RSS - wie funktioniert das? News mit RSS abonnieren

krisis

Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft

Artikel zum Thema »Alltag und Wahn« von Franz Schandl

24.03.2009 Beitrag drucken

Der Allmächtl von Amstetten

Anmerkungen zum Prozess gegen Josef Fritzl

“Freitag” online 16.3.09

Franz Schandl

Wollte Österreich heuer Linz als europäische Kulturhauptstadt präsentieren, so ist nun eine ganz andere Stadt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Der „Jahrhundertprozess“ gegen Josef Fritzl macht’s möglich, St. Pölten ist nicht nur weltberühmt, es erscheint dieser Tage gar als die Barbareihauptstadt des Kontinents. Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

Skandal als Skandalisierung

Schrägstellungen zur Anatomie gesellschaftlicher Affären

Streifzüge 43/2008

Franz Schandl

“Die Skandalrepublik Österreich gibt es nicht mehr, das ist endgültig vorbei.” — Alfred Worm (2000), zit. nach: Medien und Zeit, 1/2008, S. 44

Es ist ein echter Nestroy. Auch wenn fast alle meinen, dass er zu diesem Zeitpunkt schon hinüber gewesen sei, schrieb Johann Nepomuk Nestroy im Herbst 1862 an einer neuen Posse mit dem schlichten Titel: “Die Bank” oder: “Der Erfolg und sein Geheimnis”. Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

Unfassbar? Unvorstellbar?

Der Fall Fritzl verläuft einmal mehr nach den üblichen Mustern der Skandalisierung: sehr laut, aber wenig tief.

Langfassung eines Artikels aus dem Freitag 19, 9. Mai 2008

Franz Schandl

Die Moderatorin Barbara Stöckl ist “einfach nur fassungslos”. Die grüne Unternehmerin Monika Langthaler erleidet sogar eine “totale Fassungslosigkeit”, und der Kinderbuchautor Thomas Brezina bringt es schlussendlich auf den Punkt: “Unfassbar und unvorstellbar sind die Begriffe für die Qual der Menschen…”! “Blankes Entsetzen bei Bevölkerung und Prominenten”, schlagzeilte daher die Tageszeitung “Österreich” am 29. April. Genau das ist der Fall. Leider.

Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

Puritanische Orgien

Zur Affäre Clinton. Zehn Jahre danach.

Franz Schandl

Die Magazine waren voll und die Sendungen gingen über. Die Geschichte faszinierte und das Geschäft lief gut. Der mächtigste Mann der Welt wurde zum globalen Gespött. Niemand konnte sich dem Schauspiel entziehen. Alle sahen zu. Und wohl nicht wenige wussten nachher mehr über die Sexualpraktiken des amerikanischen Präsidenten als über die eigenen Gelüste. Der Starr Report, benannt nach dem Sonderermittler in Sachen Clintonscher Sexualität, wurde zum Bestseller, abertausende Videokassetten des peinlichen Verhörs wanderten über die Ladentische, Millionen von Zuschauern bestaunten Clintons Beichte vor seinem Inquisitor.

Weiterlesen »

31.12.2007 Beitrag drucken

Bitte warten!

Zur ökonomischen Beschlagnahme menschlicher Lebenszeit

Aus: Die Brücke 145 / 2007

Franz Schandl

Tolle Daten an den Börsen sollen nicht vergessen lassen, was viel wichtiger ist, auf jeden Fall für jene, die man als Betroffene dieser liberalisierten Wunderwelt bezeichnen muss. Auf unseren Postämtern etwa erleben wir nicht nur in der Vorweihnachtszeit Folgendes: gestresstes Personal hinter den Schaltern und unruhige Kundschaft vor den Schaltern. Kurzum eine Fehlschaltung sondergleichen, zumindest dann, wenn wir unterstellen wollen, dass die Menschen davor und dahinter als ebensolche gelten. Oder war das mal und wird nie mehr?

Weiterlesen »

31.12.2007 Beitrag drucken

Ausgelitten

Florian Felix Weyh therapiert die Demokratie zu Tode

Streifzüge 41/2007

Franz Schandl

Das Unbehagen an der Demokratie ist evident. Nur, worin besteht es? Zweifellos ist es nötig zu fragen, was Demokratie ist, woher sie kommt, was sie kann, wie sie funktioniert, wo ihre Integrationskraft und wo ihre Schwächen liegen. Doch macht Florian Felix Weyh das? Nein, für ihn steht die Demokratie außerhalb der Debatte: “Vielmehr dürfen wir sie mit guten Gründen als Ende aller Zivilisationsentwicklung betrachten” (S. 31), schreibt er. “Die deutsche Nachkriegsdemokratie ist ein Erfolgsmodell sondergleichen. Sie hat uns Frieden, Wohlstand und Stabilität beschert. An ihrer Kontinuität ist nicht zu zweifeln.” (S. 25) Demokratie wird umso frenetischer bejubelt, je mehr alle ihre Instrumente in Misskredit geraten sind. So auch in diesem Band. Nicht die Demokratie wird diskutiert, sondern ausschließlich deren Wahlverfahren.

Weiterlesen »

31.12.2006 Beitrag drucken

Vom Einkaufen

Notizen zum gesellschaftlichen Stoffwechsel – Teil 1

Streifzüge 37/2006

von Franz Schandl

“Henry Ford hat kürzlich hundert Millionen Dollar für die Errichtung einer Schule gestiftet, die er die Schule der Zukunft nennt. ‚Ich habe so lange Autos fabriziert’ erklärte er, ‚bis ich den Wunsch bekam, nunmehr Menschen zu fabrizieren. Die Losung der Zeit ist Standardisierung.’ — Die erste Musterschule Fords, die ihre Tätigkeit bereits begonnen hat, nimmt nur Knaben im Alter von 12 bis 17 Jahren auf. Verpönt sind Sprachen, Literatur, Kunst, Musik und Geschichte. — Die Lebenskunst müssen die Schüler lernen, sie müssen verstehen, zu kaufen und zu verkaufen — “ (Karl Kraus, Der Fordschritt (1930); Schriften, Band 20, Frankfurt am Main 1994, S. 162.)

Was passiert beim Kauf? Wessen Gestalt ist er? Was geht in uns vor? Was machen wir da? Was stellen wir an und wie?

Weiterlesen »

31.12.2006 Beitrag drucken

Vom Verkaufen

Notizen zum gesellschaftlichen Stoffwechsel – Teil 2

Streifzüge 38/2006

von Franz Schandl

Forsch zur Sache schreitet Niklas Luhmann. Sein Band “Die Wirtschaft der Gesellschaft” (Frankfurt am Main 1994) beginnt gleich mit den Preisen, im Index finden sich weder die Begriffe Kaufen noch Verkaufen. Worum es ihm geht, ist die Zahlung: “Ein System, das auf der Basis von Zahlungen als letzten, nicht weiter auflösbaren Elementen errichtet ist, muss daher vor allem für neue Zahlungen sorgen.” (S. 17) Das, was deren Bedingung ist, was hinter den Zahlungen steckt, kommt nur am Rande vor. Für Luhmann scheint da kein Problem vorhanden zu sein, zumindest keines, das er, der alles theoretisieren will, theoretisieren möchte. Und Luhmann steht hier nicht alleine. Kaufen gilt solch forschen Forschern als fixe Größe der menschlichen Spezies. Ein Problem sehen die politischen Ökonomen erst dann gegeben, wenn nicht mehr gezahlt werden kann, aber keineswegs in dem Umstand, dass gekauft werden muss.

Weiterlesen »

31.12.2005 Beitrag drucken

Charles und Camilla

Glückwunschtelegramm zur bevorstehenden Vermählung

03/2005

Von Franz Schandl

Muss man Camilla Parker sympathisch finden, weil fast alle sie unsympathisch finden? Irgendwie schon. Die Entladungen des Boulevards, die keine Entgleisungen sind, sondern nur das innerste Wesen nach außen stülpen, legen zumindest Wohlwollen nahe. Indes, wie kommt man überhaupt dazu, hier gefühlsmäßig zur Stellungnahme gezwungen zu werden? Würde Camilla (aber auch Diana) jemand kennen, wäre sie nicht irgendwie mit Prinz Charly verbandelt. Und gilt das nicht ebenso für Charles, wäre er nicht ein geworfener Royal? Sowieso. Aber aktuell ist es unmöglich, daran teilnahmslos vorbeizugehen.

Weiterlesen »

31.12.2005 Beitrag drucken

Spam als Stau

Probleme virtuellen Sondermülls

aus: junge Welt vom 30.6.2005

Von Franz Schandl

Da soll in Nigeria investiert werden, christliche Frauen aus dem amerikanischen Mittelwesten suchen ebenso christliche Männer, und auch die braune Pest betätigt sich als braune Post. Und immerwährend lockt die Potenzierung des männlichen Zepters: „Increase the length and girth of your penis“. Viagra und Valium nicht zu vergessen. Beliefert werden die Kunden je nach Größe ihres Anbieters. Fast täglich entferne ich Spams. Wie oft ich im Leben schon deswegen auf „Löschen“ und „Bestätigen“ drücken musste, ich weiß es nicht. So wie man die Klospülung betätigt, reinigt man auch die Mailboxen. Unwillig, aber gutwillig. Die paar Handgriffe dürfen uns doch nicht aufregen, oder? Doch diese Handgriffe addieren, nein: multiplizieren, nein: potenzieren sich. Es wäre schon interessant zu wissen, wie viele Stunden ein durchschnittlicher User im Jahr an solcherlei Entsorgung verliert.

Weiterlesen »

31.12.2005 Beitrag drucken

Nierenverkäufer

Über das Ersatzteillager Mensch

Aus: junge Welt vom 24.11.2005

Von Franz Schandl

„Prima Sonderangebot“, inserierte unlängst ein Wiener: „Wer braucht meine Niere? A1 positiv. Gesund. Nichtraucher. Anti-Alkoholiker. Fixpreis 150.000 Euro.“ Legal kann solch Transaktion freilich nicht ablaufen. „Spenden sind nur zwischen Verwandten und guten Freunden erlaubt“, hält etwa das Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) fest. Und auch da darf offiziell kein Geld im Spiel sein. Selbst die Internetbörse eBay sah sich vor einigen Monaten gezwungen mitzuteilen, dass das Versteigern menschlicher Organe verboten sei. Bei „illegalem Organhandel“ tritt zur Zeit noch die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Alles geht nicht oder auch bloß: noch nicht!

Weiterlesen »

31.12.2005 Beitrag drucken

Bitte warten!

Über kaum wahrgenommene Angriffe auf unsere Lebenszeit

Aus: junge Welt vom 03.12.2005

Von Franz Schandl

Wer kennt sie nicht, diese tröstenden Worte aus dem Telefon, wenn eins wieder einmal in die Warteschleife geraten ist. Das bürgerliche Subjekt ist darauf dimensioniert, nicht warten zu dürfen, aber verurteilt warten zu müssen. „Kleinste Wartezeiten machen uns schier wahnsinnig“, heißt es in der inzwischen eingestellten yuppigen Youngster-Beilage der Süddeutschen Zeitung mit dem bezeichnenden Namen „Jetzt!“. Das Warten ist Ausdruck des gesellschaftlichen Staus. Die auf Tempo abgerichteten Leute bekommen dann Probleme, sind doch stets Termine vorgegeben und einzuhalten. Sie werden unruhig und nervös. Das ist kein persönliches Manko, sondern eine rationale Reaktion innerhalb der Irrationalität.

Weiterlesen »

30.12.2004 Beitrag drucken

Fan und Führer

Anregungen zu einer Typologie des affirmativen Unwesens

Franz Schandl

„Warum Halbgott sein wollen? Warum nicht lieber Vollmensch?“1
(Arnold Schönberg)

Wenn wir den grassierenden Populismus in seinen verschiedenen, nicht nur politischen Varianten analysieren, dann sollten wir uns mehr um dessen kulturindustriellen Kern kümmern (Medien, Vergnügungsindustrie, Mode, Werbung) als vorschnell in historische Analogien flüchten. Die Analogiebildung zählt überhaupt zu den dürftigsten Methoden der Forschung, eben weil sie den Gegenstand aus seiner unmittelbaren Umgebung ablöst und ihn in ein anderes historisches Bezugsfeld stellt; somit in identitätslogischer Reduktion im Seienden und Werdenden primär das Gewesene erkennen möchte. Mit solchen Verkürzungen wollen wir hier nicht dienen. Kritische Analyse darf nicht in den retrospektiven Diskurs flüchten. Weiterlesen »

31.12.2002 Beitrag drucken

Olympische Winterspiele

INSZENIERUNG VON SONDERWOHLSTANDSZONEN

Um vieles deutlicher als die Sommerspiele präsentiert sich die Winterolympiade als Heerschau okzidentaler Überlegenheit.

(ungekürzte Fassung, eine Kurzfassung erschien im Freitag, 22. Februar 2002)

Von Franz Schandl

Die Olympischen Winterspiele sind nicht nur die weißen Spiele, sondern auch die Spiele der Weißen. Global betrachtet handelt es sich um Reichtums-Vorführungen der Sonderwohlstandszonen des Nordens. Technisches Material, öffentliche und private Ressourcen sind von geradezu ausschlaggebender Bedeutung.

Weiterlesen »

31.12.1999 Beitrag drucken

To catch with the eyes

In den Fängen des Netzes

“Begierde sei Trieb mit dem Bewußtsein des Triebes.” — Spinoza, Die Ethik

“Das Netz ist ein geknüpftes oder geflochtenes Maschenwerk, dessen Fadenlegungen an den Kreuzungsstellen z.B. durch Verknotungen so festgehalten werden, daß sie regelmäßige, meist rhombenförmige Maschen bilden. Wie das Quadratnetz in der Kartografie als System von sich schneidenden Linien zur Orientierung dient, so bilden unterschiedlich lockere Netzstrukturen auf der Haut oder einem textilen Untergrund reizvolle Raster, die den erotischen Effekt des Gefangenseins simulieren.” — Gerda Buxbaum

Franz Schandl

Worum es also geht, das sind Bodies und Strümpfe. Vorausgesetzt sie treten im Netz an oder auf. Ihrer Vorstellung und Anwendung dienen die folgenden Ausführungen.

Weiterlesen »

31.12.1997 Beitrag drucken

Muss gehorcht doch werden!

Elementare Skizzen über das Handy

Franz Schandl

“Ohne Handy fühlt sich der Kunde nackt”, weiß Pekka Rantala, Geschäftsführer der Nokia Mobile Phones in Österreich. Niemand soll länger als einen Tag ohne Handy sein, lautet daher die Devise des 31jährigen Ökonomen aus Finnland. Betrachten wir die gegenwärtigen Werbekampagnen ist das kein seltsamer Wunsch, sondern die sich abzeichnende Realität.

Weiterlesen »

31.12.1997 Beitrag drucken

Der Kapitalismus und du

Fragmente einer Kritik des bürgerlichen Alltags

Streifzüge 2/1997

von Franz Schandl

Der Alltag hat in den letzten Jahrzehnten zweifellos eine steile Karriere gemacht. Nachdem das Alltägliche in der Wissenschaft vorher kaum Beachtung gefunden hat, stand das profane Leben plötzlich im Mittelpunkt gelehrter Aufmerksamkeit. Der neue Forschungsgegenstand wurde aber weniger kritisch rezipiert als süchtig aufgenommen. Es triumphierte die deskriptive Gier der Anhäufung. Jeder Furz war würdig der Aufarbeitung. Jede G’schicht konnte da Geschichte werden. Ganze Stoßtrupps von Historikern und Soziologen fielen über die “Normalsterblichen” her und heuchelten Interesse.

Weiterlesen »

31.12.1996 Beitrag drucken

Dimensionen des Mülls

Franz Schandl

Der Autor ist Historiker  und Publizist in Wien. Der hier vorliegende Beitrag erschien erstmals in »Weg und Ziel« (Wien), Nr. 6/93. Für KRISIS wurde er überarbeitet und erweitert.

Die Ökologiebewegung weiß zwar oft, was sie nicht will, viel weniger aber weiß sie, was das ist, was sie nicht will. Woher es kommt und wohin es führt. Kritik nivelliert sich meist auf die Ebene des Räsonierens, auf »die Freiheit von dem Inhalt und die Eitelkeit über ihn«(1), wie Hegel es nannte. Veränderung bedarf aber mehr als der bloßen Verneinung. Von Niklas Luhmann muß sich die Ökologiebewegung daher zurecht vorhalten lassen: »Unversehens geht so eine Theoriediskussion in moralische Frageformen über, und das Theoriedefizit wird mit moralischem Eifer kompensiert. Die Absicht der Demonstration guter Absichten bestimmt die Formulierung der Probleme. So diskutiert man aufs Geratewohl über eine neue Umweltethik, ohne die Systemstrukturen zu analysieren, um die es geht.«(2)

Weiterlesen »