Alles außer Krieg ist schwer zu machen
Nicht nur im Nahen Osten, aber vor allem dort. Einige Behauptungen zum Streiten
Streifzüge 39/2007
Lorenz Glatz
Misere der Wert-Ordnung
Krieg ist der Vater aller Dinge. Staat muss sein. Ohne ihn herrscht blanke Gewalt. Mit ihm auch. Aber ordentlich. Seit Thomas Hobbes ist das der Weisheit letzter Schluss, wenn eins über das Leben räsoniert. Und für die moderne Gesellschaft, zu deren Propheten Hobbes zählt, macht das durchaus Sinn. Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, und gerade das Wort für die wohl grundlegendste Tätigkeit der Warengesellschaft – “kaufen” – ist eng mit dem Verb “kapern” verwandt. Mehr, als dass der Kampf im Normalfall nach Regeln geht und nicht gleich mit Brachialgewalt beginnt, ist da nicht drin. Selbst das zu erreichen ist schwer genug geworden. An den Peripherien – jenen des Weltsystems, aber auch an den breit gewordenen gesellschaftlichen Rändern vieler Staaten – braucht es dazu mehr Polizei und Justizpersonal, mehr Peacekeeper und Friedenspanzer, als man finanzieren kann. Staatsgewalt in Recht und Ordnung ist oft vom Ausnahmezustand nicht mehr recht zu unterscheiden, die Gewalt tritt aus ihren Schranken, Ordnungskräfte und Todesschwadronen gehen in einander über. Ja, die Staaten scheinen Chaos und Misere, die sie auf ihrem Gebiet und international bekämpfen, just dadurch noch auszuweiten.



