31.12.1995
Rosa Luxemburg nach 75 Jahren
Udo Winkel
Die Linke hatte immer schon ihre Probleme mit Rosa Luxemburg(1). Zwar ließen sich ihre Schriften gut als Zitatenschatz mißbrauchen, doch viel schwieriger war es, sie politisch zu instrumentalisieren. Anders als etwa die zum »Leninismus« kodifizierte Theorie des russischen Revolutionsführers taugten ihre Arbeiten einfach nicht zum verbindlichen Kanon. So etwas wie einen »Luxemburgismus« erfanden in den 20er Jahren nur dessen posthume Gegner während der sogenannten »Bolschewisierung«, d.h. der administrativen Zurichtung der damaligen noch sehr heterogenen linksradikalen Bewegungen für die Staatsinteressen der Sowjetunion. Bei diesem pejorativen Konstrukt des »Luxemburgismus« handelte es sich aber lediglich um eine karikaturhafte Verkürzung der unbequemen Ansichten von Rosa Luxemburg. War sie für Lenin trotz ihrer Kritik am Bolschewismus noch ein »Adler« des theoretischen Denkens gewesen, so verglich die »ultralinke« Ruth Fischer, eine Führungsfigur im Apparat der sich bürokratisierenden KPD, die in den fünfziger Jahren schließlich als Direktorin eines Amerikahauses enden sollte, Rosa Luxemburg gar mit einem »Syphilisbazillus«. Anders als etwa Engels oder Lenin wurde Rosa Luxemburg dann später in der DDR-Literatur zwar häufig als Märtyrerin beschworen, aber kaum mehr wissenschaftlich zitiert; sie eignete sich eben nicht dazu, in das Prokrustesbett einer »wissenschaftlichen Weltanschauung« eingespannt zu werden.
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31.12.1988
Material zur alten Arbeiterbewegung
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
109 —-
Udo Winkel
Hartmut Nowacki geht es in seiner Arbeit “Zwischen Lebensphilosophie und Stalinismus”, Profil Verlag München 1983, 36 DM um “Philosophische Ansätze in der Kommunistischen Partei Deutschlands (1918-1933)”: “… genauso wenig, wie die KPD in ihren Gründerjahren eine kommunistische Partei heutigen Typs war, so wenig war von 1918 bis 1923 der dialektische Materialismus weltanschaulich-philosophisches Fundament der Partei. Vielmehr lassen sich in dieser Phase lebensphilosophische, sozialhedonistische, irrationale und positivistische Ansätze und Tendenzen nachweisen; auch existierten Auffassungen von marxistischer Philosophie, die in ganz erheblichem Maße von der leninistischen Sowjetphilosophie abwichen.” (S. 4)
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31.12.1987
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
114 —-
Udo Winkel
I.
War im 1. Teil (siehe Udo Winkel: Die Krise des Marxismus, in: MK Nr. 2) auf die Verwandlung des akademischen “Marxismus” in einen positivistischen Splitter des bürgerlichen Wissenschaftspluralismus eingegangen worden, so soll im 2. Teil eine Auseinandersetzung mit der Arbeit von E. Dozekal folgen, der den Anspruch erhebt, die “Krise des Marxismus” durch die Form seiner Rezeption zu bestimmen: DOZEKAL, EGBERT: VON DER “REKONSTRUKTION” DER MARX’SCHEN THEORIE ZUR “KRISE DES MARXISMUS”. DARSTELLUNG UND KRITIK EINES DISKUSSIONSPROZESSES IN DER BUNDESREPUBLIK 1967 bis 1984; Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1985, 36.- DM.
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31.12.1986
Zur “neuen” Marx-Rezeption der “alten akademischen Linken”
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
70 —-
Udo Winkel
I.
Die sogenannte “Krise des Marxismus” und seine Verwandlung in eine positive, mit der bürgerlichen konkurrierende, sich mit ihr austauschende und ihre Prämissen und Theoreme übernehmende Wissenschaft, die heute allenthalben im vormaligen akademischen Marxismus sichtbar wird, ist kein auf die “Postmoderne” beschränktes Phänomen. Der “gesunde Menschenverstand” des bürgerlichen Bewußtseins, als eben das “richtige Bewußtsein” einer “falschen Realität”, affiziert immer wieder – unter bestimmten Bedingungen – auch marxistisches oder vorgeblich marxistisches Denken.
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