitskraft war und zur Totalisierung der Arbeit als gesellschaftlichem Prinzip erheblich beigetragen hat, bedeutet dies ja nicht, dass sie die Zwänge des kapitalistischen Arbeitsprozesses einfach akzeptiert hätte. Die Kritik am Kommandoregime und an der Entmündigung in der Arbeit ragt bis weit in den linken Mainstream hinein. Doch der Standpunkt dieser Kritiken war immer der Standpunkt der Arbeit. Das heißt: explizit oder implizit galt die Arbeit als überhistorische Kategorie, die nur mehr oder weniger äußerlich der Herrschaft des Kapitals unterworfen ist und deshalb ihrem „Wesen“ nach über den Kapitalismus hinausweist. Darin waren sich die radikalen Strömungen mit dem Mainstream bei allen sonstigen Differenzen grundsätzlich einig. Das gilt auch für die kritischen Strömungen des „westlichen Marxismus“, von Lukács über die Frankfurter Schule und einige ihrer Nachfolger bis hin zu den Situationisten, obwohl sie durch ihren Bezug auf die Marxsche Kritik der Wert- und Warenform die verengte Perspektive des orthodoxen Parteimarxismus aufsprengten und den Blick für eine Kritik des Kapitalismus als umfassender Vergesellschaftungsform öffneten. Lukács etwa, bei dem die geschichtsmetaphysische Teleologie des traditionellen Marxismus ihre höchste theoretische Ausdrucksform gefunden hat, verklärte den Standpunkt der Arbeit ausdrücklich zum Hebel für eine Aufhebung des Kapitalismus und schrieb dem Proletariat als dem sozialen Repräsentanten dieses Standpunkts das „Wesen als identisches Subjekt-Objekt des gesellschaftlich-geschichtlichen Entwicklungsprozesses” (Lukács 1988, S. 267) zu.<a name="_ftnref3" href="#_ftn3"> [3] </a></p>
<p>Der Vorwurf, unsere Kritik der Arbeit sei ja eigentlich gar nichts Neues und darüber hinaus sogar „verkürzt” (Santini) oder bloß „moralistisch” (Reeve), resultiert daraus, dass die Kritiker genau diesen theoretischen Bezugsrahmen des traditionellen Marxismus wie selbstverständlich voraussetzen und die Kritik daran nicht nachvollziehen (können oder wollen), sondern stattdessen versuchen, das <em>Manifest</em> in ihn hineinzupressen. Das geht nicht ohne argumentative Verdrehungen ab, die sich häufig selbst durch eine nur oberflächliche Lektüre des Textes leicht widerlegen lassen. So behauptet etwa Charles Reeve, im <em>Manifest</em> würde der „Vektor ‚Arbeit’ (&#8230;) weder als gesellschaftliches und historisches Verhältnis definiert, noch spezifisch als entfremdete, lohnabhängige Arbeit charakterisiert” (S. 152). Der erste Teil dieser Behauptung ist offensichtlich absurd, denn es gehört ja zu den zentralen Positionen des <em>Manifests</em>, dass die Arbeit das historisch-spezifische Vergesellschaftungsprinzip des Kapitalismus ist. Der zweite Teil des Satzes verweist allerdings darauf, dass Reeve genau mit dieser Position offenbar nichts anfangen kann. Was er mit dem „gesellschaftlichen Verhältnis“ meint, ist die Unterwerfung der vorausgesetzten Kategorie der Arbeit unter „das Kapital“. Entfremdung der Arbeit heißt hier also im Prinzip Entfremdung von ihrem „Wesen”, das „an sich” dem Kapitalismus äußerlich ist. Sie resultiert aus dem Zwang „Waren für andere (den Kapitalisten)” (Fußnote 6, S. 154) zu produzieren. „Kritik der Arbeit” aus dieser Warte ist im Kern reduziert auf eine Kritik der Ausbeutung. Dass wir unsererseits den Gesichtspunkt der Abschöpfung des Mehrwerts nicht selbst in den Mittelpunkt rücken, kann Reeve daher nur so interpretieren, als würden wir ihn überhaupt nicht sehen: „Der Begriff des Profits findet sich nicht bei <em>krisis</em>, das Konzept der Ausbeutung ist irrelevant, denn die kapitalistische Maschine ist reine ‚Selbstzweckmaschine’” (S. 152). Es ist schon einigermaßen verwunderlich, wie Reeve hier den Text gewaltsam gegen seinen Sinn liest. Worin besteht denn der Selbstzweck der kapitalistischen Maschine, wenn nicht darin, den Wert zu vermehren? Die Kategorien Mehrwert und Profit sind natürlich keinesfalls „irrelevant”, aber sie müssen als abgeleitete Momente der übergeordneten Selbstzwecklogik von Kapital und Arbeit begriffen werden, in welcher sich deren grundsätzliche Identität manifestiert.</p>
<p>Es geht nicht einfach nur um die Einsicht, dass die Arbeit ein immanentes Prinzip des Kapitalismus und keine überhistorische Kategorie ist. Entscheidend ist vielmehr, dass es sich um das zentrale Zwangs- und Vermittlungsprinzip der warenproduzierenden Gesellschaft handelt, das eine ganz spezifische Form unpersönlicher und verselbständigter Herrschaft konstituiert, die Marx mit dem Begriff des Fetischismus belegt hat. Diese Herrschaft drückt sich für die Einzelnen zunächst in dem grundsätzlichen Zwang aus, die eigene Lebensenergie in irgendeiner Weise in „Arbeit” zu verwandeln um zu überleben, sei es, dass sie sich als „Arbeitskraft” gegen Lohn verkaufen, sei es, dass sie irgendwelche Waren (materielle Produkte oder Dienstleistungen) herstellen und auf den Markt werfen, in denen sich ihre Arbeitszeit in verdinglichter Form „darstellt”. Und dies bedeutet: Die Menschen in der warenproduzierenden Gesellschaft vermitteln ihre Beziehungen untereinander und zum gesellschaftlichen Gesamtaggregat über die Arbeit bzw. über die Verausgabung von Arbeitskraft. Diese Vermittlung erfolgt nicht über die jeweils spezifischen Inhalte der qualitativ unterschiedlichen Tätigkeiten, also über die konkrete Seite der Arbeit und der produzierten Waren. Von diesen Inhalten wird vielmehr abstrahiert. Es zählt nicht, was, wie und unter welchen Bedingungen hergestellt wird, sondern ausschließlich dass Arbeitskraft in der Produktion von Waren verausgabt wurde.</p>
<p>Die ihrem Inhalt nach unterschiedlichen Arbeiten werden damit auf einen Nenner gebracht und einander gleichgesetzt; sie gelten nur noch als verschiedene Darstellungsformen „abstrakter Arbeit”. Die stofflichen und qualitativen Unterschiede der Tätigkeiten und der produzierten Gegenstände werden in diesem In-Beziehung-Setzen ausgelöscht. Aus dieser Perspektive ist dann beispielsweise die Montage eines Motors und die Pflege eines Kranken in der Klinik identisch, denn beide Tätigkeiten werden darauf reduziert, Verausgabung von Lebensenergie in der Form der Arbeit zu sein; sie gelten als bestimmte Portionen verausgabter abstrakter Arbeitszeit und stellen – gemessen an dieser Arbeitszeit – einen bestimmten „Wert” dar: „Was im Kapitalismus die Arbeit allgemein macht, ist nicht die Binsenwahrheit, dass sie der gemeinsame Nenner aller verschiedenen spezifischen Arten der Arbeit ist. Vielmehr ist es <em>die gesellschaftliche Funktion der Arbeit, die sie allgemein macht</em>. Als eine gesellschaftlich vermittelnde Tätigkeit abstrahiert die Arbeit von der Besonderheit ihres Produkts, und somit von der Besonderheit ihrer eigenen konkreten Form. In der Marxschen Analyse bringt die Kategorie der abstrakten Arbeit diesen realen gesellschaftlichen Abstraktionsprozess zum Ausdruck. Sie basiert nicht auf einem bloß begrifflichen Abstraktionsprozess. Als Praxis ist die Arbeit, die eine gesellschaftliche Vermittlung konstituiert, Arbeit im allgemeinen. Außerdem setzen wir uns hier mit einer Gesellschaft auseinander, in der die Warenform verallgemeinert und deshalb gesellschaftlich bestimmend ist: Die Arbeit <em>aller</em> Produzenten dient als Mittel, mit dem die Produkte anderer beschafft werden können. Deshalb dient die ‚Arbeit im allgemeinen‘ auf gesellschaftlich-allgemeine Art und Weise als vermittelnde Tätigkeit” (Postone 2003, S. 235).</p>
<p>Diese höchst eigenartige und historisch ganz spezifische Form gesellschaftlicher Vermittlung ist untrennbar verbunden mit der Warenproduktion als gesellschaftlichem System. Denn die Absurdität, die darin liegt, lebendige Aktivität in einer verdinglichten gesellschaftlichen Kategorie gewissermaßen einzufrieren, also als „tote Arbeit” oder „Wert” darzustellen, bedarf eines stofflichen Trägers: der Ware. Diese fungiert jedoch nicht als bloßer Tauschgegenstand, der hergestellt wird, um andere Gebrauchswerte zu erwerben. Sicherlich vollziehen die Einzelnen, indem sie ihre Arbeitskraft zum Erwerb von Konsumgütern verkaufen, den einfachen Kreislauf <em>Ware-Geld-Ware.</em> Doch dieser Kreislauf des Verkaufens und Kaufens steht im Kontext und im Dienste eines vorgelagerten „höheren Zwecks”: des Zwecks, aus Geld mehr Geld zu machen, also der Verwertung des Werts. Jede einzelne Ware ist bloßes Mittel zu diesem Zweck. Sie fungiert primär als Trägerin und Repräsentantin des Werts, der sich in letzter Instanz immer wieder in Geld darstellen muss. Ihre konkrete Seite, der Gebrauchswert, ist nur Abfallprodukt dieser Funktion, lästige stoffliche Eigenschaft, ohne die sich der Verkauf leider nicht realisieren lässt (was man, nebenbei bemerkt, den meisten Waren ja auch ansieht).</p>
<p>Weil aber der Wert nichts anderes darstellt als „tote Arbeit”, ist die Akkumulation von Kapital nicht etwa der Arbeit äußerlich, sondern ihrem Charakter als allgemeinem gesellschaftlichem Zwangs- und Vermittlungsprinzip inhärent. Kapitalakkumulation heißt nichts anderes, als dass permanent lebendige Arbeit verausgabt werden muss, um der aufgehäuften „toten Arbeit” neue hinzuzufügen. Da sich auf diese Weise die abstrakte Arbeit ständig auf sich selbst bezieht, kann gesagt werden, dass es sich bei der Vernutzung von Arbeit um eine selbstbezügliche, selbstzweckhafte und selbstläufige Vermittlungsbewegung handelt. Um eine gesellschaftliche Vermittlung, die ihrem Wesen nach unabhängig vom menschlichen Wollen ist, die den Menschen als scheinbar äußere Gewalt gegenübertritt und ihnen ihre Zwangsgesetze aufherrscht, obwohl es sich dabei ja bloß um die Form ihres eigenen gesellschaftlichen Zusammenhangs handelt. Um es mit Marx auszudrücken: „Es ist nur das bestimmte gesellschaftliche Verhältnis der Menschen selbst, welches hier für sie die phantasmagorische Form eines Verhältnisses von Dingen annimmt. (&#8230;) Dies nenne ich den Fetischismus, der den Arbeitsprodukten anklebt, sobald sie als Waren produziert werden, und der daher von der Warenproduktion unzertrennlich ist“ (Marx 1983, S. 86f.).</p>
<p>Kritik der Arbeit aus dieser Perspektive heißt also weit mehr, als Kritik an einer bestimmten Tätigkeitsform und an den verschiedenen Zwängen des kapitalistischen Arbeits- und Produktionsprozesses, wie dem Kommandoregime oder der Abpressung des Mehrwerts. Sie bedeutet Kritik an dem konstitutiven kapitalistischen Zwangs- und Vermittlungsprinzip, das untrennbar mit den Fetischformen von Ware und Wert verbunden ist; sie bedeutet den endgültigen Abschied von jeglichem Positivbezug auf den „Standpunkt der Arbeit“, wie modernisiert und verdünnt er auch daherkommen mag; und sie bedeutet damit einen grundsätzlichen Perspektivwechsel in der Kritik des Kapitalismus.</p>
<h4>Instrumentelles Handeln</h4>
<p>Ähnlich wie Reeve vollzieht auch Santini diesen Perspektivwechsel nicht nach, wenn er an der oben bereits erwähnten Stelle schreibt: „Die Autoren der Gruppe <em>krisis</em> erfassen jedoch nicht das entscheidende Moment, auf dem die versteckte Allianz zwischen Kapital und Arbeit beruht; sie verdunkeln vielmehr das Moment der Schaffung und Auspressung des Mehrwerts, d.h. den Prozess, mittels dem die Arbeit Werte schafft, die das Kapital sich aneignet” (S. 155). Diese Aussage ist schon in sich nicht stimmig, denn mit der „Auspressung des Mehrwerts“ ist ja gerade der immanente Interessengegensatz und nicht etwa die „Allianz” zwischen Arbeit und Kapital bezeichnet. Auch wenn dieser Interessengegensatz für sich genommen nichts Sprengendes hat, sondern ein Moment innerhalb der Verlaufsform der Warengesellschaft darstellt, so konstituiert er selbst doch keinesfalls die Identität zwischen Kapital und Arbeit, sondern setzt sie vielmehr bereits voraus. Durch die Verengung seines Blicks auf die Ausbeutung kann Santini jedoch gerade diese vorausgesetzte Ebene der gesellschaftlichen Konstitution, des gemeinsamen Bezugsfeldes von Arbeit und Kapital, innerhalb dessen sich auch ihr Interessengegensatz entfaltet, nicht in den Blick bekommen. Implizit setzt auch er also die Arbeit als ontologische, überhistorische Kategorie voraus, die erst dadurch in Bezug zum Kapital tritt, dass sie von diesem unterjocht und ausgesaugt wird. „An sich” sind – nach Santinis Verständnis – sich diese beiden Kategorien also fremd und entspringen keinesfalls einem gemeinsamen gesellschaftlichen Verhältnis.</p>
<p>Es verwundert daher nicht, dass Santini mit der These von der konstitutiven Identität von Arbeit und Kapital wenig anfangen und sie sich nur äußerlich erklären kann: „Die Autoren handeln in einer einzigen Kritik Kapital und Arbeit ab, weil beide letztendlich instrumentell agieren ohne Rücksicht auf die konkreten Ziele und materiellen Zwecke, die in der produktiven Tätigkeit angelegt sind” (S. 155). Nun kann zwar die Arbeit in der Tat auch als instrumentelle Tätigkeit bestimmt werden, doch haben wir keinesfalls behauptet, dass darauf die Identität von Kapital und Arbeit <em>beruhe</em>. Vielmehr ergibt sich diese Bestimmung als ein Moment aus dem Charakter der Arbeit als auf sich selbst bezogenes gesellschaftliches Vermittlungs- und Bewegungsprinzip der warenproduzierenden Gesellschaft. Die Gleichgültigkeit gegenüber dem einzelnen Zweck ist in der grundsätzlichen Gleichgültigkeit der Verwertungsbewegung angelegt, für die der Gebrauchswert der Ware ja nur ein lästiges Beiwerk darstellt. „Bei der Produktion für (Mehr-)Wert ist das Ziel selbst ein Mittel. Folglich zielt Produktion im Kapitalismus notwendigerweise auf Quantitäten, auf eine stetig zunehmende Mehrwertmasse. Dies ist die Grundlage der Marxschen Analyse der Produktion im Kapitalismus als Produktion um der Produktion willen. Darin leitet sich die Instrumentalisierung der Welt aus der Determinierung von Produktion und der gesellschaftlichen Verhältnisse durch diese historisch spezifische Form gesellschaftlicher Vermittlung her; sie ist keine Folge der zunehmenden Komplexität materieller Produktion als solcher. Produktion um der Produktion willen bedeutet, dass diese kein Mittel mehr zu einem substantiellen Zweck ist, sondern ein Mittel zu einem Zweck, der seinerseits ein Mittel ist: Moment einer unendlichen Kette der Expansion. <em>Produktion im Kapitalismus wird Mittel zum Mittel</em>“ (Postone 2003, S. 280). Auch für die Arbeitenden selbst ergibt sich der instrumentelle Bezug zu ihrer Tätigkeit aus dem spezifischen Charakter der warenproduzierenden Arbeit. Für sie ist die Arbeit nur Mittel zum Zweck, um am gesamtgesellschaftlichen Warenreichtum partizipieren zu können, also um sich mit ihrem eigenen gesellschaftlichen Zusammenhang auf spezifische Weise zu vermitteln. Und darin ist die Abstraktion vom jeweils besonderen Inhalt ihrer Tätigkeit angelegt. Was sie an ihrer Arbeit interessieren muss, ist der Tauschwert, der es ihnen ermöglicht, andere Waren zu erwerben. Der Gebrauchswert hat mit der von ihnen verrichteten Arbeit nichts zu tun. Insofern verhalten sie sich dem konkreten Inhalt der Arbeit gegenüber genauso gleichgültig und instrumentell wie die Verwertungsbewegung als solche.</p>
<p>Es ist alles andere als nebensächlich, in welchen Bezugsrahmen die Kritik des instrumentellen Handelns gestellt wird. Das zeigt gerade der Verweis auf die Kritische Theorie, in deren Tradition Santini das <em>Manifest</em> einordnet, wenn er schreibt, unsere Kritik der Arbeit sei „unzweifelhaft im Stil der Frankfurter Schule” (S. 155) gehalten. Dass wir der Kritischen Theorie vieles verdanken, soll natürlich nicht abgestritten werden. Doch darf nicht übersehen werden, dass deren Kritik des instrumentellen Handelns, wie sie insbesondere Horkheimer entwickelt hat, sich ausdrücklich auf ein überhistorisches Verständnis von Arbeit als „Naturbearbeitung“ im allgemeinsten Sinne bezieht. Die Perspektive ist also eine ganz andere. Die Instrumentalität ist demnach ein untrennbares Merkmal von Naturbezug und Tätigkeit des Menschen schlechthin, eine Art ontologisches Schicksal der Menschwerdung, das daher auch nicht aufgehoben werden kann (vgl. Trenkle 2002). Ihren Ursprung hat sie gewissermaßen dort, wo die Menschen damit begannen, sich des Faustkeils zu bedienen. Dass die moderne Gesellschaft durch und durch instrumentellen Charakter besitzt, führt Horkheimer daher auch nicht auf deren kapitalistische Formiertheit zurück, sondern auf die zunehmende Komplexität der materiellen Produktion und auf die Entwicklung industrieller Produktionsmethoden.<a name="_ftnref4" href="#_ftn4"> [4] </a>Diese (an Max Weber orientierte) Auffassung ist nur allzu offensichtlich innerlich verwandt mit dem arbeitsontologischen Verständnis des traditionellen Marxismus. Stellte für diesen jedoch die Arbeit als vermeintlich nicht-kapitalistisches Prinzip den Inbegriff von Vernunft und damit den Hebel für die Aufhebung des Kapitalismus dar, so nimmt Horkheimer nur die entgegengesetzte Perspektive ein. Er überwindet nicht den „Standpunkt der Arbeit“, sondern verkehrt ihn nur in sein pessimistisches Gegenteil. Hoffnung auf eine Aufhebung der Instrumentalität des Weltbezugs kann er keine mehr erkennen. Moishe Postone hat dafür zu Recht den Begriff des „Kritischen Pessimismus“ geprägt (Postone 2003, S. 169ff.).</p>
<h4>Kapitalismus oder Industriegesellschaft?</h4>
<p>Eine strukturell mit diesem „Kritischen Pessimismus” verwandte Position vertritt Jaime Semprun, wenn er dem <em>Manifest</em> vorwirft, dem Produktivkraftfetischismus der alten Arbeiterbewegung verhaftet zu bleiben, und selbst dagegen eine Gesellschaftskritik stellt, die sich auf die Kritik der modernen Technologie zentriert: „Der für die Warengesellschaft (aber vielleicht auch für die Zivilisation und die Chancen der Humanisierung, die sie im Lauf der Geschichte erzeugt hat) fatale Widerspruch ist der zwischen diesen bestimmten Produktionsmitteln, also dem ‚verwissenschaftlichten Sachkapital’, der modernen Technologie, einerseits, und andererseits den <em>vitalen</em> Notwendigkeiten der Naturaneignung, denen keine menschliche Gesellschaft sich entziehen kann” (S. 149). Semprun spricht zwar hier und an anderen Stellen von der „Warengesellschaft” und dem „Kapitalismus”, doch geht er in seiner Analyse in keiner Weise auf die spezifische gesellschaftliche Form und ihre inneren Widersprüche ein, sondern verwendet diese Begriffe im Kern nur als Synonyme für die „Industriegesellschaft”. Die Zumutungen, Verheerungen und Katastrophen der Moderne werden nicht etwa auf die verselbständigte Dynamik von Ware, Wert und Arbeit zurückgeführt, sondern <em>unmittelbar</em> der modernen Technologie als Ursache zugeschrieben. Die simple Gleichung, die Semprun aufmacht, lautet: Kapitalismus = Industriegesellschaft. Deshalb bedeutet für ihn die Aufhebung des Kapitalismus auch so viel wie Abschaffung von moderner Technologie und industrieller Produktion in toto.</p>
<p>Nun soll freilich nicht bestritten werden, dass die moderne Industrieproduktion nicht nur historisch zusammen mit der kapitalistischen Vergesellschaftung entsteht, sondern auch inhärent kapitalistisch strukturiert ist. Insofern kann man durchaus sagen, dass die Warengesellschaft die einzige in der Geschichte der Menschheit ist, die den Namen „Industriegesellschaft” verdient, und daher muss eine Kritik des Kapitalismus auch eine Kritik der industriellen Produktionsweise einschließen. Dennoch ist es verkehrt, beide Begriffe einfach synonym zu setzen; denn auch wenn der Kapitalismus die Industrieproduktion hervorgebracht und sie nach seinem Bilde geformt hat, geht sie dennoch nicht in ihm auf. Deshalb lassen sich der fetischistische Selbstlauf, die Herrschaftsmechanismen und die inneren Widersprüche des warenproduzierenden Systems zwar an ihr aufzeigen, nicht aber aus ihr heraus erklären. Und deshalb bedeutet Aufhebung des Kapitalismus auch nicht Abschaffung der industriellen Produktion überhaupt, sondern deren grundlegende Transformation.</p>
<p>Die innere Verwandtschaft von kapitalistischer Produktionsweise und Industrieproduktion ergibt sich daraus, wie schon Marx im <em>Kapital</em> ausführlich gezeigt hat, dass erst in ihr das Kapitalverhältnis sich als gesellschaftlich totales etablieren kann. Eine gesellschaftliche Formation, die sich über die Verausgabung von abstrakter Arbeit vermittelt und darüber dem blinden Zwang der unendlichen Anhäufung abstrakter Wertquanten ausgesetzt ist, drängt notwendigerweise zur Entwicklung von Methoden, diesen Zwang auf ständig erweiterter Stufenleiter zu reproduzieren. Im Mittelpunkt steht dabei einerseits die permanente Steigerung der Produktion um der Produktion willen in Gestalt eines wachsenden Ausstoßes von Waren als Repräsentanten von „toter Arbeit”. Andererseits muss die Produktion das Kriterium der „Effizienz” erfüllen, was letztlich nichts anderes bedeutet als „Zeiteffizienz”; auf diese Weise wird der Teil des Arbeitstages ausgedehnt, in dem die Arbeitskräfte Mehrwert schöpfen, also Wert, der ihre eigenen Reproduktions- oder Lebenshaltungskosten übersteigt und der Akkumulation des Kapitals dient. Marx spricht in diesem Zusammenhang bekanntlich von der „relativen Mehrwertproduktion”, die erst durch die systematische Anwendung der Wissenschaft auf die Produktion, die „große Maschinerie” und die damit einhergehende „Rationalisierung” der Produktionsprozesse möglich wird. Es lässt sich also durchaus sagen, dass sich das Kapital in der modernen Industrie eine Produktionsweise nach seinem Bilde geformt hat: In ihr materialisiert und konkretisiert sich die „Realabstraktion” des Werts. Sie tritt den Menschen inkarniert in handfesten, konkreten Apparaturen und Organisationsstrukturen entgegen und zwingt ihnen so die ihr inhärente Rationalität und ihren Zeittakt auf.</p>
<p>Und dabei bleibt es nicht. In dem Maße, wie sich die Warengesellschaft als Totalität etabliert, dehnt sich die Logik der „Rationalisierung” und der Zeiteffizienz auf alle gesellschaftlichen Bereiche aus und prägt umfassend den Alltag, das Denken und Handeln der modernen Menschen. Insofern hat Semprun selbstverständlich Recht, wenn er von der „Verödung des Lebens” (S. 147) spricht und beispielsweise die „Massenbehausungen” und „Trabantenstädte“ als „Zelle(n) des <em>Existenzminimums</em>” (S. 148) charakterisiert. Dennoch liegt er falsch, wenn er dies unmittelbar auf „die Industrie” und die modernen Produktivkräfte zurückführt. Denn auch wenn uns die Zwänge von Wert und Ware nicht unvermittelt als solche, sondern in der Gestalt von Dingen und materiellen gesellschaftlichen Strukturen gegenübertreten, können sie doch nicht auf diese selbst reduziert werden. Umgekehrt dürfen zwar diese Dinge und Strukturen nicht von der Kritik ausgenommen und als gesellschaftlich „neutral” behandelt werden; aber die Kritik muss darauf zielen, sie als Repräsentanten und Materialisierungen der Waren- und Wertlogik zu analysieren und die Repressivität und versachlichte Herrschaft dieser Logik an ihnen aufzuweisen.</p>
<p>Die unvermittelte Identifikation von stofflichen Gegenständen und gesellschaftlicher Form hingegen ist selbst Ausdruck eines verdinglichenden Denkens, das nur die abstrakte Umkehrung jenes Produktivkraftfetischismus darstellt, dem der traditionelle Marxismus anhing. Ihm zufolge ist die „Entwicklung der Produktivkräfte“ eine Art Naturgesetz der Geschichte, ein überhistorischer Prozess, den der Kapitalismus in seiner „historischen Mission“ zwar enorm beschleunigte, aber keinesfalls grundlegend prägte. Dementsprechend wurden die Zwänge des kapitalistischen Produktions- und Industriesystems (Arbeitshetze, extreme Arbeitsteilung, Kommandoregime etc.) nur äußerlich auf „die Produktionsverhältnisse” zurückgeführt, die dieser reduzierten Sichtweise entsprechend bloß mit Klassenherrschaft, Ausbeutung und Profitmacherei identisch sein sollen. Diese mechanistische Interpretation des Widerspruchs zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen zu verwerfen, heißt nun allerdings nicht, ihn für obsolet zu erklären. Vielmehr kann gezeigt werden, dass er sich <em>in</em> der modernen industriellen Produktionsweise selbst ausdrückt – und zwar in doppelter Weise. Zum einen als Krisenpotenz, die sich auf immer höherer Stufe reproduziert, zum anderen darin, dass die kapitalistische Entwicklung zwar bestimmte Möglichkeiten und Potentiale hervorbringt, gleichzeitig jedoch deren Realisierung verhindert oder sie sogar in Destruktivkräfte verwandelt.</p>
<p>Und das gilt nicht nur für den warenförmigen Produktionsprozess als solchen, sondern ebenso für seine Produkte. Auch der Gebrauchswert der Waren ist nicht etwa bloß neutrale stoffliche Eigenschaft gesellschaftlicher „Produkte”, die vom Tauschwert überformt werden, sondern Materialisierung des Werts und seiner Gleichgültigkeit gegenüber der Welt. Besonders drastisch lässt sich dies am Beispiel des Autoverkehrs zeigen. Als Fortbewegungssystem einer auf andauernde Mobilität verpflichteten, in atomisierte Einzelne zersplitterten Gesellschaft stellt es seiner stofflichen Struktur nach geradezu ein Spiegelbild der Wertlogik dar; dies nicht nur wegen seiner Vorreiterrolle bei der Produktion der Klimakatastrophe und der Verwüstung des öffentlichen Raumes. Vielmehr reflektiert der Autoverkehr idealtypisch auch das soziale Verhältnis der bürgerlichen Subjekte als ungesellschaftlich-gesellschaftliche, als vermasste und voneinander isolierte zugleich.</p>
<p>Es versteht sich daher eigentlich von selbst, dass nicht die „Befreiung“ des „Gebrauchswerts Auto” von seiner „Tauschwerthülle” auf das „Programm der Abschaffungen” gehört, sondern die Abschaltung des Autoverkehrs als System gesellschaftlicher Fortbewegung (was die Verwendung von Autos für ganz bestimmte Zwecke ja nicht ausschließen muss). Das heißt aber umgekehrt nicht, dass eine befreite Gesellschaft wieder zu Ochsenkarren und Pferdekutschen zurückkehren müsste. Vielmehr wird es darum gehen, Verkehrssysteme zu schaffen, die es allen Menschen auf der Welt ermöglichen, sich frei nach ihren Bedürfnissen und überallhin zu bewegen, ohne die Naturgrundlagen und die Landschaften zu zerstören und ohne sich zum eingekapselten und zähnefletschenden Blechkistensubjekt zurichten zu müssen. Wenn Semprun behauptet, das <em>Manifest</em> verfalle dem „Glauben, man könne den Gebrauchswert und die emanzipatorische Technik intakt wieder vorfinden, sobald sie von ihrer kapitalistischen Form befreit sind” (S. 149), dann ist das reine Projektion und durch den Text in keiner Weise gedeckt. Semprun schreibt uns diese Position des traditionellen Marxismus zu, weil sie es ihm erlaubt, seine eigene Sichtweise als den Gipfel radikaler Kritik darzustellen; in Wahrheit stellt sie jedoch nur eine spiegelbildliche Verkürzung dar.</p>
<p>Es ist nur allzu simpel, der blinden Technik- und Wissenschaftsbegeisterung des traditionellen Marxismus (die derzeit im Neo-Operaismus von Hardt/Negri eine Renaissance erlebt) nun eine ebenso pauschale Ablehnung entgegenzuhalten. Vielmehr wird eine befreite Gesellschaft die Technologie und das Wissen, das der Kapitalismus in fetischistischer und großenteils destruktiver Form hervorgebracht hat, jeweils konkret daraufhin untersuchen müssen, ob und inwieweit sie zum Nutzen aller transformiert und entwickelt werden können oder nicht.<a name="_ftnref5" href="#_ftn5"> [5] </a>Dazu gehört selbstverständlich auch die Entscheidung, bestimmte Wissenspotentiale <em>nicht</em> auszuschöpfen (etwa naturwissenschaftliche Erkenntnisse über die Genmanipulation) und einen erheblichen Teil der kapitalistischen Technologie stillzulegen (z.B. viele Verfahren in der industrialisierten Landwirtschaft) oder nur sehr selektiv anzuwenden. Allgemeine Kriterien dafür lassen sich a priori nicht angeben. Denn die Befreiung von der unpersönlichen, fetischistischen Herrschaft des Werts bedeutet eben auch, dass die Gesellschaftsmitglieder nicht immer schon einem vorausgesetzten abstrakt-allgemeinen Prinzip unterworfen sind, das ihre Entscheidungen in einer bestimmten und einheitlichen Weise vorstrukturiert. Deshalb können sie dann nach den verschiedensten qualitativen, sinnlichen und ästhetischen Kriterien entscheiden, was sie wollen und was nicht. Die herrschende Gesellschaft ist hingegen <em>gezwungen</em> alle gesellschaftlichen Bereiche technologisch und organisatorisch durchzurationalisieren. Sie hat in dieser Hinsicht gar keine Wahlmöglichkeiten, weil sie dem rigorosen Diktat der Zeitersparnis und -verdichtung unterworfen ist. Eine Gesellschaft frei assoziierter Individuen, die sich nicht über Warenproduktion und Wertverwertung vermitteln, sondern über Verfahren direkter Kommunikation, kann im Gegensatz dazu bewusst entscheiden, wo zum Beispiel sinnvollerweise Roboter oder andere Automatisierungsverfahren angewandt werden sollen, um lästige Routinetätigkeiten zu beseitigen oder zu reduzieren, und wo dies nicht wünschenswert ist oder sogar schädlich sein könnte.</p>
<p>Semprun mag darin eine „Inkonsequenz“ (S. 149) sehen, doch die liegt in der Sache selbst. Wo er dem <em>Manifest</em> ein wenig gönnerhaft zugesteht, es würde an manchen Stellen vor seiner eigenen angeblich technikfetischistischen Sichtweise zurückschrecken, es sei dort „ein gewisses Zaudern” (S. 148f.) zu verspüren, erwartet er eine Eindeutigkeit, die es nur geben kann, wenn man den Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen vollkommen einseitig auflöst und an die Stelle des herrschenden gesellschaftlichen Zwangsprinzips ein anderes, ebenso abstrakt-allgemeines Prinzip setzen will, nämlich die unterschiedslose Abschaffung jeglicher industriellen Produktion und modernen Technologie. Insofern ist Sempruns vorgebliche Radikalität in Wahrheit nur der in sein Gegenteil verkehrte Rigorismus der bürgerlichen Gesellschaft, von dem es sich zu befreien gilt.</p>
<h4>Ende der Arbeit?</h4>
<p>Da Semprun den Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen vollkommen ignoriert, kann er auch die von ihm ausgelöste Krisendynamik und vor allem ihre Brisanz nicht erkennen. Eine Krise der Arbeit gibt es in seinen Augen überhaupt nicht, denn auch wenn die „technologische Erneuerung“ teilweise lebendige Arbeitskraft verdränge, habe der gleiche Prozess doch zugleich viele andere „Lohnarbeitstätigkeiten“ überhaupt erst „gesellschaftlich notwendig gemacht“, nämlich „die psycho-soziale Betreuung der ‚einsamen Massen’, die Polizeikontrolle der ‚Barbarisierung’, die ‚Gesundheits’industrie (&#8230;), die Zerstreuung sowie die ‚kulturellen’ Kompensationen für die Verödung des Lebens, ganz zu schweigen von den ‚Reparaturen’, dem technischen Herumbasteln an der Neo-Natur“ (S. 147). Von einem Verschwinden und Überflüssigwerden der Arbeit also keine Spur.</p>
<p>Semprun verwechselt auch hier wieder die Ebenen der Argumentation. Natürlich schafft die moderne Warengesellschaft (und nicht der „technologische Prozess“ als solcher) jede Menge Tätigkeiten, die keinen anderen Zweck haben, als das Funktionieren der Verwertungsmaschinerie zu gewährleisten, Tätigkeiten, die also einzig und allein innerhalb der Logik <em>dieser</em> Gesellschaft „notwendig“ sind. Das gilt neben den von Semprun erwähnten Bereichen auch für einen großen Teil der materiellen Warenproduktion selbst, der in erheblichem Maße kompensatorischen Charakter hat, und es gilt vor allem auch für den gesamten Sektor der Waren- und Geldzirkulation, von der Buchhaltung über das Marketing bis hin zur staatlichen Umverteilungsbürokratie (vgl. dazu ausführlich Valdivia 2004 und 1997). Doch auch wenn diese Tätigkeiten mit der Totalisierung der Warenproduktion zum gesellschaftlichen System einen immer größeren relativen Anteil an der gesellschaftlichen Gesamtarbeit umfassen, so ändert dies nichts daran, dass sie auf eine funktionierende Kapitalverwertung angewiesen sind. Das heißt, sie werden nur so lange ausgeübt, wie sie entweder selbst wertproduktiv sind, also zur Vermehrung der Wertmasse beitragen, oder über die Abschöpfung von Wert finanziert werden können (wie im Fall der Staatstätigkeiten und des Sektors der Warenzirkulation). Gerät also die Kapitalverwertung aufgrund der ungeheuren Rationalisierungsprozesse insgesamt in die Krise, so bleiben natürlich auch diese Sektoren davon nicht ausgespart. Wie überall anders kommt es zur Stilllegung „unrentabler“ Produktionen und zu Einsparungen in den öffentlich finanzierten Bereichen, wobei natürlich nicht aufgrund stofflich-sinnlicher Kriterien und konkreter Bedürftigkeit, sondern allein aufgrund von „Verkäuflichkeit“ und „Finanzierbarkeit“ entschieden wird. So werden beispielsweise Gesundheitsleistungen nicht mehr öffentlich bereitgestellt, während gleichzeitig weiterhin massenhaft Autos auf den Markt geworfen werden. Und das bedeutet von der anderen Seite her betrachtet: Während diejenigen, die ihre Arbeitskraft noch verkaufen können, auch weiterhin am kompensatorischen Konsum partizipieren, soweit es ihre Kaufkraft eben zulässt, sind immer mehr „überflüssig“ gemachte Menschen nicht mehr in der Lage selbst noch die elementarsten Bedürfnisse zu befriedigen. Es geht daher vollkommen an der Sache vorbei, diese beiden Seiten gegeneinander auszuspielen, wie Semprun es tut. Er verfehlt damit argumentativ die zentrale These des <em>Manifests</em>, dass die tief greifende Rationalisierung im Gefolge der mikroelektronischen Revolution die Arbeitssubstanz abschmilzt und damit die Grundlagen der kapitalistischen Gesellschaft insgesamt untergräbt. Dies folgt aus seiner Reduktion des Kapitalismus auf die Kategorie der „Industriegesellschaft“, womit er eine Eindimensionalität erzeugt, die keinen Raum für den inneren Widerspruch von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen mehr bietet und einer ökonomiekritischen und krisentheoretischen Analyse den Boden entzieht.</p>
<p>Aber auch andere Kritiker, die sich wie Santini und ERN explizit auf die Ebene der Mehrwertproduktion beziehen, kommen in ihrer Infragestellung der Krisendiagnose nicht über die Oberfläche der Erscheinungen hinweg – und treffen sich dabei teilweise mit Semprun. So schreibt Santini: „Die Arbeitslosigkeit ist nicht das explosive Problem, das die Moderne beenden wird, weil zugleich mit der Zerstörung der alten typischen ‚Arbeitsplätze’ neue Arbeiten entstehen und neue Möglichkeiten der Auspressung von Mehrwert ständig hinzukommen“ (S. 157). Als Beleg für diese These verweist er insbesondere auf das Wachstum der „informellen Ökonomie“ und den „ausgedehnten Sektor der Freiwilligenarbeit“ (ebd.). Ganz ähnlich argumentieren ERN, die zwar feststellen: „Der feste und durch Tarifverträge garantierte Arbeitsplatz neigt tatsächlich dazu zu verschwinden“, sogleich aber hinzufügen: „Jedoch macht er einer Vielfalt von Lohnarbeitsformen Platz: Zeitarbeit, Vertragsarbeit, Teilzeitarbeit, Selbstunternehmertum, Schwarzarbeit usw.“ (S. 160). Die grundsätzliche Schwäche dieser Kritiken besteht darin, dass sie sich gar nicht oder nur oberflächlich auf den theoretischen Begründungszusammenhang der Krisendiagnose einlassen, sondern ihr mehr oder weniger unvermittelt scheinbar selbstevidente empirische Belege entgegenhalten. Damit aber sitzen sie den widersprüchlichen Erscheinungsformen auf, in denen sich der Krisenprozess durchsetzt und vermittelt.</p>
<p>Zu diesen Erscheinungsformen gehört, dass sich die <em>Form</em> der Arbeit in der Tat fast universell durchgesetzt hat, dass also weltweit immer mehr Menschen dazu gezwungen sind, ihre Arbeitskraft entweder direkt oder über den Umweg selbst produzierter Waren und Dienstleistungen irgendwie zu verkaufen, um überleben zu können. Das liegt schlicht daran, dass die Warenproduktion alle anderen Formen sozialer Reproduktion zerstört oder marginalisiert hat. Allerdings sagt dies nicht das Geringste darüber aus, ob diese Arbeiten auch wertproduktiv sind, ob sie also zur Akkumulation von Kapital beitragen und in welchem Ausmaß. Bei der von Santini angeführten „Freiwilligenarbeit“ (und der sich damit überschneidenden staatlichen Zwangsarbeit) ist dies sowieso nicht der Fall, da ja selbst noch die Entlohnung entfällt. In aller Regel substituieren diese Tätigkeiten nur staatliche oder öffentliche Aktivitäten. Zwar wird so durchaus zum Funktionieren des kapitalistischen Gesamtzusammenhangs beigetragen, nur dass diese Arbeit nicht einmal mehr aus der abgeschöpften Wertmasse finanziert wird. Insofern spricht ihre Zunahme gerade nicht gegen die Krisendiagnose, sondern kann vielmehr als ein Krisensymptom gelten.</p>
<p>Aber auch für einen ganz erheblichen Teil des informellen Sektors gilt, dass er nicht zur Ausdehnung der Wertmasse und damit zur Kapitalakkumulation beiträgt. Das gilt nicht nur für den großen Bereich der Selbsthilfe, sondern ebenso auch für all die unzähligen Tätigkeiten, die sich zwar über Ware und Geld vermitteln, aber nur der persönlichen Reproduktion dienen. So erlischt beispielsweise der von einem Schuhputzer oder einer Haushaltshilfe produzierte Wert unmittelbar im Konsum und dient also nicht der Verwertung von Kapital. Das gilt übrigens unabhängig davon, ob diese Tätigkeiten nun „formell“ oder „informell“ ausgeübt werden. Insofern ist dies gar nicht das entscheidende Merkmal. Dennoch ist das rasante Wachstum der „Informalität“ nicht nur in der Peripherie, sondern zunehmend auch innerhalb der Metropolen durchaus ein Zeichen für das Abschmelzen der Arbeitssubstanz; denn es verweist darauf, dass die Wertschöpfung in einem Großteil der Welt so gering ausfällt, dass sie weder zur Kapitalverwertung (über Mehrwert) noch zur Finanzierung staatlicher Funktionen (über Steuern und Abgaben) oder gar zur Absicherung der persönlichen Zukunft (über Versicherungen und Ersparnisse) ausreicht, sondern bestenfalls noch das prekäre Überleben auf immer niedrigerem Niveau gewährleisten kann (vgl. Trenkle 1999).</p>
<p>Aber auch der Verweis auf die Masse prekarisierter Arbeiten in den unzähligen kleinkapitalistischen Klitschen und Sweatshops, den Maquilas und Weltmarktfabriken (egal ob nun im informellen oder formellen Sektor), die ihrem Charakter nach durchaus wertproduktiv sind, widerlegt die Krisendiagnose keinesfalls. Denn er blendet die Frage nach dem Produktivitätsniveau dieser Arbeiten einfach aus. Diese Frage ist aber höchst bedeutsam, denn der Wert eines Produkts ergibt sich ja bekanntlich nicht einfach aus der unmittelbar für seine Herstellung verwendeten Arbeitszeit, sondern aus der <em>gesellschaftlich notwendigen</em>. Die wiederum wird definiert durch das jeweils vorherrschende Produktivitätsniveau, und das heißt heute: durch die Produktivitätsstandards der durchrationalisierten, technologisch hochgerüsteten Kernsektoren der Weltmarktproduktion. An ihnen muss sich jede einzelne Arbeitsstunde in der Welt messen lassen; erreicht sie das Niveau nicht, stellt sie eben entsprechend weniger Wert dar. Dies verweist auf einen zentralen Wesenszug der abstrakten Herrschaft des Werts: als vorausgesetztes universelles Prinzip setzt er zugleich universelle Maßstäbe für Arbeitszeit und „Effizienz“, denen sich letztlich alle Menschen auf der Erde unterwerfen müssen, ohne darauf Einfluss zu haben. Darüber wacht der Weltmarkt mit unerbittlicher Konsequenz.</p>
<p>Was aber bedeutet das? Zunächst: Wo die Produktion sich nicht auf dem höchsten technologisch-organisatorischen Niveau bewegt, kann der Rückstand zwar durch Ausdehnung der Arbeitszeiten, Herabsenkung der Arbeitsstandards und Einsparung von Kosten bei Arbeitssicherheit, Umweltschutz etc. „ausgeglichen“ werden. Doch auch wenn damit eine profitable Verwertung des betreffenden <em>Einzelkapitals</em> erreicht werden mag, so bedeutet es keinesfalls ein Wachstum der Wertmasse auf der Ebene des gesellschaftlichen <em>Gesamtkapitals</em>. Denn die solcherart vernutzte Arbeitskraft ist gemessen am Weltniveau extrem unterproduktiv, insofern als beispielsweise 12 Stunden brutalster Schufterei in einem Sweatshop weniger Wert darstellen als eine Stunde oder wenige Minuten Arbeit in einer High-Tech-Weltmarktfabrik. Auch wenn die Menschen noch so sehr ausgepresst werden, kann dies die gigantische (und immer größer werdende) Produktivkraftlücke niemals kompensieren. Die gewaltige Ausbreitung der prekarisierten Elendsarbeit ist insofern auch nicht Ausdruck einer Verbreiterung der Wert- bzw. der Akkumulationsbasis des Kapitals und damit einer kapitalistischen Lösung der Krise, sondern vielmehr eine ihrer Verlaufs- und Durchsetzungsformen. Während es den Einzelkapitalien vollkommen egal ist, wie sie ihre Profite erwirtschaften, und sie daher je nach Gelegenheit und Kostengefälle hochproduktive High-Tech-Sektoren und unterproduktive Billigarbeit kombinieren, ist die Masse der Menschen schlicht und einfach dazu gezwungen, sich irgendwie zu verkaufen, weil sie unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen keine Alternative dazu besitzen.</p>
<p>Es greift viel zu kurz, diese Entwicklung einfach nur als „neue Organisation des Systems“ zu beschreiben, die „verschiedene Formen der Arbeitsorganisation nebeneinander bestehen“ lässt (S. 161), wie ERN dies tun. Das ist nicht viel mehr als eine empirisch verkürzte Momentaufnahme. Tatsächlich handelt es sich bei diesem „Nebeneinander“ um den widersprüchlich-dynamischen Prozess einer Abwärtsspirale von Abschmelzen der Wertbasis und Prekarisierung. Während einerseits das Produktivitätsniveau in den Kernsektoren der Weltmarktproduktion immer weiter in die Höhe geschraubt und dadurch der Wert der unterproduktiven Arbeit permanent gesenkt wird, verschärft die Verdrängung der lebendigen Arbeit zugleich die Dumpingkonkurrenz unter den Überflüssiggemachten, die auf den Verkauf ihrer Arbeitskraft angewiesen sind. Diese Spirale ist Ausdruck des fundamentalen Krisenprozesses, der sich zwar noch über viele Jahrzehnte hinziehen kann, der aber aus sich heraus nur eine Richtung kennt: abwärts.</p>
<p>Allerdings, auch wenn dieser Krisenprozess letztendlich die Grundlagen der warenproduzierenden Gesellschaft als Ganzer untergräbt, trifft er in seinem Verlauf doch nicht alle in der gleichen Weise, sondern verschärft die bereits grundsätzlich in deren Basisstruktur angelegten Hierarchien, Spaltungen und Ausschlüsse – auf einem insgesamt sinkenden Niveau der materiellen und sozialen Reproduktion. Insofern ist es zweifellos richtig, wenn ERN darauf hinweisen, dass Frauen „besonders betroffen (sind), so dass man von einer geschlechterspezifischen Flexibilisierung sprechen kann“ (S. 161). Allerdings geht es an der Sache vorbei, dies als „bewusste Strategie zur Reproduktion des Kapitals“ (S. 159) im Sinne einer weiteren Erschließung neuer Felder für die Akkumulation zu sehen, zu denen neben der Gentechnik auch die Hausarbeit gehören soll. Der Zug fährt vielmehr genau in die entgegengesetzte Richtung. In der Hochphase der kapitalistischen Entwicklung, im fordistischen Expansionsboom der Nachkriegszeit, wurde in der Tat ein gewisser Teil der Tätigkeiten, die mit der Durchsetzung der Warenproduktion „weiblich“ eingeschrieben und aus der Sphäre der Arbeit abgespalten wurden, kommerzialisiert (Haushaltsgeräte, konfektionierte Nahrungsmittel etc.) oder durch staatlich organisierte Dienstleistungen (vor allem im Gesundheits- und Pflegesektor) substituiert; das setzte die zugrunde liegende Abspaltungslogik zwar nicht außer Kraft, trug aber dazu bei, ihre Grenzen zu verschieben und damit eine gewisse Verwirrung in der patriarchalen Ordnung zu stiften.</p>
<p>Im Krisenprozess sind es aber genau diese Tätigkeiten, die als erste auf spezifische Weise wieder „reprivatisiert“ werden und nun in verstärktem Maße auf „die Familie“, was unter den Bedingungen der herrschenden Geschlechterhierarchie heißt: auf die Frauen, abgewälzt werden. Und das ist nicht nur ein äußerlicher Prozess der Regression auf der Ebene der geschlechtlichen „Arbeitsteilung“, sondern geht mit einer Revitalisierung der kapitalistisch konstituierten Geschlechterordnung und einer „Verwilderung des Patriarchats“ (Scholz 1998) einher. Nicht zufällig sind es in den größer werdenden Krisen- und Katastrophengebieten der Welt überwiegend Frauen, die individuell und kollektiv für das (Über-)Leben sorgen und die Netzwerke der Selbsthilfe und Selbstorganisation tragen. Umgekehrt sind es fast ausschließlich Männer, die in Form individueller Gewalt und organisierten Bandenwesens die Grundlagen der Reproduktion noch weiter zerstören, als es der ökonomische Krisenprozess ohnehin tut. Objektive und subjektive Barbarisierung der kapitalistischen Gesellschaft verschränken sich auf diese Weise in ihrem Niedergang ganz unmittelbar.</p>
<p>Dagegen wenden ERN ein: „&#8230; nicht nur in den kapitalistischen Gesellschaften barbarisiert sich das Patriarchat“ (S. 159). Doch welche nicht-kapitalistischen Gesellschaften meinen sie? Die Warengesellschaft hat sich längst als weltweites System etabliert und alle anderen sozialen und kulturellen Vergesellschaftungsformen verschluckt oder marginalisiert. Und dazu gehört nicht nur, dass sich Arbeit, Wert und Ware global als die Zwangsprinzipien der gesellschaftlichen Vermittlung durchgesetzt haben; auch die untrennbar mit ihnen zusammenhängende Struktur der Geschlechterhierarchie hat sich verallgemeinert. Damit soll nicht behauptet werden, dass die Warengesellschaft das Patriarchat aus dem Nichts geschaffen hätte, wie ERN unterstellen; doch ist ihr eine ganz bestimmte Form geschlechtshierarchischer Ordnung inhärent, die auf der Abspaltung all jener sinnlich-emotionaler Momente beruht, die nicht in der abstrakten Selbstbewegung des Werts aufgehen und die strukturell „weiblich“ eingeschrieben werden (Scholz 1999). Natürlich gibt es auch innerhalb dieser Ordnung allerlei Differenzen, die aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und den je verschiedenen Geschichten der Integration in das kapitalistische Weltsystem resultieren. Doch was da weltweit an scheinbar „archaischen Formen“ patriarchaler Herrschaft in der Krise aufscheint, lässt sich ebenso durchgängig als Phänomen der „Modernisierung“ und ihres Zusammenbruchs entschlüsseln, wie die damit verbundenen „Fundamentalismen“ (etwa bei den Taliban).</p>
<h4>Warten auf den eigenen Tod?</h4>
<p>Zu den gängigen Einwänden gegen die Diagnose, der Kapitalismus stoße an seine absoluten Grenzen, gehört, diese sei „objektivistisch“ (Santini, S. 156), „katastrophistisch“ (Reeve, S. 152) und „zutiefst deterministisch“ (ERN, S. 160). In der Regel ist dies darüber hinaus mit dem Vorwurf des Attentismus verbunden. Es wird also die selbstmörderische Konsequenz unterstellt, dass es eines bewussten Handelns zur Aufhebung der Warengesellschaft gar nicht bedürfe, weil diese sich ja schon von selbst erledige. „Denn wer darauf wartet, dass die Maschine des Kapitals von selbst stoppt, läuft Gefahr, auf den eigenen Tod zu warten“ (ERN, S. 163). Nun hat aber das <em>Manifest</em> an keiner Stelle behauptet, man solle die Arme verschränken und auf „den Zusammenbruch des Kapitalismus“ warten. Im Gegenteil, es ist eine einzige Aufforderung, sich gegen die Zumutungen des Krisenprozesses und seiner Verwaltung zur Wehr zu setzen. Wie also kommt es zu dieser doch recht seltsamen Lesart?</p>
<p>Was hier herumspukt, ist das Schreckgespenst der Geschichtsmetaphysik des traditionellen Marxismus, der zufolge die Prognose objektiver Grenzen der kapitalistischen Gesellschaft immer untrennbar mit deren Aufhebung verknüpft war. Dies ergab sich theorieimmanent aus der zugleich äußerlichen wie positiven Sicht auf den Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen. Denn dieser bereite angeblich die sozialistische Gesellschaft vor, indem er die Vergesellschaftung der Produktionsmittel vorantreibe und gleichzeitig den Klassengegensatz verschärfe, so dass es letztlich nur darauf ankomme, dass „das Proletariat“ sich dessen bewusst werde und die Herrschaft „des Kapitals“ breche. In dieser Perspektive immer schon vorausgesetzt war das angeblich „objektiv“ gegebene Subjekt der Emanzipation, das allerdings erst noch seiner historischen Aufgabe bewusst werden und sich dementsprechend organisieren müsse.</p>
<p>Nach dem Abschied vom Geschichtsoptimismus der Arbeiterbewegung hat die Linke zugleich auch den Gedanken einer inhärenten Schranke des Kapitalismus gleich mit verworfen. Wer darauf beharrt, setzt sich dem Vorwurf der Geschichtsmetaphysik aus. Demgegenüber gilt es nun weithin als ausgemacht, dass der Kapitalismus auf ewig weiter bestehen könne, solange er eben nicht von einem starken Gegensubjekt von der Bildfläche gefegt werde. Diese Auffassung scheint gar keiner näheren Begründung mehr zu bedürfen. Es kommt ihren Vertretern gar nicht in den Sinn, dass sie selbst zutiefst geschichtsmetaphysisch ist, denn sie schreibt dem Kapitalismus eine Art ewiges Leben und eine unendliche Potenz der Regeneration zu, ohne dies näher zu begründen. Der aus heutiger Sicht groteske Geschichtsoptimismus der alten Arbeiterbewegung und des traditionellen Marxismus war jedoch nicht deshalb falsch, weil er auf einer objektivierten Logik beharrte, die im Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen angelegt sei. Falsch war es erstens, diese historisch ganz spezifische Eigenart der kapitalistischen Gesellschaft zu einer übergreifenden Logik der Geschichte überhaupt zu verklären („Historischer Materialismus“), und zweitens, zu unterstellen, sie führe letztlich zumindest bis an die Schwelle gesellschaftlicher Emanzipation heran (vgl. den Aufsatz von Christian Höner in dieser Ausgabe der <em>krisis</em> sowie Trenkle 2000).</p>
<p>Tatsächlich ist die selbstläufige Entwicklungslogik der warenproduzierenden Gesellschaft in ihrer Grundtendenz keineswegs positiv. Auch wenn sie, wie oben ausgeführt, bestimmte Potentiale hervorgebracht hat, die in einer befreiten Gesellschaft sinnvoll entwickelt und genutzt werden können, bedeutet dies noch lange nicht, dass sie auch die objektiven und subjektiven Bedingungen für ihre eigene Aufhebung schafft. Als verselbständigtes Fetischsystem, in dem die gesellschaftlichen Beziehungen in verdinglichter Form ihr Eigenleben führen, die die Menschen als scheinbar äußerliche Gewalt beherrschen, und das sich jeglichem konkreten Inhalt und sinnlichen Zweck gegenüber vollkommen gleichgültig verhält, ist ihm eine grundlegende Tendenz der Vernichtung und Zerstörung eingeschrieben.</p>
<p>Dies als „Katastrophismus“ abzutun, läuft letztlich auf die Ausblendung der realen Katastrophe hinaus, die der Krisenprozess ganz real schon heute für einen Großteil der Menschheit bedeutet, der vom System der abstrakten Arbeit für überflüssig erklärt wurde. Denn seine schlimmsten Verwüstungen richtet die Krise ja gerade dort an, wo eine Kapitalverwertung im breiten Maßstab gar nicht mehr möglich ist. Etwa dort, wo mit dem Zusammenbruch der Weltmarktteilnahme auch der Nationalstaat zerfällt und nun marodierende Banden die Konkurrenz in Form des Krieges und der Plünderung fortsetzen – wie in großen Teilen Afrikas und des ehemaligen Ostblocks. Oder wo Menschen der Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen, Gebäuden und Fabriken verwehrt wird, obwohl diese längst nicht mehr kapitalistisch vernutzt werden können, weil die Absatzmärkte zusammengebrochen sind. Es interessiert nicht, dass Menschen verhungern, obwohl nebenan Ressourcen brachliegen oder stillgelegt werden, weil sie in der Form von Arbeit und Warenproduktion nicht mehr „rentabel“ sind. Damit wird die absolute Gleichgültigkeit dieser gesellschaftlichen Form gegenüber den konkreten Bedürfnissen der Menschen in ihrer ganzen Härte sichtbar. Ressourcen sind nur dann gesellschaftlich gültig, wenn sie Wert repräsentieren und für die Verwertung von Wert eingesetzt werden können. Jede andere Möglichkeit ihrer Nutzung, etwa die selbstorganisierte Produktion von Lebensmitteln für Menschen, die Hunger haben, aber keine Kaufkraft besitzen, wird von vorneherein für unstatthaft erklärt und notfalls gewaltsam verhindert. Der Selbstzweckcharakter der Warenform wird hier vollends grotesk. Die gesellschaftliche Form wird nur noch um ihrer selbst willen mit aller Gewalt aufrechterhalten, obwohl ihre Substanz, die massenhafte Vernutzung lebendiger Arbeitskraft, verschwindet. Damit schlägt der Fetischismus von Arbeit und Warenform in die offene Vernichtung der Welt um. Was innerhalb der warengesellschaftlichen Formprinzipien nicht mehr möglich ist, soll überhaupt nicht mehr sein dürfen.</p>
<p>Die grundsätzliche Schwierigkeit besteht unter diesen Bedingungen darin, dass sich eine soziale Emanzipationsbewegung nur gegen die objektivierte Zerstörungs- und Vernichtungslogik des Krisenprozesses formieren kann. Dies ist eine grundsätzlich andere historische Situation als diejenige, in der sich die Arbeiterbewegung herausbildete. Als organisierte Repräsentantin der Ware Arbeitskraft hatte sie den objektiven Trend einer Verallgemeinerung des Systems von Ware und Arbeit im Rücken; und das schürte ihren Geschichtsoptimismus, obwohl es in Wahrheit ein Zeichen für ihre grundsätzliche Immanenz war. Damit soll nicht geleugnet werden, dass es in der Arbeiterbewegung überschüssige emanzipatorische Momente und Tendenzen gab, die über die Immanenz des Kampfes um die gesellschaftliche Anerkennung der Arbeitskraftverkäufer hinausgingen. Doch repräsentierten sie eben gerade nicht das „An Sich“ des Proletariats und wurden deshalb auch unter dem objektiven Druck der kapitalistischen Expansionsbewegung stets integriert oder neutralisiert. Die Möglichkeit sozialer Emanzipation liegt insofern nicht darin begründet, dass ein prädestiniertes objektiv gegebenes Subjekt „in seinen Kämpfen (…) zum Subjekt ‚für sich’“ wird (S. 162), wie ERN in Anlehnung an Lukács schreiben, sondern darin, dass solche Momente prinzipiell in jeder solidarischen Gegenwehr gegen die Zumutungen des Krisenprozesses und seiner (post-)politischen Verwaltung auf allen Ebenen und in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenhangs enthalten sind. Es kommt darauf an, was sich ausgehend von ihnen entwickelt (vgl. Lohoff 2004 und Trenkle 2004). Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist die Einsicht, dass es innerhalb der kapitalistischen Logik keinerlei Perspektiven mehr gibt und dass daher die Aneignung des gesellschaftlichen Reichtums im Bruch mit dieser Logik eine existentielle Notwendigkeit darstellt. Insofern ist die Krisenanalyse alles andere als eine Aufforderung, auf den eigenen Tod zu warten. Sie steckt vielmehr den Rahmen ab, in dem sich die Kämpfe für die soziale Emanzipation unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts bewegen werden.</p>
<h4>Literatur</h4>
<p>Les Éditions Rouge et Noir: <a href="http://www.krisis.org/2003/kommentare-und-gedanken-zur-krise-der-arbeit">Kommentare und Gedanken zur Krise der Arbeit</a>, in: krisis 27, Bad Honnef 2003 [Nachwort zu: Manifeste contre le travail, Québec 2003, Übers. Wolfgang Kukulies].</p>
<p>Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, Frankfurt 1985 [1947].</p>
<p>Ernst Lohoff: Das Schweigen der Lämmer, in: Lohoff u.a. (Hg.): Dead Men Working, 2004.</p>
<p>Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Maria Wölflingseder und Karl-Heinz Lewed (Hg.): Dead Men Working. Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs, Münster 2004.</p>
<p>Georg Lukács: Die Verdinglichung und das Bewusstsein des Proletariats, in: Geschichte und Klassenbewusstsein, Darmstadt 1988 [1922].</p>
<p>Karl Marx: Das Kapital (Erster Band), MEW 23, Berlin 1983 [1867].</p>
<p>Moishe Postone: Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft, Freiburg i. Br. 2003 [Time, Labour and Social Domination, Cambridge/New York 1993].</p>
<p>Charles Reeve: <a href="http://www.krisis.org/2003/wenn-der-berg-kreisst-und-eine-maus-gebiert">Wenn der Berg kreißt und eine Maus gebiert</a>, in: krisis 27, Bad Honnef 2003 [Aus: <em>Oiseau-tempête</em> 10/2004, Übers. Wolfgang Kukulies].</p>
<p>Luca Santini: <a href="http://www.krisis.org/2003/anmerkungen-zum-manifest-gegen-die-arbeit">Anmerkungen zum „Manifest gegen die Arbeit“</a>, in: krisis 27, Bad Honnef 2003 [Appunti su il „Manifesto contro il lavoro“, in: INFOXOA 016, Rom 2003, Übers. Lorenz Glatz].</p>
<p>Franz Schandl: <a href="http://www.krisis.org/2004/mehrwert-und-verwertung">Mehrwert und Verwertung – Ausführungen zum Okkultismus der Ware Arbeitskraft</a>, in: Streifzüge 30/2004, Wien.</p>
<p>Roswitha Scholz: <a href="http://www.krisis.org/2008/veroeffentlichung-untersagt">Die Verwilderung des Patriarchats in der Postmoderne</a>, in krisis 21/22, Bad Honnef 1998.</p>
<p>Dies.: <a href="http://www.krisis.org/2008/veroeffentlichung-untersagt">Wert und Geschlechterverhältnis</a>, in Streifzüge 2/1999, Wien.</p>
<p>Jaime Semprun: <a href="http://www.krisis.org/2003/bemerkungen-zum-manifest-gegen-die-arbeit">Bemerkungen zum „Manifest gegen die Arbeit“</a>, in: krisis 27, Übers. Anselm Jappe u. Wolfgang Kukulies, Bad Honnef 2003.</p>
<p>Norbert Trenkle: <a href="http://www.krisis.org/1999/es-rettet-euch-kein-billiglohn">Es rettet Euch kein Billiglohn!</a>, in: Robert Kurz, Ernst Lohoff und Norbert Trenkle (Hg.): Feierabend! Elf Attacken gegen die Arbeit, Hamburg 1999.</p>
<p>Ders.: <a href="http://www.krisis.org/2000/kapitulation-vorm-kapitalismus">Kapitulation vorm Kapitalismus</a>, in: Konkret Juli 2000.</p>
<p>Ders.: <a href="http://www.krisis.org/2002/gebrochene-negativitaet">Gebrochene Negativität</a>. Anmerkungen zu Adornos und Horkheimers Aufklärungskritik, in: krisis 25, Bad Honnef 2002.</p>
<p>Ders.: Antipolitik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs, in: Lohoff u.a. (Hg.): Dead Men Working, 2004.</p>
<p>Gaston Valdivia: <a href="http://www.krisis.org/1997/zeit-ist-geld-und-geld-ist-zeit">„Zeit“ ist Geld und Geld ist „Zeit“</a>. Von der Produktion der „Zeit“ zu ihrer marktwirtschaftlichen Dekonstruktion, in: krisis 19, Bad Honnef 1997.</p>
<p>Ders.: Zeitverschwendung Marktwirtschaft, in Lohoff u.a. (Hg.): Dead Men Working, 2004.</p>
<hr />
<h4>Fußnoten</h4>
<p><a name="_ftn1" href="#_ftnref1">[1] </a>Einige Einwände lassen sich wohl auch darauf zurückführen, dass die Texte, in denen die eher apodiktischen Thesen des <em>Manifests</em> ausführlicher theoretisch begründet werden, nur partiell übersetzt vorliegen. Andererseits wurden auch im deutschsprachigen Raum ganz ähnliche Kritiken formuliert.</p>
<p><a name="_ftn2" href="#_ftnref2">[2] </a>Soweit nicht anders angegeben, beziehen sich die Seitenzahlen in den Klammern auf krisis 27.</p>
<p><a name="_ftn3" href="#_ftnref3">[3] </a>Zur Kritik an Lukács vgl. Postone 2003, vor allem S. 122ff.</p>
<p><a name="_ftn4" href="#_ftnref4">[4] </a>„Die vollständige Transformation der Welt in eine Welt, die mehr eine von Mitteln ist als von Zwecken, ist selbst die Folge der historischen Entwicklung der Produktionsmethoden. Indem die materielle Produktion und soziale Organisation komplizierter und verdinglichter werden, wird es immer schwieriger, die Mittel als solche zu erkennen, da sie die Erscheinung autonomer Wesenheiten annehmen“ (Horkheimer 1985, S. 101).</p>
<p><a name="_ftn5" href="#_ftnref5">[5] </a>Es geht nicht darum, zu behaupten, <em>nur</em> der Kapitalismus hätte diese Potentiale hervorbringen können. Dies hätte prinzipiell auch in anderer Weise geschehen können. Insofern braucht es auch keine nachträgliche Rechtfertigung der „zivilisatorischen Mission” des Kapitals, wie sie der historische Materialismus mit seinem mechanischen Geschichtsoptimismus und seiner Teleologie immer vertreten hat. Aber es ist nun einmal als historisches Faktum zu konstatieren, dass der Kapitalismus bestimmte Potentiale hervorgebracht hat – so wie frühere fetischistische Gesellschaften auch – und dies ist die Grundlage, auf der eine Befreiung ansetzen muss.</p>
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		<title>Kommentare und Gedanken zur Krise der Arbeit</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Dec 2003 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohne thematische Zuordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Krisis 27 (2003)]]></category>
		<category><![CDATA[Manifest gegen die Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zum Manifest gegen die Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Les Editions Rouge et Noir]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Les Éditions Rouge et Noir</h3>
<p>erschienen in: Krisis 27 (2003)</p>
<p><strong>Nachwort zur franko-kanadischen Ausgabe des Manifest gegen die Arbeit</strong><a name="_ftnref1" href="#_ftn1"> [1] </a></p>
<p>Die Arbeit befindet sich in einer Krise! Endlich, möchte man hinzufügen. Eine Lektüre des Manifestes der Gruppe <em>Krisis</em> zeigt, dass alle moralischen, ökonomischen oder politischen Argumente, die die herrschenden Mächte vorbringen, um die &#8220;Tätigkeit der Unmündigen&#8221; (S. 20)<a name="_ftnref2" href="#_ftn2"> [2] </a> zu rechtfertigen, nicht standhalten. Krisis zufolge erleben wir das Ende der Arbeit. Die Folge ist ein gesellschaftlicher Sinnverlust, da alle unsere Tätigkeiten auf die Verwertung von Kapital <em>via</em> Lohnarbeit abzielen. Dieser Sinnverlust betrifft nicht nur den kapitalistischen und staatlichen Machtapparat, sondern auch die Linken, die die &#8220;Befreiung&#8221; der Arbeit auf ihre Fahnen geschrieben haben. Das <em>Krisis</em>-Manifest zeigt sehr gut, dass es auf einem derartig repressiven Gebiet wie der Arbeit nichts zu befreien gibt. Jenseits der Trümmer der Arbeitsgesellschaft gilt es neue Praktiken zu erfinden, dem Sozialen einen neuen Sinn zu verleihen.</p>
<p><span id="more-226"></span>Um nun aber eine Diskussion über die gegenwärtige Entwicklung und die darin aufscheinenden Möglichkeiten einzuleiten, meinen wir, dass bestimmte Punkte der Krisis-Thesen ernsthaft kritisiert werden müssen. Diese Kritik soll keine leere Polemik sein, sondern einen bescheidenen Beitrag zu den Debatten über die Zukunft des Kapitalismus und den Alternativen zu ihm liefern. Zunächst stellen wir der Ansatz von <em>Krisis</em> zur Problematik des Patriarchats und der Beherrschung der Frauen infrage. Zweitens bezweifeln wir stark den deterministischen Charakter der Krise von Arbeit und Kapitalismus, so wie das Manifest ihn beschreibt. Und schließlich scheint uns die Frage der in den Prozess der krisenhaften Zuspitzung verwickelten Akteure nur sehr unbefriedigend gelöst zu sein. Grundsätzlich geht es um den Charakter der historischen Prozesse: haben wir es mit einer &#8220;Geschichte&#8221; zu tun, die linear und auf bestimmte Weise abläuft und in einem Schlussmoment kulminiert (Kapitalismus, Endkrise, usw.) oder mit einer Verschränkung von Prozessen und Kämpfen, von denen man auf keine Finalität schließen kann?</p>
<p>Die Art der Unterdrückung der Frauen wirft die Frage nach des Zusammenhangs zwischen den verschiedenen Instanzen von Herrschaft und Ausbeutung auf. Die gesellschaftliche Unterordnung der Frauen, u.a. über die Abwertung der ihnen zugeschriebenen Aktivitäten und Eigenschaften, geht nicht auf den Kapitalismus zurück, wie die feministischen Historikerinnen zeigen. Sie beruht auf Hierarchierungsprinzipien, die diesem und der Arbeitsgesellschaft vorgängig sind. Und nicht nur in den kapitalistischen Gesellschaften barbarisiert sich das Patriarchat. Das Abwälzen von Verantwortung auf die Frauen erscheint uns nicht nur als Folge der gegenwärtigen Umstrukturierungen, sondern als bewusste Strategie zur Reproduktion des Kapitals in Kontinuität mit der Zwangsverpflichtung der Frauen auf die Funktionen der gesellschaftlichen Reproduktion (Haushalt, Kindererziehung, Pflege von Bedürftigen, usw.). Unter anderem dank dieser Zwangsverpflichtung hat der Kapitalismus sich entwickelt.</p>
<p>Das <em>Manifest gegen die Arbeit</em> behauptet, dass &#8220;das Vordringen der Frauen in die Sphäre der Arbeit keine Befreiung bringen (konnte), sondern nur dieselbe Zurichtung für den Arbeitsgötzen wie bei den Männern&#8221; (S. 19). Wenn auch die geschlechtsspezifische Prekarisierung der Arbeit und die Zwangsmaßnahmen, um Sozialhilfeempfängerinnen und arbeitslose Frauen in prekäre Arbeitsverhältnisse zu zwingen nichts Befreiendes hat, so lässt sich dennoch nicht leugnen, dass der Zugang zur Lohnarbeit und die Beschäftigungsentwicklung im öffentlichen Dienst eine wichtige Rolle im Leben der Frauen gespielt haben, die legitimerweise nach Autonomie und wirtschaftlicher Unabhängigkeit gestrebt haben. Damit reden wir aber nicht der vergeblichen Reaktivierung des Keynesianismus das Wort, der ohnehin seine Versprechungen nie gehalten hat, weder gegenüber den Frauen noch gegenüber vielen anderen. Selbstverständlich verurteilen wir auch nicht die Widerstandsstrategien gegen die Lohnarbeit. Wir sind bloß der Ansicht, dass der Ausschluss von der Lohnarbeit im Rahmen von Herrschaftsverhältnissen zwischen den Geschlechtern auch eine stärkere Unterdrückung der Frauen im häuslichen Bereich bedeuten kann.</p>
<p>In diesem Zusammenhang von Umstrukturierungsstrategien des Kapitalismus zu reden, setzt voraus, dass dieser nicht nur ein einfaches System darstellt, und dass ihn nicht &#8220;Gesetze&#8221; regieren, sondern eine ganze Reihe von Tendenzen, die das Handeln von Subjekten implizieren. Genauer gesagt: eines der wesentlichen Postulate in der Analyse des Manifests geht davon aus, dass der Kapitalismus, mit der immer tiefgreifenderen Einführung von Technologie und Wissenschaft in die Produktionsprozesse seine endgültige Grenze erreicht hat. Dieser Widerspruch zwischen abnehmender &#8220;Produktinnovation&#8221; und brodelnder &#8220;Prozessinnovation&#8221; soll zur Folge haben, dass der Rückgriff auf die Arbeitskraft unweigerlich zurückgeht. Bislang sei dieser Produktivitätsanstieg durch die Expansion der Märkte absorbiert worden. Nun seien die Märkte endgültig gesättigt, was zu einem Sinken des Konsums und dadurch zu einer immer stärkeren Streichung von Arbeitsplätzen führe. Die Eliminierung lebendiger Arbeitskraft durch die technologische Entwicklung würde somit das Todesurteil der Lohnarbeit und folglich des Kapitals unterzeichnen.</p>
<p>Diese Sichtweise ist zutiefst deterministisch: die Entwicklung der Produktivkräfte führt zum Zusammenbruch des Kapitalismus. Die Behauptung vom &#8220;Ende der Arbeit&#8221;, also der Eliminierung menschlicher Arbeit zugunsten der Maschine, verschleiert die Tatsache, dass die Arbeitslosigkeit zwar ansteigt, dieser Prozess aber mit einer Intensivierung der Ausbeutung derjenigen Frauen und Männer einhergeht, die noch einen (oder mehrere) Job(s) haben. Verschleiert werden auch die Transformationen, welche der Lohnarbeitsstatus durchlaufen hat. Der feste und durch Tarifverträge garantierte Arbeitsplatz neigt tatsächlich dazu zu verschwinden. Jedoch macht er einer Vielfalt von Lohnarbeitsformen Platz: Zeitarbeit, Vertragsarbeit, Teilzeitarbeit, Selbstunternehmertum, Schwarzarbeit, usw. Ganz zu schweigen von der plötzlichen Begeisterung für private oder kooperative Mikro-Unternehmen, die über ein formelles Zulieferverhältnis mit dem kapitalistischen Betrieb den Wunsch nach Autonomie (im wahrsten Sinne des Wortes!) ausbeuten.</p>
<p>Diesen technologischen Determinismus überwindend, sehen wir dort, wo <em>Krisis</em> von &#8220;Prozessinnovation&#8221; spricht, vor allem die Reorganisierung der Arbeitsprozesse, durch die die &#8220;mikroelektronische&#8221; Revolution  gerade ihren Sinn erhält. Diese neue Organisation des Systems lässt verschiedene Formen der Arbeitsorganisation nebeneinander  bestehen (zusätzlich zu der Vielfalt der von uns erwähnten Lohnarbeitsverhältnisse) und zwar nicht nur im Produktionssektor sondern auch in der Grauzone der Dienstleistungen. Diese verschiedenen Organisationsweisen der Arbeit haben gemeinsam, dass sie dem Kapital die maximale Flexibilisierung der Arbeitskraft ermöglichen. Sie gehen einher mit Sozialpolitiken, die darauf ausgerichtet sind, die arbeitslosen Frauen und Männer in Zwangsarbeitsverhältnissen zu halten oder sie hinein zu zwingen. Diese verschärfen so die Konkurrenz und tragen, über ihre ideologische Rolle hinaus, zur Verschlechterung der Arbeitsbedingungen bei.</p>
<p>Die Restrukturierung der Arbeitsprozesse schreibt die gesellschaftlichen Herrschaftsbeziehungen in aktualisierten Formen fort, ob es sich dabei um die Standortverlagerung der Arbeitsausbeutung in so genannte Dritte-Welt-Länder handelt, um die von klandestinen Migrantinnen und Migranten (Standortverlagerung nach innen) oder um von Frauen geleistete bezahlte oder unbezahlte Funktionen. Die Flexibilisierungsstrategien auf dem Arbeitsmarkt inspirieren sich übrigens an den Managementstrategien gegenüber weiblichen Arbeitskräften, wie dem Rückgriff auf Teilzeitarbeit und die Schaffung besonderer Statusformen entsprechend den Bedürfnissen des Unternehmens. Bei diesem Zerfall des Lohnarbeitsystems sind die Frauen übrigens noch besonders betroffen, so dass man von einer geschlechterspezifischen Flexibilisierung sprechen kann.</p>
<p>Berücksichtigt man, dass das System sich der Ein- und Ausgrenzungsverhältnisse noch in Räumen bedienen kann, die noch nicht völlig der kapitalistischen Logik unterworfen sind (wie die Geschlechter- und interkulturellen Beziehungen), so stellt sich die Frage, ob man behaupten kann, das Kapital habe seine Grenze erreicht. Gewiss, das Wachstum, das das System zwischen 1945 und 1975 gekannt hat, ist nicht mehr möglich. Deshalb ist der Zusammenbruch des Systems aber nicht sicher, hat der Kapitalismus doch schon gezeigt, dass er seine Widersprüche überwinden kann. Wenn es keine so vielversprechenden neuen Märkte mehr gibt wie zuvor (Asien und die osteuropäischen Länder haben die vom Kapital in sie gesetzten Erwartungen bislang nicht erfüllt), so gibt es doch, neben der Hausarbeit, noch Felder (Gentechnik, &#8220;Öko-Business&#8221;, Pharmaindustrie, neue Reproduktionstechniken), die bearbeitet werden können, auch wenn dies noch genauer diskutiert werden muss. Und dann sind da noch die alten Rezepte, die wieder benutzt werden können (und werden!): Stärkere Ausbeutung der natürlichen Ressourcen und der Dritten Welt, Militarismus, usw. Weniger eine absolute als eine relative Grenze sehen wir sich hier abzeichnen.</p>
<p>Was sich hier grundsätzlich stellt, ist die die Frage nach den Akteuren dieser Krise. Denn in der von <em>Krisis</em> entwickelten deterministischen Perspektive, erfolgt der Zusammenbruch des Kapitalismus als Konsequenz seiner Entwicklung und nicht als Ergebnis menschlichen Handelns. Wer sind also die Subjekte, die die Arbeitsdiktatur in Frage stellen? Das Manifest antwortet nur vage darauf: die Lohnabhängigen werden als ins Kapital &#8220;integriert&#8221; gesehen. Es bleiben nur noch Individuen, die das Lohnsystem in Frage stellen. Tatsächlich macht sich die systemische Sichtweise des Manifests an gewissen Aspekten der Krise des Kapitalismus in den 70er Jahren fest. Die Fähigkeit der tayloristischen Organisation, ihre früheren Produktivitätsniveaus aufrecht zu erhalten, mögen sich erschöpft haben, doch wie kann man die technisch-ökonomischen Grenzen, die die &#8220;Prozessinnovation&#8221; einschränken, hervorheben, ohne den Widerstand der Arbeiter gegen das Kapital innerhalb der Produktionsverhältnisse zu erwähnen? Dieser Widerstand beinhaltete sowohl Lohnforderungen als auch die implizite und explizite Ablehnung der tayloristischen Arbeitsorganisation. Minoritäre Gruppen von Arbeiterinnen und Arbeitern haben in der Vergangenheit nicht nur die Herrschaft des Kapitals, sondern auch die Lohnarbeit selbst in Frage gestellt und versucht, alternative Produktionsweisen zu erproben (theoretisch erfolgte diese Infragestellung, oft widersprüchlich, durch Lafargue, die Situationisten und die italienischen Operaisten). Mögen diese Experimente innerhalb der verschiedenen linken Bewegungen auch nicht hegemonisch gewesen sein, so scheinen sie uns doch einen historischen Erfahrungsschatz darzustellen, aus dem man schöpfen kann.</p>
<p>Diese Ablehnung der Arbeit verweist auch darauf, dass das Proletariat, in seinen Kämpfen, um zum Subjekt &#8220;für sich&#8221; zu werden, sich als partikulare gesellschaftliche Kategorie nur negieren kann. Mit Recht verwirft das Manifest von <em>Krisis</em> den Interessenkampf der verschiedenen Sozialkategorien, die in der Logik des Systems gefangen bleiben. Die Gruppe denkt über die Bedingungen eines Bruchs mit den Kategorien der Arbeit nach, nur kann dieser Bruch, so <em>Krisis</em>, auf kein &#8220;bestimmtes gesellschaftliches Lager&#8221; (S. 41) zählen. Wir müssen uns dann die folgende Frage stellen: welches sind die Bedingungen einer Verschärfung der Krise der Arbeit außerhalb ihrer ausdrücklichen Formulierung als kritische Reflexion? Mit anderen Worten: wie lässt sich, um es mit der deutschen Gruppe zu sagen, eine &#8220;Gegenöffentlichkeit&#8221; (S. 41) bilden. Die &#8211; fundamentale &#8211; Praxis der theoretischen Debatte kann sich nicht selbst genügen, um eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Daraus ergibt sich eine zweite Frage: wer sind die gesellschaftlichen Subjekte und welche gesellschaftlich-historische Erfahrung steht hinter dieser Arbeitskritik? Wir können nicht umhin, skeptisch zu sein angesichts des <em>Krisis</em>-Programms, das sich mit der Idee &#8220;weltweiter Verbünde frei assoziierter Individuen&#8221; (S. 42) begnügt. Es wird so ausgeblendet, dass die Subjektivität der Subjekte der Arbeitsverweigerung sich innerhalb eines Prozesses bildet, in dem Frauen und Männer die Erfahrung der Arbeit und ihrer Kritik machen.</p>
<p>Die oben erwähnen früheren Entwürfe einer globalen Alternative zum Kapitalismus lassen sich vermitteln mit bestimmten Kämpfen, die heute an den Arbeitsplätzen stattfinden (Zurückweisung der Produktivität, der Überstunden, der Diskriminierungen, der Ungleichheiten usw.), mit Widerstand gegen die Zwangsarbeit und mit gewissen Initiativen am Rande. Es ist klar, dass diese Initiativen nur Teilaspekte betreffen und schwerlich anders als als bloße individuelle Lösungen erscheinen; ihre kollektive und politische Dimension tritt kaum zutage unter dem Druck, sich durchzuschlagen und die eigene Misere selbst zu verwalten. Opposition ist nicht selbstverständlich in einer Welt, wo selbst die Illusion Dinge umzuwandeln &#8211; eine Illusion, die die Idee der Arbeit transportierte &#8211; verschwindet. Eine Welt, in der &#8211; wie <em>Krisis</em> zeigt &#8211; die Mythen von Wachstum und Fortschritt zusammenbrechen zugunsten der Herrschaft, die sich auf die Entwicklung der Techno-Wissenschaft stützt sowie auf Netzwerke und Symbolmanipulateure, die das gesellschaftliche Potential ausbeuten. Opposition ist nicht selbstverständlich: was aber nicht selbstverständlich ist, muss diskutiert werden und verlangt nach der Rückkehr kritischer Subjektivität. Denn wer darauf wartet, dass die Maschine des Kapitals von selbst stoppt, läuft Gefahr, auf den eigenen Tod zu warten.</p>
<hr /><a name="_ftn1" href="#_ftnref1"> [1] </a> Manifeste contre le travail, Québec 2003, übersetzt von Olivier Galtier, Wolfgang Kukulies und Luc Mercier<a name="_ftn1" href="#_ftnref1"></a></p>
<p><a name="_ftn2" href="#_ftnref2"> [2] </a> Die Seitenangaben der Zitate beziehen sich auf die deutsche Ausgabe (d. Ü.). <a name="_ftn2" href="#_ftnref2"></a></p>
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		<title>Wenn der Berg kreißt und eine Maus gebiert</title>
		<link>http://www.krisis.org/2003/wenn-der-berg-kreisst-und-eine-maus-gebiert</link>
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		<pubDate>Wed, 31 Dec 2003 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohne thematische Zuordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Charles Reeve]]></category>
		<category><![CDATA[Krisis 27 (2003)]]></category>
		<category><![CDATA[Manifest gegen die Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zum Manifest gegen die Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Diskussionen zum Manifest]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>erschienen in: Krisis 27 (2003)</p>
<p><em>Charles Reeve<a name="_ftnref1" href="#_ftn1"> [1] </a></em></p>
<p>Die Schriften der Gruppe <em>Krisis</em>, die sich um den Soziologen Robert Kurz herum gebildet hat und in Deutschland eine gleichnamige Zeitschrift herausgibt, waren bislang nur wenig in Frankreich bekannt. Diese Lücke wurde nun gefüllt mit der Veröffentlichung des <em>Manifests gegen die Arbeit</em><a name="_ftnref2" href="#_ftn2"> [2] </a>.</p>
<p><span id="more-327"></span>Die Kritik der Arbeitsmoral im linken Denken verleihen einem Text, der die gegenwärtige Situation des Kapitalismus zu beschreiben versucht, Schwung und Frische. Es geht der Gruppe zunächst um eine Demontage der reformistischen Rezepte, die den Anspruch erheben, die Zumutungen des Kasinokapitalismus zu korrigieren: keynesianische Nostalgien, die Forderungen nach einem Soziallohn oder die Tobin-Attac-Steuer. Für Kurz und seine Freunde ist die Spekulation die Konsequenz der Investitionskrise und nicht das Gegenteil.<a name="_ftnref3" href="#_ftn3"> [3] </a> &#8220;Das Kriterium der Rentabilität selber samt seinen arbeitsgesellschaftlichen Grundlagen (ist) als obsolet anzugreifen&#8221; (S. 34)<a name="_ftnref4" href="#_ftn4"> [4] </a>. <em>Krisis</em> grenzt sich ebenfalls von den Projekten diverser sozialistischer Strömungen ab, die quantitative Forderungen &#8211; die ökonomischen und gewerkschaftlichen Kämpfe &#8211; zum Hebel gesellschaftlicher Emanzipation machen wollen. Deren Integrationsprozess geht heute einher mit der Zersplitterung der Arbeitswelt; dem Terrain auf dem &#8220;die klassische Linke am Ende&#8221; ist (S. 39). Deshalb tritt bei ihren Neugründungsprojekten &#8220;an die Stelle des kategorialen Bruchs die sozialdemokratische und keynesianische Nostalgie&#8221; (S. 39). <em>Krisis</em> unterstreicht, wie andere Kritiken<a name="_ftnref5" href="#_ftn5"> [5] </a>, den etatistischen Charakter der Projekte von Soziallohn und Grundkommen.</p>
<p>Soweit nichts Neues unter der Sonne! Hinsichtlich der Kritik des modernen Reformismus wiederholt <em>Krisis</em> &#8211; mit prononciertem Gusto für Süffisanz &#8211; , was bereits geschrieben wurde. Liest man sie aber, gewinnt man den Eindruck, als habe die Kritik des modernen Kapitalismus an dem Tag begonnen, als <em>Krisis</em> anfing nachzudenken. Abgesehen von ein paar Bezügen auf die Situationisten und die Strömungen des italienischen Linksradikalismus, ein paar Sätzen und die an das (nie zitierte) <em>Recht auf Faulheit</em> von Paul Lafargue erinnern, wird alles unterschiedslos weggewischt und alles &#8211; Gutes wie Schlechtes &#8211; wird, bunt durcheinander, auf den Kehrrichthaufen der Geschichte geworfen. Kein Wunder also, wenn die Arbeiterbewegung auf die Gewerkschaftsbewegung reduziert wird, auf ein bloßes Element zur &#8220;Verallgemeinerung der Arbeitsgesellschaft&#8221;. Es ist bezeichnend, dass man in diesem Manifest vergeblich die leiseste Anspielung auf die großen revolutionären Brüche des 20. Jahrhunderts oder einen einzigen Bezug auf die revolutionären Strömungen des Marxismus und des Anarchismus sucht.</p>
<p>**</p>
<p>Das Gerüst der <em>Krisis</em>-Analysen basiert auf einer zentralen Idee: der Kapitalismus ist ein System, dessen Ziel die &#8220;Arbeitsgesellschaft&#8221; ist: &#8220;Die Geschichte der Moderne ist die Durchsetzungsgeschichte der Arbeit&#8221; (S. 21). &#8220;Die Arbeit ist gerade insofern ein Selbstzweck, als sie die Verwertung des Geldkapitals trägt &#8211; die unendliche Vermehrung von Geld um seiner selbst willen. Arbeit ist die Tätigkeitsform dieses absurden Selbstzwecks&#8221; (S. 15). Dieser Vektor &#8220;Arbeit&#8221; wird allerdings weder als gesellschaftliches und historisches Verhältnis definiert, noch spezifisch als entfremdete, lohnabhängige Arbeit charakterisiert.<a name="_ftnref6" href="#_ftn6"> [6] </a> Es ist nun aber die Enteignung der eigenen Aktivität des Arbeiters; so wird ihm die Kontrolle über sein eigenes Leben raubt. Diese Trennungen sind zurückzuführen auf die zur Ware gewordene menschliche Tätigkeit. Der Begriff des Profits findet sich nicht bei <em>Krisis</em>, das Konzept der Ausbeutung ist irrelevant, denn die kapitalistische Maschine ist eine reine &#8220;Selbstzweckmaschine&#8221; (S. 6).</p>
<p>Die bürgerliche Verwertung der Arbeit wird in den Mittelpunkt der Funktionsweise eines Systems gestellt, dessen Ziel es angeblich ist, die Menschen zum Arbeiten zu bringen! Dieser Diskurs kehrt die religiöse Moral um, die in der Arbeit die natürliche Berufung des Menschen sieht. Es wimmelt darin von moralistischen Formulierungen: &#8220;zynischer Grundsatz&#8221; (S. 5), &#8220;Wahnsystem&#8221; (S. 6), &#8220;Gesetz des Menschenopfers&#8221; (S. 6), &#8220;Kreuzzug im Namen des Arbeitsgötzen&#8221; (S. 6) oder auch &#8220;der Satz, es sei besser, &#8220;irgendeine&#8221; Arbeit zu haben als keine, ist zum allgemein abverlangten Glaubensbekenntnis geworden&#8221; (S. 5). Doch, wenn der Proletarier nun so hartnäckig nach Arbeit sucht, dann ja wohl, weil er nicht anders kann, denn der Verkauf seiner Ware-Arbeitskraft ist doch sein einziges <em>Mittel zu überleben</em>.</p>
<p>**</p>
<p>Was zeichnet <em>Krisis</em> zufolge die Krise der Arbeitsgesellschaft aus? &#8220;Mit der dritten industriellen Revolution der Mikroelektronik stößt die Arbeitsgesellschaft an ihre absolute historische Schranke&#8221; (S. 27). Genauer gesagt: &#8220;Erstmals wird mehr Arbeit wegrationalisiert als durch Ausdehnung der Märkte reabsorbiert werden kann&#8221; (S. 28). Daraus folgt, dass in einer Gesellschaft, die noch nie &#8220;so sehr Arbeitsgesellschaft&#8221; war wie heute &#8220;die Arbeit überflüssig gemacht wird&#8221; und gerade in diesem Moment &#8220;sich die Arbeit als totalitäre Macht&#8221; entpuppt (S. 5). <em>Krisis</em> scheint zu vergessen, dass diese Notwendigkeit fortwährend das Produktivitätsniveau der Arbeit zu erhöhen, lebendige Arbeit durch Maschinen zu ersetzen, dem Produktionsprozess des Kapitals inhärent ist. In Krisenzeiten findet die Ware Arbeitskraft keinen Abnehmer auf dem Markt und, dass die Arbeit als überflüssig erscheint, ist bloß eine Folge davon. Dies &#8220;katastrophistisch&#8221; auszulegen kommt einer Mystifikation gleich, einem Anknüpfen an den millenaristischen Ansatz. Es bedeutet, die gegenwärtigen Widersprüche des Kapitalismus als unüberwindbar darzustellen. Um den Preis der Barbarei hat der Kapitalismus es im Laufe seiner Geschichte stets vermocht, neue Bedingungen zur Profitproduktion und neue Märkte zu schaffen, um sich so zu perpetuieren. Um den Kapitalismus ist es schlecht bestellt, doch von alleine wird er nicht zusammenstürzen. Dazu bedarf es des Eingreifens sozialer Kräfte, die entschlossen sind, ein emanzipatorisches Projekt in die Tatsachen einzuschreiben. Hierin liegt die einzige &#8220;absolute&#8221; Schranke des Systems.</p>
<p>**</p>
<p><em>Krisis</em> assoziiert den &#8220;Bruch mit den Kategorien der Arbeit&#8221; mit einem &#8220;Projekt der Re-Solidarisierung&#8221;. Konkretisieren soll sich dieses in Gestalt &#8220;der Kontrolle neuer sozialer Organisationsformen (freier Assoziationen, Räte) über die gesamtgesellschaftlichen Bedingungen der Reproduktion&#8221; (S. 43). Nachdem <em>Krisis</em> das historische Subjekt Proletariat, den Streik und die gewerkschaftliche Integration der reformistischen Arbeiterbewegung assimiliert hat, erhebt sie nun den Anspruch, die Marksteine einer &#8220;neuen Theorie der gesellschaftlichen Transformation&#8221;  zu legen. Daraus erwächst der Vorschlag einer Selbstorganisation um einen &#8220;Kampf für einen gesellschaftlich autonomen Zeitfonds&#8221; herum. Diesbezüglich tut man gut daran, die Lektüre des Manifests durch andere Texte der Gruppe zu ergänzen.<a name="_ftnref7" href="#_ftn7">6</a> Und da fällt mit einem Mal ein dichter Nebel über die Stadt nieder!</p>
<p>Der so genannte &#8220;Dritte Sektor&#8221; (NGOs und Vereine) wird definiert als &#8220;Keimform eine emanzipierten und nicht-warenförmigen Reproduktion&#8221;, und es gehe  darum, &#8220;sie zu radikalisieren und mit der Perspektive einer Aufhebung des warenproduzierenden Systems zu verbinden&#8221; (Antiökonomie und Antipolitik, S. 96).</p>
<p>Dem wird eine weitere Achse des Kampfes hinzugefügt: Die Lähmung des &#8220;kapitalistischen Nervensystems&#8221; (ebd. S. 105) durch LKW-Fahrer-Streiks und die Blockaden von Umweltschützern gegen den Atomtransporte. Besetzte Häuser, Kinderläden, Verbrauchervereinigungen, Kooperativen, Landbesetzungen in armen Ländern sollen eine &#8220;autonome Reproduktion&#8221; gewährleisten und keimförmig die Forderung nach einer nicht-kapitalistischen Produktion beinhalten. Die alternativen Nischen innerhalb der Gesellschaft, die zeitweilig autonomen Zonen, die das <em>Manifest</em> theoretisch ablehnt, werden in der Praxis rehabilitiert. Ist jede Insubordination subversiv? Ist Überwindung ohne Bruch möglich? Wie können diese &#8220;Keimformen&#8221; das System überwinden? Alles Fragen, die <em>Krisis</em> nicht stellt. Hier wie auch anderswo werden Klassenkategorien zu Gunsten einer Art &#8220;alternativen Front&#8221; aufgegeben, die etwas von Bürgerbewegung hat.</p>
<p>**</p>
<p><em>Krisis</em> vergisst nicht &#8211; Korporatismus verpflichtet &#8211; , dass &#8220;es eines neuen geistigen Freiraums (bedarf), damit das Undenkbare denkbar gemacht werden kann &#8230; Erst die ausdrücklich formulierte Kritik der Arbeit und eine entsprechende theoretische Debatte können jene neue Gegenöffentlichkeit schaffen, die unabdingbare Voraussetzung dafür ist, dass sich eine praktische soziale Bewegung gegen die Arbeit konstituiert&#8221; (S. 41).</p>
<p>Womit wir wieder beim alten Schema von der Rolle der Intellektuellen bei der Bewusstseinsbildung wären. Wenn das bedeutet, &#8220;das Undenkbare zu denken&#8221;, dann sind die Antworten von <em>Krisis</em> ebenso enttäuschend und anmaßend wie die kritisierten neo-reformistischen Projekte. Schmähungen wie &#8220;Reform-Heimwerker&#8221; und &#8220;theoretische Analphabeten&#8221; (S. 40), mit denen die Autoren von <em>Krisis</em> die Verteidiger des Soziallohns belegen, könnten ebenso gut gegen sie selbst gewendet werden. Die hochlobende Vorbemerkung der französischen Herausgeber, für die das Manifest auf dem dritten Platz der Hitparade der Radikalität rangiert (hinter dem <em>Kommunistischen Manifest</em> und <em>Vom Elend des Studentenmilieus</em>) verpufft.</p>
<p>Der Berg hat gekreist und eine Maus geboren.</p>
<hr /><a name="_ftn1" href="#_ftnref1"> [1] </a> Aus: Oiseau-tempête, Nr. 10, Frühjahr 2003, S. 4 f.; Übersetzung von Wolfgang Kukulies.<a name="_ftn1" href="#_ftnref1"></a></p>
<p><a name="_ftn2" href="#_ftnref2"> [2] </a> Robert Kurz, Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Manifeste contre le travail (französische Ausgabe übersetzt von Olivier Galtier, Wolfgang Kukulies und Luc Mercier), Paris, Leo Scheer, 2002.<a name="_ftn2" href="#_ftnref2"></a></p>
<p><a name="_ftn3" href="#_ftnref3"> [3] </a> Siehe Nummer 10 von Oiseua-tempête, &#8220;Les bulles de l&#8217;utopie communiste&#8221; in &#8220;Les forteresses fragiles&#8221;, S.21<a name="_ftn3" href="#_ftnref3"></a></p>
<p><a name="_ftn4" href="#_ftnref4"> [4] </a> Die Seitenangaben der Zitate beziehen sich auf die deutsche Ausgabe des Manifest gegen die Arbeit, Erlangen 1999 (d. Ü.)<a name="_ftn4" href="#_ftnref4"></a></p>
<p><a name="_ftn5" href="#_ftnref5"> [5] </a> In Frankreich haben mehrere Texte diese Diskussion abgesteckt: &#8220;L&#8217;économie de la misère, Claude Guillon, La Digitale, 1999; &#8220;La vraie mission de l&#8217;État&#8221;, Charles Reeve, Oiseau-tempête, Nr.7, Herbst 2000, &#8220;Revenu garanti: quelques interrogations malvenues&#8221;, Nicole Thé, Les temps maudits, Nr.11, Oktober 2001; &#8220;Il faut mater le précariat!&#8221;, Laurent Guilloteau, Multitudes, Nr.8, März-April 2002. Einen Überblick gibt: &#8220;Garantir le revenu, Laurent Geffroy, La Découverte, 2002.<a name="_ftn5" href="#_ftnref5"></a></p>
<p><a name="_ftn6" href="#_ftnref6"> [6] </a> Hier wie auch an anderer Stelle bestätigt die sorgsam geschürte Verwirrung zwischen den Begriffen &#8220;Arbeit&#8221;, &#8220;menschliche Tätigkeit&#8221; und &#8220;Lohnarbeit&#8221;, die Waren für andere (den Kapitalisten) produziert, diejenigen, die der Meinung sind, dass menschliche Tätigkeit nur die heutige entfremdete Arbeit reproduzieren kann.<a name="_ftn7" href="#_ftnref7"><br />
</a></p>
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		<title>Anmerkungen zum &#8220;Manifest gegen die Arbeit&#8221;</title>
		<link>http://www.krisis.org/2003/anmerkungen-zum-manifest-gegen-die-arbeit</link>
		<comments>http://www.krisis.org/2003/anmerkungen-zum-manifest-gegen-die-arbeit#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 2003 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohne thematische Zuordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Luca Santini]]></category>
		<category><![CDATA[Manifest gegen die Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zum Manifest gegen die Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Diskussionen zum Manifest]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>erschienen in: Krisis 27 (2003) <a name="_ftnref1" href="#_ftn1"> <strong>[1]</strong> </a></p>
<p><em>von Luca Santini</em></p>
<p>Diese kürzlich im Verlag <em>DeriveApprodi</em> erschienene Broschüre bringt dem italienischen Publikum in verständlicher und erschöpfender Weise die Gedanken zur Kenntnis, die <em>Krisis</em>, ein Kollektiv deutscher Intellektueller, in etwa zwanzigjähriger Tätigkeit erarbeitet hat.</p>
<p><span id="more-328"></span>Die Autoren dieses Bändchens entwickeln ihren Diskurs in kritischer und radikaler Konfrontation mit dem Kapitalismus, den sie als entkoppeltes, tautologisches warenproduzierendes System definieren. Sie zielen dabei nicht auf einen Teilaspekt der kapitalistischen Produktionsweise noch auf eine einzelne Phase ihrer historischen Entwicklung: Sie beziehen sich auf den wesentlichen Kern, der die kapitalistische Gesellschaftsformation charakterisiert. Und es geht ihnen erklärtermaßen um deren Negation und/oder Überwindung.</p>
<p>Charakteristisches Element dieser innovativen kritischen Theorie des Kapitalismus ist die von den Autoren behauptete Kongruenz von Kapital und Arbeit. So steht auf S. 16 (der deutschen Ausgabe) zu lesen: &#8220;Der soziale Gegensatz von Kapital und Arbeit ist aber bloß der Gegensatz unterschiedlicher (wenn auch unterschiedlich mächtiger) Interessen innerhalb des kapitalistischen Selbstzwecks.&#8221; Mit anderen Worten: Der Zweck des Kapitals ist die Produktion von Waren im großem Maßstab, mit dem Ziel, Geld anzuhäufen. Ausgeschlossen aus seiner Logik bleibt folglich jede Betrachtung, ob die Herstellung dieser oder jener Ware nützlich ist; das Bewertungskriterium des Kapital ist stets abstrakt, losgelöst von der konkreten Welt der Gebrauchswerte der Waren, und beruht auf dem Selbstzweck der Geldvermehrung. Wenn die Arbeit auch oft dem Kapital entgegengesetzte Interessen repräsentiert, entzieht sie sich doch nicht dieser fundamentalen Logik: Auch sie vertritt die selbstzweckhafte Wachstumsideologie und übernimmt auf diese Weise die Programme, die der Kapitalismus von Mal zu Mal entwickelt, als eigene.</p>
<p>Auf diesem Fixpunkt (die Kongruenz von Kapital und Arbeit) beruht die zweite Überzeugung der Gruppe <em>Krisis</em>, diejenige, dass wir uns heute mitten in einer ausweglosen Krise der Arbeitsgesellschaft befinden: Die Arbeit geht aus, und kein Wohlfahrtsstaat sowie kein Rezept liberaler Prägung werden den untergehenden Mythos der Arbeit wieder herstellen können. Die Arbeitslosigkeit (in erster Linie infolge des Fortschritts der Technologie und der Informatik) nimmt immer weiter zu und stellt damit nicht nur den Lebensunterhalt der Arbeiter-Bürger in Frage, sondern auch die Fähigkeit des Kapitals weiter zu akkumulieren. Die Arbeit sei im Verschwinden begriffen und der Kapitalismus nähere sich als Folge davon seiner endgültigen Krise.</p>
<p>Wenn man die heutigen ökonomischen Tendenzen auf diese Weise nachzeichnet, versteht man die von der Gruppe <em>Krisis</em> favorisierte politische Option: Sie lehnen, wie es angesichts der bevorstehenden Katastrophe des Systems nahe liegt, jede reformistische Strategie ab, wie Arbeitszeitverkürzung, Anerkennung sozialer Tätigkeiten außerhalb der Arbeit, Grundeinkommen/Existenzgeld etc &#8211; jede dieser &#8220;Reformen&#8221; würde ja tatsächlich nur den Bestand des inhumanen kapitalistischen Gesellschaftssystems verlängern, das doch eben jetzt an seine unüberwindlichen historischen Grenzen stößt.</p>
<p>Eine Politik auf der Höhe der Zeit muss hingegen auf theoretischer Ebene bewusst die Kritik der Arbeit vorantreiben, während sie auf der Ebene der Praxis Aktionen der Aneignung umsetzt, um einen neuen öffentlichen Raum zu schaffen und eine neue selbstorganisierte Zivilgesellschaft, die sich über ihre Bedürfnisse bewusst ist.</p>
<p>Folgende schemenhaft skizzierte Punkte sind eine kurze kritische Vertiefung wert:</p>
<p><strong>Arbeit = Kapital</strong></p>
<p>Die Kritik an der Arbeit als der Kehrseite des Kapitals ist richtig und anregend, sie ist eine Wahrheit, die, obgleich schon von Marx erahnt, erst heutzutage offenkundig wird. Die Autoren der Gruppe <em>Krisis</em> erfassen jedoch nicht das entscheidende Moment, auf dem die versteckte Allianz zwischen Kapital und Arbeit beruht; sie verdunkeln vielmehr das Moment der Schaffung und Auspressung des Mehrwerts, d.h. den Prozess, mittels dem die Arbeit Werte schafft, die das Kapital sich aneignet. Die Autoren handeln in einer einzigen Kritik Kapital und Arbeit ab, weil beide letztendlich instrumentell agieren ohne Rücksicht auf die konkreten Ziele und materiellen Zwecke, die in der produktiven Tätigkeit angelegt sind.</p>
<p>Eine solche Argumentation, unzweifelhaft im Stil der Frankfurter Schule, führt die Gruppe <em>Krisis</em> dahin, dass sie die gesamte Arbeiterbewegung in sehr verkürzter Weise charakterisiert; die Arbeiterparteien sollen aus der Niederlage der ersten antikapitalistischen Revolten (Bauernkrieg, Ludditen etc.) hervorgegangen und das Zeichen für die Übernahme des kapitalistischen Arbeitsparadigmas sein.</p>
<p>Die Gruppe <em>Krisis</em> verwischt auf diese Weise einen Großteil der Geschichte der Arbeiterbewegung und versäumt es insbesondere zu bedenken, dass diese Geschichte, weit davon entfernt monolithisch und einheitlich zu sein, von einer Vielzahl widersprüchlicher Optionen gezeichnet ist. Mindestens zwei Stränge sind im Schoß der Arbeiterbewegung auszumachen, der eine reformistisch, der andere revolutionär. Jener hat mit dem Kapitalismus ein Schutz- und Trutzbündnis geschlossen, das auch vorsah dessen unerträglichste Aspekte abzumildern; dieser hingegen hat immer von einer Gesellschaft frei assoziierter Produzenten geträumt, die sich in einer demokratisch organisierten Gesellschaft bewegen könnten.</p>
<p>Die Kritik an der Arbeit als einem instrumentellen Handeln erscheint weiterhin deshalb verkürzt, weil sie den dialektischen und widersprüchlichen Charakter ignoriert, den die Beziehung zwischen Kapital und Arbeit in der Geschichte hatte. Die Gruppe <em>Krisis</em> verliert kein Wort gegen das Kommandoregime oder gegen die wesentliche Bestimmung der Arbeit im kapitalistischen Umfeld; die Arbeiter des vergangenen Jahrhunderts haben unermüdlich versucht, den Willen der Unternehmer zu bremsen und ihm Grenzen zu setzen, indem sie den kapitalistischen Plänen ein Element des Widerstands entgegensetzten. Die Arbeiterbewegung ist insgesamt eine Bewegung für die Menschenwürde gewesen; das ist die Gemeinsamkeit der oben genannten beiden Strömungen, die es ihnen erlaubte, sich trotz der vielen und tiefen politischen Unterschiede, die sie in jeder Phase der Geschichte trennten, doch als Teil einer einzigen Geschichte zu fühlen</p>
<p>Die verkürzte Beurteilung der Arbeiterbewegung ist folgenschwer: Indem sie die Brücken zur Tradition und zur Gesellschaft, so wie sie ist, abbricht, muss die Gruppe <em>Krisis</em> zu einer politischen Option Zuflucht nehmen, die marktschreierisch ein radikal subjektivistisches Szenario mit einer völlig objektivistischen Analyse vermischt. Das Subjekt der Aneignungspraxis ist in der Tat nicht soziologisch bestimmt, sondern ein Aggregat von Individuen, die sich aus heiterem Himmel auf die Idee geeinigt haben, die Arbeit (und das Kapital) abzulehnen. Was aber wird letztendlich diese neue revolutionäre Praxis möglich machen? Die Antwort ist: das Kommen der Krise. Nicht einer vorübergehenden Krise &#8211; wie sie uns sagen &#8211; sondern DER Krise, der lang erwarteten, jener, die zum Zusammenbruch der auf abstrakter Arbeit beruhenden Gesellschaft führen wird. Die Aneignungsbewegung wäre also nichts anderes als die halb spontane Aktivierung von sozialen Mechanismen der Kooperation, einer Art Antikörper, welche die kollektive Intelligenz der Menschen ohne sich dessen bewusst zu sein in sich hat. Kurz: Bevor die Menschen im Elend und in historischer Regression versinken, würden sie sich daran machen eine selbstbestimmte Ordnung zu schaffen. Wie erstrebenswert und politisch nützlich diese Neuauflage einer Verelendungsoption wäre, kann jeder selber beurteilen.</p>
<p><strong>Ende der Arbeit</strong></p>
<p>Interessant ist es auch, auf die Bedeutung der zweiten Voraussetzung der Überlegungen der Gruppe <em>Krisis</em> einzugehen, die Hypothese vom Ende der Arbeit.</p>
<p>Diese analytische Annahme wird dem Leser, ob sie nun richtig oder falsch ist, einfach apodiktisch vorgesetzt, ohne dass irgendein Argument auch nur für einen Teil-Beweis vorgebracht würde. Tatsächlich ist in Kreisen antagonistischer Theoretiker die Tendenz weit verbreitet abstrakte Begriffe einzuführen (wie z.B. reele Subsumtion, Verbreitung der immateriellen Arbeit, Ende der Arbeit etc.), die wichtige soziale Gegebenheiten beschreiben sollen, ohne die statistischen oder ökonomischen Daten anzuführen, welche die vorgeschlagenen Lesarten untermauern würden. Der von der Gruppe <em>Krisis</em> eingeführte Begriff betrifft jedenfalls ein grundlegendes Thema, das in der aktuellen politischen Auseinandersetzung eine Hauptrolle spielt. Auch die theoretische Anstrengung wird sich auf diese Thematik richten müssen, also darauf, die grundlegende Tendenz zu bestimmten, die im Inneren der Arbeitsgesellschaft wirksam wird.</p>
<p>Die aktuell dazu vertretenen Positionen sind ziemlich unterschiedlich und auf unterschiedliche Weise abgestuft; einen Eindruck der Komplexität der Debatte kann man gewinnen, wenn man wenigstens das eine oder andere der zahlreichen Bücher und Artikel aufschlägt, die sich mit der bekannten Studie von J. Rifkin &#8220;Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft&#8221; auseinandersetzen. Die Gruppe <em>Krisis</em> z.B. scheint die These des amerikanischen Ökonomen fast zur Gänze zu übernehmen; andere weisen darauf hin, dass die Arbeit zwar weniger wird, aber dazu tendiert ihre Einflusssphäre weiter auszudehnen; wieder andere, eher orthodoxe Marxisten, bestehen darauf, dass auf Weltebene Arbeit im engeren Sinn (Arbeit in Fabriken und Werkstätten)sogar zunimmt.</p>
<p>Bezüglich der &#8220;Rifkin-Debatte&#8221; scheinen mir diejenigen am ehesten richtig zu liegen, die behaupten, wir seien nicht am Ende der Arbeit angelangt, wir befänden uns vielmehr bloß an einem (wenn auch wichtigen) Wendepunkt, an einem Punkt der Reorganisation. Die Arbeitslosigkeit ist nicht das explosive Problem, das die Moderne beenden wird, weil zugleich mit der Zerstörung der alten typischen &#8220;Arbeitsplätze&#8221; neue Arbeiten entstehen und neue Möglichkeiten der Auspressung von Mehrwert ständig hinzukommen.</p>
<p>Es ist nur teilweise eine Provokation zu behaupten, dass es in Italien heute <em>Arbeitslosigkeit nicht gibt</em>.</p>
<p>Die offiziellen Statistiken sprechen für dieses Land von einer Arbeitslosenrate, die sich um 12 % bewegt, andere nicht minder glaubwürdige Statistiken weisen jedoch aus, dass die irreguläre Wirtschaft nach verschiedenen Schätzungen zwischen 20 % (nach Censis) und 30 % (nach einer Untersuchung der Banca d&#8217;Italia) zum BIP beiträgt; laut Eurispes gibt es in Italien noch einmal fünf Millionen irregulärer Arbeiter; Censis gibt darüber hinaus an, dass in den letzten Jahren die Schattenwirtschaft <em>weitaus stärker gewachsen ist</em> als die reguläre Ökonomie. Zur informellen Ökonomie ist &#8211; statistisch nicht erfasst &#8211; auch der ausgedehnte Sektor der Freiwilligenarbeit (vor allem im sozialen Bereich) zu rechnen. Es geht dabei um eine große Zahl von Personen, wahrscheinlich um einige Millionen ItalienerInnen, die ihre Zeit gratis oder teilweise gratis zur Verfügung stellen, und zwar in einer Art und Weise, die der Verausgabung von Arbeitszeit vergleichbar ist: Freiwilligenarbeit leistet man außer Haus, an einem büroähnlichen Ort; sie bindet eine(n) oft an Aufgaben und Arbeitszeiten, die typisch für Lohnarbeit sind, und erfasst eine(n) mental und emotional mit der gleichen Eindringlichkeit, wie es Arbeit im eigentlichen Sinn zu tun pflegt. Diese Angaben dürften genügen, um den Mythos von der wachsenden Arbeitslosigkeit zu entzaubern. Die heutige Produktion bietet in Wirklichkeit eine große Zahl von Arbeitsmöglichkeiten, der Begriff Arbeitslosigkeit sollte grundlegend revidiert werden.</p>
<p>Der Arbeitslose ist nicht das inaktive und deprimierte Subjekt, unwiderruflich außerstande, seine Fähigkeiten auf dem Markt zu verkaufen. Der Arbeitslose ist fast immer in kurzfristigen Arbeitsverhältnissen beschäftigt, befindet sich in Schulungskursen, ist in vielerlei Gestalt in heutige Produktion eingebunden. Aber, so wird man einwenden, kann dies als Arbeit definiert werden? Gewiss, alles das passt in den postfordistischen Begriff von Arbeit.</p>
<p>Man sollte lieber aus Gründen wissenschaftlicher Klarheit den Begriff und Ausdruck &#8220;Arbeiter&#8221; gänzlich aufgeben und ihn durch &#8220;Einkommensbeschaffer&#8221; (procacciatore di reddito) ersetzen. Der heutige &#8220;Einkommensbeschaffer&#8221; ist auf der Suche nach einer günstigen Gelegenheit für ökonomischen Erfolg; er beobachtet aufmerksam die Strömungen der Gelder, der Märkte und Dienstleistungen und bemüht sich in eine davon hineinzukommen um davon etwas für seine Fähigkeiten und Möglichkeiten abzuzweigen. In dieser Umwandlung des Arbeiters zum Einkommensbeschaffer liegt die ganze Bedeutung des derzeitigen Übergangs. Nur dann versteht man die gewaltige Tendenz zum &#8220;Selbstunternehmertum&#8221; (ca. 13 Mio. &#8220;selbständige&#8221; Arbeiter in Italien, d.h. 50 % der Beschäftigten), dann versteht man auch die Bedeutung der starken und unübersehbaren Tendenzen zur Entsolidarisierung der Gesellschaft und den Grund der aktuellen Krise der Politik und der Interessenvertretung etc.</p>
<p>In diesem spezifischen und historisch eingebetteten Sinn macht die Behauptung von <em>Krisis</em> vom Ende der Arbeit Sinn. In der geistigen Einstellung der Einkommensbeschaffer ist die Arbeit nicht länger eine Lebensweise noch ein Ort der Identifikation oder der sozialen Bestätigung &#8211; sie ist eine bloße Gelegenheit des Einkommenserwerbs, die fast mechanische Betätigung eines Geldspenders.</p>
<p>Zwei soziale Fragen zeichnen sich daher am Horizont ab und scheinen dazu bestimmt sich in Konflikten zu entladen: 1) das Problem des Einkommens samt dem Problem, wie sich die Zeit für die Jagd nach Einkommen einteilen lässt; 2) die Frage der Bewertung der sozialen Tätigkeiten vom Typ der Freiwilligenarbeit, die sich von den entlohnten Tätigkeiten nicht mehr unterscheiden lassen und doch insofern benachteiligt sind, als sie gesellschaftlich nicht als eines Einkommens wert anerkannt werden.</p>
<p>Diese beiden Spannungselemente schaffen eine &#8220;soziale Frage&#8221; gänzlich neuer Art, die nicht mehr vom Elend und der Knappheit der Ressourcen herrührt, sondern dazu drängt, den überströmenden Reichtum der Gesellschaft in einer Art zu steuern, dass er sich nicht in einer paradoxen Form von Armut an Zeit und Einkommen konkretisiert.</p>
<p><strong>Eine Politik der Wiederaneignung</strong></p>
<p>Natürlich ist kein prinzipieller Einwand gegen diese Option zu machen, die von der Gruppe <em>Krisis</em> befürwortet wird. Die politische Umsetzung jedoch ergibt sich aus der Analyse, aus der richtigen Bestimmung der gesellschaftlichen Tendenzen. Wenn plausibel erscheint, was über die &#8220;neue soziale Frage&#8221; gesagt wurde, ergibt sich von selbst, dass das Spektrum möglicher neuer Politik erheblich breiter ist, als die deutschen Autoren glauben.</p>
<hr /><a name="_ftn1" href="#_ftnref1"> [1] </a> Erschienen in INFOXOA 016, Rom, Juni 2003 unter dem Titel: Appunti su il &#8220;Manifesto contro il lavoro&#8221;; Übersetzung von Lorenz Glatz.<a name="_ftn1" href="#_ftnref1"></a></p>
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		<title>Bemerkungen zum &#8220;Manifest gegen die Arbeit&#8221;</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Dec 2003 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohne thematische Zuordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Jaime Semprun]]></category>
		<category><![CDATA[Krisis 27 (2003)]]></category>
		<category><![CDATA[Manifest gegen die Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Zum Manifest gegen die Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[erschienen in: Krisis 27 (2003) [1] von Jaime Semprun Man würde der technologischen Modernisierung noch ein allzu großes Kompliment machen, wenn man sagte, sie habe die Arbeit &#8220;überflüssig&#8221; gemacht. Ohne hier auch nur auf die Frage nach der qualitativen Bewertung der technologischen Erleichterungen einzugehen (was verlieren wir bei der &#8220;Befreiung&#8221; durch Maschinen?), ist es schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>erschienen in: Krisis 27 (2003)<a name="_ftnref1" href="#_ftn1"> <strong>[1]</strong> </a></p>
<p><em>von Jaime Semprun</em></p>
<p>Man würde der technologischen Modernisierung noch ein allzu großes Kompliment machen, wenn man sagte, sie habe die Arbeit &#8220;überflüssig&#8221; gemacht. Ohne hier auch nur auf die Frage nach der qualitativen Bewertung der technologischen Erleichterungen einzugehen (was <em>verlieren</em> wir bei der &#8220;Befreiung&#8221; durch Maschinen?), ist es schon auf der quantitativen Ebene sehr zweifelhaft, ob die Modernisierung Arbeit abschafft und deren Aufrechterhaltung immer künstlicher macht (zentrale These des <em>Manifests</em> ).</p>
<p><span id="more-223"></span>Ganz zu schweigen von den direkt durch die technologische Erneuerung geschaffenen &#8220;Arbeitsplätzen&#8221; (was für eine Arbeit!), sind all jene Lohnarbeitstätigkeiten zu betrachten, die derselbe Prozess (der andere abschafft) gesellschaftlich notwendig gemacht hat : die psycho-soziale Betreuung der &#8220;einsamen Massen&#8221;, die Polizeikontrolle der &#8220;Barbarisierung&#8221;, die &#8220;Gesundheits&#8221;industrie (ein besonders expandierender Sektor), die Zerstreuung sowie die &#8220;kulturellen&#8221; Kompensationen für die Verödung des Lebens, ganz zu schweigen von den &#8220;Reparaturen&#8221;, dem technischen Herumbasteln an der Neo-Natur. Sicher, diese ganze Arbeit ist nur im Inneren der Entfremdungsgesellschaft notwendig, im Rahmen ihrer aberwitzigen Logik usw. Aber ihre Notwendigkeit ist deswegen im Inneren dieses Zustandes nicht weniger furchtbar real: das ist ein wenig wie der Umstand, dass einen Krebs zu haben und zu wissen, dass er (meistens) das Ergebnis der Lebensbedingungen ist, einen <em>nicht heilt</em>: es ist weiterhin notwendig, auf die existierende Medizin zurückzugreifen (mit mehr oder weniger <em>Verstand</em>, das ist ein anderes Problem). Ebenso hilft das Wissen um die Tatsache, dass das ökonomische Unglück der unerschöpfliche Rohstoff aller von der Warenökonomie produzierten &#8220;Glücke&#8221;, &#8220;Erleichterungen&#8221; oder &#8220;Abhilfen&#8221; ist, nicht dagegen, dass dieses Unglück ein materielles Zwangssystem darstellt, dem niemand zu entrinnen vermag. (Man kann aus Würde, Abscheu usw. die verschiedenen Kompensationen und Surrogate ablehnen, nicht ablehnen kann man die Entbehrungen, die sie für die meisten Leute notwendig und sogar begehrenswert machen; vgl. Günther Anders zum Fernsehen).</p>
<p>Unter diesen Umständen von der &#8220;Eroberung der Produktionsmittel durch freie Assoziationen&#8221; (S. 42) zu reden, klingt nach beschwörender Rhetorik. Produktionsmittel? Produktion <em>wovon</em>? Von <em>mehr</em> ökonomischem Unglück (mehr Abhängigkeit, Isolierung, gesellschaftlicher Pathologie), also von dem, aus dem auszusteigen, die erste Sorge der &#8220;freien Assoziationen&#8221; sein müsste. Nehmen wir das Beispiel eines elementaren Bedürfnisses wie dem des Wohnens, also ein Dach über dem Kopf zu haben. Man weiß, wie die Industriegesellschaft dieses Bedürfnis &#8220;befriedigt&#8221;: Massenbehausungen, Trabantenstädte, die Zelle des <em>Existenzminimums</em>. &#8220;Freie Assoziationen&#8221;, die all das zu verändern hätten, würden ein &#8220;Produktionsmittel&#8221; (die Bauindustrie) erben, das zu nichts dienen kann als dazu, genau dasselbe zu bauen, mit einigen Varianten (man könnte gerade noch &#8220;die Fassaden beleben&#8221; und farbigen Beton benutzen, aber das gibt es schon). Und dieses Beispiel ist noch relativ harmlos im Vergleich zu anderen wie der industriellen Landwirtschaft oder der atomaren Stromerzeugung, um den <em>Schlagschatten</em> zu verdeutlichen, den die gegenwärtige Entfremdung auf jede vorstellbare Zukunft wirft.</p>
<p>Vom Projekt der alten Arbeiterbewegung scheint <em>Krisis</em>, zumindest in gewissen Passagen des <em>Manifests</em> , gerade den hinfälligsten Teil weiterzuführen, nämlich die Vorstellung einer möglichen Wiederaneignung der &#8220;Produktivkräfte&#8221; der Großindustrie, <em>in der Form, die ihnen der Kapitalismus verliehen hat</em> . Es ist jedoch augenfällig, dass im 20. Jahrhundert bei der Verwandlung der &#8220;Produktivkräfte&#8221; in &#8220;Destruktivkräfte&#8221; eine historische Schwelle überschritten wurde, sagen wir zwischen Hiroschima und Tschernobyl; der Kapitalismus hat von Anfang an einen permanenten Krieg gegen alles geführt, was unabhängig von ihm existierte (in der Natur, in den sozialen Beziehungen, in den menschlichen Aktivitäten); aber nachdem die technische Macht eine gewisse Schwelle überschritten hat, ist dieser Krieg mit seinem immer schnelleren Kreislauf von Zerstörung und Wiederaufbau der Hauptmotor der kapitalistischen Verwertung geworden. Die technologische &#8220;Reparatur&#8221; der reell verwüsteten Welt stellt sicherlich, für jeden klaren Kopf, die Garantie neuer Verwüstungen dar, aber vom <em>Standpunkt der Warenökonomie</em> aus ist sie vor allem die Garantie dafür, dass es Arbeit geben wird, immer mehr Arbeit, um instand zu setzen, zu entsorgen, zu reinigen, zu manipulieren, also um Wert mit dem Desaster zu schaffen. Um es zusammenzufassen: die <em>Naturalisierung</em> der Notwendigkeit der Arbeit ist nicht länger rein ideologisch (wie das <em>Manifest</em> behauptet), sondern in die Tatsachen selbst übergegangen. Sie hat sich in Form der gegenwärtigen Katastrophe materialisiert. Anders gesagt: man kann wohl sagen, dass der Kapitalismus historisch eine Ausnahme, eine Monstrosität darstellt, aber um sofort hinzuzufügen, dass es ihm gelungen ist, <em>beinahe</em> alles zu zerstören, in Bezug auf das er eine Ausnahme und eine Monstrosität darstellte.</p>
<p>Mir scheint, der &#8220;blinde Fleck&#8221; der im <em>Manifest</em> vorgeschlagenen Analyse vor allem in der Übernahme einer gewissen marxistischen Orthodoxie liegt, für die es immer eine &#8220;gute Seite&#8221; der technischen Entwicklung des Kapitalismus zu retten gibt. (Deren Voraussetzung war es bekanntlich, dass diese technische Entwicklung nur <em>formell</em> kapitalistisch sei). Das sieht man ganz besonders bei den mehrfach wiederholten lobenden Erwähnungen der &#8220;mikroelektronischen Revolution&#8221;, die &#8220;Reichtümer&#8221; produziere und uns von &#8220;Routineaufgaben&#8221; befreie; während in Wirklichkeit die Informatik alles verarmt, was sie berührt und auf alles die Routine ihrer Prozeduren ausdehnt. Aber bei dieser Frage verspürt man bei den Verfassern des <em>Manifests</em> vor allem ein gewisses Zaudern. So schreiben sie zum Beispiel: &#8220;Einmal den kapitalistischen Sachzwängen der Arbeit entwunden, können die modernen Produktivkräfte die frei disponible Zeit für alle ungeheuer ausdehnen&#8221; (S. 46), fügen aber fast sofort hinzu &#8211; als wollten sie diese Ungeheuerlichkeit korrigieren -, dass &#8220;man nur den geringsten Teil der Technik in seiner kapitalistischen Form&#8221; (ebd.) übernehmen könne. Aber wenn man auch nur einen Augenblick lang überlegt, sieht man ein, dass diese Behauptung die vorhergehende völlig aufzuheben scheint. Kurzum, man geht fehl und verfällt in Inkonsequenzen wie, was sich mehrfach im <em>Manifest</em> findet, den Glauben, man könne den Gebrauchswert und die emanzipatorische Technik intakt wieder vorfinden, sobald sie von ihrer kapitalistischen Form befreit sind. Wir leben nicht mehr in Marx&#8217; Zeitalter, und die Zwiespältigkeiten seiner Theorie (die <em>progressistischen</em> Hoffnungen auf die Segnungen der Großindustrie) entbehren heute jeder Rechtfertigung. Der Widerspruch, der die alte Gesellschaft unterhöhlt, ist nicht der zwischen der Aufrechterhaltung der &#8220;abstrakten Arbeit&#8221;, dem &#8220;Verkauf der Ware Arbeitskraft&#8221; und den Produktionsmitteln, die es hypothetisch ermöglichen, sich davon zu befreien. Der für die Warengesellschaft (aber vielleicht auch für die Zivilisation und die Chancen der Humanisierung, die sie im Lauf der Geschichte erzeugt hat) fatale Widerspruch ist der zwischen diesen bestimmten Produktionsmitteln, also dem &#8220;verwissenschaftlichten Sachkapital&#8221;, der modernen Technologie, einerseits, und andererseits den <em>vitalen</em> Notwendigkeiten der Naturaneignung, denen keine menschliche Gesellschaft sich entziehen kann (es sei denn, man hoffe auf die von den Gentechnikern angekündigte Mutation). Jede gesellschaftliche Organisation ist vor allem eine Form der Aneignung der Natur, und gerade darin ist die Warengesellschaft jämmerlich gescheitert. Die Flucht nach vorne in die Verkünstlichung, so wie sie die neo-technische Utopie vorschlägt und die das Problem zu lösen vorgibt, indem sie es abschafft, ist nur eine Erscheinungsform dieses Scheiterns. Die &#8220;absolute historische Schranke&#8221;, von der das <em>Manifest</em> redet, hat in der Tat dort ihren Platz: die unterschiedslose Arbeit in der Großindustrie (aus der jede Besonderheit, individuelle Qualität, lokale Bestimmtheit</p>
<p>usw. ausgemerzt worden ist) fällt schließlich, nach den aufeinanderfolgenden &#8220;technologischen Revolutionen&#8221;, als <em>tote Arbeit</em>, Tod bei der Arbeit, mit ihrem Begriff zusammen. Und das ist keine bloße Formel: die <em>Devitalisierung</em> ist in allen Bereichen offensichtlich, und jede technologische Abhilfe verschärft sie. Die Industriearbeit hatte den Produzenten produziert (den ent-individualisierten, austauschbaren Menschen, das Menschenmaterial der Massengesellschaft) ebenso wie die &#8220;Welt&#8221; des Produzenten (die der totalen Produktion adäquate Weltanschauung). Mit den &#8220;neuen Technologien&#8221; &#8211; die die sinnliche Welt auf digitalisierbare Informationen und das biologische Leben auf manipulierbare und rekombinierbare Codes reduzieren &#8211; ist die industrielle Einkerkerung gewissermaßen vervollständigt, aber gleichzeitig sieht sich die Menschheit nun von all ihren geistigen und vitalen Ressourcen <em>abgeschnitten</em>. Ein solcher Wahnsinn kann natürlich nicht lange andauern, aber er kann die am Ende des <em>Manifests</em> erwähnte &#8220;Entzivilisierung&#8221; und &#8220;Barbarisierung&#8221; noch weiter treiben.</p>
<p>Zum Schluß dieser knappen und allzu unzusammenhängenden Bemerkungen möchte ich noch hinzufügen, dass die Furcht davor, der platt erbaulichen Formulierung von &#8220;positiven Prinzipien&#8221; zu verfallen oder vielleicht der Vergeblichkeit von &#8220;Rezepten für die Garküchen der Zukunft&#8221;, die Autoren des <em>Manifests</em> davon abzuhalten scheint, ihre Kritik der Herrschaft der toten Arbeit und deren technisch-wissenschaftlicher Rationalität konsequent durchzudenken. Und es ist wahr, dass die Kritik an &#8220;der Technik&#8221; leicht in unpraktikable Abstraktion umschlägt, mit allen Risiken einer idealistischen Regression auf &#8220;ethische&#8221; fromme Wünsche, Spiritualismus oder Ästhetizismus (das Aufblühen dieser Art von falschem Bewusstsein muss selber als ein Symptom der Ratlosigkeit der meisten Leute vor den gewaltigen praktischen Aufgaben betrachtet werden, die die wohlüberlegte Schleifung des Industriesystems stellt). &#8220;Die Formen einer gegengesellschaftlichen Praxis mit der offensiven Verweigerung der Arbeit zu verbinden&#8221; (S. 49) muss deshalb mit einem konsequent kritischen Urteil über die Gesamtheit der technischen Mittel einhergehen, die der moderne Kapitalismus mit totalitärer Konsequenz entwickelt. Dieses Urteil verweist zweifelsohne auf einen Begriff von dem Leben, das man führen möchte, aber dieser Begriff ist keinesfalls abstrakt oder willkürlich: er beruht auf einem klaren historischen Bewusstsein vom widersprüchlichen Prozess der Zivilisation und der teilweisen Humanisierung, die zu vollziehen er gestattet hat und die ihre Grenze mit dem gegenwärtig sich vollziehenden anthropologischen Bruch erreicht. Es handelt sich nicht darum, &#8220;in die Vergangenheit zurückzukehren&#8221;, sondern darum, sich die vitalen Kräfte der Menschheit anzueignen, indem man die Maschinerie zerstört, die sie paralysiert. Das ist der einzige Sinn, den das Programm einer &#8220;Reproduktion des Lebens jenseits der Arbeit&#8221; (S. 49) haben kann. Eine vertiefte Diskussion der Thesen des <em>Manifests</em> müsste noch andere Punkte anschneiden. Aber ich habe mich dem gewidmet, was mir zentral schien, um besser erläutern zu können, warum eine Kapitalismuskritik ohne Kritik der Industriegesellschaft so unsinnig ist wie eine Kritik der Industriegesellschaft ohne Kapitalismuskritik und so beizutragen zur Bildung der &#8220;neuen <em>Gegenöffentlichkeit</em>&#8220;, des &#8220;neuen geistigen Freiraums, damit das Undenkbare denkbar gemacht werden kann&#8221; (S. 41) dessen Notwendigkeit die Verfasser des <em>Manifests</em> betonen.</p>
<hr /><a name="_ftn1" href="#_ftnref1"> [1] </a> Verfasst im Januar 2003 für die Veröffentlichung in <em>Krisis</em>. Übersetzung von Anselm Jappe und Wolfgang Kukulies.<a name="_ftn1" href="#_ftnref1"></a></p>
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		<title>Kapitulation vorm Kapitalismus</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Dec 2000 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik der Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik der traditionellen Linken]]></category>
		<category><![CDATA[Manifest gegen die Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Norbert Trenkle]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu den linken Abwehr-Reaktionen auf das Manifest gegen die Arbeit""]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="zaehl"><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/182fc4e1d60f471e91c7e0701aacbe95" width="1" height="1" alt=""><br />
</span></p>
<h4><a href="http://www.krisis.org/2000/capitulacion-ante-el-capitalismo">Versión española</a> &#8211; <a href="http://www.krisis.org/2000/capitulacion-ante-el-capitalismo"><a href="http://www.krisis.org/2009/a-capitulacao-perante-o-capitalismo">Versão portuguêsa</a><br />
</a></h4>
<p>Dritter Teil einer Stellungnahme zu linken Kritiken am <em>Manifest gegen die Arbeit</em> und am <em>Schwarzbuch des Kapitalismus</em>. Erschienen ist die Artikelreihe in der <em>konkret</em>. Im ersten Teil schreibt Robert Kurz über die Abwehrreaktionen des Arbeitermarxismus &#8220;Wir haben in so geliebt, den Klassenkampf&#8221;. Im Teil 2 geht es um &#8220;Auschwitz als Alibi? Die letzten Gefechte der Restlinken&#8221; ebenfalls von Robert Kurz (Die Texte können wir aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht veröffentlichen. Der Autor hat uns die Veröffentlichung untersagt.).</p>
<p>aus: Konkret 7/2000</p>
<p><em>Norbert Trenkle </em></p>
<p>Kaum ein Gedanke ist in der Restlinken so verpönt, wie der an eine absolute historische Schranke des warenproduzierenden Systems der Moderne. Es scheint so, als spiegle sich der eigene unaufgearbeitete Niedergang in der Überzeugung wieder, der Kapitalismus genieße so etwas wie ein ewiges Leben, er sei unendlich flexibel und wandlungsfähig und deshalb prinzipiell in der Lage, jede Krise zu überstehen und jede Opposition durch Integration unschädlich zu machen. Bemerkenswert ist, daß diese Überzeugung die unterschiedlichsten Positionen quer durch das restlinke Spektrum verbindet und daher auch die Ablehnung der Zusammenbruchsdiagnose einen gemeinsamen Nenner der Kritik am &#8220;Schwarzbuch Kapitalismus&#8221;, dem &#8220;Manifest gegen die Arbeit&#8221; dem Buch &#8220;Feierabend!&#8221; und anderen Publikationen der <em>Krisis</em>-Gruppe bildet. In seltener Eintracht werfen, um nur ein paar Namen zu nennen, der linksakademische PROKLA-Redakteur Michael Heinrich, Freerk Huisken vom &#8220;Gegenstandpunkt&#8221; (beide in <em>Konkret </em>3/2000) und Bahamas-Autor Martin Janz (<em>Jungle World</em> 8.3.2000) der <em>Krisis</em> vor, sie präsentiere mit ihrer Zusammenbruchsdiagnose ja nun wirklich die älteste Kamelle aus der marxistischen Mottenkiste.</p>
<p><span id="more-461"></span>Wenn dieser Vorwurf beim Publikum meistens recht gut ankommt, dann deshalb, weil er ein ebenso gängiges wie hartnäckig sich haltendes Vorurteil über den Marxismus bestätigt, das allerdings (wie es Vorurteile nun einmal so an sich haben) einer ziemlich verzerrten Wahrnehmungsweise entspricht. Es mag überraschend klingen, aber in der Theorie der Arbeiterbewegung spielte die Marxsche Diagnose einer absoluten Schranke des Kapitals so gut wie keine Rolle. Die einzigen ernsthaften Versuche, daran anzuknüpfen, nämlich die von Rosa Luxemburg und Henryk Grossmann, blieben theoretisch isoliert und für die praktische Orientierung so gut wie bedeutungslos; und dies nicht zufällig, denn mit dem aufklärerischen Fortschrittsoptimismus des Marxismus war ein solcher Gedanke einfach nicht kompatibel. Wird nämlich Geschichte als eine aufsteigende Stufenfolge der menschlichen Entwicklung von der Urgesellschaft bis hin zum kommunistischen Reich der Glückseligkeit auf Erden begriffen, dann <em>darf</em> so etwas wie ein katastrophischer Zusammenbruch der kapitalistischen Produktionsweise einfach nicht gedacht werden. Denn schließlich sollten der Sozialismus bzw. der Kommunismus ja das Erbe der bürgerlichen Gesellschaft in einem durchaus positiv verstandenen Sinne antreten, also deren &#8220;zivilisatorische Mission&#8221; fortsetzen und den &#8220;Gang der Geschichte&#8221; zu einem glücklichen Ende bringen</p>
<p>Aus Sicht des Bürgertums im späten 19. Jahrhundert mochte diese fromme Hoffnung freilich wie eine &#8220;Zusammenbruchsprognose&#8221; klingen, weil sie nun einmal zumindest ideologisch das herrschende Machtgefüge in Frage stellte. Bestärkt wurde diese angstvolle Wahrnehmnung sicherlich noch durch das zumindest in der deutschen Arbeiterbewegung tatsächlich häufig bemühte eschatologische Vokabular<sup><a href="#1">(1)</a>)<a name="q1"></a></sup>; doch darin drückte sich immer nur der quasi-religöse Glaube an den letztlich unvermeidlichen Sieg des Proletariats aus, das angeblich die &#8220;objektiven Gesetze der Geschichte&#8221; im Rücken habe. Soweit in diesem Zusammenhang gesagt wurde, die kapitalistische Produktionsweise stoße an ihre Grenzen, war damit lediglich gemeint, sie werde ihrem &#8220;historischen Beruf untreu&#8221;, der angeblich in der &#8220;rücksichtslose(n) Entfaltung der Produktivität der menschlichen Arbeit&#8221; bestehe, und beweise damit &#8220;nur aufs neue, daß sie altersschwach wird und sich mehr und mehr überlebt&#8221;, wie schon der alte Engels in einer Anmerkung im dritten Band des <em>Kapital</em> schrieb (MEW 25, S. 272 f.).</p>
<p>Ganz offensichtlich wird hier keinesfalls ein katastrophischer Zusammenbruch prognostiziert, sondern eine Legitimationsideologie dafür entwickelt, wieso die Zeit &#8220;objektiv reif&#8221; für die proletarische Revolution sein sollte. Kaum verwunderlich, daß diese Weltdeutung von der sich damals gerade formierenden und das Erbe der Aufklärung antretenden Arbeiterbewegung begierig aufgegriffen und im eigenen Sinne weiterentwickelt (d.h. endgültig verplattet) wurde. Sehr schnell erfüllten nun die ökonomischen Analysen des Marxismus in allererster Linie legitimatorische Funktionen. Hatten sie zunächst den Anspruch und die Hoffnung der Arbeiterbewegung auf eine baldige Eroberung der Macht rechtfertigen sollen, so mußten sie später, das Ausbleiben der &#8220;Weltrevolution&#8221; erklären. Den Schlüssel dazu lieferte die von Lenin propagierte Imperialismustheorie. Ihr zufolge war vermittelt über die angebliche Herrschaft der Monopole und des Finanzkapitals der Konkurrenzmechanismus weitgehend ausgeschaltet und damit die historische Dynamik der kapitalistischen Gesellschaft praktisch blockiert. Insofern &#8220;verfaulte&#8221; sie zwar, dennoch wurde aber die &#8220;Klassenherrschaft&#8221; politisch und militärisch (sowie über die Bestechung der &#8220;Arbeiteraristokratie&#8221; und andere Mechanismen) aufrechterhalten. Damit hatte sich theoretisch das &#8220;Primat der Politik&#8221; durchgesetzt und das klassensoziologistische Weltdeutungsmuster des Arbeiterbewegungs-Marxismus war gewissermaßen zu sich selbst gekommen. &#8220;Objektiv&#8221; war die Welt nun also gewissermaßen immer schon &#8220;reif&#8221; für die &#8220;Weltrevolution&#8221;; ihr Sieg hing nur noch von den politischen und sozialen Willens- und Kräftverhältnisse ab (die aber leider, leider immer ungünstig waren).</p>
<p>Die reflektiertere &#8220;westliche Linke&#8221; hat sich zwar später von dieser Legitimationsideologie zumindest partiell distanziert, sie aber dennoch nie wirklich überwunden. Noch in der Kritischen Theorie von Adorno und Horkheimer treibt sie in negativer Form ihr Unwesen, wenn dort stets pessimistisch die Sistierung der Konkurrenz im &#8220;totalen Staat&#8221; oder (nach 1945) in der &#8220;verwalteten Welt&#8221; vorausgesetzt und der Untergang des bürgerlichen Zirkulationssubjekts beklagt wird. Auch in den aktuellen Abwehrreaktionen gegen unsere Krisenanalyse wird deutlich, daß der Zusammenhang zwischen &#8220;Zusammenbruch&#8221; und &#8220;Revolution&#8221; sowie der dazugehörigen aufklärerischen Geschichtsphilosophie mehr oder weniger unbewußt immer noch hergestellt wird &#8211; wenn auch zumeist negativ gewendet: Mit den Hoffnungen auf eine revolutionäre Umwälzung ist auch der Gedanke an eine Endlichkeit des Kapitalismus zu Grabe getragen worden (in der Zeitschrift <em>Bahamas</em> und ihrem Umfeld etwa steht dafür die rituelle Beschwörungsformel von der &#8220;Aufhebung des Kapitals auf seinen eigenen Grundlagen&#8221;). Daher auch Vorwürfe wie, die <em>Krisis</em> verbreite eine &#8220;eschatologisch begründete Botschaft vom Ende des Bösen, das ein böses Ende nehmen könnte&#8221; (Huisken, S. 39) oder biete die &#8220;modernisierte Variante einer sinnstiftenden Geschichtsphilosophie&#8221; (Heinrich, S. 41) an.</p>
<p>Diese Vorwürfe verraten freilich mehr über die Perspektive der Kritiker, als über den Gegenstand der Kritik. Denn, daß die kapitalistische Produktionsweise an ihre absoluten Grenzen stößt, ergibt sich gerade nicht aus irgendwelchen äußerlich an die Krisentheorie herangetragenen geschichtsphilosophischen Konstrukten, sondern aus der Analyse des <em>fundamentalen inneren Selbstwiderspruchs des Kapitals</em>, also einer ganz <em>spezifischen historischen Formation</em><sup><a href="#2">(2)</a>)</sup>.<a name="q2"></a> In diesem Sinne ist es zu verstehen, wenn Marx feststellt: &#8220;Die <em>wahre Schranke</em> der kapitalistischen Produktion ist <em>das Kapital selbst</em>, ist dies: daß das Kapital und seine Selbstverwertung als Ausgangs- und Endpunkt, als Motiv und Zweck der Produktion erscheint &#8230; Das Mittel &#8211; unbedingte Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte &#8211; gerät in fortwährenden Konflikt mit dem beschränkten Zweck, der Verwertung des vorhandnen Kapitals&#8221;(MEW 25, S. 260).</p>
<p>Um einen immanent unlösbaren Widerspruch handelt es sich dabei insofern, als die Steigerung der betriebswirtschaftlichen Produktivität ja letztlich die Verdrängung lebendiger Arbeit aus dem Verwertungsprozeß bedeutet, während doch gleichzeitig die Kapitalverwertung nichts anderes ist, als die Vernutzung von Arbeitskraft. Für sich genommen resultiert daraus zwar noch keinesfalls eine sofortige Sprengung des kapitalistischen Zusammenhangs. Im Gegenteil: Solange die warenförmige Produktionsweise noch relativ unentfaltet war, also die Gesellschaft nur oberflächlich erfaßt hatte und im wesentlichen auf wenige Länder und Weltregionen begrenzt blieb, entwickelt sie gerade aus diesem Widerspruch heraus eine ungeheure Expansionsdynamik. Denn die beständige Untergrabung der Wertmasse durch das <em>einzelkapitalistische</em> &#8220;Einsparen&#8221; von Arbeitskraft wurde auf <em>gesamtkapitalistischer</em> Ebene durch eine permanente Ausweitung der Verwertung in neue arbeitsintensive Produktionszweige und durch die kapitalistische Zurichtung zusätzlicher Weltregionen vorübergehend kompensiert.</p>
<p>Doch dieser Kompensationsprozeß kann nicht dauerhaft gelingen, sondern ist nichts anderes als die bestimmte Verlaufsform, in der sich der kapitalistische Selbstwiderspruch historisch entfaltet und gleichzeitig zuspitzt. Denn die &#8220;kapitalistische Produktion strebt beständig, diese ihr immanenten Schranken zu überwinden, aber sie überwindet sie nur durch Mittel, die ihr diese Schranken aufs neue und auf gewaltigerm Maßstab entgegenstellen&#8221; (Marx, ebd.). Es liegt in der Logik der Sache, daß früher oder später durch die Produktivkraftentwicklung die <em>absolute Anzahl</em> der gesamtgesellschaftlich vernutzen Arbeitskräfte dauerhaft reduziert wird und damit eben auch die gesamtkapitalistisch produzierte <em>Wertmasse</em> schrumpft. Auf diese Weise untergräbt der Kapitalismus seine eigene Grundlage.</p>
<p>Der Marxismus hat diese von Marx freilich noch recht abstrakt formulierte Krisendiagnose nicht nur im Sinne der &#8220;Verfaulungsthese&#8221; auf den Kopf gestellt, sondern darüberhinaus den &#8220;Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen&#8221; gerade nicht als spezifisch kapitalistischen, sondern als transhistorischen, also für alle bisherigen Gesellschaften gültigen interpretiert. Dem &#8220;Historischen Materialismus&#8221; zufolge galt die Produktivkraftentwicklung nämlich als Motor der menschlichen Geschichte schlechthin; da jeder &#8220;Entwicklungsphase&#8221; stets eine bestimmte Form der &#8220;Klassenherrschaft&#8221; sowie der Produktions- und Ausbeutungsverhältnisse entsprach, mußte der Produktivkraftfortschritt früher oder später in Konflikt mit der jeweiligen gesellschaftlichen Ordnung geraten und deren revolutionäre Umwälzung produzieren. Erkennbar handelt es sich dabei um eine für das (hier nur materialistisch gewendete) Aufklärungsdenken typische Rückprojektion bürgerlicher Verhältnisse in die Vergangenheit. Denn keine andere Gesellschaft als die kapitalistische war jemals um die Produktion herum organisiert; schon deshalb konnte so etwas wie der &#8220;Widerspruch zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen&#8221; gar nicht existieren.</p>
<p>Nun ist freilich Marx selbst an dieser Interpretation der Geschichte keinesfalls unbeteiligt gewesen, denn auch er stand zumindest mit einem Bein noch ganz fest auf dem Boden des bürgerlichen Fortschrittsoptimimus. Doch die Logik seiner Krisentheorie ist mit diesem geschichtsphilosophischen Konstrukt keinesfalls kompatibel<sup><a href="#3">(3)</a>)</sup>.<a name="q3"></a> Im Grunde genommen handelt es sich dabei um nichts anderes als um das konsequente Zu-Ende-Denken der bereits im ersten Abschnitt des <em>Kapital</em> eingeführten Fetischismuskritik. Denn der logische Selbstiderspruch des Kapitals ist bereits in der Keimform der kapitalistischen Produktionsweise, der Ware, angelegt und die Selbstzweckbewegung des &#8220;automatischen Subjekts&#8221; (also des Werts) ist nichts anderes als Entfaltung dieses Widerspruchs. Daß sich die gesellschaftlichen Beziehungen als Beziehungen von Sachen (genauer: von Waren) herstellen und als solche den Menschen als fremde Macht gegenübertreten, bedeutet eben nicht nur, daß ihnen ihr eigener Gesellschaftszusammenhang seine irrationalen Gesetzmäßigkeiten aufzwingt, als ob es sich um Naturgesetze handelte; darin eingeschlossen ist auch dessen letztliche historische Unhaltbarkeit unabhängig von jeglichem subjektiven Wollen.</p>
<p>Mit &#8220;sinnstiftender Geschichtsphilosophie&#8221; hat das übrigens auch deshalb nichts zu tun, weil jenseits der (geschichtlich ganz spezifischen) warengesellschaftlichen Logik die Determination aufhört. Fest steht nur, daß die kapitalistische Gesellschaft letztlich an ihren eigenen inneren Selbstwidersprüchen gewaltsam zerbrechen muß, keinesfalls aber, <em>wie</em> der <em>Prozeß</em> dieses Zerbrechens verläuft und vor allem nicht, was an ihre Stelle treten wird. Die Aufhebung der warenförmigen Vergesellschaftung kann selbstverständlich nur durch kollektives, bewußtes Handeln bewerkstelligt werden, denn es geht ja um nichts anderes als um die Aufhebung gesellschaftlicher Bewußtlosigkeit. Ob dies gelingt, hängt einzig und allein davon ab, ob die Menschen es schaffen, sich von den kapitalistisch konstituierten Beziehungs- und Verkehrsformen zu emanzipieren oder nicht. Jeder übertriebene Optimismus in bezug darauf wäre völlig fehl am Platze. Keinesfalls unwahrscheinlich ist, daß der Zusammenbruchsprozeß eine unkontrollierbare, katastrophische Dynamik in Gang setzt, in deren Verlauf jeglicher zivilisatorische Zusammenhang und vielleicht auch die menschlichen Lebensgrundlagen überhaupt zerstört werden. Zumindest zeichnet sich in den Zusammenbruchsregionen der heutigen Welt diese Möglichkeit bereits ebenso deutlich wie entsetzlich ab. Allerdings gibt es eben auch weiterhin eine emanzipatorische Option, auch wenn die gesellschaftskritische Opposition heute weltweit in der Defensive ist. Insofern, aber eben nur insofern, ist die Geschichte offen, um eine beliebte Floskel zu bemühen, die im allgemeinen nur dem Zweck dient, sich um eine konsequente Analyse und Kritik des objektivierten Prozesses zu drücken.</p>
<p>Natürlich kann und muß man sich darüber streiten, ob es zutrifft, daß der Kapitalismus tatsächlich <em>heute</em> an seine absolute historische Schranke stößt; ob also mit dem Ende des Fordismus und der dritten industriellen Revolution ein säkularer und unumkehrbarer Niedergang eingesetzt hat und es wirklich keinen weiteren Akkumulationsspielraum mehr gibt. Nebenbei gesagt: um einen plötzlichen &#8220;Zusammenbruch&#8221; wie es viele Kritiker unterstellen und wie es das Wort auch nahelegt (weshalb wir es im Gegensatz zu unseren Kritikern auch eher selten verwenden), geht es ohnehin nicht, sondern um einen langen Abstiegsprozeß, der sich voraussichtlich noch über viele Jahrzehnte hinziehen wird und dessen Verlaufsformen nur schwer antizipierbar sind. Die <em>Krisis-Gruppe </em>hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe theoretischer Argumente und empirischer Belege für diese Krisendiagnose ins Feld geführt; im &#8220;Schwarzbuch Kapitalismus&#8221; hat Robert Kurz außerdem den ganzen Zusammenhang noch einmal ausführlich historisch aufgerollt. Dennoch glauben wir selbstverständlich nicht, damit bereits alle Probleme gelöst zu haben. Andererseits waren die allermeisten der bisherigen Kritiken nicht gerade dazu angetan, die Diskussion darüber weiterzubringen, sondern haben viel eher den Eindruck erweckt, als sollte eine offenbar unbequeme theoretische Einsicht abgewehrt werden &#8211; vermutlich, weil sie das eigene tradierte Denk- und Begriffsraster in Frage stellt.</p>
<p>Nur so läßt sich erklären, weshalb auch Autoren wie Huisken und Heinrich, bei denen eine fundierte Kenntnis der Krisen- und Akkumulationstheorie sollte vorausgesetzt werden können, in <em>Konkret</em> 3/2000 den theoretischen Kern der Krisendiagnose auf geradezu frappierende Art und Weise systematisch verfehlen (oder ignorieren). Insbesondere gegenüber dem logischen Selbstwiderspruch des Kapitals zwischen Produktivkraftentwicklung und Verwertungsimperativ zeigen sie nicht die Spur eines Problembewußtseins; vielmehr blenden sie ihn systematisch aus, indem sie bloß den partikularen, betriebswirtschaftlichen Standpunkt betrachten und diesen dann einfach unvermittelt mit der Logik des kapitalistischen Gesamtprozesses identisch setzen. Huisken verfährt dabei besonders plump nach dem Strickmuster des Arbeiterbewegungsmarxismus: Er führt nämlich einfach das Verwertungsinteresse des Einzelkapitals ins Feld<sup><a href="#4">(4)</a>)</sup><a name="q4"></a> und sieht darin offenbar die Garantie, daß die Akkumulation im Prinzip ad infinitum fortgesetzt werden kann.</p>
<p>Heinrich argumentiert zumindest etwas differenzierter: er verweist auf die Steigerung der Mehrwert<em>rate</em> im Gefolge der Produktivkraftentwicklung (Marx nennt das die &#8220;Produktion des relativen Mehrwerts&#8221;) und meint damit allen Ernstes bewiesen zu haben, daß &#8220;die Masse des im Gesamtprodukt steckenden Mehrwerts&#8221; gerade &#8220;aufgrund der Steigerung der Produktivität&#8221; steigt (S. 41). Dummerweise ist aber die rücksichtslose Verfolgung der privaten Verwertungsinteressen und die Steigerung des relativen Mehrwerts nur die eine Seite des kapitalistischen Selbstwiderspruchs;<a href="#5">(<sup>5)</sup></a><sup>)<a name="q5"></a></sup> gerade sie ist es, die letztlich die Grundlage der Verwertung überhaupt untergräbt, nämlich die gesamtkapitalistische Wert- und Profitmasse <em>absolut vermindert</em> (also nicht bloß den Wertausdruck jeder einzelnen Ware oder den <em>relativen Anteil</em> des Mehrwerts bzw. des Profits pro eingesetztem Kapital).<a href="#6">(<sup>6)</sup></a><sup>)</sup> <a name="q6"></a>Denn in der Konkurrenz werden zunächst diejenigen Kapitalien belohnt, die am konsequentesten rationalisieren (also am meisten lebendige Arbeit überflüssig machen); sie erhalten den größten Anteil an der gesamtkapitalistischen Mehrwertmasse, obwohl und indem sie am meisten dazu beitragen, eben diese zu verkleinern. Daß dieser Widerspruch historisch bisher immer noch durch eine rasante Flucht nach vorne, also durch die Erschließung neuer arbeitsintensiver Produktionszweige, entschärft werden konnte (wenn auch mit gewaltigen Friktionen), scheint für Huisken und Heinrich Grund genug zu sein, ihn gleich ganz zu entsorgen.</p>
<p>Und während so ganz positivistisch eine unbegriffene empirische Scheinevidenz in den Rang einer theoretischen Einsicht erhoben wird, erscheint dann umgekehrt der Verweis auf die absoluten Grenzen der Verwertungsdynamik (also die Zuspitzung des ignorierten Widerspruchs) als bloß äußerlich an die kapitalistische Produktionsweise herangetragener moralischer Anspruch. Wenn Heinrich und Huisken meinen, die Autoren des Manifests und des Schwarzbuchs fast gleichlautend darüber belehren zu müssen, daß der &#8220;immanente Zweck der kapitalistischen Produktion &#8230; nicht die Beseitigung von Arbeitslosigkeit und Elend, sondern die Verwertung von Wert&#8221; sei (Heinrich, S. 40; vgl. analog Huisken, S. 34), dann wirkt das einigermaßen peinlich, weil sie offenbar &#8220;vergessen&#8221; haben, was sie sonst doch immer betonen, daß sich das Kapital nun einmal nur verwerten kann, indem es Arbeitskraft vernutzt und zwar auf ständig wachsender Stufenleiter. Daß dies einmal nicht mehr funktionieren könnte, liegt offenbar so sehr außerhalb des Vorstellungsvermögens der beiden Rezensenten, daß sie nicht einmal die Frage danach zulassen wollen.</p>
<p>Noch weniger nachvollziehbar scheint für die meisten Kritiker offenbar der Zusammenhang zwischen dem Krisenprozeß auf der Ebene der realen Akkumulation und dem kreditär und spekulativ aufgeblähten Finanzüberbau zu sein. Auch hier erhebt sich freilich der Verdacht, daß dies weniger an der Kompliziertheit der Materie, als vielmehr an einer internalisierten Abwehrhaltung liegt. Denn so verwirrend die Bewegungen an der Oberfläche der transnationalen Finanzmärkte auch sind, der Grundmechanismus des fiktiven Kapitals, wie ihn Marx im wesentlichen bereits entschlüsselt hat, ist prinzipiell nicht schwer zu verstehen. Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine Doppelbewegung: Zunächst dienen Kredit und Spekulation dazu, den <em>Kriseneinbruch aufzuschieben</em>, weil sie fiktive (d.h. realökonomisch nicht gedeckte) Anlagemöglichkeiten für überakkumuliertes Kapital schaffen und gleichzeitig ebenso ungedeckte Kaufkraft schöpfen; letztlich führt das jedoch zu einer <em>Krisenverschärfung</em>, weil mit dem Platzen der Finanzblase das gesamte aufgeschobene Entwertungspotential auf einen Schlag realisiert wird.</p>
<p>Dieser Mechanismus, der im übrigen den Schein erzeugt, als sei die Spekulation Ursache der Krise und nicht bereits deren Verlaufsform, und deshalb mit dazu beiträgt, die bekannten antisemitischen Projektionen auszulösen &#8211; dieser Mechanismus also wird prinzipiell in jedem kapitalistischen Krisenprozeß wirksam, selbstverständlich auch im derzeitigen. Historisch neu ist nur, daß durch die vollständige Entkopplung des Geldes von seiner Goldbasis und die Deregulierung der Finanzmärkte ein ungeheuer großer Spielraum für die relative Verselbständigung des fiktiven Kapitals gegenüber der Realakkumulation geschaffen wurde; daraus erklärt sich die ungewöhnlich lange Zeitdauer des Krisenaufschubs, der nun schon über 20 Jahre währt, und die exorbitante Höhe der &#8220;aufgehäuften&#8221; fiktiven &#8220;Wertmasse&#8221;. Ich muß zugeben, daß wir den zeitlichen Horizont dieses Prozesses zunächst nicht ganz richtig eingeschätzt haben. Strukturell gesehen erschien es etwa Anfang der Neunziger kaum denkbar, daß sich das kreditäre und spekulative Kettenbriefsystem noch einmal zehn oder sogar noch ein paar Jahre länger würde halten können. Freilich haben die seither stattgefundenden Entwicklungen die strukturelle Diagnose in keiner Weise widerlegt, sondern viel eher noch bestätigt. Denn der fiktive Vorgriff auf zukünftige Wertschöpfung ist nicht etwa realökonomisch eingelöst worden, vielmehr hat sich der Finanzüberbau in einer exponentiellen Bewegung immer weiter von der Realakkumulation entfernt und die dort stattfindenden Rationalisierungsprozesse sogar noch beschleunigt. Weil sich aber die Kapitalverwertung nie von der Vernutzung lebendiger Arbeit emanzipieren kann, muß sich der Zusammenhang zwischen beiden Sphären letztlich wiederherstellen &#8211; und zwar gewaltsam, das heißt im Crash.</p>
<p>Selbst der stinknormalen Wirtschaftspresse ist es mittlerweile aufgegangen (wenn sie es auch nicht erklären kann), daß beispielsweise die Steigerung des Dow-Jones-Index um den Faktor 11 seit 1980 sich ja wohl kaum aus einem Wachstum des realen Bruttosozialprodukts von 60 &#8211; 70 Prozent erklären läßt. Da mutet es doch reichlich amüsant an, wenn Heinrich hierin nichts weiter als die ganz normale Funktion des Kreditwesens erkennen will, &#8220;brachliegendes Geldkapital&#8221; zu sammeln, um es wieder in die Sphäre der Realakkumlation zu schleusen. Äußerst ärgerlich ist es freilich, wenn er dann noch meint, von diesem theoretisch wie empirisch völlig unhaltbaren Standpunkt aus Robert Kurz vorwerfen zu können, er würde die &#8220;beiden immer schon zusammengehörigen Seiten&#8221; (reale Verwertung und Finanzsektor) auseinanderreißen und bereite so antisemitischen Projektionen den Boden (S. 41). Sollte dies keine bewußte Diffamierung sein, dann ist doch zumindest bemerkenswert, wie das ganz offensichtliche &#8220;brutale Interesse am Stoff&#8221; (Marx) den Rezensenten Heinrich davon abhält, die ausführlichen und historisch-empirisch unterfütterten Erläuterungen zum inneren Zusammenhang zwischen fiktivem Kapital und Realakkumulation im &#8220;Schwarzbuch Kapitalismus&#8221; (und nicht nur dort) wenigstens sinnerfassend zu lesen<a href="#7">(<sup>7)</sup></a><sup>)</sup>.<a name="q7"></a></p>
<p>Ziemlich billig ist es schließlich auch, die Vorhersage des letztlich unvermeidlichen (wenn auch nicht zeitlich genau prognostizierbaren) Finanzmarktkrachs mit &#8220;der Zusammenbruchsdiagnose&#8221; einfach identisch zu setzen und sich dann schenkelklopfend darüber zu freuen, daß die &#8220;Krisenpropheten&#8221; immer noch vergeblich auf die lange erwartete &#8220;Apokalypse&#8221; warten. Es drängt sich der Eindruck auf, als sollte damit umgekehrt davon abgelenkt werden, daß der Krisenprozeß auf allen Ebenen ja bereits seit über zwei Jahrzehnten im vollen Gange ist, daß große Teile der Welt für die Verwertung des Werts längst als unbrauchbar erklärt und negativ entkoppelt wurden (mit brutalsten Konsequenzen für die dort lebenden Menschen) und auch in den Metropolen wachsende Bevölkerungsteile von diesem Entwertungsprozeß betroffen sind. Ein Crash würde diesen Prozeß in einem gewaltigen Schub beschleunigen, doch wäre er natürlich nicht &#8220;der Zusammenbruch&#8221;, sondern <em>eine</em> Zäsur in dem Niedergangs<em>prozeß</em>, der sich wie gesagt noch über viele Jahrzehnte hinziehen kann und vermutlich immer scheußlichere Verlaufsformen finden wird, wenn sich keine sozial-emanzipatorische Bewegung konstituiert, die den entscheidenen Bruch mit der warenförmigen Gesellschaft zu vollziehen wagt. Vielleicht tragen ja nicht zuletzt diese wenig erfreulichen Aussichten dazu bei, den Gedanken an ein irreversibles Ausbrennen der kapitalistischen Verwertungslogik insbesondere in den Noch-Gewinner-Ländern des Weltmarkts zu tabuisieren. Offenbar verschafft der Glaube daran, der Kapitalismus kehre nach dem Fordismus lediglich zu einer offenbar unhistorisch prozessierenden und deshalb ewig verlängerbaren &#8220;Normalität&#8221; zurück, so etwas wie eine trügerische Scheinsicherheit, weil er es erlaubt, sich weiterhin im abgerüsteten aber immerhin altgewohnten marxistischen Koordinatensystem zu bewegen.</p>
<p>Nur von diesem Koordinatensystem aus kann es dann so erscheinen, als ginge es uns umgekehrt darum, den Kapitalismus <em>deshalb</em> zu kritisieren, <em>weil</em> er in der Krise steckt oder gar, die vergangenen historischen kapitalistischen Entwicklungsstadien von hier aus zu verharmlosen. Wer das aus dem Manifest oder dem Schwarzbuch herausliest, <em>will</em> es mit aller Gewalt rauslesen. Soweit im Krisenprozeß die Abscheulichkeiten der kapitalistischen Logik noch einmal mit besonderer Schärfe hervortreten, wirft dies gerade im Gegenteil ein Schlaglicht auf den vergangenen &#8220;Normalbetrieb&#8221; und delegitimiert ihn erneut im nachhinein. Es sollte eigentlich eine Banalität sein, daß jeder Versuch, die Warengesellschaft aufzuheben, nur von dem jeweils gegebenen historischen Standpunkt ausgehen kann und daß zu den Aufgaben einer radikalen Gesellschaftskritik nicht zuletzt gehört, diesen Standpunkt zu bestimmen. Die Diskussion darüber darf sich nicht durch Tabus einschränken lassen.</p>
<p><a name="1"></a><a href="#q1">1)</a> Etwa: &#8220;&#8230; aber nach der Sündflut kommen wir und nur wir.&#8221;, so der Titel einer historischen Abhandlung zu diesem Thema von Rudolf Walter (Frankfurt/M. 1981).</p>
<p><sup><a name="2"></a><a href="#q2">2)</a></sup> Den Unterschied zwischen positiv verstandener Geschichtsphilosophie im Marxismus und deren analytisch nachvollziehender Kritik (im Unterschied zum bloßen Relativismus) hat Moishe Postone sehr klar in seinem Buch &#8220;Time, labor and social domination&#8221; (1993) aufgezeigt (eine deutsche Ausgabe dieses theoretisch eminent wichtigen Buchs kündigt der ca irá Verlag bereits seit einigen Jahren an).</p>
<p><sup><a name="3"></a><a href="#q3">3)</a></sup> Das Marxsche Denken ist ein in sich durchaus widersprüchliches, in dem sich Momente einer bürgerlichen Modernisierungstheorie mit der radikalen Kritik des warenförmigen Fetischzusammenhangs immer wieder verquicken und durchkreuzen. Es kann in diesem Sinne von einem &#8220;doppelten Marx&#8221; gesprochen werden (vg. dazu u.a. Robert Kurz: <a href="http://www.krisis.org/2008/veroeffentlichung-untersagt">Postmarxismus und Arbeitsfetisch</a>, in <em>Krisis</em> 15, Bad Honnef 1995).</p>
<p><sup><a name="4"></a><a href="#q4">4)</a></sup> Huisken: &#8220;Als ob der Kapitalist nicht Arbeit ausbeuten, also die Mehrarbeitszeit immer weiter über die notwendige Arbeitszeit hinaus ausdehnen, sondern Arbeiter loswerden will&#8221; (S. 34).</p>
<p><sup><a name="5"></a><a href="#q5">5)</a></sup> Vgl. ausführlicher dazu und zu dem folgenden <a href="http://www.krisis.org/1998/was-ist-der-wert-was-soll-die-krise">meine Kritik</a> an Heinrichs Buch &#8220;Die Wissenschaft vom Wert&#8221; in <em>Streifzüge</em> 1/2000 (Bezug gegen 5 DM über: Kritischer Kreis, Margaretenstr. 71-73/23, A-1050 Wien).</p>
<p><sup><a name="6"></a><a href="#q6">6)</a></sup> Nicht der in einem bestimmten Strang des Marxismus viel diskutierte &#8220;tendezielle Fall der Profitrate&#8221; ist also der Grund für die fundamentale Verwertungskrise des Kapitals, sondern das irreversible Abschmelzen der gesamtkapitalistischen Wert- und Profitmasse.</p>
<p><sup><a name="7"></a><a href="#q7">7)</a></sup> Robert Kurz, Ernst Lohoff und ich haben diesen Zusammenhang in sehr vielen anderen Publikationen immer wieder erörtet. Vgl. u.a. die Artikel in <em>Krisis</em> 16/17 (1995), meinen Aufsatz &#8220;Es rettet Euch kein Billiglohn&#8221; in &#8220;Feierabend!&#8221; (1999) sowie zur Kritik an den Vorwürfen, jede Thematisierung des fiktiven Kapitals sei bereits tendenziell antisemitisch Robert Kurz: Das Leben als Wille und Design (Berlin 1999).</p>
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		<title>Persian: Manifesto against Labour</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Dec 1999 00:00:00 +0000</pubDate>
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		<title>Manifest gegen die Arbeit</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Dec 1999 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik der Arbeit]]></category>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="zaehl"><<img src="http://vg06.met.vgwort.de/na/8b62f7c4f47c4141903960cb919d62fd" width="1" height="1" alt=""><br />
</span><br />
<em>Gruppe Krisis </em></p>
<h4>1. Die Herrschaft der toten Arbeit</h4>
<p>Ein Leichnam beherrscht die Gesellschaft &#8211; der Leichnam der Arbeit. Alle Mächte rund um den Globus haben sich zur Verteidigung dieser Herrschaft verbündet: Der Papst und die Weltbank, Tony Blair und Jörg Haider, Gewerkschaften und Unternehmer, deutsche Ökologen und französische Sozialisten. Sie alle kennen nur eine Parole: Arbeit, Arbeit, Arbeit!</p>
<p><span id="more-172"></span>Wer das Denken noch nicht verlernt hat, erkennt unschwer die Bodenlosigkeit dieser Haltung. Denn die von der Arbeit beherrschte Gesellschaft erlebt keine vorübergehende Krise, sie stößt an ihre absolute Schranke. Die Reichtumsproduktion hat sich im Gefolge der mikroelektronischen Revolution immer weiter von der Anwendung menschlicher Arbeitskraft entkoppelt &#8211; in einem Ausmaß, das bis vor wenigen Jahrzehnten nur in der Science-fiction vorstellbar war. Niemand kann ernsthaft behaupten, daß dieser Prozeß noch einmal zum Stehen kommt oder gar umgekehrt werden kann. Der Verkauf der Ware Arbeitskraft wird im 21. Jahrhundert genauso aussichtsreich sein wie im 20. Jahrhundert der Verkauf von Postkutschen. Wer aber in dieser Gesellschaft seine Arbeitskraft nicht verkaufen kann, gilt als &#8220;überflüssig&#8221; und wird auf der sozialen Müllhalde entsorgt.</p>
<p>Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen! Dieser zynische Grundsatz gilt noch immer &#8211; und heute mehr denn je, gerade weil er hoffnungslos obsolet wird. Es ist absurd: Die Gesellschaft war niemals so sehr Arbeitsgesellschaft wie in einer Zeit, in der die Arbeit überflüssig gemacht wird. Gerade in ihrem Tod entpuppt sich die Arbeit als totalitäre Macht, die keinen anderen Gott neben sich duldet. Bis in die Poren des Alltags und bis in die Psyche hinein bestimmt sie das Denken und Handeln. Es wird kein Aufwand gescheut, um das Leben des Arbeitsgötzen künstlich zu verlängern. Der paranoide Schrei nach &#8220;Beschäftigung&#8221; rechtfertigt es, die längst erkannte Zerstörung der Naturgrundlagen sogar noch zu forcieren. Die letzten Hindernisse für die totale Kommerzialisierung aller sozialen Beziehungen dürfen kritiklos hinweggeräumt werden, wenn ein paar elende &#8220;Arbeitsplätze&#8221; in Aussicht stehen. Und der Satz, es sei besser, &#8220;irgendeine&#8221; Arbeit zu haben als keine, ist zum allgemein abverlangten Glaubensbekenntnis geworden.</p>
<p>Je unübersehbarer es wird, daß die Arbeitsgesellschaft an ihrem definitiven Ende angelangt ist, desto gewaltsamer wird dieses Ende aus dem öffentlichen Bewußtsein verdrängt. So unterschiedlich die Methoden der Verdrängung auch sein mögen, sie haben einen gemeinsamen Nenner: Die weltweite Tatsache, daß sich die Arbeit als irrationaler Selbstzweck erweist, der sich selber obsolet gemacht hat, wird mit der Sturheit eines Wahnsystems in das persönliche oder kollektive Versagen von Individuen, Unternehmen oder &#8220;Standorten&#8221; umdefiniert. Die objektive Schranke der Arbeit soll als subjektives Problem der Herausgefallenen erscheinen.</p>
<p>Gilt den einen die Arbeitslosigkeit als Produkt überzogener Ansprüche, fehlender Leistungsbereitschaft und Flexiblität, so werfen die anderen &#8220;ihren&#8221; Managern und Politikern Unfähigkeit, Korruption, Gewinnsucht oder Standortverrat vor. Und schließlich sind sich alle mit Ex-Bundespräsident Roman Herzog einig: Es müsse ein sogenannter &#8220;Ruck&#8221; durch das Land gehen, ganz so, als handelte es sich um das Motivationsproblem einer Fußballmannschaft oder einer politischen Sekte. Alle sollen sich &#8220;irgendwie&#8221; gewaltig am Riemen reißen, auch wenn der Riemen längst abhanden gekommen ist, und alle sollen &#8220;irgendwie&#8221; kräftig anpacken, auch wenn es gar nichts mehr (oder nur noch Unsinniges) zum Anpacken gibt. Der Subtext dieser unfrohen Botschaft ist unmißverständlich: Wer trotzdem nicht die Gnade des Arbeitsgötzen findet, ist selber schuld und kann mit gutem Gewissen abgeschrieben oder abgeschoben werden.</p>
<p>Dasselbe Gesetz des Menschenopfers gilt im Weltmaßstab. Ein Land nach dem anderen wird unter den Rädern des ökonomischen Totalitarismus zermalmt und beweist damit immer nur das eine: Es hat sich an den sogenannten Marktgesetzen vergangen. Wer sich nicht bedingungslos und ohne Rücksicht auf Verluste dem blinden Lauf der totalen Konkurrenz &#8220;anpaßt&#8221;, den bestraft die Logik der Rentabilität. Die Hoffnungsträger von heute sind der Wirtschaftsschrott von morgen. Die herrschenden ökonomischen Psychotiker lassen sich dadurch in ihrer bizarren Welterklärung nicht im geringsten erschüttern. Drei Viertel der Weltbevölkerung sind bereits mehr oder weniger zum sozialen Abfall erklärt worden. Ein &#8220;Standort&#8221; nach dem anderen stürzt ab. Nach den desaströsen &#8220;Entwicklungsländern&#8221; des Südens und nach der staatskapitalistischen Abteilung der Weltarbeitsgesellschaft im Osten sind die marktwirtschaftlichen Musterschüler Südostasiens ebenso im Orkus des Zusammenbruchs verschwunden. Auch in Europa breitet sich längst die soziale Panik aus. Die Ritter von der traurigen Gestalt in Politik und Management aber setzen ihren Kreuzzug im Namen des Arbeitsgötzen nur umso verbissener fort.</p>
<blockquote><p><em>Jeder muß von seiner Arbeit leben können, heißt der aufgestellte Grundsatz. Das Lebenkönnen ist sonach durch die Arbeit bedingt, und es gibt kein solches Recht, wo die Bedingung nicht erfüllt worden.</em></p>
<p><em>(Johann Gottlieb Fichte, Grundlagen des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre, 1797)</em></p></blockquote>
<h4>2. Die neoliberale Apartheidsgesellschaft</h4>
<p>Eine auf das irrationale Abstraktum Arbeit zentrierte Gesellschaft entwickelt zwangsläufig die Tendenz zur sozialen Apartheid, wenn der erfolgreiche Verkauf der Ware Arbeitskraft von der Regel zur Ausnahme wird. Alle Fraktionen des parteiübergreifenden Arbeits-Lagers haben diese Logik längst klammheimlich akzeptiert und helfen selber kräftig nach. Sie streiten nicht mehr darüber, ob immer größere Teile der Bevölkerung an den Rand gedrängt und von jeder gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen werden, sondern nur noch darüber, wie diese Selektion durchgepeitscht werden soll.</p>
<p>Die neoliberale Fraktion überläßt das schmutzige sozialdarwinistische Geschäft vertrauensvoll der &#8220;unsichtbaren Hand&#8221; des Marktes. In diesem Sinne werden die sozialstaatlichen Netze abgebaut, um all diejenigen möglichst geräuschlos zu marginalisieren, die in der Konkurrenz nicht mehr mithalten können. Als Mensch wird nur noch anerkannt, wer zur Bruderschaft der feixenden Globalisierungsgewinnler gehört. Alle Ressourcen des Planeten werden ganz selbstverständlich für die kapitalistische Selbstzweckmaschine usurpiert. Wenn sie dafür nicht mehr rentabel mobilisierbar sind, müssen sie brachliegen, selbst wenn daneben ganze Populationen dem Hunger anheimfallen.</p>
<p>Zuständig für den lästigen &#8220;Humanmüll&#8221; sind die Polizei, die religiösen Erlösungssekten, die Mafia und die Armenküchen. In den USA und in den meisten Staaten Mitteleuropas sitzen inzwischen mehr Menschen im Gefängnis als in jeder durchschnittlichen Militärdiktatur. Und in Lateinamerika werden täglich mehr Straßenkinder und andere Arme von marktwirtschaftlichen Todesschwadronen gekillt als Oppositionelle in den Zeiten der schlimmsten politischen Repression. Nur noch eine gesellschaftliche Funktion bleibt den Ausgestoßenen: die des abschreckenden Beispiels. Ihr Schicksal soll alle, die sich bei der arbeitsgesellschaftlichen &#8220;Reise nach Jerusalem&#8221; noch im Rennen befinden, im Kampf um die letzten Plätze immer weiter anstacheln und selbst noch die Masse der Verlierer in hektischer Bewegung halten, damit sie gar nicht erst auf den Gedanken kommen, gegen die unverschämten Zumutungen zu rebellieren.</p>
<p>Doch auch um den Preis der Selbstaufgabe sieht die schöne neue Welt der totalitären Marktwirtschaft für die meisten nur noch einen Platz als Schattenmenschen in der Schattenwirtschaft vor. Sie haben sich als Billigstarbeiter und demokratische Sklaven der &#8220;Dienstleistungsgesellschaft&#8221; den besserverdienenden Globalisierungsgewinnlern demütig anzudienen. Die neuen &#8220;arbeitenden Armen&#8221; dürfen den restlichen Business-Men der sterbenden Arbeitsgesellschaft die Schuhe putzen, ihnen verseuchte Hamburger verkaufen oder ihre Einkaufszentren bewachen. Wer sein Gehirn an der Garderobe abgegeben hat, kann dabei sogar vom Aufstieg zum Service-Millionär träumen.</p>
<p>In den angelsächsischen Ländern ist diese Horror-Welt für Millionen bereits Realität, in der Dritten Welt und in Osteuropa sowieso; und in Euro-Land zeigt man sich entschlossen, den bestehenden Rückstand zügig aufzuholen. Die einschlägigen Wirtschaftsblätter machen jedenfalls längst kein Geheimnis mehr daraus, wie sie sich die ideale Zukunft der Arbeit vorstellen: Die Kinder der Dritten Welt, die an verpesteten Straßenkreuzungen die Scheiben der Autos putzen, sind das leuchtende Vorbild &#8220;unternehmerischer Initiative&#8221;, an dem sich die Arbeitslosen in der hiesigen &#8220;Dienstleistungswüste&#8221; gefälligst zu orientieren haben. &#8220;Das Leitbild der Zukunft ist das Individuum als Unternehmer seiner Arbeitskraft und Daseinsvorsorge&#8221; schreibt die &#8220;Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen&#8221;. Und: &#8220;Die Nachfrage nach einfachen personenbezogenen Diensten ist umso größer, je weniger die Dienste kosten, und das heißt die Dienstleister verdienen.&#8221; In einer Welt, in der es noch menschliche Selbstachtung gibt, müßte diese Aussage den sozialen Aufstand provozieren. In einer Welt von domestizierten Arbeitstieren wird sie nur ein hilfloses Nicken hervorrufen.</p>
<blockquote><p><em>Der Gauner hatte die Arbeit zerstört, trotzdem aber den Lohn eines Arbeiters sich weggenommen; nun soll er arbeiten ohne Lohn, dabei aber den Segen des Erfolgs und Gewinnes selbst in der Kerkerzelle ahnen. [...] Er soll zur sittlichen Arbeit als einer freien persönlichen Tat erzogen werden durch Zwangsarbeit.</em></p>
<p><em>(Wilhelm Heinrich Riehl, Die deutsche Arbeit, 1861)</em></p></blockquote>
<h4>3. Die neo-sozialstaatliche Apartheid</h4>
<p>Die anti-neoliberalen Fraktionen des gesamtgesellschaftlichen Arbeits-Lagers mögen sich zwar mit dieser Perspektive nicht so recht anfreunden, aber gerade für sie steht unverrückbar fest, daß ein Mensch ohne Arbeit kein Mensch ist. Nostalgisch auf die Nachkriegsära fordistischer Massenarbeit fixiert, haben sie nichts anderes im Sinn, als diese verflossenen Zeiten der Arbeitsgesellschaft neu zu beleben. Der Staat soll doch noch einmal richten, wozu der Markt nicht mehr in der Lage ist. Die vermeintliche arbeitsgesellschaftliche Normalität soll durch &#8220;Beschäftigungsprogramme&#8221;, kommunale Zwangsarbeit für Sozialhilfeempfänger, Standortsubventionen, Verschuldung und andere politische Maßnahmen weitersimuliert werden. Dieser halbherzig aufgewärmte Arbeits-Etatismus hat zwar nicht den Hauch einer Chance, trotzdem bleibt er ideologischer Bezugspunkt für breite, vom Absturz bedrohte Bevölkerungsschichten. Und gerade in ihrer Hoffnungslosigkeit ist die daraus resultierende Praxis alles andere als emanzipatorisch.</p>
<p>Die ideologische Verwandlung der &#8220;knappen Arbeit&#8221; ins erste Bürgerrecht schließt konsequent alle Nicht-Staatsbürger aus. Die soziale Selektionslogik wird also nicht in Frage gestellt, sondern nur anders definiert: Der individuelle Überlebenskampf soll durch ethnisch-nationalistische Kriterien entschärft werden. &#8220;Inländische Tretmühlen nur für Inländer&#8221;, schreit es aus der Volksseele, die in der perversen Liebe zur Arbeit noch einmal zur Volksgemeinschaft findet. Der Rechtspopulismus macht aus dieser Schlußfolgerung keinerlei Hehl. Seine Kritik an der Konkurrenzgesellschaft läuft nur auf die ethnische Säuberung in den schrumpfenden Zonen des kapitalistischen Reichtums hinaus.</p>
<p>Dagegen will der gemäßigte Nationalismus sozialdemokratischer oder grüner Prägung zwar die alteingesessenen Arbeitsimmigranten als Inländer gelten lassen und bei kratzfüßigem Wohlverhalten und garantierter Harmlosigkeit sogar zu Staatsbürgern machen. Doch die verschärfte Ausgrenzung von Flüchtlingen aus Ost und Süd kann dadurch nur umso besser populistisch legitimiert und umso geräuschloser betrieben werden &#8211; natürlich stets verborgen hinter einem Wortschwall von Humanität und Zivilität. Die Menschenjagd auf &#8220;Illegale&#8221;, die sich an inländische Arbeitsplätze heranschleichen wollen, soll möglichst keine häßlichen Blut- und Brandflecken auf deutschem Boden hinterlassen. Dafür gibt es den Grenzschutz, die Polizei und die Pufferländer von Schengenland, die alles ganz nach Recht und Gesetz und am besten fernab aller Fernsehkameras erledigen.</p>
<p>Die staatliche Arbeits-Simulation ist schon von Haus aus gewalttätig und repressiv. Sie steht für den unbedingten Willen, die Herrschaft des Arbeitsgötzen auch nach seinem Tod mit allen verfügbaren Mitteln aufrechtzuerhalten. Dieser arbeitsbürokratische Fanatismus läßt die Herausgefallenen, die Arbeits- und Chancenlosen und all diejenigen, die sich aus gutem Grund der Arbeit verweigern, nicht einmal in den ohnehin schon erbärmlich engen Rest-Nischen des abgerissenen Sozialstaats zur Ruhe kommen. Sie werden von Sozialarbeitern und Arbeitsvermittlerinnen ins Licht der staatlichen Verhörlampen gezerrt und zu einem öffentlichen Kotau vor dem Thron des herrschenden Leichnams gezwungen.</p>
<p>Gilt vor Gericht normalerweise der Grundsatz &#8220;im Zweifel für den Angeklagten&#8221;, so hat sich hier die Beweislast umgekehrt. Wollen sie künftig nicht von Luft und christlicher Nächstenliebe leben, dann müssen die Herausgefallenen jede Schmutz- und Sklavenarbeit und jede noch so absurde &#8220;Beschäftigungsmaßnahme&#8221; akzeptieren, um ihre bedingungslose Arbeitsbereitschaft zu demonstrieren. Ob das, was sie zu tun bekommen, auch nur im entferntesten einen Sinn hat oder der schieren Absurdität verfällt, ist dabei vollkommen egal. Nur in permanenter Bewegung sollen sie bleiben, damit sie niemals vergessen, nach welchem Gesetz sich ihre Existenz zu vollziehen hat.</p>
<p>Früher haben Menschen gearbeitet, um Geld zu verdienen. Heute scheut der Staat keine Kosten, damit Hunderttausende in absonderlichen &#8220;Trainingswerkstätten&#8221; oder &#8220;Beschäftigungsfirmen&#8221; die verschwundene Arbeit simulieren und sich fit für reguläre &#8220;Arbeitsplätze&#8221; machen, die sie nie erhalten werden. Immer neue und immer dümmere &#8220;Maßnahmen&#8221; werden erfunden, nur um den Schein zu wahren, daß die leerlaufende gesellschaftliche Tretmühle bis in alle Ewigkeit in Gang bleiben kann. Je sinnloser der Arbeitszwang wird, desto brutaler soll den Menschen ins Hirn gehämmert werden, daß es kein Brötchen umsonst gibt.</p>
<p>In dieser Hinsicht erweisen sich &#8220;New Labour&#8221; und seine Nachahmer überall in der Welt als durchaus kompatibel mit dem neoliberalen Modell der sozialen Selektion. Durch die Simulation von &#8220;Beschäftigung&#8221; und das Vorgaukeln einer positiven Zukunft der Arbeitsgesellschaft wird die moralische Legitimation geschaffen, umso härter gegen Arbeitslose und Arbeitsverweigerer vorzugehen. Gleichzeitig drücken staatlicher Arbeitszwang, Lohnsubventionen und sogenannte &#8220;ehrenamtliche Bürgerarbeit&#8221; die Arbeitskosten immer weiter nach unten. So wird der wuchernde Sektor von Billiglohn und Armutsarbeit massiv gefördert.</p>
<p>Die sogenannte aktive Arbeitspolitik nach dem Modell von &#8220;New Labour&#8221; verschont nicht einmal chronisch Kranke und alleinerziehende Mütter mit Kleinkindern. Wer staatliche Unterstützung bekommt, wird erst dann aus dem amtlichen Würgegriff entlassen, wenn sein Namensschild am großen Zeh hängt. Der einzige Sinn dieser Zudringlichkeit besteht darin, möglichst viele Menschen davon abzuhalten, überhaupt noch irgendwelche Ansprüche an den Staat zu stellen und den Herausgefallenen derart widerliche Folterwerkzeuge zu zeigen, daß jede Elendsarbeit vergleichsweise angenehm erscheinen muß.</p>
<p>Offiziell schwingt der paternalistische Staat die Peitsche immer nur aus Liebe und in der Absicht, seine als &#8220;arbeitsscheu&#8221; denunzierten Kinder im Namen ihres besseren Fortkommens streng zu erziehen. Tatsächlich haben die &#8220;pädagogischen&#8221; Maßnahmen einzig und allein das Ziel, die Klienten aus dem Haus zu prügeln. Welchen anderen Sinn sollte es sonst machen, Arbeitslose zur Spargelernte auf die Felder zwangszuverpflichten? Dort sollen sie polnische Saisonarbeiter verdrängen, die den Hungerlohn nur deswegen akzeptieren, weil er sich durch die Wechselkursverhältnisse für sie zuhause in ein annehmbares Entgelt verwandelt. Den Zwangsarbeitern aber wird mit dieser Maßnahme weder geholfen noch gar irgendeine &#8220;Berufsperspektive&#8221; eröffnet. Und auch für die Spargelbauern sind die verdrossenen Akademiker und Facharbeiter, mit denen sie beglückt werden, ein einziges Ärgernis. Wenn aber nach dem Zwölfstundentag auf deutschem Mutterboden die blöde Idee, aus Verzweiflung eine Würstchenbude aufzumachen, plötzlich in freundlicherem Licht erscheint, dann hat die &#8220;Flexibilisierungshilfe&#8221; ihre erwünschte neubritische Wirkung gezeitigt.</p>
<blockquote><p><em>Jeder Job ist besser als keiner.</em></p>
<p><em>(Bill Clinton, 1998)</em></p>
<p><em>Kein Job ist so hart wie keiner.</em></p>
<p><em>(Motto einer Plakatausstellung der Bundekoordinierungsstelle der Erwerbsloseninitiativen in Deutschland, 1998)</em></p>
<p><em>Bürgerarbeit soll belohnt werden, nicht entlohnt. [...] Aber wer in Bürgerarbeit tätig ist, verliert auch den Makel der Arbeitslosigkeit und des Sozialhilfeempfängers.</em></p>
<p><em>(Ulrich Beck, Die Seele der Demokratie, 1997)</em></p></blockquote>
<h4>4. Zuspitzung und Dementi der Arbeitsreligion</h4>
<p>Der neue Arbeitsfanatismus, mit dem diese Gesellschaft auf den Tod ihres Götzen reagiert, ist die logische Fortsetzung und Endstufe einer langen Geschichte. Seit den Tagen der Reformation haben alle tragenden Kräfte der westlichen Modernisierung die Heiligkeit der Arbeit gepredigt. Vor allem in den letzten 150 Jahren waren sämtliche Gesellschaftstheorien und politischen Strömungen von der Idee der Arbeit geradezu besessen. Sozialisten und Konservative, Demokraten und Faschisten haben sich bis aufs Messer bekämpft, aber trotz aller Todfeindschaft immer gemeinsam dem Arbeitsgötzen geopfert. &#8220;Die Müßiggänger schiebt beiseite&#8221; hieß es im Text der internationalen Arbeiterhymne &#8211; und &#8220;Arbeit macht frei&#8221; echote es schauerlich über dem Tor von Auschwitz. Die pluralistischen Nachkriegs-Demokratien schworen erst recht auf die immerwährende Diktatur der Arbeit. Selbst die Verfassung des stockkatholischen Bayern belehrt die Bürger ganz im Sinne der von Luther ausgehenden Tradition: &#8220;Arbeit ist die Quelle des Volkswohlstandes und steht unter dem besonderen Schutz des Staates.&#8221; Am Ende des 20. Jahrhunderts haben sich alle ideologischen Gegensätze nahezu verflüchtigt. Übrig geblieben ist das gnadenlose gemeinsame Dogma, die Arbeit sei die natürliche Bestimmung des Menschen.</p>
<p>Heute dementiert die arbeitsgesellschaftliche Wirklichkeit selber dieses Dogma. Die Priester der Arbeitsreligion haben immer gepredigt, der Mensch sei seiner angeblichen Natur nach ein &#8220;animal laborans&#8221;. Er werde überhaupt erst zum Menschen, indem er wie einst Prometheus den Naturstoff seinem Willen unterwerfe und sich in seinen Produkten verwirkliche. Dieser Mythos des Welteroberers und des Demiurgen, der seine Berufung habe, war zwar schon immer ein Hohn auf den Charakter des modernen Arbeitsprozesses, aber er mochte im Zeitalter der Erfinderkapitalisten vom Schlage Siemens oder Edison und ihrer Facharbeiterbelegschaften noch ein reales Substrat besessen haben. Mittlerweile aber ist dieser Gestus vollends absurd geworden.</p>
<p>Wer heute noch nach Inhalt, Sinn und Zweck seiner Arbeit fragt, wird verrückt &#8211; oder zum Störfaktor für das selbstzweckhafte Funktionieren der gesellschaftlichen Maschine. Der einstmals arbeitsstolze homo faber, der das, was er tat, auf seine bornierte Art noch ernst nahm, ist so altmodisch wie eine mechanische Schreibmaschine geworden. Die Mühle hat um jeden Preis zu laufen, und damit basta. Für die Sinnerfindung sind die Werbeabteilung und ganze Heerscharen von Animateuren und Betriebspsychologinnen, Imageberatern und Drogendealerinnen zuständig. Wo dauernd von Motivation und Kreativität geplappert wird, ist garantiert nichts mehr davon übrig &#8211; es sei denn als Selbstbetrug. Deshalb zählen die Fähigkeiten zu Autosuggestion, Selbstdarstellung und Kompetenz-Simulation heute zu den wichtigsten Tugenden von Managern und Facharbeiterinnen, Medienstars und Buchhaltern, Lehrerinnen und Parkplatzwächtern.</p>
<p>Auch die Behauptung, die Arbeit sei eine ewige Notwendigkeit und den Menschen von der Natur aufgeherrscht, hat sich an der Krise der Arbeitsgesellschaft gründlich blamiert. Seit Jahrhunderten wird gepredigt, dem Arbeitsgötzen sei allein schon deshalb zu huldigen, weil Bedürfnisse nun einmal nicht ohne schweißtreibendes menschliches Zutun von selbst befriedigt werden. Und der Zweck der ganzen Arbeits-Veranstaltung sei ja wohl die Bedürfnisbefriedigung. Träfe das zu, eine Kritik der Arbeit wäre so sinnvoll wie eine Kritik der Schwerkraft. Aber wie sollte denn ein wirkliches &#8220;Naturgesetz&#8221; in die Krise geraten oder gar verschwinden? Die Wortführer des gesellschaftlichen Arbeits-Lagers, von der leistungswahnsinnigen neoliberalen Kaviarfresserin bis zum gewerkschaftlichen Bierbauchträger, geraten mit ihrer Pseudo-Natur der Arbeit in Argumentationsnot. Oder wie wollen sie es erklären, daß heute drei Viertel der Menschheit nur deshalb in Not und Elend versinken, weil das arbeitsgesellschaftliche System ihre Arbeit gar nicht mehr brauchen kann?</p>
<p>Nicht mehr der alttestamentarische Fluch &#8220;Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen&#8221; lastet auf den Herausgefallenen, sondern ein neues, erst recht unerbittliches Verdammungsurteil: &#8220;Du sollst nicht essen, denn dein Schweiß ist überflüssig und unverkäuflich&#8221;. Und das soll ein Naturgesetz sein? Es ist nichts anderes als ein irrationales gesellschaftliches Prinzip, das als Naturzwang erscheint, weil es über Jahrhunderte hinweg alle anderen Formen sozialer Beziehung zerstört oder sie unterworfen und sich selbst absolut gesetzt hat. Es ist das &#8220;Naturgesetz&#8221; einer Gesellschaft, die sich für überaus &#8220;rational&#8221; hält, die aber in Wahrheit nur der Zweckrationalität ihres Arbeitsgötzen folgt, dessen &#8220;Sachzwängen&#8221; sie auch noch den letzten Rest ihrer Humanität zu opfern bereit ist.</p>
<blockquote><p><em>Arbeit steht, sei sie auch noch so niedrig und mammonistisch, stets im Zusammenhang mit der Natur. Schon der Wunsch, Arbeit zu verrichten, leitet immer mehr und mehr zur Wahrheit und zu den Gesetzen und Vorschriften der Natur, welche Wahrheit sind.</em></p>
<p><em>(Thomas Carlyle, Arbeiten und nicht verzweifeln, 1843)</em></p></blockquote>
<h4>5. Arbeit ist ein gesellschaftliches Zwangsprinzip</h4>
<p>Arbeit ist keineswegs identisch damit, daß Menschen die Natur umformen und sich tätig aufeinander beziehen. Solange es Menschen gibt, werden sie Häuser bauen, Kleidung und Nahrung ebenso wie viele andere Dinge herstellen, sie werden Kinder aufziehen, Bücher schreiben, diskutieren, Gärten anlegen, Musik machen und dergleichen mehr. Das ist banal und selbstverständlich. Nicht selbstverständlich aber ist, daß die menschliche Tätigkeit schlechthin, die pure &#8220;Verausgabung von Arbeitskraft&#8221;, ohne jede Rücksicht auf ihren Inhalt, ganz unabhängig von den Bedürfnissen und vom Willen der Beteiligten, zu einem abstrakten Prinzip erhoben wird, das die sozialen Beziehungen beherrscht.</p>
<p>In den alten Agrargesellschaften gab es alle möglichen Herrschaftsformen und persönlichen Abhängigkeitsverhältnisse, aber keine Diktatur des Abstraktums Arbeit. Die Tätigkeiten in der Umformung der Natur und in der sozialen Beziehung waren zwar keineswegs selbstbestimmt, aber ebensowenig einer abstrakten &#8220;Verausgabung von Arbeitskraft&#8221; unterworfen, sondern vielmehr eingebettet in komplexe Regelwerke von religiösen Vorschriften, sozialen und kulturellen Traditionen mit wechselseitigen Verpflichtungen. Jede Tätigkeit hatte ihre besondere Zeit und ihren besonderen Ort; es gab keine abstrakt-allgemeine Tätigkeitsform.</p>
<p>Es war erst das moderne warenproduzierende System mit seinem Selbstzweck der unaufhörlichen Verwandlung von menschlicher Energie in Geld, das eine besondere, aus allen anderen Beziehungen &#8220;herausgelöste&#8221;, von jedem Inhalt abstrahierende Sphäre der sogenannten Arbeit hervorbrachte &#8211; eine Sphäre der unselbständigen, bedingungslosen und beziehungslosen, roboterhaften Tätigkeit, abgetrennt vom übrigen sozialen Zusammenhang und einer abstrakten &#8220;betriebswirtschaftlichen&#8221; Zweckrationalität jenseits der Bedürfnisse gehorchend. In dieser vom Leben abgetrennten Sphäre hört die Zeit auf, gelebte und erlebte Zeit zu sein; sie wird zum bloßen Rohstoff, der optimal vernutzt werden muß: &#8220;Zeit ist Geld&#8221;. Jede Sekunde wird verrechnet, jeder Gang zum Klo ist ein Ärgernis, jedes Schwätzchen ein Verbrechen am verselbständigten Produktionszweck. Wo gearbeitet wird, darf nur abstrakte Energie verausgabt werden. Das Leben findet woanders statt &#8211; oder auch gar nicht, weil der Zeittakt der Arbeit in alles hineinregiert. Schon die Kinder werden auf die Uhr dressiert, um einmal &#8220;leistungsfähig&#8221; zu sein. Der Urlaub dient bloß der Wiederherstellung der &#8220;Arbeitskraft&#8221;. Und selbst beim Essen, beim Feiern und in der Liebe tickt der Sekundenzeiger im Hinterkopf.</p>
<p>In der Sphäre der Arbeit zählt nicht, was getan wird, sondern daß das Tun als solches getan wird, denn die Arbeit ist gerade insofern ein Selbstzweck, als sie die Verwertung des Geldkapitals trägt &#8211; die unendliche Vermehrung von Geld um seiner selbst willen. Arbeit ist die Tätigkeitsform dieses absurden Selbstzwecks. Nur deshalb, nicht aus sachlichen Gründen, werden alle Produkte als Waren produziert. Denn allein in dieser Form repräsentieren sie das Abstraktum Geld, dessen Inhalt das Abstraktum Arbeit ist. Darin besteht der Mechanismus der verselbständigten gesellschaftlichen Tretmühle, in der die moderne Menschheit gefangengehalten wird.</p>
<p>Und eben deshalb ist auch der Inhalt der Produktion ebenso gleichgültig wie der Gebrauch der produzierten Dinge und wie die sozialen und natürlichen Folgen. Ob Häuser gebaut oder Tretminen hergestellt, Bücher gedruckt oder Gentomaten gezüchtet werden, ob darüber Menschen erkranken, ob die Luft vergiftet wird oder &#8220;nur&#8221; der gute Geschmack unter die Räder kommt &#8211; all das ist nicht von Belang, solange sich nur, auf welche Weise auch immer, die Ware in Geld und das Geld in neue Arbeit verwandeln läßt. Daß die Ware einen konkreten Gebrauch verlangt, und sei es einen destruktiven, ist für die betriebswirtschaftliche Rationalität völlig uninteressant, denn für diese gilt das Produkt nur als Träger von vergangener Arbeit, von &#8220;toter Arbeit&#8221;.</p>
<p>Die Anhäufung von &#8220;toter Arbeit&#8221; als Kapital, dargestellt in der Geldform, ist der einzige &#8220;Sinn&#8221;, den das moderne warenproduzierende System kennt. &#8220;Tote Arbeit&#8221;? Eine metaphysische Verrücktheit! Ja, aber eine zur handgreiflichen Realität gewordene Metaphysik, eine &#8220;versachlichte&#8221; Verrücktheit, die diese Gesellschaft im eisernen Griff hält. Im ewigen Kaufen und Verkaufen tauschen sich die Menschen nicht als selbstbewußte gesellschaftliche Wesen aus, sondern sie exekutieren als soziale Automaten nur den ihnen vorausgesetzten Selbstzweck.</p>
<blockquote><p><em>Der Arbeiter fühlt sich daher erst außer der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet, und wenn er arbeitet ist er nicht zu Haus. Seine Arbeit ist daher nicht freiwillig, sondern gezwungen, </em>Zwangsarbeit<em>. Sie ist daher nicht die Befrieidgung eines Bedürfnisses, sondern sie ist nur ein </em>Mittel<em>, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen. Ihre Fremdheit tritt darin rein hervor, daß, sobald kein physischer oder sonstiger Zwang existiert, die Arbeit als eine Pest geflohen wird.</em></p>
<p><em>(Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, 1844)</em></p></blockquote>
<h4>6. Arbeit und Kapital sind die beiden Seiten derselben Medaille</h4>
<p>Die politische Linke hat die Arbeit immer besonders eifernd verehrt. Sie hat die Arbeit nicht nur zum Wesen des Menschen erhoben, sondern sie damit auch zum vermeintlichen Gegenprinzip des Kapitals mystifiziert. Nicht die Arbeit galt ihr als Skandal, sondern bloß ihre Ausbeutung durch das Kapital. Deshalb war das Programm sämtlicher &#8220;Arbeiterparteien&#8221; auch immer nur die &#8220;Befreiung der Arbeit&#8221;, nicht aber die Befreiung von der Arbeit. Der soziale Gegensatz von Kapital und Arbeit ist aber bloß der Gegensatz unterschiedlicher (wenn auch unterschiedlich mächtiger) Interessen innerhalb des kapitalistischen Selbstzwecks. Der Klassenkampf war die Austragungsform dieser gegensätzlichen Interessen auf dem gemeinsamen gesellschaftlichen Boden des warenproduzierenden Systems. Er gehörte der inneren Bewegungsdynamik der Kapitalverwertung an. Ob der Kampf nun um Löhne, um Rechte, um Arbeitsbedingungen oder um Arbeitsplätze geführt wurde: seine blinde Voraussetzung blieb stets die herrschende Tretmühle mit ihren irrationalen Prinzipien.</p>
<p>Vom Standpunkt der Arbeit zählt der qualitative Inhalt der Produktion genauso wenig wie vom Standpunkt des Kapitals. Was interessiert, ist einzig die Möglichkeit, die Arbeitskraft optimal zu verkaufen. Es geht nicht um die gemeinsame Bestimmung über den Sinn und Zweck des eigenen Tuns. Wenn es die Hoffnung jemals gab, eine solche Selbstbestimmung der Produktion könnte in den Formen des warenproduzierenden Systems verwirklicht werden, so haben die &#8220;Arbeitskräfte&#8221; sich diese Illusion schon längst abgeschminkt. Es geht nur noch um &#8220;Arbeitsplätze&#8221;, um &#8220;Beschäftigung&#8221; &#8211; schon die Begriffe beweisen den Selbstzweck-Charakter der ganzen Veranstaltung und die Unmündigkeit der Beteiligten.</p>
<p>Was und wofür und mit welchen Folgen produziert wird, ist dem Verkäufer der Ware Arbeitskraft letzten Endes genauso herzlich egal wie dem Käufer. Die Arbeiter der Atomkraftwerke und der Chemiefabriken protestieren am lautesten, wenn ihre tickenden Zeitbomben entschärft werden sollen. Und die &#8220;Beschäftigten&#8221; von Volkswagen, Ford oder Toyota sind die fanatischsten Anhänger des automobilen Selbstmordprogramms. Nicht etwa bloß deswegen, weil sie sich gezwungenermaßen verkaufen müssen, um überhaupt leben zu &#8220;dürfen&#8221;, sondern weil sie sich tatsächlich mit diesem bornierten Dasein identifizieren. Soziologen, Gewerkschaftern, Pfarrern und anderen Berufstheologen der &#8220;sozialen Frage&#8221; gilt das als Beweis für den ethisch-moralischen Wert der Arbeit. Arbeit bildet Persönlichkeit, sagen sie. Zu recht. Nämlich die Persönlichkeit von Zombis der Warenproduktion, die sich ein Leben außerhalb ihrer heißgeliebten Tretmühle gar nicht mehr vorstellen können, für die sie sich tagtäglich selber zurichten.</p>
<p>So wenig aber die Arbeiterklasse als Arbeiterklasse jemals der antagonistische Widerspruch des Kapitals und das Subjekt der menschlichen Emanzipation war, ebensowenig steuern umgekehrt die Kapitalisten und Manager die Gesellschaft nach der Bösartigkeit eines subjektiven Ausbeuterwillens. Keine herrschende Kaste in der Geschichte hat jemals ein derart unfreies und erbärmliches Leben geführt wie die gehetzten Manager von Microsoft, Daimler-Chrysler oder Sony. Jeder mittelalterliche Gutsherr hätte diese Leute abgrundtief verachtet. Denn während er sich der Muße hingeben und seinen Reichtum mehr oder weniger orgiastisch verprassen konnte, dürfen sich die Eliten der Arbeitsgesellschaft selber keine Pause gönnen. Außerhalb der Tretmühle wissen auch sie nichts anderes mit sich anzufangen als wieder kindisch zu werden; Muße, Lust an der Erkenntnis und sinnlicher Genuß sind ihnen so fremd wie ihrem Menschenmaterial. Sie sind selber nur Knechte des Arbeitsgötzen, bloße Funktionseliten des irrationalen gesellschaftlichen Selbstzwecks.</p>
<p>Der herrschende Götze weiß seinen subjektlosen Willen über den &#8220;stummen Zwang&#8221; der Konkurrenz durchzusetzen, dem sich auch die Mächtigen beugen müssen, gerade wenn sie hunderte von Fabriken managen und Milliardensummen über den Globus schieben. Tun sie es nicht, werden sie ebenso rücksichtslos ausrangiert wie die überflüssigen &#8220;Arbeitskräfte&#8221;. Aber gerade ihre eigene Unmündigkeit macht die Funktionäre des Kapitals so maßlos gefährlich, nicht ihr subjektiver Ausbeuterwille. Sie dürfen am allerwenigsten nach dem Sinn und den Folgen ihres rastlosen Tuns fragen, Gefühle und Rücksichten können sie sich nicht leisten. Deshalb nennen sie es Realismus, wenn sie die Welt verwüsten, die Städte verhäßlichen und die Menschen mitten im Reichtum verarmen lassen.</p>
<blockquote><p><em>Die Arbeit bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: der Hang zur Freude nennt sich bereits &#8220;Bedürfnis der Erholung&#8221; und fängt an, sich vor sich selber zu schämen. &#8220;Man ist es seiner Gesundheit schuldig&#8221; &#8211; so redet man, wenn man auf einer Landpartie ertappt wird. Ja es könnte bald so weit kommen, daß man einem Hange zur vita contemplativa (das heißt zum Spazierengehen mit Gedanken und Freunden) nicht ohne Selbstverachtung und schlechtes Gewissen nachgäbe.</em></p>
<p><em>(Friedrich Nietzsche, Muße und Müßiggang, 1882)</em></p></blockquote>
<h4>7. Arbeit ist patriarchale Herrschaft</h4>
<p>Auch wenn die Logik der Arbeit und ihrer Verwurstung zur Geldmaterie danach drängt, so lassen sich doch nicht alle gesellschaftlichen Bereiche und notwendigen Tätigkeiten in diese Sphäre der abstrakten Zeit hineinpressen. Deshalb entstand zusammen mit der &#8220;herausgelösten&#8221; Sphäre der Arbeit, gewissermaßen als deren Rückseite, auch die Sphäre des privaten Haushalts, der Familie und der Intimität.</p>
<p>In diesem als &#8220;weiblich&#8221; definierten Bereich verbleiben die vielen und wiederkehrenden Tätigkeiten des alltäglichen Lebens, die sich nicht oder nur ausnahmsweise in Geld verwandeln lassen: vom Putzen und Kochen über die Kindererziehung und die Pflege alter Menschen bis zur &#8220;Liebesarbeit&#8221; der idealtypischen Hausfrau, die ihren ausgelaugten Arbeitsmann betütert und ihn &#8220;Gefühle tanken&#8221; läßt. Die Sphäre der Intimität als Rückseite der Arbeit wird deshalb von der bürgerlichen Familienideologie zum Hort des &#8220;eigentlichen Lebens&#8221; verklärt &#8211; auch wenn sie in der Realität meistens eher eine Intimhölle ist. Es handelt sich eben nicht um eine Sphäre des besseren und wahren Lebens, sondern um eine ebenso bornierte und reduzierte Form des Daseins, die nur mit einem anderen Vorzeichen versehen wird. Diese Sphäre ist selber ein Produkt der Arbeit, von dieser zwar abgespalten, aber doch nur existent im Bezug auf sie. Ohne den abgespaltenen sozialen Raum der &#8220;weiblichen&#8221; Tätigkeitsformen hätte die Arbeitsgesellschaft niemals funktionieren können. Dieser Raum ist ihre stumme Voraussetzung und gleichzeitig ihr spezifisches Resultat.</p>
<p>Das gilt auch für die geschlechtlichen Stereotypen, die in der Entwicklung des warenproduzierenden Systems ihre Verallgemeinerung erfuhren. Nicht zufällig verfestigte sich das Bild der natur- und triebhaften, irrationalen und emotional gesteuerten Frau erst zusammen mit dem des kulturschaffenden, vernünftigen und beherrschten Arbeitsmannes zum Massenvorurteil. Und nicht zufällig ging die Selbstzurichtung des weißen Mannes für die Zumutungen der Arbeit und ihrer staatlichen Menschenverwaltung mit einer jahrhundertelangen wütenden &#8220;Hexenverfolgung&#8221; einher. Auch die gleichzeitig beginnende naturwissenschaftliche Weltaneignung war schon in ihren Wurzeln kontaminiert durch den arbeitsgesellschaftlichen Selbstzweck und seine geschlechtlichen Zuschreibungen. Auf diese Weise trieb der weiße Mann, um reibungslos funktionieren zu können, all die Gefühlslagen und emotionalen Bedürfnisse aus sich selber aus, die im Reich der Arbeit nur als Störfaktoren zählen.</p>
<p>Im 20. Jahrhundert, besonders in den fordistischen Nachkriegs-Demokratien, wurden die Frauen zunehmend in das System der Arbeit einbezogen. Aber das Resultat war nur ein weibliches Schizo-Bewußtsein. Denn einerseits konnte das Vordringen der Frauen in die Sphäre der Arbeit keine Befreiung bringen, sondern nur dieselbe Zurichtung für den Arbeitsgötzen wie bei den Männern. Andererseits blieb die Struktur der &#8220;Abspaltung&#8221; ungebrochen bestehen und damit auch die Sphäre der als &#8220;weiblich&#8221; definierten Tätigkeiten außerhalb der offiziellen Arbeit. Die Frauen wurden auf diese Weise einer Doppelbelastung unterworfen und gleichzeitig völlig gegensätzlichen sozialen Imperativen ausgesetzt. Innerhalb der Sphäre der Arbeit bleiben sie bis heute überwiegend auf schlechter bezahlte und subalterne Positionen verwiesen.</p>
<p>Daran wird kein systemkonformer Kampf für Frauenquoten und weibliche Karriere-Chancen etwas ändern. Die erbärmliche bürgerliche Vision einer &#8220;Vereinbarkeit von Beruf und Familie&#8221; läßt die Sphärentrennung des warenproduzierenden Systems und damit die geschlechtliche &#8220;Abspaltungs&#8221;-Struktur völlig unangetastet. Für die Mehrheit der Frauen ist diese Perspektive unlebbar, für eine Minderheit von &#8220;Besserverdienenden&#8221; wird sie zur perfiden Gewinnerposition in der sozialen Apartheid, indem sie Haushalt und Kinderbetreuung an schlechtbezahlte (und &#8220;selbstverständlich&#8221; weibliche) Angestellte delegieren können.</p>
<p>In der Gesamtgesellschaft wird die bürgerlich geheiligte Sphäre des sogenannten Privatlebens und der Familie in Wahrheit immer weiter ausgehöhlt und degradiert, weil die arbeitsgesellschaftliche Usurpation die ganze Person, völlige Aufopferung, Mobilität und zeitliche Anpassung fordert. Das Patriarchat wird nicht abgeschafft, es verwildert nur in der uneingestandenen Krise der Arbeitsgesellschaft. In demselben Maße, wie das warenproduzierende System zusammenbricht, werden die Frauen für das Überleben auf allen Ebenen verantwortlich gemacht, während die &#8220;männliche&#8221; Welt die Kategorien der Arbeitsgesellschaft simulativ verlängert.</p>
<blockquote><p><em>Furchtbares hat die Menschheit sich antun müssen, bis das Selbst, der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen geschaffen war, und etwas davon wird noch in jeder Kindheit wiederholt.</em></p>
<p><em>(Max Horkheimer/Theodor W. Adorno: Dialektik der Aufklärung)</em></p></blockquote>
<h4>8. Arbeit ist die Tätigkeit der Unmündigen</h4>
<p>Nicht nur faktisch, sondern auch begrifflich läßt sich die Identität von Arbeit und Unmündigkeit nachweisen. Noch vor wenigen Jahrhunderten war der Zusammenhang zwischen Arbeit und sozialem Zwang den Menschen durchaus bewußt. In den meisten europäischen Sprachen bezieht sich der Begriff &#8220;Arbeit&#8221; ursprünglich nur auf die Tätigkeit des unmündigen Menschen, des Abhängigen, des Knechts oder des Sklaven. Im germanischen Sprachraum bezeichnet das Wort die Schufterei eines verwaisten und daher in Leibeigenschaft geratenen Kindes. &#8220;Laborare&#8221; bedeutete im Lateinischen so viel wie &#8220;Schwanken unter einer schweren Last&#8221; und meint allgemein gefaßt das Leiden und die Schinderei des Sklaven. Die romanischen Wörter &#8220;travail&#8221;, &#8220;trabajo&#8221; etc. leiten sich von dem lateinischen &#8220;tripalium&#8221; ab, einer Art Joch, das zur Folter und Bestrafung von Sklaven und anderen Unfreien eingesetzt wurde. In der deutschen Redeweise vom &#8220;Joch der Arbeit&#8221; klingt noch eine Ahnung davon nach.</p>
<p>&#8220;Arbeit&#8221; ist also auch dem Wortstamm nach kein Synonym für selbstbestimmte menschliche Tätigkeit, sondern verweist auf ein unglückliches soziales Schicksal. Es ist die Tätigkeit derjenigen, die ihre Freiheit verloren haben. Die Ausdehnung der Arbeit auf alle Gesellschaftsmitglieder ist daher nichts als die Verallgemeinerung von knechtischer Abhängigkeit und die moderne Anbetung der Arbeit bloß die quasi-religiöse Überhöhung dieses Zustandes.</p>
<p>Dieser Zusammenhang konnte erfolgreich verdrängt und die soziale Zumutung verinnerlicht werden, weil die Verallgemeinerung der Arbeit mit ihrer &#8220;Versachlichung&#8221; durch das moderne warenproduzierende System einherging: Die meisten Menschen stehen nicht mehr unter der Knute eines persönlichen Herrn. Die soziale Abhängigkeit ist zu einem abstrakten Systemzusammenhang geworden &#8211; und gerade dadurch total. Sie ist überall spürbar und gerade deshalb kaum zu fassen. Wo jeder zum Knecht geworden ist, ist jeder auch gleichzeitig Herr &#8211; als sein eigener Sklavenhändler und Aufseher. Und alle gehorchen dem unsichtbaren Systemgötzen, dem &#8220;Großen Bruder&#8221; der Kapitalverwertung, der sie unter das &#8220;tripalium&#8221; geschickt hat.</p>
<h4>9. Die blutige Durchsetzungsgeschichte der Arbeit</h4>
<p>Die Geschichte der Moderne ist die Durchsetzungsgeschichte der Arbeit, die auf dem ganzen Planeten eine breite Spur der Verwüstung und des Grauens gezogen hat. Denn nicht immer war die Zumutung, den größten Teil der Lebensenergie für einen fremdbestimmten Selbstzweck zu vergeuden, derart verinnerlicht wie heute. Es bedurfte mehrerer Jahrhunderte der offenen Gewalt im großen Maßstab, um die Menschen in den bedingungslosen Dienst des Arbeitsgötzen buchstäblich hineinzufoltern.</p>
<p>Am Anfang stand nicht die angeblich &#8220;wohlfahrtssteigernde&#8221; Ausdehnung der Marktbeziehungen, sondern der unersättliche Geldhunger der absolutistischen Staatsapparate, um die frühmodernen Militärmaschinen zu finanzieren. Nur durch das Interesse dieser Apparate, die erstmals in der Geschichte die ganze Gesellschaft in einen bürokratischen Würgegriff nahmen, beschleunigte sich die Entwicklung des städtischen Kaufmanns- und Finanzkapitals über die traditionellen Handelsbeziehungen hinaus. Erst auf diese Weise wurde das Geld zu einem zentralen gesellschaftlichen Motiv und das Abstraktum Arbeit zu einer zentralen gesellschaftlichen Anforderung ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse.</p>
<p>Nicht freiwillig gingen die meisten Menschen zur Produktion für anonyme Märkte und damit zur allgemeinen Geldwirtschaft über, sondern weil der absolutistische Geldhunger die Steuern monetarisiert und gleichzeitig exorbitant erhöht hatte. Nicht für sich selbst mußten sie &#8220;Geld verdienen&#8221;, sondern für den militarisierten frühmodernen Feuerwaffen-Staat, seine Logistik und seine Bürokratie. So und nicht anders ist der absurde Selbstzweck der Kapitalverwertung und damit der Arbeit in die Welt gekommen.</p>
<p>Bald genügten monetäre Steuern und Abgaben nicht mehr. Die absolutistischen Bürokraten und finanzkapitalistischen Verwalter machten sich daran, die Menschen direkt als das Material einer gesellschaftlichen Maschine für die Verwandlung von Arbeit in Geld zwangsweise zu organisieren. Die traditionelle Lebens- und Existenzweise der Bevölkerung wurde zerstört; nicht weil diese Bevölkerung sich freiwillig und selbstbestimmt &#8220;weiterentwickelt&#8221; hätte, sondern weil sie als Menschenmaterial der angeworfenen Verwertungsmaschine herhalten sollte. Die Menschen wurden mit Waffengewalt von ihren Feldern vertrieben, um der Schafzucht für die Wollmanufakturen Platz zu machen. Alte Rechte wie das freie Jagen, Fischen und Holzsammeln in den Wäldern wurden abgeschafft. Und wenn die verarmten Massen dann bettelnd und stehlend durch die Lande zogen, wurden sie in Arbeitshäuser und Manufakturen eingesperrt, um sie mit Arbeitsfoltermaschinen zu malträtieren und ihnen ein Sklavenbewußtsein von gefügigen Arbeitstieren einzuprügeln.</p>
<p>Aber auch diese schubweise Verwandlung ihrer Untertanen in das Material des geldmachenden Arbeitsgötzen reichte den absolutistischen Monsterstaaten noch lange nicht. Sie dehnten ihren Anspruch auch auf andere Kontinente aus. Die innere Kolonisierung Europas ging einher mit der äußeren, zuerst in den beiden Amerika und in Teilen Afrikas. Hier ließen die Einpeitscher der Arbeit endgültig alle Hemmungen fallen. In bis dahin beispiellosen Raub-, Zerstörungs- und Ausrottungsfeldzügen fielen sie über die neu &#8220;entdeckten&#8221; Welten her &#8211; galten doch die dortigen Opfer noch nicht einmal mehr als Menschen. Die menschenfressenden europäischen Mächte der heraufdämmernden Arbeitsgesellschaft definierten die unterjochten fremden Kulturen als &#8220;Wilde&#8221; und &#8211; Menschenfresser.</p>
<p>Damit war die Legitimation geschaffen, sie auszulöschen oder millionenfach zu versklaven. Buchstäbliche Sklaverei in der kolonialen Plantagen- und Rohstoffwirtschaft, die in ihren Dimensionen noch die antike Sklavenhaltung übertraf, gehört zu den Gründungsverbrechen des warenproduzierenden Systems. Hier wurde zum ersten Mal die &#8220;Vernichtung durch Arbeit&#8221; im großen Stil betrieben. Das war die zweite Grundlegung der Arbeitsgesellschaft. An den &#8220;Wilden&#8221; konnte der weiße Mann, der schon gezeichnet war von der Selbstdisziplinierung, seinen verdrängten Selbsthaß und Minderwertigkeitskomplex austoben. Ähnlich wie &#8220;die Frau&#8221; galten sie ihm als naturnahe und primitive Halbwesen zwischen Tier und Mensch. Immanuel Kant mutmaßte messerscharf, daß Paviane sprechen könnten, wenn sie nur wollten; sie täten es nur deshalb nicht, weil sie sonst befürchten müßten, zur Arbeit herangezogen zu werden.</p>
<p>Dieses groteske Räsonnement wirft ein verräterisches Licht auf die Aufklärung. Das repressive Arbeitsethos der Moderne, das sich in seiner ursprünglichen protestantischen Version auf die Gnade Gottes und seit der Aufklärung auf das Naturgesetz berief, wurde als &#8220;zivilisatorische Mission&#8221; maskiert. Kultur in diesem Sinne ist freiwillige Unterwerfung unter die Arbeit; und Arbeit ist männlich, weiß und &#8220;abendländisch&#8221;. Das Gegenteil, die nicht-menschliche, unförmige und kulturlose Natur, ist weiblich, farbig und &#8220;exotisch&#8221;, also dem Zwang auszusetzen. Mit einem Wort, der &#8220;Universalismus&#8221; der Arbeitsgesellschaft ist schon von seiner Wurzel her durch und durch rassistisch. Das universelle Abstraktum Arbeit kann sich immer nur selbst definieren durch Abgrenzung von allem, was nicht in ihm aufgeht.</p>
<p>Es waren nicht die friedlichen Kaufleute der alten Handelswege, aus denen das moderne Bürgertum hervorgegangen ist, das schließlich den Absolutismus beerbte. Es waren vielmehr die Condottieri der frühmodernen Söldnerhaufen, die Arbeits- und Zuchthausverwalter, Pächter der Steuereintreibung, Sklavenaufseher und andere Halsabschneider, die den sozialen Mutterboden für das moderne &#8220;Unternehmertum&#8221; bildeten. Die bürgerlichen Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts hatten nichts mit sozialer Emanzipation zu tun; sie schichteten nur die Machtverhältnisse innerhalb des entstandenen Zwangssystems um, lösten die Institutionen der Arbeitsgesellschaft von den veralteten dynastischen Interessen ab und trieben ihre Versachlichung und Entpersönlichung voran. Es war die glorreiche Französiche Revolution, die mit besonderem Pathos eine Pflicht zur Arbeit verkündete und in einem &#8220;Gesetz zur Beseitigung des Bettelwesens&#8221; neue Arbeitszuchthäuser einführte.</p>
<p>Das war das genaue Gegenteil dessen, was die sozialrebellischen Bewegungen erstrebten, die am Rande der bürgerlichen Revolutionen aufflammten, ohne darin aufzugehen. Schon viel früher hatte es ganz eigenständige Formen des Widerstands und der Verweigerung gegeben, mit denen die offizielle Geschichtsschreibung der Arbeits- und Modernisierungsgesellschaft nichts anfangen kann. Die Produzenten der alten Agrargesellschaften, die sich auch mit den feudalen Herrschaftsverhältnissen niemals völlig reibungslos abgefunden hatten, wollten sich erst recht nicht damit abfinden, zur &#8220;Arbeiterklasse&#8221; eines ihnen äußerlichen Systemzusammenhangs gemacht zu werden. Von den Bauernkriegen des 15. und 16. Jahrhunderts bis zu den Erhebungen der später als &#8220;Maschinenstürmer&#8221; denunzierten Bewegungen in England und dem Aufstand der schlesischen Weber von 1844 zieht sich eine einzige Kette von erbitterten Widerstandskämpfen gegen die Arbeit. Die Durchsetzung der Arbeitsgesellschaft und ein bald offener, bald latenter Bürgerkrieg waren über Jahrhunderte hinweg ein und dasselbe.</p>
<p>Die alten agrarischen Gesellschaften waren alles andere als paradiesisch. Aber der ungeheure Zwang der hereinbrechenden Arbeitsgesellschaft wurde von der Mehrheit nur als Verschlechterung und als &#8220;Zeit der Verzweiflung&#8221; erlebt. Tatsächlich hatten die Menschen trotz aller Enge der Verhältnisse noch etwas zu verlieren. Was im falschen Bewußtsein der modernen Welt als Finsternis und Plage eines erfundenen Mittelalters erscheint, waren in Wirklichkeit die Schrecken ihrer eigenen Geschichte. In den vor- und nichtkapitalistischen Kulturen innerhalb wie außerhalb Europas war die tägliche ebenso wie die jährliche Zeit der Produktionstätigkeit weitaus geringer als selbst heute noch für die modernen &#8220;Beschäftigten&#8221; in Fabrik und Büro. Und diese Produktion war bei weitem nicht derart verdichtet wie in der Arbeitsgesellschaft, sondern durchsetzt von einer ausgeprägten Kultur der Muße und der relativen &#8220;Langsamkeit&#8221;. Von Naturkatastrophen abgesehen waren die materiellen Grundbedürfnisse für die meisten weitaus besser gesichert als über weite Strecken der Modernisierungsgeschichte &#8211; und auch besser als in den Horror-Slums der heutigen Krisenwelt. Auch die Herrschaft ging nicht derart bis auf die Haut wie in der durchbürokratisierten Arbeitsgesellschaft.</p>
<p>Deshalb konnte der Widerstand gegen die Arbeit nur militärisch gebrochen werden. Bis heute heucheln sich die Ideologen der Arbeitsgesellschaft darüber hinweg, daß die Kultur der vormodernen Produzenten nicht &#8220;entwickelt&#8221;, sondern in ihrem Blut erstickt wurde. Die abgeklärten Arbeits-Demokraten von heute lasten all diese Ungeheuerlichkeiten am liebsten den &#8220;vordemokratischen Zuständen&#8221; einer Vergangenheit an, mit der sie nichts mehr zu tun hätten. Sie wollen nicht wahrhaben, daß die terroristische Urgeschichte der Moderne verräterisch das Wesen auch der heutigen Arbeitsgesellschaft enthüllt. Die bürokratische Arbeitsverwaltung und staatliche Menschenerfassung in den industriellen Demokratien konnte ihre absolutistischen und kolonialen Ursprünge niemals verleugnen. In der Form der Versachlichung zu einem unpersönlichen Systemzusammenhang ist die repressive Menschenverwaltung im Namen des Arbeitsgötzen sogar noch angewachsen und hat alle Lebensbereiche durchdrungen. Gerade heute wird in der Agonie der Arbeit der eiserne bürokratische Griff wieder fühlbar wie in der Frühzeit der Arbeitsgesellschaft. Die Arbeitsverwaltung enthüllt sich als das Zwangssystem, das sie immer gewesen ist, indem sie die soziale Apartheid organisiert und die Krise durch demokratische Staatssklaverei vergeblich zu bannen sucht. Ähnlich kehrt der koloniale Ungeist wieder in der ökonomischen Zwangsverwaltung der bereits reihenweise ruinierten Länder in der Peripherie durch den Internationalen Währungsfonds. Nach dem Tod ihres Götzen besinnt sich die Arbeitsgesellschaft in jeder Hinsicht auf die Methoden ihrer Gründungsverbrechen, die sie dennoch nicht retten können.</p>
<blockquote><p><em>Der Barbar ist faul, und unterscheidet sich vom Gebildeten dadurch, daß er in der Stumpfheit vor sich hin brütet, denn die praktische Bildung besteht eben in der Gewohnheit und in dem Bedürfen der Beschäftigung.</em></p>
<p><em>(Georg W. F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, 1821)</em></p>
<p><em>Im Grunde fühlt man jetzt [...], daß eine solche Arbeit die beste Polizei ist, daß sie jeden im Zaume hält und die Entwicklung der Vernunft, der Begehrlichkeit, des Unabhängigkeitsgelüstes kräftig zu hindern versteht. Denn sie verbraucht außerordentlich viel Nervenkraft und entzieht dieselbe dem Nachdenken, Grübeln, Träumen, Sorgen, Lieben, Hassen.</em></p>
<p><em>(Friedrich Nietzsche, Die Lobredner der Arbeit, 1881)</em></p></blockquote>
<h4>10. Die Arbeiterbewegung war eine Bewegung für die Arbeit</h4>
<p>Die klassische Arbeiterbewegung, die erst lange nach dem Untergang der alten Sozialrevolten ihren Aufstieg erlebte, kämpfte nicht mehr gegen die Zumutung der Arbeit, sondern entwickelte geradezu eine Überidentifikation mit dem scheinbar Unausweichlichen. Ihr ging es nur noch um &#8220;Rechte&#8221; und Verbesserungen innerhalb der Arbeitsgesellschaft, deren Zwänge sie schon weitgehend verinnerlicht hatte. Statt die Verwandlung menschlicher Energie in Geld als irrationalen Selbstzweck radikal zu kritisieren, nahm sie selber den &#8220;Standpunkt der Arbeit&#8221; ein und begriff die Verwertung als positiven, neutralen Tatbestand.</p>
<p>So trat die Arbeiterbewegung auf ihre Weise das Erbe von Absolutismus, Protestantismus und bürgerlicher Aufklärung an. Aus dem Unglück der Arbeit wurde der falsche Stolz der Arbeit, der die eigene Domestizierung zum Menschenmaterial des modernen Götzen in ein &#8220;Menschenrecht&#8221; umdefinierte. Die domestizierten Heloten der Arbeit drehten gewissermaßen den Spieß ideologisch um und entwickelten einen missionarischen Eifer, einerseits das &#8220;Recht auf Arbeit&#8221; einzuklagen und andererseits die &#8220;Arbeitspflicht für alle&#8221; zu fordern. Das Bürgertum wurde nicht als Funktionsträger der Arbeitsgesellschaft bekämpft, sondern im Gegenteil gerade im Namen der Arbeit als parasitär beschimpft. Ausnahmslos alle Gesellschaftsmitglieder sollten in die &#8220;Armeen der Arbeit&#8221; zwangsrekrutiert werden.</p>
<p>Die Arbeiterbewegung wurde so selber zu einem Schrittmacher der kapitalistischen Arbeitsgesellschaft. Sie war es, die gegen die bornierten bürgerlichen Funktionsträger des 19. und frühen 20. Jahrhunderts im Entwicklungsprozeß der Arbeit die letzten Stufen der Versachlichung durchsetzte; ganz ähnlich, wie ein Jahrhundert zuvor das Bürgertum den Absolutismus beerbt hatte. Das war nur möglich, weil die Arbeiterparteien und Gewerkschaften sich im Zuge ihrer Arbeitsvergottung auch positiv auf den Staatsapparat und die Institutionen der repressiven Arbeitsverwaltung bezogen, die sie nicht abschaffen, sondern selber in einer Art &#8220;Marsch durch die Institutionen&#8221; besetzen wollten. Damit übernahmen sie ebenso wie vorher das Bürgertum die bürokratische Tradition arbeitsgesellschaftlicher Menschenverwaltung seit dem Absolutismus.</p>
<p>Die Ideologie einer sozialen Verallgemeinerung der Arbeit erforderte allerdings auch ein neues politisches Verhältnis. An die Stelle der ständischen Gliederung mit unterschiedlichen politischen &#8220;Rechten&#8221; (z.B. Wahlrecht nach Steuerklassen) in der erst halb durchgesetzten Arbeitsgesellschaft mußte die allgemeine demokratische Gleichheit des vollendeten &#8220;Arbeitsstaats&#8221; treten. Und die Ungleichmäßigkeiten im Lauf der Verwertungsmaschine, sobald sie das gesamte gesellschaftliche Leben bestimmte, mußten &#8220;sozialstaatlich&#8221; ausgeglichen werden. Auch dafür lieferte die Arbeiterbewegung das Paradigma. Unter dem Namen &#8220;Sozialdemokratie&#8221; wurde sie zur größten &#8220;Bürgerbewegung&#8221; in der Geschichte, die doch nichts weiter sein konnte als eine selbst gestellte Falle. Denn in der Demokratie wird alles verhandelbar, nur nicht die Zwänge der Arbeitsgesellschaft, die vielmehr axiomatisch vorausgesetzt sind. Was zur Debatte steht, können allein die Modalitäten und Verlaufsformen dieser Zwänge sein. Es gibt immer nur die Wahl zwischen Omo und Persil, zwischen Pest und Cholera, zwischen Frechheit und Dummheit, zwischen Kohl und Schröder.</p>
<p>Die arbeitsgesellschaftliche Demokratie ist das perfideste Herrschaftssystem der Geschichte &#8211; ein System der Selbstunterdrückung. Deshalb organisiert diese Demokratie auch niemals die freie Selbstbestimmung der Gesellschaftsmitglieder über die gemeinsamen Ressourcen, sondern stets nur die Rechtsform der sozial voneinander getrennten Arbeitsmonaden, die konkurrierend ihre Haut auf die Arbeitsmärkte tragen müssen. Demokratie ist das Gegenteil von Freiheit. Und so zerfallen die demokratischen Arbeitsmenschen notwendigerweise in Verwalter und Verwaltete, Unternehmer und Unternommene, Funktionseliten und Menschenmaterial. Die politischen Parteien, gerade auch die Arbeiterparteien, spiegeln dieses Verhältnis in ihrer eigenen Struktur getreulich wieder. Führer und Geführte, Promis und Fußvolk, Seilschaften und Mitläufer verweisen auf ein Verhältnis, das nichts mit einer offenen Debatte und Entscheidungsfindung zu tun hat. Es ist integraler Bestandteil dieser Systemlogik, daß die Eliten selber nur unselbständige Funktionäre des Arbeitsgötzen und seiner blinden Ratschlüsse sein können.</p>
<p>Spätestens seit den Nazis sind alle Parteien Arbeiterparteien und gleichzeitig Parteien des Kapitals. In den &#8220;Entwicklungsgesellschaften&#8221; des Ostens und Südens mutierte die Arbeiterbewegung zur staatsterroristischen Partei der nachholenden Modernisierung; im Westen zu einem System von &#8220;Volksparteien&#8221; mit auswechselbaren Programmen und medialen Repräsentationsfiguren. Der Klassenkampf ist zu Ende, weil die Arbeitsgesellschaft am Ende ist. Die Klassen erweisen sich als soziale Funktionskategorien eines gemeinsamen Fetischsystems in demselben Maße, wie dieses System abstirbt. Wenn Sozialdemokratie, Grüne und Ex-Kommunisten sich in der Krisenverwaltung hervortun und besonders niederträchtige Repressionsprogramme entwerfen, dann erweisen sie sich damit nur als legitime Erben einer Arbeiterbewegung, die nie etwas anderes wollte als Arbeit um jeden Preis.</p>
<blockquote><p><em>Die Arbeit muß das Szepter führen,<br />
</em><em>Knecht soll nur sein, wer müßig geht,<br />
</em><em>Die Arbeit muß die Welt regieren,<br />
Weil nur durch sie die Welt besteht.</em></p>
<p><em>(Friedrich Stampfer, Der Arbeit Ehre, 1903)</em></p></blockquote>
<h4>11. Die Krise der Arbeit</h4>
<p>Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte es für einen kurzen historischen Augenblick so scheinen, als hätte sich die Arbeitsgesellschaft in den fordistischen Industrien zu einem System &#8220;immerwährender Prosperität&#8221; konsolidiert, in dem die Unerträglichkeit des zwanghaften Selbstzwecks durch Massenkonsum und Sozialstaat dauerhaft zu befrieden wäre. Abgesehen davon, daß diese Vorstellung schon immer eine demokratische Heloten-Idee war, die sich nur auf eine kleine Minderheit der Weltbevölkerung bezog, mußte sie sich auch in den Zentren blamieren. Mit der dritten industriellen Revolution der Mikroelektronik stößt die Arbeitsgesellschaft an ihre absolute historische Schranke.</p>
<p>Daß diese Schranke früher oder später erreicht werden mußte, war logisch vorhersehbar. Denn das warenproduzierende System leidet von Geburt an unter einem unheilbaren Selbstwiderspruch. Einerseits lebt es davon, massenhaft menschliche Energie durch Verausgabung von Arbeitskraft in seine Maschinerie aufzusaugen, je mehr desto besser. Andererseits aber erzwingt das Gesetz der betriebswirtschaftlichen Konkurrenz eine permanente Steigerung der Produktivität, in der menschliche Arbeitskraft durch verwissenschaftlichtes Sachkapital ersetzt wird.</p>
<p>Dieser Selbstwiderspruch war schon die tiefere Ursache aller früheren Krisen, darunter der verheerenden Weltwirtschaftskrise von 1929-33. Die Krisen konnten jedoch durch einen Mechanismus der Kompensation immer wieder überwunden werden: Auf dem jeweils höheren Niveau der Produktivität wurde nach einer gewissen Inkubationszeit durch Ausdehnung der Märkte auf neue Käuferschichten absolut mehr Arbeit wieder eingesaugt, als vorher wegrationalisiert worden war. Der Aufwand an Arbeitskraft pro Produkt verminderte sich, aber es wurden absolut mehr Produkte in einem Ausmaß hergestellt, daß diese Verminderung überkompensiert werden konnte. Solange also die Produkt-Innovationen die Prozeß-Innovationen überstiegen, konnte der Selbstwiderspruch des Systems in eine Expansionsbewegung übersetzt werden.</p>
<p>Das herausragende historische Beispiel ist das Auto: Durch das Fließband und andere Techniken der &#8220;arbeitswissenschaftlichen&#8221; Rationalisierung (zuerst in Henry Fords Autofabrik in Detroit) verminderte sich die Arbeitszeit pro Auto auf einen Bruchteil. Gleichzeitig wurde die Arbeit aber ungeheuer verdichtet, also das Menschenmaterial in derselben Zeit um ein Vielfaches ausgesaugt. Vor allem konnte das Auto, bis dahin ein Luxusprodukt für die oberen Zehntausend, durch die damit einhergehende Verbilligung in den Massenkonsum einbezogen werden.</p>
<p>Auf diese Weise wurde der unersättliche Appetit des Arbeitsgötzen nach menschlicher Energie trotz rationalisierter Fließfertigung in der zweiten industriellen Revolution des &#8220;Fordismus&#8221; auf höherem Niveau befriedigt. Gleichzeitig ist das Auto ein zentrales Beispiel für den destruktiven Charakter der hochentwickelten arbeitsgesellschaftlichen Produktions- und Konsumtionsweise. Im Interesse der Massenproduktion von Autos und des massenhaften Individualverkehrs wird die Landschaft zubetoniert und verhäßlicht, die Umwelt verpestet und achselzuckend in Kauf genommen, daß auf den Straßen der Welt jahraus, jahrein der unerklärte 3. Weltkrieg tobt mit Millionen von Toten und Verstümmelten.</p>
<p>In der dritten industriellen Revolution der Mikroelektronik erlischt der bisherige Mechanismus der Kompensation durch Expansion. Zwar werden natürlich auch durch die Mikroelektronik viele Produkte verbilligt und neue kreiert (vor allem im Bereich der Medien). Aber erstmals übersteigt das Tempo der Prozeß-Innovation das Tempo der Produkt-Innovation. Erstmals wird mehr Arbeit wegrationalisiert als durch Ausdehnung der Märkte reabsorbiert werden kann. In logischer Fortsetzung der Rationalisierung ersetzt elektronische Robotik menschliche Energie oder die neuen Kommunikationstechnologien machen Arbeit überflüssig. Ganze Sektoren und Ebenen der Konstruktion, der Produktion, des Marketings, der Lagerhaltung, des Vertriebs und selbst des Managements brechen weg. Erstmals setzt der Arbeitsgötze sich unfreiwillig selber auf dauerhafte Hungerration. Damit führt er seinen eigenen Tod herbei.</p>
<p>Da es sich bei der demokratischen Arbeitsgesellschaft um ein ausgereiftes, auf sich selbst rückgekoppeltes Selbstzwecksystem der Verausgabung von Arbeitskraft handelt, ist innerhalb seiner Formen ein Umschalten auf allgemeine Arbeitszeitverkürzung nicht möglich. Die betriebswirtschaftliche Rationalität verlangt, daß einerseits immer größere Massen dauerhaft &#8220;arbeitslos&#8221; und damit von der systemimmanenten Reproduktion ihres Lebens abgeschnitten werden, während andererseits die stetig schrumpfende Anzahl der &#8220;Beschäftigten&#8221; einer umso größeren Arbeits- und Leistungshetze unterworfen wird. Mitten im Reichtum kehren Armut und Hunger selbst in den kapitalistischen Zentren zurück, intakte Produktionsmittel und Anbaufelder liegen massenhaft brach, Wohnungen und öffentliche Gebäude stehen massenhaft leer, während die Obdachlosigkeit unaufhaltsam steigt.</p>
<p>Kapitalismus wird zu einer globalen Minderheitsveranstaltung. In seiner Not ist der sterbende Arbeitsgötze autokannibalistisch geworden. Auf der Suche nach verbliebener Arbeitsnahrung sprengt das Kapital die Grenzen der Nationalökonomie und globalisiert sich in einer nomadischen Verdrängungskonkurrenz. Ganze Weltregionen werden von den globalen Kapital- und Warenflüssen abgeschnitten. Mit einer historisch beispiellosen Welle von Fusionen und &#8220;unfreundlichen Übernahmen&#8221; rüsten sich die Konzerne für das letzte Gefecht der Betriebswirtschaft. Die desorganisierten Staaten und Nationen implodieren, die von der Überlebenskonkurrenz in den Wahnsinn getriebenen Bevölkerungen fallen in ethnischen Bandenkriegen übereinander her.</p>
<blockquote><p><em>Das moralische Grundprinzip ist das Recht des Menschen auf seine Arbeit. [...] Für mein Gefühl gibt es nichts Abscheulicheres als ein müßiges Leben. Keiner von uns hat ein Recht darauf. Die Zivilisation hat keinen Platz für Müßiggänger.</em></p>
<p><em>(Henry Ford)</em></p>
<p><em>Das Kapital ist selbst der prozessierende Widerspruch [dadurch], daß es die Arbeitszeit auf ein Minimum zu reduzieren strebt, während es andrerseits die Arbeitszeit als einziges Maß und Quelle des Reichtums setzt. [...] Nach der einen Seite hin ruft es also alle Mächte der Wissenschaft und der Natur wie der gesellschaftlichen Kombination und des gesellschaftlichen Verkehrs ins Leben, um die Schöpfung des Reichtums (relativ) unabhängig zu machen von der auf sie angewandten Arbeitszeit. Nach der andren Seite will es diese so geschaffnen riesigen Gesellschaftskräfte messen an der Arbeitszeit und sie einbannen in die Grenzen, die erheischt sind, um den schon geschaffnen Wert als Wert zu erhalten.</em></p>
<p><em>(Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 1857/58)</em></p></blockquote>
<h4>12. Das Ende der Politik</h4>
<p>Notwendigerweise zieht die Krise der Arbeit die Krise des Staates und damit der Politik nach sich. Grundsätzlich verdankt der moderne Staat seine Karriere der Tatsache, daß das warenproduzierende System eine übergeordnete Instanz benötigt, die den Rahmen der Konkurrenz, die allgemeinen Rechtsgrundlagen und Voraussetzungen der Verwertung garantiert &#8211; unter Einschluß der Repressionsapparate für den Fall, daß das Menschenmaterial einmal systemwidrig unbotmäßig werden sollte. In seiner massendemokratisch ausgereiften Form mußte der Staat im 20. Jahrhundert auch zunehmend sozialökonomische Aufgaben übernehmen: Nicht nur das soziale Netz gehört dazu, sondern auch das Bildungs- und Gesundheitswesen, Verkehrs- und Kommunikationsnetze, Infrastrukturen aller Art, die für das Funktionieren der industriell entwickelten Arbeitsgesellschaft unerläßlich geworden sind, aber nicht selber als betriebswirtschaftlicher Verwertungsprozeß organisiert werden können. Denn diese Infrastrukturen müssen auf der Ebene der Gesamtgesellschaft dauerhaft und flächendeckend zur Verfügung stehen, können also nicht den Marktkonjunkturen von Angebot und Nachfrage folgen.</p>
<p>Da der Staat aber keine selbständige Verwertungseinheit ist und somit nicht selber Arbeit in Geld verwandeln kann, muß er Geld aus dem realen Verwertungsprozeß abschöpfen, um seine Aufgaben zu finanzieren. Versiegt die Verwertung, so versiegen auch die Staatsfinanzen. Der vermeintliche gesellschaftliche Souverän erweist sich als völlig unselbständig gegenüber der blinden, fetischisierten Ökonomie der Arbeitsgesellschaft. Er mag Gesetze beschließen, so viel er will; wenn die Produktivkräfte über das System der Arbeit hinauswachsen, läuft das positive staatliche Recht ins Leere, das sich immer nur auf Subjekte der Arbeit beziehen kann.</p>
<p>Mit stetig wachsender Massenarbeitslosigkeit vertrocknen die Staatseinnahmen aus der Besteuerung von Arbeitseinkommen. Die sozialen Netze reißen, sobald eine kritische Masse von &#8220;Überflüssigen&#8221; erreicht wird, die nur noch durch Umverteilung von anderen Geldeinkommen kapitalistisch ernährt werden können. Mit dem rapiden Konzentrationsprozeß des Kapitals in der Krise, der über die nationalökonomischen Grenzen hinausgreift, brechen auch die Staatseinnahmen aus der Besteuerung von Unternehmensgewinnen weg. Die transnationalen Konzerne zwingen die um Investitionen konkurrierenden Staaten zum Steuerdumping, Sozialdumping und Ökodumping.</p>
<p>Genau diese Entwicklung ist es, die den demokratischen Staat zum reinen Krisenverwalter mutieren läßt. Je mehr er sich dem finanziellen Notstand nähert, desto mehr reduziert er sich auf seinen repressiven Kern. Die Infrastrukturen werden zurückgefahren auf die Bedürfnisse des transnationalen Kapitals. Wie ehemals in den kolonialen Gebieten beschränkt sich die gesellschaftliche Logistik zunehmend auf wenige ökonomische Zentren, während der Rest verödet. Was sich privatisieren läßt, wird privatisiert, auch wenn damit immer mehr Menschen von den elementarsten Versorgungsleistungen ausgeschlossen bleiben. Wo die Kapitalverwertung sich auf immer weniger Weltmarktinseln konzentriert, kommt es auf eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung nicht mehr an.</p>
<p>Soweit es nicht die unmittelbar wirtschaftsrelevanten Bereiche betrifft, ist es uninteressant, ob Züge fahren und Briefe ankommen. Die Bildung wird zum Privileg der Globalisierungsgewinnler. Die geistige, künstlerische und theoretische Kultur wird auf das Kriterium der Marktgängigkeit verwiesen und stirbt ab. Das Gesundheitswesen wird unfinanzierbar und zerfällt in ein Klassensystem. Zuerst schleichend und klammheimlich, dann in aller Offenheit gilt das Gesetz der sozialen Euthanasie: Weil du arm und &#8220;überflüssig&#8221; bist, mußt du früher sterben.</p>
<p>Während alle Kenntnisse, Fähigkeiten und Mittel der Medizin, der Bildung, der Kultur, der allgemeinen Infrastruktur überreichlich zur Verfügung stehen, werden sie nach dem zum &#8220;Finanzierungsvorbehalt&#8221; objektivierten irrationalen Gesetz der Arbeitsgesellschaft unter Verschluß gehalten, demobilisiert und verschrottet &#8211; genau wie die industriellen und agrarischen Produktionsmittel, die nicht mehr &#8220;rentabel&#8221; darstellbar sind. Außer der repressiven Arbeitssimulation durch Formen der Zwangs- und Billigarbeit und dem Abbau aller Leistungen hat der zum Apartheid-System transformierte demokratische Staat seinen Ex-Arbeitsbürgern nichts mehr zu bieten. In einem weiter fortgeschrittenen Stadium zerfällt die Staatsverwaltung überhaupt. Die Staatsapparate verwildern zu einer korrupten Kleptokratie, das Militär zu Mafia-Kriegsbanden, die Polizei zu Wegelagerern.</p>
<p>Diese Entwicklung kann durch keine Politik der Welt mehr aufgehalten oder gar rückgängig gemacht werden. Denn Politik ist ihrem Wesen nach staatsbezogenes Handeln, das unter den Bedingungen der Entstaatlichung gegenstandslos wird. Die linksdemokratische Formel von der &#8220;politischen Gestaltung&#8221; der Verhältnisse blamiert sich von Tag zu Tag mehr. Außer endloser Repression, Abbau der Zivilisation und Hilfestellung für den &#8220;Terror der Ökonomie&#8221; gibt es nichts mehr zu &#8220;gestalten&#8221;. Da der arbeitsgesellschaftliche Selbstzweck der politischen Demokratie axiomatisch vorausgesetzt ist, kann es für die Krise der Arbeit auch keine politisch-demokratische Regulation geben. Das Ende der Arbeit wird zum Ende der Politik.</p>
<h4>13. Die kasinokapitalistische Simulation der Arbeitsgesellschaft</h4>
<p>Das herrschende gesellschaftliche Bewußtsein lügt sich systematisch über den wahren Zustand der Arbeitsgesellschaft hinweg. Die Zusammenbruchsregionen werden ideologisch exkommuniziert, die Arbeitsmarktstatistiken hemmungslos gefälscht, die Formen der Verelendung medial wegsimuliert. Simulation ist überhaupt das zentrale Merkmal des Krisenkapitalismus. Das gilt auch für die Ökonomie selbst. Wenn es zumindest in den westlichen Kernländern bis jetzt so erscheint, als könnte das Kapital auch ohne Arbeit akkumulieren und die reine Form des Geldes substanzlos aus sich heraus die weitere Verwertung des Werts garantieren, so ist dieser Schein einem Simulationsprozeß der Finanzmärkte geschuldet. Spiegelbildlich zur Simulation der Arbeit durch Zwangsmaßnahmen der demokratischen Arbeitsverwaltung hat sich eine Simulation der Kapitalverwertung durch die spekulative Entkoppelung des Kreditsystems und der Aktienmärkte von der Realökonomie herausgebildet.</p>
<p>Die Vernutzung gegenwärtiger Arbeit wird ersetzt durch den Zugriff auf die Vernutzung zukünftiger Arbeit, die nie mehr stattfinden wird. Es handelt sich gewissermaßen um eine Kapitalakkumulation in einem fiktiven &#8220;Futur II&#8221;. Das Geldkapital, das nicht mehr rentabel in die Realökonomie reinvestiert werden und daher keine Arbeit mehr ansaugen kann, muß verstärkt in die Finanzmärkte ausweichen.</p>
<p>Schon der fordistische Schub der Verwertung in den Zeiten des &#8220;Wirtschaftswunders&#8221; nach dem Zweiten Weltkrieg war kein vollständig selbsttragender mehr. Weit über seine Steuereinnahmen hinaus nahm der Staat in einem bis dahin ungekannten Ausmaß Kredite auf, weil die Rahmenbedingungen der Arbeitsgesellschaft anders nicht mehr finanzierbar waren. Der Staat verpfändete also seine zukünftigen reellen Einnahmen. Auf diese Weise entstand einerseits für &#8220;überschüssiges&#8221; Geldkapital eine finanzkapitalistische Anlagemöglichkeit &#8211; es wurde dem Staat gegen Zinsen geliehen. Dieser beglich die Zinsen aus neuen Krediten und schleuste das geliehene Geld umgehend wieder in den ökonomischen Kreislauf zurück. Er finanzierte also damit andererseits Sozialausgaben und Infrastruktur-Investitionen und schuf so eine im kapitalistischen Sinne künstliche, weil durch keinerlei produktive Arbeitsverausgabung gedeckte Nachfrage. Der fordistische Boom wurde so über seine eigentliche Reichweite hinaus verlängert, indem die Arbeitsgesellschaft ihre eigene Zukunft anzapfte.</p>
<p>Dieses simulative Moment schon des scheinbar noch intakten Verwertungsprozesses fand seine Grenzen zusammen mit der Staatsverschuldung. Die staatlichen &#8220;Schuldenkrisen&#8221; nicht nur in der 3. Welt, sondern auch in den Zentren ließen eine weitere Expansion auf diesem Wege nicht mehr zu. Das war die objektive Grundlage für den Siegeszug der neoliberalen Deregulierung, die laut Ideologie mit einer drastischen Senkung der Staatsquote am Sozialprodukt einhergehen sollte. In Wirklichkeit werden Deregulierung und Abbau der Staatsaufgaben kompensiert durch die Kosten der Krise, und sei es in Form der staatlichen Repressions- und Simulationskosten. In vielen Staaten steigt die Staatsquote auf diese Weise sogar noch an.</p>
<p>Aber die weitere Akkumulation des Kapitals ist durch die Staatsverschuldung nicht mehr zu simulieren. Deshalb verlagerte sich seit den 80er Jahren die zusätzliche Kreation des fiktiven Kapitals auf die Aktienmärkte. Dort geht es längst nicht mehr um die Dividende, den Gewinnanteil an der realen Produktion, sondern nur noch um den Kursgewinn, die spekulative Wertsteigerung der Eigentumstitel bis in astronomische Größenordnungen. Das Verhältnis von Realökonomie und spekulativer Finanzmarktbewegung hat sich auf den Kopf gestellt. Die spekulative Kurssteigerung nimmt nicht mehr die realökonomische Expansion vorweg, sondern umgekehrt simuliert die Hausse fiktiver Wertschöpfung eine Realakkumulation, die es schon gar nicht mehr gibt.</p>
<p>Der Arbeitsgötze ist klinisch tot, aber er wird künstlich beatmet durch die scheinbar verselbständigte Expansion der Finanzmärkte. Industrielle Unternehmen machen Gewinne, die gar nicht mehr aus der längst zum Verlustgeschäft gewordenen Produktion und dem Verkauf von realen Gütern stammen, sondern aus der Beteiligung einer &#8220;cleveren&#8221; Finanzabteilung an der Aktien- und Devisenspekulation. Öffentliche Haushalte weisen Einnahmen aus, die gar nicht mehr durch Steuern oder Kreditaufnahme zustande kommen, sondern durch eifriges Mitgehen der Finanzverwaltung an den Zockermärkten. Und private Haushalte, deren reelle Einnahmen aus Löhnen und Gehältern dramatisch zurückgehen, leisten sich ein weiterhin hohes Konsumniveau, indem sie Aktiengewinne beleihen. Es entsteht also eine neue Form von künstlicher Nachfrage, die dann wiederum reale Produktion und reale staatliche Steuereinnahmen &#8220;ohne Boden unter den Füßen&#8221; nach sich zieht.</p>
<p>Auf diese Weise wird die Weltwirtschaftskrise durch den spekulativen Prozeß hinausgeschoben. Aber da die fiktive Wertsteigerung der Eigentumstitel nur die Vorwegnahme zukünftiger realer Arbeitsvernutzung (in einem entsprechend astronomischen Ausmaß) sein kann, die nie mehr kommen wird, muß der objektivierte Schwindel nach einer gewissen Inkubationszeit auffliegen. Der Zusammenbruch der &#8220;emerging markets&#8221; in Asien, Lateinamerika und Osteuropa hat einen ersten Vorgeschmack geliefert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Finanzmärkte der kapitalistischen Zentren in den USA, der EU und Japan kollabieren.</p>
<p>Dieser Zusammenhang wird im arbeitsgesellschaftlichen Fetisch-Bewußtsein und gerade auch bei den herkömmlichen linken und rechten &#8220;Kapitalismuskritikern&#8221; völlig verzerrt wahrgenommen. Fixiert auf das zur überhistorischen und positiven Existenzbedingung geadelte Phantom der Arbeit verwechseln sie systematisch Ursache und Wirkung. Der vorübergehende Krisenaufschub durch die spekulative Expansion der Finanzmärkte erscheint dann genau umgekehrt als vermeintliche Ursache der Krise. Die &#8220;bösen Spekulanten&#8221;, so heißt es mehr oder weniger panisch, würden die ganze schöne Arbeitsgesellschaft kaputtmachen, weil sie das &#8220;gute Geld&#8221;, von dem &#8220;genug da&#8221; sei, aus Jux und Tollerei verzocken, statt es brav und solide in wunderbare &#8220;Arbeitsplätze&#8221; zu investieren, auf daß eine arbeitswahnsinnige Heloten-Menschheit weiterhin &#8220;vollbeschäftigt&#8221; sein könne.</p>
<p>Es will in diese Köpfe einfach nicht hinein, daß keineswegs die Spekulation die Realinvestitionen zum Stehen gebracht hat, sondern diese schon durch die 3. industrielle Revolution unrentabel geworden sind und das spekulative Abheben nur ein Symptom dafür sein kann. Das Geld, das da in scheinbar unerschöpflicher Menge zirkuliert, ist selbst im kapitalistischen Sinne längst kein &#8220;gutes&#8221; mehr, sondern bloß noch &#8220;heiße Luft&#8221;, mit der die spekulative Blase aufgetrieben wurde. Jeder Versuch, diese Blase durch Projekte einer wie auch immer gearteten Besteuerung anzupieksen (&#8220;Tobinsteuer&#8221; usw.), um das Geldkapital wieder auf die vermeintlich &#8220;richtigen&#8221; und realen arbeitsgesellschaftlichen Mühlen zu lenken, könnte nur mit dem umso schnelleren Platzen der Blase enden.</p>
<p>Statt zu begreifen, daß wir alle unaufhaltsam unrentabel werden und deshalb das Kriterium der Rentabilität selber samt seinen arbeitsgesellschaftlichen Grundlagen als obsolet anzugreifen ist, dämonisiert man lieber &#8220;die Spekulanten&#8221; &#8211; dieses billige Feindbild pflegen einhellig Rechtsradikale und Autonome, biedere Gewerkschaftsfunktionäre und keynesianische Nostalgiker, Sozialtheologen und Talkmaster, überhaupt alle Apostel der &#8220;ehrlichen Arbeit&#8221;. Die wenigsten sind sich bewußt, daß es von da bis zur Remobilisierung des antisemitischen Wahns nur noch ein kleiner Schritt ist. Das &#8220;schaffende&#8221; nationalblütige Realkapital gegen das &#8220;raffende&#8221; international-&#8221;jüdische&#8221; Geldkapital zu beschwören, droht das letzte Wort der geistig verwahrlosten Arbeitsplatz-Linken zu werden. Das letzte Wort der von Haus aus rassistischen, antisemitischen und antiamerikanischen Arbeitsplatz-Rechten ist es sowieso.</p>
<blockquote><p><em>Sobald die Arbeit in unmittelbarer Form aufgehört hat, die große Quelle des Reichtums zu sein, hört und muß aufhören die Arbeitszeit sein Maß zu sein und daher der Tauschwert [das Maß] des Gebrauchswerts. [...] Damit bricht die auf dem Tauschwert ruhnde Produktion zusammen und der unmittelbare materielle Produktionsprozeß erhält selbst die Form der Notdürftigkeit und Gegensätzlichkeit abgestreift.</em></p>
<p><em>(Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 1857/58)</em></p></blockquote>
<h4>14. Arbeit läßt sich nicht umdefinieren</h4>
<p>Nach Jahrhunderten der Zurichtung kann sich der moderne Mensch ein Leben jenseits der Arbeit schlechterdings nicht mehr vorstellen. Als imperiales Prinzip beherrscht die Arbeit nicht nur die Sphäre der Ökonomie im engeren Sinne, sondern durchdringt das gesamte soziale Dasein bis in die Poren des Alltags und der privaten Existenz. Die &#8220;Freizeit&#8221;, schon dem Wortsinne nach ein Gefängnisbegriff, dient längst selber dazu, Waren &#8220;aufzuarbeiten&#8221;, um so für den nötigen Absatz zu sorgen.</p>
<p>Aber sogar jenseits der verinnerlichten Pflicht zum Warenkonsum als Selbstzweck legt sich der Schatten der Arbeit auch außerhalb von Büro und Fabrik auf das moderne Individuum. Sobald es sich aus dem Fernsehsessel erhebt und aktiv wird, verwandelt sich jedes Tun sofort in ein arbeitsähnliches. Der Jogger ersetzt die Stechuhr durch die Stoppuhr, im chromblanken Fitneßstudio erlebt die Tretmühle ihre postmoderne Wiedergeburt und die Urlauber schrubben in ihrem Auto Kilometer herunter, als müßten sie die Jahresleistung eines Fernfahrers erbringen. Selbst noch das Vögeln orientiert sich an DIN-Normen der Sexualforschung und an Konkurrenzmaßstäben der Talk-Show-Prahlereien.</p>
<p>Erlebte König Midas es immerhin noch als Fluch, daß alles, was er berührte, sich in Gold verwandelte, so ist sein moderner Leidensgenosse über dieses Stadium bereits hinaus. Der Arbeitsmensch merkt nicht einmal mehr, daß durch die Angleichung an das Muster der Arbeit jedes Tun seine besondere sinnliche Qualität verliert und gleichgültig wird. Im Gegenteil: nur durch diese Angleichung an die Gleichgültigkeit der Warenwelt mißt er einer Tätigkeit überhaupt erst Sinn, Berechtigung und soziale Bedeutung zu. Mit einem Gefühl wie Trauer etwa kann das Arbeitssubjekt nicht viel anfangen; die Verwandlung von Trauer in &#8220;Trauerarbeit&#8221; indes macht diesen emotionalen Fremdkörper zu einer bekannten Größe, über die man sich mit seinesgleichen austauschen kann. Selbst noch das Träumen wird so zur &#8220;Traumarbeit&#8221;, die Auseinandersetzung mit einem geliebten Menschen zur &#8220;Beziehungsarbeit&#8221; und der Umgang mit Kindern zur &#8220;Erziehungsarbeit&#8221; entwirklicht und vergleichgültigt. Wo immer der moderne Mensch auf der Ernsthaftigkeit seines Tuns beharren will, hat er auch schon das Wort &#8220;Arbeit&#8221; auf den Lippen.</p>
<p>Der Imperialismus der Arbeit schlägt sich also im alltäglichen Sprachgebrauch nieder. Wir sind nicht nur gewohnt, das Wort &#8220;Arbeit&#8221; inflationär zu verwenden, sondern auch auf zwei ganz verschiedenen Bedeutungsebenen. &#8220;Arbeit&#8221; bezeichnet längst nicht mehr nur (wie es zutreffend wäre) die kapitalistische Tätigkeitsform in der Selbstzweck-Mühle, sondern dieser Begriff ist zum Synonym für jede zielgerichtete Anstrengung überhaupt geworden und hat damit seine Spuren verwischt.</p>
<p>Diese begriffliche Unschärfe bereitet den Boden für eine ebenso halbseidene wie gängige Kritik der Arbeitsgesellschaft, die genau verkehrt herum operiert, nämlich vom positiv gedeuteten Imperialismus der Arbeit aus. Der Arbeitsgesellschaft wird ausgerechnet vorgeworfen, daß sie das Leben noch nicht genug mit ihrer Tätigkeitsform beherrscht, weil sie den Begriff der Arbeit angeblich &#8220;zu eng&#8221; faßt, nämlich &#8220;Eigenarbeit&#8221; oder &#8220;unbezahlte Selbsthilfe&#8221; (Hausarbeit, Nachbarschaftshilfe usw.) daraus moralisch exkommuniziert und nur marktgängige Erwerbsarbeit als &#8220;wirkliche&#8221; Arbeit gelten läßt. Eine Neubewertung und Erweiterung des Arbeitsbegriffs soll diese einseitige Fixierung und die damit verbundenen Hierarchisierungen beseitigen.</p>
<p>Es geht diesem Denken also gar nicht um die Emanzipation von den herrschenden Zwängen, sondern lediglich um eine semantische Reparatur. Die unübersehbare Krise der Arbeitsgesellschaft soll dadurch gelöst werden, daß das gesellschaftliche Bewußtsein bislang inferiore Tätigkeitsformen neben der kapitalistischen Produktionssphäre &#8220;wirklich&#8221; in den Adelsstand der Arbeit erhebt. Aber die Inferiorität dieser Tätigkeiten ist eben nicht bloß das Ergebnis einer bestimmten ideologischen Betrachtungsweise, sondern gehört zur Grundstruktur des warenproduzierenden Systems und ist durch nette moralische Umdefinitionen nicht aufzuheben.</p>
<p>In einer Gesellschaft, die von der Warenproduktion als Selbstzweck beherrscht wird, kann als eigentlicher Reichtum nur gelten, was in monetarisierter Gestalt darstellbar ist. Der davon bestimmte Arbeitsbegriff strahlt zwar imperial auf alle anderen Sphären aus, aber nur negativ, indem er diese als von sich abhängig kenntlich macht. Die Sphären außerhalb der Warenproduktion bleiben so notwendigerweise im Schatten der kapitalistischen Produktionssphäre, weil sie in der abstrakten betriebswirtschaftlichen Zeitsparlogik nicht aufgehen &#8211; auch und gerade dann, wenn sie lebensnotwendig sind wie der abgespaltene, als &#8220;weiblich&#8221; definierte Tätigkeitsbereich des privaten Haushalts, der persönlichen Zuwendung usw.</p>
<p>Eine moralisierende Erweiterung des Arbeitsbegriffs statt seiner radikalen Kritik verschleiert nicht nur den realen gesellschaftlichen Imperialismus der warenproduzierenden Ökonomie, sondern fügt sich auch bestens in die autoritären Strategien der staatlichen Krisenverwaltung ein. Die seit den 70er Jahren erhobene Forderung, auch die &#8220;Hausarbeit&#8221; und die Tätigkeiten im &#8220;Dritten Sektor&#8221; als vollgültige Arbeit gesellschaftlich &#8220;anzuerkennen&#8221;, spekulierte zunächst auf finanzielle staatliche Transferleistungen. Der Krisenstaat allerdings dreht den Spieß um und mobilisiert den moralischen Impetus dieser Forderung im Sinne des berüchtigten &#8220;Subsidiaritätsprinzips&#8221; gerade gegen ihre materiellen Hoffnungen.</p>
<p>Das Hohelied auf &#8220;Ehrenamt&#8221; und &#8220;Bürgerarbeit&#8221; handelt nicht von der Erlaubnis, in den ziemlich leeren staatlichen Finanztöpfen stochern zu dürfen, sondern wird zum Alibi für den sozialen Rückzug des Staates, für die anlaufenden Zwangsarbeitsprogramme und für den schäbigen Versuch, die Krisenlast hauptsächlich auf die Frauen abzuwälzen. Die offiziellen gesellschaftlichen Institutionen geben ihre soziale Verpflichtung preis mit dem ebenso freundlichen wie kostenlosen Appell an &#8220;uns alle&#8221;, doch gefälligst fortan mit privater Eigeninitiative eigenes wie fremdes Elend zu bekämpfen und keine materiellen Forderungen mehr zu stellen. So öffnet die als Emanzipationsprogramm mißverstandene Definitions-Akrobatik am weiterhin geheiligten Arbeitsbegriff dem staatlichen Versuch Tür und Tor, die Aufhebung der Lohnarbeit als Beseitigung des Lohns unter Beibehaltung der Arbeit auf der verbrannten Erde der Marktwirtschaft zu vollziehen. Unfreiwillig wird damit bewiesen, daß soziale Emanzipation heute nicht die Umwertung der Arbeit, sondern nur die bewußte Entwertung der Arbeit zum Inhalt haben kann.</p>
<blockquote><p><em>Neben den materiellen können einfache, personenbezogene Dienste auch den immateriellen Wohlstand erhöhen. So kann das Wohlbefinden der Kunden steigen, wenn ihnen Dienstleister belastende Eigenarbeit abnehmen. Zugleich steigt das Wohlbefinden der Dienstleister, wenn sich ihr Selbstwertgefügl durch die Tätigkeit erhöht. Einen einfachen, personenbezogenen Dienst auszuüben ist für die Psyche besser als arbeitslos zu sein.</em></p>
<p><em>(Bericht der Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen, 1997)</em></p>
<p><em>Halte Dich fest an die Kenntnis, die sich beim Arbeiten bewährt, denn die Natur selbst bestätigt diese und sagt Ja dazu. Eigentlich hast Du gar keine andere Kenntnis, als die, welche Du durch das Arbeiten erworben, das übrige ist alles nur eine Hypothese des Wissens.</em></p>
<p><em>(Thomas Carlyle, Arbeiten und nicht verzweifeln, 1843)</em></p></blockquote>
<h4>15. Die Krise des Interessenkampfes</h4>
<p>So sehr die fundamentale Krise der Arbeit auch verdrängt und tabuisiert wird, sie prägt dennoch alle aktuellen sozialen Konflikte. Der Übergang von einer Gesellschaft der Massenintegration zu einer Selektions- und Apartheids-Ordnung hat nicht etwa zu einer neuen Runde des alten Klassenkampfs zwischen Kapital und Arbeit geführt, sondern zu einer kategorialen Krise des systemimmanenten Interessenkampfes selbst. Schon in der Epoche der Prosperität nach dem Zweiten Weltkrieg war die alte Emphase des Klassenkampfes verblaßt. Aber nicht etwa deswegen, weil das &#8220;an sich&#8221; revolutionäre Subjekt durch manipulative Machenschaften und Bestechung mit fragwürdigem Wohlstand &#8220;integriert&#8221; worden wäre, sondern weil sich umgekehrt auf dem fordistischen Entwicklungsstand die logische Identität von Kapital und Arbeit als soziale Funktions-Kategorien einer gemeinsamen gesellschaftlichen Fetischform herausschälte. Der systemimmanente Wunsch, die Ware Arbeitskraft zu möglichst guten Konditionen zu verkaufen, verlor jedes transzendierende Moment.</p>
<p>Ging es dabei bis in die 70er Jahre hinein immerhin noch darum, eine Beteiligung möglichst breiter Schichten der Bevölkerung an den giftigen arbeitsgesellschaftlichen Früchten zu erstreiten, so ist selbst dieser Impuls unter den neuen Krisenbedingungen der 3. industriellen Revolution erloschen. Nur solange die Arbeitsgesellschaft expandierte, war es möglich, den Interessenkampf ihrer sozialen Funktions-Kategorien im großen Maßstab zu führen. In demselben Maße jedoch, wie die gemeinsame Basis verfällt, können die systemimmanenten Interessen nicht mehr auf gesamtgesellschaftlichem Niveau zusammengefaßt werden. Eine allgemeine Entsolidarisierung setzt ein. Die Lohnarbeiter desertieren aus den Gewerkschaften, die Managerinnen aus den Unternehmensverbänden. Jeder für sich und der kapitalistische System-Gott gegen alle: Die vielbeschworene Individualisierung ist nichts als ein weiteres Krisensymptom der Arbeitsgesellschaft.</p>
<p>Soweit überhaupt noch Interessen aggregiert werden können, geschieht dies nur im mikro-ökonomischen Maßstab. Denn in demselben Maße, wie es sich als Hohn auf die soziale Befreiung geradezu zum Privileg entwickelt hat, das eigene Leben betriebswirtschaftlich verwursten zu lassen, degeneriert die Interessenvertretung der Ware Arbeitskraft zur knallharten Lobby-Politik immer kleinerer sozialer Segmente. Wer die Logik der Arbeit akzeptiert, muß jetzt auch die Logik der Apartheid akzeptieren. Es geht nur noch darum, der eigenen eng umrissenen Klientel auf Kosten aller anderen die Verkäuflichkeit ihrer Haut zu sichern. Belegschaften und Betriebsräte finden ihren wahren Gegner längst nicht mehr im Management ihres Unternehmens, sondern in den Lohnabhängigen konkurrierender Betriebe und &#8220;Standorte&#8221;, egal ob in der nächsten Ortschaft oder im Fernen Osten. Und wenn sich die Frage stellt, wer beim nächsten Schub betriebswirtschaftlicher Rationalisierung über die Klinge springen muß, werden auch die Nachbarabteilung und der unmittelbare Kollege zum Feind.</p>
<p>Die radikale Entsolidarisierung betrifft keineswegs nur die betriebliche und gewerkschaftliche Auseinandersetzung. Da gerade in der Krise der Arbeitsgesellschaft alle Funktionskategorien umso fanatischer auf deren inhärenter Logik beharren, daß jedes menschliche Wohlergehen bloßes Abfallprodukt rentabler Verwertung sein kann, beherrscht das Sankt-Florians-Prinzip alle Interessenkonflikte. Sämtliche Lobbys kennen die Spielregeln und handeln danach. Jede Mark, die eine andere Klientel erhält, ist für die eigene verloren. Jeder Einschnitt am anderen Ende des sozialen Netzes erhöht die Chance, selber noch eine Galgenfrist herauszuschinden. Der Rentner wird zum natürlichen Gegner aller Beitragszahler, der Kranke zum Feind aller Versicherten und der Immigrant zum Haßobjekt aller wildgewordenen Inländer.</p>
<p>Irreversibel erschöpft sich so das Unterfangen, den systemimmanenten Interessenkampf als Hebel sozialer Emanzipation einsetzen zu wollen. Damit ist die klassische Linke am Ende. Eine Wiedergeburt radikaler Kapitalismuskritik setzt den kategorialen Bruch mit der Arbeit voraus. Erst wenn ein neues Ziel der sozialen Emanzipation jenseits der Arbeit und ihrer abgeleiteten Fetisch-Kategorien (Wert, Ware, Geld, Staat, Rechtsform, Nation, Demokratie usw.) gesetzt wird, ist eine Re-Solidarisierung auf hohem Niveau und im gesamtgesellschaftlichen Maßstab möglich. Und erst in dieser Perspektive können auch systemimmanente Abwehrkämpfe gegen die Logik der Lobbysierung und Individualisierung re-aggregiert werden; jetzt allerdings nicht mehr im positiven, sondern im negatorischen strategischen Bezug auf die herrschenden Kategorien.</p>
<p>Bis jetzt drückt sich die Linke vor dem kategorialen Bruch mit der Arbeitsgesellschaft. Sie verharmlost die Systemzwänge zur bloßen Ideologie und die Logik der Krise zum bloßen politischen Projekt der &#8220;Herrschenden&#8221;. An die Stelle des kategorialen Bruchs tritt die sozialdemokratische und keynesianische Nostalgie. Nicht eine neue konkrete Allgemeinheit sozialer Formierung jenseits von abstrakter Arbeit und Geldform wird angestrebt, sondern die Linke versucht die alte abstrakte Allgemeinheit des systemimmanenten Interesses krampfhaft festzuhalten. Aber diese Versuche bleiben selber abstrakt und können keine soziale Massenbewegung mehr integrieren, weil sie sich an den realen Krisenverhältnissen vorbeimogeln.</p>
<p>Das gilt besonders für die Forderung nach einem garantierten Existenzgeld oder Mindesteinkommen. Statt konkrete soziale Abwehrkämpfe gegen bestimmte Maßnahmen des Apartheid-Regimes mit einem allgemeinen Programm gegen die Arbeit zu verbinden, will diese Forderung eine falsche Allgemeinheit der sozialen Kritik herstellen, die in jeder Hinsicht abstrakt, systemimmanent und hilflos bleibt. Die soziale Krisenkonkurrenz kann damit nicht überwunden werden. Ignorant wird das ewige Weiterfunktionieren der globalen Arbeitsgesellschaft vorausgesetzt, denn woher sonst sollte das Geld kommen, um dieses staatlich garantierte Grundeinkommen zu finanzieren, wenn nicht aus gelingenden Verwertungsprozessen? Wer auf eine solche &#8220;Sozialdividende&#8221; baut (schon der Name spricht Bände), muß gleichzeitig klammheimlich auf eine privilegierte Position des &#8220;eigenen&#8221; Landes in der globalen Konkurrenz setzen. Denn nur der Sieg im Weltkrieg der Märkte würde es vorübergehend erlauben, einige Millionen kapitalistisch &#8220;überflüssiger&#8221; Mitesser zuhause durchzufüttern &#8211; unter Ausschluß aller Menschen ohne inländischen Paß, versteht sich.</p>
<p>Die Reform-Heimwerker der Existenzgeldforderung ignorieren die kapitalistische Verfaßtheit der Geldform in jeder Hinsicht. Letztlich geht es ihnen nur darum, vom kapitalistischen Arbeits- und Warenkonsum-Subjekt das letztere zu retten. Statt die kapitalistische Lebensweise überhaupt in Frage zu stellen, soll die Welt trotz Krise der Arbeit weiterhin unter Lawinen stinkender Blechhaufen, häßlicher Betonklötze und minderwertigen Warenschrotts begraben werden, damit den Menschen die einzige klägliche Freiheit erhalten bleibt, die sie sich noch vorstellen können: die Wahlfreiheit vor den Regalen des Supermarkts.</p>
<p>Aber selbst diese traurige und beschränkte Perspektive ist völlig illusionär. Ihre linken Protagonisten und theoretischen Analphabeten haben vergessen, daß der kapitalistische Warenkonsum niemals schlicht der Befriedigung von Bedürfnissen dient, sondern immer nur eine Funktion der Verwertungsbewegung sein kann. Wenn die Arbeitskraft nicht mehr zu verkaufen ist, gelten selbst elementare Bedürfnisse als unverschämte luxurierende Ansprüche, die auf ein Minimum herabgedrückt werden müssen. Und genau dafür wird das Existenzgeld-Programm ein Vehikel sein, nämlich als Instrument staatlicher Kostenreduktion und als Elendsversion der Sozialtransfers, die an die Stelle der kollabierenden Sozialversicherungen tritt. In diesem Sinne hat der Vordenker des Neoliberalismus, Milton Friedman, das Konzept des Grundeinkommens ursprünglich entworfen, bevor eine abgerüstete Linke es als vermeintlichen Rettungsanker entdeckte. Und mit diesem Inhalt wird es auch Wirklichkeit werden &#8211; oder gar nicht.</p>
<blockquote><p><em>Es hat sich gezeigt, daß infolge der unvermeidlichen Gesetze der Menschennatur manche menschliche Wesen der Not ausgesetzt sein werden. Diese sind die unglücklichen Personen, die in der großen Lebenslotterie eine Niete gezogen haben.</em></p>
<p><em>(Thomas Robert Malthus)</em></p></blockquote>
<h4>16. Die Aufhebung der Arbeit</h4>
<p>Der kategoriale Bruch mit der Arbeit findet keine fertigen und objektiv bestimmten gesellschaftlichen Lager vor wie der systemimmanent beschränkte Interessenkampf. Er ist ein Bruch mit der falschen Sachgesetzlichkeit einer &#8220;zweiten Natur&#8221;, also nicht selber wieder ein quasi-automatischer Vollzug, sondern negatorische Bewußtheit &#8211; Verweigerung und Rebellion ohne irgendein &#8220;Gesetz der Geschichte&#8221; im Rücken. Ausgangspunkt kann kein neues abstrakt-allgemeines Prinzip sein, sondern nur der Ekel vor dem eigenen Dasein als Arbeits- und Konkurrenzsubjekt und die kategorische Weigerung, auf immer elenderem Niveau weiter so funktionieren zu müssen.</p>
<p>Trotz ihrer absoluten Vorherrschaft ist es der Arbeit nie gelungen, den Widerwillen gegen die von ihr gesetzten Zwänge ganz auszulöschen. Neben allen regressiven Fundamentalismen und allem Konkurrenzwahn der sozialen Selektion gibt es auch ein Protest- und Widerstandspotential. Das Unbehagen im Kapitalismus ist massenhaft vorhanden, aber in den soziopsychischen Untergrund abgedrängt. Es wird nicht abgerufen. Deshalb bedarf es eines neuen geistigen Freiraums, damit das Undenkbare denkbar gemacht werden kann. Das Weltdeutungsmonopol des Arbeits-Lagers ist aufzubrechen. Der theoretischen Kritik der Arbeit kommt dabei die Rolle eines Katalysators zu. Sie hat die Pflicht, die herrschenden Denkverbote frontal anzugreifen und ebenso offen wie klar auszusprechen, was sich niemand zu wissen traut und viele doch spüren: Die Arbeitsgesellschaft ist definitiv am Ende. Und es gibt nicht den geringsten Grund, ihr Hinscheiden zu bedauern.</p>
<p>Erst die ausdrücklich formulierte Kritik der Arbeit und eine entsprechende theoretische Debatte können jene neue Gegenöffentlichkeit schaffen, die unabdingbare Voraussetzung dafür ist, daß sich eine praktische soziale Bewegung gegen die Arbeit konstituiert. Die Binnenstreitereien innerhalb des Arbeits-Lagers haben sich erschöpft und werden immer absurder. Umso dringender ist es, die gesellschaftlichen Konfliktlinien neu zu bestimmen, entlang derer sich ein Bündnis gegen die Arbeit formieren kann.</p>
<p>Es gilt also in groben Zügen zu skizzieren, welche Zielsetzungen für eine Welt jenseits der Arbeit möglich sind. Das Programm gegen die Arbeit speist sich nicht aus einem Kanon positiver Prinzipien, sondern aus der Kraft der Negation. Ging die Durchsetzung der Arbeit mit der umfassenden Enteignung der Menschen von den Bedingungen ihres eigenen Lebens einher, so kann die Negation der Arbeitsgesellschaft nur darin bestehen, daß sich die Menschen ihren gesellschaftlichen Zusammenhang auf höherem historischen Niveau wieder aneignen. Die Gegner der Arbeit werden deshalb die Bildung weltweiter Verbünde frei assoziierter Individuen anstreben, die der leerlaufenden Arbeits- und Verwertungsmaschine die Produktions- und Existenzmittel entreißen und sie in die eigene Hand nehmen. Nur im Kampf gegen die Monopolisierung aller gesellschaftlichen Ressourcen und Reichtumspotentiale durch die Entfremdungsmächte von Markt und Staat lassen sich soziale Räume der Emanzipation erobern.</p>
<p>Dabei ist auch das Privateigentum auf eine neue und andere Weise anzugreifen. Für die bisherige Linke war das Privateigentum nicht die juristische Form des warenproduzierenden Systems, sondern lediglich eine ominöse subjektive &#8220;Verfügungsgewalt&#8221; der Kapitalisten über die Ressourcen. So konnte der absurde Gedanke entstehen, das Privateigentum auf dem Boden der Warenproduktion überwinden zu wollen. Als Gegensatz zum Privateigentum erschien daher in der Regel das Staatseigentum (&#8220;Verstaatlichung&#8221;). Der Staat aber ist nichts als die äußerliche Zwangsgemeinschaft oder abstrakte Allgemeinheit der sozial atomisierten Warenproduzenten, das Staatseigentum somit nur eine abgeleitete Form des Privateigentums &#8211; egal, ob es mit dem Adjektiv &#8220;sozialistisch&#8221; versehen wird oder nicht.</p>
<p>In der Krise der Arbeitsgesellschaft wird das Privateigentum ebenso wie das Staatseigentum obsolet, weil beide Eigentumsformen gleichermaßen den Verwertungsprozeß voraussetzen. Eben deshalb liegen die entsprechenden sachlichen Mittel zunehmend brach und bleiben verschlossen. Und eifersüchtig wachen die staatlichen, betrieblichen und juristischen Funktionäre darüber, daß dies so bleibt und die Produktionsmittel eher verrotten als für einen anderen Zweck eingesetzt zu werden. Die Eroberung der Produktionsmittel durch freie Assoziationen gegen die staatliche und juristische Zwangsverwaltung kann daher nur bedeuten, daß diese Produktionsmittel nicht mehr in der Form der Warenproduktion für anonyme Märkte mobilisiert werden.</p>
<p>An die Stelle der Warenproduktion tritt die direkte Diskussion, Absprache und gemeinsame Entscheidung der Gesellschaftsmitglieder über den sinnvollen Einsatz der Ressourcen. Die unter dem Diktat des kapitalistischen Selbstzwecks undenkbare gesellschaftlich-institutionelle Identität von Produzenten und Konsumenten wird hergestellt. Die entfremdeten Institutionen von Markt und Staat werden abgelöst durch ein gestaffeltes System von Räten, in denen vom Stadtteil bis zur Weltebene die freien Assoziationen nach Gesichtspunkten sinnlicher, sozialer und ökologischer Vernunft über den Fluß der Ressourcen bestimmen.</p>
<p>Nicht mehr der Selbstzweck von Arbeit und &#8220;Beschäftigung&#8221; bestimmt das Leben, sondern die Organisation des sinnvollen Einsatzes von gemeinsamen Möglichkeiten, die durch keine automatische &#8220;unsichtbare Hand&#8221; gesteuert werden, sondern durch bewußtes gesellschaftliches Handeln. Der produzierte Reichtum wird direkt nach Bedürfnissen angeeignet, nicht nach &#8220;Zahlungsfähigkeit&#8221;. Zusammen mit der Arbeit verschwindet die abstrakte Allgemeinheit des Geldes ebenso wie diejenige des Staates. An die Stelle der getrennten Nationen tritt eine Weltgesellschaft, die keine Grenzen mehr benötigt, in der sich jeder Mensch frei bewegen und an jedem beliebigen Ort das universelle Gastrecht beanspruchen kann.</p>
<p>Die Kritik der Arbeit ist eine Kriegserklärung an die herrschende Ordnung, keine friedliche Nischen-Koexistenz mit deren Zwängen. Die Parole der sozialen Emanzipation kann nur lauten: Nehmen wir uns, was wir brauchen! Kriechen wir nicht länger auf Knien unter das Joch der Arbeitsmärkte und der demokratischen Krisenverwaltung! Die Voraussetzung dafür ist die Kontrolle neuer sozialer Organisationsformen (freier Assoziationen, Räte) über die gesamtgesellschaftlichen Bedingungen der Reproduktion. Dieser Anspruch unterscheidet die Gegner der Arbeit grundsätzlich von allen Nischenpolitikern und Kleingeistern eines Schrebergarten-Sozialismus.</p>
<p>Die Herrschaft der Arbeit spaltet das menschliche Individuum. Sie trennt das Wirtschaftssubjekt vom Staatsbürger, das Arbeitstier vom Freizeitmenschen, das abstrakt Öffentliche vom abstrakt Privaten, die produzierte Männlichkeit von der produzierten Weiblichkeit und sie stellt den vereinzelten Einzelnen ihren eigenen gesellschaftlichen Zusammenhang als eine fremde, sie beherrschende Macht gegenüber. Die Gegner der Arbeit streben die Aufhebung dieser Schizophrenie in der konkreten Aneignung des gesellschaftlichen Zusammenhangs durch bewußt und selbstreflexiv handelnde Menschen an.</p>
<blockquote><p><em>Die </em>&#8220;Arbeit&#8221; <em>ist ihrem Wesen nach die unfreie, unmenschliche, ungesellschaftliche, vom Privateigentum bedingte und das Privateigentum schaffende Tätigkeit. Die Aufhebung des Privateigentums wird also erst zu einer Wirklichkeit, wenn sie als Aufhebung der</em> &#8220;Arbeit&#8221;<em> gefaßt wird .</em></p>
<p><em>(Karl Marx, Über Friedrich Lists Buch &#8220;Das nationale System der politischen Ökonomie&#8221;, 1845)</em></p></blockquote>
<h4>17. Ein Programm der Abschaffungen gegen die Liebhaber der Arbeit</h4>
<p>Man wird den Gegnern der Arbeit vorwerfen, sie seien nichts als Phantasten. Die Geschichte habe erwiesen, daß eine Gesellschaft, die nicht auf den Prinzipien der Arbeit, des Leistungszwangs, der marktwirtschaftlichen Konkurrenz und des individuellen Eigennutzes basiere, nicht funktionieren könne. Wollt ihr, Apologeten des herrschenden Zustands, also behaupten, daß die kapitalistische Warenproduktion tatsächlich der Mehrheit der Menschen ein auch nur im entferntesten annehmbares Leben beschert hat? Nennt ihr es &#8220;funktionieren&#8221;, wenn ausgerechnet das sprunghafte Wachstum der Produktivkräfte Milliarden von Menschen aus der Menschheit stößt und sie froh sein dürfen, auf Müllhalden zu überleben? Wenn Milliarden andere das gehetzte Leben unter dem Diktat der Arbeit nur noch ertragen, indem sie sich isolieren und vereinsamen, indem sie ihren Geist genußlos betäuben und physisch wie psychisch erkranken? Wenn die Welt in eine Wüste verwandelt wird, nur um aus Geld mehr Geld zu machen? Nun gut. Das ist in der Tat die Art und Weise, wie euer grandioses System der Arbeit &#8220;funktioniert&#8221;. Solche Leistungen allerdings wollen wir nicht vollbringen!</p>
<p>Eure Selbstzufriedenheit beruht auf eurer Ignoranz und auf der Schwäche eures Gedächtnisses. Die einzige Rechtfertigung, die ihr für eure gegenwärtigen und zukünftigen Verbrechen findet, ist der Zustand der Welt, der auf euren vergangenen Verbrechen beruht. Ihr habt vergessen und verdrängt, welcher Staatsmassaker es bedurfte, bis den Menschen euer gelogenes &#8220;Naturgesetz&#8221; ins Hirn gefoltert war, daß es geradezu ein Glück sei, fremdbestimmt &#8220;beschäftigt&#8221; zu werden und sich die Lebensenergie für den abstrakten Selbstzweck eures Systemgötzen aussaugen zu lassen.</p>
<p>Erst mußten alle Institutionen der Selbstorganisation und der selbstbestimmten Kooperation in den alten Agrargesellschaften ausgerottet werden, bis die Menschheit überhaupt in der Lage war, die Herrschaft von Arbeit und Eigennutz zu verinnerlichen. Vielleicht wurde wirklich ganze Arbeit geleistet. Wir sind keine übertriebenen Optimisten. Wir können nicht wissen, ob die Befreiung aus diesem konditionierten Dasein gelingen wird. Es ist offen, ob der Untergang der Arbeit zur Überwindung des Arbeitswahns führt oder zum Ende der Zivilisation.</p>
<p>Ihr werdet einwenden, mit der Aufhebung des Privateigentums und des Zwangs zum Geldverdienen werde alle Tätigkeit aufhören und eine allgemeine Faulheit einreißen. Gebt ihr also zu, daß euer gesamtes &#8220;natürliches&#8221; System auf purem Zwang beruht? Und daß ihr deshalb die Faulheit als Todsünde wider den Geist des Arbeitsgötzen fürchtet? Die Gegner der Arbeit jedoch haben überhaupt nichts gegen die Faulheit. Eines ihrer vorrangigen Ziele ist es, die Kultur der Muße wiederherzustellen, die einst alle Gesellschaften kannten und die vernichtet wurde, um ein rastloses und sinnvergessenes Produzieren durchzusetzen. Deshalb werden die Gegner der Arbeit zuerst all die vielen Produktionszweige ersatzlos stillegen, die überhaupt nur dazu dienen, ohne Rücksicht auf Verluste den verrückten Selbstzweck des warenproduzierenden Systems aufrechtzuerhalten.</p>
<p>Wir sprechen nicht nur von den offensichtlich gemeingefährlichen Arbeitsbereichen wie der Auto-, der Rüstungs- und der Atomindustrie, sondern auch von der Produktion jener zahlreichen Sinnprothesen und albernen Belustigungsgegenstände, die den Arbeitsmenschen einen Ersatz für ihr vergeudetes Leben vortäuschen sollen. Verschwinden wird auch die ungeheure Menge jener Tätigkeiten, die überhaupt nur deswegen anfallen, weil die Produktmassen durch das Nadelöhr der Geldform und Marktvermittlung hindurchgepreßt werden müssen. Oder meint ihr, daß noch Buchhalter und Kostenrechner, Marketingspezialisten und Verkäufer, Vertreter und Werbetexter vonnöten sind, sobald die Dinge nach Bedarf hergestellt werden und alle einfach nehmen, was sie brauchen? Und wozu sollte es noch Finanzbeamte und Polizisten, Sozialarbeiter und Armutsverwalter geben, wenn kein Privateigentum mehr geschützt, kein soziales Elend verwaltet und niemand für entfremdete Systemzwänge zugerichtet werden muß?</p>
<p>Wir hören schon den Aufschrei: Die vielen Arbeitsplätze! Jawohl. Rechnet es ruhig einmal aus, wieviel Lebenszeit sich die Menschheit täglich raubt, nur um &#8220;tote Arbeit&#8221; aufzuhäufen, Menschen zu verwalten und das herrschende System zu schmieren. Wieviel Zeit wir alle in der Sonne liegen könnten statt uns für Dinge zu schinden, über deren grotesken, repressiven und zerstörerischen Charakter schon ganze Bibliotheken geschrieben wurden. Doch keine Angst. Keinesfalls wird alle Tätigkeit aufhören, wenn die Zwänge der Arbeit verschwinden. Allerdings verändert alle Tätigkeit ihren Charakter, wenn sie nicht mehr in eine selbstzweckhafte und entsinnlichte Sphäre von abstrakten Fließzeiten gebannt wird, sondern ihrem eigenen, individuell variablen Zeitmaß folgen kann und in persönliche Lebenszusammenhänge integriert ist; wenn auch in großen Organisationsformen der Produktion die Menschen selber den Ablauf bestimmen, statt vom Diktat der betriebswirtschaftlichen Verwertung bestimmt zu werden. Warum sich hetzen lassen von den dreisten Anforderungen einer aufgezwungenen Konkurrenz? Es gilt, die Langsamkeit wiederzuentdecken.</p>
<p>Nicht verschwinden werden natürlich auch jene Tätigkeiten der Hauswirtschaft und der Pflege von Menschen, die in der Arbeitsgesellschaft unsichtbar gemacht, abgespalten und als &#8220;weiblich&#8221; definiert worden sind. Das Kochen ist ebensowenig zu automatisieren wie das Wickeln von Kleinkindern. Wenn zusammen mit der Arbeit die Trennung der sozialen Sphären überwunden wird, können diese notwendigen Tätigkeiten ins Licht bewußter sozialer Organisation jenseits der geschlechtlichen Zuschreibungen treten. Sie verlieren ihren repressiven Charakter, sobald sie nicht mehr Menschen unter sich subsumieren und je nach Umständen und Bedürfnissen von Männern wie Frauen gleichermaßen verrichtet werden.</p>
<p>Wir sagen nicht, daß jede Tätigkeit dadurch zum Genuß wird. Einige mehr, andere weniger. Natürlich gibt es immer Notwendiges, das getan werden muß. Aber wen wollte das schrecken, wenn das Leben nicht davon aufgefressen wird? Und es wird immer viel mehr geben, was aus freier Entscheidung heraus getan werden kann. Denn die Tätigkeit ist ja ebenso ein Bedürfnis wie die Muße. Nicht einmal die Arbeit hat dieses Bedürfnis ganz auslöschen können, sondern es für sich instrumentalisiert und vampirisch ausgesaugt.</p>
<p>Die Gegner der Arbeit sind weder Fanatiker eines blinden Aktivismus noch eines ebenso blinden Nichtstuns. Muße, notwendige Tätigkeit und freigewählte Aktivitäten müssen in ein sinnvolles Verhältnis gebracht werden, das sich nach Bedürfnissen und Lebenszusammenhängen richtet. Einmal den kapitalistischen Sachzwängen der Arbeit entwunden, können die modernen Produktivkräfte die frei disponible Zeit für alle ungeheuer ausdehnen. Warum Tag für Tag viele Stunden in Fabrikhallen und Büros zubringen, wenn Automaten aller Art uns den größten Teil dieser Tätigkeiten abnehmen können? Warum hunderte menschlicher Körper schwitzen lassen, wenn einige Mähdrescher genügen? Warum Geist auf eine Routine verschwenden, die auch ein Computer ohne weiteres ausführt?</p>
<p>Allerdings kann für diese Zwecke nur der geringste Teil der Technik in seiner kapitalistischen Form übernommen werden. Das Gros der technischen Aggregate ist völlig umzuformen, wurden diese doch nach den bornierten Maßstäben der abstrakten Rentabilität gebaut. Viele technische Möglichkeiten sind andererseits aus demselben Grund gar nicht erst entwickelt worden. Obwohl solare Energie an jeder Ecke gewonnen werden kann, setzt die Arbeitsgesellschaft zentralisierte und lebensgefährliche Kraftwerke in die Welt. Und obwohl schonende Methoden der agrarischen Produktion längst bekannt sind, schüttet das abstrakte Geldkalkül tausenderlei Gifte ins Wasser, zerstört die Böden und verpestet die Luft. Aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen werden Bauteile und Lebensmittel dreimal um den Globus gejagt, obwohl die meisten Dinge ohne große Transportwege leicht vor Ort hergestellt werden können. Ein erheblicher Teil der kapitalistischen Technik ist ebenso sinnlos und überflüssig wie der dazugehörige Aufwand menschlicher Energie.</p>
<p>Wir sagen euch damit nichts Neues. Und doch werdet ihr niemals Konsequenzen aus dem ziehen, was ihr auch selber sehr gut wißt. Denn ihr verweigert euch jeder bewußten Entscheidung darüber, welche Produktions-, Transport- und Kommunikationsmittel sinnvollerweise einzusetzen und welche schädlich oder schlicht überflüssig sind. Je hektischer ihr euer Mantra der demokratischen Freiheit abnudelt, desto verbissener weist ihr die elementarste soziale Entscheidungsfreiheit zurück, weil ihr weiterhin dem herrschenden Leichnam der Arbeit und seinen Pseudo-&#8221;Naturgesetzen&#8221; dienen wollt.</p>
<blockquote><p><em>Daß die Arbeit aber selbst nicht nur unter den jetzigen Bedingungen, sondern insofern überhaupt ihr Zweck die bloße Vergrößerung des Reichtums ist, ich sage, daß die Arbeit selbst schädlich, unheilvoll ist, das folgt, ohne daß der Nationalökonom (Adam Smith) es weiß, aus seinen eigenen Entwicklungen.</em></p>
<p><em>(Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte, 1844)</em></p>
<p><em>Unser Leben ist der Mord durch Arbeit,</em><em><br />
wir hängen 60 Jahre lang am Strick und zappeln,<br />
aber wir werden uns losschneiden.</em></p>
<p><em>(Georg Büchner, Dantons Tod, 1835)</em></p></blockquote>
<h4>18. Der Kampf gegen die Arbeit ist antipolitisch</h4>
<p>Die Überwindung der Arbeit ist alles andere als eine wolkige Utopie. Die Weltgesellschaft kann in der bestehenden Form keine 50 oder 100 Jahre mehr weitermachen. Daß die Gegner der Arbeit es mit dem bereits klinisch toten Arbeitsgötzen zu tun haben, macht ihre Aufgabe freilich nicht unbedingt leichter. Denn je mehr die Krise der Arbeitsgesellschaft sich zuspitzt und alle Reparaturversuche als Fehlschläge enden, desto mehr wächst auch die Kluft zwischen der Vereinzelung der hilflosen sozialen Monaden und den Anforderungen einer gesamtgesellschaftlichen Aneignungsbewegung. Die zunehmende Verwilderung der sozialen Verhältnisse in großen Teilen der Welt zeigt, daß sich das alte Arbeits- und Konkurrenzbewußtsein auf immer niedrigerem Niveau fortsetzt. Die schubweise Entzivilisierung scheint trotz aller Impulse eines Unbehagens im Kapitalismus die naturwüchsige Verlaufsform der Krise zu sein.</p>
<p>Gerade bei derart negativen Aussichten wäre es fatal, die praktische Kritik der Arbeit als umfassendes gesamtgesellschaftliches Programm hintanzustellen und sich darauf zu beschränken, eine prekäre Überlebenswirtschaft in den Ruinen der Arbeitsgesellschaft zu errichten. Die Kritik der Arbeit hat nur eine Chance, wenn sie gegen den Strom der Entgesellschaftung ankämpft, statt sich davon mitreißen zu lassen. Aber zivilisatorische Standards sind nicht mehr mit der demokratischen Politik zu verteidigen, sondern nur noch gegen sie.</p>
<p>Wer die emanzipatorische Aneignung und Transformation des kompletten gesellschaftlichen Zusammenhangs anstrebt, kann schwerlich die Instanz ignorieren, die bislang dessen Rahmenbedingungen organisiert. Es ist unmöglich, gegen die Enteignung der eigenen gesellschaftlichen Potenzen zu rebellieren, ohne sich mit dem Staat zu konfrontieren. Denn der Staat verwaltet nicht nur ungefähr die Hälfte des gesellschaftlichen Reichtums, er sichert auch die zwanghafte Unterordnung aller gesellschaftlichen Potentiale unter das Gebot der Verwertung. Sowenig die Gegner der Arbeit Staat und Politik ignorieren können, ebensowenig ist mit ihnen Staat und Politik zu machen.</p>
<p>Wenn das Ende der Arbeit auch das Ende der Politik ist, dann wäre eine politische Bewegung für die Aufhebung der Arbeit ein Widerspruch in sich. Die Gegner der Arbeit richten Forderungen an den Staat, aber sie bilden keine politische Partei und sie werden auch keine bilden. Der Zweck der Politik kann es nur sein, den Staatsapparat zu erobern, um mit der Arbeitsgesellschaft weiterzumachen. Die Gegner der Arbeit wollen daher nicht die Schaltzentralen der Macht besetzen, sondern sie ausschalten. Ihr Kampf ist nicht politisch, sondern antipolitisch.</p>
<p>Untrennbar sind Staat und Politik der Moderne mit dem Zwangssystem der Arbeit verquickt und deshalb müssen sie zusammen mit diesem verschwinden. Das Gerede von einer Renaissance der Politik ist nur der Versuch, die Kritik des ökonomischen Terrors auf ein positiv staatsbezogenes Handeln zurückzuzerren. Selbstorganisation und Selbstbestimmung aber sind das genaue Gegenteil von Staat und Politik. Die Eroberung sozial-ökonomischer und kultureller Freiräume vollzieht sich nicht auf dem politischen Umweg, Dienstweg und Irrweg, sondern als Konstitution einer Gegengesellschaft.</p>
<p>Freiheit heißt, sich weder vom Markt verwursten noch vom Staat verwalten zu lassen, sondern den gesellschaftlichen Zusammenhang in eigener Regie zu organisieren &#8211; ohne Dazwischenkunft entfremdeter Apparate. In diesem Sinne geht es für die Gegner der Arbeit darum, neue Formen sozialer Bewegung zu finden und Brückenköpfe einzunehmen für eine Reproduktion des Lebens jenseits der Arbeit. Es gilt, die Formen einer gegengesellschaftlichen Praxis mit der offensiven Verweigerung der Arbeit zu verbinden.</p>
<p>Mögen die herrschenden Mächte uns für verrückt erklären, weil wir den Bruch mit ihrem irrationalen Zwangssystem riskieren. Wir haben nichts zu verlieren als die Aussicht auf die Katastrophe, in die sie uns hineinsteuern. Wir haben eine Welt jenseits der Arbeit zu gewinnen.</p>
<p><em>Proletarier aller Länder, macht Schluß!</em></p>
<hr />Juni 1999</p>
<p>Herausgeberin: Zeitschrift Krisis &#8211; Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft</p>
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		<pubDate>Fri, 31 Dec 1999 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ohne thematische Zuordnung]]></category>
		<category><![CDATA[Русский]]></category>
		<category><![CDATA[Manifest gegen die Arbeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Группа «Кризис» 1. Господство мертвого труда Труп правит обществом &#8211; труп мертвого труда. Все силы мира соединились для защиты его господства &#8211; папа римский и Всемирный банк, Тони Блэр и Йорг Хайдер, профсоюзы и предприниматели, немецкие экологи и французские социалисты. Все они знают только один лозунг: «Работай, работай и работай!» Тот, кто еще не разучился [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em></em></strong></p>
<p><strong><em>Группа «Кризис»</em></strong></p>
<h4>1. Господство мертвого труда</h4>
<p>Труп правит обществом &#8211; труп мертвого труда. Все силы мира соединились для защиты его господства &#8211; папа римский и Всемирный банк, Тони Блэр и Йорг Хайдер, профсоюзы и предприниматели, немецкие экологи и французские социалисты. Все они знают только один лозунг: «Работай, работай и работай!»</p>
<p><span id="more-178"></span>Тот, кто еще не разучился думать, легко поймет всю беспочвенность такой позиции. Ведь общество, которым правит труд, переживает не мимолетный кризис, а дошло до своего абсолютного предела. Вследствие микроэлектронной революции производство общественных богатств все больше отрывалось от применения рабочей силы людей, причем в таких масштабах, какие еще всего несколько десятилетий назад могла представить себе только научная фантастика. Никто не может всерьез утверждать, что этот процесс можно снова остановить или тем более повернуть вспять. Продажа товара «рабочая сила» будет в XXI веке столь же выгодным делом, как в ХХ веке &#8211; продажа почтовых карет. Но тот, кто в этом обществе не может продать свою рабочую силу, считается «лишним» и выбрасывается в социальную мусорную кучу.</p>
<p>Кто не работает &#8211; тот не ест! Этот циничный принцип все еще остается в силе, сегодня более чем когда-либо, именно потому, что он безнадежно устарел. Абсурд: общество никогда еще не было в такой мере обществом труда, как сейчас, когда труд становится излишним. Как раз в момент своей смерти труд выступает как тоталитарная сила, которая не терпит иного бога, кроме самого себя. Он определяет мысли и действия людей, глубоко въевшись в поры повседневности и психологию. Годится любой предлог, чтобы искусственно продлить жизнь идола труда. Паранойя криков о «занятости» оправдывает форсированное разрушение основ природы &#8211; разрушение, о котором уже давно известно. Последние преграды на пути к тотальной коммерциализации всех общественных отношений должны быть безоговорочно отброшены, как только предоставляется возможность создать пару убогих «рабочих мест». А ходячая фраза «лучше иметь хоть какую-нибудь работу, чем вообще никакой» стала всеобщим символом исповедания веры, и каждый обязан повторять его.</p>
<blockquote><p>«Каждый должен иметь возможность жить своим трудом &#8211; таков провозглашаемый принцип. Соответственно, возможность жить определяется трудом, и нет такого права, где не соблюдалось бы это условие»</p>
<p>Иоганн Готтлиб Фихте.</p>
<p>«Основы естественного права согласно принципам науки» (1797)</p></blockquote>
<p>Чем очевиднее, что общество труда приближается к своему неминуемому концу, тем сильнее этот конец вытесняется из общественного сознания. Методы такого вытеснения могут быть различными, но все они имеют одно общее: всемирная реальность превращения труда в иррациональную самоцель, которая саму себя делает излишней, с упрямством безумия истолковывается как личная или коллективная непригодность тех или иных лиц, предприятий или мест их размещения. Объективные пределы труда должны выглядеть как субъективная проблема тех, кто выпал из обоймы.</p>
<p>Если для одних безработица &#8211; это результат чрезмерных притязаний, недостаточной конкурентоспособности и гибкости, то другие обвиняют «своих» менеджеров и политиков в бездарности, коррупции, жадности или предательстве. И наконец, все согласны с бывшим президентом ФРГ Романом Херцогом: страна должна испытать так называемый «толчок», как будто бы речь идет о плохой психологической подготовке какой-нибудь футбольной команды или политической секты. Все должны «каким-то образом» сильно потянуть за ремень, даже если он давно уже истрепался; все должны «как-нибудь» крепко взяться за дело, даже если уже не за что браться (или взяться можно только за что-нибудь совсем уж безумное). Подтекст этого безрадостного воззвания вполне недвусмыслен: кто все-таки не найдет милости у идола труда &#8211; тот сам виноват, и его можно с чистой совестью списать или выбросить вон.</p>
<p>Такой же закон человеческих жертв действует и во всемирном масштабе. Одна страна за другой перемалывается безжалостными колесами экономического тоталитаризма и доказывает тем самым лишь одно: так называемые законы рынка устарели. Того, кто не «приспособился» &#8211; безусловно и невзирая на цену &#8211; к слепому бегу тотальной конкуренции, карает логика рентабельности. Те, на кого возлагаются надежды сегодня, завтра становятся экономическими отбросами. Но это не побуждает правящих экономических психопатов хоть на миг поколебаться в своем извращенном истолковании мира. Три четверти населения мира уже в той или иной степени объявлены социальным мусором. Привлекательные «места для размещения производства» рушатся одно за другим. После переживающих катастрофу «развивающихся стран» Юга и государственно-капиталистического филиала всемирного общества труда на Востоке в урагане краха исчезли и примерные ученики рыночной экономики из Юго-Восточной Азии. И в Европе давно уже ширится социальная паника. Но рыцари печального образа в политике и менеджменте лишь ожесточеннее продолжают свой крестовый поход во имя идола труда.</p>
<h4>2. Неолиберальное общество апартеида</h4>
<p>Общество, зацикленное на иррациональной абстракции труда, неизбежно порождает тенденцию к социальному апартеиду, когда успешная продажа товара «рабочая сила» из правила становится исключением. Все фракции лагеря труда, который охватывает все партии, давно втайне согласились с этой логикой и всеми силами помогают ей. Они уже не спорят с тем, <em>можно</em>ли выбрасывать на обочину все большую часть населения, лишая ее какого бы то ни было участия в обществе. Спор идет лишь о том, <em>как</em>можно навязать такую селекцию.</p>
<p>Неолиберальная фракция доверчиво уступает грязную социал-дарвинистскую работу «невидимой руке» рынка. Для этого демонтируются все сети социального государства, чтобы как можно более бесшумно превратить в маргиналов всех тех, кто уже не может выдержать конкуренции. Человеком признается лишь тот, кто принадлежит к братству ухмыляющихся победителей в глобализации. Все ресурсы планеты естественным образом узурпируются для нужд капиталистической машины, ставшей самоцелью. Если их нельзя мобилизовать с прибылью, то их нужно просто бросить, даже если это обречет на голод целые огромные группы населения.</p>
<p>Ответственность за груз «человеческих отходов» возлагается на полицию, религиозные секты «спасителей», мафию и кухни для бедных. В США и многих государствах Центральной Европы в тюрьмах сидят сегодня больше людей, чем при среднестатистической военной диктатуре. А в Латинской Америке рыночные «эскадроны смерти» ежедневно убивают больше бездомных детей и иных бедняков, чем убивали оппозиционеров во времена самых жестоких политических репрессий. Тем, кто выброшен из общества, отводится только одна социальная функция &#8211; служить устрашающим примером. Их судьба должна подстегивать в борьбе за последние места всех тех, кто еще продолжает нестись в совершаемом трудовым обществом «паломничестве в Иерусалим», и поддерживать судорожное движение массы проигравших, чтобы им вообще не могло придти в голову взбунтоваться против бесстыдных требований.</p>
<p>Но даже ценою самоотречения большинство людей в дивном новом мире тоталитарной рыночной экономике может приобрести только место людей-теней в теневой экономике. Им надлежит покорно служить в качестве почти даровых работников и демократических рабов «обществу услуг» хорошо зарабатывающих победителей в процессе глобализации. Новые «работающие бедняки» должны чистить ботинки бизнесменам умирающего общества труда, продавать им отравленные гамбургеры или охранять их универмаги. Тот, кто сдаст свой мозг в гардероб, сможет при этом даже мечтать о карьере миллионера сервиса.</p>
<blockquote><p>«Мошенник разрушал труд, но присваивал себе зарплату рабочего; теперь он принужден работать без зарплаты, но мечтать о благословении успеха и прибыли даже в тюремной камере&#8230; Он должен быть воспитан к порядочному труду как деянию свободной личности с помощью принудительного труда».</p>
<p>Вильгельм Генрих Риль</p>
<p>«Немецкий труд» (1861)</p></blockquote>
<p>В англосаксонских странах этот мир ужасов для миллионов людей уже стал реальностью. Точно также обстоит дело в Третьем мире и в Восточной Европе. В «Евро» &#8211; ленде полны решимости наверстать существующее отставание. По крайней мере, специальные экономические журналы давно уже не делают тайны из того, каким они представляют себе идеальное будущее труда. Дети Третьего мира, которые чистят стекла машин на зачумленных перекрестках улиц, служат сияющим примером «предприимчивости», на который следует ориентироваться и безработным в огромной «пустыне услуг». «Идеал будущего &#8211; это индивид как предприниматель своей собственной рабочей силы и обеспечения своего существования», &#8211; заявляет «Комиссия по вопросам будущего Республик Бавария и Саксония». И продолжает: «Спрос в простых личных услугах тем выше, чем меньше стоят услуги и, следовательно, зарабатывают те, кто их оказывает». В мире, где люди еще уважают себя, такое высказывание должно было бы спровоцировать социальный взрыв. Но в мире прирученного рабочего скота общества труда оно может вызвать только беспомощный кивок.</p>
<h4>3. Апартеид неосоциального государства</h4>
<p>Антинеолиберальным фракциям общественного лагеря труда не слишком нравится такая перспектива, но именно они неколебимы в том, что человек без работы &#8211; не человек. Они ностальгически привязаны к послевоенной эре фордистского массового труда и не мыслят ни о чем ином, кроме оживления этих ушедших времен. Государство вновь должно сделать то, на что неспособен рынок. Мнимо-нормальное состояние общества труда должны стимулировать «программы обеспечения занятости», организуемая муниципалитетом принудительная работа для тех, кто получает социальную помощь, субсидии предпринимателям, делание долгов и другие политические меры. Этот лицемерно подогретый трудовой этатизм не имеет ни малейшего шанса, но остается идеологическим центром притяжения для широких слоев населения, которым угрожает обвал. И именно в силу своей безнадежности вытекающая из него практика никак не может носить освободительный характер.</p>
<p>Идеологическое превращение «труда, которого не хватает», в первое право гражданина неизбежно исключает всех не-граждан государства. Таким образом, логика социальной селекции не подвергается сомнению, а просто определяется иначе: индивидуальная борьба за существование должна быть смягчена с помощью этно-националистических критериев. «Отечественная лямка &#8211; для граждан собственной страны» &#8211; рвется из народной души, которая в извращенной любви к труду снова натыкается на идею «народного сообщества». Правый популизм не скрывает этого вывода. Его критика общества конкуренции ведет лишь к этническим чисткам в сокращающихся зонах капиталистического богатства.</p>
<p>Умеренный национализм социал-демократического или «зеленого» образца хочет, напротив, относиться к давно поселившимся в стране рабочим-иммигрантам как к своим гражданам и даже предоставить им официальное гражданство, если те будут расшаркиваться, хорошо себя вести, если сохраниться гарантия их безобидности. Однако это позволяет еще лучше обосновать усиленную отсортировку беженцев с Востока и с Юга со ссылками на популистские аргументы и проводить ее с тем меньшим шумом, разумеется, всегда под прикрытием потока слов о гуманности и цивилизованности. Охота за «нелегальными» людьми, которые пытаются хитростью пролезть на отечественные рабочие места, по возможности не должна оставить отвратительных пятен крови и пожаров на немецкой земле. Для этого существуют пограничная служба, полиция и буферные государства вокруг Шенгенской страны, и они улаживают все в духе права и закона, по возможности подальше от камер телевидения.</p>
<p>Государственная симуляция труда является насильственной и репрессивной даже дома. Она служит неколебимому желанию всеми доступными средствами поддерживать господство идола труда даже после его смерти. Этот бюрократический трудовой фанатизм не позволяет тем, кто выпал из общества, не имеет работы и шансов, а также всем тем, кто с полным основанием отказывается от труда, найти покой даже в последних, и без того уже сузившихся нишах демонтируемого социального государства. Социальные работники и посредники в нахождении работы извлекают их на свет ламп государственных допросов; их принуждают публично пресмыкаться перед троном властвующего трупа.</p>
<blockquote><p>«Лучше иметь любую работу, чем не иметь никакой»</p>
<p>Билл Клинтон (1998)</p>
<p>«Никакая работа так не тяжела, как никакая»</p>
<p>Лозунг с выставки плакатов Федеральной координации инициатив безработных в Германии (1998)</p></blockquote>
<p>Если в суде обычно сомнения толкуются в пользу обвиняемого, то здесь с доказательствами все обстоит наоборот. Если выпавшие из общества не хотят отныне питаться воздухом и жить за счет христианской любви к ближнему, им приходится соглашаться на любую, самую грязную и рабскую работу и прочие подобные абсурдные «меры по обеспечению занятости», чтобы продемонстрировать свою безусловную готовность работать. Имеет ли то, что они должны делать, хоть малейший смысл или является чистым абсурдом, совершенно неважно. Они должны пребывать в постоянном движении, чтобы никогда не забывать, по каким законам им следует существовать.</p>
<p>Прежде люди работали, чтобы заработать денег. Сегодня государство не останавливается ни перед какими расходами, чтобы заставить сотни тысяч людей симулировать исчезнувшую работу в «учебных мастерских» или «фирмах занятости» и быть наготове для нормальных «рабочих мест», которых они никогда не получат. Изобретаются все новые и все более глупые «меры» только для того, чтобы сохранить видимость того, что крутящийся вхолостую приводной ремень оставался в движении вечно. Чем бессмысленнее становится принуждение к труду, тем более жестоко приходится вдалбливать людям в голову, что даром не получишь и куска хлеба.</p>
<p>В этом отношении «новые лейбористы» и их подражатели во всем мире вполне совместимы с неолиберальной моделью социальной селекции. С помощью симуляции «занятости» и лжи о позитивном будущем общества труда создается моральное оправдание для еще более жестоких мер против безработных и уклоняющихся от работы. В то же самое время, государственное принуждение к труду, субсидии на оплату труда и так называемый «безвозмездный гражданский труд» все больше снижают стоимость рабочей силы. Так оказывается помощь разрастающемуся как опухоль сектору низкооплачиваемого и нищего труда.</p>
<p>Так называемая активная трудовая политика по образцу «новых лейбористов» не щадит даже хронических больных и матерей-одиночек с маленькими детьми. Получающий государственное пособие избавляется от бюрократической удавки только тогда, когда к большому пальцу на его ноге уже прикручена табличка с именем. Единственный смысл этой назойливости состоит в том, чтобы удержать как можно большее количество людей от каких бы то ни было требований к государству и продемонстрировать выпавшим из общества настолько отвратительные пыточные инструменты, что любая убогая работа по сравнению с ними покажется приятным делом.</p>
<p>Официально патерналистское государство все еще прибегает к плети только из любви и с намерением строже воспитывать своих, обвиненных в «нелюбви к труду» детей ради их будущего блага. Но фактически эти «педагогические» меры имеют только одну цель &#8211; избивать клиента с самого детства. Какой еще смысл может быть в том, чтобы насильно отправлять безработных на поля помогать собирать урожай? Там они должны вытеснить польских сезонных рабочих, которые соглашаются на нищенскую плату только потому, что благодаря обменному курсу у них дома эта сумма превращается в приличные деньги. Но эта мера мало чем помогает принудительным работникам и открывает им никакой «профессиональной перспективы». И для крестьян, выращивающих спаржу, эти недовольные квалифицированные работники и люди в высшим образованием, которыми их осчастливили, &#8211; сплошная неприятность. Но если после 12-часового рабочего дня на родной немецкой почве безумная идея с горя открыть сосисочную внезапно покажется не столь уж и плохой, то «помощь в обеспечении мобильности» оказала свое желаемое ново-британское воздействие.</p>
<blockquote><p>«Гражданский труд должен вознаграждаться, а не оплачиваться&#8230; Но тот, кто занят гражданским трудом, теряет и позорное пятно безработного и получателя социальной помощи».</p>
<p>Ульрих Бек</p>
<p>«Душа демократии» (1997)</p></blockquote>
<h4>4. Обострение и опровержение религии труда</h4>
<p><strong> </strong></p>
<p>Новый трудовой фанатизм, с которым наше общество реагирует на смерть своего кумира, служит логическим продолжением и последней ступенью долгой истории. Со времен Реформации все движущие силы западной модернизации проповедовали святость труда. В первую очередь, в последние 150 лет все общественные теории и политические течения были почти обуяны идеей труда. Социалисты и консерваторы, демократы и фашисты боролись друг с другом не на жизнь, а на смерть, но, несмотря на смертельную вражду, всегда вместе приносили жертву идолу труда. «Лишь мы, работники всемирной, великой армии труда владеть землей имеем право, а паразиты &#8211; никогда», &#8211; говорилось в тексте интернационального рабочего гимна; «Труд делает свободным», &#8211; отзывалось жутким эхом на воротах Освенцима. Послевоенные плюралистические демократии тем более объявляли себя приверженцами вечной диктатуры труда. Даже конституция крайне католической Баварии поучает граждан вполне в духе лютеровской традиции: «Труд есть источник благосостояния народа и находится под особой защитой государства». В конце XX столетия всякие идеологические противоречия почти улетучились. Осталась лишь беспощадная общая догма о том, что труд есть естественное предназначение человека.</p>
<p>Сегодня эта догма опровергается самой реальностью общества труда. Жрецы религии труда всегда учили, что человек якобы по самой своей природе &#8211; «работающее животное». Он и человеком-то стал только, подчинив, как некогда Прометей, природную материю своей воле и преобразовав ее в изделия. Этот миф о покорителе мира и демиурге, имеющем свое призвание, всегда был издевательством над характером современного процесса труда, но в эпоху капиталистов-изобретателей типа Сименса и Эдисона и их квалифицированных рабочих он еще имел под собой какое-то основание. В настоящее же время этот жест стал чистым абсурдом.</p>
<p>Тот, кто сегодня задает вопросы о содержании, смысле и цели своей работы, &#8211; сумасшедший или помеха для самоценного функционирования общественной машины. Некогда гордый своим трудом «гомо фабер», который еще принимал всерьез на свой упрямый лад то, что он делал, теперь столь же старомоден, как механическая пишущая машинка. Мельница должна любой ценой вертеться &#8211; и точка. За открытия разума ныне отвечают отделы по рекламе и целая армия аниматоров и заводских психологов, имиджмейкеров и торговцев наркотиками. Там, где болтовня о мотивах и творчестве еще продолжается, ничто из этого уже не гарантировано, разве что как самообман. Вот почему такие качества, как самовнушение, самопредставление и симуляция компетентности относятся сегодня к важнейшим добродетелям менеджеров и квалифицированных работников, звезд СМИ и бухгалтеров, учителей и охранников автостоянок.</p>
<p>Само утверждение, что труд является вечной необходимостью и дан человеку от природы, основательно дискредитировано кризисом общества труда. Столетиями провозглашалось, что идола труда следует почитать уже хотя бы потому, что потребности людей не могут удовлетвориться сами по себе, без усилий и пота человека. И цель всего спектакля труда &#8211; якобы удовлетворение человеческих потребностей. Если бы это было так, критиковать труд имело бы не больше смысла, чем выступать с критикой силы тяжести. Но как может оказаться в кризисе или даже исчезнуть настоящий «закон природы»? Представители общественного лагеря труда &#8211; от помешавшейся на результативности неолиберальной пожирательницы икры до профсоюзного обладателя пивного брюха &#8211; настаивая на якобы естественности труда, лишаются аргументов. Как иначе они объяснят тот факт, что три четверти человечества сегодня погрязли в нужде и нищете, потому что системе общества труда их труд вовсе не нужен?</p>
<blockquote><p>«Труд, даже самый низкий и служащий Маммоне, всегда связан с природой. Уже само желание заняться трудом все больше и больше ведет к истине и к законам и правилам природы, которые являются истиной».</p>
<p>Томас Карлейль</p>
<p>«Трудиться и не отчаиваться» (1843)</p></blockquote>
<p>На тех, кто выпал из общества, лежит уже не груз ветхозаветного проклятия «В поту лица своего будешь ты есть хлеб свой», а новый, куда более неумолимый приговор проклятия: «Ты не должен есть, потому что твой пот не нужен и его нельзя продать». И это должно быть законом природы? Это ни что иное, как <em>иррациональный общественный принцип</em>, кажущийся естественным законом, поскольку на протяжении столетий он разрушал все иные формы социальных отношений или подчинял их и превращал себя в абсолют. Это «естественный закон» общества, которое считает себя очень «рациональным», но в действительности следует лишь собственной логике своего идола труда и готово принести в жертву его «необходимости» последние остатки человечности.</p>
<h4>5. Труд &#8211; это общественный принцип принуждения</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>Труд отнюдь не идентичен тому, что люди преобразуют природу и в процессе этой деятельности вступают в отношения друг с другом. Пока люди существуют, они будут строить дома, растить детей, писать книги, спорить, разбивать сады, сочинять музыку и так далее. Это банально и естественно. Но отнюдь не естественно то, что <em>абстрактная человеческая деятельность</em>, чистая «затрата рабочей силы», невзирая на ее содержание и совершенно независимо от потребностей и воли участников, объявляется абстрактным принципом, управляющим общественными отношениями.</p>
<p>В древних аграрных обществах существовали все мыслимые формы господства и личной зависимости, но не было диктатуры абстрактного труда. Действия по преобразованию природы и в рамках общественных связей отнюдь не были основаны на самоопределении, но не были подчинены и абстрактной «затрате рабочей силы», а укладывались в русло сложного комплекса религиозных предписаний, социальных и культурных традиций с разносторонними обязательствами. Для любого действия было свое особое время и место, никакой абстрактно-всеобщей формы деятельности не существовало.</p>
<p>Только современная система товарного производства с ее самоцелью беспрерывного превращения человеческой энергии в деньги породила особую, «оторванную» от всех остальных связей, абстрагированную от любого содержания сферу так называемого труда. Это сфера несамостоятельной, безусловной, не соотносящейся ни с чем, роботоподобной деятельности, вырванной из общего социального контекста и подчиняющейся абстрактной «экономической» рациональности по ту сторону реальных потребностей. В этой, оторванной от жизни сфере время перестает быть живым и прожитым временем, оно становится просто сырьем, которое должно быть оптимальным образом использовано &#8211; «Время &#8211; деньги». Каждая секунда рассчитана, любой поход в туалет &#8211; неприятность, любой разговор &#8211; преступление против производства, ставшего самоцелью. Там, где идет работа, можно расходовать <em>только</em>абстрактную энергию. Жизнь идет где-то в другом месте &#8211; или вообще не идет, поскольку временной отрезок труда вторгается во все и управляет всем. Уже детей дрессируют на время, чтобы потом они стали «результативными». Отпуск служит только восстановлению «рабочей силы». И даже во время еды, праздников, любви в подсознании тикает секундомер.</p>
<p>В сфере труда значение имеет не то, <em>что</em>делается, а то, <em>что</em>действие как таковое совершается, ведь труд &#8211; это самоцель лишь в той мере, в какой он является носителем возрастания ценности денежного капитала, бесконечного умножения денег ради денег. Труд &#8211; это форма деятельности этой абсурдной самоцели. Вот почему, а вовсе не по каким-то разумным причинам все продукты производятся как товары. Ведь только в этой форме они представляют абстракцию денег, содержание которой &#8211; абстракция труда. В этом и состоит ставший самостоятельным механизм общественного колеса, к которому приковано современное человечество.</p>
<p>И именно поэтому содержание производства также безразлично, как использование произведенных вещей, как последствия этого для общества и природы. Строятся дома или изготовляются пехотные мины, печатаются книги или выращиваются генетически измененные помидоры, заболевают от этого люди, отравляется воздух или «всего лишь» улучшается вкус &#8211; все это неважно, пока любым способом товар можно превратить в деньги, а деньги &#8211; в новый труд. То, что товар требует конкретного применения, быть может, пагубного, совершенно не интересно с точки зрения экономической рациональности: ведь для нее продукт есть лишь носитель прежнего, «мертвого труда».</p>
<p>Накопление «мертвого труда» в качестве капитала, выраженного в форме денег, &#8211; это единственный «смысл», известный современной системе товарного производства. «Мертвый труд»? Что за метафизическое безумие? Да, но метафизика, ставшая осязаемой реальностью, безумие, обросшее плотью, которое держит наше общество железной хваткой. В бесконечной череде покупок и продаж люди выступают не как сознательные общественные существа; они, как социальные автоматы, всего лишь выполняют стоящую перед ними самоцель.</p>
<blockquote><p>«Рабочий только вне труда чувствует себя самим собой, а в процессе труда он чувствует себя оторванным от самого себя. Он дома, только когда не работает, а когда он работает &#8211; он не у себя дома. Его труд поэтому не доброволен, а вынужден, это <em>принудительный труд</em>. Он не служит удовлетворению потребности, а есть лишь <em>средство</em>, чтобы удовлетворять потребности, лежащие вне его. Его отчужденность ясно проявляется в том, что когда отсутствует физическое или иное принуждение, от труда бегут, как от чумы»</p>
<p>Карл Маркс</p>
<p>«Экономическо-философские рукописи» (1844)</p></blockquote>
<h4>6. Труд и капитал &#8211; две стороны одной медали</h4>
<p>Политическая левая всегда особенно ревностно почитала труд. Она не только возвела его в сущность человека, но и мистифицировала его как мнимую антитезу капиталу. Они считали скандальным не сам труд, а его эксплуатацию капиталом. Вот почему программа всех рабочих партий провозглашала только «освобождение труда», но не освобождение <em>от</em>труда. Социальное противоречие между трудом и капиталом &#8211; это всего лишь противоречие между различными (хотя обладающими различной силой) интересами <em>внутри</em>капиталистической самоцели. Классовая борьба была формой выражения этих противоположных интересов на общей социальной почве системы товарного производства. Она была частью внутренней динамики движения накопления капитала. Велась ли борьба за зарплату, за права, за условия труда или за рабочие места, &#8211; она всегда исходила из слепой посылки господствующего колеса со всеми его иррациональными принципами.</p>
<p>С точки зрения труда качественное содержание производства так же неважно, как и с точки зрения капитала. Интересует только возможность оптимальной продажи рабочей силы. Речь не идет о совместном определении смысла и цели собственного действия. Если когда-то и была надежда, что такое самоопределение в вопросах производства может быть осуществлено в формах системы товарного производства, то «рабочие силы» давно уже стряхнули с себя эту иллюзию. Речь идет только о «рабочих местах», о «занятости»: уже сами термины служат доказательством того, что весь спектакль носит характер самоцели, а его участники не отвечают за свои действия.</p>
<p>Что, зачем и с какими последствиями производится &#8211; это продавцу товара «рабочая сила», в конечном счете, так же безразлично, как и его покупателю. Рабочие АЭС или химических фабрик громче всего протестуют, когда их тикающие бомбы замедленного действия должны быть обезврежены. А «занятые» на «Фольксвагене», «Форде» или «Тойоте» &#8211; самые фанатичные поборники самоубийственной автомобильной программы. Но не потому, что они вынуждены продавать себя, чтобы вообще получить возможность жить, а потому что они и в самом деле отождествляют себя с этим тупым существованием. Социологи, профсоюзные деятели, попы и другие профессиональные теологи «социального вопроса» считают это доказательством морально-этической силы труда. Труд создает личность, говорят они. Совершенно верно. Он создает личность зомби товарного производства, уже не могущего представить себе жизнь вне этого обожаемого колеса, к которому сам же ежедневно прилаживается.</p>
<blockquote><p>«На стороне труда все больше оказывается совесть: тяга к радости уже именуется «потребностью в отдыхе» и начинает стыдиться сама себя. «Это нужно для здоровья», &#8211; так говорят люди, когда их застигнут на загородном пикнике. Скоро может дойти до того, что тяге к vita contemplativa (то есть к прогулке наедине с мыслями или вместе с друзьями) нельзя будет предаваться без презрения к самому себе и угрызений совести»</p>
<p>Фридрих Ницше</p>
<p>«Досуг и праздность» (1882)</p></blockquote>
<p>Но как рабочий класс никогда не был антагонистической противоположностью капиталу и субъектом человеческого освобождения, так и, наоборот, капиталисты и менеджеры никогда не управляли обществом в соответствии со злой субъективной эксплуататорской волей. Ни один господствующий класс в истории не вел такую несвободную и жалкую жизнь, как суетливые менеджеры «Майкрософта», «Даймлера &#8211; Крайслера» или «Сони». Любой средневековый помещик глубоко презирал бы этих людей. В то время как тот мог предаваться праздности и более или менее вакхически прожигать свое богатство, то элиты общества труда не смеют позволить себе ни малейшей остановки. Вне колеса они не знают, что делать, разве что снова впасть в детство; досуг, удовольствие от познания и чувственное наслаждение для них столь же чужды, как и для их человеческого материала. Они сами &#8211; всего лишь рабы идола труда, простые функциональные элиты иррациональной общественной самоцели.</p>
<p>Властвующий идол умеет навязать свою безликую волю через «безмолвное принуждение» конкуренции, перед которым должны склониться даже могущественные, именно потому, что они управляют сотнями фабрик и спекулируют миллиардными суммами по всему Земному шару. Если они этого не сделают, то будут так же безжалостно выброшены на обочину, как излишняя «рабочая сила». Но именно несамостоятельность функционеров капитала, а не их субъективная эксплуататорская воля делает их столь безмерно опасными. Они менее чем кто-либо смеют задаваться вопросом о смысле и последствиях их безостановочной деятельности. Они уже не могут позволить себе проявить чувства и осмотрительность. Вот почему, превращая мир в пустыню, обезображивая города и превращая людей в нищих посреди богатств, они называют это реализмом.</p>
<h4>7. Труд &#8211; это патриархальное господство</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>Хотя логика труда и его преобразования в денежную материю и побуждает к этому, не все области жизни общества и необходимые формы жизнедеятельности могут быть втиснуты в эту сферу абстрактного времени. Вот почему вместе с «выделившейся» сферой труда возникла &#8211; в известной мере, как ее оборотная сторона &#8211; область частного быта, семьи и интимности.</p>
<p>В этой сфере, называемой «женской», остались многие, вновь и вновь совершаемые действия повседневной жизни, которые нельзя превратить в деньги, разве что в исключительных случаях: от уборки и готовки до воспитания детей, ухода за стариками и «любовной работы» идеальной домохозяйки, наливающей своему измученному мужу выпить и «питающей» его эмоции. Поэтому идеологи буржуазной семьи ложно объявляют сферу частной жизни как оборотную сторону труда очагом «жизни в собственном смысле слова» &#8211; хотя в действительности чаще всего скорее частный ад. Речь идет как раз не об области лучшей и действительной жизни, а о такой же отупляющей и урезанной форме существования, только с иным знаком. Сама эта сфера &#8211; продукт труда, хотя и отделенный от него, но существующий только в связи с ним. Без отделенного социального пространства «женских» форм деятельности общество труда никогда не смогло бы существовать. Это пространство &#8211; молчаливая предпосылка и одновременно специфический результат общества труда.</p>
<p>Сказанное относится и к половым стереотипам, которые стали всеобщими в ходе развития системы товарного производства. Не случайно образ женщины, которой движут природа и инстинкты, иррациональное начало и эмоции, утвердился как массовый предрассудок только вместе с образом работающего мужчины &#8211; создателя культуры, разумного и владеющего собой. И не случайно становление ориентации белого мужчины на требования труда и государственного управления людьми происходило одновременно с вековой яростной «охотой на ведьм». Начавшееся одновременно с этим естественнонаучное освоение мира уже с самого начала своего было заражено самоцелью общества труда и предписанными им половыми ролями. Таким образом белый мужчина вытравливал из себя все чувства и эмоциональные потребности, которые в царстве труда считались лишь помехой. Это позволяло ему беспрепятственно выполнять свои функции.</p>
<blockquote><p>«Человечество должно было сотворить с собой нечто ужасное, прежде чем была создана самость, идентичный, целенаправленный, мужской характер человека, и кое-что из этого все еще повторяется в детстве каждого»</p>
<p>Макс Хоркхаймер, Теодор В.Адорно</p>
<p>«Диалектика Просвещения»</p></blockquote>
<p>В ХХ столетии, особенно в послевоенных фордистских демократиях женщины стали все больше вовлекаться в систему труда. Но результатом стало лишь шизофреническое сознание женщины. Ведь, с одной стороны, вторжение женщины в сферу труда не может принести ей освобождения, но вызывает лишь то же подчинение идолу труда, что и у мужчин. С другой стороны, структура «раскола» сохраняется в нетронутом виде, а значит сохраняется и сфера «женской» деятельности вне официального труда. Таким образом, на женщин легла двойная нагрузка, они оказались во власти одновременно различных, полностью противоречащих друг другу социальных императивов. Внутри сферы труда они до сих пор остаются на преимущественно хуже оплачиваемых и подчиненных позициях.</p>
<p>И здесь ничего не может изменить происходящая в рамках системы борьба за введение квот для женщин и предоставление им шансов на карьеру. Убогое буржуазное представление о «сочетании профессии и семьи» совершенно не затрагивает разделение между сферами системы товарного производства и, значит, общественную структуру «откола». Для большинства женщин эта перспектива нежизнеспособна, для «хорошо зарабатывающего» меньшинства она становится подлой привилегированной позицией в социальном апартеиде, а домашнее хозяйство и уход за детьми они могут передать хуже оплачиваемым работникам («естественно», женщинам).</p>
<p>В обществе в целом освященная буржуазией сфера так называемой частной жизни и семьи все более выхолащивается и деградирует, поскольку общество труда узурпирует всего человека в целом, требует его самопожертвования, мобильности и приспособления во времени. Патриархат не упраздняется, в условиях непризнанного кризиса общества труда он только становится более диким. По мере краха системы товарного производства на женщин ложится ответственность за выживание на всех уровнях, в то время как «мужской» мир симулирует продление категорий общества труда.</p>
<h4>8. Труд &#8211; это деятельность несамостоятельных людей</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>Тождество труда и несамостоятельности доказывается не только фактами, но и на уровне понятий. Еще несколько лет назад люди прекрасно сознавали связь между трудом и социальным принуждением. В большинстве европейских языков термин «труд» первоначально относился только к деятельности несамостоятельных людей, зависимых, крепостных или рабов. В германских языках это слово означало тяжелую работу осиротевших и обращенных в крепостную зависимость детей. В латыни «лабораре» значило « качаться под тяжестью груза» и в широком смысле имело в виду мучения и непосильный труд раба. Слова романских языков «травай», «трабахо» и т.д. («труд», соответственно, по-французски и по-испански, &#8211; примечание переводчика) происходят от латинского «трипалиум» &#8211; ярма, которое использовалось для пыток и наказаний рабов и других несвободных. Воспоминание об этом еще звучит в немецком выражении «ярмо труда». (В русском языке слово «труд» имеет тот же корень, что и слово «трудность», а «работа» &#8211; что и слово «раб», &#8211; примечание переводчика).</p>
<p>Итак, по своему происхождению слово «труд» не является синонимом самоопределяемой деятельности людей, а служит указанием на несчастливую судьбу в обществе. Это деятельность тех, утратил свою свободу. Распространение труда на всех членов общества &#8211; это ни что иное, как обобщение крепостной зависимости, а современное поклонение труду &#8211; всего лишь почти религиозное возвеличивание такого состояния.</p>
<p>Успешно вытеснить эту связь из сознания и усвоить социальные требования этого рода удалось потому, что обобщение труда происходило одновременно с его «конкретизацией» современной системой товарного производства: большинство людей уже не попадали под кнут своего личного хозяина. Социальная зависимость превратилась в абстрактную структуру системы, и именно таким образом она стала тотальной. Она чувствуется повсюду и именно поэтому трудноуловима. Там, где каждый становится рабом, каждый в то же самое время и господин &#8211; как свой собственный работорговец и надсмотрщик. И все повинуются невидимому идолу системы, «Большому брату» накопления капитала, который послал их под ярмо &#8211; «трипалиум».</p>
<h4>9. Кровавая история утверждения труда</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>История современной эпохи &#8211; это история утверждения труда, оставившая по всей планеты огромные следы опустошения и ужаса. Ведь требование обратить большую часть своей жизненной энергии на благо отчужденной самоцели никогда не было столь усвоено разумом людей, как сейчас. Потребовались долгие столетия открытого насилия в большом масштабе, чтобы буквально пытками навязать людям безусловное служение идолу труда.</p>
<p>У истоков стояло не якобы «повышающее благосостояние» расширение рыночных отношений, а ненасытная жажда денег аппарата абсолютистского государства, чтобы финансировать военные машины раннего этапа современной эпохи. Только интересы этих аппаратов, впервые в истории накинувших на все общество бюрократическую удавку, вызвали ускоренное развитие городского купеческого и финансового капитала, которое вышло далеко за рамки традиционных торговых отношений. Только таким образом деньги превратились в центральный общественный мотив, а абстракция труда &#8211; в центральное общественное требование, независимое от реальных потребностей.</p>
<p>Большинство людей перешли к производству для анонимных рынков и, тем самым, к всеобщей денежной экономике отнюдь не добровольно, а потому что жажда денег со стороны абсолютистского государства вызвала обращение налогов в денежную форму и одновременно огромное повышение их. Они вынуждены были «зарабатывать деньги» не для себя, а для вооруженного огнестрельным оружием государства раннего этапа современного периода истории, для его снабжения и его бюрократии. Именно так и не иначе появилась на свет абсурдная самоцель накопления капитала и, следовательно, труд.</p>
<blockquote><p>«Варвар ленив и отличается от образованного человека тем, что в тупости своей он слоняется туда и сюда; ведь практическое образование состоит именно в привычке и потребности в занятии»</p>
<p>Георг В.Ф.Гегель</p>
<p>«Основы философии права» (1821)</p></blockquote>
<p>Вскоре денежных налогов и поборов уже не хватало. Бюрократы абсолютистского государства и администраторы финансового капитала принялись силой организовывать самих людей как материал общественной машины по превращению труда в деньги. Традиционный образ жизни и способ существования населения разрушался &#8211; не потому что это население добровольно «развивалось» на основе самоопределения, а потому что оно как человеческий материал должно было быть прилажено к запущенной машине накопления. Людей силой оружия сгоняли с их полей, чтобы освободить место для овцеводства на нужды мануфактур шерсти. Старые права, такие как свобода охоты, рыболовства и собирания дров в лесах, были отменены. А если обнищавшие люди затем бродили по стране, прося милостыню и воруя, их бросали в работные дома и мануфактуры, чтобы мучить машинами трудовой пытки и вбить в них рабское сознание покорной рабочей скотины.</p>
<p>Но и такого, осуществляемого пинками превращения своих подданных в материал для делающего деньги идола труда не хватило абсолютистским государствам &#8211; монстрам надолго. Они расширили свои претензии на другие континенты. Внутренняя колонизация Европы происходила одновременно с внешней, первоначально в обеих Америках и в части Африки. Здесь погонщики труда окончательно отбросили всякие сдерживающие границы. Они повели беспримерные до тех пор разбойничьи, разрушительные и истребительные походы, нападая на вновь «открытые» миры, ведь тамошние жертвы вообще еще не считались людьми. Каннибальские власти забрезжившего общества труда Европы именовали покоренные чужие культуры «дикарями» и каннибалами.</p>
<p>Так было создано оправдание для того, чтобы истреблять их или обратить в миллионы рабов. Самое настоящее рабство в колониальном плантационном хозяйстве и при добыче полезных ископаемых, превзошедшее по своим масштабам античное рабовладение, относится к изначальным преступлениям системы товарного производства. Здесь впервые широко применялось «уничтожение с помощью труда». Это было второе основание общества труда. Белый человек, уже отмеченный самодисциплиной, мог сорвать на «дикарях» свою вытесненную ненависть к самому себе и свой комплекс неполноценности. Подобно «женщине», они казались ему близкими к природе и примитивными существами, стоящими на полдороги между животным и человеком. Иммануил Кант язвительно предполагал, что павианы могли бы говорить, если бы захотели, но не делают этого, боясь, что тогда их заставят работать.</p>
<p>Это гротескное суждение освещает Просвещение предательским светом. Репрессивная трудовая этика современной эпохи, ссылавшаяся в своей первоначальной версии на милосердие божье, а со времени Просвещения &#8211; на естественный закон, была замаскирована под «цивилизаторскую миссию». Культура в этом смысле &#8211; это добровольное подчинение труду, а труд носит мужской, белый и «западный» характер. Противоположное начало &#8211; нечеловеческая, бесформенная и лишенная культуры природа &#8211; является женским, цветным и «экзотическим». Одним словом, «универсализм» общества труда уже с самого начала был крайне расистским. Универсальная абстракция труда всегда могла определять себя только через отграничение от всего, что в нее не входит.</p>
<p>Современная буржуазия, в конечном счете принявшая наследие абсолютизма, выросла отнюдь не из мирных купцов с древних торговых путей. Общественную почву, которая породила современное «предпринимательство», составляли кондотьеры наемных орд раннего периода современной эпохи, администраторы работных домов и тюрем, сборщики налогов, надсмотрщики за рабами и прочие головорезы. Буржуазные революции XVIII &#8211; XIX веков не имели ничего общего с социальным освобождением; они всего лишь перетасовали отношения власти внутри сложившейся системы принуждения, освободили институты общества труда от устаревших династических интересов и открыли путь дальнейшим овеществлению и деперсонификации. Именно славная Французская революция с особым пафосом провозгласила обязанность трудиться и «законом против нищенства» ввела новые работные дома &#8211; тюрьмы.</p>
<p>Социально-бунтарские движения, вспыхивавшие на обочине буржуазных революций, но не входившие в них, стремились к совершенно противоположным вещам. Еще задолго до этого существовали совершенно самостоятельные формы сопротивления и отказа, которые бессильна объяснить официальная историография общества труда и модернизации. Производители старых аграрных обществ, не желавшие безропотно мириться и с феодальными отношениями господства, тем более не хотели превращаться в «рабочий класс» навязанной им системы. От крестьянских войн XV и XVI веков до восстаний движений в Англии, позднее прозванных «разрушителями машин», и восстания силезских ткачей 1844 г. тянется единая цепочка ожесточенного сопротивления против труда. Утверждение общества труда и иногда открытая, иногда скрытая гражданская война столетиями были одним и тем же.</p>
<blockquote><p>«В сущности, теперь чувствуют&#8230;, что такой труд &#8211; это самая лучшая полиция, что он каждого держит в узде и способен мощно воспрепятствовать развитию разума, чувственности, жажды независимости. Ведь он требует исключительно много нервных сил и отбирает их у раздумья, размышления, мечтания, заботы, любви, ненависти»</p>
<p>Фридрих Ницше</p>
<p>«Панегиристы труда» (1881)</p></blockquote>
<p>Старые аграрные общества отнюдь не были раем. Но чудовищное принуждение прорывавшегося общества труда воспринималось людьми только как ухудшение их положения и «время отчаяния». Действительно, несмотря на все тяготы положения, людям еще было, что терять. То, что ложному сознанию современного мира казалось тьмою и мукой Средневековья, было в действительности страхом перед своей собственной историей. В докапиталистических и некапиталистических культурах в Европе и за ее пределами ежедневное и годовое рабочее время было гораздо меньше, чем даже сегодня у современных работников, «занятых» на фабриках и в бюро. И само производство было далеко не таким сгущенным по времени, как в обществе труда; его пронизывала ярко выраженная культура досуга и относительной «медлительности». Если не считать природных катастроф, то основные материальные потребности большинства людей удовлетворялись куда лучше, чем на протяжении долгих периодов истории модернизации и даже чем в чудовищных трущобах сегодняшнего, охваченного кризисом мира. Да и господство так не ощущалось кожей, как в пронизанном бюрократией обществе труда.</p>
<p>Вот почему сопротивление против труда могло быть сломлено только военной силой. До сих пор идеологи общества труда лицемерно молчат о том, что культура производителей эпохи, которая предшествовала современной, была не «развита», а потоплена в собственной крови. Сегодняшние зрелые демократы труда предпочитают свалить все эти чудовищные вещи на «додемократическое состояние» прошлого, с которым они якобы не имеют ничего общего. Они не желают признать, что ранняя террористическая история современной эпохи предательски обнажает существо нынешнего общества труда. Бюрократическое управление трудом и государственный учет людей в индустриальных демократиях никогда не могли опровергнуть свои абсолютистские и колониальные истоки. Репрессивное управление людьми во имя идола труда лишь увеличилось, материализовавшись в безличную структуру системы, и пронизало все сферы жизни.</p>
<p>Как раз сегодня, в агонии труда железная бюрократическая хватка вновь так же ощущается, как в ранний период общества труда. Управление трудом открыто выступает как принудительная система, каковой оно всегда и было. Оно организует социальный апартеид и тщетно пытается остановить кризис с помощью демократического государственного рабства. Порочный колониальный дух также возвращается в принудительном управлении Международным валютным фондом экономикой уже разрушенных одна за другою стран на периферии. После гибели его идола общество труда во всех отношениях вспоминает о преступных методах своего созидания. Но они уже не могут его спасти.</p>
<h4>10. Рабочее движение было движением за труд</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>Классическое рабочее движение, которое испытало подъем лишь тогда, когда старые социальные бунты давно отошли в прошлое, уже не вело борьбу против требований труда. Наоборот, оно сверх меры отождествляло себя с тем, что казалось неминуемым. Для него шла речь лишь о «правах» и улучшениях внутри общества труда, насилие которого оно уже в значительной мере усвоило. Вместо радикальной критики превращения человеческой энергии в деньги как иррациональной самоцели, оно само встало на «позицию труда» и стало воспринимать его использование как позитивный, нейтральный факт.</p>
<p>Так рабочее движение на свой лад выступило наследником абсолютизма, протестантизма и буржуазного Просвещения. Несчастье труда стало ложной гордостью труда, которая переименовала собственное приручение и превращение в человеческий материал для современного идола в «право человека». Прирученные илоты труда в известном смысле идеологически позаимствовали у врага его же оружие и с рвением миссионеров стали, с одной стороны, добиваться «права на труд», а, с другой, требовать для всех «обязанности трудиться». С буржуазией боролись не как с носителем функции общества труда, напротив, именно во имя труда ее ругали как паразита. Все члены общества без исключения должны были насильно зачислены в «трудовые армии».</p>
<p>Так рабочее движение само стало застрельщиком капиталистического общества труда. Именно оно в процессе развития труда добилось в борьбе против упрямых носителей функций буржуазии XIX &#8211; начала ХХ веков осуществления последних ступеней овеществления &#8211; совершенно так же как столетием раньше буржуазия выступила наследником абсолютизма. Это стало возможным только потому, что рабочие партии и профсоюзы, обожествляя труд, позитивно относились к государственному аппарату и институтам репрессивного управления трудом, которые они хотели не ликвидировать, а занять сами в ходе своего рода «марша через институты». Тем самым они, как прежде буржуазия, переняли бюрократическую традицию управления людьми в обществе труда со времени абсолютизма.</p>
<p>Идеология социального обобщения труда потребовала, однако, и новых политических отношений. На место деления на сословия с различными политическими «правами» (к примеру, правом голоса в зависимости от размеров уплачиваемых налогов) в только что утвердившемся обществе труда должно было придти всеобщее демократическое равенство совершенного «государства труда». Неравномерность в ходе машины создания стоимости, как только она стала определять всю общественную жизнь, должна была быть выровнена с помощью «социального государства». И рабочее движение само дало пример этому. Под именем «социал-демократии» оно стало крупнейшим «гражданским движением» в истории, которое не могло быть ничем иным, кроме как поставленной для себя же ловушкой. Ведь в демократии можно вести переговоры обо всем, но только не о принуждении общества труда &#8211; они предопределены как аксиома. Обсуждаться могут только способы и формы этого принуждения. Выбор всегда есть лишь между моющим средством «Омо» и «Персиль», между чумой и холерой, между наглостью и глупостью, между Колем и Шредером.</p>
<p>Демократия общества труда &#8211; самая коварная система господства в истории, система самоугнетения. Вот почему эта демократия никогда не обеспечивает свободное самоопределение членов общества в том, что касается их общих ресурсов, она лишь создает правовую форму социально отделенных друг от друга трудовых монад, которые, конкурируя друг с другом, вынуждены продаваться на рынках труда. Демократия &#8211; это противоположность свободы. Демократические люди труда неизбежно разделяются на управляющих и управляемых, предпринимателей и объекты предпринимательских действий, функциональные элиты и человеческий материал. Политические партии, включая рабочие, покорно воспроизводят эти отношения в своих собственных структурах. Вожди и ведомые, авторитетные деятели и солдаты партии, идущие в связке и попутчики служат указанием на отношения, которые не имеют ничего общего с открытыми дискуссиями и поиском решений. То, что сами элиты могут быть лишь несамостоятельными функционерами идола труда и его слепой воли &#8211; это неотъемлемая составная часть логики системы.</p>
<blockquote><p>«Труд должен держать скипетр,</p>
<p>Рабом должен быть лишь тунеядец,</p>
<p>Труд должен править миром,</p>
<p>Поскольку лишь благодаря ему существует мир»</p>
<p>Фридрих Штампфер</p>
<p>«Честь труда» (1903)</p></blockquote>
<p>Самое позднее со времен нацистов все рабочие партии &#8211; одновременно партии капитала. В «развивающихся обществах» Востока и Юга рабочее движение испытало мутацию в государственно-террористическую партию догоняющей модернизации, на Западе &#8211; в систему «народных партий» с заменяемой программой и фигурами представителей для средств массовой информации. Классовая борьба пришла к концу, поскольку пришло к концу само общество труда. Классы проявляют себя как социальные функциональные категории общей системы &#8211; фетиша тем сильнее, чем больше эта система отмирает. Если социал-демократия, «зеленые» и бывшие коммунисты отличаются в деле кризисного управления и разрабатывают особенно подлые программы репрессий, то они лишь проявляют себя как законные наследники рабочего движения, которое никогда не хотело ничего иного, кроме как труда любой ценой.</p>
<h4><strong>11. Кризис труда</strong></h4>
<p><strong></strong></p>
<p>После Второй мировой войны на короткий исторический момент могло показаться, что общество труда в фордистской промышленности консолидировалось в систему «вечного процветания», в которой чувство невыносимости насильственной самоцели было надолго успокоено за счет массового потребления и социального государства. Помимо того, что такое представление всегда было лишь идеей демократических илотов и затрагивало только небольшое меньшинство населения мира, оно оказалось обманчивым и в центрах системы. С началом третьей промышленной революции &#8211; микроэлектронной &#8211; общество труда натолкнулось на свой абсолютный исторический предел.</p>
<p>То, что такая граница будет рано или поздно достигнута, можно было предвидеть логически. Ведь система товарного производства с рождения страдает от неразрешимого внутреннего противоречия. С одной стороны, она существует за счет массового впитывания в свой механизм человеческой энергии посредством затраты рабочей силы &#8211; чем больше, тем лучше. С другой же стороны, закон экономической конкуренции вызывает постоянное увеличение производительности, при чем рабочая сила людей заменяется научно-организованным материальным капиталом.</p>
<p>Это внутреннее противоречие стало уже глубинной причиной всех предыдущих кризисов, включая разрушительный мировой экономический кризис 1929 &#8211; 1933 гг. Но их удавалось снова и снова преодолевать с помощью механизма компенсации: на более высоком уровне производительности после определенного инкубационного периода удавалось за счет расширения рынков на новые слои потребителей впитать в абсолютном отношении большее количество труда, чем было прежде уничтожено в ходе рационализации. Затраты рабочей силы на отдельный произведенный продукт уменьшались, но в абсолютном значении производилось больше продуктов, что позволяло более чем компенсировать это уменьшение. Таким образом, до тех пор пока инновации продукта опережает инновации процесса, внутреннее противоречие системы может быть переведено в расширение производства.</p>
<p>Ярким историческим примером служит автомобиль. Благодаря конвейеру и другой технологии рационализации в духе «научной организации труда» (впервые &#8211; на автомобильной фабрике Генри Форда в Детройте) рабочее время на изготовление одной машины многократно сократилось. Но в то же время труд стал чудовищно более интенсивным и напряженным, так что за то же самое время впитывалось во много раз больше человеческого материала. Прежде всего, удалось за счет одновременного удешевления автомобиля превратить его из предмета роскоши для верхних десяти тысяч в продукт массового потребления.</p>
<p>Таким образом, несмотря на рационализированное конвейерное производство, во время второй промышленной революции «фордизма» на более высоком уровне удовлетворялся ненасытный аппетит идола труда в человеческой энергии. В то же время автомобиль служит главным примером деструктивного характера способа производства и потребления, существующего в высокоразвитом обществе труда. В интересах массового производства автомобилей и массового индивидуального транспорта покрываются бетоном и уродуются ландшафты, отравляется окружающая среда и, легко пожав плечами, люди спокойно мирятся с тем, что на улицах мира годами идет необъявленная Третья мировая война с миллионами убитых и искалеченных.</p>
<p>В ходе третьей промышленной революции, микроэлектронной, прежний механизм компенсации через расширение перестает работать. Конечно, и микроэлектроника удешевляет многие продукты и создает новые (особенно в сфере информации и коммуникации). Но впервые темп инновации процесса опережает темп инновации продукта. Впервые в ходе рационализации уничтожается больше труда, чем может быть вновь абсорбировано с помощью расширения рынков. Логика продолжения рационализации ведет к замене человеческой энергии роботами, новые коммуникационные технологии делают труд человека излишним. Целые сектора и уровни конструирования, производства, маркетинга, складирования, сбыта и даже менеджмента отмирают. Впервые идол труда против воли переводит себя на длительный голодный рацион. Тем самым он вызывает свою собственную смерть.</p>
<p>Поскольку демократическое общество труда &#8211; это вызревшая система с обратной связью и ориентацией на самоцель затраты рабочей силы, переключение на всеобщее сокращение рабочего времени в рамках ее форм невозможно. Экономическая рациональность требует, чтобы, с одной стороны, все большие массы оставались длительное время «безработными» и тем самым отрезанными от необходимого системе воспроизводства своей жизни, а с другой, &#8211; чтобы постоянно сокращающиеся количественно «занятые» подвергались все большему понуканию быстрее и производительнее работать. Даже в капиталистических центрах посреди богатства возвращаются бедность и голод, пригодные для использования средства производства и поля в массовом порядке забрасываются, а число бездомных неотвратимо растет.</p>
<blockquote><p>«Основной принцип морали &#8211; это право человека на его труд&#8230; Для моих чувств нет ничего более отвратительного, чем праздная жизнь. Никто из нас не имеет на это права. В цивилизации нет места для тунеядцев»</p>
<p>Генри Форд</p></blockquote>
<p>Капитализм превращается в глобальный спектакль для меньшинства. Оказавшись в бедственном положении, умирающий идол труда поедает сам себя. В поисках еще имеющегося трудового питания капитал взрывает границы национальных экономических систем и глобализируется в кочевой конкуренции на вытеснение. Целые регионы мира отрезаются от глобальных потоков капитала и товаров. В беспримерной волне слияний и «захватов» концерны готовятся к последнему сражению экономики. Дезорганизованные государства и нации взрываются изнутри; население, ввергнутое в безумие конкурентной борьбой за выживание, раздирается войнами между этническими бандами.</p>
<blockquote><p>«Капитал &#8211; это спорящее с самим собой противоречие в том, что он стремится сократить рабочее время до минимума, но с другой стороны вводит рабочее время как единственную меру и источник богатства&#8230; С одной стороны, таким образом, он призывает к жизни все силы науки и природы, общественной комбинации и общественного общения, чтобы сделать создание богатств (относительно) независимым от затраченного на них рабочего времени. С другой, он хочет измерять созданные таким образом гигантские общественные силы рабочим временем и сдержать их в границах, требующихся для того, чтобы сохранить уже созданную стоимость как стоимость»</p>
<p>Карл Маркс</p>
<p>«Наброски критики политической экономии» (1857-1858)</p></blockquote>
<h4>12. Конец политики</h4>
<p>Кризис труда неминуемо влечет за собой кризис государства и, тем самым, политики. В принципе современное государство обязано своей карьерой тому факту, что система товарного производства нуждается в вышестоящей инстанции, гарантирующей соблюдение рамок конкуренции, общие правовые основы и предпосылки создания стоимости &#8211; включая репрессивный аппарат на случай, если человеческий материал окажется однажды слишком строптивым для системы. В своей зрелой форме массовой демократии государство вынуждено было в ХХ веке взять на себя и растущие социально-экономические задачи. Сюда относится не только социальная сеть, но и системы образования и здравоохранения, сети транспорта и коммуникации, всевозможные виды инфраструктуры, ставшие необходимыми для функционирования индустриально развитого общества труда, но не могущие быть организованы как экономический процесс создания стоимости. Эти разновидности инфраструктуры должны длительный срок и целиком находиться в распоряжении всего общества, и потому не могут зависеть от рыночной конъюнктуры спроса и предложения.</p>
<p>Поскольку государство не является самостоятельной единицей в создании стоимости и тем самым не может само превращать труд в деньги, для финансирования своих задач оно должно черпать деньги из реального процесса создания стоимости. Иссякает создание стоимости &#8211; иссякают и финансы государства. Мнимый суверен общества оказывается совершенно несамостоятельным перед лицом слепой, фетишизированной экономики общества труда. Он может издавать законы, сколько хочет, но если производительные силы перерастают систему труда, позитивное государственное право повисает в воздухе, ибо всегда может опираться лишь на субъекты труда.</p>
<p>С постоянным ростом массовой безработицы пересыхают доходы государства от налогообложения трудовых доходов. Социальные сети рвутся, когда достигается критическая масса «лишних людей», которых можно кормить при капитализме лишь с помощью перераспределения других денежных доходов. Со стремительным процессом концентрации переживающего кризис капитала, процессом, выходящим за границы национальных экономических комплексов, рушатся и доходы государства от налогообложения доходов предпринимателей. Транснациональные концерны принуждают государства, конкурирующие между собой в борьбе за привлечение инвестиций, к налоговому, социальному и экологическому демпингу.</p>
<p>Именно такое развитие заставляет демократическое государство совершить мутацию превращения в чистого администратора кризиса. Чем оно ближе к чрезвычайному финансовому положению, тем больше ужимается до своей репрессивной сердцевины. Инфраструктура сводится к обслуживанию потребностей транснационального капитала. Как некогда в колониальных областях, общественное обеспечение все больше ограничивается немногими экономическими центрами, все остальное приходит в запустение. Все, что можно, приватизируется, даже если в результате этого все больше людей отрезаются от снабжения самыми элементарными услугами. Поскольку накопление капитала концентрируется на все более маленьких островках мирового рынка, повсеместное обеспечение населения больше не происходит.</p>
<p>Если это не затрагивает непосредственно важные для экономики сферы, совершенно безразлично, ходят ли поезда и приходят ли письма. Образование становится привилегией выигравших от глобализации. Духовная, художественная и теоретическая культура подчиняется критериям рынка и отмирает. Здравоохранение не финансируется и распадается на систему классов. Сперва исподволь и тайно, а затем со всей открытостью действует закон социальной эвтаназии: если ты беден и стал «лишним», ты должен раньше умереть.</p>
<p>Хотя всех знаний, способностей и средств медицины, образования, культуры, всеобщей инфраструктуры более чем в избытке, они сдерживаются, рассредоточиваются и превращаются в ничто в соответствии с иррациональным законом общества труда, превращенным в объективную «экономию средств». Точно так же обстоит дело с промышленными и сельскохозяйственными средствами производства, которые объявляются «нерентабельными». Демократическому государству, преобразованному в систему апартеида, нечего предложить своим бывшим трудовым гражданам, кроме репрессивной симуляции труда в форме принудительного и дешевого труда и демонтажа всех услуг. На следующей стадии государственное управление распадается вообще. Государственный аппарат дичает, превращаясь в коррумпированную клептократию, армии становится мафиозными военными бандами, полиция &#8211; разбойниками с большой дороги.</p>
<p>Эти процессы не может остановить или тем более повернуть вспять ни одна политика в мире. Ведь политика по сути своей &#8211; это действия, связанные с государством, и в условиях разгосударствления они теряют основание. Лево-демократическая формула о «политическом регулировании» отношений с каждым днем все больше и больше становится обманом. Кроме бесконечных репрессий, демонтажа цивилизации и помощи «террору экономики» больше нечего «регулировать». Поскольку самоцель общества труда как аксиома служит предпосылкой политической демократии, для кризиса труда нет политико-демократического решения. Конец труда становится концом политики.</p>
<h4>13. Симуляция общества труда капитализмом казино</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>Господствующее общественное сознание систематически обманывается насчет действительного состояния общества труда. Потерпевшие крах регионы идеологически отлучаются, статистика рынка труда беспрепятственно подтасовывается, формы обнищания симулятивно замалчиваются в средствах массовой информации. Симуляция вообще становится главным признаком капитализма в кризисе. Это относится и к самой экономике. Если по меньшей мере в западной сердцевине системы до сих пор кажется, будто капитал может накапливаться и без труда, а чистая форма денег без всякой материальной основы сама из себя гарантирует дальнейшее самовозрастание стоимости, то эта видимость вызвана процессом симуляции, происходящем на финансовых рынках. Как зеркальное отражение симуляции труда с помощью принудительных мер демократического управления трудом возникла симуляция самовозрастания капитала с помощью спекулятивного отрыва кредитной системы и рынков акций от реальной экономики.</p>
<p>Использование нынешнего труда заменяется обращением к использованию будущего труда, который никогда не станет реальным. Речь идет в известной мере о накоплении капитала в фиктивном «Втором будущем». Денежный капитал, который уже не может быть вновь рентабельно инвестирован в реальную экономику и потому не может больше впитывать в себя труд, должен все сильнее вкладываться в финансовые рынки.</p>
<p>Уже фордистский толчок к созданию стоимости в эпоху «экономического чуда» после Второй мировой войны не был совершенно самонесущим. Далеко выйдя за пределы своих доходов от налогов, государство в невиданных дотоле масштабах брало кредиты, поскольку иначе нельзя было финансировать условия существования общества труда. Таким образом, государство закладывало свои будущие реальные доходы. Таким образом, возникли, с одной стороны, возможности финансово-капиталистического вложения для «избыточного» денежного капитала &#8211; он предоставлялся государству под проценты. Оно покрывало проценты за счет новых кредитов и окольным путем снова вводило ссуженные деньги в экономический круговорот. С другой стороны, оно финансировало таким образом социальные расходы и инфраструктурные инвестиции и создавало в духе капитализма искусственный спрос, не покрывавшийся затратами производительного труда. Так фордистский бум продлевался за свои собственные пределы, но общество труда подрывало свое собственное будущее.</p>
<p>Этот симулятивный момент все еще вроде бы исправно шедшего процесса создания стоимости натолкнулся на свои границы с ростом государственной задолженности. «Кризисы задолженности» государств не только в Третьем мире, но и в центрах капитализма уже не допускали дальнейшее движение по этому пути. Такова была объективная основа для триумфального марша неолиберального дерегулирования, которое, согласно идеологическим положениям, должно была идти параллельно с резким уменьшением доли государства в общественном продукте. В действительности же дерегулирование и сокращение государственных расходов перевешивались расходами, связанными с кризисом, например, в форме расходов на государственные репрессии и симуляцию. Во многих государствах доля государства, таким образом, даже возросла.</p>
<p>Но дальнейшее накопление капитала уже нельзя больше симулировать за счет государственной задолженности. Вот почему с 80-х годов дополнительное создание фиктивного капитала было перенесено на рынки акций. Там речь шла уже не о дивидендах, доходах от реального производства, а всего лишь о доходах от изменения курса, спекулятивном увеличении стоимости титулов собственности до астрономических масштабов. Соотношение реальной экономики и спекулятивного движения финансового рынка было поставлено с ног на голову. Спекулятивному изменению курса уже не предшествует расширение реальной экономики, а, наоборот, повышение курсов ценных бумаг, фиктивное создание стоимости симулирует реальное накопление, которого уже вообще не происходит.</p>
<p>Идол труда клинически уже мертв, но ему делают искусственное дыхание с помощью якобы независимого расширения финансовых рынков. Промышленные предприятия получают прибыли, которые извлекаются уже не из производства, давно ставшего убыточным, и не из продажи реальных благ, а из участия «умных» финансовых отделов в спекуляциях акциями и валютой. Государственные бюджеты получают доходы, которые уже вообще не связаны с налогами и взятием кредитов, а приобретаются благодаря усердию финансовых управлений на спекулятивных рынках. А семьи, чьи реальные доходы от зарплаты и окладов драматически сокращаются, могут по-прежнему позволить себе высокий уровень потребления, закладывая доходы от акций. Так возникает новая форма искусственного спроса, который затем вновь влечет за собой реальное производство и реальные государственные доходы от налогообложения «без почвы под ногами».</p>
<p>Так с помощью спекулятивного процесса отодвигается мировой экономический кризис. Но поскольку фиктивное увеличение стоимости титула собственности может быть лишь предвосхищением будущих реальных затрат труда (в соответствующем астрономическом масштабе), которых уже никогда не будет, объективированный обман после определенного инкубационного периода раскроется. Крах «растущих рынков» в Азии, Латинской Америке и Восточной Европе был лишь предвестием. Коллапс финансовых рынков капиталистических центров в США, Европейском союзе и Японии &#8211; это только вопрос времени.</p>
<p>В фетишизированном сознании общества труда и особенно среди бывших левых и правых «критиков капитализма» этот контекст воспринимается совершенно искаженно. Зациклившись на фантоме труда, который они возвеличивают до сверхисторического и позитивного условия существования, они систематически путают причины и следствия. Временная отсрочка кризиса с помощью спекулятивного расширения финансовых рынков предстает тогда, наоборот, как мнимая причина кризиса. «Злые спекулянты», заявляют с большей или меньшей долей паники, могут погубить все замечательное общество труда, поскольку ради развлечения и по буйной злобе спекулируют «хорошими деньгами», которых «вполне достаточно», вместо того, чтобы бодро и солидно вложить их в чудесные «рабочие места», которые и далее могут обеспечить трудоголикам &#8211; илотам «полную занятость».</p>
<blockquote><p>«Как только труд в непосредственной форме перестает быть крупным источником богатства, время перестает и должно перестать быть его мерилом и, тем самым, меновая стоимость &#8211; мерилом потребительной стоимости&#8230; Тем самым разваливается и производство, основанное на меновой стоимости, и непосредственный процесс материального производства сам теряет форму необходимости и противоречивости»</p>
<p>Карл Маркс</p>
<p>«Наброски критики политической экономии» (1857-1858)</p></blockquote>
<p>В эти головы просто не укладывается, что это не спекуляция остановила реальные инвестиции, а третья промышленная революция сделала их нерентабельными и спекулятивные расходы могут быть лишь симптомом этого. Деньги, которые обращаются вроде бы в неисчерпаемом количестве, даже в капиталистическом смысле уже не являются «хорошими» &#8211; это просто «горячий воздух», которым накачивается спекулятивный пузырь. Любая попытка проколоть этот пузырь с помощью проектов налогообложения в той или иной форме («налог Тобина» и т.д.), чтобы снова перевести денежный капитал на якобы «правильные» и реальные мельницы общества труда, приведет лишь к тому, что он быстрее лопнет.</p>
<p>Вместо того чтобы понять, что все мы неудержимо становимся нерентабельными и потому следует атаковать как устаревший сам критерий рентабельности вместе с его основами общества труда, предпочитают демонизировать «спекулянтов». Этот дешевый образ врага единодушно пестуют правые радикалы и автономы, простодушные профсоюзные функционеры и люди, испытывающие ностальгию по кейнсианству, социальные теологи и ораторы, вообще все апостолы «честного труда». Лишь немногие понимают, что отсюда только один маленький шаг до возрождения антисемитского безумия. Восхваление «созидающего», национального по крови, реального капитала в противовес «паразитическому», интернационально- «еврейскому» финансовому капиталу угрожает стать последним словом обезумевших левых поклонников рабочих мест. Это и так уже издавна последнее слово расистских, антисемитских и антиамериканских правых апологетов рабочих мест.</p>
<ol><strong> </strong></ol>
<h4>14. Труд невозможно переистолковать</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>После столетий настройки современный человек уже не может себе представить свою жизнь без труда. Труд служит господствующим принципом, он не только доминирует в сфере экономики в узком смысле слова, но и пронизывает все социальное существование, въедаясь в поры будней и частной жизни. «Свободное время» &#8211; термин тюремный уже по своему буквальному смыслу &#8211; давно уже предназначено на то, чтобы «подновить» товары и тем самым позаботиться об их необходимом сбыте.</p>
<p>Но даже вне самоцели усвоенного долга потребления товаров тень труда падает на современного человека и за пределами бюро и фабрики. Как только он вылезает из своего кресла перед телевизором и начинает что-то делать, любое его занятие тут же превращается в подобие труда. Занимающийся спортивной ходьбой меняет подгоняющие часы на секундомер. В окрашенных в бледно-хромовые тона центрах здоровья колесо вновь возрождается на постмодернистский лад. Отпускники накручивают километры в своих автомашинах, как будто должны выполнить годовой план работы шофера &#8211; «дальнобойщика». Даже секс ориентируется на стандартные нормы сексологии и конкурентные масштабы, рожденные в болтовне ток-шоу.</p>
<p>Если царь Мидас еще воспринимал как проклятие, что все, к чему он ни прикасался, обращалось в золото, то его современный товарищ по несчастью давно уже преодолел эту стадию. Человек труда даже не замечает, что благодаря приравниванию к образцу труда любое его занятие теряет свое особое качество и становится безразличным. Напротив, любое дело приобретает смысл, оправдание и социальное значение только благодаря приравниванию к безразличию товарного мира. К примеру, субъект труда не знает, что ему делать с таким чувством, как скорбь, но превращение скорби в «скорбный труд» превращает этот чуждый эмоциональный элемент в известную величину, которую можно обменять на эквивалент. Даже мечты лишаются существа и становятся безразличными, превращаясь в «работу мечтателя», встреча с любимым человеком &#8211; в «работу с людьми», а обращение с детьми &#8211; в «воспитательную работу». Где бы современный человек не стремился подчеркнуть серьезность своих действий, у него на языке оказываются слова «труд» и «работа».</p>
<p>Так империализм труда выражается в повседневном языке. Мы не только привыкли к инфляции в употреблении слова «труд», но и приучились употреблять его в двух различных смыслах. «Труд» давно уже не обозначает только капиталистическую форму деятельности в колесе-самоцели (что было бы совершенно правильно); этот термин стал синонимом любых целенаправленных усилий вообще и тем самым замел свои следы.</p>
<p>Такая понятийная неточность готовит почву для столь же неполноценной, сколь и обычной критики общества труда, которая действует совершенно от обратного, то есть исходя из позитивно истолкованного империализма труда. Общество труда упрекают за то, что оно своими формами действия еще недостаточно контролирует жизнь, потому что якобы понимает термин труда «слишком узко», то есть исключает из него «труд для себя» и «безвозмездную самопомощь» (домашний труд, соседскую взаимопомощь и т.д.) и признает «настоящим» трудом только профессиональную работу на рынок. Переоценка и расширение понятия труда должно устранить эту односторонность и связанную с этим иерархию.</p>
<p>Такое мышление направлено не на освобождение от существующего принуждения, а всего лишь на его семантический ремонт. Явный кризис общества труда должен быть разрешен тем, что общественное сознание «действительно» возведет в рыцарское достоинство труда наряду со сферой капиталистического производства и прежде неполноценные формы деятельности. Но неполноценность этой деятельности как раз и не является всего лишь результатом определенного идеологического взгляда; она &#8211; часть структурной основы системы товарного производства, и этого не изменить никакими добрыми моральными переистолкованиями.</p>
<p>В обществе, где как самоцель властвует товарное производство, действительным богатством может считаться только то, что представимо в денежной форме. Этим и определяется понятие труда, оно охватывает все остальные сферы своим имперским сиянием, но лишь негативно, оттеняя их как зависимые от себя. Сферы, не входящие в товарное производство, неизбежно остаются, таким образом, в тени сферы капиталистического производства, поскольку не укладываются в абстрактную хозяйственную логику экономии времени &#8211; как раз и именно потому, что необходимы для жизни, как, например, отделенная и определяемая как «женская» область домашнего труда, личного участия и т.д.</p>
<blockquote><p>«Простые личные услуги могут повысить не только материальное, но и нематериальное благополучие. Так, самочувствие клиентов может улучшиться, если те, кто оказывает им услуги, разгрузят их от тягостного ухода за собой. Одновременно и самочувствие оказывающих услуги улучшится, если их деятельность повысит их самооценку. Именно оказание простых личных услуг гораздо лучше сказывается на психике, чем безработное состояние»</p>
<p>Доклад комиссии по вопросам будущего</p>
<p>Республик Баварии и Саксонии (1997)</p></blockquote>
<p>Морализирующее расширение значения термина «труд» вместо его радикальной критики не только маскирует реальный общественный империализм экономики товарного производства, но и прекрасно укладывается в авторитарную стратегию государственного управления кризисом. Выдвигаемое с 70-х годов требование в общественных масштабах «признать» «домашний труд» и деятельность в «третичном секторе» в качестве полноценного труда вначале спекулировало на государственных финансовых перечислениях. Однако кризисное государство поворачивает орудие и направляет моральный пыл этого требования как раз против его материальных ожиданий &#8211; в духе печально знаменитого «принципа вспомогательности».</p>
<blockquote><p>«Крепко держись знания, испытанного в работе, потому что сама природа подтверждает их и говорит им «да». Собственно говоря, у тебя вообще нет никаких других знаний, чем те, которые ты приобретаешь, работая, все остальное есть лишь гипотеза знания»</p>
<p>Томас Карлейль</p>
<p>«Трудиться и не отчаиваться» (1843)</p></blockquote>
<p>Оды «безвозмездной общественной работе» и «гражданскому труду» поют не о разрешении поковыряться в довольно пустых финансовых горшках государства; они служат оправданием для социального отступления государства, для запуска программ принудительного труда и для подлых попыток взвалить груз кризиса главным образом на женщин. Официальные институты общества отказываются от своих социальных обязательств, но одновременно обращают «ко всем нам» дружеские и ничего не стоящие призывы проявить наконец собственную инициативу, чтобы бороться со своей собственной и чужой нуждой и больше не выдвигать материальных требований. Так акробатика с дефинициями по-прежнему священного принципа труда, ложно понимаемая как программа освобождения, открывает дорогу государственным попыткам провести ликвидацию наемного труда через устранение зарплаты при сохранении труда на выжженной земле рыночной экономики. Этим невольно доказывается, что содержанием социального освобождения сегодня может быть не <em>переоценка</em> труда, а именно его <em>обесценение.</em></p>
<h4>15. Кризис борьбы за интересы</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>Как бы ни вытеснялся из сознания и не табуизировался кризис труда, он, тем не менее, накладывает свой отпечаток на все социальные конфликты. Переход от общества массовой интеграции к порядку селекции и апартеида привел не к новому раунду старой классовой борьбы между капиталом и трудом, а к кризису категорий самой борьбы внутрисистемных интересов. Уже в эпоху процветания после Второй мировой войны старое сияние классовой борьбы померкло. Но не потому, что революционный «сам по себе» субъект был с помощью манипуляций, махинаций и подкупа «интегрирован» в сомнительное благосостояние, а поскольку, наоборот, на фордистском этапе развития выявилась логическая идентичность капитала и труда как категорий социальных функций одной и той же общественной формы &#8211; фетиша. Внутрисистемное желание продать свой товар &#8211; рабочую силу на как можно более выгодных условиях утратило всякий элемент, выводящий за пределы системы.</p>
<p>Если вплоть до 70-х годов речь все еще шла о том, чтобы добиться доступа как можно более широких слоев населения к ядовитым плодам общества труда, то в новой кризисной ситуации третьей промышленной революции даже этот импульс иссяк. Вести широкомасштабную борьбу за интересы функциональных категорий общества труда было возможно, лишь пока это общество расширялось. По мере упадка общей основы внутрисистемные интересы уже не могут быть суммированы на уровне общества в целом. Начинается всеобщая <em>десолидаризация</em>. Наемные работники дезертируют из профсоюзов, менеджеры &#8211; из союзов предпринимателей. Каждый за себя, а бог капиталистической системы против всех. Расхваливаемая индивидуализация &#8211; всего лишь еще один симптом кризиса общества труда.</p>
<p>Если еще вообще можно выработать общие интересы, то только на микроэкономическом уровне. Ведь по мере того, как в насмешку над социальным освобождением почти привилегией стала экономическая растрата собственной жизни, представительство интересов товара «рабочая сила» вырождается в политику чистейшего лоббирования все более мелких социальных сегментов. Кто принимает логику труда, должен теперь принять и логику апартеида. Речь идет теперь лишь о том, чтобы обеспечить собственной, узко очерченной клиентеле продажу собственной шкуры за счет всех остальных. Трудовые коллективы и производственные советы давно уже видят своего противника не в менеджменте собственного предприятия, а в наемных работниках конкурирующих предприятий и «мест размещения производства», будь то по соседству или на Дальнем Востоке. И если встает вопрос, с кем будет покончено при следующем толчке экономической рационализации, то врагами становятся даже соседний отдел и непосредственный коллега по работе.</p>
<p>Радикальная десолидаризация затрагивает отнюдь не только производственные и профсоюзные конфликты. В условиях кризиса общества труда все функциональные категории все фанатичнее следуют присущей им логике, поскольку любое человеческое благополучие может быть простым отходом рентабельного создания стоимости. Поэтому во всех конфликтах интересов действует принцип святого Флориана. Все лобби знают правила игры и действуют соответственно. Каждая марка, полученная другой клиентелой, потеряна для собственной. Любой разрыв на другом конце социальной сети дает возможность получить отсрочку для себя. Пенсионер становится естественным противником всех платящих социальные взносы, больной &#8211; врагом всех застрахованных, иммигрант &#8211; объектом ненависти всех озверевших аборигенов.</p>
<p>Так необратимо исчерпывает себя рискованная попытка использовать внутрисистемную борьбу интересов как рычаг социального освобождения. Тем самым приходит конец и классической левой. Возрождение радикальной критики капитализма предполагает категориальный разрыв с трудом. Только если будет выдвинута новая цель социального освобождения по ту сторону труда и всех производных от него категорий &#8211; фетишей (стоимости, товара, денег, государства, правовых форм, нации, демократии и т.п.), станет возможна ре-солидаризация на более высоком уровне и в масштабах всего общества. И только в этой перспективе можно будет вновь соединить и внутрисистемные оборонительные бои против логики лоббирования и индивидуализации; но теперь уже так, что они будут связаны с господствующими категориями не положительно, а в соответствии со стратегией отрицания.</p>
<blockquote><p>«Выяснилось, что вследствие неизбежных законов человеческой природы некоторые человеческие существа обречены на нужду. Это несчастные люди, которые вытащили пустой билет в великой лотерее жизни»</p>
<p>Томас Роберт Мальтус</p></blockquote>
<p>Левые до сих пор увиливают от разрыва с категориями общества труда. Они выдают законы системы за чистую идеологию, а логику кризиса &#8211; просто за политический проект «правящих кругов». На место разрыва с категориями приходит социал-демократическая и кейнсианская ностальгия. Левые стремятся не к новой конкретной всеобщности общественной формы по ту сторону абстрактного труда и денег. Они судорожно пытаются удержать старую абстрактную всеобщность внутрисистемного интереса. Но все эти попытки сами остаются абстрактными и не могут уже возродить массовое движение, потому что не учитывают реалий кризисной ситуации.</p>
<p>Это относится особенно к требованию предоставить каждому человеку гарантированное пособие на жизнь или минимально-необходимый доход. Вместо того чтобы связать конкретную оборонительную борьбу против определенных мер режима апартеида с общей программой против труда, это требование стремится восстановить ложную всеобщность социальной критики, которая остается во всех отношениях абстрактной, внутрисистемной и беспомощной. Таким путем нельзя преодолеть социальную конкуренцию, свойственную кризису. Невежественно предполагают, что глобальное общество труда будет функционировать вечно &#8211; ведь откуда иначе возьмутся деньги на финансирование этого гарантированного государством минимально-необходимого дохода, если не из удачных процессов создания стоимости? Кто опирается на подобные «социальные дивиденды» (само название уже говорит за себя), тот должен негласно делать ставку на привилегированную позицию «своей» страны в глобальной конкурентной борьбе. Ведь только победа в мировой войне рынков на время позволила бы накормить несколько миллионов едоков у себя дома, которых капитализм сделал «лишними» &#8211; разумеется, при исключении всех людей, не имеющих паспорта о гражданстве этой страны.</p>
<p>Кустари-реформаторы, требующие пособий на выживание, в любом случае игнорируют капиталистическую природу денежной формы. Для них речь идет, в конечном счете, о спасении не капиталистического субъекта труда, так капиталистического субъекта товарного потребления. Они не оспаривают капиталистический образ жизни, вместо этого они хотели бы, чтобы мир, несмотря на кризис труда, был по-прежнему погребен под лавиной вонючего жестяного мусора, отвратительных масс бетона и низкокачественного хлама товаров и люди сохраняли единственную жалкую свободу &#8211; свободу выбора на полках супермаркета.</p>
<p>Но даже эта печальная и ограниченная перспектива совершенно иллюзорна. Ее левые сторонники и теоретически неграмотные люди забыли, что капиталистическое товарное потребление никогда не служит удовлетворению потребностей как таковому, но может быть только одной из функций процесса создания стоимости. Если рабочая сила больше не продается, то даже самые элементарные потребности считаются бесстыдными притязаниями на роскошь, которые должны быть сокращены до минимума. Орудием этого как раз и послужит программа выплаты пособия на существование, как инструмент государственного сокращения расходов и нищенская версия перечислений на социальные нужды, приходящая на смену взорвавшемуся социальному обеспечению. В таком духе концепция минимально-необходимого дохода уже была выдвинута идейным отцом неолиберализма Милтоном Фридманом задолго до того, как разоружившиеся левые обнаружили ее как якорь спасения. Только имея такое содержание, она воплотится в жизнь &#8211; или так и останется на бумаге.</p>
<h4>16. Ликвидация труда</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>Разрыв с категорией труда не может опереться на некий готовый и объективно заданный социальный лагерь, как ограниченная рамками системы борьба за интересы. Это разрыв с ложной вещной закономерностью «второй природы»; он осуществляется не почти автоматически, а на основе сознания отрицания &#8211; отказа и бунта, &#8211; не имея в тылу никакого «закона истории». Его исходным пунктом может быть не некий новый абстрактно-всеобщий принцип, а только отвращение к собственному существованию в роли субъекта труда и конкуренции и категорический отказ продолжать жить таким образом на все более убогом уровне.</p>
<p>Несмотря на свое абсолютное господство, труду никогда не удавалось совершенно подавить недовольство установленными им законами. Несмотря на все виды регрессивного фундаментализма и все безумие конкуренции, существует и потенциал протеста и сопротивления. При капитализме существует массовое недовольство, но оно загнано в социально-психологическое подполье. Оно не востребовано. Вот почему необходимо новое духовное свободное пространство, чтобы люди снова смогли думать о том, что им сейчас кажется немыслимым. Надо сломать монополию лагеря труда на истолкование мира. Теоретической критике труда принадлежит здесь роль катализатора. Она призвана по всему фронту атаковать табу, господствующие в мышлении людей, открыто и ясно высказать то, во что никто может поверить, но что многие чувствуют: обществу труда окончательно приходит конец. И нет ни малейших причин оплакивать его кончину.</p>
<p>Только недвусмысленно сформулированная критика труда и соответствующая теоретическая дискуссия могут создать новое <em>общественное контр-мнение</em>, которое служит неотъемлемой предпосылкой для возникновения практического социального движения против труда. Внутренние споры в лагере труда исчерпали себя и становятся все абсурднее. Тем настоятельнее задача заново определить линии общественных конфликтов, вдоль которых сможет сформироваться <em>союз против труда</em>.</p>
<p>Необходимо также в общих чертах обрисовать, какие цели можно выдвинуть для мира по ту сторону труда. Программа против труда черпает не из канона позитивных принципов, а из силы отрицания. Если утверждение труда происходило одновременно с всеобъемлющим отчуждением человека от условий его собственной жизни, то отрицание общества труда может состоять только в том, что люди снова вернут себя самим себе на более высоком историческом уровне. Поэтому противники труда будут стремиться к образованию всемирных объединений свободно ассоциированных индивидов, которые вырывают у работающей вхолостую машины труда и создания стоимости средства производства и существования и берут их в свои руки. Лишь в борьбе против монополизации всех общественных ресурсов и потенциалов богатства отчуждающими силами рынка и государства можно отвоевать социальное пространство освобождения.</p>
<p>При этом следует по-новому и иначе атаковать частную собственность. Для прежних левых частная собственность была не юридической формой системы товарного производства, а всего лишь зловещим субъективным правом капиталистов распоряжаться ресурсами. Так смогла появиться абсурдная идея о возможности преодолеть частную собственность на почве товарного производства. Противоположностью частной собственности, как правило, казалась при этом государственная собственность («огосударствление», «национализация»). Но государство &#8211; это всего лишь внешнее принудительное объединение или абстрактная всеобщность социально атомизированных товаропроизводителей, а государственная собственность, следовательно, &#8211; только производная форма частной собственности, невзирая на то, имеет она прилагательное «социалистическая» или нет.</p>
<p>В условиях кризиса общества труда и частная, и государственная собственность устаревают, так как обе формы собственности в равной мере предполагают наличие процесса создания стоимости. Именно поэтому соответствующие материальные средства все больше остаются неиспользованными и держатся под замком. Функционеры государства, фирм и юридической системы ревниво следят за тем, чтобы все таким и оставалось, чтобы средства производства скорее сгнили, нежели были использованы в иных целях. Завоевание средств производства свободными ассоциациями в борьбе против насильственного государственного и юридического управления может означать лишь, что эти средства производства больше не будут работать на анонимные рынки в форме товарного производства.</p>
<blockquote><p>«<em>Труд</em> по сути своей &#8211; это несвободная, бесчеловечная, антиобщественная, обусловленная частной собственностью и создающая частную собственность деятельность. Ликвидация частной собственности станет реальностью только в том случае, если она будет пониматься как ликвидация <em>«труда»</em>»</p>
<p>Карл Маркс</p>
<p>«О книге Фридриха Листа</p>
<p>«Национальная система политической экономии» (1845)</p></blockquote>
<p>На место товарного производства придет открытая дискуссия, обсуждение и совместное принятие решений членами общества относительно разумного использования ресурсов. Будет восстановлена идентичность производителя и потребителя, немыслимая при диктате капиталистической самоцели. На место отчужденным институтам рынка и государства придет разветвленная система <em>Советов</em>, в которых свободные ассоциации от квартала до мирового уровня будут принимать решения о направлении ресурсов в соответствии с критериями духовной, социальной и экологической разумности.</p>
<p>Жизнь будет определять уже не самоцель труда и «занятость», а организация разумного применения общих возможностей, регулируемая не автоматической «невидимой рукой», а сознательным общественным действием. Произведенное богатство будет доставаться потребителям непосредственно по потребностям, а не в соответствии с «платежеспособностью». Вместе с трудом исчезнут абстрактные всеобщности денег и государства. На смену разделенным нациям придет всемирное общество, не нуждающееся больше в границах, и в нем любой человек сможет свободно передвигаться и оставаться в любом месте.</p>
<p>Критика труда &#8211; это объявление войны господствующему порядку, а отнюдь не мирное сосуществование одной из ниш с принуждением, исходящим от этого порядка. Лозунг социального освобождения может гласить только: <em>Возьмем себе то, в чем мы нуждаемся!</em>Не будем больше извиваться на коленях под ярмом рынков труда и демократического управления кризисом. Предпосылкой этого является контроль новых форм социальной организации (свободных ассоциаций, Советов) над условиями воспроизводства всего общества. Это требование принципиально отличает противников труда от всех политиков ниш и душонок «огородного социализма».</p>
<p>Господство труда раскалывает человеческую индивидуальность. Оно отделяет экономического субъекта от гражданина государства, рабочий скот от человека в свободное время, абстрактное публичное от абстрактного частного, производимую мужественность от производимой женственности и противопоставляет изолированного одиночку его собственному общественному целому как чуждой, господствующей над ним силе. Противник труда стремится к ликвидации этой шизофрении путем присвоения общественного целого сознательно и осознанно действующими людьми.</p>
<h4>17. Программа ликвидации в противовес любителям труда</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>Противников труда будут называть фантазерами. Будут говорить: история доказала, что общество, не основанное на принципах труда, побуждения к росту, рыночной конкуренции и индивидуального эгоизма, не может функционировать. Итак, вы, апологеты существующей системы, хотите сказать, что капиталистическое товарное производство действительно обеспечивает большинству людей хотя бы отдаленно приемлемую жизнь? Вы называете это «функционированием», если скачкообразный рост производительных сил выбрасывает миллиарды людей за пределы человечества и они должны быть рады влачить жизнь на свалках? Если миллиарды других едва выносят сумасшедшую жизнь под диктатом труда, изолированные и одинокие, с безвкусно оглушенным разумом, физически и психически больные? Если мир превращается в пустыню, только чтобы из денег сделать еще больше денег? Ну, хорошо. Это и есть то, как «функционирует» ваша грандиозная система труда. Но на такие успехи мы не претендуем!</p>
<p>Ваше самодовольство основано на незнании и слабости вашего разума. Единственное оправдание, которое вы находите для ваших нынешних и будущих преступлений, &#8211; это состояние мира, который покоится на ваших прежних преступлениях. Вы позабыли, заставили себя забыть, какие государственные убийства понадобились, пока ваш лживый «естественный закон» не был пытками вбит в сознание людей, так что они почти что почитают за счастье, когда им, не спрашивая их желания, дают «занятость» и позволяют расходовать их жизненную энергию для абстрактной самоцели вашего идола системы.</p>
<p>Потребовалось выкорчевать все институты самоорганизации и основанного на самоопределении сотрудничества, прежде чем человечество вообще оказалось в состоянии усвоить господство труда и эгоизма. Возможно, вся работа уже действительно совершена. Мы &#8211; не чрезмерные оптимисты. Мы не можем знать, удастся ли освобождение от этого обусловленного существования. Остается открытым, приведет ли гибель труда к преодолению трудового безумия или к концу цивилизации.</p>
<p>Вы возразите, что с ликвидацией частной собственности и принуждения к зарабатыванию денег прекратится всякая деятельность и воцарится всеобщая лень. Так вы признаете, что вся ваша «естественная» система покоится на чистом принуждении? И вы поэтому боитесь лени как смертного греха против духа вашего идола труда? Но противники труда ничего не имеют против лени. Одна из их первоочередных целей &#8211; восстановление культуры досуга, известной раннее во всех обществах и уничтоженной для того, чтобы утвердить неутомимое и позабывшее о разуме производство. Вот почему противники труда в первую очередь без остатка закроют все отрасли производства, которые вообще служат только для поддержания безумной самоцели товарного производства, не считаясь ни с какими потерями.</p>
<p>Мы говорим не только о таких, очевидно опасных для общества отраслях труда, как автомобильная, военная и атомная промышленность, но и о производстве тех многочисленных протезов разума и убогих предметов развлечения, которые призваны обманывать человека труда, служа ему эрзацем растраченной зря жизни. Исчезнет и огромное число видов деятельности, совершаемых лишь потому, что массы продукции должны быть втиснуты в игольное ушко денежной формы и рыночного опосредования. Или вы считаете, что когда вещи будут изготовляться в соответствии с потребностями и все станут просто брать то, в чем они нуждаются, все еще понадобятся бухгалтеры и экономисты, специалисты по маркетингу и продавцы, представители и авторы рекламных текстов? Зачем нужны будут финансовые работники и полицейские, социальные работники и управляющие бедностью, если уже не потребуется защищать частную собственность, управлять социальной нуждой и никто не будет подвергаться воздействию отчужденного принуждения системы?</p>
<p>Мы уже слышим вопли: Что же будет с множеством рабочих мест?! Хорошо. Подсчитайте спокойно, какую часть своей жизни человечество ежедневно крадет у себя, только чтобы умножать «мертвый труд», управлять людьми и смазывать господствующую систему. Сколько времени могли бы мы все загорать под солнцем, вместо того чтобы мучиться ради вещей, о гротескном, репрессивном и разрушительном характере которых написаны целые библиотеки книг? Но не пугайтесь. Отнюдь не всякая деятельность прекратится, если исчезнет принуждение к труду. Но всякая деятельность изменит свой характер, когда она уже не будет втиснута в лишенную смысла сферу &#8211; самоцель абстрактно &#8211; текучего времени, а сможет следовать своим собственным, индивидуально варьирующим временным масштабам и будет включена в личные жизненные ситуации, когда и внутри крупных форм организации производства люди станут сами определять их ход, а не подчиняться диктату экономического создания стоимости. Зачем подстегивать себя дерзкими требованиями навязанной конкуренции? Следует вновь открытость для себя прелесть неторопливости.</p>
<p>Не исчезнут, конечно же, все те виды деятельности в домашнем хозяйстве и по уходу за людьми, которые в обществе труда выполняются незримо, отколото и определяются как «женские». Приготовление пищи так же невозможно автоматизировать, как пеленание младенцев. Если вместе с трудом будет преодолено разделение между социальными сферами, эта необходимая деятельность сможет выйти на свет осознанной социальной организации по ту сторону предписаний половых ролей. Она теряет свой репрессивный характер, как только перестает подчинять себе людей и совершается в равной мере мужчинами и женщинами, в зависимости от обстоятельств и потребностей.</p>
<p>Мы не утверждаем, что любая деятельность тем самым станет наслаждением. Одна в большей степени, другая &#8211; в меньшей. Конечно, всегда есть необходимые вещи, которые должны быть сделаны. Но кого это испугает, если оно не будет пожирать жизнь? И будет все больше того, что сможет делаться по свободному решению. Ведь деятельность &#8211; такая же потребность, как и досуг. Даже труд не смог окончательно задавить эту потребность, он только приспособил ее в своих целях и всосал в себя, как вампир.</p>
<p>Противники труда &#8211; не фанатики ни слепого активизма, ни столь же слепого ничегонеделания. Досуг, необходимая деятельность и свободно избранная активность должны быть приведены в разумное соотношение, ориентированное на потребности и жизненные ситуации. Если капиталистическое принуждение труда исчезнет, современные производительные силы смогут гигантски раздвинуть свободное время для всех. Зачем проводить день за днем столько часов в фабричных цехах и бюро, если всевозможные автоматы могут освободить нас от большей части этой деятельности? Зачем выжимать пот из сотен человеческих тел, если достаточно нескольких комбайнов? Затем тратить силы разума на рутинное дело, с которым без труда справится компьютер?</p>
<p>Однако лишь малую часть техники в ее капиталистической форме можно перенять для этих целей. Большую часть технических агрегатов придется полностью переделать &#8211; ведь они были сделаны согласно тупым масштабам абстрактной рентабельности. Многие технические возможности, с другой стороны, по тем же причинам вообще не получили развития. Хотя солнечную энергию можно добывать на каждом углу, общество труда запускает централизованные и опасные для жизни электростанции. И хотя щадящие методы аграрного производства давно известны, абстрактный денежный расчет сливает в воду тысячи ядов, разрушает почву и отравляет воздух. По чисто экономическим причинам элементы конструкций и продукты питания трижды гоняют вокруг Земного шара, хотя большинство вещей могут быть легко изготовлены на месте, без всякой транспортировки. Значительная часть капиталистической техники так же бессмысленна и излишня, как и относящиеся к ней затраты человеческой энергии.</p>
<p>Мы не говорим вам этим ничего нового. Но вы никогда не станете делать из этого выводы, и вы сами это хорошо знаете. Ведь вы отказываетесь от любого осознанного решения о том, какие средства производства, транспорта и коммуникаций можно использовать более разумно, а какие вредны или просто излишни. Чем лихорадочнее вы бормочите ваши мантры демократической свободы, тем ожесточенней вы отказываетесь от самой элементарной социальной свободы принимать решения, поскольку по-прежнему хотите служить властвующему трупу труда и его псевдо &#8211; &#8220;естественным законам».</p>
<p><strong> </strong></p>
<h4>18. Борьба против труда &#8211; борьба аполитическая</h4>
<p><strong></strong></p>
<p>Преодоление труда &#8211; отнюдь не туманная утопия. Всемирное общество в существующей его форме не может просуществовать еще 50 или 100 лет. Но то, что противники труда имеют дело с уже клинически мертвым идолом труда, совершенно не обязательно облегчает их задачу. Ведь чем сильнее обостряется кризис общества труда, а все попытки подлатать его проваливаются, тем больше становится пропасть между изоляцией беспомощных социальных монад и необходимостью <em>движения за возвращение самих себя</em>в масштабе всего общества. Все более зверский облик социальных отношений в огромной части мира показывает, что старое сознание, основанное на труде и конкуренции, воспроизводится на все более низком уровне. Несмотря на все импульсы недомогания капитализма, постепенная утрата цивилизации кажется естественной формой протекания кризиса.</p>
<p>Именно перед лицом столь негативной перспективы было бы фатальным пренебречь выдвижением всеобъемлющей программы практической критики труда в масштабах всего общества и ограничиться лишь созданием жалкой экономики выживания на руинах общества труда. Критика труда имеет шансы на успех, только если поведет борьбу против течения разобществления, а не будет подхвачена им. Но цивилизацию уже нельзя защитить способами демократической политики; это можно сделать только против нее.</p>
<blockquote><p>«Наша жизнь &#8211; это убийство работой, мы 60 лет висим на веревке и дергаемся, но мы перережем ее и освободимся»</p>
<p>Георг Бюхнер</p>
<p>«Смерть Дантона» (1835)</p></blockquote>
<p>Кто стремится к освободительному возвращению самого себя и к переустройству всего общества, не может игнорировать инстанции, которые до сих пор организовывали условия его существования. Невозможно восстать против отчуждения собственных общественных возможностей, не вступая в конфронтацию с государством. Ведь государство не только управляет примерно половиной общественного богатства, но и обеспечивает принудительное подчинение всего общественного потенциала требованиям создания стоимости. Но хотя противники труда не могут игнорировать государство и политику, они не станут и принимать в них участие.</p>
<p>Если конец труда есть и конец политики, то политическое движение за ликвидацию труда противоречило бы само себе. Противники труда выдвигают требования к государству, но не образуют политическую партию и не намерены это делать. Целью политики может быть только завоевание государственного аппарата, чтобы сохранить общество труда. Вот почему противники труда не желают вставать у пульта власти, а хотят отключить его. Их борьба &#8211; не политическая, а антиполитическая.</p>
<p>Государство и политика современной эпохи неразрывно переплелись с принудительной системой труда и должны поэтому исчезнуть вместе с ней. Разглагольствования о возрождении политики есть лишь попытка вернуть критику экономического террора к позитивному государственному действию. Самоорганизация и самоопределение прямо противоположны государству и политике. Завоевание социально-экономических и культурных пространств свободы осуществляется не на обходном, подчиненном, ложном пути политики, а как строительство контр-общества.</p>
<p>Свобода означает: не позволять рынку отчуждать себя, а государству &#8211; управлять собой; это значит &#8211; организовать общественное целое под своим собственным руководством, без посредничества промежуточных, отчужденных механизмов. В этом смысле противники труда хотят найти новые формы социального движения и завоевать плацдармы для воспроизводства жизни по ту сторону труда. Необходимо соединить формы практики контр-общества с наступательным отказом от труда.</p>
<p>Пусть правящие силы объявляют нас сумасшедшими, потому что мы рискуем пойти на разрыв с иррациональной системой принуждения. Нам нечего терять, кроме перспективы катастрофы, в которую они нас вовлекают. Приобрести же мы должны мир по ту сторону труда.</p>
<p><em>Пролетарии всех стран, покончите с этим!</em></p>
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