18.12.2011
Franz Schandl
Auch in seinem neuesten Buch beweist Slavoj Žižek sich als Großmeister der Sprunghaftigkeit
In den Köpfen herrscht die Matrix: „Ganz gleich wie sehr wir den natürlichen Reproduktionskreislauf stören, wir vertrauen auf die Natur und erwarten, dass sie ihren stabilen Lauf fortsetzt. Ganz gleich wie viel wir spekulieren, wir vertrauen auf den Markt und erwarten, dass er sich wieder erholt. Dieses grundsätzliche Vertrauen ist mehr als eine nur psychologische Kategorie. Es konstituiert erst unseren Realitätssinn.“ (S. 304) „Wir glauben nicht weniger, sondern viel stärker, als wir uns zu glauben einbilden.“ (S. 8) Weiterlesen »
31.12.2006
Nachdem die junge Welt es bisher abgelehnt hat, den unten stehenden Leserbrief zu veröffentlichen, wurde beschlossen, ihn andernorts der Öffentlichkeit zugängig zu machen:
Wir sind AutorInnen der jungen Welt. Wir kommen aus unterschiedlichen Spektren der Linken und vertreten in manchen Fragen divergierende Standpunkte. Dennoch haben wir uns entschlossen, diese kurze gemeinsame Intervention zu verfassen.
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31.12.2006
Kolumne Unumgänglich
Streifzüge 36/2006
von Franz Schandl
Je mehr man über die Lage der Welt nachdenkt, desto verzweifelter müsste man eigentlich werden. Vor allem die Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten lassen Schlimmstes befürchten. Man darf die Augen nicht verschließen. Was droht, ist eine Welt, wo Bombardements und Strafaktionen sich mit Terroranschlägen ablösen, wo ökologische Katastrophen und sozialer Kahlschlag obligat werden, wo rassistische und antisemitische Übergriffe an Bedeutung gewinnen. Auch der Wiederaufstieg des Religiösen, mag er sich nun islamisch oder christlich munitionieren, passt in dieses abgedrehte Realszenario. Da werden stolz Haltegriffe halluziniert, wo doch die Welt der Werte an allen Ecken und Enden auseinander bricht.
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31.12.2005
Kann es leisten, was das Proletariat nicht leistete?
Aus: junge Welt, 29. April 2005
Von Franz Schandl
Matthias Horx sieht es so: „Verdienen Sie Ihr Geld überwiegend mit Leistungen, die einen Unterschied erzeugen, anstatt immer das Gleiche zu produzieren? Wissen Sie nur in etwa, wie Ihre Tätigkeit in einem, in zwei oder fünf Jahren aussehen wird? Haben Sie in Ihrem Leben schon mehrere Berufe ausgeübt? Beträgt der zeitliche Aufwand, den Sie zum Üben, Trainieren und Weiterentwickeln Ihrer Fähigkeiten aufwenden, mehr als 50 Prozent der Zeit, in der Sie aktiv Geld verdienen? Variiert Ihr Einkommen mehr als 30 Prozent im Jahr – bzw. kann es in den nächsten Jahren um diese Schwankungsbreite variieren? Wenn Sie nur eine dieser Fragen mit einem JA beantworten können, dann gehören Sie mit großer Wahrscheinlichkeit dazu. Sie sind Gründungsmitglied der herrschenden Klasse des Wissens-Zeitalter. Gehen Sie verantwortlich damit um. Es ist Frühling. Gründen Sie! Schöpfen Sie wohl!“ (Matthias Horx, Zukunft passiert: Die kreative Klasse, Die Presse, 2. April 2005, S. 29)
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31.12.2004
von Franz Schandl
Eine der übelsten Seuchen, die die radikale Linke nicht nur bisweilen, sondern regelmäßig heimsucht, ist die Denunziation. Sie gleicht einem natürlichen Drang, ist ein stets vorprogrammierter Systemfehler gesellschaftlicher Opposition, eine Schranke, an der sie einige Male bereits zerschellte.
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31.12.2003
An Wolfgang Pohrt offenbart sich nichts weniger als das Finale der Antideutschen
erschienen in: Junge Welt vom 4.10.03
Franz Schandl
»Wolfgang Port ist tot«, schreibt Clemens Heni in Die Jüdische vom 1. Oktober. »Der bekannte, ehemalige Gesellschaftskritiker und Journalist Wolfgang Pohrt ist am Dienstag abend im Alter von 57 in Berlin im Veranstaltungszentrum Tempodrom an seinem eigenen Wort-Müll erstickt.« Dieser Befund eines intellektuellen Ablebens stimmt. Der Nachruf kommt allerdings zwölf Jahre zu spät. Verstorben ist Pohrt bereits 1991, als er seiner Atombombenphantasie auf den Irak freien Lauf ließ. Nachzulesen in Konkret, Ausgabe 3/91.
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31.12.2003
3000 Anschläge gegen die Dummdreistigkeiten des Oliver Marchat
erschienen in: junge welt vom 20.10.2003
Von Franz Schandl
Und wir Bösen dachten schon, wenn es an die Wahl zum blödesten Artikel des Jahres ginge, dass dieser Preis irgendeiner antideutschen Geistesgröße zufiele. Mitnichten. Es mag vielleicht keine Irreren geben als die Antideutschen, aber zweifellos gibt es dümmere. Zum Beispiel einen gewissen Oliver Marchart, seines Zeichens Podiumsreferent am sogenannten “Kommunismus-Kongress” zu Frankfurt im November.
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31.12.2003
von Franz Schandl
Keine Zeile mehr zu den Antideutschen – zumindest war das mein Vorsatz nach den beiden Streifzüge-Ausgaben (Nr. 3/2001, 1/2002) gewesen. Gerne wäre ich so verblieben. Schließlich geht es ja auch darum, sistierte Freundschaften nicht gänzlich kaputt zu machen. Aber man kann es sich nicht immer aussuchen. Wobei sich dieser Nekrolog natürlich auf die Charaktermasken bezieht und nicht auf ihre individuellen Träger. Denen wünschen wir nach wie vor das Beste. Auf dass sie die notwendigen Nekrotomien auch gut überstehen.
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31.12.2003
UNGESCHLIFFENE THESEN. VORABFASSUNG
Streifzüge 1/2003
von Franz Schandl
Wir werden mehr umdenken müssen als wir vor einigen Jahren noch glaubten. Aus dem Reformationsprojekt des Sozialismus ist inzwischen ein Abbruchunternehmen geworden und immer weniger eignet sich zur Weiterverwendung. Kein Begriff, der heute noch ungeniert verwedet werden könnte. Die Aufgabe ist größer als angenommen und übersteigt bei weitem unsere bisherigen Kräfte. Wer hätte vor zwanzig, ja vor zehn Jahre noch gedacht, dass es irgendwann Zeit wird, den allseits gut beleumundeten Terminus des “Internationalismus” als trojanisches Pferd zu bezeichnen und folgerichtig zu kippen. Doch genau das steht an und wird in Folge auch unternommen.
31.12.2002
NICHT UNFREUNDLICHE ANMERKUNGEN ZU PAUL LAFARGUE UND DESSEN ESSAYISTIK
Streifzüge 3/2002
von Franz Schandl
“Paul Lafargue (1842-1911) ist nur als Schwiegersohn von Karl Marx bekannt, der das ,Recht auf Faulheit’ proklamierte. Andere Facetten seiner vielseitigen Persönlichkeit und seines theoretischen Werkes sind weithin unbekannt” (S. 373), befindet Fritz Keller, der Herausgeber des vor einigen Monaten erschienenen Essaybands von Lafargue. Dem ist so. Aber dem sollte abgeholfen werden.
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31.12.2001
AUSUFERNDE ANMERKUNGEN ZUR TRENNUNG IM KRITISCHEN KREIS
Streifzüge 3/2001
“In seiner Fernsehrede, die er am 27.7.1967 nach den Negerunruhen in Detroit hielt, meinte Präsident Johnson: ‚Es gibt kein amerikanisches Recht, Gebäude in Brand zu stecken und von Hausdächern zu schießen. Das sind Verbrechen.’ – Er hätte hinzufügen müssen: ‚es sei denn, Amerikaner täten das auf meine Anweisung in fremden Ländern. Dann sind nämlich umgekehrt diejenigen, die sich weigern, Gebäude in Brand zu stecken und von Hausdächern zu schießen, ‚Verbrecher’.” – Günther Anders, der amerikanische Krieg in Vietnam oder Philosophisches Wörterbuch heute (Das Argument 87, Dezember 1967, S. 385.)
von Franz Schandl
Dass es im Kritischen Kreis nach den Anschlägen am 11. September zum Crash gekommen ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Aus den folgenden Ausführungen sollte klar werden, warum eine weitere organisatorische Zusammenarbeit weder möglich noch wünschenswert erschien. Nachdem die Kommandoerklärung der Bahamas, worin ausdrücklich Militärschläge gegen Afghanistan eingefordert wurden (vgl. Bahamas 36: “Hinter dem Ruf nach dem Frieden verschanzen sich die Mörder!”), nicht mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen wurde, mussten wir uns leider von einem Teil der Redaktion trennen.
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31.12.1998
Redundantes über die aktuellen Entgleisungen einer Sorte Antikapitalismus
von Franz Schandl
Helmut Schmidt war es, der diesen Beitrag veranlaßte. Der Leitartikel des ehemaligen deutschen Kanzlers in der Zeit vom 3. September mit dem Titel “Der globale Irrsinn”(1) erscheint uns nämlich als äußerst symptomatisch für die sich abzeichnende Pseudokritik eines sich in der Mitte etablierenden Antikapitalismus.
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31.12.1997
Thesen zur Entmythologisierung von Klasse und Klassenkampf
Franz Schandl
0.
Gemeinhin war man in der Linken davon ausgegangen, daß die Begrifflichkeit, die sich positiv auf den Klassenkampf und seine Kategorien bezieht, zum essentiellen Bestandteil sozialistischer Theorie und Praxis gehört. Der Konsens reichte hier von den Sozialdemokraten bis zu den Kommunisten, von Gewerkschaftern bis hin zu Anarchisten und Linksradikalen. Differenzen gab es anderswo.
31.12.1997
aus: Weg und Ziel 3/1997
Franz Schandl
Daß das mit dem Klassenkampf schon lange nicht mehr so funktioniert, wie die gesamte Linke es einst haben wollte, ist evident. Da tut sich einfach nichts mehr. Selbst wenn es irgendwo ein Aufflackern alter Kämpfe gibt, etwa im Pariser Dezember 1995, kommt dies nicht über ein Strohfeuer hinaus. Kaum, daß uns etwas in Erinnerung bleibt.
Gemeinhin war man in der Linken davon ausgegangen, daß die Begrifflichkeit, die sich positiv auf den Klassenkampf und seine Kategorien bezieht, zum essentiellen Bestandteil sozialistischer Theorie und Praxis gehört. Der Konsens reichte hier von den Sozialdemokraten bis zu den Kommunisten, von Gewerkschaftern bis hin zu Anarchisten und Linksradikalen. Differenzen gab es anderswo.
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31.12.1997
“Eine Revolution hat noch niemals und nirgends vollständig mit den Vorstellungen übereingestimmt und übereinstimmen können, die sich ihre Teilnehmer von ihr gemacht hatten.” — Leo Trotzki (1)
Franz Schandl
Es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Die Bilanz des bedeutendsten gesellschaftlichen Aufbruchs dieses Jahrhunderts und seines Niedergangs. Wobei dieser Aufsatz sich auf ersteren beschränkt, und dabei versucht, zu zeigen, warum das revolutionäre Projekt gelingen konnte, aber als kommunistisches scheitern mußte.
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