23.10.2008

Von der heiligen Nation zum globalen Himmelsreich
Wenn dir dein Spiegelbild nicht gefällt,
zerschlag nicht den Spiegel,
sondern zerschlag dein Gesicht“
Altes persisches Sprichwort
Ernst Lohoff
1.
Mit der auf dem Wert beruhenden Gesellschaft bildete sich erstmals in der menschlichen Geschichte eine Weltgesellschaft heraus. Weiterlesen »
31.12.2007

Interview der Zeitschrift MARBURG-VIRUS mit Ernst Lohoff und Robert Kurz
Frage 1: Ein zentrales Merkmal der Krisis ist ihr wertkritischer Ansatz. Könnt Ihr kurz skizzieren, was Wertkritik für Euch heißt und was den entscheidenden Unterschied dieses Ansatzes zu anderen linken Theorietraditionen ausmacht? Ist die “Kritik der Warengesellschaft”, so der Untertitel der Krisis, dasselbe wie die Kritik der politischen Ökonomie? Was heißt Wert und Wertvergesellschaftung? Weiterlesen »
31.12.2005
Vorwärts in die Vergangenheit
05/2005
von Ernst Lohoff
Die neue deutsche Welle einer recht trüben Kapitalismuskritik schwappt durch Land und Feuilletons und hat mittlerweile sogar „Die Zeit“ erreicht. In den letzten Jahren fiel das Zentralorgan der altbundesdeutschen Intelligenz vornehmlich als marktradikales Hetzblatt auf; jetzt leitartikelt dort Günther Grass gegen die „Freiheit nach Börsenmaß“. Vom Geiste Münteferings beseelt setzte die Redaktion außerdem Wolfgang Englers gerade im Aufbau-Verlag erschienenes „Bürger ohne Arbeit – für eine radikale Neugestaltung der Gesellschaft“ auf Platz zwei der „Zeit-Liste empfohlener Bücher“. War diese Wahl ein Fehlgriff oder erntet die 400 Seiten starke Schwarte des aus Dresden stammenden Kultursoziologen damit genau das Lob, das sie verdient?
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31.12.2004
Manchen Linken ist die Kritik an der Bewegung wichtiger als die Kritik an Hartz IV.
erschienen in: Jungle World Nr. 40 / 22. September 2004
Ernst Lohoff
Auch in Deutschland lässt sich der Sozialstaat nicht völlig widerstandslos abwickeln. Auf diese Einsicht, die der großen Koalition von Regierung und Opposition von den Montagsdemonstrationen aufgezwungen wurde, reagiert sie mit der Diffamierung der Proteste. Vor allem zwei Varianten von Schmutzpropaganda kommen dabei zum Einsatz. Entweder sie beschwört die Gemeinschaft der Demokraten und denunziert den Widerstand gegen Hartz IV als aktive Wahlhilfe für die NPD, so wie der alte und neue saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nach seinem Wahlsieg; oder sie warnt vor einer neuerlichen Ost-West-Spaltung. Glaubt man Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Michael Glos, dann riskieren die Montagsdemonstranten leichtfertig die »innere Einheit des Landes«. Der Sache nach ist dieser Vorwurf ein schlechter Witz. Niemand geht in Leipzig auf die Straße, um den Arbeitslosen in Bochum die Butter vom Brot zu stehlen. Keine Montagsdemonstration in West- oder Süddeutschland bläst zum Verteilungskampf gegen die Ossis. Im Gegenteil: Die Forderung »Weg mit Hartz IV!« vereint die Opfer der Sozialdemontage in Ost und West, statt sie zu trennen.
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31.12.2003
Ernst Lohoff
Ob es gefällt oder nicht, Kriegszeiten sind allemal binäre Zeiten und laufen auf so etwas wie einen kollektiven Lackmustest hinaus. Wenn US-Army oder NATO als bewaffneter Arm des Gesamtimperialismus bomben und massakrieren, dann schrumpft die Palette möglicher Meinungen und Positionierungen unweigerlich auf eine simple Alternative zusammen: dafür oder dagegen.
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31.12.2002
Die Anschläge auf die Twin Towers werden als überzeitliche Katastrophe interpretiert. Aber das Desaster von heute entspringt immer der Normalität von gestern und verrät einiges über sie.
aus: Jungle World 33/2002
Ernst Lohoff
Der Standardkommentar zum 11. September begann und beginnt mit dem Satz, die Welt sei nicht mehr dieselbe wie vor dem Anschlag. Diese Lieblingsphrase aller Besinnungsaufsatzschreiber ist genauso ideologisch wie überstrapaziert. Individuen kann es widerfahren, dass Schicksalsschläge von einem Moment auf den anderen und ohne Vorankündigung die ganze persönliche Existenz verändern.
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31.12.2002
Ernst Lohoff
Militärische Sieger lösen sich so schwer von ihren vertrauten Feindbildern wie verlassene Liebhaber von ihren Verflossenen. Auch nach der endgültigen Niederwerfung des Gegners bleibt ihr Denken der Frontstellung des letzten großen Konflikts meist lange verpflichtet. Eine neue Bedrohung muss auf den Plan treten, damit wirklich Schluss mit den Reminiszenzen ist. Selten rasch hat die US-amerikanische Politik einen solchen Feindwechsel angesichts der Blockkonfrontation nach dem Zweiten Weltkrieg vollzogen. Die nationale Psyche hinkte damals um viele Jahre hinterher. Erst mit dem Vietnamkriegstrauma haben für sie Nazideutschland und Japan – die einschlägigen Hollywood-Produktion dokumentieren das ihre Stellung als der Feind der Feinde verloren.
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31.12.2001
Der islamistische Terror und die Selbstversenkung der radikalen Linken
aus: Streifzüge 3/2001
Ernst Lohoff
Die Selbstmordattentate vom 11. September haben nicht nur die Twin-Towers gesprengt, sie sprengen auch das politische Bezugssystem. Nicht dass der Politik eine Scheu vor Leichenbergen anzudichten wäre, aber sie pflegt zu Gewalt und Massenmord eine instrumentelle Beziehung. Weniger die schiere Opferzahl macht die besondere Monstrosität der New Yorker Ereignisse aus, als vielmehr der Bruch mit der Logik politischer Gewaltanwendung, das Selbstzweckhafte der Untat. Wer an den 70er-Jahre-Terrorismus zurückdenkt, erinnert sich an Freipressaktionen, langatmige Erklärungen, konkrete Forderungen und das ständige Streben nach Anerkennung als militärisch-politisches Subjekt und Verhandlungspartner. Dem neuen Amok-Terror ist all das wesensfremd. Weg und Ziel, (Selbst)vernichtungstat und Botschaft fallen ihm unmittelbar in eins.
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31.12.1998
Kritik als Affirmation – Eine Replik auf Krisis-Kritik Nachtmanns [PDF]
Download: hello-mr-postman.pdf
31.12.1998
von Ernst Lohoff
1.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war man sich in der Erwartung einig, daß Fortschritt und Vernunft das heranbrechende Säkulum prägen würden. Die Herausbildung der modernen Warengesellschaft wurde als Prozeß der sukzessiven Entmystifizierung und restlosen Durchrationalisierung aller Verhältnisse verstanden. Die sozialistische Opposition proklamierte zwar, erst die Befreiung von kapitalistischer Herrschaft würde das von ihr emphatisch mit gefeierte Rationalitätspotential der Moderne voll zur Entfaltung bringen; kulturkonservative Stimmen wiederum trauerten um all das, was sie mit der voranschreitenden “Entzauberung der Welt” verloren gehen sahen; beide Strömungen haben damit die herrschende fortschrittsoptimistische Sichtweise aber keineswegs in Frage gestellt, sondern lediglich variiert. Weiterlesen »
31.12.1998
Aus einem Buch über 50 Jahre D-Mark (Elefantenpress)
Ernst Lohoff
1.
Der homo teutonicus unterhält bekanntlich zu seiner Landeswährung eine ganz besondere Beziehung. Während die Bewohner der Nachbarstaaten, wenn sie den Geldbeutel zücken, darin lediglich das landesübliche Zahlungsmittel entdecken, findet der Bundesdeutsche in seiner Brieftasche noch etwas ganz anderes vor. Er kann mit “seinem” Geld nicht nur Waren erwerben und Rechnungen begleichen, mit jedem Markstück hält der stolze Besitzer gleichzeitig eine kleine Ikone der hiesigen Nationalreligion in Händen. Frankreich, Großbritannien oder Italien haben den Franc, die Lira und das Pfund, die Bundesrepublik ist die D-Mark.
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31.12.1991
Anmerkungen zu den wundersamen Wandlungen des Anti-Antisemitismus
von Ernst Lohoff
Download (PDF): von-auschwitz-nach-bagdad.pdf