05.03.2012
Workshop mit Norbert Trenkle im Rahmen des Wokrshoptages “Die Sterne vom Himmel holen”
Samstag, 10. März 2012, 15:00 Uhr
Uni Hannover, Schneiderberg 50
Geklärt werden sollen grundlegende Begriffe und weitverbreitete Missverständnisse über allmächtige Bänker, raffende Spekulanten und die „solide“ Realwirtschaft.
Weitere Infos zum Workshoptag auf http://www.asta-hannover.de/
23.10.2008

Wie die „westlichen Werte“ zu einer aggressiven Stammesreligion mutieren
Norbert Trenkle
Seit Anbruch des 21. Jahrhunderts ist die Kritik an der kapitalistischen Moderne und ihrem universalistischen Herrschaftsanspruch zunehmend von einem Diskurs verdrängt worden, der auf eine aggressive Verteidigung der sogenannten „westlichen Werte“ zielt. Voll inquisitorischen Eifers werden nun die „linken Postmodernisten“ und „Multikulturalisten“ an den Pranger gestellt und zur fünften Kolonne des islamischen Fundamentalismus erklärt, weil sie mit ihrem „Kulturrelativismus“ die Gefahr verharmlosten, die dieser für die mühsam erkämpften zivilisatorischen Errungenschaften des Westens darstelle. Mit einem an Spengler, Jünger und Carl Schmitt erinnernden Duktus ist da die Rede von der Laschheit und Müdigkeit der westlichen Intellektuellen, von ihrem Selbstmitleid und ihrer Neigung zur Selbstzerfleischung. Da schließt sich der Aufruf zur Stählung der westlichen Wertegemeinschaft im Stahlgewitter des Kampfes gegen den neuen existenziellen Feind geradezu zwanglos an. Weiterlesen »
31.12.2006

Die WM-Euphorie hat den Weg bereitet für die Modernisierung des Nationalismus
Aus: Jungle World 29/2006, 19.7.2006
von Norbert Trenkle
Der schwarz-rot-goldene Begeisterungstaumel während der WM, so ist überall zu lesen, sei bloß Ausdruck einer „Normalisierung“ im Verhältnis „der Deutschen“ zu „ihrer Nation“ und insofern durchaus erfreulich und positiv gewesen. Eine höchst merkwürdige Auskunft. Denn wieso eigentlich sollten massenhafte nationalistische Aufwallungen bei Fußballspielen erfreulich sein, nur weil damit nachvollzogen wird, was in England, Italien, Argentinien oder anderswo gang und gäbe ist? Über diese Art „Normalität“ kann sich nur freuen, wer über den besonderen Abscheulichkeiten des deutschen Nationalismus in der jüngsten Geschichte vergessen hat, dass der Nationalismus als solcher eine Abscheulichkeit ist – wenn auch eine in der bürgerlichen Gesellschaft höchst normale.
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31.12.1998
Über die heimliche Verwandtschaft von Traditionsmarxismus und Postmodernismus
aus: Jungle World 29.7.1998
Norbert Trenkle
Nichts läßt sich leichter demontieren als ein selbstkonstruierter Popanz. Wer wollte etwa widersprechen, wenn Günther Jacob (in Jungle World 6/98, S. 15) “linke Erklärungsansätze” kritisiert, “die den ökonomischen Beziehungen eine fast vollständig determinierende Wirkung auf die sozialen Strukturen der Gesellschaftsformationen zuschreiben”. Aber wen oder was meint er damit? Jacob stellt dies sogleich klar: Seine Polemik zielt ganz unmißverständlich auf die traditionsmarxistische Ideologie vom vorgeblich systemtranszendierenden oder “antagonistischen” und “objektiven” Interessenstandpunkt “der Arbeiterklasse”, die, wie er uns erläutert, eine schlechte Abstraktion ist. Nun wäre das nicht viel mehr als der x-te Aufguß einer zwar richtigen, aber nicht mehr besonders neuen Erkenntnis und daher Grund genug, den Artikel gelangweilt beiseite zu legen, verfolgte Jacob damit nicht einen ganz anderen Zweck. Wo er nämlich den Sack schlägt, meint er den Esel. Wo er (auf freilich entlarvend flache Weise) den Klassenkampfmythos kritisiert, will er in Wirklichkeit jede Form von Ökonomiekritik und vor allem jede Kritik des Warenfetischs desavouieren, ohne sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen. Und wo er gegen Determinismus und Ableitungsdenken polemisiert, da geht es in Wahrheit gegen jeden Versuch, die kapitalistische Gesellschaft als negative, vom Wert konstituierte Totalität zu denken.
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31.12.1991
Ein Nachruf auf die Anti-Golfkriegs-Bewegung und ihre Kritiker
Norbert Trenkle
1.
Selten hat eine Bewegung so viel dezidierte Kritik aus der Ecke der linksradikalen Zeitgeistkommentatoren auf sich gezogen, wie die für ein paar kurze Tage aufgeflackerte Opposition gegen den Golfkrieg. Es war geradezu verblüffend, zu welchen verbalen Verrenkungen sich die Kritiker dabei hinreißen ließen. Am schwersten fiel es ihnen wohl, den Generalvorwurf des Antisemitismus mit dem Impuls des spontanen Erschreckens auf einen Nenner zu bringen, der ganz offensichtlich die Triebkraft der kurzatmigen Bewegung war.
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