06.12.2011
Franz Schandl
In folgendem Aufriss soll der überaffirmative Arbeits„begriff“ des Nationalsozialismus als Zuspitzung und Ausdehnung des obligaten gesellschaftlichen Wertekonsenses dechiffriert werden.
„Sieg der Arbeit“ heißt ein Buch, das der Nazi-Schriftsteller Anton Zischka (1904-1997) im Jahr 1941 im Goldmann Verlag veröffentlicht hat. „Kein schönerer Sieg der Arbeit ist je erfochten worden als der jenes ausgebluteten, niedergetretenen Deutschlands, das zu sich selbst fand, aus eigenster Kraft den Sieg errang über die reichsten und mächtigsten Imperien der Welt.“ (Z:15) In aller Welt sei jetzt „sichtbar, dass die Arbeit die Regentin unseres öffentlichen und privaten Lebens ist.“ (Z:23) Arbeit sei fortan nicht Mühsal, sondern „schöpferische Lust“ (Z:23). „Denn in Deutschland ist seit 1933 Arbeit eine Ehre.“ (Z:288) „,Der Betrieb ist eine zum Nutzen von Volk und Staat arbeitende Leistungsgemeinschaft‘, sagt der § 1 des deutschen Gesetzes zur Ordnung der Arbeit.“ (Z:288) „Der Arbeitsvertrag ist dadurch in ein gegenseitiges Treue- und Fürsorgeverhältnis umgewandelt und das Arbeitsverhältnis auf eine völlig neue Grundlage gestellt worden. Die Arbeit ist Dienst, nicht mehr ,Ware‘; Ehre, nicht mehr Fron.“ (Z:289) „Die Wertung des Menschen nach seiner Arbeit, nach seiner Einstellung gegenüber dem Volksganzen ist heute so selbstverständlich geworden…“ (Z:289) Weiterlesen »
18.01.2009
Una sinopsis comentada sobre Günther Anders
Franz Schandl
Traducción: Gerlinde Kössler
Revisión de l’español: Maria C. Maomed
Quien tenga buena voluntad y no carezca completamente de entendederas puede acceder casi sin esfuerzo al universo del filósofo. El lenguaje de Günther Anders no es sólo magistral, también es accesible en el mejor sentido de la palabra, sin que nunca se vuelva banal. Weiterlesen »
18.01.2009
Libre commentaire des vues de Günther Anders sur le travail
Franz Schandl
Il est relativement facile à qui fait preuve de bonne volonté et ne marche pas sur la tête de pénétrer l’univers des philosophes. La langue de Günther Anders n’est pas que magistrale, elle est aussi courante, au meilleur sens du terme, sans jamais devenir banale. Weiterlesen »
31.12.2007
Eine kommentierte Zusammenschau zu Günther Anders
von Franz Schandl
Wer guten Willens und nicht ganz auf den Kopf gefallen ist, kann relativ mühelos Eintritt in das Universum des Philosophen finden. Günther Anders Sprache ist nicht nur meisterlich, sie ist auch im besten Sinne zugängig, ohne irgendwo banal zu werden. Bei Anders sind viele Türen weit offen, nirgendwo vermittelt er die erlauchte Erhabenheit einer Aura. Fragestellungen und Themen, ja literarische Formen wechseln je nach unmittelbaren Erfordernissen. Es ist ein genrelosen Schreiben, zu dem er sich bekennt 1 und das er für adäquat betrachtet. Einschränken lässt er sich nicht, freilich ist er auch schwer einzuordnen.
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31.12.2006
Notizen zum gesellschaftlichen Stoffwechsel – Teil 2
Streifzüge 38/2006
von Franz Schandl
Forsch zur Sache schreitet Niklas Luhmann. Sein Band “Die Wirtschaft der Gesellschaft” (Frankfurt am Main 1994) beginnt gleich mit den Preisen, im Index finden sich weder die Begriffe Kaufen noch Verkaufen. Worum es ihm geht, ist die Zahlung: “Ein System, das auf der Basis von Zahlungen als letzten, nicht weiter auflösbaren Elementen errichtet ist, muss daher vor allem für neue Zahlungen sorgen.” (S. 17) Das, was deren Bedingung ist, was hinter den Zahlungen steckt, kommt nur am Rande vor. Für Luhmann scheint da kein Problem vorhanden zu sein, zumindest keines, das er, der alles theoretisieren will, theoretisieren möchte. Und Luhmann steht hier nicht alleine. Kaufen gilt solch forschen Forschern als fixe Größe der menschlichen Spezies. Ein Problem sehen die politischen Ökonomen erst dann gegeben, wenn nicht mehr gezahlt werden kann, aber keineswegs in dem Umstand, dass gekauft werden muss.
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31.12.2005
Der entlarvendste aller Begriffe
Aus: junge Welt, 03/2005
Von Franz Schandl
Manche Wörter werden schnell Unwörter, manche Wörter werden nie Unwörter, zu tief sind sie in unseren Sprachgebrauch eingedrungen, als dass die Implikationen noch auffallen. Indes, was selbstverständlich ist, muss noch lange nicht verständlich sein. Nehmen wir etwa den Begriff des Lohnabhängigen. Was sagt er aus? Er sagt aus, dass so definierte Subjekte abhängig sind vom Lohn und sich verdingen müssen um leben zu können. Der alles verratende Terminus wird verwendet jenseits jeder kritischen Wahrnehmung.
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31.12.2005
Zur Dekonstruktion sozialer Deklassierung
Aus: junge Welt, März 2005
Von Franz Schandl
Wie hieß das System, das Menschen zur Arbeit zwang, ihnen aber den Zugang zum Zwang verwehrte? So oder ähnlich werden Prüfungsaufgaben in hoffentlich nicht zu ferner Zukunft lauten. Heute jedoch ist das bittere Realität, und sie wird immer bitterer. Sieht man sich die Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt an, dann scheint gegen die galoppierende Arbeitslosigkeit kein Kraut gewachsen zu sein. Die Konsequenzen sind verheerend, auch dahingehend, was sie in den Psychen anrichten.
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31.12.2001
Franz Schandl
“An 90 Arbeitstagen wird nur gebummelt!” schlagzeilt die Gratisgazette UExpress am 20. November. Die Botschaft an die LeserInnen, hauptsächlich Vormittagsmenschen, die gerade auf dem Weg zu irgendeiner Arbeit sind, könnte deutlicher nicht ausfallen. Ganze 40 Prozent der Arbeit werden da angeblich sinnlos vergeudet. Durch verbessertes Management könnten an die 60 Tage eingespielt werden.
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31.12.1999
»Fleißig, sagt man, wären diese Menschen wie Unsummen Bienen. Ergo summ. Sie würden immer, sagt man, schuften, schinden, hetzen. Vorher könnten sie nicht ruh’n. In der Arbeit liegt, sagt man summa summarum ihr Lebenszweck. Man sagt auch, daß man sagt, man sagte, daß sie werken wie besessen, nicht gemütlich wären, weil man sagt, es gäbe ständig etwas zu tun. Hesiod sagt: Arbeit schändet nicht. Und Benn sagt: Arbeit heißt Steigerung zur geistigen Form. Das Arbeiten ist meinem Gefühl nach dem Menschen so gut ein Bedürfnis als Essen und Schlafen, sagt Humboldt. Man sagt auch, daß man sagt, man sagte, daß sie werken wie besessen, nicht gemütlich wären, weil man sagt, es gäbe ständig etwas zu tun. Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, sagt man. Ora et labora. Arbeit macht frei. Arbeit, sagt man, macht erst das Leben süß« — Franzobel 1995, S. 27
Franz Schandl
Alle reden von Arbeit. Aber reden alle, wovon sie wissen? Grundgelegt ist diesem Gerede ein ontologischer Arbeitsbegriff, der versucht, alles, was nur irgendwie in den Bereich einer Tätigkeit fällt, für sich zu vereinnahmen. Die Behauptung: »Arbeit ist ein Zentralbegriff des Menschseins, so wie Freiheit oder Tod oder Liebe« (Schwarz 1997, S. 19) ist naheliegend, aber falsch.
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31.12.1996
Von der Lohnarbeit zum produktiven Müssiggang. Ein Rezensionsessay
“Wenn die Besudelung durch Arbeit vor sich geht, ist der Dreck kein Dreck.” — Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen, Band III
von Franz Schandl
“Stimmt an das Lied der hohen Braut,
Die schon dem Menschen angetraut,
Eh’ er selbst Mensch ward noch.
Was sein ist auf dem Erdenrund,
Entsprang aus diesem treuen Bund.
Die Arbeit hoch!”
So lautet die erste Strophe des “Lied(s) der Arbeit” aus dem Jahre 1867. Eine “gesungene Kulturgeschichte” nannte Karl Kautsky sie. Auch heute noch wird diese Hymne der österreichischen Arbeiterbewegung auf den Parteitagen der SPÖ intoniert.
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