30.12.2006
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Warum das Proletariat im kapitalistischen Krisenprozess nicht wieder aufersteht.
Aus: Jungle World 26 vom 28. Juni 2006
Von Norbert Trenkle
Während auch in den ehemaligen Gewinnerländern des Weltmarkts die Prekarisierung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse fortschreitet und immer größere Teile der Bevölkerung erfasst, hat die Rede von einer Rückkehr der Klassengesellschaft und des Klassenkampfes Konjunktur. Angesichts der rapide verschärften sozialen Polarisierung mag sie zunächst plausibel erscheinen. Doch wie so oft trägt der Rückgriff auf die Deutungs- und Erklärungsmuster der Vergangenheit nicht etwa zur Klärung, sondern nur zur Verwirrung bei. Entgegen dem ersten Augenschein lässt sich weder die extrem wachsende soziale Ungleichheit adäquat in den Kategorien des Klassengegensatzes fassen, noch entsprechen die daraus resultierenden Interessengegensätze und -konflikte dem, was als Klassenkampf geschichtsmächtig wurde.
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27.12.2005
On the Unspoken Premises of an Odd Retro-Discourse
Source: Principia Dialectica, Nr. 2/2006 (London) www.principiadialectica.co.uk
Original: Die metaphysischen Mucken des Klassenkampfs, krisis 29, Münster 2005
Norbert Trenkle
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31.12.2002

Essay über die Notwendigkeit einer Weltgesellschaft ohne Geld
Die moderne, über das Geld vermittelte Warenproduktion demonstriert täglich auf grausame Weise, dass sie zum Scheitern verurteilt ist. Denn entgegen ihrem Versprechen hat die kapitalistische Globalisierung Elend und Zerstörung hervorgebracht. Die Frage nach der emanzipatorischen Aufhebung von Ware und Geld stellt sich daher nicht als wolkige Utopie, sondern als negativer Imperativ.
Aus: blätter des iz3w, Nr. 258, Jan/Feb. 2002
Von Norbert Trenkle
Es waren einmal zwei Affenmenschen, die lebten auf den Bäumen. Doch dann hatten sie eine geniale Idee: dass es nämlich “jedem von ihnen besser ginge, wenn sie etwas von einem Gut abgeben würden im Austausch für ein anderes”. Die menschliche Zivilisation war geboren. Aus den Affenmenschen waren Menschen geworden, die nun eifrig Bärenfell gegen Mammutfleisch und gesammelte Nüsse eintauschten, bis sie eines Tages feststellten, dass sich der “einfache Tauschhandel unter schweren Nachteilen vollzieht”. Denn was passiert, wenn der Mammutjäger einfach keine Nüsse ausstehen kann und schon ein Bärenfell besitzt? Er legt sich auf dieses und lässt den Walddämonen einen guten Mann sein. So blockierte er auf höchst unverantwortliche Weise den Fortschritt, bis ihm eines Tages eine weitere Erleuchtung kam: “Eine komplizierte Arbeitsteilung ist undenkbar ohne die Einführung einer wesentlichen Verbesserung: die Verwendung von Geld”. Nun gab es kein Halten mehr. Der Mammutjäger schulte zum Rinderzüchter um, weil sein Produktionszweig mangels Masse einging; die clevere Nusssammlerin legte eine Obstplantage an und schuf Hunderte von Arbeitsplätzen; der Bärenhäuter gründete eine Schneidereiwerkstatt und gerbte fortan seinen Angestellten das Fell; und keiner hing mehr von den schwankenden Vorlieben des anderen ab. So ging es mit Riesenschritten voran, bis endlich der wunderbare Zustand erreicht war, in dem sich die Welt heute befindet.
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31.12.1999
Ein anderer Blick in das Jenseits des Kapitalismus
Italiano: Il superamento del lavoro
Aus: Robert Kurz, Ernst Lohoff, Norbert Trenkle (Hg.): “Feierabend! Elf Attacken gegen die Arbeit”, Hamburg 1999
Robert Kurz/Norbert Trenkle
Arbeitslosigkeit und Krisen hat es im Kapitalismus “schon immer” gegeben. Neu ist allerdings, daß diese Phänomene am Ende des 20. Jahrhunderts als “Krise der Arbeitsgesellschaft” firmieren; ein Ausdruck, der ursprünglich auf die Philosophin Hannah Arendt zurückgeht (Arendt 1989/1958). Bis zur ersten Hälfte dieses Jahrhunderts wäre niemand auf die Idee gekommen, die üblichen kapitalistischen Krisenerscheinungen mit einer solchen Bezeichnung zu belegen. Die Kategorie “Arbeit” erschien ja eben allen Parteien und Theorien gleichermaßen als ontologischer, überhistorischer Hintergrund alles gesellschaftlichen Geschehens. Wenn die Arbeit aufhört, muß der Himmel einstürzen.
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31.12.1996
Überlegungen zu einer Perspektive jenseits der Warenform
Norbert Trenkle
1. Utopismus und emanzipatorische Perspektive
Im Zeitalter postmoderner Desillusionierung mag es geradezu anstößig erscheinen, Gedanken zu einer gesellschaftlichen Perspektive jenseits der Warenform vorzulegen. Handelt es sich dabei nicht um die längst schon »dekonstruierten« Allmachtsphantasien des weißen Mannes? Sind es die letzten Fiebertraume des abendländischen Subjekts, das noch im röchelnden Todeskampf die Welt unter seine universalistischen Großkonzepte zu subsumieren geneigt ist? Es wäre zu einfach, solche Verdächtigungen als bloße Abwehrhaltungen derjenigen abzutun, die sich längst schon mit dem Bestehenden arrangiert haben. Die Skepsis gegenüber Zukunftsentwürfen, die den Anspruch auf Verallgemeinerungsfähigkeit erheben, ist grundsätzlich ernst zu nehmen, auch wenn sie permanent dafür instrumentalisiert wird, jeden Gedanken an eine gesellschaftliche Transformation, die diesen Namen verdient, schon im Vorfeld abzublocken.
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31.12.1995
Vom warenförmigen Gesellschaftsmoloch zur dezentral vernetzten Welt
aus: Krisis 15 (1995)
Norbert Trenkle
1.
Daß das auf unablässige Expansion ausgelegte westlich-marktförmige Gesellschaftsmodell zunehmend die Grundlagen menschlichen Lebens untergräbt, ist längst kein Geheimnis mehr. Bis in die Spalten der Regenbogenpresse ist diese Einsicht mittlerweile vorgedrungen, und dies ist auch nicht weiter verwunderlich. Ob die beschleunigte Erwärmung des Weltklimas, die scheinbar unaufhaltsame Vergiftung der Meere und des Grundwassers, der jährliche Hungertod von Millionen von Menschen in den Ländern des Südens oder der rapide soziale Zerfall in den Zentren der Weltmarktvergesellschaftung nicht weniger als an ihren Rändern: Wo immer der Blick hinfällt, die Katastrophe ist fast schon zum Normalfall geworden.
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