19.11.2009
In der Linken wimmelt es von falschen und geschichtslosen Antworten auf die Krise
Phase2, Nr. 33, 2009
Julian Bierwirth
Seit dem Kriseneinbruch im Spätsommer 2009 ist, so scheint es, die gestalterische Kraft der Politik zurück. Die große Koalition aus SPD und CDU setzt ohne Zögern und in rasantem Tempo reformerische Ideen um, auf die innerhalb der politischen Landschaft in Deutschland bis vor kurzem noch die Linkspartei ein Monopol hatte. Das Tempo und der Stil, in dem diese Reformen vor sich gehen, erinnern bisweilen an eine neue Variante der Notstandsgesetzgebung. Die Linkspartei, Attac und auch die Grünen ficht das jedoch nicht an. Sie wollen, mit einer Formulierung von Elmar Altvater, den Kapitalismus »bis zur Unkenntlichkeit reformieren«.
Die Kritik ist derweil auf den Hund gekommen. Weiterlesen »
26.10.2009
Beiträge von André Gorz zur politischen Ökologie
Franz Schandl
Der vorliegende Band, in dem einige späte Aufsätze und Interviews von und mit André Gorz zusammengetragen sind, präsentiert einen wachen und bis zuletzt widerständigen Geist. Weiterlesen »
21.04.2009
Red. Anmerkung: Ernst Lohoff hat sich in seinem Artikel »Der Wert des Wissens« in krisis 31 (2007, S. 13-51, Kurzfassung) zur Begründung der »Universalgüterthese«, nach der digitale Informationsgüter genuin wertlos sind, u.a. auch auf den Begriff der »allgemeinen Arbeit« bezogen. Daraus ist eine Diskussion entstanden, die wir hier in loser Artikelfolge dokumentieren wollen. Den Auftakt bilden die Thesen von Stefan Meretz.
Thesen zur „allgemeinen Arbeit“
Stefan Meretz Weiterlesen »
22.01.2009
Sociedade da mercadoria e resistência na era da desregulamentação e desestatização
Ernst Lohoff Weiterlesen »
23.10.2008
Die Arbeit sei »mehr wert«, so begründen Gewerkschaften wie Verdi die aktuellen Arbeitskämpfe. Damit verkehren sie nur ökonomische Kategorien ins Moralische und riskieren, mögliche emanzipatorische Bewegungen im Keim zu ersticken.
Jungle World 8/2008
Roger Behrens
»Soziale Arbeit ist mehr wert!«, »Pflege ist mehr wert!«, »Wir sind mehr wert!« Die Parolen, welche die jüngsten Streikaktivitäten der Gewerkschaften, insbesondere Verdi, begleiten, muten paradox an. Es ist das ABC der Kritik der politischen Ökonomie, dass Lohnarbeitsverhältnisse im Kapitalismus darauf basieren, dass die Arbeit mehr wert ist: Arbeit ist nämlich die einzige Quelle, aus der ein Mehrwert abgeschöpft werden kann. Anders gesagt: Der Mehrwert ist die Kapitalismus-spezifische Form des Mehrprodukts und geht über ein bloßes Äquivalent für den Wert der Arbeitskraft, das ausreicht, um diese zu reproduzieren, hinaus.
Weiterlesen »
23.10.2008
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und die Sozialdemokratie noch immer keine Revolution. Trotzdem muss auch wieder über Kommunismus geredet werden
Freitag, 28.03.08
Roger Behrens
In der Freitag-Serie zu den Perspektiven der Linken in Deutschland fragte der Berliner Soziologe Wolfgang Engler Anfang Februar danach, wie die vielen kleinen politischen Meinungen der Menschen und die ganz große politische Orientierung zusammenhängen. Mitte Februar versuchte der Frankfurter Publizist Mario Scalla Umrisse eines neuen linken Projekts zu skizzieren, das die kritischen kulturellen Ansätze der neunziger Jahre aufnimmt und weiterentwickelt. Dem Hamburger Philosoph und Sozialwissenschaftler Roger Behrens ist das alles nicht radikal genug. Im dritten Beitrag unserer Serie plädiert er für eine Linke, die über das bestehende System hinausdenkt.
Weiterlesen »
23.10.2008
3. Teil: Skizzen einer Antipolitik
Streifzüge 42/2008
Franz Schandl
Ob wir wollen oder nicht, wir sind nicht nur populistisch zugerichtet, sondern auch populistisch ausgerichtet. Was denn sonst? Der Unterschied liegt lediglich darin, dass einige das auch wissen und vielleicht sogar reflektieren, während die allermeisten es bloß handhaben.
Weder die negative Fixierung auf den Populismus noch der positive Bezug auf ihn sind zielführend. Führt erstere zur Ausblendung der gesellschaftlichen Totalität im Allgemeinen wie des Formprinzips der Politik im Besonderen, so unterwirft sich zweitere direkt den kulturindustriellen Geboten der Kommunikation. Der Populismus ist alles andere als antipolitisch, er ist Politik in fortwesendem Zustand marktkonformer Formatierung.
Weiterlesen »
31.12.2007

Interview der Zeitschrift MARBURG-VIRUS mit Ernst Lohoff und Robert Kurz
Frage 1: Ein zentrales Merkmal der Krisis ist ihr wertkritischer Ansatz. Könnt Ihr kurz skizzieren, was Wertkritik für Euch heißt und was den entscheidenden Unterschied dieses Ansatzes zu anderen linken Theorietraditionen ausmacht? Ist die “Kritik der Warengesellschaft”, so der Untertitel der Krisis, dasselbe wie die Kritik der politischen Ökonomie? Was heißt Wert und Wertvergesellschaftung? Weiterlesen »
31.12.2007
Gespräch mit Mitgliedern der Frente Popular Dario Santillán. Über die Situation der Erwerbslosenorganisationen in Argentinien, über die Regierung von Néstor Kirchner und über die aktuellen Arbeitskämpfe in den Provinzen des Landes
junge Welt, 19.05.2007
Timo Berger
Schwarz vermummt, einen Stock in der Hand und im Hintergrund brennende Reifenstapel, so wurden die Piqueteros im Dezember 2001, als in Argentinien Wirtschaft und Währung kollabierten, weltweit bekannt. In letzter Zeit hat man wenig von den organisierten Erwerbslosen gehört, gibt es keine Straßensperren mehr?
Weiterlesen »
31.12.2007
1.
a) Wie ist das Verhältnis der Mitarbeiter untereinander?
a) Auf der Ebene des Umgangs miteinander bemühen wir uns um möglichst weitgehende demokratische Verhältnisse und haben dafür bestimmte Mechanismen entwickelt. Dazu zählen die monatlichen Versammlungen, die ein demokratisches und partizipatives Instrument darstellen, weil dort die wichtigsten Entscheidungen über das Schicksal unserer Kooperative getroffen werden. Die Versammlung ist das oberste Organ der Kooperative. Der Verwaltungsrat hat Kompetenzen in Bezug auf Entscheidungen in Alltagssituationen, muss darüber aber vor der monatlichen Versammlung Rechenschaft ablegen.
31.12.2007
Ein Übergangskonzept
Streifzüge 41/2007
Stefan Meretz
In der wertkritischen Linken gibt es eine kleine Gruppe, die darauf verweist, dass es vor allem mit der Freien Software- und Kulturbewegung bereits Ansätze (“Keimformen”) gibt, die auf neue Möglichkeiten jenseits von Ware, Geld, Markt und Staat verweisen. Solche Ansätze werden ihrerseits kritisiert, sie seien auf kopierbare Informationsgüter beschränkt und könnten nicht die Welt der stofflichen Güter erreichen.
Weiterlesen »
31.12.2007
Die Beschäftigten einer angeeigneten Klinik in Argentinien berichten
Die Gesundheitsgenossenschaft Junín (Cooperativa de Trabajo de la Salud Junín Ltda.) wurde im Jahre 2002 von den Angestellten der Privatklinik Junín SRL gegründet, als deren Schließung drohte. Das Missmanagement des Arbeitgebers und der gezielte Entzug von Kapital hatten die Klinik in eine tiefe Krise gestürzt; sie hatte unzählige Schulden aufgehäuft und sah sich Konflikten und Gerichtsverfahren mit Lieferanten wegen nicht erfolgter Zahlungen und ähnlichem ausgesetzt. In dieser chaotischen Lage ergriff der Arbeitgeber Maßnahmen, die auf eine Schließung der Firma abzielten und darauf, die Auszahlung der ausstehenden elf Monatsgehälter der Angestellten zu umgehen.
Weiterlesen »
31.12.2006
Der entfesselten Wirtschaft Fesseln anlegen – das möchte Rudolf Hickel
Aus: Freitag 33, 18. August 2006
Von Franz Schandl
Der Bremer Ökonom kann als einer der prononciertesten Exponenten des Neokeynesianismus gelten, als ein unermüdlicher Verfechter einer wirtschaftspolitischen Wende: „Denn wir brauchen einen Richtungswechsel, eigentlich die Rückkehr zu einem rational begründeten Zusammenspiel von Wirtschaft und Staat, das es schon einmal gegeben hat.“ Hickels Perspektive liegt in der Retrospektive. Der Autor ist ein Vertreter von Regulierung und Intervention. Wirtschaftspolitik habe nicht einfach Politik für die Wirtschaft zu sein, sondern politischer Wegweiser.
Weiterlesen »
31.12.2006
Kolumne Unumgänglich
Streifzüge 37/2006
von Franz Schandl
Dort, wo der Klassenkampf sich als Alternative zum Kapital versteht, missversteht er sich selbst. Als Formierung ist er dazu da, jenes in Bewegung zu halten, indem er die Interessen der Ware Arbeitskraft vertritt. Sei es puncto Arbeitslohn, Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen, soziale Sicherheiten oder Reproduktionsmöglichkeiten. Der Klassenkampf ist eine Agentur des Kapitals und der Kampf selbst eine primitive Form des Zusammenstreitens.
Weiterlesen »
30.12.2006
< 
Warum das Proletariat im kapitalistischen Krisenprozess nicht wieder aufersteht.
Aus: Jungle World 26 vom 28. Juni 2006
Von Norbert Trenkle
Während auch in den ehemaligen Gewinnerländern des Weltmarkts die Prekarisierung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse fortschreitet und immer größere Teile der Bevölkerung erfasst, hat die Rede von einer Rückkehr der Klassengesellschaft und des Klassenkampfes Konjunktur. Angesichts der rapide verschärften sozialen Polarisierung mag sie zunächst plausibel erscheinen. Doch wie so oft trägt der Rückgriff auf die Deutungs- und Erklärungsmuster der Vergangenheit nicht etwa zur Klärung, sondern nur zur Verwirrung bei. Entgegen dem ersten Augenschein lässt sich weder die extrem wachsende soziale Ungleichheit adäquat in den Kategorien des Klassengegensatzes fassen, noch entsprechen die daraus resultierenden Interessengegensätze und -konflikte dem, was als Klassenkampf geschichtsmächtig wurde.
Weiterlesen »
29.12.2006
Über die schwierige Kunst, Basisbewegungen in den neoliberalen Metropolen zu organisieren [1]
Marco Fernandes [2]
„Ich glaube, die Piquetes haben auf ihre Weise die Apathie gesprengt. Wir haben das Land aus den süßen Träumen aufgerüttelt, die Menem und all diese Politiker verkauften; wir waren wie der Durchbruch eines neuen Lichts. Zusammen mit anderen Kämpfen haben wir das Land aus der Wunschträumen der Postmodernität aufgeweckt. Sie haben uns Piqueteros genannt, und das war unsere Art zur ganzen Gesellschaft zu sprechen , ihr zu sagen, dass es andere Kampfformen gibt, und um unserer Leidenschaft und unserer Würde Ausdruck zu verleihen.“ (Aktivist des MTD Solano) [3] Weiterlesen »
31.12.2005
Kann es leisten, was das Proletariat nicht leistete?
Aus: junge Welt, 29. April 2005
Von Franz Schandl
Matthias Horx sieht es so: „Verdienen Sie Ihr Geld überwiegend mit Leistungen, die einen Unterschied erzeugen, anstatt immer das Gleiche zu produzieren? Wissen Sie nur in etwa, wie Ihre Tätigkeit in einem, in zwei oder fünf Jahren aussehen wird? Haben Sie in Ihrem Leben schon mehrere Berufe ausgeübt? Beträgt der zeitliche Aufwand, den Sie zum Üben, Trainieren und Weiterentwickeln Ihrer Fähigkeiten aufwenden, mehr als 50 Prozent der Zeit, in der Sie aktiv Geld verdienen? Variiert Ihr Einkommen mehr als 30 Prozent im Jahr – bzw. kann es in den nächsten Jahren um diese Schwankungsbreite variieren? Wenn Sie nur eine dieser Fragen mit einem JA beantworten können, dann gehören Sie mit großer Wahrscheinlichkeit dazu. Sie sind Gründungsmitglied der herrschenden Klasse des Wissens-Zeitalter. Gehen Sie verantwortlich damit um. Es ist Frühling. Gründen Sie! Schöpfen Sie wohl!“ (Matthias Horx, Zukunft passiert: Die kreative Klasse, Die Presse, 2. April 2005, S. 29)
Weiterlesen »
31.12.2005
Die Befürworter eines Grundeinkommens scheuen die Auseinandersetzung mit den Verhältnissen im gegenwärtigen Kapitalismus. Mit ihnen lässt sich keine Gegenbewegung begründen.
Ernst Lohoff
Die PDS, die Gewerkschaften und ihre linkskeynesianischen Stichwortgeber leugnen wie die Neoliberalen die strukturelle, fundamentale Krise der Arbeitsgesellschaft. Käme »die Politik« nur ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach und zwänge das Kapital zur Erfüllung seiner Ausbeutungspflicht, also zur Schaffung von Arbeitsplätzen, dann würde sich das Gespenst der Arbeitslosigkeit schon verflüchtigen. Diese Vorstellung ist nicht nur illusionär, sondern auch reaktionär.
Weiterlesen »
27.12.2005
On the Unspoken Premises of an Odd Retro-Discourse
Source: Principia Dialectica, Nr. 2/2006 (London) www.principiadialectica.co.uk
Original: Die metaphysischen Mucken des Klassenkampfs, krisis 29, Münster 2005
Norbert Trenkle
Weiterlesen »
31.12.2004

Warengesellschaft und Widerstand im Zeitalter von Deregulierung und Entstaatlichung
Streifzüge 31/04
Ernst Lohoff
1. Teil: Der fatale Endsieg der Ware*
I. Die Unselbständigkeit der Politik
1.
Seit den Tagen des Ersten Weltkriegs bis tief in die 70er Jahre hinein galt es als ausgemacht: Zukunft hat nur eine durch Staatseingriffe modifizierte und sozial eingehegte Marktwirtschaft. Insbesondere zur Zeit des Nachkriegsbooms teilten alle tonangebenden gesellschaftlichen und politischen Kräfte in den Weltmarktzentren diese Perspektive. In den 60er Jahren firmierte dieses Programm hierzulande unter dem Markennamen “Soziale Marktwirtschaft”, in den USA zur gleichen Zeit unter dem Label “Great Society”. Da wie dort stand außer Frage, dass der Staat als Gegengewicht zum freien Spiel der Marktkräfte aufzutreten hat. Insbesondere der Sozialstaat wurde als Synonym von Modernität gefeiert und “Reformpolitik” bezeichnete an beiden Ufern des Atlantiks nichts anderes als dessen energischen Ausbau.
Weiterlesen »
31.12.2004
Bei der aktuellen Krise handelt es sich um eine fundamentale globale Verwertungskrise. Radikale Lösungen jenseits der Wertform sind gefragt.
Von Franz Schandl
Wenn nichts mehr geht, ist eine entscheidende Frage die, was nicht mehr geht. Um welche Krise es sich also gegenwärtig handelt. Meine Antwort ist die, dass wir es mit einer fundamentalen Krise der Verwertung zu tun haben, die nach radikalen Lösungen heischt. Kein Herumdoktern wird mehr helfen. Bei den bisherigen Beiträgen hingegen hat man den Eindruck, dass es schon so weiterginge, würde man nur die richtigen politischen Maßnahmen setzen und das Geld anders positionieren.
31.12.2003
UNGESCHLIFFENE THESEN. VORABFASSUNG
Streifzüge 1/2003
von Franz Schandl
Wir werden mehr umdenken müssen als wir vor einigen Jahren noch glaubten. Aus dem Reformationsprojekt des Sozialismus ist inzwischen ein Abbruchunternehmen geworden und immer weniger eignet sich zur Weiterverwendung. Kein Begriff, der heute noch ungeniert verwedet werden könnte. Die Aufgabe ist größer als angenommen und übersteigt bei weitem unsere bisherigen Kräfte. Wer hätte vor zwanzig, ja vor zehn Jahre noch gedacht, dass es irgendwann Zeit wird, den allseits gut beleumundeten Terminus des “Internationalismus” als trojanisches Pferd zu bezeichnen und folgerichtig zu kippen. Doch genau das steht an und wird in Folge auch unternommen.
31.12.2003
Funken eines nicht-entfremdeten Bewusstseins inmitten des argentinischen Zusammenbruchs
Marco Fernandes
Der argentinische Kapitalismus liegt am Boden. Beinahe zehn Jahre lang hatte sich Carlos Menem, der ehemalige Präsident Argentiniens, als Musterschüler des Internationalen Währungsfonds gebärdet: Er koppelte den argentinischen Peso an den US-Dollar, privatisierte in großem Stil staatliche Betriebe, baute Einfuhrbeschränkungen ab, strich die Zahl der Staatsbediensteten radikal zusammen und dergleichen mehr. Dank der künstlichen Parität von Peso und Dollar hatte die Kaufkraft der Mittelschicht quasi über Nacht zugenommen. Nach dem Motto ›Was kostet die Welt?‹ konnte sie sich nun endlich lang gehegte Konsumträume erfüllen und dankte dies ihrem Präsidenten mit politischer Unterstützung. Und während Michel Camdessus, der damalige Direktor des IWF, der Regierung ein Loblied sang und Argentinien dem Rest der Welt als Modell eines modernen Staats empfahl, wähnte die herrschende Klasse sich bereits auf dem Weg in den exklusiven Club der Länder der Ersten Welt.
Weiterlesen »
31.12.2002
Zur Politischen Ökonomie des Informationskapitalismus
Dieser Artikel ist ein Diskussionsbeitrag zum Thema Freie Software. Er bezieht sich auch auf die drei Arbeiten, die in den “Streifzügen” bereits dazu erschienen sind: Christian Fuchs, Die IdiotInnen des Kapitals. “Freie” Softwareproduktion – Antizipation des Postkapitalismus? in 1/2001; Stefan Meretz, Produktivkraftentwicklung und Aufhebung, in 2/2001; Sabine Nuss / Michael Heinrich: Freie Software und Kapitalismus, in 1/2002.
von Ernst Lohoff
Der Siegeszug des Computers hat den vielen Spaltungen der Weltgesellschaft eine neue Dreiteilung hinzugefügt. Milliarden Menschen, insbesondere in der Dritten Welt, bleiben von den Segnungen des Internetzeitalters völlig ausgeschlossen; für einige hundert Millionen Nutzer ist der Rechner integraler Bestandteil des Alltags geworden. Sie hantieren in Beruf und Freizeit permanent mit diesem Gerät, ohne dass sie deswegen mit mehr vertraut wären als mit der für sie unmittelbar relevanten Anwenderoberfläche. Für eine kleine, bezeichnenderweise so gut wie rein männliche Informationselite schließlich sind die virtuellen Informationswelten zu einer Art Lebenswelt geworden.
Weiterlesen »
31.12.2002

Essay über die Notwendigkeit einer Weltgesellschaft ohne Geld
Die moderne, über das Geld vermittelte Warenproduktion demonstriert täglich auf grausame Weise, dass sie zum Scheitern verurteilt ist. Denn entgegen ihrem Versprechen hat die kapitalistische Globalisierung Elend und Zerstörung hervorgebracht. Die Frage nach der emanzipatorischen Aufhebung von Ware und Geld stellt sich daher nicht als wolkige Utopie, sondern als negativer Imperativ.
Aus: blätter des iz3w, Nr. 258, Jan/Feb. 2002
Von Norbert Trenkle
Es waren einmal zwei Affenmenschen, die lebten auf den Bäumen. Doch dann hatten sie eine geniale Idee: dass es nämlich “jedem von ihnen besser ginge, wenn sie etwas von einem Gut abgeben würden im Austausch für ein anderes”. Die menschliche Zivilisation war geboren. Aus den Affenmenschen waren Menschen geworden, die nun eifrig Bärenfell gegen Mammutfleisch und gesammelte Nüsse eintauschten, bis sie eines Tages feststellten, dass sich der “einfache Tauschhandel unter schweren Nachteilen vollzieht”. Denn was passiert, wenn der Mammutjäger einfach keine Nüsse ausstehen kann und schon ein Bärenfell besitzt? Er legt sich auf dieses und lässt den Walddämonen einen guten Mann sein. So blockierte er auf höchst unverantwortliche Weise den Fortschritt, bis ihm eines Tages eine weitere Erleuchtung kam: “Eine komplizierte Arbeitsteilung ist undenkbar ohne die Einführung einer wesentlichen Verbesserung: die Verwendung von Geld”. Nun gab es kein Halten mehr. Der Mammutjäger schulte zum Rinderzüchter um, weil sein Produktionszweig mangels Masse einging; die clevere Nusssammlerin legte eine Obstplantage an und schuf Hunderte von Arbeitsplätzen; der Bärenhäuter gründete eine Schneidereiwerkstatt und gerbte fortan seinen Angestellten das Fell; und keiner hing mehr von den schwankenden Vorlieben des anderen ab. So ging es mit Riesenschritten voran, bis endlich der wunderbare Zustand erreicht war, in dem sich die Welt heute befindet.
Weiterlesen »
31.12.2002
von Ernst Lohoff
Der Antiglobalisierungsprotest hat sich als Bewegung gegen den Neoliberalismus formiert. Zwar gehen die Vorstellungen, wie die herrschende Ordnung zu kritisieren sei, im Protestspektrum weit auseinander. Auch darüber, wie der Weg in eine menschlichere Gesellschaft aussehen könnte, herrscht nicht gerade Einigkeit. Alle aber erkennen im neoliberalen Traum vom totalen Markt einen Alptraum.
Weiterlesen »
31.12.1999
Ein anderer Blick in das Jenseits des Kapitalismus
Italiano: Il superamento del lavoro
Aus: Robert Kurz, Ernst Lohoff, Norbert Trenkle (Hg.): “Feierabend! Elf Attacken gegen die Arbeit”, Hamburg 1999
Robert Kurz/Norbert Trenkle
Arbeitslosigkeit und Krisen hat es im Kapitalismus “schon immer” gegeben. Neu ist allerdings, daß diese Phänomene am Ende des 20. Jahrhunderts als “Krise der Arbeitsgesellschaft” firmieren; ein Ausdruck, der ursprünglich auf die Philosophin Hannah Arendt zurückgeht (Arendt 1989/1958). Bis zur ersten Hälfte dieses Jahrhunderts wäre niemand auf die Idee gekommen, die üblichen kapitalistischen Krisenerscheinungen mit einer solchen Bezeichnung zu belegen. Die Kategorie “Arbeit” erschien ja eben allen Parteien und Theorien gleichermaßen als ontologischer, überhistorischer Hintergrund alles gesellschaftlichen Geschehens. Wenn die Arbeit aufhört, muß der Himmel einstürzen.
Weiterlesen »
31.12.1996
Überlegungen zu einer Perspektive jenseits der Warenform
Norbert Trenkle
1. Utopismus und emanzipatorische Perspektive
Im Zeitalter postmoderner Desillusionierung mag es geradezu anstößig erscheinen, Gedanken zu einer gesellschaftlichen Perspektive jenseits der Warenform vorzulegen. Handelt es sich dabei nicht um die längst schon »dekonstruierten« Allmachtsphantasien des weißen Mannes? Sind es die letzten Fiebertraume des abendländischen Subjekts, das noch im röchelnden Todeskampf die Welt unter seine universalistischen Großkonzepte zu subsumieren geneigt ist? Es wäre zu einfach, solche Verdächtigungen als bloße Abwehrhaltungen derjenigen abzutun, die sich längst schon mit dem Bestehenden arrangiert haben. Die Skepsis gegenüber Zukunftsentwürfen, die den Anspruch auf Verallgemeinerungsfähigkeit erheben, ist grundsätzlich ernst zu nehmen, auch wenn sie permanent dafür instrumentalisiert wird, jeden Gedanken an eine gesellschaftliche Transformation, die diesen Namen verdient, schon im Vorfeld abzublocken.
Weiterlesen »
31.12.1996
Ein postpolitischer Streifzug
Ernst Lohoff
1. Modernisierung und Politikemphase
Als Marx im letzten Jahrhundert die Grundstruktur der ersehnten kommunistischen Umwälzung zu umreißen suchte, machte er eine grundlegende Differenz zwischen der erhofften sozialistischen Revolution und den vorangegangenen bürgerlichen Revolutionen auf. Während er in den »Revolutionen des 18. Jahrhunderts« »bloß politische Revolutionen« sah, erwartete er von der »proletarischen Revolution des 19. Jahrhundert«, daß sie dieses Schema sprengen und zu einer ganz anders gearteten, nämlich »sozialen Revolution« werden würde. Mit dem Aufstand der Pariser Kommune schien das neue Modell einer antibürgerlichen Revolution bereits Umrisse zu gewinnen. Die kurzlebige Kommune stand laut Marx nicht für die Eroberung der Staatsgewalt, die Übernahme des politischen Mechanismus durch die Arbeiterklasse, sondern schon für die Zurücknahme des Staates in die mit dem Kapitalverhältnis brechende Gesellschaft.
Weiterlesen »
31.12.1996
Ernst Lohoff
1.
Der Endsieg von Demokratie und Markt fällt mit der Paralyse der warengesellschaftlichen Ordnung zusammen. Im selben historischen Augenblick, in dem die Diktatur der bürgerlichen Form allgegenwärtig geworden ist, büßt sie ihre integrative Kraft ein. Die kapitalistische Produktionsweise hört auf, als Prozeß “produktiver Zerstörung” (Schumpeter) zu funktionieren, und übrig bleibt die blanke Destruktion. Das Weiterprozessieren der warengesellschaftlichen Logik führt zu wachsender sozialer Entropie und kann letztlich nur im allgemeinen gesellschaftlichen Wärmetod enden.
Weiterlesen »
31.12.1995
Vom warenförmigen Gesellschaftsmoloch zur dezentral vernetzten Welt
aus: Krisis 15 (1995)
Norbert Trenkle
1.
Daß das auf unablässige Expansion ausgelegte westlich-marktförmige Gesellschaftsmodell zunehmend die Grundlagen menschlichen Lebens untergräbt, ist längst kein Geheimnis mehr. Bis in die Spalten der Regenbogenpresse ist diese Einsicht mittlerweile vorgedrungen, und dies ist auch nicht weiter verwunderlich. Ob die beschleunigte Erwärmung des Weltklimas, die scheinbar unaufhaltsame Vergiftung der Meere und des Grundwassers, der jährliche Hungertod von Millionen von Menschen in den Ländern des Südens oder der rapide soziale Zerfall in den Zentren der Weltmarktvergesellschaftung nicht weniger als an ihren Rändern: Wo immer der Blick hinfällt, die Katastrophe ist fast schon zum Normalfall geworden.
Weiterlesen »
31.12.1994
Gaston Valdivia
Anlässlich elnes Utopieworkshops an der Hochschule für Wirtschaft und Politik in Hamburg, wurden die Studentlnnen aufgefordert, doch einmal ihre Wünsche für eine neue, bessere Welt frisch und frei von der Leber weg zu artikulieren. Die Resultate lösten das blanke Entsetzen bei mir aus. Offensichtlich war ich mit meiner Annahme, linke Stundentlnnen verstünden unter Utopie etwas, das sich jenseits der herrschenden Verhältnisse ansiedelt, vollkommen schief gewickelt. “Mehr staatliche Kinderbetreuung”, “billiger Wohnraum für alle”, “mehr Mitbestimmung im Betrieb und in der Politik”, “weniger Autoverkehr”, “mehr Geld für die Einkommensschwachen”, “Umverteilung”, etc., so lauteten die gewagten Ideen. Die Sachzwangrealität einer krisenhaften Zeit erzeugt offensichtlich den Drang, besonders pragmatisch und realistisch sein zu wollen. Jemehr eine Überschreitung des Horizontes notwendig wird, desto enger schliessen sich die Mauern um die Gehirnwindungen. Dass diese “realistischen Utopien” kaum etwas zu ändern vermögen, nicht einmal im bescheidensten Sinne, darauf wurde von den Krisisautoren schon öfter hingewiesen. Pragmatismus und Realitätssinn entlarven sich schnell als moderner Idealismus – Utopie im schlechten Sinn.
Weiterlesen »
31.12.1991
Über den logischen Zusammenhang von Krisen- und Revolutionstheorie
Italiano: LA FINE DEL PROLETARIATO COME INIZIO DELLA RIVOLUZIONE
Ernst Lohoff
1. Krise der Revolutionstheorie
Die moderne bürgerliche Gesellschaft treibt zielsicher in Richtung Reproduktionsunfähigkeit. Seit dem Bericht des Club of Rome ist die Einsicht in die suizidalen Tendenzen der herrschenden Form von Weltgesellschaft auch tief ins Alltagsbewusstsein eingesickert. Druckfrische Tatarenmeldungen aus Ökologie, Ökonomie und Politik versorgen ein mittlerweile tief verwurzeltes diffuses und längst nicht mehr auf die ökologische Frage eindeutig zentriertes Krisengefühl beständig mit neuer Nahrung. Trotz der Häufung objektiver Krisensymptome scheint die bürgerliche Verkehrsform auf der “subjektiven” Seite hingegen ungefährdeter denn je. Die ehemals “systemoppositionellen” Strömungen erweisen sich angesichts der realen Probleme unserer Zeit als ebenso begriffs- wie hilflos und danken sang- und klanglos ab. In ihrem desolaten geistigen und organisatorischen Zustand stellen sie keine Herausforderung mehr dar, sondern liefern im Gegenteil noch die Legitimation für die Fortschreibung des Status quo. Angesichts des Desasters oppositionellen Denkens kann sich die herrschende bürgerliche Vergesellschaftungsform ein bestechendes Argument zugute halten. Sie gilt anerkanntermassen als alternativlos. Die Fundamentalopposition muss alle Pfauenfedern lassen und schrumpft auf den anklagend erhobenen Zeigefinger zusammen. Sie verkommt zur besinnlich-griesgrämlichen Untermalung, während die Modernisierer und Reformer besinnungslos ihr armseliges Geschäftchen weiterverrichten.
Weiterlesen »