18.12.2011
Franz Schandl
Auch in seinem neuesten Buch beweist Slavoj Žižek sich als Großmeister der Sprunghaftigkeit
In den Köpfen herrscht die Matrix: „Ganz gleich wie sehr wir den natürlichen Reproduktionskreislauf stören, wir vertrauen auf die Natur und erwarten, dass sie ihren stabilen Lauf fortsetzt. Ganz gleich wie viel wir spekulieren, wir vertrauen auf den Markt und erwarten, dass er sich wieder erholt. Dieses grundsätzliche Vertrauen ist mehr als eine nur psychologische Kategorie. Es konstituiert erst unseren Realitätssinn.“ (S. 304) „Wir glauben nicht weniger, sondern viel stärker, als wir uns zu glauben einbilden.“ (S. 8) Weiterlesen »
19.11.2009
In der Linken wimmelt es von falschen und geschichtslosen Antworten auf die Krise
Phase2, Nr. 33, 2009
Julian Bierwirth
Seit dem Kriseneinbruch im Spätsommer 2009 ist, so scheint es, die gestalterische Kraft der Politik zurück. Die große Koalition aus SPD und CDU setzt ohne Zögern und in rasantem Tempo reformerische Ideen um, auf die innerhalb der politischen Landschaft in Deutschland bis vor kurzem noch die Linkspartei ein Monopol hatte. Das Tempo und der Stil, in dem diese Reformen vor sich gehen, erinnern bisweilen an eine neue Variante der Notstandsgesetzgebung. Die Linkspartei, Attac und auch die Grünen ficht das jedoch nicht an. Sie wollen, mit einer Formulierung von Elmar Altvater, den Kapitalismus »bis zur Unkenntlichkeit reformieren«.
Die Kritik ist derweil auf den Hund gekommen. Weiterlesen »
02.10.2009
Okay, okay. Tief durchgeatmet und ein verständnisvolles Lächeln aufgesetzt. Denn vielleicht hilft ja einfühlsame Pädagogik. Ein offener Brief an einen aufrechten Antiimperialisten
Jungle World Nr. 37, 10. September 2009
Lothar Galow-Bergemann
Mein Guter – bitte wundere Dich nicht über diese Anrede, aber ich kenne Dich schon lange und weiß deswegen, dass Du ja eigentlich nur das Gute willst. Außerdem mache ich mir ernste Sorgen um Dich, denn Du hast es im Moment wirklich nicht leicht. Fast könntest Du mir sogar leidtun.
Denn das mit dem Iran ist aber auch so was von bescheuert. Weiterlesen »
30.04.2009
Der DGB veranstaltet einen Kapitalismuskongress und ruft zu einer Großdemonstration auf. Doch auch in der Krise träumen die Gewerkschaften weiterhin vom „Markt für die Menschen“.
jungle world 18/2009
Lothar Galow-Bergemann
In der Marktwirtschaft gilt das eherne Gesetz des Äquivalententausches: Was gibst du mir, was gebe ich dir? Die Waren werden zu einem bestimmten Wert getauscht. Schon Karl Marx hatte seine liebe Not damit, diesen Sachverhalt Leuten klarzumachen, die zutiefst davon überzeugt waren, der Kapitalismus beruhe auf Betrug. Weiterlesen »
20.02.2009

Norbert Trenkle Weiterlesen »
23.10.2008

Neues Deutschland, 14.03.08
Ernst Lohoff
In den 1960er Jahren verkündete die bundesdeutsche Soziologie das »Ende der Klassen« und den Übergang zur »nivellierten Mittelstandsgesellschaft«. Diese These hatte das goldene fordistische Zeitalter zum historischen Hintergrund, in dem auch die arbeitende Bevölkerung etwas vom kapitalistischen Kuchen abbekam. Damals schien zumindest in den Weltmarktzentren das Massenelend ein für alle mal zu verschwinden. Der Vorstellung einer »nivellierten Mittelstandsgesellschaft« kam dabei auch im ideologischen Richtungsstreit eine Schlüsselfunktion zu. Sie war die Antithese zur Doppelbehauptung der Marxisten, Kapital und Arbeit stünden in einer antagonistischen Beziehung und Kapitalismus bedeute zunehmende soziale Polarisierung.
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23.10.2008
Zur »Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit qua richtiger Wirtschaftspolitik«
express, Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit, 4/2008
Peter Samol
Ohne die Debatte um den sog. Heuschreckenkapitalismus neu aufzuwärmen, befasst sich der Autor im Folgenden kritisch mit einer Publikation, die er ebenfalls in der Tradition einer linken Ökonomietheorie verortet, die sich vor allem durch die Reduktion von Krisen auf einzelne Momente kapitalistischer Vergesellschaftung und ihre ansonsten »heilen Modellwelten« auszeichne. Ein Beispiel für solche Reduktionismen und entsprechende Aufforderungen zu einer staatlichen Gegensteuerung ist etwa die Broschüre der ver.di-Wirtschaftsabteilung »Finanzkapitalismus – Geldgier in Reinkultur!«, die kritisch seit einiger Zeit auch auf der ver.di-Homepage diskutiert wird. Dass die kapitalistische Wirtschaftsordnung etwa periodische Überproduktionskrisen erzeugt, verhehlt jedoch auch das kürzlich erschienene Buch »Das Ende der Massenarbeitslosigkeit« von Heiner Flassbeck und Friederike Spiecker. Ökonomie scheint hier hauptsächlich auf einsamen Inseln stattzufinden und der unmittelbaren Befriedigung konkreter Bedürfnisse zu dienen. Alles ganz einfach? – fragt Peter Samol.
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23.10.2008
Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und die Sozialdemokratie noch immer keine Revolution. Trotzdem muss auch wieder über Kommunismus geredet werden
Freitag, 28.03.08
Roger Behrens
In der Freitag-Serie zu den Perspektiven der Linken in Deutschland fragte der Berliner Soziologe Wolfgang Engler Anfang Februar danach, wie die vielen kleinen politischen Meinungen der Menschen und die ganz große politische Orientierung zusammenhängen. Mitte Februar versuchte der Frankfurter Publizist Mario Scalla Umrisse eines neuen linken Projekts zu skizzieren, das die kritischen kulturellen Ansätze der neunziger Jahre aufnimmt und weiterentwickelt. Dem Hamburger Philosoph und Sozialwissenschaftler Roger Behrens ist das alles nicht radikal genug. Im dritten Beitrag unserer Serie plädiert er für eine Linke, die über das bestehende System hinausdenkt.
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23.10.2008
www.social-innovation.org, 6. Oktober 2008
Andreas Exner
Die “Regulation der Finanzmärkte” wird zum neuen Mainstream. Der CDU-Politiker Heiner Geißler erklärt, dass “die Marktideologie gescheitert” sei. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac fühlt sich bestätigt. Hat man es doch seit Jahr und Tag gesagt: die “entfesselten” Finanzmärkte sind instabil. Nun fühlt Attac seine große Stunde gekommen, so scheint’s. Und man bläst zum Halali: “Die Krise ist die direkte Folge der Gier und der Skrupellosigkeit der Banker und Fondsmanager – und vor allem der Tatenlosigkeit der Politik”, tönt Attac Deutschland auf der Titelseite seiner Webpage.
Attac liegt falsch. Weiterlesen »
31.12.2006
Widersprüchliches aus der Friedensbewegung
aus: Contraste, Oktober 2006
Lothar Galow-Bergemann
„Es war so schön im Jahr 2003“ heißt es mit Bezug auf die Massendemos gegen den Irakkrieg. „Endlich konnten sich die Menschen als ‚Europäer’ besser fühlen, besser als ‚die Amerikaner’. Es etablierte sich so etwas wie ein Mainstream-Antiamerikanismus.“ Nanu, der Leser reibt sich die Augen. Hat er wirklich ein Buch aus der Friedensbewegung vor sich? Er hat. Tobias Pflüger, der für die PDS im EU-Parlament sitzt, wird diese Bemerkung vermutlich noch manchen Ärger im eigenen Lager bescheren, gilt dort doch gemeinhin allein schon die Behauptung der Existenz von Antiamerikanismus als Sakrileg.
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31.12.2006
Regressiver Antikapitalismus am Beispiel der Linkspartei
von Lothar Galow-Bergemann
Ende April 2006 trat ein Mitglied des WASG-Bundesvorstands zur NPD über, um sozialpolitischer Berater der sächsischen Landtagsfraktion der Neonazis zu werden. Der folgende Text geht der Frage nach, ob dies ein Zufall war.
31.12.2006
Wo andere einen Konflikt „Orient gegen Okzident“ oder „The West against the Rest“ ausmachen, sollte sich die Linke zurückhalten und die kulturalistische Identitätspolitik angreifen.
Aus Jungle World vom 27.9.2006
Von Ernst Lohoff
Die meisten politischen Debatten und Richtungsstreitigkeiten verebben mehr oder minder spur- und folgenlos. Viele sind quasi schon vergessen, während sie noch toben. Nur ganz wenige zeigen historische Brüche an und finden irgendwann einmal Eingang in die Geschichtsschreibung. Von der unseligen Debatte um den „Kampf der Kulturen“, die im Frühjahr 2006 nicht nur die bundesdeutsche Öffentlichkeit beschäftigte, steht zu befürchten, dass sie in diese Königskategorie fallen könnte.
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31.12.2006
Nachdem die junge Welt es bisher abgelehnt hat, den unten stehenden Leserbrief zu veröffentlichen, wurde beschlossen, ihn andernorts der Öffentlichkeit zugängig zu machen:
Wir sind AutorInnen der jungen Welt. Wir kommen aus unterschiedlichen Spektren der Linken und vertreten in manchen Fragen divergierende Standpunkte. Dennoch haben wir uns entschlossen, diese kurze gemeinsame Intervention zu verfassen.
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31.12.2006
Kolumne Unumgänglich
Streifzüge 36/2006
von Franz Schandl
Je mehr man über die Lage der Welt nachdenkt, desto verzweifelter müsste man eigentlich werden. Vor allem die Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten lassen Schlimmstes befürchten. Man darf die Augen nicht verschließen. Was droht, ist eine Welt, wo Bombardements und Strafaktionen sich mit Terroranschlägen ablösen, wo ökologische Katastrophen und sozialer Kahlschlag obligat werden, wo rassistische und antisemitische Übergriffe an Bedeutung gewinnen. Auch der Wiederaufstieg des Religiösen, mag er sich nun islamisch oder christlich munitionieren, passt in dieses abgedrehte Realszenario. Da werden stolz Haltegriffe halluziniert, wo doch die Welt der Werte an allen Ecken und Enden auseinander bricht.
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31.12.2006
Gedanken zum “Solidarische Ökonomie”-Kongress in Berlin
von Andreas Exner
Der Erfolg kam überraschend. “¿Wie wollen wir wirtschaften?”, so lautete die Frage. 1.400 gaben ihre Antwort – doppelt so viele Leute wie erwartet. Sie pilgerten Ende November zum Kongress gleichen Titels an der TU Berlin. Die Frage stand im Raum. Programmatisch war die Antwort: solidarisch soll es sein.
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30.12.2006
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Warum das Proletariat im kapitalistischen Krisenprozess nicht wieder aufersteht.
Aus: Jungle World 26 vom 28. Juni 2006
Von Norbert Trenkle
Während auch in den ehemaligen Gewinnerländern des Weltmarkts die Prekarisierung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse fortschreitet und immer größere Teile der Bevölkerung erfasst, hat die Rede von einer Rückkehr der Klassengesellschaft und des Klassenkampfes Konjunktur. Angesichts der rapide verschärften sozialen Polarisierung mag sie zunächst plausibel erscheinen. Doch wie so oft trägt der Rückgriff auf die Deutungs- und Erklärungsmuster der Vergangenheit nicht etwa zur Klärung, sondern nur zur Verwirrung bei. Entgegen dem ersten Augenschein lässt sich weder die extrem wachsende soziale Ungleichheit adäquat in den Kategorien des Klassengegensatzes fassen, noch entsprechen die daraus resultierenden Interessengegensätze und -konflikte dem, was als Klassenkampf geschichtsmächtig wurde.
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31.12.2005
Oder: Was man in Deutschland alles nicht wahrhaben will.
02/2005
von Lothar Galow-Bergemann
Am 27.1.1945 wurde das Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Damit begann das Ende des Leids, das der deutsche Nationalsozialismus über die jüdischen Menschen in Europa gebracht hatte. Neben Versuchen, den Ursachen für dieses beispiellose Verbrechen nachzugehen, sind die letzten 60 Jahre in Deutschland vor allem durch eine weit verbreitete Schuldabwehr gekennzeichnet. Schuld waren “die Nazis”, “die Bourgeoisie”, “die Richter und Henker”, “das Großkapital” oder gar “Versailles” – in jedem Fall aber immer irgendwelche andere, von denen man sich im Zweifelsfall distanzieren konnte. Der gesellschaftliche Diskurs in den Jahren seit 1945, sei es in der Rechten, in der Linken oder in der so genannten Mitte, ist geprägt von der geradezu panischen Abwehr der Erkenntnis, dass es schlicht und erschütternd die Deutschen waren, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – die Shoah verbrochen haben.
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31.12.2005
Kann es leisten, was das Proletariat nicht leistete?
Aus: junge Welt, 29. April 2005
Von Franz Schandl
Matthias Horx sieht es so: „Verdienen Sie Ihr Geld überwiegend mit Leistungen, die einen Unterschied erzeugen, anstatt immer das Gleiche zu produzieren? Wissen Sie nur in etwa, wie Ihre Tätigkeit in einem, in zwei oder fünf Jahren aussehen wird? Haben Sie in Ihrem Leben schon mehrere Berufe ausgeübt? Beträgt der zeitliche Aufwand, den Sie zum Üben, Trainieren und Weiterentwickeln Ihrer Fähigkeiten aufwenden, mehr als 50 Prozent der Zeit, in der Sie aktiv Geld verdienen? Variiert Ihr Einkommen mehr als 30 Prozent im Jahr – bzw. kann es in den nächsten Jahren um diese Schwankungsbreite variieren? Wenn Sie nur eine dieser Fragen mit einem JA beantworten können, dann gehören Sie mit großer Wahrscheinlichkeit dazu. Sie sind Gründungsmitglied der herrschenden Klasse des Wissens-Zeitalter. Gehen Sie verantwortlich damit um. Es ist Frühling. Gründen Sie! Schöpfen Sie wohl!“ (Matthias Horx, Zukunft passiert: Die kreative Klasse, Die Presse, 2. April 2005, S. 29)
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31.12.2005
Massenmobilisierung und aktuelle Formen des Antikapitalismus.
Von Moishe Postone
(Redaktionell gekürzte Fassung von Moishe Postones gleichnamigem Vortrag auf dem Kongress “Indeterminate: Kommunismus”, der im November 2003 in Frankfurt/Main stattfand. Aus dem Amerikanischen von Felix Kurz. Entnommen aus: Moishe Postone: Deutschland, die Linke und der Holocaust. Politische Interventionen. Herausgegeben von der Initiative kritische Geschichtspolitik (Berlin). Ça ira-Verlag, Freiburg 2005. 215 S., 18 Euro. Der Sammelband enthält u.a. eine endgültige Zusammenführung aller Varianten von Postones Essay “Antisemitismus und Nationalsozialismus”. Das Buch ist dieser Tage erschienen, Download gratis unter www.isf-freiburg.org.)
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31.12.2005

Der Populismus der Linkspartei reflektiert den Zerfallsprozess der Politik.
erschienen in: Jungle World vom 24.08.2005
Von Norbert Trenkle
Als Franz Müntefering in der Endphase des Wahlkampfs in Nordrhein-Westfalen mit seinem Appell ans Ressentiment gegen die »ausländischen Finanzinvestoren« die absehbare Niederlage der SPD noch einmal abzuwenden versuchte, bewies er einen Riecher für die Stimmung im Lande, die man der »Seele der Partei« mit der Aura eines verstaubten Aktenschranks kaum zugetraut hätte. Bloß erfüllte sich seine Hoffnung, diese Stimmung noch einmal für seine eigene Partei nutzen zu können, nicht. Stattdessen setzte er einen Prozess in Gang, der zu einer grundlegenden Erosion des deutschen Parteiensystems führen dürfte.
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31.12.2005
Was aus ihm spricht, fühlen viele. Und das ist das Problem.
08-2005
von Lothar Galow-Bergemann
Viele haben große Hoffnung. Von “historischer Chance” hört man es allenthalben schwärmen. Das Projekt “Linkspartei” bewegt die Gemüter. Das ist zunächst einmal verständlich. Schließlich ist es dringend nötig, sich gegen Arbeitslosigkeit und Sozialabbau, gegen Armut und all die immer unverschämter werdenden Zumutungen der kapitalistischen Krisenverwaltung zu wehren. Und nur allzu durchsichtig sind die Versuche “interessierter Kreise”, jeden Ansatz zu sozialer Gegenwehr zu verteufeln; dazu gehört auch die Methode, sozialen Widerstand generell in die rechte Ecke zu stellen.
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31.12.2005
Die Befürworter eines Grundeinkommens scheuen die Auseinandersetzung mit den Verhältnissen im gegenwärtigen Kapitalismus. Mit ihnen lässt sich keine Gegenbewegung begründen.
Ernst Lohoff
Die PDS, die Gewerkschaften und ihre linkskeynesianischen Stichwortgeber leugnen wie die Neoliberalen die strukturelle, fundamentale Krise der Arbeitsgesellschaft. Käme »die Politik« nur ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach und zwänge das Kapital zur Erfüllung seiner Ausbeutungspflicht, also zur Schaffung von Arbeitsplätzen, dann würde sich das Gespenst der Arbeitslosigkeit schon verflüchtigen. Diese Vorstellung ist nicht nur illusionär, sondern auch reaktionär.
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28.12.2005

Über die stummen Voraussetzungen eines merkwürdigen Retro-Diskurses
Norbert Trenkle
Kehrt der Klassenkampf auf die Bühne der Geschichte zurück? Verfolgt man den Diskurs in der Linken, scheint es darüber keinen Zweifel zu geben. „Totgesagte leben länger“, schreibt etwa die Fantômas-Redaktion im Vorwort zur Ausgabe 4/2003 ihrer Zeitschrift und meint damit das Proletariat und den Klassenkampf. „Sollen die Kräfteverhältnisse von unten angefochten werden, … ist es höchste Zeit, auch von links her endlich wieder Klassenfragen zu stellen“ (S. 3). Ähnliches lässt sich in vielen anderen linken Zeitschriften lesen. Im gleichen Maße wie der Krisenprozess des globalisierten Kapitalismus die sozialen Polarisierungen verschärft und sich ein gewisser Widerstand dagegen regt, kommt offenbar auch das traditionelle marxistische Weltbild wieder zu Ehren. Weiterlesen »
27.12.2005
On the Unspoken Premises of an Odd Retro-Discourse
Source: Principia Dialectica, Nr. 2/2006 (London) www.principiadialectica.co.uk
Original: Die metaphysischen Mucken des Klassenkampfs, krisis 29, Münster 2005
Norbert Trenkle
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31.12.2004
Manchen Linken ist die Kritik an der Bewegung wichtiger als die Kritik an Hartz IV.
erschienen in: Jungle World Nr. 40 / 22. September 2004
Ernst Lohoff
Auch in Deutschland lässt sich der Sozialstaat nicht völlig widerstandslos abwickeln. Auf diese Einsicht, die der großen Koalition von Regierung und Opposition von den Montagsdemonstrationen aufgezwungen wurde, reagiert sie mit der Diffamierung der Proteste. Vor allem zwei Varianten von Schmutzpropaganda kommen dabei zum Einsatz. Entweder sie beschwört die Gemeinschaft der Demokraten und denunziert den Widerstand gegen Hartz IV als aktive Wahlhilfe für die NPD, so wie der alte und neue saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nach seinem Wahlsieg; oder sie warnt vor einer neuerlichen Ost-West-Spaltung. Glaubt man Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Michael Glos, dann riskieren die Montagsdemonstranten leichtfertig die »innere Einheit des Landes«. Der Sache nach ist dieser Vorwurf ein schlechter Witz. Niemand geht in Leipzig auf die Straße, um den Arbeitslosen in Bochum die Butter vom Brot zu stehlen. Keine Montagsdemonstration in West- oder Süddeutschland bläst zum Verteilungskampf gegen die Ossis. Im Gegenteil: Die Forderung »Weg mit Hartz IV!« vereint die Opfer der Sozialdemontage in Ost und West, statt sie zu trennen.
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31.12.2004
von Franz Schandl
Eine der übelsten Seuchen, die die radikale Linke nicht nur bisweilen, sondern regelmäßig heimsucht, ist die Denunziation. Sie gleicht einem natürlichen Drang, ist ein stets vorprogrammierter Systemfehler gesellschaftlicher Opposition, eine Schranke, an der sie einige Male bereits zerschellte.
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29.12.2004
Vorläufige Aspekte einer Kritik des historischen und dialektischen Materialismus
Christian Höner
Selten war so viel Einigkeit in der Linken. Dieser Satz klingt angesichts der Auseinandersetzung z.B. um den Antisemitismus recht seltsam. Doch bezogen auf die Aufklärung ist er richtig. Bei allem Negativen, was der Kapitalismus mit sich brachte, so die landläufige Argumentation, mit ihm kam der Fortschritt. So adelt die Linke den Kapitalismus in der Phase seines Niedergangs und spricht ihm eine historische Berechtigung zu, weil er einerseits die „Naturverfallenheit“ der Menschen aufgesprengt, andererseits überhaupt Gesellschaft und damit die Voraussetzungen für Emanzipation hergestellt hätte. Dialektik als positive Erkenntnismethode, materialistische Geschichtsteleologie und Fortschrittsglaube sind das lieb gewonnene Inventar linker Identität. Hier finden linke Antipoden wie antideutsche und traditionelle Linke auf je unterschiedliche Weise zueinander. Weiterlesen »
27.12.2004

Eine Replik auf Kritiken am Manifest gegen die Arbeit
französische Version
erschienen in: Krisis 28 (Oktober 2004)
Norbert Trenkle
Das vor fünf Jahren veröffentlichte Manifest gegen die Arbeit hebt sich zweifellos aus dem Rahmen der sonstigen krisis-Publikationen hervor. Seinem Charakter als Pamphlet entsprechend, zielt es darauf, zentrale theoretische Positionen, die im Laufe der Jahre in dieser Zeitschrift entwickelt wurden, in komprimierter und zugespitzter Form in den öffentlichen Diskurs zu tragen. Dies ist nicht ohne Erfolg geblieben. Wohl keine andere Veröffentlichung der krisis hat so viel Resonanz, auch über den deutschsprachigen Raum hinaus, gefunden – und das heißt nicht zuletzt auch: so viel Kritik auf sich gezogen. Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Kritiken quer zu den länderspezifischen und verschiedenen linken Diskursen in vieler Hinsicht überschneiden. Die im Manifest formulierte Kritik trifft also offenbar etwas, das all diesen Diskursen trotz sonstiger Differenzen gemeinsam ist; eine gemeinsame Grundlage, die als so selbstverständlich gilt, dass sie normalerweise nicht einmal mehr ins Bewusstsein rückt.
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31.12.2003
An Wolfgang Pohrt offenbart sich nichts weniger als das Finale der Antideutschen
erschienen in: Junge Welt vom 4.10.03
Franz Schandl
»Wolfgang Port ist tot«, schreibt Clemens Heni in Die Jüdische vom 1. Oktober. »Der bekannte, ehemalige Gesellschaftskritiker und Journalist Wolfgang Pohrt ist am Dienstag abend im Alter von 57 in Berlin im Veranstaltungszentrum Tempodrom an seinem eigenen Wort-Müll erstickt.« Dieser Befund eines intellektuellen Ablebens stimmt. Der Nachruf kommt allerdings zwölf Jahre zu spät. Verstorben ist Pohrt bereits 1991, als er seiner Atombombenphantasie auf den Irak freien Lauf ließ. Nachzulesen in Konkret, Ausgabe 3/91.
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31.12.2003
Ernst Lohoff
Ob es gefällt oder nicht, Kriegszeiten sind allemal binäre Zeiten und laufen auf so etwas wie einen kollektiven Lackmustest hinaus. Wenn US-Army oder NATO als bewaffneter Arm des Gesamtimperialismus bomben und massakrieren, dann schrumpft die Palette möglicher Meinungen und Positionierungen unweigerlich auf eine simple Alternative zusammen: dafür oder dagegen.
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31.12.2003
3000 Anschläge gegen die Dummdreistigkeiten des Oliver Marchat
erschienen in: junge welt vom 20.10.2003
Von Franz Schandl
Und wir Bösen dachten schon, wenn es an die Wahl zum blödesten Artikel des Jahres ginge, dass dieser Preis irgendeiner antideutschen Geistesgröße zufiele. Mitnichten. Es mag vielleicht keine Irreren geben als die Antideutschen, aber zweifellos gibt es dümmere. Zum Beispiel einen gewissen Oliver Marchart, seines Zeichens Podiumsreferent am sogenannten “Kommunismus-Kongress” zu Frankfurt im November.
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31.12.2003

erschienen in: Jungle World, 29. Oktober 2003
Ernst Lohoff/Norbert Trenkle
Aus zwei Gründen können Texte mit gesellschaftskritischen Anspruch Aufmerksamkeit verdienen: Ihrer analytischen Qualität wegen oder als Symptom für den Zustand der Gesellschaftskritik. Das im Vorfeld des Frankfurter Kommunismuskongresses in Jungle World 43 veröffentlichte dreiteilige Dossier fällt in die zweite Kategorie. Ob die dort vertretene These von der Identität von “Kommunismus und radikaler Demokratie” trägt oder nicht, darauf braucht man nicht allzu viele Gedanken zu verschwenden. Warum Linke im Jahre 2003 diese Identität für “sinnenklar” halten, bedarf dagegen schon der Erklärung.
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31.12.2003
von Franz Schandl
Keine Zeile mehr zu den Antideutschen – zumindest war das mein Vorsatz nach den beiden Streifzüge-Ausgaben (Nr. 3/2001, 1/2002) gewesen. Gerne wäre ich so verblieben. Schließlich geht es ja auch darum, sistierte Freundschaften nicht gänzlich kaputt zu machen. Aber man kann es sich nicht immer aussuchen. Wobei sich dieser Nekrolog natürlich auf die Charaktermasken bezieht und nicht auf ihre individuellen Träger. Denen wünschen wir nach wie vor das Beste. Auf dass sie die notwendigen Nekrotomien auch gut überstehen.
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31.12.2003
UNGESCHLIFFENE THESEN. VORABFASSUNG
Streifzüge 1/2003
von Franz Schandl
Wir werden mehr umdenken müssen als wir vor einigen Jahren noch glaubten. Aus dem Reformationsprojekt des Sozialismus ist inzwischen ein Abbruchunternehmen geworden und immer weniger eignet sich zur Weiterverwendung. Kein Begriff, der heute noch ungeniert verwedet werden könnte. Die Aufgabe ist größer als angenommen und übersteigt bei weitem unsere bisherigen Kräfte. Wer hätte vor zwanzig, ja vor zehn Jahre noch gedacht, dass es irgendwann Zeit wird, den allseits gut beleumundeten Terminus des “Internationalismus” als trojanisches Pferd zu bezeichnen und folgerichtig zu kippen. Doch genau das steht an und wird in Folge auch unternommen.
31.12.2002
Vom Empire zurück zur Zweiten Internationalen
Michael Hardt/Antonio Negri, Empire, deutsche Übersetzung von Thomas Atzert und Andreas Wirthensohn, Campus Verlag, Frankfurt / New York 2002, 480 S.
Anselm Jappe
In der New York Times, bekanntlich ein Sprachrohr kritischer Gesellschaftstheorie, feierte Slavoy Zizek das im April 2000 in den USA erschienenem Empire letzten Sommer als das Kommunistische Manifest des 21. Jahrhunderts. Das Buch sei ein „epochemachendes“ Werk, das den Protest wieder in Mode gebracht habe. Ähnlich äußerten sich Time und andere große bürgerliche Organe.Zwar bekamen die Autoren nach dem 11. September in den amerikanischen Medien auch ein wenig Prügel. Aber das Feuilleton haben sie jedenfalls gründlich in Aufregung versetzt.
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31.12.2002
NICHT UNFREUNDLICHE ANMERKUNGEN ZU PAUL LAFARGUE UND DESSEN ESSAYISTIK
Streifzüge 3/2002
von Franz Schandl
“Paul Lafargue (1842-1911) ist nur als Schwiegersohn von Karl Marx bekannt, der das ,Recht auf Faulheit’ proklamierte. Andere Facetten seiner vielseitigen Persönlichkeit und seines theoretischen Werkes sind weithin unbekannt” (S. 373), befindet Fritz Keller, der Herausgeber des vor einigen Monaten erschienenen Essaybands von Lafargue. Dem ist so. Aber dem sollte abgeholfen werden.
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31.12.2001
Streifzüge 3/2001
von Anselm Jappe
Eine bereits 1935 geschriebene Notiz, die sich in Adornos Minima Moralia mit dem Titel Der böse Kamerad findet, veranlaßte den Autor einer sein Objekt permanent dummdreist denunzierenden Adorno-Monographie (Hartmut Scheible, Theodor W. Adorno, Rowohlt 1989) zu einer besonderen Empörung. Adornos spricht dort davon, den Faschismus bereits vorausgeahnt zu haben in seinen Schulkameraden, “die schon mit Vornamen Horst und Jürgen und mit Nachnamen Bergenroth, Bojunga und Eckhardt hießen”. Für völlig untheoretisch, für “denunziatorisch”, für “Ressentiment und Vorurteil”, die “kaum zu unterscheiden” seinen vom “antisemitischen Ressentiment” hält der deutsche Hartmut das, und die meisten deutschen Leser würden ihm wohl recht geben. Sehr gut verstehen kann diese Stimmungsbeschreibung hingegen der Autor dieses Artikels, der bereits vor zwanzig Jahren, nach beendeten Schulen und Schulkameradschaften, Deutschland den Rücken gekehrt und das nie bedauert hat. Da er trotzdem noch zu verstehen meint, was dort vorgeht, hat er vielleicht manchmal den Vorteil des Blicks von außen. Er sieht mitunter den Wald, nicht nur die Bäume, und vermag das Gemeinsame auszumachen: etwa das, was Anti-Deutsche mit anderen Deutschen verbindet. Wer hingegen innerhalb eines Bezugssystems lebt, kann das allen Mitgliedern dieses Systems Gemeinsame schwer erkennen, und überschätzt deshalb die Unterschiede.
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31.12.2001
AUSUFERNDE ANMERKUNGEN ZUR TRENNUNG IM KRITISCHEN KREIS
Streifzüge 3/2001
“In seiner Fernsehrede, die er am 27.7.1967 nach den Negerunruhen in Detroit hielt, meinte Präsident Johnson: ‚Es gibt kein amerikanisches Recht, Gebäude in Brand zu stecken und von Hausdächern zu schießen. Das sind Verbrechen.’ – Er hätte hinzufügen müssen: ‚es sei denn, Amerikaner täten das auf meine Anweisung in fremden Ländern. Dann sind nämlich umgekehrt diejenigen, die sich weigern, Gebäude in Brand zu stecken und von Hausdächern zu schießen, ‚Verbrecher’.” – Günther Anders, der amerikanische Krieg in Vietnam oder Philosophisches Wörterbuch heute (Das Argument 87, Dezember 1967, S. 385.)
von Franz Schandl
Dass es im Kritischen Kreis nach den Anschlägen am 11. September zum Crash gekommen ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Aus den folgenden Ausführungen sollte klar werden, warum eine weitere organisatorische Zusammenarbeit weder möglich noch wünschenswert erschien. Nachdem die Kommandoerklärung der Bahamas, worin ausdrücklich Militärschläge gegen Afghanistan eingefordert wurden (vgl. Bahamas 36: “Hinter dem Ruf nach dem Frieden verschanzen sich die Mörder!”), nicht mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen wurde, mussten wir uns leider von einem Teil der Redaktion trennen.
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31.12.2000

Dritter Teil einer Stellungnahme zu linken Kritiken am Manifest gegen die Arbeit und am Schwarzbuch des Kapitalismus. Erschienen ist die Artikelreihe in der konkret. Im ersten Teil schreibt Robert Kurz über die Abwehrreaktionen des Arbeitermarxismus “Wir haben in so geliebt, den Klassenkampf”. Im Teil 2 geht es um “Auschwitz als Alibi? Die letzten Gefechte der Restlinken” ebenfalls von Robert Kurz (Die Texte können wir aus urheberrechtlichen Gründen leider nicht veröffentlichen. Der Autor hat uns die Veröffentlichung untersagt.).
aus: Konkret 7/2000
Norbert Trenkle
Kaum ein Gedanke ist in der Restlinken so verpönt, wie der an eine absolute historische Schranke des warenproduzierenden Systems der Moderne. Es scheint so, als spiegle sich der eigene unaufgearbeitete Niedergang in der Überzeugung wieder, der Kapitalismus genieße so etwas wie ein ewiges Leben, er sei unendlich flexibel und wandlungsfähig und deshalb prinzipiell in der Lage, jede Krise zu überstehen und jede Opposition durch Integration unschädlich zu machen. Bemerkenswert ist, daß diese Überzeugung die unterschiedlichsten Positionen quer durch das restlinke Spektrum verbindet und daher auch die Ablehnung der Zusammenbruchsdiagnose einen gemeinsamen Nenner der Kritik am “Schwarzbuch Kapitalismus”, dem “Manifest gegen die Arbeit” dem Buch “Feierabend!” und anderen Publikationen der Krisis-Gruppe bildet. In seltener Eintracht werfen, um nur ein paar Namen zu nennen, der linksakademische PROKLA-Redakteur Michael Heinrich, Freerk Huisken vom “Gegenstandpunkt” (beide in Konkret 3/2000) und Bahamas-Autor Martin Janz (Jungle World 8.3.2000) der Krisis vor, sie präsentiere mit ihrer Zusammenbruchsdiagnose ja nun wirklich die älteste Kamelle aus der marxistischen Mottenkiste.
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31.12.1999
Streiflichter aus der real existiert habenden DDR(1)
Arbeit: zweckmäßige, bewußte Tätigkeit des Menschen, in der er mit Hilfe von Arbeitsmitteln Arbeitsgegenstände verändert und sie seinen Zwecken nutzbar macht. Die Arbeit ist in allen Gesellschaftsformationen unerläßliche Existenzbedingung des Menschen… (2)
Gerd Bedszent
Zu Zeiten, da in Osteuropa ein Land namens DDR existierte, empfanden die glücklichen Westler größtenteils Mitleid mit den armen dummen Ossis, die, stalinistisch gegängelt, viel zuviel arbeiten mußten und in ihrem grauen Zonenalltag kaum Möglichkeiten hatten, die Früchte ihrer harten Arbeit zu genießen. Nach 1990 schlug diese Meinung ganz schnell um in Verachtung für die faulen Zonis, die – anstatt sozialistisch auf der faulen Haut zu liegen – nun erst einmal richtig arbeiten lernen müßten.
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31.12.1999
Von der »Neuen Arbeit« zurück zur »Alten Arbeit«
Volker Hildebrandt
»Aber es ist eine Sache, sich als etwas zu bezeichnen, eine andere Sache, es zu sein.« — Lenin
Ein Schlagwort macht die Runde: »Neue Arbeit«. Diesseits und jenseits des großen Teiches schenkt die Presse diesem unter dem englischen Begriff »New Work« bekannten Konzept große Beachtung. In der US-amerikanischen Lokalpresse wird der Begründer und Spiritus rector von »New Work«, Frithjof Bergmann, wohlwollend als Prophet einer neuen Arbeitsordnung, die die Menschen von zwei Jahrhunderten der Job-Sklaverei befreit, präsentiert (vgl. Ricci 1993). Für Die Zeit sind einige »New Work«-Projekte Anlaß, die »Zeit für die dritte Revolution« herannahen zu sehen (vgl. Martens 1994).
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31.12.1998
Über die heimliche Verwandtschaft von Traditionsmarxismus und Postmodernismus
aus: Jungle World 29.7.1998
Norbert Trenkle
Nichts läßt sich leichter demontieren als ein selbstkonstruierter Popanz. Wer wollte etwa widersprechen, wenn Günther Jacob (in Jungle World 6/98, S. 15) “linke Erklärungsansätze” kritisiert, “die den ökonomischen Beziehungen eine fast vollständig determinierende Wirkung auf die sozialen Strukturen der Gesellschaftsformationen zuschreiben”. Aber wen oder was meint er damit? Jacob stellt dies sogleich klar: Seine Polemik zielt ganz unmißverständlich auf die traditionsmarxistische Ideologie vom vorgeblich systemtranszendierenden oder “antagonistischen” und “objektiven” Interessenstandpunkt “der Arbeiterklasse”, die, wie er uns erläutert, eine schlechte Abstraktion ist. Nun wäre das nicht viel mehr als der x-te Aufguß einer zwar richtigen, aber nicht mehr besonders neuen Erkenntnis und daher Grund genug, den Artikel gelangweilt beiseite zu legen, verfolgte Jacob damit nicht einen ganz anderen Zweck. Wo er nämlich den Sack schlägt, meint er den Esel. Wo er (auf freilich entlarvend flache Weise) den Klassenkampfmythos kritisiert, will er in Wirklichkeit jede Form von Ökonomiekritik und vor allem jede Kritik des Warenfetischs desavouieren, ohne sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen. Und wo er gegen Determinismus und Ableitungsdenken polemisiert, da geht es in Wahrheit gegen jeden Versuch, die kapitalistische Gesellschaft als negative, vom Wert konstituierte Totalität zu denken.
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31.12.1998
Redundantes über die aktuellen Entgleisungen einer Sorte Antikapitalismus
von Franz Schandl
Helmut Schmidt war es, der diesen Beitrag veranlaßte. Der Leitartikel des ehemaligen deutschen Kanzlers in der Zeit vom 3. September mit dem Titel “Der globale Irrsinn”(1) erscheint uns nämlich als äußerst symptomatisch für die sich abzeichnende Pseudokritik eines sich in der Mitte etablierenden Antikapitalismus.
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31.12.1998

Die alte Arbeiterbewegung als Entwicklungshelferin der modernen Demokratie
204 S., br., ISBN 3-927905-52-6
Peter Klein
Rußland 1917: Das Erfordernis einer industriellen Infrastruktur, die Notwendigkeit, weltweit zu disponieren hinsichtlich der Sicherung von Rohstoffen und Absatzmärkten – das alles hatte längst schon angefangen, die private Initiative sogar der größten kapitalistischen Konzerne zu überfordern. Wie erst sollte man an dieses Dogma des Liberalismus glauben können in einem Land mit hundert Millionen analphabetischer Bauern, ohne Verbindung untereinander und zur Außenwelt, gewöhnt an den Stumpfsinn jahrhundertelanger Knechtschaft?
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31.12.1997
Thesen zur Entmythologisierung von Klasse und Klassenkampf
Franz Schandl
0.
Gemeinhin war man in der Linken davon ausgegangen, daß die Begrifflichkeit, die sich positiv auf den Klassenkampf und seine Kategorien bezieht, zum essentiellen Bestandteil sozialistischer Theorie und Praxis gehört. Der Konsens reichte hier von den Sozialdemokraten bis zu den Kommunisten, von Gewerkschaftern bis hin zu Anarchisten und Linksradikalen. Differenzen gab es anderswo.
31.12.1997
aus: Weg und Ziel 3/1997
Franz Schandl
Daß das mit dem Klassenkampf schon lange nicht mehr so funktioniert, wie die gesamte Linke es einst haben wollte, ist evident. Da tut sich einfach nichts mehr. Selbst wenn es irgendwo ein Aufflackern alter Kämpfe gibt, etwa im Pariser Dezember 1995, kommt dies nicht über ein Strohfeuer hinaus. Kaum, daß uns etwas in Erinnerung bleibt.
Gemeinhin war man in der Linken davon ausgegangen, daß die Begrifflichkeit, die sich positiv auf den Klassenkampf und seine Kategorien bezieht, zum essentiellen Bestandteil sozialistischer Theorie und Praxis gehört. Der Konsens reichte hier von den Sozialdemokraten bis zu den Kommunisten, von Gewerkschaftern bis hin zu Anarchisten und Linksradikalen. Differenzen gab es anderswo.
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31.12.1997
“Eine Revolution hat noch niemals und nirgends vollständig mit den Vorstellungen übereingestimmt und übereinstimmen können, die sich ihre Teilnehmer von ihr gemacht hatten.” — Leo Trotzki (1)
Franz Schandl
Es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Die Bilanz des bedeutendsten gesellschaftlichen Aufbruchs dieses Jahrhunderts und seines Niedergangs. Wobei dieser Aufsatz sich auf ersteren beschränkt, und dabei versucht, zu zeigen, warum das revolutionäre Projekt gelingen konnte, aber als kommunistisches scheitern mußte.
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31.12.1995
Rosa Luxemburg nach 75 Jahren
Udo Winkel
Die Linke hatte immer schon ihre Probleme mit Rosa Luxemburg(1). Zwar ließen sich ihre Schriften gut als Zitatenschatz mißbrauchen, doch viel schwieriger war es, sie politisch zu instrumentalisieren. Anders als etwa die zum »Leninismus« kodifizierte Theorie des russischen Revolutionsführers taugten ihre Arbeiten einfach nicht zum verbindlichen Kanon. So etwas wie einen »Luxemburgismus« erfanden in den 20er Jahren nur dessen posthume Gegner während der sogenannten »Bolschewisierung«, d.h. der administrativen Zurichtung der damaligen noch sehr heterogenen linksradikalen Bewegungen für die Staatsinteressen der Sowjetunion. Bei diesem pejorativen Konstrukt des »Luxemburgismus« handelte es sich aber lediglich um eine karikaturhafte Verkürzung der unbequemen Ansichten von Rosa Luxemburg. War sie für Lenin trotz ihrer Kritik am Bolschewismus noch ein »Adler« des theoretischen Denkens gewesen, so verglich die »ultralinke« Ruth Fischer, eine Führungsfigur im Apparat der sich bürokratisierenden KPD, die in den fünfziger Jahren schließlich als Direktorin eines Amerikahauses enden sollte, Rosa Luxemburg gar mit einem »Syphilisbazillus«. Anders als etwa Engels oder Lenin wurde Rosa Luxemburg dann später in der DDR-Literatur zwar häufig als Märtyrerin beschworen, aber kaum mehr wissenschaftlich zitiert; sie eignete sich eben nicht dazu, in das Prokrustesbett einer »wissenschaftlichen Weltanschauung« eingespannt zu werden.
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31.12.1994
Warum die Partei nicht mehr recht hat
Peter Klein
1 . Zweierlei Partei
»Die Partei hat immer recht«. In dieser Parole aus den frühen Jahren der DDR kündigte sich, so darf man heute wohl sagen, bereits das historische Ende der politischen Partei an. Ein Rechthaben, das gewissermaßen für sich dasteht, vor jedem bestimmten Streitfall, in dem es sich zu bewähren hätte, ist ja im höchsten Grade unwirklich und unglaubwürdig. In dieser Konstellation des »Rechthabens a priori«, wie man es nennen könnte, ist für eine andere Partei offensichtlich gar kein Platz mehr vorgesehen, und die entscheidende Grundlage für den uns inzwischen so vertraut gewordenen »Parteienwettbewerb« ist entfallen. Damit aber wird natürlich das Dementi der Partei überhaupt ausgesprochen. Schließlich könnte eine politische Partei nur unter der Voraussetzung immer rechthaben oder auch nur rechthaben wollen, daß sie sich zum Anwalt aller gesellschaftlichen Interessen, Stimmungen und Meinungen erklärt. Was auch immer das Volk will, welches Anliegen auch immer vorgetragen wird, die Partei ist die dafür zuständige Instanz, sie nimmt sich aller Sorgen und Probleme an, sie hilft, das Wohl des Volkes zu mehren und Schaden von ihm fernzuhalten – weil, so lautet die Botschaft, sie eigentlich das Volk selber ist. Aber dann ist sie eben nicht mehr Pars, sondern Totum, und was in dem sinnigen Spruch vom »Rechthaben« zum Vorschein kommt, das ist nichts anderes als der gute alte Allgemeinwille Rousseaus, jene ideologische Grundfigur, aus der sämtliche der modernen Staatswesen ihre Legitimation abzuleiten pflegen.
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31.12.1993
“Die Wahrheit ist, daß es für die Erfolgschancen einer sozialistischen Revolution keinen anderen Maßstab gibt als den Erfolg selbst”. — Antonio Gramsci (1891-1937), mit Blick auf die Oktoberrevolution
Robert Bösch
Spätestens mit dem Verschwinden der UdSSR von der politischen Weltbühne hat auch das, was gemeinhin als “marxistische Theorie” bezeichnet wird, endgültig jegliche gesellschaftliche Relevanz verloren. Galt selbst reflektierteren Varianten des Marxismus die Sowjetunion wenn nicht als sozialistische, so doch als “nach-” oder “nicht-kapitalistische” Gesellschaftsformation, besiegelt ihr katastrophaler Niedergang auch das Verdikt über die bisherige Linke und ihren Theoriebegriff.
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31.12.1993
Ostdeutsche Kontinuitäten
Gaston Valdivia
Wer sich mit Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus in der vergrößerten Bundesrepublik auseinandersetzt, kommt nicht umhin, einen genaueren Blick auf die spezifische Entwicklung im Ostteil Deuschlands zu werfen. Scheinen in der alten BRD-West die Morde von Mölln und Sollingen bruchlos an die nationalistische und rassistische Tradition Deutschlands anzuknüpfen, so haben sich doch die Bürger der “fünf neuen Bundesländer” weltweit nicht minder den Ruf erworben, zumindest rechtslastig, wenn nicht gar rechtsradikal, antisemitisch und faschistisch zu sein. Auch Ortsnamen wie Rostock-Lichtenhagen und Hoyerswerda symbolisieren den deutschen Neonazismus, über Ostdeutschland fanden Ausländerfeindlichkeit und Rassismus seit der deutschen Vereinigung sogar zuerst den Weg in die Schlagzeilen. Auf den ersten Blick stehen solche Erscheinungen im Widerspruch zu 40 Jahren staatlich verordnetem “Antifaschismus”. Was ist los mit den Ossis? Haben sie es verdient, in dieses Licht gerückt zu werden?
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31.12.1991
Über den logischen Zusammenhang von Krisen- und Revolutionstheorie
Italiano: LA FINE DEL PROLETARIATO COME INIZIO DELLA RIVOLUZIONE
Ernst Lohoff
1. Krise der Revolutionstheorie
Die moderne bürgerliche Gesellschaft treibt zielsicher in Richtung Reproduktionsunfähigkeit. Seit dem Bericht des Club of Rome ist die Einsicht in die suizidalen Tendenzen der herrschenden Form von Weltgesellschaft auch tief ins Alltagsbewusstsein eingesickert. Druckfrische Tatarenmeldungen aus Ökologie, Ökonomie und Politik versorgen ein mittlerweile tief verwurzeltes diffuses und längst nicht mehr auf die ökologische Frage eindeutig zentriertes Krisengefühl beständig mit neuer Nahrung. Trotz der Häufung objektiver Krisensymptome scheint die bürgerliche Verkehrsform auf der “subjektiven” Seite hingegen ungefährdeter denn je. Die ehemals “systemoppositionellen” Strömungen erweisen sich angesichts der realen Probleme unserer Zeit als ebenso begriffs- wie hilflos und danken sang- und klanglos ab. In ihrem desolaten geistigen und organisatorischen Zustand stellen sie keine Herausforderung mehr dar, sondern liefern im Gegenteil noch die Legitimation für die Fortschreibung des Status quo. Angesichts des Desasters oppositionellen Denkens kann sich die herrschende bürgerliche Vergesellschaftungsform ein bestechendes Argument zugute halten. Sie gilt anerkanntermassen als alternativlos. Die Fundamentalopposition muss alle Pfauenfedern lassen und schrumpft auf den anklagend erhobenen Zeigefinger zusammen. Sie verkommt zur besinnlich-griesgrämlichen Untermalung, während die Modernisierer und Reformer besinnungslos ihr armseliges Geschäftchen weiterverrichten.
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31.12.1991
Peter Klein
Beim ca ira-Verlag haben die Schriften Agnolis eine letzte Ruhestätte gefunden: Johannes Agnoli, Die Transformation der Demokratie – und andere Schriften zur Kritik der Politik, Freiburg 1990 (ca ira), 221 S., DM 25.- .
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31.12.1990
Funktionsmechanismus und Zusammenbruch der sowjetischen Planökonomie
“Bevor er in die blaue Flut gesunken,
Träumt noch der Schwan und singet todestrunken;
Die sommermüde Erde im verblühn,
Lässt all ihr Feuer in den Trauben glühn;
Die Sonne, Funken sprühend, im Versinken,
Gibt noch einmal der Erde Glut zu trinken,
Bis, Stern auf Stern, die Trunkne zu umfangen,
Die wunderbare Nacht ist aufgegangen.”
Joseph Freiherr von Eichendorff
Johanna W. Stahlmann
Einleitung: der Zusammenbruch des Realsozialismus
Es ist ein Phänomen der beginnenden neunziger Jahre, dass eine von Endzeitphantasien zu Aufschwungsjubilieren sich wandelnde Zeitgeiststimmung mit wachsender ideologischer Verunsicherung und Perspektivlosigkeit sich paart.
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31.12.1989
Thesen zur Entmythologisierung des Marxismus
Robert Kurz / Ernst Lohoff
Erstes Kapitel
Kein Grundsatz des Marxismus scheint fundamentaler als der Bezug auf die Klassenspaltung der Gesellschaft. “Alle bisherige Geschichte ist eine Geschichte von Klassenkämpfen”. Klasse, Klasseninteresse, Klassenkampf scheinen das kategoriale A und O der Marxschen Theorie zu beinhalten.
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31.12.1989
Zur Kritik einer linken Allerweltsphrase
Peter Klein
Wenn man der demokratischen Linken Glauben schenkt, dann steht das kapitalistische Privateigentum im Gegensatz zur Demokratie. Zumindest eine konsequent durchgeführte Demokratie, so sagt diese Linke, die “auch Wirtschaft und Arbeitswelt” umfassen würde, würde sich die “Herrschaft” des Unternehmers “über seinen Betrieb” nicht gefallen lassen und die “Güterherstellung und Güterverteilung” “der Disposition des gesamten Volkes” unterwerfen 1 .
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31.12.1989
Zur Kritik der Zeitschrift “Autonomie” und ihrer Apologeten
Norbert Trenkle
Die Bewegung flirtet mit der Theorie
Die Erwartungen der Oppositionsbewegung an die letztjährige Kampagne gegen die Tagung von Weltbank und IWF in West-Berlin waren hoch. Sie sollte die müde gewordenen Aktivisten wieder aufrütteln, der Zersplitterung in verschiedene “Teilbereichsbewegungen” entgegenwirken, gar eine neue Qualität darstellen. Auch die autonome Szene versuchte, wieder auf die Beine zu kommen; von “neuem Antiimperialismus” und “internationalem Klassenkampf” war da die Rede, und der Ruf nach Theorie wurde laut.
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31.12.1988
III. Teil: Der politische Inhalt der Sowjets
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
122 —-
Peter Klein
1. Einleitung
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31.12.1988
Henryk Grossmann und die Marxschen Reproduktionsschemata
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
59 —-
Ernst Lohoff
1. Wertimmanenz und Abstraktion von der Gebrauchswertseite
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31.12.1988
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
37 —-
Johanna W. Stahlmann
Georg Lukács gehört zu den noch ungeschlachteten heiligen Kühen des sogenannten kritischen Marxismus.
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31.12.1988
oder: Neue soziale Bewegungen und abstraktes Individuum
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
31 —-
Ernst Lohoff
1. Vorbemerkungen:
Der hier vorliegende Artikel ist die unmittelbare Fortsetzung meiner in der “Marxistischen Kritik” Nr. 3 erschienenen Arbeit: “Technik als Fetischbegriff“. Beide Beiträge waren ursprünglich als ein Artikel geplant und ihre Trennung erfolgte aus rein technischen Gründen, a posteriori, inhaltlich bilden sie ein Ganzes. Deshalb nehme ich den Faden etwas abrupt wieder an der Stelle auf, wo der erste Teil endet.
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31.12.1988
Material zur alten Arbeiterbewegung
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
109 —-
Udo Winkel
Hartmut Nowacki geht es in seiner Arbeit “Zwischen Lebensphilosophie und Stalinismus”, Profil Verlag München 1983, 36 DM um “Philosophische Ansätze in der Kommunistischen Partei Deutschlands (1918-1933)”: “… genauso wenig, wie die KPD in ihren Gründerjahren eine kommunistische Partei heutigen Typs war, so wenig war von 1918 bis 1923 der dialektische Materialismus weltanschaulich-philosophisches Fundament der Partei. Vielmehr lassen sich in dieser Phase lebensphilosophische, sozialhedonistische, irrationale und positivistische Ansätze und Tendenzen nachweisen; auch existierten Auffassungen von marxistischer Philosophie, die in ganz erheblichem Maße von der leninistischen Sowjetphilosophie abwichen.” (S. 4)
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31.12.1987
Über den Zusammenhang von alter Arbeiterbewegung und neuer Produktivkraftkritik
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
30 —-
Ernst Lohoff
1. Die Verdinglichung des Produktivkraftbegriffs
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31.12.1987
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
114 —-
Udo Winkel
I.
War im 1. Teil (siehe Udo Winkel: Die Krise des Marxismus, in: MK Nr. 2) auf die Verwandlung des akademischen “Marxismus” in einen positivistischen Splitter des bürgerlichen Wissenschaftspluralismus eingegangen worden, so soll im 2. Teil eine Auseinandersetzung mit der Arbeit von E. Dozekal folgen, der den Anspruch erhebt, die “Krise des Marxismus” durch die Form seiner Rezeption zu bestimmen: DOZEKAL, EGBERT: VON DER “REKONSTRUKTION” DER MARX’SCHEN THEORIE ZUR “KRISE DES MARXISMUS”. DARSTELLUNG UND KRITIK EINES DISKUSSIONSPROZESSES IN DER BUNDESREPUBLIK 1967 bis 1984; Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1985, 36.- DM.
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31.12.1986
Zur “neuen” Marx-Rezeption der “alten akademischen Linken”
[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]
70 —-
Udo Winkel
I.
Die sogenannte “Krise des Marxismus” und seine Verwandlung in eine positive, mit der bürgerlichen konkurrierende, sich mit ihr austauschende und ihre Prämissen und Theoreme übernehmende Wissenschaft, die heute allenthalben im vormaligen akademischen Marxismus sichtbar wird, ist kein auf die “Postmoderne” beschränktes Phänomen. Der “gesunde Menschenverstand” des bürgerlichen Bewußtseins, als eben das “richtige Bewußtsein” einer “falschen Realität”, affiziert immer wieder – unter bestimmten Bedingungen – auch marxistisches oder vorgeblich marxistisches Denken.
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