Erstellt von Achim am 30. Oktober 2008
Andreas Exner
Sekretärinnen stellen an ihren Arbeitsplätzen Kerzen auf; Schulklassen pilgern in den Landtag, um seinen Sarg zu sehen; ein Meer von Kerzen macht aus der Unfallstelle einen Friedhof; der ORF wittert große Traurigkeit; sie lege sich auf den Klagenfurter Hauptplatz, breite sich aus über das ganze Land. Und wirklich, wer dieser Tage den Winden Südösterreichs lauschte, hörte sie leise weinen. Unsere Kärntnerinnen und Kärntner. Trauert, Leute, trauert. Und zwar um mich. Ich wohne hier, es ist entsetzlich. Weiterlesen »
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Erstellt von admin am 23. Oktober 2008
Schrägstellungen zur Anatomie gesellschaftlicher Affären
Streifzüge 43/2008
Franz Schandl
“Die Skandalrepublik Österreich gibt es nicht mehr, das ist endgültig vorbei.” — Alfred Worm (2000), zit. nach: Medien und Zeit, 1/2008, S. 44
Es ist ein echter Nestroy. Auch wenn fast alle meinen, dass er zu diesem Zeitpunkt schon hinüber gewesen sei, schrieb Johann Nepomuk Nestroy im Herbst 1862 an einer neuen Posse mit dem schlichten Titel: “Die Bank” oder: “Der Erfolg und sein Geheimnis”. Weiterlesen »
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Erstellt von admin am 23. Oktober 2008
Streifzüge 43/2008
Maria Wölflingseder
Der dernier cri hallt frohgemut durch die Feuilletons der Printmedien und durch die einschlägigen Sendungen des ORF-Radio Ö1, in dem sich die alternativ-links-liberalen Trendsetter ein Stelldichein geben. Ihre neuen Zauberformeln gegen Armut, Arbeitslosigkeit und alle anderen leidvollen Auswirkungen lauten: “Investieren Sie in Ihr Sozial-Kapital! Weiterlesen »
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Erstellt von admin am 23. Oktober 2008
Der Fall Fritzl verläuft einmal mehr nach den üblichen Mustern der Skandalisierung: sehr laut, aber wenig tief.
Langfassung eines Artikels aus dem Freitag 19, 9. Mai 2008
Franz Schandl
Die Moderatorin Barbara Stöckl ist “einfach nur fassungslos”. Die grüne Unternehmerin Monika Langthaler erleidet sogar eine “totale Fassungslosigkeit”, und der Kinderbuchautor Thomas Brezina bringt es schlussendlich auf den Punkt: “Unfassbar und unvorstellbar sind die Begriffe für die Qual der Menschen…”! “Blankes Entsetzen bei Bevölkerung und Prominenten”, schlagzeilte daher die Tageszeitung “Österreich” am 29. April. Genau das ist der Fall. Leider.
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Erstellt von admin am 23. Oktober 2008
Zur Affäre Clinton. Zehn Jahre danach.
Franz Schandl
Die Magazine waren voll und die Sendungen gingen über. Die Geschichte faszinierte und das Geschäft lief gut. Der mächtigste Mann der Welt wurde zum globalen Gespött. Niemand konnte sich dem Schauspiel entziehen. Alle sahen zu. Und wohl nicht wenige wussten nachher mehr über die Sexualpraktiken des amerikanischen Präsidenten als über die eigenen Gelüste. Der Starr Report, benannt nach dem Sonderermittler in Sachen Clintonscher Sexualität, wurde zum Bestseller, abertausende Videokassetten des peinlichen Verhörs wanderten über die Ladentische, Millionen von Zuschauern bestaunten Clintons Beichte vor seinem Inquisitor.
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Erstellt von admin am 23. Oktober 2008
… und der Widerstand gegen RFID
Streifzüge 42/2008
Stefan Meretz
RFID ist die Abkürzung von Radio Frequency Identification. Es handelt sich um eine Funktechnik zur kontaktlosen Erkennung von elektronischen Chips. Mit Hilfe von speziellen Lesegeräten können solche Funkchips auf eine bestimmte Entfernung ausgelesen werden - unabhängig davon, worauf oder worin sie angebracht wurden. Auf diese Weise kann der Weg von Gütern oder auch Lebewesen verfolgt (”getrackt”) werden. Die RFID-Technik ist in jüngster Zeit durch die neuen elektronischen Reisepässe in der EU bekannt geworden. Die Technik ist jedoch wesentlich älter. Unter dem Slogan “Internet der Dinge” vollzieht sich die eigentliche Revolution im Bereich der Logistik.
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Erstellt von admin am 23. Oktober 2008
Streifzüge 42/2008
Peter Samol
Es soll ja wirklich Menschen mit der Auffassung geben, Armut fange erst mit dem Hunger an. Aber selbst solche müssen inzwischen der Aussage zustimmen, dass in Deutschland die Armut um sich greift. Seitdem im Januar 2005 die Hartz-IV-Gesetze in Kraft getreten sind, können Lehrer immer häufiger von hungrigen Kindern im Unterricht erzählen. Selbst auf den Grundschulen. Mit der Einführung von Hartz IV ist auch der Regelsatz für Schulkinder deutlich gesenkt worden. Für die Ernährung der Sieben- bis Vierzehnjährigen sind seitdem statt 2,82 nur noch 2,28 Euro pro Tag vorgesehen. Der tatsächliche Tagesbedarf für gesunde Ernährung liegt nach Forschermeinung aber sowieso bei knapp fünf Euro. Wenn es aber hinten und vorne nicht mehr langt, gehen jetzt offenbar Kinder auch schon beim Essen leer aus. Zudem hat sich die Zahl der auf Unterstützungsleistungen angewiesenen Kinder seit der Einführung von Hartz IV auf 2,5 Millionen verdoppelt. Hinzu kommen weitere knapp sechs Millionen Kinder, deren Eltern nicht über ein existenzsicherndes Einkommen verfügen und zumindest zeitweise auf Aufstockung nach Hartz IV angewiesen sind.
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Erstellt von admin am 23. Oktober 2008
Streifzüge 42/2008
Lorenz Glatz
Von Zeit zu Zeit machen sie ein wenig von sich reden, die “Brotunruhen” in verschiedenen Ländern der so genannten Dritten Welt. Ob in Mexiko, Jemen, Mauretanien, Usbekistan, Senegal, Pakistan oder Indonesien - die Polizei prügelt Hungerdemonstranten. Diese melden mit ihren Umzügen und Straßenschlachten durchaus dringenden Bedarf an, aber keine Nachfrage. Zu einer solchen wird ihr Bedürfnis höchstens dann, wenn die beunruhigten Regime durch politische Maßnahmen die Preise so weit senken können, dass Unruhe und Hunger wieder unter das kritische Ausmaß sinken. Stilles Leiden und Sterben ist nicht einmal eine Meldung wert.
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Erstellt von admin am 23. Oktober 2008
Streifzüge 42/2008
Peter Samol
Immer mehr Dinge des täglichen Lebens werden nur noch denen gewährt, die dafür bezahlen. Ein neuer exemplarischer Fall ist seit kurzem in der 9000-Seelen-Gemeinde Dörentrup im lippischen Bergland (Nordrhein-Westfalen) zu verzeichnen. Seit einiger Zeit wird dort aufgrund von städtischen Finanznöten jeden Abend um 22:30 die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet. Doch für solvente Nachtschwärmer tut sich seit kurzem eine neue Möglichkeit für einen beleuchteten Heimweg zu später Stunde auf. Seit Herbst 2007 können Passanten gegen eine Handy-SMS zum Kostenpunkt von 50 Cent pro Straßenzug für 15 Minuten Laternenlicht einkaufen. Der Initiator dieses Konzeptes, seines Zeichens nicht Anbieter sondern Kunde, machte sich Sorgen um seine 17-jährige Tochter, die abends allein mit dem Fahrrad unterwegs ist. Die zuständigen Stadtwerke haben die Idee dankbar aufgegriffen und sich einen hippen Namen für die Bezahlbeleuchtung ausgedacht: “Dial4Light”. Licht “on Demand” sei umweltschonend, denn die Laternen würden nur noch dann brennen, wenn es nötig sei. Das, so möchte man einwenden, träfe allerdings auch dann zu, wenn das Licht kostenfrei abrufbar wäre. Am besten per Knopfdruck, damit man sich auch ohne Handy bedienen könnte. Die Anbieter sind schon dabei, das System bundesweit zu vermarkten. Erste Interessenten haben sich bereits gemeldet. “Dial4Light” dürfte so manche Gemeinde dazu animieren, ihre Straßenbeleuchtung auszuschalten, um sie anschließend kostenpflichtig wieder anzubieten. Das Ganze ist ein weiteres Beispiel für eine Gesellschaft, in der man zunehmend für jedes noch so geringe Bedürfnis zu zahlen hat. Wer sich das nicht leisten kann, der bekommt eben nichts. Hartz-IV-Empfänger, Armutslohnempfänger und andere Angehörige des Prekariats werden immer häufiger im Dunkeln nach Hause gehen müssen. Das wird so mancher Apologet der Armutsverwaltung ganz praktisch finden. Heißt es doch schon bei Bertold Brecht: “Die im Dunkeln sieht man nicht”.
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Erstellt von admin am 23. Oktober 2008
Generalized Resource Shortages as a Historical Crisis of the Social Formation of Capitalism
deutsche Version
www.stateofnature.org
Andreas Exner, Christian Lauk & Konstantin Kulterer
“If there is a lack of appropriate analysis of environmental processes and societal relations to nature because they don’t fit into the wishful thinking of ‘eternal capitalism,’ dangerous ways of ideologically processing the crisis can gain momentum.”
Rising prices for food are increasing hunger, a global recession is waiting in the wings, and at the same time, energy is getting more and more expensive. Within only a few years, the terrain has changed dramatically for left movements. Nonetheless, many people are still holding on to well-known formulas. Unfortunately, they don’t fit the new circumstances.
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