Artikel zum Thema »Kritik der traditionellen Linken« von Norbert Trenkle
Kämpfe ohne Klassen
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Warum das Proletariat im kapitalistischen Krisenprozess nicht wieder aufersteht.
Aus: Jungle World 26 vom 28. Juni 2006
Von Norbert Trenkle
Während auch in den ehemaligen Gewinnerländern des Weltmarkts die Prekarisierung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse fortschreitet und immer größere Teile der Bevölkerung erfasst, hat die Rede von einer Rückkehr der Klassengesellschaft und des Klassenkampfes Konjunktur. Angesichts der rapide verschärften sozialen Polarisierung mag sie zunächst plausibel erscheinen. Doch wie so oft trägt der Rückgriff auf die Deutungs- und Erklärungsmuster der Vergangenheit nicht etwa zur Klärung, sondern nur zur Verwirrung bei. Entgegen dem ersten Augenschein lässt sich weder die extrem wachsende soziale Ungleichheit adäquat in den Kategorien des Klassengegensatzes fassen, noch entsprechen die daraus resultierenden Interessengegensätze und -konflikte dem, was als Klassenkampf geschichtsmächtig wurde.
Gefährliches Wechselspiel
Der Populismus der Linkspartei reflektiert den Zerfallsprozess der Politik.
erschienen in: Jungle World vom 24.08.2005
Von Norbert Trenkle
Als Franz Müntefering in der Endphase des Wahlkampfs in Nordrhein-Westfalen mit seinem Appell ans Ressentiment gegen die »ausländischen Finanzinvestoren« die absehbare Niederlage der SPD noch einmal abzuwenden versuchte, bewies er einen Riecher für die Stimmung im Lande, die man der »Seele der Partei« mit der Aura eines verstaubten Aktenschranks kaum zugetraut hätte. Bloß erfüllte sich seine Hoffnung, diese Stimmung noch einmal für seine eigene Partei nutzen zu können, nicht. Stattdessen setzte er einen Prozess in Gang, der zu einer grundlegenden Erosion des deutschen Parteiensystems führen dürfte.
Die metaphysischen Mucken des Klassenkampfs
Über die stummen Voraussetzungen eines merkwürdigen Retro-Diskurses
Norbert Trenkle
Kehrt der Klassenkampf auf die Bühne der Geschichte zurück? Verfolgt man den Diskurs in der Linken, scheint es darüber keinen Zweifel zu geben. „Totgesagte leben länger“, schreibt etwa die Fantômas-Redaktion im Vorwort zur Ausgabe 4/2003 ihrer Zeitschrift und meint damit das Proletariat und den Klassenkampf. „Sollen die Kräfteverhältnisse von unten angefochten werden, … ist es höchste Zeit, auch von links her endlich wieder Klassenfragen zu stellen“ (S. 3). Ähnliches lässt sich in vielen anderen linken Zeitschriften lesen. Im gleichen Maße wie der Krisenprozess des globalisierten Kapitalismus die sozialen Polarisierungen verschärft und sich ein gewisser Widerstand dagegen regt, kommt offenbar auch das traditionelle marxistische Weltbild wieder zu Ehren. Weiterlesen »
The Metaphysical Subtleties of Class Struggle
On the Unspoken Premises of an Odd Retro-Discourse
Source: Principia Dialectica, Nr. 2/2006 (London) www.principiadialectica.co.uk
Original: Die metaphysischen Mucken des Klassenkampfs, krisis 29, Münster 2005
Norbert Trenkle
Arbeitskritik und soziale Emanzipation
Eine Replik auf Kritiken am Manifest gegen die Arbeit
erschienen in: Krisis 28 (Oktober 2004)
Norbert Trenkle
Das vor fünf Jahren veröffentlichte Manifest gegen die Arbeit hebt sich zweifellos aus dem Rahmen der sonstigen krisis-Publikationen hervor. Seinem Charakter als Pamphlet entsprechend, zielt es darauf, zentrale theoretische Positionen, die im Laufe der Jahre in dieser Zeitschrift entwickelt wurden, in komprimierter und zugespitzter Form in den öffentlichen Diskurs zu tragen. Dies ist nicht ohne Erfolg geblieben. Wohl keine andere Veröffentlichung der krisis hat so viel Resonanz, auch über den deutschsprachigen Raum hinaus, gefunden – und das heißt nicht zuletzt auch: so viel Kritik auf sich gezogen. Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Kritiken quer zu den länderspezifischen und verschiedenen linken Diskursen in vieler Hinsicht überschneiden. Die im Manifest formulierte Kritik trifft also offenbar etwas, das all diesen Diskursen trotz sonstiger Differenzen gemeinsam ist; eine gemeinsame Grundlage, die als so selbstverständlich gilt, dass sie normalerweise nicht einmal mehr ins Bewusstsein rückt.
Demokratiegespenster
erschienen in: Jungle World, 29. Oktober 2003
Ernst Lohoff/Norbert Trenkle
Aus zwei Gründen können Texte mit gesellschaftskritischen Anspruch Aufmerksamkeit verdienen: Ihrer analytischen Qualität wegen oder als Symptom für den Zustand der Gesellschaftskritik. Das im Vorfeld des Frankfurter Kommunismuskongresses in Jungle World 43 veröffentlichte dreiteilige Dossier fällt in die zweite Kategorie. Ob die dort vertretene These von der Identität von “Kommunismus und radikaler Demokratie” trägt oder nicht, darauf braucht man nicht allzu viele Gedanken zu verschwenden. Warum Linke im Jahre 2003 diese Identität für “sinnenklar” halten, bedarf dagegen schon der Erklärung.
Kapitulation vorm Kapitalismus
Versión española – Versão portuguêsa
Dritter Teil einer Stellungnahme zu linken Kritiken am Manifest gegen die Arbeit und am Schwarzbuch des Kapitalismus. Erschienen ist die Artikelreihe in der konkret. Im ersten Teil schreibt Robert Kurz über die Abwehrreaktionen des Arbeitermarxismus “Wir haben in so geliebt, den Klassenkampf”. Im Teil 2 geht es um “Auschwitz als Alibi? Die letzten Gefechte der Restlinken” ebenfalls von Robert Kurz (Die Texte können wir aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht veröffentlichen. Der Autor hat uns die Veröffentlichung untersagt.).
aus: Konkret 7/2000
Norbert Trenkle
Kaum ein Gedanke ist in der Restlinken so verpönt, wie der an eine absolute historische Schranke des warenproduzierenden Systems der Moderne. Es scheint so, als spiegle sich der eigene unaufgearbeitete Niedergang in der Überzeugung wieder, der Kapitalismus genieße so etwas wie ein ewiges Leben, er sei unendlich flexibel und wandlungsfähig und deshalb prinzipiell in der Lage, jede Krise zu überstehen und jede Opposition durch Integration unschädlich zu machen. Bemerkenswert ist, daß diese Überzeugung die unterschiedlichsten Positionen quer durch das restlinke Spektrum verbindet und daher auch die Ablehnung der Zusammenbruchsdiagnose einen gemeinsamen Nenner der Kritik am “Schwarzbuch Kapitalismus”, dem “Manifest gegen die Arbeit” dem Buch “Feierabend!” und anderen Publikationen der Krisis-Gruppe bildet. In seltener Eintracht werfen, um nur ein paar Namen zu nennen, der linksakademische PROKLA-Redakteur Michael Heinrich, Freerk Huisken vom “Gegenstandpunkt” (beide in Konkret 3/2000) und Bahamas-Autor Martin Janz (Jungle World 8.3.2000) der Krisis vor, sie präsentiere mit ihrer Zusammenbruchsdiagnose ja nun wirklich die älteste Kamelle aus der marxistischen Mottenkiste.
Brothers in Arms
Über die heimliche Verwandtschaft von Traditionsmarxismus und Postmodernismus
aus: Jungle World 29.7.1998
Norbert Trenkle
Nichts läßt sich leichter demontieren als ein selbstkonstruierter Popanz. Wer wollte etwa widersprechen, wenn Günther Jacob (in Jungle World 6/98, S. 15) “linke Erklärungsansätze” kritisiert, “die den ökonomischen Beziehungen eine fast vollständig determinierende Wirkung auf die sozialen Strukturen der Gesellschaftsformationen zuschreiben”. Aber wen oder was meint er damit? Jacob stellt dies sogleich klar: Seine Polemik zielt ganz unmißverständlich auf die traditionsmarxistische Ideologie vom vorgeblich systemtranszendierenden oder “antagonistischen” und “objektiven” Interessenstandpunkt “der Arbeiterklasse”, die, wie er uns erläutert, eine schlechte Abstraktion ist. Nun wäre das nicht viel mehr als der x-te Aufguß einer zwar richtigen, aber nicht mehr besonders neuen Erkenntnis und daher Grund genug, den Artikel gelangweilt beiseite zu legen, verfolgte Jacob damit nicht einen ganz anderen Zweck. Wo er nämlich den Sack schlägt, meint er den Esel. Wo er (auf freilich entlarvend flache Weise) den Klassenkampfmythos kritisiert, will er in Wirklichkeit jede Form von Ökonomiekritik und vor allem jede Kritik des Warenfetischs desavouieren, ohne sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen. Und wo er gegen Determinismus und Ableitungsdenken polemisiert, da geht es in Wahrheit gegen jeden Versuch, die kapitalistische Gesellschaft als negative, vom Wert konstituierte Totalität zu denken.
Militanter Empirismus und IWF-Kampagne
Zur Kritik der Zeitschrift “Autonomie” und ihrer Apologeten
Norbert Trenkle
Die Bewegung flirtet mit der Theorie
Die Erwartungen der Oppositionsbewegung an die letztjährige Kampagne gegen die Tagung von Weltbank und IWF in West-Berlin waren hoch. Sie sollte die müde gewordenen Aktivisten wieder aufrütteln, der Zersplitterung in verschiedene “Teilbereichsbewegungen” entgegenwirken, gar eine neue Qualität darstellen. Auch die autonome Szene versuchte, wieder auf die Beine zu kommen; von “neuem Antiimperialismus” und “internationalem Klassenkampf” war da die Rede, und der Ruf nach Theorie wurde laut.



