Séisme sur le marché mondial
Des causes sous-jacentes de la crise financière
English version – Versión española – Deutsche Version
Norbert Trenkle (Mai 2008) Weiterlesen »
English version – Versión española – Deutsche Version
Norbert Trenkle (Mai 2008) Weiterlesen »
Deutsche Version – Version française
Norbert Trenkle
1. Le cause della presente crisi economica non sono da ricercarsi nella speculazione e nell’indebitamento. Esattamente al contrario, la gigantesca espansione dei mercati finanziari era ed è espressione di una rofonda crisi del lavoro e della valorizzazione capitalistica, la cui origine risale almeno a 30 anni fa. Weiterlesen »
Version française - Versione italiana
1.Die Ursachen der gegenwärtigen Wirtschaftkrise sind nicht in der Spekulation und der Verschuldung zu suchen. Umgekehrt gilt: die gewaltige Aufblähung der Finanzmärkte war und ist Ausdruck einer tiefgreifenden Krise von Arbeit und Kapitalverwertung, deren Ausgangspunkt gut 30 Jahre zurückliegt. Weiterlesen »
Deutsche Version – Versione italiana
1.
Les causes de la crise économique actuelle ne sont pas à rechercher du côté de la spéculation ni de l’endettement. On peut par contre constater que l’expansion gigantesque des marchés financiers est l’expression d’une crise profonde du travail et de la valorisation du capital dont l’origine remonte à au moins trente ans. Weiterlesen »
Deutsche Version – English Version
Norbert Trenkle Weiterlesen »
Deutsche Version – Versione Italiana
Norbert Trenkle
Parts of the left are attributing the current global economic crisis to political causes. Neoliberalism, so the argument goes, with its total deregulation of markets and particularly the radical increases in freedom accorded to the financial markets, has failed. Now, they claim, we are approaching an era of regulation and control by the state, and our task is to influence the forms it will take. The central demand is for the rolling-back of the influence of finance capital and a strengthening of the real economy, which in turn should itself be reformed both ecologically and socially. Whether or not this will succeed is treated primarily as a question of the balance of social power and of political mobilisation.
However, this analysis overlooks the fundamental character of the global crisis. Weiterlesen »
(Die nachfolgenden Thesen wurden auf dem Attac Kapitalismus-Kongress im Frühjahr 2009 vorgetragen. Sie sind unlängst in dem Sammelband “Kapitalismus am Ende?” erschienen.)
English Version – Versione italiana
Norbert Trenkle
1.
Die aktuelle Weltwirtschaftskrise wird bei großen Teilen der Linken im Wesentlichen auf politische Ursachen zurückgeführt. Der Neoliberalismus mit seiner totalen Deregulierung des Marktes und insbesondere der Entfesselung der Finanzmärkte sei gescheitert. Nun stehe eine neue Ära staatlicher Regulierung und Steuerung bevor und es komme daher darauf an, Einfluss auf deren Ausgestaltung zu nehmen. Im Mittelpunkt steht dabei die Forderung nach einer Zurückdrängung des Finanzkapitals und einer Stärkung der Realwirtschaft, die ihrerseits ökologisch und sozial reformiert werden soll. Ob dies gelingt oder nicht, wird vor allem als eine Frage der gesellschaftlichen Kräfteverhältnisse und der politischen Mobilisierung behandelt. Weiterlesen »
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Deutsche Version – Versión española
Norbert Trenkle (May 2008) Weiterlesen »
Mayo 2008
Norbert Trenkle
La crisis de los mercados financieros internacionales ya está transformándose en una crisis del mercado mundial y la mayoría de economistas y comentaristas la adjudican a la especulación desenfrenada que, especialmente se desencadenó en los EE.UU. Weiterlesen »
English version – Versión española
Mai 2008
Norbert Trenkle
Spätestens seit der sogenannten „Kapitalismuskritik“ von Franz Müntefering im Jahr 2005 hat sich das Bild der „Heuschrecke“ allgemein durchgesetzt, um das auszudrücken, was ohnehin schon immer in weiten Teilen der öffentlichen Meinung als selbstverständlich galt: dass nämlich „gierige Finanzinvestoren“ hauptverantwortlich für die aktuellen ökonomischen und sozialen Krisenerscheinungen sein sollen. Insofern konnte die exzessive Verwendung der Heuschreckenmetapher und der damit verbundenen Assoziationen in der ver.di-Broschüre „Finanzkapitalismus: Geldgier in Reinkultur“ zunächst nicht verwundern. Umso erfreulicher ist aber, dass sowohl innerhalb wie außerhalb der Gewerkschaft heftige Kritik an dieser Broschüre artikuliert worden ist und somit eine längst überfällige Debatte in Gang zu kommen scheint. Weiterlesen »
Interviewers and translators: Timo Ahonen and Markus Termonen. Originally made for the Finnish Magazine Megafoni (http://megafoni.kulma.net).
How can the postindustrialized situation be reacted to, which is represented as a phase of rupture, and in which some present solutions solely inside the current model of wage work and others support a fixed citizen’s income as the central form of social security? In other words, how can the mechanisms disintegrating solidarity and the capitalist relations of production be critized without stagnating into the defense of welfare state or taking on the form of past industrial classes? These questions and others are discussed in this interview with Norbert Trenkle from the German Krisis-collective. The group, concentrating on theoretical productivity, aims to criticize the capitalist society in a constitutive way by focusing on e.g. work, capital and commodity production. As topics in this interview we also have the current meaning of “leftism” and some questions concerning action methods.
Erschienen in: blätter des iz3w, Nr. 267, März 2003
von Norbert Trenkle
Der Trend der Informalisierung der Weltökonomie wird sich noch gewaltig beschleunigen und in weit größerem Maße als bisher auch die kapitalistischen Metropolen erfassen. Oberflächlich betrachtet, mag dies als eine Rückkehr des Frühkapitalismus erscheinen. Tatsächlich jedoch kündigt sich eine viel grundsätzlichere Krise an.
Streifzüge 1/2000 von Norbert Trenkle Michael Heinrich hat sich in den 90er Jahren den Ruf erworben, ein sehr guter Kenner der Marxschen Wert- und Krisentheorie zu sein. Sein Buch “Die Wissenschaft vom Wert”, das soeben in einer zweiten, erheblich erweiterten Ausgabe erschienen ist, gilt mittlerweile, zumindest in akademischen Kreisen, als einschlägiges Standardwerk. Darüberhinaus dient es auch als Referenz für eine Kritik an den in der Krisis entwickelten wertkritischen und krisentheoretischen Positionen. Dabei hat sich teils explizit, teils implizit eine etwas seltsame Gegenüberstellung eingebürgert. Heinrichs Werk gilt als “fundierte” und “ernsthafte” Auseinandersetzung mit dem Thema; der Krisis-Ansatz hingegen bleibe angeblich “oberflächlich”, theoretisch “indiskutabel” und empirisch völlig unbegründet. Allein der Einfluß, den dieser Ansatz derzeit im gesellschaftskritischen Diskurs hat, rechtfertige, daß man sich überhaupt zu einer Auseinandersetzung mit ihm herablasse.
Über Michael Heinrichs Versuch, die Marxsche Krisentheorie unschädlich zu machen
von Norbert Trenkle
Die Auseinandersetzung Heinrich-Trenkle in den Streifzügen hat nun schon vier Runden durchlaufen und gerät langsam in die Gefahr, zu einem langweiligen Fortsetzungsroman zu werden. Deshalb möchte ich meine bereits angekündigte Kritik am ersten Teil von Heinrichs neuaufgelegtem Buch so kurz wie möglich halten und mich auf einige Bemerkungen zu der dort entwickelten Fassung des Wert- und Arbeitsbegriffs beschränken, mit der die Wissenschaft vom Wert steht und fällt. Auch werde ich auf eine explizite Antwort auf Heinrichs Antikritik in Streifzüge 2/2000 verzichten, zumal ich dabei ohnehin gezwungen wäre, meine hauptsächlichen Einwände gegen seine Krisentheorie (Streifzüge 1/2000) zu wiederholen, auf die er entweder gar nicht oder in nicht gerade überzeugender Weise eingegangen ist; andererseits ist jedoch klar, daß die Antwort auf die Frage, worin die Substanz des Werts besteht, für die Krisentheorie von entscheidender Bedeutung ist.
Norbert Trenkle
Seit die Krise der Arbeitsgesellschaft allmählich ins öffentliche Bewußtsein getreten ist (ungefähr seit Ende der 70er Jahre), hat der Neoliberalismus hartnäckig den Standpunkt vertreten, eine solche Krise gebe es überhaupt nicht. Vielmehr sei die Arbeitskraft einfach nur »zu teuer«. Wäre sie billiger und würde sie »flexibler« angeboten, so könnten überall auf der Welt und bis in alle Ewigkeit ausreichend »Arbeitsplätze« geschaffen werden. Dieser Standpunkt ist heute weitgehend zum common sense geworden. »In einer arbeitsteiligen Gesellschaft müssen die Menschen ihren Lebensunterhalt auf dem Markt verdienen. Und dort gleicht der Preis Angebot und Nachfrage aus. Bleibt die Ware liegen, stimmt der Preis nicht. Arbeitslosigkeit bedeutet nicht, daß die Arbeit ausgeht, sondern daß sie zu teuer wird«, schreibt etwa der Wirtschaftsjournalist Nikolaus Piper (Süddeutsche Zeitung, 6.8.1998), der hier nur für viele spricht.
Norbert Trenkle und Robert Kurz
Kapital ist einerseits definiert als Vernutzung (“Ausbeutung”) von Lohnarbeit, andererseits als Verwandlung von Geld in mehr Geld. Fiktives Kapital entsteht dann, wenn der zweite Teil der Definition den ersten nicht mehr enthält, und zwar nicht etwa als bloß subjektive Einbildung, sondern als gesellschaftliche Realität. Die Möglichkeit des fiktiven Kapitals ist gegeben mit dem zinstragenden Kapital des Kreditsystems; dieses ist Kapital, aber nicht direkt, sondern indirekt: sozusagen “Realkapital in spe”. Es wird nicht direkt als Produktivkapital benutzt, sondern an anderes Kapital für diesen Zweck verliehen, wofür in Gestalt des Zinses ein Anteil vom Mehrwert bzw. Profit des Realkapitals abfällt. Auf diese Weise existiert neben den kapitalistischen Waren- und Arbeitsmärkten noch ein Finanz- oder Geldkapital-Markt. Allerdings kann durch die Differenz von produktivem und zinstragendem Kapital der ganze Prozeß auch auseinanderfallen und eben “fiktiv” werden, wenn das zinstragende sich pseudo-unabhängig vom produktiven Kapital ganz für sich allein vermehren soll.
aus: Weg und Ziel 5/1998
Norbert Trenkle
Rund zwanzig Jahre dauert es nun schon an: das Warten auf ein “postfordistisches Regulationsmodell” – und immer noch ist es nicht in Sicht. Da vermag sich nicht einmal Joachim Hirsch, einer der letzten linken Regulationstheoretiker im deutschsprachigen Raum, noch in Optimismus üben: “Ein überzeugendes Regulationsmodell für den nachfordistischen Kapitalismus ist weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene erkennbar. Sichtbar sind bestenfalls Entwicklungen und Tendenzen, die aber einen höchst widersprüchlichen Charakter tragen” (Hirsch 1995, S. 173 f.). So viel selbstkritische Offenheit in Ehren. Wer aber erwartet hätte, der Autor würde daraus die naheliegende Konsequenz ziehen, sein regulationstheoretisches Paradigma als solches in Frage zu stellen, wird enttäuscht. Lieber widerspricht und widerlegt er sich selbst einem fort. Über weite Passagen hinweg beschreibt er (in seinem neuesten Buch Der nationale Wettbewerbsstaat) durchaus richtig, wie sich nach dem Ende des Fordismus, dem Zusammenbruch des sogenannten Realsozialismus und im Zuge der kapitalistischen Globalisierung die Konkurrenzdynamik auf allen Ebenen, sowohl zwischen Staaten und Staatenblöcken als auch innerhalb der Staaten selbst, extrem verschärft hat (1), wie die regionale und soziale Polarisierung voranschreitet und wie fundamantalistische Reaktionsformen an Kraft gewinnen kurz, wie die grundlegenden Bedingungen für einen einigermaßen kohärenten und stabilen innerkapitalistischen Interessenausgleich zunehmend zerstört werden. Sein Fazit: “Grundsätzlich bleibt fraglich, ob eine halbwegs stabile und zur Bewältigung der globalen Probleme geeignete politisch-soziale Ordnung auf kapitalistischer Grundlage überhaupt noch möglich ist” (ebd., S. 183). Doch dann flüchtet er sich immer wieder in relativierende Leerformeln (wie jenen zweiten Satz im ersten Zitat, der eigentlich nur aus nichtssagenden Floskeln besteht: “bestenfalls”, “Tendenzen”, “höchst widersprüchlichen Charakter”), die von nichts zeugen als vom blanken Willen, sich nur ja nicht von der altgewohnten Weltsicht zu verabschieden. Oder er hißt im Gestus des Trotz-alledem die Fahne des sozialen Kampfes für “Regulation”: “Es geht um den Kampf um die Durchsetzung von Formen der Regulation, die diejenigen Minimalstandards von sozialer Sicherheit, materieller Freiheit und demokratischer Selbstbestimmung gewährleisten, ohne die eine emanzipative Entwicklung, letztlich die Durchsetzung neuer und humanerer Produktionsverhältnisse nicht möglich ist” (ebd., S. 180).
francais: Qu’est-ce que la valeur, qu’en est-il de la crise?
spanisch: ¿Qué es el valor? ¿Qué significa la crisis?
Norbert Trenkle
Der Bogen, den ich schlagen möchte, ist sehr weit gespannt. Er führt von der allergrundsätzlichsten Ebene der Werttheorie oder vielmehr der Wertkritik – also von der Ebene der Grundkategorien der warenproduzierenden Gesellschaft: Arbeit, Wert, Ware, Geld – zur Ebene, auf der diese Grundkategorien als verdinglichte und fetischistische, als scheinbar “natürliche” Tatsachen und “Sachzwänge” erscheinen. Auf dieser Ebene – der Ebene von Preis, Profit, Lohn, Zirkulation etc. – treten zugleich die inneren Widersprüche der modernen Warengesellschaft offen zutage; dort erweist sich ihre letztliche historische Unhaltbarkeit: und zwar in Gestalt der Krise. Weiterlesen »
Norbert Trenkle
An die Spitze der EWU-Gegner hat sich ausgerechnet der marktfundamentalistische Chefredakteur der Wirtschaftswoche Stefan Baron gesetzt, der seit Ende letzten Jahres mit dem Eifer des frisch Gewendeten ein Editorial nach dem anderen gegen die Währungsvereinigung abschießt. Natürlich ist Herr Baron nicht plötzlich von seinem sozialen Gewissen überfallen worden. Duchaus nicht. Nur ist er geübter Dialektiker. Er fürchtet, die von der EWU ausgelösten sozial-ökonomischen Verwerfungen könnten den Widerstand gegen die “liberale Gesellschaftsordnung” schüren und deren Legitimät in Frage stellen, und das ausgerechnet jetzt, wo diese endlich “allseits, wenngleich von manchen nur zähneknirschend, anerkannt” worden sei. In Pierre Bourdieus Polemik gegen den Euro und das “System Tietmeyer” sieht Baron nichts anderes als den “Aufruf zu einer neosozialistischen Gegenrevolution – ausgelöst von dem Projekt der Europäischen Währungsunion. Eine schöne Bescherung” (Zitate aus WiWo 19.12.96). Da solle man dann doch lieber die Finger von der ganzen Chose lassen.
Eine Studie von Ernst Lohoff und Norbert Trenkle im Auftrag der PDS-Bundestagsgruppe November 1996
aus: Weg und Ziel 3/96
Norbert Trenkle
Eines der zentralen ungelösten Probleme der Kritik der Politischen Ökonomie ist die Frage nach dem Verhältnis von Wertgesetz und Weltmarkt oder genauer: die Frage danach, ob das Wertgesetz auf dem Weltmarkt gilt und wie es sich dort durchsetzt. Marx selbst hat diese Frage nie systematisch behandelt, sondern nur hier und dort gestreift, und die marxistische Theoriebildung hat sie – vermutlich deshalb, weil sie sich dabei nicht auf die Autorität des Meisters berufen konnte – im allgemeinen links liegen lassen. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet die Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre geführte Diskussion um das “Theorem des ungleichen Tauschs”. Einst höchst prominent und in jeder imperialismuskritischen Schrift zum Verhältnis von “Erster” und “Dritter Welt” bemüht, ist es heute fast in Vergessenheit geraten. Der größte Teil seiner ehemaligen Anhänger ist längst zur Marktwirtschaftsreligion übergelaufen und will von Ausbeutung und Verelendung nichts mehr hören. Nur ein Resthäuflein unermüdlicher Alt-Neomarxisten spult gelegentlich die alte Leier ab, ohne dabei auch nur einen Millimeter über den Diskussionsstand – und das heißt auch: die Aporien – der 70er Jahre hinauszukommen.
aus: ILA 1995
Norbert Trenkle
Noch wenige Wochen, ja Tage, vor dem Crash im Dezember 1994 wurde Mexiko als “Erfolgsmodell” für eine angeblich gelungene neoliberale Sanierungspolitik allenthalben gefeiert. Erst in der Katerstimmung besann sich auch die in extremer Kurzsichtigkeit und Zweckoptimismus geübte Marktwirtschaftsapologetik darauf, daß an dem simulierten Aufschwung der letzten 5 bis 6 Jahre einiges faul gewesen sein muß. Freilich wurden auch jetzt keinesfalls die strukturellen Ursachen der Krise unter die Lupe genommen, sondern, einer solchen Analyse ausweichend, einzelne “Fehler” bemüht, die sich die mexikanische Regierung angeblich geleistet habe. Insgesamt aber, so der Tenor auch weiterhin, könnten sich die Ergebnisse der “Strukturanpassung” durchaus sehen lassen.
| Einleitung | ![]() |
| Der demokratische Mauerbau – Norbert Trenkle | |
| Die Demokratie frißt ihre Kinder – Robert Kurz | |
| Dämokratisches Erwachen – Ernst Lohoff | |
| Volk im Stimmbruch – Gaston Valdivia |
Norbert Trenkle
Das Szenario hätte gespenstischer nicht sein können. Während der ehemalige Chef des ostdeutschen Kasernensozialismus in Berlin wegen des Schießbefehls an der deutsch-deutschen Grenze vor Gericht stand, während die ersten “Mauerschützenprozesse” über die Bühne gingen und die demokratischen Politiker die Gelegenheit weidlich dazu nutzten, um die Vorzüge der westlichen “Zivilgesellschaft” gegenüber dem besiegten “Totalitarismus” hervorzuheben, just zu dem Zeitpunkt beschlossen genau diese Politiker, die Mauer wieder aufzubauen – diesmal etwas weiter ostwärts. Natürlich wurde offiziell das häßliche Wort vom Mauerbau vermieden. Orwellsche Sprachverwirrung war gerade in diesem Fall angesagt, denn noch hat sich die öffentlichen Meinung nicht ganz daran gewöhnt, daß es nun keinen nützlichen Idioten im Osten mehr gibt, der die Dreckarbeit erledigt, dem Westen die überflüssigen Esser vom Leibe zu halten, und dafür auch noch den Vorwurf der Unmenschlichkeit einstecken darf. Erst am Grab des langjährigen und haßgeliebten sozialistischen Partners ahnt die westliche Marktwirtschaftsdemokratie, welches Glück ihr da genommen wurde. Doch jetzt ist es zu spät, der Tote kann nicht mehr zum Leben erweckt werden(1).