Artikel zum Thema »Antisemitismus und Rassismus«
“Die mysteriöse Macht des Kapitals wird den Juden zugeschrieben”
Das nachfolgende Interview von Martin Thomas mit Moishe Postone erschien zuerst in »Solidarity« 3/166 vom 4. Februar 2010, dem Organ der britischen Organisation Alliance for Workers’ Liberty und wurde auf deutsch zunächst in der Jungle World veröffentlicht.
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Crash!
Una nueva leyenda está haciendo furor sobre el origen de la crisis : “nuestra economía” ha sido víctima de la codicia sin límites de un puñado de banqueros y especuladores. Alimentados por el dinero barato del banco central de EE.UU. y apoyado por decisiones de políticos irresponsables, que han llevado al mundo al borde del abismo, mientras que las victimas han sido los de siempre “ la gente honrada”
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Ressentiment fressen Seele auf
Okay, okay. Tief durchgeatmet und ein verständnisvolles Lächeln aufgesetzt. Denn vielleicht hilft ja einfühlsame Pädagogik. Ein offener Brief an einen aufrechten Antiimperialisten
Jungle World Nr. 37, 10. September 2009
Lothar Galow-Bergemann
Mein Guter – bitte wundere Dich nicht über diese Anrede, aber ich kenne Dich schon lange und weiß deswegen, dass Du ja eigentlich nur das Gute willst. Außerdem mache ich mir ernste Sorgen um Dich, denn Du hast es im Moment wirklich nicht leicht. Fast könntest Du mir sogar leidtun.
Denn das mit dem Iran ist aber auch so was von bescheuert. Weiterlesen »
Every Bank is a Bad Bank
Du bist in der Krise. Dein Problem heißt Marktwirtschaft.
Emanzipation und Frieden
Das Ansehen der Marktwirtschaft als der angeblich besten aller denkbaren Welten ist arg lädiert. Auch in den vermeintlich entwickelten Ländern beschert sie Millionen Menschen Perspektivlosigkeit, Sozialabbau und Arbeitslosigkeit. Die Finanz- und Wirtschaftskrise ist mit anderen Krisen des globalen Kapitalismus verwoben: Energie-, Umwelt-, Klima-, Hungerkrise und staatlicher Zerfall in großen Teilen der Welt. Widerstand gegen die Zumutungen der Weltmarktkrise ist dringend notwendig. Aber man sollte auch ihre Ursachen verstehen. Weiterlesen »
Crash course
Crash course1
Deutsche Version — English version — Versión española — Nederlandse versie — Versione italiana — българска версия
Une nouvelle version de la légende du «coup de poignard dans le dos»2 circule: Weiterlesen »
Crashcursus
Deutsche Fassung — English version — Version française — Versión española — Versione italiana — българска версия
Waarom het knappen van de financiele bellen niet komt door de “graaizucht van de bankiers” en van een terugkeer naar het “Rijnlandse kapitalisme” geen sprake zal zijn
Курс по катастрофи
Deutsche Fassung — English version — Version française — Versión española — Nederlandse versie — Versione italiana
Защо спукването на финансовия балон не е грешка на “алчните банкери” и защо не може да има връщане назад към социално благоденстващия капитализъм
Crashkurs — appunti sulla crisi finanziaria
Deutsche Fassung — English version — Version française — Versión española — Nederlandse versie — българска версия
Perché lo scoppio della bolla finanziaria non è da imputarsi all’avidità dei banchieri e non è possibile alcun ritorno al “capitalismo del welfare”
Schöne Bescherung
In den USA fährt die Autoindustrie vor die Wand. Gleichzeitig schmiert die Weltwirtschaft weiter ab.
Peter Samol
Kreditklemme war gestern. Jetzt schlagen die Absatzausfälle weltweit voll zu Buche und lassen die so genannte „Finanzkrise“ als das in Erscheinung treten, was sie von Anfang an war: eine fundamentale Wirtschaftskrise. Weiterlesen »
Crashkurs — Flugblatt zur Finanzkrise
Download: Flugblatt Crashkurs (PDF) 10.11.2008
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Warum am Platzen der Finanzblase nicht die “Gier der Banker” Schuld ist und es keine Rückkehr zum “Rheinischen Kapitalismus” geben kann
Eine neue Dolchstoßlegende macht die Runde: „unsere Wirtschaft“ soll der grenzenlosen Habgier einer Handvoll Banker und Spekulanten zum Opfer gefallen sein. Gefüttert durch das billige Geld der US-Zentralbank und unterstützt durch unverantwortliche Politiker hätten sie die Welt an den Rand des Abgrunds geführt, während „die Ehrlichen mal wieder die Dummen“ seien.
Nichts ist sachlich so falsch und ideologisch so gemeingefährlich wie diese auf allen Kanälen der öffentlichen Meinung verbreitete Vorstellung. Weiterlesen »
Crash Course
Deutsche Version — Version française — Versión española — Nederlandse versie — Versione italiana — българска версия
Why the collapsing of the financial bubble is not the fault of “greedy bankers” and why there can be no going back to a social welfare capitalism
A new version of the “stab in the back” legend of the 1920s and ‘30s is making the rounds: “our” economy has supposedly fallen victim to the limitless greed of a handful of bankers and speculators. Gorged on the cheap money of the U.S. Federal Reserve and backed up by irresponsible politicians, these greedy bankers have–so the legend goes–brought the world to the edge of the abyss, while honest people are made to play the fools.
Nothing could be more contrary to fact Weiterlesen »
Buchvorstellung: Die Grenzen des Kapitalismus
Wie wir am Wachstum scheitern
Von Andreas Exner, Christian Lauk und Konstantin Kulterer
220 Seiten EUR: 19,95 CHF: 34,80
Das Buch „Die Grenzen des Kapitalismus – wie wir am Wachstum scheitern“ ist ein Projekt des Social Innovation Network (Sinet) und das Ergebnis mehrjähriger, intensiver Diskussionen im Kreis um Andreas Exner, Christian Lauk, Konstantin Kulterer, Ernst Schriefl aus Wien und Klagenfurt. Wir möchten zeigen, dass der in das kapitalistische System eingebaute, positive Rückkopplungsmechanismus namens Wirtschaftswachstum mit einem kontinuierlich steigenden Verbrauch von Energie und Rohmaterialien verbunden ist. Und dass dieser steigende Verbrauch – und somit auch das Wirtschaftswachstum – früher oder später an seine natürlichen Grenzen stoßen wird.
“Gegen Börsenungeziefer”
Spontane Empörung, Vernichtungssehnsucht und Reflexion – Anmerkungen zu einer Debatte in der Gewerkschaft ver.di
Streifzüge 42/2008
Lothar Galow-Bergemann

Das neben stehende Bild entstand im Mai 2007 in München während des Streiks bei Telekom: Da geht es gegen die üblichen Zumutungen, die der Kapitalismus so zu bieten hat: Stellenabbau, Lohnkürzung, Arbeitszeitverlängerung. Streikteilnehmer haben ein Transparent gemalt, darauf sind zu sehen: eine Heuschrecke, die sich an Aktien satt frisst, eine große Hand, die den Schädling aus einer Spraydose (beschriftet mit “ver.di” und “extra sozialverträglich”) mit Gas besprüht, darunter der Schriftzug “Gegen Börsenungeziefer”: Die starke Hand des starken Manns macht Schluss mit dem Volksschädling an den Börsen, und zwar, wie um auch den letzten Verdacht auszuräumen, es könne doch nicht “darum” gehen, mit Gas! Extra sozialverträglich auch noch, die “Volksgemeinschaft” lässt grüßen.
Angelo Lucifero in Thüringen
ESKALATION. Ein Gewerkschaftssekretär in Bedrängnis
Freitag 3/08, 16.1.2008
Marina Achenbach
Der Familienlegende nach kam vor vielen Generationen aus Mittelitalien ein ungebärdiger Sohn, den die Mutter oft einen Teufel nannte, nach Sizilien, nahm dort seinen Schimpfnamen an und begründete die Familie Lucifero. Einen seiner Nachfahren, Angelo Francesco Lucifero, hochgewachsen, rothaarig, jetzt mit Grau durchmischt, sommersprossig, verschlug es in das thüringische Erfurt. Als Junge fand er sich gar nicht schön, die Farben seiner Geschwister gefielen ihm besser, schwarze Haare und braune Haut. “Aber wir Sizilianer sind Bastarde”, sagt er, und genau darauf ist er stolz. Da lebten Griechen, dann Römer, es landeten Wikinger, Franzosen, Afrikaner, von überall her kamen Menschen und mischten sich. Und das sei gut so.
Wegsehen oder Solidarität mit Israel?
Civilization of Clash und antisemitischer Vernichtungswahn
Streifzüge 39/2007
Lothar Galow-Bergemann
1.
“Israel muss von der Bildfläche getilgt werden.” “Die Wurzel des zionistischen Regimes muss trockengelegt werden.” “Die Anwendung einer einzigen Atombombe würde Israel völlig zerstören, während sie der islamischen Welt nur begrenzte Schäden zufügen würde.” Wer dem gegenwärtigen iranischen Präsidenten Ahmadinejad diese Worte in den Mund legen wollte, läge falsch. Das erste Zitat stammt von Chomeini, dem iranischen Revolutionsführer von 1979 bis 19891, das zweite vom derzeitigen religiösen Führer Khamenei2 und das dritte vom ehemaligen Staatspräsidenten Rafsandschani3, der in Deutschland allen Ernstes den Ruf eines “gemäßigten” Vertreters des iranischen Regimes genießt.
Knobelbecher und Sandalen
Neue Farbenlehre: die schwarzbraune Grauzone zwischen Union und Neonazis
Konkret, September 2007
Lothar Galow-Bergemann
Wird die gesellschaftliche Krise der Gegenwart in eine Neuauflage der Herrschaft antisemitischen, nationalistischen und rassistischen Wahns münden?
Der baden-württembergische SPD-Landtagsabgeordnete Stephan Braun und seine Fraktionsvorsitzende Ute Vogt haben ein Buch herausgegeben, das sich intensiv mit dieser Frage beschäftigt, wenn auch nur indirekt. Die achtzehn Autorinnen und Autoren nehmen eine nunmehr schon über zwanzig Jahre währende, scheinbar unaufhaltsame Erfolgsgeschichte unter die Lupe, die sich im schwarzbraunen Zwischenreich zwischen Union und Neonazis abspielt. Der Band liefert umfangreiche Analysen und Recherchen zur Wochenzeitung “Junge Freiheit”. Er gibt Einblicke in ihre ideologischen Grundlagen wie diskursive Bandbreite, ihre Strategie, ihre internen Widersprüche und Richtungskämpfe ebenso wie in die personellen und finanziellen Netzwerke, in die sie eingebunden ist und die sie selber knüpft.
Mensch, denk weiter! „Heuschrecken“ sind keine Erklärung…
Kritische Anmerkungen zur Broschüre „Finanzkapitalismus – Geldgier in Reinkultur!“, herausgegeben von ver.di, Oktober 2007
Herausgeber: Finanzkapital AG beim ver.di-Bezirk Stuttgart
1.) Die Broschüre erweckt den Eindruck, es gäbe ein „nicht so schlimmes“ Kapital und ein „geldgieriges“ Finanzkapital. Auf Seite 2 heißt es zunächst noch richtig: „Kapital einsetzen und mit einem maximalen Profit zurückbekommen – das ist Grundprinzip kapitalistischen Wirtschaftens. Jeder Unternehmer verfährt so.“ Doch unmittelbar danach wird diese Erkenntnis zurückgenommen – mit schwerwiegenden Folgen. Nun wird auf einmal „den Unternehmern“ in der so genannten Realwirtschaft unterstellt, sie hätten „noch einen Bezug zu den arbeitenden Menschen“. Während sich „der Fondsmanager“ von ihnen angeblich dadurch unterscheide, dass für ihn „arbeitende Menschen, die die Werte schaffen,… nur als abstrakte Kostenfaktoren vor(kommen)“.
Die Geister, die sie rufen
Nachdem vor zweieinhalb Jahren die IG Metall die deutsche Wirtschaft von blutsaugenden Mücken aus Amerika bedroht sah (siehe KONKRET 6/05), ruft nun die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi das Finanzkapital in Form der Heuschrecke zum Grundübel des Kapitalismus aus. Mit vorhersehbaren Folgen.
Konkret 12/2007
Lothar Galow-Bergemann Weiterlesen »
Heuschrecken im Bauch
Regressiver Antikapitalismus am Beispiel der Linkspartei
von Lothar Galow-Bergemann
Ende April 2006 trat ein Mitglied des WASG-Bundesvorstands zur NPD über, um sozialpolitischer Berater der sächsischen Landtagsfraktion der Neonazis zu werden. Der folgende Text geht der Frage nach, ob dies ein Zufall war.
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Gott kriegt die Krise
Wo andere einen Konflikt „Orient gegen Okzident“ oder „The West against the Rest“ ausmachen, sollte sich die Linke zurückhalten und die kulturalistische Identitätspolitik angreifen.
Aus Jungle World vom 27.9.2006
Von Ernst Lohoff
Die meisten politischen Debatten und Richtungsstreitigkeiten verebben mehr oder minder spur- und folgenlos. Viele sind quasi schon vergessen, während sie noch toben. Nur ganz wenige zeigen historische Brüche an und finden irgendwann einmal Eingang in die Geschichtsschreibung. Von der unseligen Debatte um den „Kampf der Kulturen“, die im Frühjahr 2006 nicht nur die bundesdeutsche Öffentlichkeit beschäftigte, steht zu befürchten, dass sie in diese Königskategorie fallen könnte.
Offener Brief an die junge Welt und ihre Leserschaft
Nachdem die junge Welt es bisher abgelehnt hat, den unten stehenden Leserbrief zu veröffentlichen, wurde beschlossen, ihn andernorts der Öffentlichkeit zugängig zu machen:
Wir sind AutorInnen der jungen Welt. Wir kommen aus unterschiedlichen Spektren der Linken und vertreten in manchen Fragen divergierende Standpunkte. Dennoch haben wir uns entschlossen, diese kurze gemeinsame Intervention zu verfassen.
Karnevaleske Kaskaden mit Herrenmenschen-Manier
aus: DIE BRÜCKE– Forum für antirassistische Politik und Kultur
von Necati Mert – Verantwortlicher und koordinierender Redakteur des Quartal-Periodikums
“Die Bekämpfung der Vogelgrippe wird uns ganz unerwartet helfen, einige kulturelle Probleme unseres Landes im Zusammenleben mit Mitbürgern islamischen Glaubens zu lösen, insbesondere die Vielweiberei einzudämmen. Wir werden die nötigen Kontrollen bei den türkischen Geflügelzüchtern massiv verschärfen, nachdem uns dort bereits vor einiger Zeit das Angebot gemacht wurde: ‘Nehmt meine Frauen, lasst mir die Hühner!’”
Grillen statt Heuschrecken
Zu “Das Lebensmittel” von Wolf Lotter, brand eins 03/06*
von Andreas Exner
Weder stinkt Geld, noch kann man’s essen. Nichts tut es, schon gar nicht schaden. Dennoch geht ohne Geld nichts. So eben geht es zu im Kapitalismus. Gespenster hat dieser Spuk bisher noch alle überlebt.
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Geld ist genug da – doch das ist keine Lösung
Argumentationsblatt (PDF)
Antisemitismus — gibt’s das überhaupt?
Oder: Was man in Deutschland alles nicht wahrhaben will.
02/2005
von Lothar Galow-Bergemann
Am 27.1.1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Damit begann das Ende des Leids, das der deutsche Nationalsozialismus über die jüdischen Menschen in Europa gebracht hatte. Neben Versuchen, den Ursachen für dieses beispiellose Verbrechen nachzugehen, sind die letzten 60 Jahre in Deutschland vor allem durch eine weit verbreitete Schuldabwehr gekennzeichnet. Schuld waren “die Nazis”, “die Bourgeoisie”, “die Richter und Henker”, “das Großkapital” oder gar “Versailles” – in jedem Fall aber immer irgendwelche andere, von denen man sich im Zweifelsfall distanzieren konnte. Der gesellschaftliche Diskurs in den Jahren seit 1945, sei es in der Rechten, in der Linken oder in der so genannten Mitte, ist geprägt von der geradezu panischen Abwehr der Erkenntnis, dass es schlicht und erschütternd die Deutschen waren, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – die Shoah verbrochen haben.
Entsorgung nach Art des Hauses
Zur Verharmlosung antisemitischer Tendenzen durch den wissenschaftlichen Beirat von Attac-Deutschland
Jan 2005
Von Norbert Trenkle
Es hat lange gedauert, bis Attac Deutschland die Kritik an antisemitischen Tendenzen in den eigenen Reihen ernst genommen hat. Nach diversen Interventionen von innen wie von außen kam nun endlich eine Debatte darüber in Gang, die auch bitter notwendig war. Denn es ist zwar Denunziation der übelsten Sorte, Attac insgesamt des Antisemitismus zu bezichtigen oder gar von der globalisierungskritischen Bewegung als einer „antisemitischen Internationale“ zu sprechen wie im Umfeld des „antideutschen“ Sektenwesens, doch lässt sich auch nicht leugnen, dass innerhalb von Attac Positionen vertreten werden, die als antisemitisch bezeichnet werden müssen oder die mindestens eine unheimliche Nähe zum Antisemitismus aufweisen. Das gilt vor allem für die „antiimperialistischen“ und „antizionistischen“ Strömungen, wie sie konzentriert in der berüchtigten AG Globalisierung und Krieg vertreten sind, die u.a. zum Boykott israelischer Warenimporte aufrief, den palästinensischen Terror als legitimen Widerstand gegen ein angeblich faschistisches Regime feiert und mit Islamisten paktiert. Weit darüber hinaus gibt es aber auch eine breite Grauzone von Positionen und Argumentationsmustern, die ihrer ideologischen Struktur nach mit dem antisemitischen Wahn kompatibel sind und die daher auch jederzeit in eben diesen umkippen können.
Ausländerauslese
Zur Institutionalisierung umgekehrter Entwicklungshilfe
Aus: junge Welt vom 10.2.2005
Von Franz Schandl
1933 schrieb der Faschist Oswald Spengler: „Es kommt nicht auf die reine, sondern auf die starke Rasse an, die ein Volk in sich hat.“ Nicht um „richtiges Blut“ gehe es, sondern um „tüchtiges“, so haben „gesunde, zukunftsreiche Geschlechter von jeher gern einen Fremden sich eingegliedert, wenn er von „Rasse“ war, gleichviel zu welcher Rasse er gehörte.“
Geschichte und Ohnmacht
Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus.
Von Moishe Postone
(Redaktionell gekürzte Fassung von Moishe Postones gleichnamigem Vortrag auf dem Kongress “Indeterminate: Kommunismus”, der im November 2003 in Frankfurt/Main stattfand. Aus dem Amerikanischen von Felix Kurz. Entnommen aus: Moishe Postone: Deutschland, die Linke und der Holocaust. Politische Interventionen. Herausgegeben von der Initiative kritische Geschichtspolitik (Berlin). Ça ira-Verlag, Freiburg 2005. 215 S., 18 Euro. Der Sammelband enthält u.a. eine endgültige Zusammenführung aller Varianten von Postones Essay “Antisemitismus und Nationalsozialismus”. Das Buch ist dieser Tage erschienen, Download gratis unter www.isf-freiburg.org.)
Kulturclasher
VORSPANN: Der unten stehende Artikel konnte in der jungen Welt leider nicht veröffentlicht werden, da ihn die Redaktion in Person ihres Chefredakteurs Arnold Schölzel aus inhaltlichen Gründen ablehnte. Das sei Main-stream, teilte man mir mit. Tatsache ist freilich, dass ich die vorherrschende Blattlinie der Jungen Welt bezüglich Ahmadi-Nejad nicht teile und diese Differenz auch offen machen wollte.
Meine wöchentliche Kolumne habe ich daher vorläufig eingestellt. Es geht nicht an, dass man meine Kommentare entsprechend einer Blattlinie selektiert werden.
Franz Schandl, am 23. Dezember 2005
Eigentlich aus: junge Welt vom 23.12.2005
Bye bye Zinskritik…
Über die Grenzen der Tauschkreise und den Unsinn der Freiwirtschaft
Streifzüge 33/2005
von Andreas Exner & Stephanie Grohmann
Der von Umweltzerstörung und von sozialen Katastrophen gesäumte Irrweg unserer “Zivilisation” ist für viele Menschen Anlass genug, ihre eigene Lebensweise gründlich zu hinterfragen. Viele wollen es nicht bei politischen Appellen belassen. Denn nur allzu deutlich werden die beschränkten Möglichkeiten der Demokratie, wenn etwa die Sicherung der immer weniger werdenden Arbeitsplätze nach immer neuem Wirtschaftswachstum verlangt. Und allzu schmerzhaft ist die Einsicht, dass wir dem Gesetz der Konkurrenz und dem Leiden an der sozialen Kälte nicht wie gewohnt allein entfliehen können. Was also läge näher, als sich zusammenzutun und etwas ganz Neues zu beginnen? Doch was ist konkret nun anders zu machen?
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White, Wild, West
Bemerkungen zum Rassismus und Sexismus der Neuen Mitte
09-2005
von Karl-Heinz Lewed
Sie kann einem schon leid tun, die Neue Mitte. Unlängst gab es doch noch alles: die innovativen Kreativ-Jobs in den Kultur- und Medienbereichen oder anderswo, das nötige Accessoire an expressiven Konsumartikeln und schließlich die Event- und Kulturindustrie, mit deren Hilfe ganz individuell am Gesamtkunstwerk „Ich“ gearbeitet werden konnte. In diese Atmosphäre passte bestens das Bild stets gutaufgelegten Politpersonals um den Medienkanzler Schröder, dessen spezielle Performance vollends die Umwandlung von Politik ins mediale Spektakel markierte.
Rinks, Lechts, Rafontaine
Was aus ihm spricht, fühlen viele. Und das ist das Problem.
08-2005
von Lothar Galow-Bergemann
Viele haben große Hoffnung. Von “historischer Chance” hört man es allenthalben schwärmen. Das Projekt “Linkspartei” bewegt die Gemüter. Das ist zunächst einmal verständlich. Schließlich ist es dringend nötig, sich gegen Arbeitslosigkeit und Sozialabbau, gegen Armut und all die immer unverschämter werdenden Zumutungen der kapitalistischen Krisenverwaltung zu wehren. Und nur allzu durchsichtig sind die Versuche “interessierter Kreise”, jeden Ansatz zu sozialer Gegenwehr zu verteufeln; dazu gehört auch die Methode, sozialen Widerstand generell in die rechte Ecke zu stellen.
Ärger mit dem Müll
Die Ausschreitungen in den Banlieues zeigen die destruktive Tendenz einer Gesellschaft, die immer mehr Menschen als »Humanmüll« betrachtet.
Aus: Jungle World vom 23.11.2005
Von Karl-Heinz Lewed
Besser dokumentiert ist wohl kaum eine Chronik des sozialen Verfalls als die Geschichte der französischen Banlieues. Wurden Anfang der achtziger Jahre noch knapp zwei Dutzend Kommunen von den französischen Behörden als »sensible urbane Zonen« eingestuft, so waren es zehn Jahre später bereits über 300 und im Jahre 2002 gar 750. Entgegen allen Versuchen der Politik, ob von links mit Sozialprogrammen oder von rechts mit Repressalien, diesen Prozess zu stoppen, wurde am Ende alles nur noch schlimmer.
Moishe Postone über den Zusammenhang von Weltmarkt, Kapitalismus und Antisemitismus
Moishe Postone über den Zusammenhang von Weltmarkt, Kapitalismus und Antisemitismus
Interview mit der Zeitschrift phase 2 (Leipzig) Nr. 10/2003
Der 1979 erschienene Aufsatz “Antisemitismus und Nationalsozialismus” von Moishe Postone wird in der Linken der BRD seit Beginn der neunziger Jahre wieder verstärkt gelesen. Im Zentrum der neuen Aufmerksamkeit stand dabei zunächst seine Erklärung von Nationalsozialismus und Antisemitismus, die beide ernst nimmt, statt sie im Gefüge einer allgemeinen Kapitalismuskritik unter ferner liefen zu behandeln. Mit seinem spezifischen Erklärungsansatz, der eine Analyse des Antisemitismus mit der Marxschen Theorie zu verbinden sucht, ist “Antisemitismus und Nationalsozialismus” in der wertkritischen Linken bis heute prägend. Das Interview mit Moishe Postone soll helfen, die historischen Entwicklungen innerhalb der spezifischen sozialen Formation des Kapitalismus zu verstehen, die für die Entstehung von Antisemitismus ausschlaggebend sind. Moishe Postone promovierte 1983 an der Goethe-Universität in Frankfurt/M. und lehrt heute an der University of Chicago Geistesgeschichte und Gesellschaftstheorie. Sein Buch “Zeit, Arbeit und soziale Herrschaft” ist soeben auf deutsch bei ça ira erschienen.
Kontinuität und Singularität
Auschwitz als authentisches Produkt der westlichen Zivilisation
erschienen in: Krisis 27
Franz Schandl
Wer vom Nationalsozialismus spricht, sollte dessen historische Bezüge nicht verschweigen. So ähnlich dürfte Enzo Traversos Imperativ gelautet haben, als er daran ging, seine “europäische Genealogie des Nazi-Terrors” zu konzipieren. “Heute gibt es bei zahlreichen Historikern die Tendenz, die Verbrechen des Nationalsozialismus aus der Geschichte der westlichen Welt zu verbannen.” (S. 13) Nun hat der aus der trotzkistischen Tradition kommende Autor ein knapp gehaltenes und flüssig geschriebenes Buch, das nie langweilt, vorgelegt. Einen Band, der auch ohne große Vorkenntnisse gelesen werden kann.
Euro-Rechte ante portas
Kärnten ist überall!
Von Franz Schandl
Jörg Haider scharrt in den Löchern. Österreich ist ihm zu eng. Er will hinaus. Er will nach Europa. Daher hat er Ende Juli führende Politiker des belgischen Vlaams-Blok und der italienischen Lega Nord zu Sondierungsgesprächen eingeladen, um über mögliche Kooperationen auf EU-Ebene zu reden.
Auf dem Minenfeld
Vier Versuche einer Beschreibung, aber auch einer Entschärfung von Knallkörpern
erschienen in: Streifzüge 1/2002
von Franz Schandl
Gerüchten zufolge soll die Trennung in der alten Streifzüge-Redaktion auch damit zu tun haben, dass es dem neuformierten Kritische Kreis eigentlich darum geht,missliebige Themen auszuklammern, konkret die Frage des Antisemitismus ganz einfach zu entsorgen. Dass dem nicht so ist, demonstriert auch diese Nummer. Wogegen wir uns allerdings entschieden wenden, ist, hier einen klassischen Hauptwiderspruch zu konstruieren und diesen in monomanischem Suchtverhalten abzuhandeln.
Olympische Winterspiele
INSZENIERUNG VON SONDERWOHLSTANDSZONEN
Um vieles deutlicher als die Sommerspiele präsentiert sich die Winterolympiade als Heerschau okzidentaler Überlegenheit.
(ungekürzte Fassung, eine Kurzfassung erschien im Freitag, 22. Februar 2002)
Von Franz Schandl
Die Olympischen Winterspiele sind nicht nur die weißen Spiele, sondern auch die Spiele der Weißen. Global betrachtet handelt es sich um Reichtums-Vorführungen der Sonderwohlstandszonen des Nordens. Technisches Material, öffentliche und private Ressourcen sind von geradezu ausschlaggebender Bedeutung.
Staat und Schlepper
Scheinbar jenseits des obligaten Rassismus hat sich in Österreich, aber nicht nur hier, ein breiter Konsens in puncto ordentliche Einwanderungspolitik etabliert
aus: junge Welt, 6. November 2001
Franz Schandl
Was jeder Ware erlaubt ist und dem Geld sowieso, das wird den allermeisten Menschen kategorisch verweigert. Die freie Wahl des Raumes, in dem sie sich bewegen wollen, ist kein Menschenrecht, sondern Bürgerrecht. Und Bürger ist nur der Staatsbürger. Wenn Ausländer in dessen Burg, den Staat wollen, müssen sie auf nationale Gnade hoffen. Es gilt, was Kant einst sagte: »Das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinen Hospitalität eingeschränkt sein.«
Demokratischer Rassismus, Oursourcing des Staates (pdf)
Thesen zum Verhältnis zwischen Nation und Bande
Download: demokratischer-rassismus-oursourcing-des-staates.pdf
Geldkritik und Antisemitismus
von Ernst Lohoff
1.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war man sich in der Erwartung einig, daß Fortschritt und Vernunft das heranbrechende Säkulum prägen würden. Die Herausbildung der modernen Warengesellschaft wurde als Prozeß der sukzessiven Entmystifizierung und restlosen Durchrationalisierung aller Verhältnisse verstanden. Die sozialistische Opposition proklamierte zwar, erst die Befreiung von kapitalistischer Herrschaft würde das von ihr emphatisch mit gefeierte Rationalitätspotential der Moderne voll zur Entfaltung bringen; kulturkonservative Stimmen wiederum trauerten um all das, was sie mit der voranschreitenden “Entzauberung der Welt” verloren gehen sahen; beide Strömungen haben damit die herrschende fortschrittsoptimistische Sichtweise aber keineswegs in Frage gestellt, sondern lediglich variiert. Weiterlesen »
Jagt die Spekulanten! Schlagt sie tot!
Redundantes über die aktuellen Entgleisungen einer Sorte Antikapitalismus
von Franz Schandl
Helmut Schmidt war es, der diesen Beitrag veranlaßte. Der Leitartikel des ehemaligen deutschen Kanzlers in der Zeit vom 3. September mit dem Titel “Der globale Irrsinn”(1) erscheint uns nämlich als äußerst symptomatisch für die sich abzeichnende Pseudokritik eines sich in der Mitte etablierenden Antikapitalismus.
Unheimliche Verwandtschaft
Anmerkungen zum Verhältnis von Marxismus-Leninismus und Antisemitismus
Robert Bösch
(Anläßlich eines Referates von Thomas Haury, gehalten am 25. 2. 94 in der Roten Fabrik, Zürich)1
Die Frage, ob es so etwas wie einen »linken Antisemtismus« gibt, oder ob diese Verbindung eine logische Unmöglichkeit sei, ist weder neu noch bislang überzeugend gelöst.
Die Arbeit hoch?
Berufspädagogische Streitschrift wider die Totalverzweckung des Menschen im Postfordismus
Erich Ribolits
Inhaltsverzeichnis
1. Zum Zusammenhang von Arbeit, Bildung und politisch-ökonomischem System
2. Die Krise des Fordismus und das endgültige “Zur Ware Werden” der Bildung
3. Von der tayloristischen Modernisierung zur heutigen “Postmodernisierung” der Arbeitswelt
5. Schlüsselqualifikationen – der zentrale berufspädagogische Ideologiebegriff des Post-Fordismus
6. Entfremdung – das unveränderte Merkmal der Arbeits- Freizeit-Gesellschaft
7. Muße – die vergessene Chance
8. Ohne Muße keine (berufliche) Bildung
9. Anstatt einer Zusammenfassung: Heinrich Böll: Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral
Volk im Stimmbruch
| Einleitung | ![]() |
| Der demokratische Mauerbau – Norbert Trenkle | |
| Die Demokratie frißt ihre Kinder- Robert Kurz | |
| Dämokratisches Erwachen – Ernst Lohoff | |
| Volk im Stimmbruch – Gaston Valdivia |
Ostdeutsche Kontinuitäten
Gaston Valdivia
Wer sich mit Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus in der vergrößerten Bundesrepublik auseinandersetzt, kommt nicht umhin, einen genaueren Blick auf die spezifische Entwicklung im Ostteil Deuschlands zu werfen. Scheinen in der alten BRD-West die Morde von Mölln und Sollingen bruchlos an die nationalistische und rassistische Tradition Deutschlands anzuknüpfen, so haben sich doch die Bürger der “fünf neuen Bundesländer” weltweit nicht minder den Ruf erworben, zumindest rechtslastig, wenn nicht gar rechtsradikal, antisemitisch und faschistisch zu sein. Auch Ortsnamen wie Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda symbolisieren den deutschen Neonazismus, über Ostdeutschland fanden Ausländerfeindlichkeit und Rassismus seit der deutschen Vereinigung sogar zuerst den Weg in die Schlagzeilen. Auf den ersten Blick stehen solche Erscheinungen im Widerspruch zu 40 Jahren staatlich verordnetem “Antifaschismus”. Was ist los mit den Ossis? Haben sie es verdient, in dieses Licht gerückt zu werden?
Der demokratische Mauerbau
| Einleitung | ![]() |
| Der demokratische Mauerbau – Norbert Trenkle | |
| Die Demokratie frißt ihre Kinder – Robert Kurz | |
| Dämokratisches Erwachen – Ernst Lohoff | |
| Volk im Stimmbruch – Gaston Valdivia |
Elendsmigration und westlicher Abgrenzungswahn
Norbert Trenkle
1.
Das Szenario hätte gespenstischer nicht sein können. Während der ehemalige Chef des ostdeutschen Kasernensozialismus in Berlin wegen des Schießbefehls an der deutsch-deutschen Grenze vor Gericht stand, während die ersten “Mauerschützenprozesse” über die Bühne gingen und die demokratischen Politiker die Gelegenheit weidlich dazu nutzten, um die Vorzüge der westlichen “Zivilgesellschaft” gegenüber dem besiegten “Totalitarismus” hervorzuheben, just zu dem Zeitpunkt beschlossen genau diese Politiker, die Mauer wieder aufzubauen – diesmal etwas weiter ostwärts. Natürlich wurde offiziell das häßliche Wort vom Mauerbau vermieden. Orwellsche Sprachverwirrung war gerade in diesem Fall angesagt, denn noch hat sich die öffentlichen Meinung nicht ganz daran gewöhnt, daß es nun keinen nützlichen Idioten im Osten mehr gibt, der die Dreckarbeit erledigt, dem Westen die überflüssigen Esser vom Leibe zu halten, und dafür auch noch den Vorwurf der Unmenschlichkeit einstecken darf. Erst am Grab des langjährigen und haßgeliebten sozialistischen Partners ahnt die westliche Marktwirtschaftsdemokratie, welches Glück ihr da genommen wurde. Doch jetzt ist es zu spät, der Tote kann nicht mehr zum Leben erweckt werden(1).
Von Auschwitz nach Bagdad
Anmerkungen zu den wundersamen Wandlungen des Anti-Antisemitismus
von Ernst Lohoff
Download (PDF): von-auschwitz-nach-bagdad.pdf
Die Wechseljahre der Republik
Über die Volksparteien und ihre ungeliebten Kinder
Ernst Lohoff
“Die Gemeinschaft der Demokraten” hat Zuwachs bekommen. 40 Jahre nach Gründung der Republik erweist sich ihr Schoss als noch immer fruchtbar. Die demokratische Familienplanung hat abermals versagt und die bundesdeutsche Demokratie läuft trotz 5% Klausel auf ihre alten Tage noch Gefahr, auf den Status einer kinderreichen Familie herabzusinken.
Nationalsozialismus und Antisemitismus
Ein theoretischer Versuch
Moishe Postone
I.
Meine Absicht ist nicht die Beantwortung der Frage, warum dem Nazismus und dem modernen Antisemitismus ein historischer Durchbruch in Deutschland gelungen ist. Ein solcher Versuch müßte einer Betrachtung der Besonderheit deutscher Entwicklung Rechnung tragen: darüber ist zur Genüge gearbeitet worden. Dieser Essay will vielmehr untersuchen, was damals durchbrach: eine Betrachtung derjenigen Aspekte des modernen Antisemitismus, die als unabdingbarer Bestandteil des deutschen Nationalsozialismus betrachtet werden müssen. Dies auch als ein Ansatz, die Vernichtung des europäischen Judentums zu erklären, als die notwendige Voraussetzung einer adäquaten Beantwortung der Frage, warum es gerade in Deutschland geschah.




