Out of Area – Out of Control
Sociedade da mercadoria e resistência na era da desregulamentação e desestatização
Deutsche Version Teil 1 – Teil 2
Ernst Lohoff Weiterlesen »
Ernst Lohoff Weiterlesen »
Frage 1: Ein zentrales Merkmal der Krisis ist ihr wertkritischer Ansatz. Könnt Ihr kurz skizzieren, was Wertkritik für Euch heißt und was den entscheidenden Unterschied dieses Ansatzes zu anderen linken Theorietraditionen ausmacht? Ist die “Kritik der Warengesellschaft”, so der Untertitel der Krisis, dasselbe wie die Kritik der politischen Ökonomie? Was heißt Wert und Wertvergesellschaftung? Weiterlesen »
Ernst Lohoff
Die PDS, die Gewerkschaften und ihre linkskeynesianischen Stichwortgeber leugnen wie die Neoliberalen die strukturelle, fundamentale Krise der Arbeitsgesellschaft. Käme »die Politik« nur ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach und zwänge das Kapital zur Erfüllung seiner Ausbeutungspflicht, also zur Schaffung von Arbeitsplätzen, dann würde sich das Gespenst der Arbeitslosigkeit schon verflüchtigen. Diese Vorstellung ist nicht nur illusionär, sondern auch reaktionär.
Streifzüge 31/04
Ernst Lohoff
1.
Seit den Tagen des Ersten Weltkriegs bis tief in die 70er Jahre hinein galt es als ausgemacht: Zukunft hat nur eine durch Staatseingriffe modifizierte und sozial eingehegte Marktwirtschaft. Insbesondere zur Zeit des Nachkriegsbooms teilten alle tonangebenden gesellschaftlichen und politischen Kräfte in den Weltmarktzentren diese Perspektive. In den 60er Jahren firmierte dieses Programm hierzulande unter dem Markennamen “Soziale Marktwirtschaft”, in den USA zur gleichen Zeit unter dem Label “Great Society”. Da wie dort stand außer Frage, dass der Staat als Gegengewicht zum freien Spiel der Marktkräfte aufzutreten hat. Insbesondere der Sozialstaat wurde als Synonym von Modernität gefeiert und “Reformpolitik” bezeichnete an beiden Ufern des Atlantiks nichts anderes als dessen energischen Ausbau.
Dieser Artikel ist ein Diskussionsbeitrag zum Thema Freie Software. Er bezieht sich auch auf die drei Arbeiten, die in den “Streifzügen” bereits dazu erschienen sind: Christian Fuchs, Die IdiotInnen des Kapitals. “Freie” Softwareproduktion – Antizipation des Postkapitalismus? in 1/2001; Stefan Meretz, Produktivkraftentwicklung und Aufhebung, in 2/2001; Sabine Nuss / Michael Heinrich: Freie Software und Kapitalismus, in 1/2002.
von Ernst Lohoff
Der Siegeszug des Computers hat den vielen Spaltungen der Weltgesellschaft eine neue Dreiteilung hinzugefügt. Milliarden Menschen, insbesondere in der Dritten Welt, bleiben von den Segnungen des Internetzeitalters völlig ausgeschlossen; für einige hundert Millionen Nutzer ist der Rechner integraler Bestandteil des Alltags geworden. Sie hantieren in Beruf und Freizeit permanent mit diesem Gerät, ohne dass sie deswegen mit mehr vertraut wären als mit der für sie unmittelbar relevanten Anwenderoberfläche. Für eine kleine, bezeichnenderweise so gut wie rein männliche Informationselite schließlich sind die virtuellen Informationswelten zu einer Art Lebenswelt geworden.
von Ernst Lohoff
Der Antiglobalisierungsprotest hat sich als Bewegung gegen den Neoliberalismus formiert. Zwar gehen die Vorstellungen, wie die herrschende Ordnung zu kritisieren sei, im Protestspektrum weit auseinander. Auch darüber, wie der Weg in eine menschlichere Gesellschaft aussehen könnte, herrscht nicht gerade Einigkeit. Alle aber erkennen im neoliberalen Traum vom totalen Markt einen Alptraum.
Ernst Lohoff
Als Marx im letzten Jahrhundert die Grundstruktur der ersehnten kommunistischen Umwälzung zu umreißen suchte, machte er eine grundlegende Differenz zwischen der erhofften sozialistischen Revolution und den vorangegangenen bürgerlichen Revolutionen auf. Während er in den »Revolutionen des 18. Jahrhunderts« »bloß politische Revolutionen« sah, erwartete er von der »proletarischen Revolution des 19. Jahrhundert«, daß sie dieses Schema sprengen und zu einer ganz anders gearteten, nämlich »sozialen Revolution« werden würde. Mit dem Aufstand der Pariser Kommune schien das neue Modell einer antibürgerlichen Revolution bereits Umrisse zu gewinnen. Die kurzlebige Kommune stand laut Marx nicht für die Eroberung der Staatsgewalt, die Übernahme des politischen Mechanismus durch die Arbeiterklasse, sondern schon für die Zurücknahme des Staates in die mit dem Kapitalverhältnis brechende Gesellschaft.
Ernst Lohoff
Der Endsieg von Demokratie und Markt fällt mit der Paralyse der warengesellschaftlichen Ordnung zusammen. Im selben historischen Augenblick, in dem die Diktatur der bürgerlichen Form allgegenwärtig geworden ist, büßt sie ihre integrative Kraft ein. Die kapitalistische Produktionsweise hört auf, als Prozeß “produktiver Zerstörung” (Schumpeter) zu funktionieren, und übrig bleibt die blanke Destruktion. Das Weiterprozessieren der warengesellschaftlichen Logik führt zu wachsender sozialer Entropie und kann letztlich nur im allgemeinen gesellschaftlichen Wärmetod enden.
Italiano: LA FINE DEL PROLETARIATO COME INIZIO DELLA RIVOLUZIONE
Ernst Lohoff
Die moderne bürgerliche Gesellschaft treibt zielsicher in Richtung Reproduktionsunfähigkeit. Seit dem Bericht des Club of Rome ist die Einsicht in die suizidalen Tendenzen der herrschenden Form von Weltgesellschaft auch tief ins Alltagsbewusstsein eingesickert. Druckfrische Tatarenmeldungen aus Ökologie, Ökonomie und Politik versorgen ein mittlerweile tief verwurzeltes diffuses und längst nicht mehr auf die ökologische Frage eindeutig zentriertes Krisengefühl beständig mit neuer Nahrung. Trotz der Häufung objektiver Krisensymptome scheint die bürgerliche Verkehrsform auf der “subjektiven” Seite hingegen ungefährdeter denn je. Die ehemals “systemoppositionellen” Strömungen erweisen sich angesichts der realen Probleme unserer Zeit als ebenso begriffs- wie hilflos und danken sang- und klanglos ab. In ihrem desolaten geistigen und organisatorischen Zustand stellen sie keine Herausforderung mehr dar, sondern liefern im Gegenteil noch die Legitimation für die Fortschreibung des Status quo. Angesichts des Desasters oppositionellen Denkens kann sich die herrschende bürgerliche Vergesellschaftungsform ein bestechendes Argument zugute halten. Sie gilt anerkanntermassen als alternativlos. Die Fundamentalopposition muss alle Pfauenfedern lassen und schrumpft auf den anklagend erhobenen Zeigefinger zusammen. Sie verkommt zur besinnlich-griesgrämlichen Untermalung, während die Modernisierer und Reformer besinnungslos ihr armseliges Geschäftchen weiterverrichten.