23.10.2008

Neues Deutschland, 14.03.08
Ernst Lohoff
In den 1960er Jahren verkündete die bundesdeutsche Soziologie das »Ende der Klassen« und den Übergang zur »nivellierten Mittelstandsgesellschaft«. Diese These hatte das goldene fordistische Zeitalter zum historischen Hintergrund, in dem auch die arbeitende Bevölkerung etwas vom kapitalistischen Kuchen abbekam. Damals schien zumindest in den Weltmarktzentren das Massenelend ein für alle mal zu verschwinden. Der Vorstellung einer »nivellierten Mittelstandsgesellschaft« kam dabei auch im ideologischen Richtungsstreit eine Schlüsselfunktion zu. Sie war die Antithese zur Doppelbehauptung der Marxisten, Kapital und Arbeit stünden in einer antagonistischen Beziehung und Kapitalismus bedeute zunehmende soziale Polarisierung.
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31.12.2006
Wo andere einen Konflikt „Orient gegen Okzident“ oder „The West against the Rest“ ausmachen, sollte sich die Linke zurückhalten und die kulturalistische Identitätspolitik angreifen.
Aus Jungle World vom 27.9.2006
Von Ernst Lohoff
Die meisten politischen Debatten und Richtungsstreitigkeiten verebben mehr oder minder spur- und folgenlos. Viele sind quasi schon vergessen, während sie noch toben. Nur ganz wenige zeigen historische Brüche an und finden irgendwann einmal Eingang in die Geschichtsschreibung. Von der unseligen Debatte um den „Kampf der Kulturen“, die im Frühjahr 2006 nicht nur die bundesdeutsche Öffentlichkeit beschäftigte, steht zu befürchten, dass sie in diese Königskategorie fallen könnte.
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31.12.2005
Die Befürworter eines Grundeinkommens scheuen die Auseinandersetzung mit den Verhältnissen im gegenwärtigen Kapitalismus. Mit ihnen lässt sich keine Gegenbewegung begründen.
Ernst Lohoff
Die PDS, die Gewerkschaften und ihre linkskeynesianischen Stichwortgeber leugnen wie die Neoliberalen die strukturelle, fundamentale Krise der Arbeitsgesellschaft. Käme »die Politik« nur ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach und zwänge das Kapital zur Erfüllung seiner Ausbeutungspflicht, also zur Schaffung von Arbeitsplätzen, dann würde sich das Gespenst der Arbeitslosigkeit schon verflüchtigen. Diese Vorstellung ist nicht nur illusionär, sondern auch reaktionär.
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31.12.2004
Manchen Linken ist die Kritik an der Bewegung wichtiger als die Kritik an Hartz IV.
erschienen in: Jungle World Nr. 40 / 22. September 2004
Ernst Lohoff
Auch in Deutschland lässt sich der Sozialstaat nicht völlig widerstandslos abwickeln. Auf diese Einsicht, die der großen Koalition von Regierung und Opposition von den Montagsdemonstrationen aufgezwungen wurde, reagiert sie mit der Diffamierung der Proteste. Vor allem zwei Varianten von Schmutzpropaganda kommen dabei zum Einsatz. Entweder sie beschwört die Gemeinschaft der Demokraten und denunziert den Widerstand gegen Hartz IV als aktive Wahlhilfe für die NPD, so wie der alte und neue saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nach seinem Wahlsieg; oder sie warnt vor einer neuerlichen Ost-West-Spaltung. Glaubt man Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Michael Glos, dann riskieren die Montagsdemonstranten leichtfertig die »innere Einheit des Landes«. Der Sache nach ist dieser Vorwurf ein schlechter Witz. Niemand geht in Leipzig auf die Straße, um den Arbeitslosen in Bochum die Butter vom Brot zu stehlen. Keine Montagsdemonstration in West- oder Süddeutschland bläst zum Verteilungskampf gegen die Ossis. Im Gegenteil: Die Forderung »Weg mit Hartz IV!« vereint die Opfer der Sozialdemontage in Ost und West, statt sie zu trennen.
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31.12.2003
Ernst Lohoff
Ob es gefällt oder nicht, Kriegszeiten sind allemal binäre Zeiten und laufen auf so etwas wie einen kollektiven Lackmustest hinaus. Wenn US-Army oder NATO als bewaffneter Arm des Gesamtimperialismus bomben und massakrieren, dann schrumpft die Palette möglicher Meinungen und Positionierungen unweigerlich auf eine simple Alternative zusammen: dafür oder dagegen.
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31.12.2003

erschienen in: Jungle World, 29. Oktober 2003
Ernst Lohoff/Norbert Trenkle
Aus zwei Gründen können Texte mit gesellschaftskritischen Anspruch Aufmerksamkeit verdienen: Ihrer analytischen Qualität wegen oder als Symptom für den Zustand der Gesellschaftskritik. Das im Vorfeld des Frankfurter Kommunismuskongresses in Jungle World 43 veröffentlichte dreiteilige Dossier fällt in die zweite Kategorie. Ob die dort vertretene These von der Identität von “Kommunismus und radikaler Demokratie” trägt oder nicht, darauf braucht man nicht allzu viele Gedanken zu verschwenden. Warum Linke im Jahre 2003 diese Identität für “sinnenklar” halten, bedarf dagegen schon der Erklärung.
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31.12.1991
Über den logischen Zusammenhang von Krisen- und Revolutionstheorie
Italiano: LA FINE DEL PROLETARIATO COME INIZIO DELLA RIVOLUZIONE
Ernst Lohoff
1. Krise der Revolutionstheorie
Die moderne bürgerliche Gesellschaft treibt zielsicher in Richtung Reproduktionsunfähigkeit. Seit dem Bericht des Club of Rome ist die Einsicht in die suizidalen Tendenzen der herrschenden Form von Weltgesellschaft auch tief ins Alltagsbewusstsein eingesickert. Druckfrische Tatarenmeldungen aus Ökologie, Ökonomie und Politik versorgen ein mittlerweile tief verwurzeltes diffuses und längst nicht mehr auf die ökologische Frage eindeutig zentriertes Krisengefühl beständig mit neuer Nahrung. Trotz der Häufung objektiver Krisensymptome scheint die bürgerliche Verkehrsform auf der “subjektiven” Seite hingegen ungefährdeter denn je. Die ehemals “systemoppositionellen” Strömungen erweisen sich angesichts der realen Probleme unserer Zeit als ebenso begriffs- wie hilflos und danken sang- und klanglos ab. In ihrem desolaten geistigen und organisatorischen Zustand stellen sie keine Herausforderung mehr dar, sondern liefern im Gegenteil noch die Legitimation für die Fortschreibung des Status quo. Angesichts des Desasters oppositionellen Denkens kann sich die herrschende bürgerliche Vergesellschaftungsform ein bestechendes Argument zugute halten. Sie gilt anerkanntermassen als alternativlos. Die Fundamentalopposition muss alle Pfauenfedern lassen und schrumpft auf den anklagend erhobenen Zeigefinger zusammen. Sie verkommt zur besinnlich-griesgrämlichen Untermalung, während die Modernisierer und Reformer besinnungslos ihr armseliges Geschäftchen weiterverrichten.
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31.12.1989
Thesen zur Entmythologisierung des Marxismus
Robert Kurz / Ernst Lohoff
Erstes Kapitel
Kein Grundsatz des Marxismus scheint fundamentaler als der Bezug auf die Klassenspaltung der Gesellschaft. “Alle bisherige Geschichte ist eine Geschichte von Klassenkämpfen”. Klasse, Klasseninteresse, Klassenkampf scheinen das kategoriale A und O der Marxschen Theorie zu beinhalten.
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31.12.1988
Henryk Grossmann und die Marxschen Reproduktionsschemata
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
59 —-
Ernst Lohoff
1. Wertimmanenz und Abstraktion von der Gebrauchswertseite
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31.12.1988
oder: Neue soziale Bewegungen und abstraktes Individuum
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
31 —-
Ernst Lohoff
1. Vorbemerkungen:
Der hier vorliegende Artikel ist die unmittelbare Fortsetzung meiner in der “Marxistischen Kritik” Nr. 3 erschienenen Arbeit: “Technik als Fetischbegriff“. Beide Beiträge waren ursprünglich als ein Artikel geplant und ihre Trennung erfolgte aus rein technischen Gründen, a posteriori, inhaltlich bilden sie ein Ganzes. Deshalb nehme ich den Faden etwas abrupt wieder an der Stelle auf, wo der erste Teil endet.
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31.12.1987
Über den Zusammenhang von alter Arbeiterbewegung und neuer Produktivkraftkritik
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
30 —-
Ernst Lohoff
1. Die Verdinglichung des Produktivkraftbegriffs
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