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krisis

Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft

Artikel zum Thema »Der Mythos vom Kampf der Kulturen«

15.03.2010 Beitrag drucken

Erweckungserlebnis als letzter Schrei

Der Islamismus und die rational-irrationale Subjektivität der Warengesellschaft

Karl-Heinz Lewed

„Die dschihadistische Volksbewegung mit dem langen Weg, den sie zurücklegen muss, den bitteren Leiden, die sie erduldet hat, mit ihren enormen Opfern und gewaltigen Verlusten vermag die Seelen zu läutern und sie über die Wirklichkeit zu erheben …, die Interessen entfernen sich von mittelmäßigen Streitigkeiten um Pfennige, von kurzfristigen Bedürfnissen, und … die Hassgefühle erlöschen, und die Seelen werden milder gestimmt, die Karawane steigt aus dem tief eingeschnittenen Tal zu dem hohen Gipfel empor, fern der fauligen Sümpfe und der Dschungelkämpfe … Die islamische Gesellschaft muss geboren werden, aber die Geburt vollzieht sich unter Schmerzen und Leid.“
Abdullah Azzam, erster Theoretiker des weltweiten Dschihad (Azzam 2006, S. 203)

1.

Das Phänomen des islamischen Fundamentalismus ist nur vor dem Hintergrund des Scheiterns der nachholenden Modernisierung in den „islamischen“ Ländern zu erklären Weiterlesen »

22.10.2009 Beitrag drucken

Die rassistischen Ausfälle des Herrn Sarrazin

… galten der liberal-demokratischen Mittelschicht offenbar als Signal, ihre ekelhaften Ressentiments einmal in aller Öffentlichkeit auszukotzen – natürlich immer unter Berufung auf ihre Aufgeklärtheit und ihre “Modernität”. Wir verweisen aus diesem Anlass auf verschiedene Texte zum aggressiven Fundamentalismus der “westlichen Werte” und zur Kulturalisierung gesellschaftlicher Konflikte:

krisis 32: Kreuzzug und Jihad

Ernst Lohoff: Gott kriegt die Krise

Norbert Trenkle: Feuer und Flamme für Demokratie und Freiheit

Karl-Heinz Lewed: Besprechung des Buches “Die Vertreibung aus dem Serail”

Karl-Heinz Lewed: Brüder zum Gesetze zur Freiheit

02.10.2009 Beitrag drucken

Ressentiment fressen Seele auf

Okay, okay. Tief durchgeatmet und ein verständnisvolles Lächeln aufgesetzt. Denn vielleicht hilft ja einfühlsame Pädagogik. Ein offener Brief an einen aufrechten Antiimperialisten

Jungle World Nr. 37, 10. September 2009

Lothar Galow-Bergemann

Mein Guter – bitte wundere Dich nicht über diese Anrede, aber ich kenne Dich schon lange und weiß deswegen, dass Du ja eigentlich nur das Gute willst. Außerdem mache ich mir ernste Sorgen um Dich, denn Du hast es im Moment wirklich nicht leicht. Fast könntest Du mir sogar leidtun.

Denn das mit dem Iran ist aber auch so was von bescheuert. Weiterlesen »

08.07.2009 Beitrag drucken

Die etwas andere Normalisierung

Der Teheraner Frühling und die Krise des warenproduzierenden Weltsystems

Ernst Lohoff

1.
Keine Frage, in diesen Tage fiebert man mit denen mit, die in den Städten des Irans auf die Straße gehen und den Schlägertrupps Khameneis und Ahmadinedschads die Stirn bieten. Die Formierung einer breiten Protestbewegung angesichts der Wahlmanipulationen nach Jahren der politischen Apathie und des Rückzugs ins Private war ein Hoffnungszeichen. Wird der Protest niedergeschlagen, dann geht auch davon weit über das Land hinaus eine Signalwirkung aus. Weiterlesen »

17.06.2009 Beitrag drucken

Unter dem allgemeinen Besten: Der iranische Präsident und seine institutionellen Verflechtungen

Attila Steinberger

Der Text wurde vor den Wahlen im Iran am 12.6.2009 erstellt und berücksichtigt insofern noch nicht die aktuellen Ereignisse.

Am 12. Juni fanden im Iran die Präsidentschaftswahlen statt. Im Unterschied zum herrschenden eurozentristischen Blick wird hier dargelegt welche Wirkung es für die Menschen im Iran hat. Ungeachtet dessen wird für die Leserin nur auf deutsche und englische Literatur verwiesen, um weiteres Lesen zu ermöglichen. Weiterlesen »

18.01.2009 Beitrag drucken

„Die Vertreibung aus dem Serail“

Georg Klaudas Buch zerstört das westliche Vorurteil über islamische Homosexuellenfeindschaft

Karl-Heinz Lewed

Nicht erst seit dem 11.9.2001 ist der Mythos vom totalitär-rückständigen Islam ein Lieblingsmotiv im Westen. Dass dieser in mittelalterlichen Strukturen befangen bleibe, zeige sich nicht zuletzt in der Unterdrückung von Frauen wie in seiner ausgeprägten Homophobie. Georg Klauda widerspricht mit seinem Buch „Die Vertreibung aus dem Serail“ dieser Einschätzung nachdrücklich. Weiterlesen »

27.11.2008 Beitrag drucken

Brüder, zum Gesetze, zur Freiheit

Über den Zusammenhang von Islamismus und westlichen Werten

Streifzüge 44/2008

Karl-Heinz Lewed

Islamismus und Modernisierung

Im Jahre 1936 sandte Hasan al-Banna, Grundschullehrer, Gründer und Führer der Muslimbruderschaft, eine Schrift mit dem Titel „Aufbruch zum Licht“ an den ägyptischen König Faruq.1

Darin forderte al-Banna eine Neuausrichtung, ja eine Wiedergeburt der ägyptischen Nation:

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23.10.2008 Beitrag drucken

Krisis 32 erschienen!

Spätestens seit dem 11. September 2001 hat sich die Weltdeutung vom „Kampf der Kulturen“ in den westlichen Ländern weitgehend in den Köpfen festgesetzt. Während sich die Jihadisten quer durch die Welt bomben, reden viele „Vordenker“ in Europa und den USA von einem Dritten Weltkrieg, der gegen den „Islamofaschismus“ zu führen sei. Auf der anderen Seite formiert sich eine Allianz von „Antiimperialisten“ und islamischen Fundamentalisten, die von einer mit antisemitischen Elementen durchsetzten Frontstellung gegen „den Westen“ zusammengehalten wird. Wechselseitig werden so die sozialen und ökonomischen Widersprüche des globalisierten Krisenkapitalismus kulturalisiert und als Todfeindschaft zweier unversöhnlicher Großgemeinschaften gedeutet. Tatsächlich aber sind beide Seiten Fleisch vom Fleische der kapitalistischen Moderne. Eine Kritik von islamischem und westlichem Fundamentalismus muss daher dieses gemeinsame Bezugssystem in den Blick rücken.

Inhalt

  • Editorial
  • Norbert Trenkle: Kulturkampf der Aufklärung. Wie die „westlichen Werte“ zu einer aggressiven Stammesreligion mutieren
  • Ernst Lohoff: Die Exhumierung Gottes. Von der heiligen Nation zum globalen Himmelsreich
  • Claudia Globisch: Was ist neu am „neuen Antisemitismus“?
  • Karl-Heinz Lewed: Finale des Universalismus. Der Islamismus als Fundamentalismus der modernen Form
  • Ernst Lohoff: Die Anatomie der Charaktermaske. Kritische Anmerkungen zu Franz Schandls Aufsatz „Maske [...]
23.10.2008 Beitrag drucken

Krisis 32 – Editorial



Bedürfte es noch weiterer Belege für den grassierenden anti-islamischen Kulturalismus hierzulande, die Auseinandersetzung um den Moscheebau in Köln-Ehrenfeld würde sie liefern. Die „Zeit“ spricht von einem „Kulturkampf“ und warnt vor dem „zweifelhaften Rechtsgehorsam“ der Muslime. Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

Die Exhumierung Gottes

Von der heiligen Nation zum globalen Himmelsreich

Wenn dir dein Spiegelbild nicht gefällt,
zerschlag nicht den Spiegel,
sondern zerschlag dein Gesicht“
Altes persisches Sprichwort

Ernst Lohoff

1.

Mit der auf dem Wert beruhenden Gesellschaft bildete sich erstmals in der menschlichen Geschichte eine Weltgesellschaft heraus. Weiterlesen »

31.12.2007 Beitrag drucken

Feuer und Flamme für Demokratie und Freiheit


Thesen zum Fundamentalismus der “westlichen Werte” in Zeiten ihres Zerfalls

Streifzüge 40, Juni 2007

Norbert Trenkle

1. Dem vorherrschenden Diskurs in den westlichen Metropolen sind Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit derzeit vom islamischen Fundamentalismus oder gar von “dem Islam” bedroht. Demgegenüber wird eine Politik der Null-Toleranz propagiert. Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit, heißt es. Reine Selbstverteidigung soll das sein. Alles, was der Westen gegen die phantasierte “islamische Gefahr” tut, geschehe aus reiner Notwehr. Freilich trägt dieser angebliche Anti-Fundamentalismus selbst alle Züge des Fundamentalismus, den er zu bekämpfen vorgibt. Wie jener so beruht auch dieser auf der paranoiden Konstruktion eines äußeren, existentiellen Feindes und wie jener spuckt er Gift und Galle gegen das Schreckgespenst eines inneren Abweichlertums: gegen den postmodernen und multikulturalistischen Relativismus, der die Grundlage der “westlichen Werte” untergraben habe.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Alles außer Krieg ist schwer zu machen

Nicht nur im Nahen Osten, aber vor allem dort. Einige Behauptungen zum Streiten

Streifzüge 39/2007

Lorenz Glatz

Misere der Wert-Ordnung

Krieg ist der Vater aller Dinge. Staat muss sein. Ohne ihn herrscht blanke Gewalt. Mit ihm auch. Aber ordentlich. Seit Thomas Hobbes ist das der Weisheit letzter Schluss, wenn eins über das Leben räsoniert. Und für die moderne Gesellschaft, zu deren Propheten Hobbes zählt, macht das durchaus Sinn. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, und gerade das Wort für die wohl grundlegendste Tätigkeit der Warengesellschaft – “kaufen” – ist eng mit dem Verb “kapern” verwandt. Mehr, als dass der Kampf im Normalfall nach Regeln geht und nicht gleich mit Brachialgewalt beginnt, ist da nicht drin. Selbst das zu erreichen ist schwer genug geworden. An den Peripherien – jenen des Weltsystems, aber auch an den breit gewordenen gesellschaftlichen Rändern vieler Staaten – braucht es dazu mehr Polizei und Justizpersonal, mehr Peacekeeper und Friedenspanzer, als man finanzieren kann. Staatsgewalt in Recht und Ordnung ist oft vom Ausnahmezustand nicht mehr recht zu unterscheiden, die Gewalt tritt aus ihren Schranken, Ordnungskräfte und Todesschwadronen gehen in einander über. Ja, die Staaten scheinen Chaos und Misere, die sie auf ihrem Gebiet und international bekämpfen, just dadurch noch auszuweiten.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Wegsehen oder Solidarität mit Israel?

Civilization of Clash und antisemitischer Vernichtungswahn

Streifzüge 39/2007

Lothar Galow-Bergemann

1.

“Israel muss von der Bildfläche getilgt werden.” “Die Wurzel des zionistischen Regimes muss trockengelegt werden.” “Die Anwendung einer einzigen Atombombe würde Israel völlig zerstören, während sie der islamischen Welt nur begrenzte Schäden zufügen würde.” Wer dem gegenwärtigen iranischen Präsidenten Ahmadinejad diese Worte in den Mund legen wollte, läge falsch. Das erste Zitat stammt von Chomeini, dem iranischen Revolutionsführer von 1979 bis 19891, das zweite vom derzeitigen religiösen Führer Khamenei2 und das dritte vom ehemaligen Staatspräsidenten Rafsandschani3, der in Deutschland allen Ernstes den Ruf eines “gemäßigten” Vertreters des iranischen Regimes genießt.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Transposition!

Streifzüge 39/2007

Franz Schandl

Dass der Westen alles darf, ist völlig unhinterfragt. Diskutiert wird bloß, ob er es soll. Militärisches Eingreifen (mit und ohne UNO-Beschlüssen) geht in Ordnung, ist allgemeines Credo, es fragt sich nur, ob es im Augenblick opportun ist. Dass diese Arroganz in den Metropolen gar nicht einmal mehr auffällt, spricht Bände. Alleine die Selbstverständlichkeit, mit welcher der Okzident aufgrund menschenrechtlicher und ökonomischer Überlegenheit handelt, d.h. schikaniert, interveniert, bombardiert, zeigt an, wie anmaßend dessen Politik ist. Das Irre, das etwa bei Ahmadinejad sofort ins Auge sticht, fällt bei den hiesigen Exponenten erst gar nicht auf. Wenn Chirac über eine Atombombe Richtung Teheran nachdenkt – kein Problem.

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31.12.2006 Beitrag drucken

Gott kriegt die Krise

Wo andere einen Konflikt „Orient gegen Okzident“ oder „The West against the Rest“ ausmachen, sollte sich die Linke zurückhalten und die kulturalistische Identitätspolitik angreifen.

Aus Jungle World vom 27.9.2006

Von Ernst Lohoff

Die meisten politischen Debatten und Richtungsstreitigkeiten verebben mehr oder minder spur- und folgenlos. Viele sind quasi schon vergessen, während sie noch toben. Nur ganz wenige zeigen historische Brüche an und finden irgendwann einmal Eingang in die Geschichtsschreibung. Von der unseligen Debatte um den „Kampf der Kulturen“, die im Frühjahr 2006 nicht nur die bundesdeutsche Öffentlichkeit beschäftigte, steht zu befürchten, dass sie in diese Königskategorie fallen könnte.

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31.12.2006 Beitrag drucken

Offener Brief an die junge Welt und ihre Leserschaft

Nachdem die junge Welt es bisher abgelehnt hat, den unten stehenden Leserbrief zu veröffentlichen, wurde beschlossen, ihn andernorts der Öffentlichkeit zugängig zu machen:

Wir sind AutorInnen der jungen Welt. Wir kommen aus unterschiedlichen Spektren der Linken und vertreten in manchen Fragen divergierende Standpunkte. Dennoch haben wir uns entschlossen, diese kurze gemeinsame Intervention zu verfassen.

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31.12.2006 Beitrag drucken

Die geschlossene Gesellschaft und ihre Feinde

Anmerkungen zum “Kampf der Kulturen”

Streifzüge 37/2006

von Ernst Lohoff

Die Ethnisierung der Weltmarktgesellschaft

Die meisten politischen Debatten und Richtungsstreitigkeiten verebben mehr oder minder spur- und folgenlos. Viele sind quasi schon vergessen, während sie noch toben. Nur ganz wenige indizieren historische Brüche und finden irgendwann einmal Eingang in die Geschichtsschreibung. Von der unseligen Debatte um den “Kampf der Kulturen”, die im Frühjahr 2006 nicht nur die bundesdeutsche Öffentlichkeit beschäftigte, steht zu befürchten, dass sie in diese Königskategorie fallen könnte. Sicher, die Wellen, die der “Karikaturenstreit” schlug, haben sich gelegt, die Diskussion um die Einführung nach dem Feindbild Islam gestrickter Einbürgerungstests ist verebbt und auch das diplomatische Gezerre um die iranische Atombombe, Chiracs nukleares Säbelrasseln und Ahmadinedschads Vernichtungsphantasien gegenüber Israel sind erst einmal aus den Schlagzeilen verschwunden. Heißt das aber wirklich Rückkehr zum Business as usual oder ist ein historischer Umschlagspunkt erreicht? Wenn der Wirbelsturm Katrina im meteorologischen Sinn Vorbote einer allgemeinen Klimakatastrophe war, kündigt dann vielleicht das “Kampf der Kulturen”-Szenario der letzten Wochen das Umkippen der weltideologischen Großwetterlage an?

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31.12.2006 Beitrag drucken

Falsche Fronten

Kolumne Unumgänglich

Streifzüge 36/2006

von Franz Schandl

Je mehr man über die Lage der Welt nachdenkt, desto verzweifelter müsste man eigentlich werden. Vor allem die Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten lassen Schlimmstes befürchten. Man darf die Augen nicht verschließen. Was droht, ist eine Welt, wo Bombardements und Strafaktionen sich mit Terroranschlägen ablösen, wo ökologische Katastrophen und sozialer Kahlschlag obligat werden, wo rassistische und antisemitische Übergriffe an Bedeutung gewinnen. Auch der Wiederaufstieg des Religiösen, mag er sich nun islamisch oder christlich munitionieren, passt in dieses abgedrehte Realszenario. Da werden stolz Haltegriffe halluziniert, wo doch die Welt der Werte an allen Ecken und Enden auseinander bricht.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Norbert Trenkle im Interview mit Salih Selcuk für die Zeitschrift YARIN


„Die so genannten westlichen Werte sind nur die andere Seite des Kulturalismus“

portugisische Version

türkische Version

englische Version

spanische Version

Norbert Trenkle im Interview mit Salih Selcuk für die Zeitschrift YARIN (Februar 2005)

1. Obwohl kulturalistische Ideologien immer noch starken Anklang finden (Huntington, Bin Laden, Mikronationalisten, Neo-Antisemiten etc.) wird der Ruf nach polit-ökonomischen Erklärungen der derzeitigen Weltlage immer lauter. Hat der Kulturalismus ausgedient?

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31.12.2005 Beitrag drucken

Kulturclasher

VORSPANN: Der unten stehende Artikel konnte in der jungen Welt leider nicht veröffentlicht werden, da ihn die Redaktion in Person ihres Chefredakteurs Arnold Schölzel aus inhaltlichen Gründen ablehnte. Das sei Main-stream, teilte man mir mit. Tatsache ist freilich, dass ich die vorherrschende Blattlinie der Jungen Welt bezüglich Ahmadi-Nejad nicht teile und diese Differenz auch offen machen wollte.

Meine wöchentliche Kolumne habe ich daher vorläufig eingestellt. Es geht nicht an, dass man meine Kommentare entsprechend einer Blattlinie selektiert werden.

Franz Schandl, am 23. Dezember 2005

Eigentlich aus: junge Welt vom 23.12.2005

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31.12.2005 Beitrag drucken

Sind wir alle Londoner?

Wider die Eingemeindung in die okzidentale Phalanx

aus: junge Welt vom 30.07.2005

Franz Schandl

Daß wir alle Londoner sind, ist zu einem geflügelten Wort geworden. Daß wir alle Kabuler sind oder Nairobier, würde hingegen der abendländischen Seele nie einfallen. Das sind namenlose (Habe)Nichtse, deren Eliminierung ohne Bedeutung ist. Die Wertigkeiten sind eindeutig, ja selbstverständlich. Sie plakatieren sich in jeder Deklaration. Im Londoner- oder New Yorker-Sein drückt sich jedenfalls keine allgemeine Empathie aus, sondern ein Zusammengehörigkeitsgefühl der westlichen Macht mit ihrem Personal. Es geht so um die ständige Eingemeindung in eine okzidentale Phalanx, um eine strikte Hierarchie des Menschenmaterials. Mitgefühl wird zu einer selektiven Ware, nicht zu einem allgemeinen Gut, das allen zusteht. Würde man die Schweigeminuten für Londons Tote für sämtliche Opfer von Krieg und Terror hochrechnen, dann wären wohl Jahre der Stille angesagt. Nicht Humanismus stellt sich aus, sondern das Kalkül der kapitalen Mächte. Nicht Menschlichkeit wird eingefordert, sondern die Wahrnehmung bevorrechteter Interessen und Lebensweisen. Alles dreht sich um die Wertegemeinschaft, die Gemeinschaft des Werts, zu der eins sich zu bekennen hat.

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31.12.2001 Beitrag drucken

The road to nowhere

Von Franz Schandl

Enduring freedom betitelt die US-Administration ihren aktuellen Kreuzzug. Zweifellos, sie meint das so. Es ist kein Witz, keine Persiflage, kein schlechter Film. Es ist bitterer Ernst. Todernst. Angeblich sind inzwischen die ersten Bodentruppen gelandet.

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31.12.2001 Beitrag drucken

Auf Teufel komm raus

Franz Schandl

Fast sind wir sie ja schon los, diese lästige Neutralität. Doch jetzt will man ihr den entscheidenden Schlag versetzen. Die fatale Terrorserie in den USA ist für viele der willkommene Anlass. Endlich. Jetzt darf uns nichts mehr zurückhalten. Wir dürfen nicht neutral sein! Sagt der Kanzler (ÖVP. Wir müssen solidarisch sein! Sagt die Verteidigungsminister (FPÖ). Österreich muss irgendwie dabei sein, so die nationale Frohbotschaft. Auch hier und wir: Auf nach Kabul!

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31.12.2001 Beitrag drucken

Inifinitive Justice

Von Franz Schandl

Die dreckigste Vorhaben schreien nach dem tollsten Vokabular. Und nichts ist so toll wie die Wut, daher steht gegenwärtig die Tollwut so hoch im Kurs. Sie ist wahrlich eine planetarische Infektion. Infinite justice, grenzenlose Gerechtigkeit, kann doch nur so verstanden sein, dass bloß im Tod alle gleich sind. Den gilt es jetzt zu verbreiten. “Justice will be done” sagt Bush und empfiehlt sich als das scharfe Schwert seiner Werte, die unsere zu sein haben. Dort, wo das Beten beginnt, hört das Denken auf. Aber dazu ist der Glauben ja da, sei es an Gott oder Geld oder beides.

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31.12.1998 Beitrag drucken

Der Westen in Not

Planetarische Politik und globale Kulturkämpfe im Zeitalter des Neokulturalismus

erschienen in: Krisis 20

“Die teuerste Ware auf dem Weltmarkt ist nicht Gold oder Diamant, sondern Kultur.” — Obi Egbuna, 1970

Ingolf Ahlers

Die Ausgangslage

Im Sommer 1993 veröffentlichte der Politikwissenschaftler und Harvard-Professor Samuel P. Huntington in der einflußreichen, für das Globale und Internationale zuständigen Zeitschrift “Foreign Affairs” einen Essay mit dem provozierenden Titel “The Clash of Civilizations”(1) in dem er mit Hilfe seines Zivilisations-Paradigmas die erstaunliche These aufstellt, daß die “Schlacht- bzw. Kampflinien”, welche die Politik im 21. Jahrhundert charakterisieren, von kulturellen Globalgefechten bestimmt sein werden. Huntingtons ‘neues’ Zivilisations-Paradigma beruht auf einem kulturgeographischen und -zyklischen Zivilisationsmodell, welches Kultur und Zivilisation mehr oder minder als identisch ansieht und Kultur machtbegrifflich faßt.

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