31.12.1995
Vom warenförmigen Gesellschaftsmoloch zur dezentral vernetzten Welt
aus: Krisis 15 (1995)
Norbert Trenkle
1.
Daß das auf unablässige Expansion ausgelegte westlich-marktförmige Gesellschaftsmodell zunehmend die Grundlagen menschlichen Lebens untergräbt, ist längst kein Geheimnis mehr. Bis in die Spalten der Regenbogenpresse ist diese Einsicht mittlerweile vorgedrungen, und dies ist auch nicht weiter verwunderlich. Ob die beschleunigte Erwärmung des Weltklimas, die scheinbar unaufhaltsame Vergiftung der Meere und des Grundwassers, der jährliche Hungertod von Millionen von Menschen in den Ländern des Südens oder der rapide soziale Zerfall in den Zentren der Weltmarktvergesellschaftung nicht weniger als an ihren Rändern: Wo immer der Blick hinfällt, die Katastrophe ist fast schon zum Normalfall geworden.
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31.12.1995
Die Tücken eines Wundermittels
Beitrag für die Zeitung “Eurosolar” 1995
Norbert Trenkle
Fast könnte es so scheinen, als habe der neuere ökologische Diskurs mit dem Konzept der Energie- oder Entropiesteuer ein Wundermittel entdeckt, um das Unmögliche möglich zu machen: moderne Warenproduktion und Ökologie miteinander zu versöhnen und die Abkehr vom Fossilismus zu erzwingen. Doch so naheliegend es in der Ära des totalen Marktes auch sein mag, die von diesem selbst verursachten lebensbedrohlichen Probleme durch monetäre Steuerung lösen zu wollen, diese Hoffnung muss bitter enttäuscht werden. Sie beruht auf der Illusion, das Geld sei nicht mehr als ein besonders cleveres Mittel gesellschaftlicher Vermittlung, das sich je nach Ambition auf die unterschiedlichste Weise “einsetzen” und “anwenden” lasse. Was man damit anfange, hinge also bloss vom (politischen) Wollen ab. Tatsächlich aber kennt das totaliserte System von Ware und Geld seine eigenen unerbittlichen Gesetzmässigkeiten, die immanent nicht überlistet oder hintergangen werden können.
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