31.12.2002
Vom Empire zurück zur Zweiten Internationalen
Michael Hardt/Antonio Negri, Empire, deutsche Übersetzung von Thomas Atzert und Andreas Wirthensohn, Campus Verlag, Frankfurt / New York 2002, 480 S.
Anselm Jappe
In der New York Times, bekanntlich ein Sprachrohr kritischer Gesellschaftstheorie, feierte Slavoy Zizek das im April 2000 in den USA erschienenem Empire letzten Sommer als das Kommunistische Manifest des 21. Jahrhunderts. Das Buch sei ein „epochemachendes“ Werk, das den Protest wieder in Mode gebracht habe. Ähnlich äußerten sich Time und andere große bürgerliche Organe.Zwar bekamen die Autoren nach dem 11. September in den amerikanischen Medien auch ein wenig Prügel. Aber das Feuilleton haben sie jedenfalls gründlich in Aufregung versetzt.
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31.12.2001
Streifzüge 3/2001
von Anselm Jappe
Eine bereits 1935 geschriebene Notiz, die sich in Adornos Minima Moralia mit dem Titel Der böse Kamerad findet, veranlaßte den Autor einer sein Objekt permanent dummdreist denunzierenden Adorno-Monographie (Hartmut Scheible, Theodor W. Adorno, Rowohlt 1989) zu einer besonderen Empörung. Adornos spricht dort davon, den Faschismus bereits vorausgeahnt zu haben in seinen Schulkameraden, “die schon mit Vornamen Horst und Jürgen und mit Nachnamen Bergenroth, Bojunga und Eckhardt hießen”. Für völlig untheoretisch, für “denunziatorisch”, für “Ressentiment und Vorurteil”, die “kaum zu unterscheiden” seinen vom “antisemitischen Ressentiment” hält der deutsche Hartmut das, und die meisten deutschen Leser würden ihm wohl recht geben. Sehr gut verstehen kann diese Stimmungsbeschreibung hingegen der Autor dieses Artikels, der bereits vor zwanzig Jahren, nach beendeten Schulen und Schulkameradschaften, Deutschland den Rücken gekehrt und das nie bedauert hat. Da er trotzdem noch zu verstehen meint, was dort vorgeht, hat er vielleicht manchmal den Vorteil des Blicks von außen. Er sieht mitunter den Wald, nicht nur die Bäume, und vermag das Gemeinsame auszumachen: etwa das, was Anti-Deutsche mit anderen Deutschen verbindet. Wer hingegen innerhalb eines Bezugssystems lebt, kann das allen Mitgliedern dieses Systems Gemeinsame schwer erkennen, und überschätzt deshalb die Unterschiede.
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