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Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft

Artikel zum Thema »Alltag und Wahn«

26.09.2010 Beitrag drucken

Oben bleiben. Weiter gehen

Jeder vernünftige Mensch ist gegen Stuttgart 21

Emanzipation und Frieden

Jeder vernünftige Mensch ist gegen Stuttgart 21. Doch nicht jedes Argument gegen S21 ist vernünftig. Es ist z.B. vernünftig zu sagen, das Geld solle besser für dringende soziale Bedürfnisse ausgegeben werden. Falsch ist es jedoch, S21 „volkswirtschaftlichen Irrsinn“ zu nennen (so z.B. U. Maurer von der Linkspartei). Denn dieses — zweifelsohne irrsinnige — Projekt macht wirtschaftlich durchaus Sinn. Und das ist der Kern des Problems. Weiterlesen »

04.03.2010 Beitrag drucken

Arm, aber mutig

Julian Bierwirth


Der Kapuzinermönch richtet seinen besorgtem Blick in die Kamera: Viel zu viele Jugendliche in Deutschland lebten in zu großer Not, hätten keine Arbeit und kein zu Hause. Deshalb, so Bruder Paulus, unterstütze er das Europäische Jahr 2010, weil es die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben fordere. Die Kamera zoomt dichter an den Geistlichen heran. Alles im Auftreten des Bettelmönchs ist auf einen Effekt aus: der sorgsam einstudierte Text, der mitfühlende Blick, das aufmunternde Nicken beim Sprechen, die sorgsam eingestreuten Vokabeln aus einer vermeintlichen Alltagssprache von Jugendlichen: es soll Lebensnähe und Fürsorglichkeit, Kompetenz in der Sache und Ernsthaftigkeit im Anliegen gleichermaßen zum Ausdruck bringen. Weiterlesen »

16.09.2009 Beitrag drucken

Kapital braucht Arbeit

Eine Rückkehr zum auf Arbeit gegründeten Kapitalismus wird es nicht geben. Das wissen Politiker wie Wähler. Und dennoch: Die Politiker behaupten es, und die Wähler wählen sie dafür.

Ernst Lohoff

»Arbeit muss sich wieder lohnen«, heißt es auf den aktuellen Wahlplakaten der FDP. Seit Jahrzehnten wird dies auf deutschen Wahlplakaten proklamiert. Die SPD verspricht in diesem Jahr: »Die SPD kämpft für Arbeitsplätze«. »Jobs, Jobs, Jobs«, heißt es auf den Plakaten der Grünen. Mit der gleichen Prioritätenliste werben auch alle anderen Parteien. Ist also alles wie immer? Nicht so ganz. Weiterlesen »

16.09.2009 Beitrag drucken

Jobs, Jobs, Jobs

Die belanglosen Slogans der Parteien ­offenbaren vor allem eins: grenzenlosen Konformismus.

Roger Behrens

Es steht seit einer Woche direkt vor unserem Haus und verstellt die Aussicht aus dem Küchenfenster: Das Wahlplakat von Bündnis 90/Die Grünen. »Jobs, Jobs, Jobs« ist darauf zu lesen. Das ist allemal keine Forderung, sondern eine Drohung. Weiterlesen »

13.07.2009 Beitrag drucken

Geschmacks- und Herrschaftsfragen

Anmerkungen zu Martin Scheuringers Beerdigung der Kritischen Theorie

Streifzüge 46/2009

Julian Bierwirth


Als ich im Juli 2008, also ziemlich direkt während der Fußball-Europameisterschaft, die Streifzüge aufschlug, da war ich zunächst recht begeistert. “Endlich schreiben die mal was über die Hintergründe der elendigen Fahnenschwenkerei!”, dachte ich bei mir, als ich Martin Scheuringers “Rausch ohne Rechnung! Fußball, Ökonomie, Pädagogik und Begeisterung” zum ersten Mal erblickte. Die Begeisterung war jedoch schnell verklungen. Weiterlesen »

24.03.2009 Beitrag drucken

Der Allmächtl von Amstetten

Anmerkungen zum Prozess gegen Josef Fritzl

“Freitag” online 16.3.09

Franz Schandl

Wollte Österreich heuer Linz als europäische Kulturhauptstadt präsentieren, so ist nun eine ganz andere Stadt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Der „Jahrhundertprozess“ gegen Josef Fritzl macht’s möglich, St. Pölten ist nicht nur weltberühmt, es erscheint dieser Tage gar als die Barbareihauptstadt des Kontinents. Weiterlesen »

18.01.2009 Beitrag drucken

Uni als Unterwerfungsinstanz

Julian Bierwirth

In den letzten Jahren ist in vielen gesellschaftlichen Bereichen durchregiert worden. Das bislang Privateste, das Ich, wurde als ökonomische Ressource entdeckt. Der direkte Konkurrenzkampf zwischen den Einzelnen soll die Lösung sein für zunehmend enger werdende Handlungsspielräume. Alle werden zu Marktsubjekten und sollen sich selbst als ökonomische Ressource begreifen, Weiterlesen »

18.01.2009 Beitrag drucken

Gross Social Happiness

Deutsche Version

Maria Wölflingseder

The new magic formula against poverty, unemployment and all other grievous dislocations is: “Invest in Social Capital. Enjoy immediate profit, the personal surplus value of voluntary activity. You, dear entrepreneur, create social and ecological surplus value.” Sociology has discovered “social capital” as a wonder cure. Weiterlesen »

30.10.2008 Beitrag drucken

Begrabt Haider

Andreas Exner

Sekretärinnen stellen an ihren Arbeitsplätzen Kerzen auf; Schulklassen pilgern in den Landtag, um seinen Sarg zu sehen; ein Meer von Kerzen macht aus der Unfallstelle einen Friedhof; der ORF wittert große Traurigkeit; sie lege sich auf den Klagenfurter Hauptplatz, breite sich aus über das ganze Land. Und wirklich, wer dieser Tage den Winden Südösterreichs lauschte, hörte sie leise weinen. Unsere Kärntnerinnen und Kärntner. Trauert, Leute, trauert. Und zwar um mich. Ich wohne hier, es ist entsetzlich. Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

Skandal als Skandalisierung

Schrägstellungen zur Anatomie gesellschaftlicher Affären

Streifzüge 43/2008

Franz Schandl

“Die Skandalrepublik Österreich gibt es nicht mehr, das ist endgültig vorbei.” — Alfred Worm (2000), zit. nach: Medien und Zeit, 1/2008, S. 44

Es ist ein echter Nestroy. Auch wenn fast alle meinen, dass er zu diesem Zeitpunkt schon hinüber gewesen sei, schrieb Johann Nepomuk Nestroy im Herbst 1862 an einer neuen Posse mit dem schlichten Titel: “Die Bank” oder: “Der Erfolg und sein Geheimnis”. Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

“Bruttosozialglück”

Streifzüge 43/2008

Maria Wölflingseder

Der dernier cri hallt frohgemut durch die Feuilletons der Printmedien und durch die einschlägigen Sendungen des ORF-Radio Ö1, in dem sich die alternativ-links-liberalen Trendsetter ein Stelldichein geben. Ihre neuen Zauberformeln gegen Armut, Arbeitslosigkeit und alle anderen leidvollen Auswirkungen lauten: “Investieren Sie in Ihr Sozial-Kapital! Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

Unfassbar? Unvorstellbar?

Der Fall Fritzl verläuft einmal mehr nach den üblichen Mustern der Skandalisierung: sehr laut, aber wenig tief.

Langfassung eines Artikels aus dem Freitag 19, 9. Mai 2008

Franz Schandl

Die Moderatorin Barbara Stöckl ist “einfach nur fassungslos”. Die grüne Unternehmerin Monika Langthaler erleidet sogar eine “totale Fassungslosigkeit”, und der Kinderbuchautor Thomas Brezina bringt es schlussendlich auf den Punkt: “Unfassbar und unvorstellbar sind die Begriffe für die Qual der Menschen…”! “Blankes Entsetzen bei Bevölkerung und Prominenten”, schlagzeilte daher die Tageszeitung “Österreich” am 29. April. Genau das ist der Fall. Leider.

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23.10.2008 Beitrag drucken

Puritanische Orgien

Zur Affäre Clinton. Zehn Jahre danach.

Franz Schandl

Die Magazine waren voll und die Sendungen gingen über. Die Geschichte faszinierte und das Geschäft lief gut. Der mächtigste Mann der Welt wurde zum globalen Gespött. Niemand konnte sich dem Schauspiel entziehen. Alle sahen zu. Und wohl nicht wenige wussten nachher mehr über die Sexualpraktiken des amerikanischen Präsidenten als über die eigenen Gelüste. Der Starr Report, benannt nach dem Sonderermittler in Sachen Clintonscher Sexualität, wurde zum Bestseller, abertausende Videokassetten des peinlichen Verhörs wanderten über die Ladentische, Millionen von Zuschauern bestaunten Clintons Beichte vor seinem Inquisitor.

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23.10.2008 Beitrag drucken

Kommunismus der Dinge

… und der Widerstand gegen RFID

Streifzüge 42/2008

Stefan Meretz

RFID ist die Abkürzung von Radio Frequency Identification. Es handelt sich um eine Funktechnik zur kontaktlosen Erkennung von elektronischen Chips. Mit Hilfe von speziellen Lesegeräten können solche Funkchips auf eine bestimmte Entfernung ausgelesen werden – unabhängig davon, worauf oder worin sie angebracht wurden. Auf diese Weise kann der Weg von Gütern oder auch Lebewesen verfolgt (“getrackt”) werden. Die RFID-Technik ist in jüngster Zeit durch die neuen elektronischen Reisepässe in der EU bekannt geworden. Die Technik ist jedoch wesentlich älter. Unter dem Slogan “Internet der Dinge” vollzieht sich die eigentliche Revolution im Bereich der Logistik.

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23.10.2008 Beitrag drucken

Hunger 1

Streifzüge 42/2008

Peter Samol

Es soll ja wirklich Menschen mit der Auffassung geben, Armut fange erst mit dem Hunger an. Aber selbst solche müssen inzwischen der Aussage zustimmen, dass in Deutschland die Armut um sich greift. Seitdem im Januar 2005 die Hartz-IV-Gesetze in Kraft getreten sind, können Lehrer immer häufiger von hungrigen Kindern im Unterricht erzählen. Selbst auf den Grundschulen. Mit der Einführung von Hartz IV ist auch der Regelsatz für Schulkinder deutlich gesenkt worden. Für die Ernährung der Sieben- bis Vierzehnjährigen sind seitdem statt 2,82 nur noch 2,28 Euro pro Tag vorgesehen. Der tatsächliche Tagesbedarf für gesunde Ernährung liegt nach Forschermeinung aber sowieso bei knapp fünf Euro. Wenn es aber hinten und vorne nicht mehr langt, gehen jetzt offenbar Kinder auch schon beim Essen leer aus. Zudem hat sich die Zahl der auf Unterstützungsleistungen angewiesenen Kinder seit der Einführung von Hartz IV auf 2,5 Millionen verdoppelt. Hinzu kommen weitere knapp sechs Millionen Kinder, deren Eltern nicht über ein existenzsicherndes Einkommen verfügen und zumindest zeitweise auf Aufstockung nach Hartz IV angewiesen sind.

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23.10.2008 Beitrag drucken

Hunger 2

Streifzüge 42/2008

Lorenz Glatz

Von Zeit zu Zeit machen sie ein wenig von sich reden, die “Brotunruhen” in verschiedenen Ländern der so genannten Dritten Welt. Ob in Mexiko, Jemen, Mauretanien, Usbekistan, Senegal, Pakistan oder Indonesien – die Polizei prügelt Hungerdemonstranten. Diese melden mit ihren Umzügen und Straßenschlachten durchaus dringenden Bedarf an, aber keine Nachfrage. Zu einer solchen wird ihr Bedürfnis höchstens dann, wenn die beunruhigten Regime durch politische Maßnahmen die Preise so weit senken können, dass Unruhe und Hunger wieder unter das kritische Ausmaß sinken. Stilles Leiden und Sterben ist nicht einmal eine Meldung wert.

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23.10.2008 Beitrag drucken

Wähl das Licht – und bezahl dafür

Streifzüge 42/2008

Peter Samol

Immer mehr Dinge des täglichen Lebens werden nur noch denen gewährt, die dafür bezahlen. Ein neuer exemplarischer Fall ist seit kurzem in der 9000-Seelen-Gemeinde Dörentrup im lippischen Bergland (Nordrhein-Westfalen) zu verzeichnen. Seit einiger Zeit wird dort aufgrund von städtischen Finanznöten jeden Abend um 22:30 die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet. Doch für solvente Nachtschwärmer tut sich seit kurzem eine neue Möglichkeit für einen beleuchteten Heimweg zu später Stunde auf. Seit Herbst 2007 können Passanten gegen eine Handy-SMS zum Kostenpunkt von 50 Cent pro Straßenzug für 15 Minuten Laternenlicht einkaufen. Der Initiator dieses Konzeptes, seines Zeichens nicht Anbieter sondern Kunde, machte sich Sorgen um seine 17-jährige Tochter, die abends allein mit dem Fahrrad unterwegs ist. Die zuständigen Stadtwerke haben die Idee dankbar aufgegriffen und sich einen hippen Namen für die Bezahlbeleuchtung ausgedacht: “Dial4Light”. Licht “on Demand” sei umweltschonend, denn die Laternen würden nur noch dann brennen, wenn es nötig sei. Das, so möchte man einwenden, träfe allerdings auch dann zu, wenn das Licht kostenfrei abrufbar wäre. Am besten per Knopfdruck, damit man sich auch ohne Handy bedienen könnte. Die Anbieter sind schon dabei, das System bundesweit zu vermarkten. Erste Interessenten haben sich bereits gemeldet. “Dial4Light” dürfte so manche Gemeinde dazu animieren, ihre Straßenbeleuchtung auszuschalten, um sie anschließend kostenpflichtig wieder anzubieten. Das Ganze ist ein weiteres Beispiel für eine Gesellschaft, in der man zunehmend für jedes noch so geringe Bedürfnis zu zahlen hat. Wer sich das nicht leisten kann, der bekommt eben nichts. Hartz-IV-Empfänger, Armutslohnempfänger und andere Angehörige des Prekariats werden immer häufiger im Dunkeln nach Hause gehen müssen. Das wird so mancher Apologet der Armutsverwaltung ganz praktisch finden. Heißt es doch schon bei Bertold Brecht: “Die im Dunkeln sieht man nicht”.

23.10.2008 Beitrag drucken

Emancipation under Conditions that the Left Didn’t Want

Generalized Resource Shortages as a Historical Crisis of the Social Formation of Capitalism

deutsche Version

www.stateofnature.org

Andreas Exner, Christian Lauk & Konstantin Kulterer

“If there is a lack of appropriate analysis of environmental processes and societal relations to nature because they don’t fit into the wishful thinking of ‘eternal capitalism,’ dangerous ways of ideologically processing the crisis can gain momentum.”

Rising prices for food are increasing hunger, a global recession is waiting in the wings, and at the same time, energy is getting more and more expensive. Within only a few years, the terrain has changed dramatically for left movements. Nonetheless, many people are still holding on to well-known formulas. Unfortunately, they don’t fit the new circumstances.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Alles mitreißen in den Untergang

JUGENDGEWALT, VANDALISMUS, AMOK. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem ungebremsten Markt und der Zunahme von extremer Gewalt?

Freitag 21/2007

Götz Eisenberg

Früher, heißt es in einem Text Jean-Paul Sartres von 1960, sagten aufmüpfige oder auch nur unglückliche Bürgerkinder plötzlich “Scheiße” zu ihren Eltern, erhoben sich vom Mittagstisch, verließen das Haus und “gingen mit Sack und Pack zur Linken”. Dort fand ihr diffuses Unbehagen seine Begriffe und strategische Codierung. Ihre in gewaltförmigen Sozialisationsprozessen aufgestaute Wut und ihr “existenzieller Ekel” an bürgerlich-kleinbürgerlichen Formen des Umgangs fanden in der Protestbewegung politisch-rationale Ausdrucksformen. Der Widerstand gegen kleinbürgerliche Tisch- und Kleidersitten, die Revolte gegen sinnentleerte Formen des Verzichts und Gehorsams und eine rigide Sexualmoral verschmolzen mit dem Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung im eigenen Land und den Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Bitte warten!

Zur ökonomischen Beschlagnahme menschlicher Lebenszeit

Aus: Die Brücke 145 / 2007

Franz Schandl

Tolle Daten an den Börsen sollen nicht vergessen lassen, was viel wichtiger ist, auf jeden Fall für jene, die man als Betroffene dieser liberalisierten Wunderwelt bezeichnen muss. Auf unseren Postämtern etwa erleben wir nicht nur in der Vorweihnachtszeit Folgendes: gestresstes Personal hinter den Schaltern und unruhige Kundschaft vor den Schaltern. Kurzum eine Fehlschaltung sondergleichen, zumindest dann, wenn wir unterstellen wollen, dass die Menschen davor und dahinter als ebensolche gelten. Oder war das mal und wird nie mehr?

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31.12.2007 Beitrag drucken

Ausgelitten

Florian Felix Weyh therapiert die Demokratie zu Tode

Streifzüge 41/2007

Franz Schandl

Das Unbehagen an der Demokratie ist evident. Nur, worin besteht es? Zweifellos ist es nötig zu fragen, was Demokratie ist, woher sie kommt, was sie kann, wie sie funktioniert, wo ihre Integrationskraft und wo ihre Schwächen liegen. Doch macht Florian Felix Weyh das? Nein, für ihn steht die Demokratie außerhalb der Debatte: “Vielmehr dürfen wir sie mit guten Gründen als Ende aller Zivilisationsentwicklung betrachten” (S. 31), schreibt er. “Die deutsche Nachkriegsdemokratie ist ein Erfolgsmodell sondergleichen. Sie hat uns Frieden, Wohlstand und Stabilität beschert. An ihrer Kontinuität ist nicht zu zweifeln.” (S. 25) Demokratie wird umso frenetischer bejubelt, je mehr alle ihre Instrumente in Misskredit geraten sind. So auch in diesem Band. Nicht die Demokratie wird diskutiert, sondern ausschließlich deren Wahlverfahren.

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31.12.2006 Beitrag drucken

Karnevaleske Kaskaden mit Herrenmenschen-Manier

aus: DIE BRÜCKE– Forum für antirassistische Politik und Kultur

von Necati Mert – Verantwortlicher und koordinierender Redakteur des Quartal-Periodikums

“Die Bekämpfung der Vogelgrippe wird uns ganz unerwartet helfen, einige kulturelle Probleme unseres Landes im Zusammenleben mit Mitbürgern islamischen Glaubens zu lösen, insbesondere die Vielweiberei einzudämmen. Wir werden die nötigen Kontrollen bei den türkischen Geflügelzüchtern massiv verschärfen, nachdem uns dort bereits vor einiger Zeit das Angebot gemacht wurde: ‘Nehmt meine Frauen, lasst mir die Hühner!’”

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31.12.2006 Beitrag drucken

Vom Einkaufen

Notizen zum gesellschaftlichen Stoffwechsel – Teil 1

Streifzüge 37/2006

von Franz Schandl

“Henry Ford hat kürzlich hundert Millionen Dollar für die Errichtung einer Schule gestiftet, die er die Schule der Zukunft nennt. ‚Ich habe so lange Autos fabriziert’ erklärte er, ‚bis ich den Wunsch bekam, nunmehr Menschen zu fabrizieren. Die Losung der Zeit ist Standardisierung.’ — Die erste Musterschule Fords, die ihre Tätigkeit bereits begonnen hat, nimmt nur Knaben im Alter von 12 bis 17 Jahren auf. Verpönt sind Sprachen, Literatur, Kunst, Musik und Geschichte. — Die Lebenskunst müssen die Schüler lernen, sie müssen verstehen, zu kaufen und zu verkaufen — “ (Karl Kraus, Der Fordschritt (1930); Schriften, Band 20, Frankfurt am Main 1994, S. 162.)

Was passiert beim Kauf? Wessen Gestalt ist er? Was geht in uns vor? Was machen wir da? Was stellen wir an und wie?

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31.12.2006 Beitrag drucken

Vom Verkaufen

Notizen zum gesellschaftlichen Stoffwechsel – Teil 2

Streifzüge 38/2006

von Franz Schandl

Forsch zur Sache schreitet Niklas Luhmann. Sein Band “Die Wirtschaft der Gesellschaft” (Frankfurt am Main 1994) beginnt gleich mit den Preisen, im Index finden sich weder die Begriffe Kaufen noch Verkaufen. Worum es ihm geht, ist die Zahlung: “Ein System, das auf der Basis von Zahlungen als letzten, nicht weiter auflösbaren Elementen errichtet ist, muss daher vor allem für neue Zahlungen sorgen.” (S. 17) Das, was deren Bedingung ist, was hinter den Zahlungen steckt, kommt nur am Rande vor. Für Luhmann scheint da kein Problem vorhanden zu sein, zumindest keines, das er, der alles theoretisieren will, theoretisieren möchte. Und Luhmann steht hier nicht alleine. Kaufen gilt solch forschen Forschern als fixe Größe der menschlichen Spezies. Ein Problem sehen die politischen Ökonomen erst dann gegeben, wenn nicht mehr gezahlt werden kann, aber keineswegs in dem Umstand, dass gekauft werden muss.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Charles und Camilla

Glückwunschtelegramm zur bevorstehenden Vermählung

03/2005

Von Franz Schandl

Muss man Camilla Parker sympathisch finden, weil fast alle sie unsympathisch finden? Irgendwie schon. Die Entladungen des Boulevards, die keine Entgleisungen sind, sondern nur das innerste Wesen nach außen stülpen, legen zumindest Wohlwollen nahe. Indes, wie kommt man überhaupt dazu, hier gefühlsmäßig zur Stellungnahme gezwungen zu werden? Würde Camilla (aber auch Diana) jemand kennen, wäre sie nicht irgendwie mit Prinz Charly verbandelt. Und gilt das nicht ebenso für Charles, wäre er nicht ein geworfener Royal? Sowieso. Aber aktuell ist es unmöglich, daran teilnahmslos vorbeizugehen.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Spam als Stau

Probleme virtuellen Sondermülls

aus: junge Welt vom 30.6.2005

Von Franz Schandl

Da soll in Nigeria investiert werden, christliche Frauen aus dem amerikanischen Mittelwesten suchen ebenso christliche Männer, und auch die braune Pest betätigt sich als braune Post. Und immerwährend lockt die Potenzierung des männlichen Zepters: „Increase the length and girth of your penis“. Viagra und Valium nicht zu vergessen. Beliefert werden die Kunden je nach Größe ihres Anbieters. Fast täglich entferne ich Spams. Wie oft ich im Leben schon deswegen auf „Löschen“ und „Bestätigen“ drücken musste, ich weiß es nicht. So wie man die Klospülung betätigt, reinigt man auch die Mailboxen. Unwillig, aber gutwillig. Die paar Handgriffe dürfen uns doch nicht aufregen, oder? Doch diese Handgriffe addieren, nein: multiplizieren, nein: potenzieren sich. Es wäre schon interessant zu wissen, wie viele Stunden ein durchschnittlicher User im Jahr an solcherlei Entsorgung verliert.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Nierenverkäufer

Über das Ersatzteillager Mensch

Aus: junge Welt vom 24.11.2005

Von Franz Schandl

„Prima Sonderangebot“, inserierte unlängst ein Wiener: „Wer braucht meine Niere? A1 positiv. Gesund. Nichtraucher. Anti-Alkoholiker. Fixpreis 150.000 Euro.“ Legal kann solch Transaktion freilich nicht ablaufen. „Spenden sind nur zwischen Verwandten und guten Freunden erlaubt“, hält etwa das Wiener Allgemeine Krankenhaus (AKH) fest. Und auch da darf offiziell kein Geld im Spiel sein. Selbst die Internetbörse eBay sah sich vor einigen Monaten gezwungen mitzuteilen, dass das Versteigern menschlicher Organe verboten sei. Bei „illegalem Organhandel“ tritt zur Zeit noch die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Alles geht nicht oder auch bloß: noch nicht!

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31.12.2005 Beitrag drucken

Bitte warten!

Über kaum wahrgenommene Angriffe auf unsere Lebenszeit

Aus: junge Welt vom 03.12.2005

Von Franz Schandl

Wer kennt sie nicht, diese tröstenden Worte aus dem Telefon, wenn eins wieder einmal in die Warteschleife geraten ist. Das bürgerliche Subjekt ist darauf dimensioniert, nicht warten zu dürfen, aber verurteilt warten zu müssen. „Kleinste Wartezeiten machen uns schier wahnsinnig“, heißt es in der inzwischen eingestellten yuppigen Youngster-Beilage der Süddeutschen Zeitung mit dem bezeichnenden Namen „Jetzt!“. Das Warten ist Ausdruck des gesellschaftlichen Staus. Die auf Tempo abgerichteten Leute bekommen dann Probleme, sind doch stets Termine vorgegeben und einzuhalten. Sie werden unruhig und nervös. Das ist kein persönliches Manko, sondern eine rationale Reaktion innerhalb der Irrationalität.

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31.12.2004 Beitrag drucken

Die Simulation der Simulation

EIN AUGENZEUGENBERICHT VON DER PRIVATISIERUNG DER ARBEITSLOSENVERWALTUNG

Streifzüge 30/2004

von Achim Bellgart

(Dieser Text ist ein Vorabdruck aus “Dead Men Working – Gebrauchsanweisung zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs”, hg. von Ernst Lohoff u.a.)

Die Hartz-”Reformen” zielen bekanntlich darauf ab,die Kosten zu senken, die das allmähliche Verschwinden der Arbeit verursacht. Dazu gehört der Rausschmiss der Langzeitarbeitslosen aus der Arbeitslosenhilfe. Aber es kann auch noch zusätzlich gespart werden, denkt sich das Arbeitsamt. Und weil dessen Bürokraten sich inzwischen als Manager fühlen, haben sie schon was von kostensenkendem Outsourcing gehört. Gedacht, getan. Diejenigen, die gar nicht mehr zu vermitteln sind, sollen nicht mehr mit ihrer massenhaften Anwesenheit in den neuen Kundencentern der Bundesanstalt stören.

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30.12.2004 Beitrag drucken

Fan und Führer

Anregungen zu einer Typologie des affirmativen Unwesens

Franz Schandl

„Warum Halbgott sein wollen? Warum nicht lieber Vollmensch?“1
(Arnold Schönberg)

Wenn wir den grassierenden Populismus in seinen verschiedenen, nicht nur politischen Varianten analysieren, dann sollten wir uns mehr um dessen kulturindustriellen Kern kümmern (Medien, Vergnügungsindustrie, Mode, Werbung) als vorschnell in historische Analogien flüchten. Die Analogiebildung zählt überhaupt zu den dürftigsten Methoden der Forschung, eben weil sie den Gegenstand aus seiner unmittelbaren Umgebung ablöst und ihn in ein anderes historisches Bezugsfeld stellt; somit in identitätslogischer Reduktion im Seienden und Werdenden primär das Gewesene erkennen möchte. Mit solchen Verkürzungen wollen wir hier nicht dienen. Kritische Analyse darf nicht in den retrospektiven Diskurs flüchten. Weiterlesen »

31.12.2003 Beitrag drucken

Stalin kommt im Zug zurück

Von Anselm Jappe

Es gibt kleine Tatsachen des Alltagslebens, die wie ein Brennspiegel sind.Wenn man ihren Mikrokosmos eingehend betrachtet, kann man von da aus wesentliche Züge des gesellschaftlichen Ganzen erkennen.

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31.12.2002 Beitrag drucken

Olympische Winterspiele

INSZENIERUNG VON SONDERWOHLSTANDSZONEN

Um vieles deutlicher als die Sommerspiele präsentiert sich die Winterolympiade als Heerschau okzidentaler Überlegenheit.

(ungekürzte Fassung, eine Kurzfassung erschien im Freitag, 22. Februar 2002)

Von Franz Schandl

Die Olympischen Winterspiele sind nicht nur die weißen Spiele, sondern auch die Spiele der Weißen. Global betrachtet handelt es sich um Reichtums-Vorführungen der Sonderwohlstandszonen des Nordens. Technisches Material, öffentliche und private Ressourcen sind von geradezu ausschlaggebender Bedeutung.

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31.12.2002 Beitrag drucken

Selbst-Bewegung statt Auto-Mobilismus

ZUR PERSPEKTIVE EINER BEWEGUNG GEGEN DEN MOBILIS-MUSS ALS EMANZIPATORISCHER PRAXIS

von Lothar Galow-Bergemann

Dass nur noch die Gedanken frei seien und sonst nichts mehr, ist eine Horrorvorstellung. Sollen Kritik und Analyse auf Dauer mehr bewirken, als selbstgenügsame Insassen von Elfenbeintürmen mit Erkenntnis und Gedankenfutter zu versorgen, so müssen sie immer wieder auf ihre Tauglichkeit als Zugang zu Praxis erprobt werden.Wenn so viele Ansätze mit emanzipatorischem Anspruch gescheitert sind und dies mit guten Gründen, so gilt es, daraus lernend nach neuen Ansätzen zu suchen. Im folgenden sollen zwei Thesen belegt werden.

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31.12.2001 Beitrag drucken

Die Wirtschaft ist nicht die Lösung, sondern das Problem

Rede zum europaweiten autofreien Tag, 22. September 2001, in Stuttgart.

Von Lothar Galow-Bergemann

– autofrei leben, die Initiative der Autofreien –

Liebe Freundinnen und Freunde,

Wer von uns kennt es nicht: da hast du lange und geduldig mit einem Mitmenschen über all die Nachteile und schlimmen Folgen des Automobilismus gesprochen. Dein Gegenüber hat immer nur genickt und widerwillig zustimmend gebrummt. Doch plötzlich holt er zum Befreiungsschlag aus und schleudert Dir das ultimative Argument entgegen: es sind die Sprudelkästen, derentwegen mensch leider, leider und natürlich vollkommen wider bessere Einsicht halt doch mit dem Auto fahren muß.

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31.12.1999 Beitrag drucken

Gesellschaftlicher Fortschritt heute heißt Aufhebung der Arbeit

Referat gehalten am 10. Mai 1999 in Stuttgart zur Diskussionsveranstaltung “Hat die Arbeit Zukunft?”

Wer was gegen die Arbeit hat ist entweder stinkreich oder stinkfaul. Wer gar bezweifelt, daß die Arbeit unabdingbare Grundlage menschlicher Existenz sei will uns sicher auch noch allen Ernstes erzählen, daß wir auf die Luft zum Atmen verzichten könnten. So sagt es uns der gesunde Menschenverstand des Alltagsbewußtseins. Und so sagt es auch die traditionelle linke Sicht auf die Welt. Allerdings nicht, weil sie recht hat, sondern weil traditionelles linkes Denken viel mehr mit dem herrschenden Alltagsbewußtsein zu tun hat, als es selber weiß. Was zu beweisen wäre.

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31.12.1999 Beitrag drucken

To catch with the eyes

In den Fängen des Netzes

“Begierde sei Trieb mit dem Bewußtsein des Triebes.” — Spinoza, Die Ethik

“Das Netz ist ein geknüpftes oder geflochtenes Maschenwerk, dessen Fadenlegungen an den Kreuzungsstellen z.B. durch Verknotungen so festgehalten werden, daß sie regelmäßige, meist rhombenförmige Maschen bilden. Wie das Quadratnetz in der Kartografie als System von sich schneidenden Linien zur Orientierung dient, so bilden unterschiedlich lockere Netzstrukturen auf der Haut oder einem textilen Untergrund reizvolle Raster, die den erotischen Effekt des Gefangenseins simulieren.” — Gerda Buxbaum

Franz Schandl

Worum es also geht, das sind Bodies und Strümpfe. Vorausgesetzt sie treten im Netz an oder auf. Ihrer Vorstellung und Anwendung dienen die folgenden Ausführungen.

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31.12.1997 Beitrag drucken

»Zeit« ist Geld und Geld ist »Zeit«

Von der Produktion der »Zeit« zu ihrer marktwirtschaftlichen Dekonstruktion

Aus: Krisis 19

Gaston Valdivia

Das moderne Individuum klagt ständig über »Zeitmangel«. Vierundzwanzig Stunden am Tag scheinen bei weitem nicht auszureichen, um all die Anforderungen zu bewältigen, die es erfüllen soll und will. Die Ansprüche an den modernen Menschen und sein »Zeitkontingent« sind enorm und drohen, ihn schier zu zerreißen: Pädagogen und Psychologen fordern mehr »Zeit« für die Kinder; Unternehmer erwarten ganz selbstverständlich längere und dabei immer intensivere Arbeit; die »Freizeitindustrie« verlangt verstärkte »Freizeitaktivitäten« von ihren Kunden; die Gebildeteren klagen mehr »Zeit« zum Lesen ein; der Handel will seine »Erlebniswelten« besser auslasten; die Genießer hätten gern mehr Muße und alle zusammen würden gerne etwas länger schlafen.

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31.12.1997 Beitrag drucken

Muss gehorcht doch werden!

Elementare Skizzen über das Handy

Franz Schandl

“Ohne Handy fühlt sich der Kunde nackt”, weiß Pekka Rantala, Geschäftsführer der Nokia Mobile Phones in Österreich. Niemand soll länger als einen Tag ohne Handy sein, lautet daher die Devise des 31jährigen Ökonomen aus Finnland. Betrachten wir die gegenwärtigen Werbekampagnen ist das kein seltsamer Wunsch, sondern die sich abzeichnende Realität.

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31.12.1997 Beitrag drucken

Der Kapitalismus und du

Fragmente einer Kritik des bürgerlichen Alltags

Streifzüge 2/1997

von Franz Schandl

Der Alltag hat in den letzten Jahrzehnten zweifellos eine steile Karriere gemacht. Nachdem das Alltägliche in der Wissenschaft vorher kaum Beachtung gefunden hat, stand das profane Leben plötzlich im Mittelpunkt gelehrter Aufmerksamkeit. Der neue Forschungsgegenstand wurde aber weniger kritisch rezipiert als süchtig aufgenommen. Es triumphierte die deskriptive Gier der Anhäufung. Jeder Furz war würdig der Aufarbeitung. Jede G’schicht konnte da Geschichte werden. Ganze Stoßtrupps von Historikern und Soziologen fielen über die “Normalsterblichen” her und heuchelten Interesse.

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31.12.1996 Beitrag drucken

Dimensionen des Mülls

Franz Schandl

Der Autor ist Historiker  und Publizist in Wien. Der hier vorliegende Beitrag erschien erstmals in »Weg und Ziel« (Wien), Nr. 6/93. Für KRISIS wurde er überarbeitet und erweitert.

Die Ökologiebewegung weiß zwar oft, was sie nicht will, viel weniger aber weiß sie, was das ist, was sie nicht will. Woher es kommt und wohin es führt. Kritik nivelliert sich meist auf die Ebene des Räsonierens, auf »die Freiheit von dem Inhalt und die Eitelkeit über ihn«(1), wie Hegel es nannte. Veränderung bedarf aber mehr als der bloßen Verneinung. Von Niklas Luhmann muß sich die Ökologiebewegung daher zurecht vorhalten lassen: »Unversehens geht so eine Theoriediskussion in moralische Frageformen über, und das Theoriedefizit wird mit moralischem Eifer kompensiert. Die Absicht der Demonstration guter Absichten bestimmt die Formulierung der Probleme. So diskutiert man aufs Geratewohl über eine neue Umweltethik, ohne die Systemstrukturen zu analysieren, um die es geht.«(2)

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