31.12.2007
Streifzüge 39/2007
Franz Schandl
Dass der Westen alles darf, ist völlig unhinterfragt. Diskutiert wird bloß, ob er es soll. Militärisches Eingreifen (mit und ohne UNO-Beschlüssen) geht in Ordnung, ist allgemeines Credo, es fragt sich nur, ob es im Augenblick opportun ist. Dass diese Arroganz in den Metropolen gar nicht einmal mehr auffällt, spricht Bände. Alleine die Selbstverständlichkeit, mit welcher der Okzident aufgrund menschenrechtlicher und ökonomischer Überlegenheit handelt, d.h. schikaniert, interveniert, bombardiert, zeigt an, wie anmaßend dessen Politik ist. Das Irre, das etwa bei Ahmadinejad sofort ins Auge sticht, fällt bei den hiesigen Exponenten erst gar nicht auf. Wenn Chirac über eine Atombombe Richtung Teheran nachdenkt – kein Problem.
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31.12.2006
Nachdem die junge Welt es bisher abgelehnt hat, den unten stehenden Leserbrief zu veröffentlichen, wurde beschlossen, ihn andernorts der Öffentlichkeit zugängig zu machen:
Wir sind AutorInnen der jungen Welt. Wir kommen aus unterschiedlichen Spektren der Linken und vertreten in manchen Fragen divergierende Standpunkte. Dennoch haben wir uns entschlossen, diese kurze gemeinsame Intervention zu verfassen.
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31.12.2006
Kolumne Unumgänglich
Streifzüge 36/2006
von Franz Schandl
Je mehr man über die Lage der Welt nachdenkt, desto verzweifelter müsste man eigentlich werden. Vor allem die Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten lassen Schlimmstes befürchten. Man darf die Augen nicht verschließen. Was droht, ist eine Welt, wo Bombardements und Strafaktionen sich mit Terroranschlägen ablösen, wo ökologische Katastrophen und sozialer Kahlschlag obligat werden, wo rassistische und antisemitische Übergriffe an Bedeutung gewinnen. Auch der Wiederaufstieg des Religiösen, mag er sich nun islamisch oder christlich munitionieren, passt in dieses abgedrehte Realszenario. Da werden stolz Haltegriffe halluziniert, wo doch die Welt der Werte an allen Ecken und Enden auseinander bricht.
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31.12.2005
VORSPANN: Der unten stehende Artikel konnte in der jungen Welt leider nicht veröffentlicht werden, da ihn die Redaktion in Person ihres Chefredakteurs Arnold Schölzel aus inhaltlichen Gründen ablehnte. Das sei Main-stream, teilte man mir mit. Tatsache ist freilich, dass ich die vorherrschende Blattlinie der Jungen Welt bezüglich Ahmadi-Nejad nicht teile und diese Differenz auch offen machen wollte.
Meine wöchentliche Kolumne habe ich daher vorläufig eingestellt. Es geht nicht an, dass man meine Kommentare entsprechend einer Blattlinie selektiert werden.
Franz Schandl, am 23. Dezember 2005
Eigentlich aus: junge Welt vom 23.12.2005
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31.12.2005
Wider die Eingemeindung in die okzidentale Phalanx
aus: junge Welt vom 30.07.2005
Franz Schandl
Daß wir alle Londoner sind, ist zu einem geflügelten Wort geworden. Daß wir alle Kabuler sind oder Nairobier, würde hingegen der abendländischen Seele nie einfallen. Das sind namenlose (Habe)Nichtse, deren Eliminierung ohne Bedeutung ist. Die Wertigkeiten sind eindeutig, ja selbstverständlich. Sie plakatieren sich in jeder Deklaration. Im Londoner- oder New Yorker-Sein drückt sich jedenfalls keine allgemeine Empathie aus, sondern ein Zusammengehörigkeitsgefühl der westlichen Macht mit ihrem Personal. Es geht so um die ständige Eingemeindung in eine okzidentale Phalanx, um eine strikte Hierarchie des Menschenmaterials. Mitgefühl wird zu einer selektiven Ware, nicht zu einem allgemeinen Gut, das allen zusteht. Würde man die Schweigeminuten für Londons Tote für sämtliche Opfer von Krieg und Terror hochrechnen, dann wären wohl Jahre der Stille angesagt. Nicht Humanismus stellt sich aus, sondern das Kalkül der kapitalen Mächte. Nicht Menschlichkeit wird eingefordert, sondern die Wahrnehmung bevorrechteter Interessen und Lebensweisen. Alles dreht sich um die Wertegemeinschaft, die Gemeinschaft des Werts, zu der eins sich zu bekennen hat.
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31.12.2001
Von Franz Schandl
Enduring freedom betitelt die US-Administration ihren aktuellen Kreuzzug. Zweifellos, sie meint das so. Es ist kein Witz, keine Persiflage, kein schlechter Film. Es ist bitterer Ernst. Todernst. Angeblich sind inzwischen die ersten Bodentruppen gelandet.
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31.12.2001
Franz Schandl
Fast sind wir sie ja schon los, diese lästige Neutralität. Doch jetzt will man ihr den entscheidenden Schlag versetzen. Die fatale Terrorserie in den USA ist für viele der willkommene Anlass. Endlich. Jetzt darf uns nichts mehr zurückhalten. Wir dürfen nicht neutral sein! Sagt der Kanzler (ÖVP. Wir müssen solidarisch sein! Sagt die Verteidigungsminister (FPÖ). Österreich muss irgendwie dabei sein, so die nationale Frohbotschaft. Auch hier und wir: Auf nach Kabul!
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31.12.2001
Von Franz Schandl
Die dreckigste Vorhaben schreien nach dem tollsten Vokabular. Und nichts ist so toll wie die Wut, daher steht gegenwärtig die Tollwut so hoch im Kurs. Sie ist wahrlich eine planetarische Infektion. Infinite justice, grenzenlose Gerechtigkeit, kann doch nur so verstanden sein, dass bloß im Tod alle gleich sind. Den gilt es jetzt zu verbreiten. “Justice will be done” sagt Bush und empfiehlt sich als das scharfe Schwert seiner Werte, die unsere zu sein haben. Dort, wo das Beten beginnt, hört das Denken auf. Aber dazu ist der Glauben ja da, sei es an Gott oder Geld oder beides.
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