Splendeurs et misères des travailleurs
Deutsche Version – English version
Pour une critique de la masculinité moderne
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Pour une critique de la masculinité moderne
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Deutsche Version – Version française
Norbert Trenkle
Our permanent crisis, the perfect economic storm, calls for radical rethinking, rethinking work, meaning, fulfilment, sexism and cooperation and reducing our footprint. The work religion confuses independence and dependence and distorts the world into a foreign object. Weiterlesen »
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Februar 2008
Norbert Trenkle
Die Krise der Arbeit ist auch eine Krise der modernen Männlichkeit. Denn der moderne, bürgerliche Mann ist in seiner Identität auf ganz grundlegende Weise als Arbeitsmann konstituiert und strukturiert. Als ein Jemand der anpackt und schafft, der zielgerichtet, rational, effizient und sachlich handelt und immer ein messbares Ergebnis sehen will. Das muss nicht immer „im Schweiße seines Angesichts“ geschehen. In dieser Hinsicht ist die moderne männliche Identität durchaus flexibel. Der Anzugsmensch im Management, in der Unternehmensberatung oder in der Regierung versteht sich ebenso als Macher – oder eigentlich sogar noch mehr – als der Arbeiter am Bau, am Fließband oder am Steuer eines LKWs. Letztere sind als Leitbilder männlicher Berufsorientierung ohnehin längst veraltet und bleiben denen vorbehalten, die den Sprung über die sozialen Hürden auf dem Weg in die oberen Büroetagen, nicht schaffen. Umso mehr jedoch dienen sie auf der symbolischen Ebene als Repräsentanz von wahrer Männlichkeit. Halbnackte Muskelmänner mit dicken Schraubenschlüsseln oder Vorschlaghämmern in der Hand, dekorativ ein wenig mit Öl verschmiert aber ansonsten geradezu aseptisch clean vor der ästhetisierenden Kulisse eine Autowerkstatt oder eines Hochofens inszeniert, sind die Ikonen moderner Maskulinität.
Norbert Trenkle
Im Gefolge der Frauenbewegung hat in den letzten zwanzig Jahren auch eine Minorität von Männern damit begonnen, die hierarchische Geschlechterstruktur der bürgerlichen Gesellschaft grundsätzlich in Frage zu stellen. Von einer »Männerbewegung« zu sprechen, wäre sicherlich übertrieben, doch läßt sich kaum leugnen, daß auch Männer zunehmend an dem Zwang und an der Gewaltsamkeit der polaren psycho-sexuellen Zuschreibungen leiden und dagegen aufbegehren. Die männliche Selbstkritik, wie sie in diesem Zusammenhang formuliert wurde, war der Linken in ihrer großen Mehrheit immer durch und durch suspekt. Bestenfalls hat sie diese Selbstkritik als eine Art Ablenkung von der »eigentlichen Aufgabe«, nämlich der Bekämpfung »des Kapitals« und seiner Repräsentanten, abgetan. So sehr dies das linke Denken in seiner Beschränktheit peinlich entlarvt, so wenig hatte doch die »männerbewegte« Strömung dem entgegenzusetzen. Im großen und ganzen war und ist sie nicht viel mehr als eine Ansammlung ziemlich isoliert arbeitender Selbsterfahrungsgruppen, die sich in falschverstandener Abkehr von Rationalismus und »Sachlichkeit« der traditionellen bürgerlichen Männerrolle jeglichem übergreifenden kritisch-theoretischen Denken gegenüber ablehnend verhalten.
Norbert Trenkle
Eine Kritik am Gleichheitsfetischismus setzt sich der Gefahr aus, beim feministischen Diskurs offene Türen einzurennen. Nicht anders verhält es sich mit Attacken gegen die Ontologisierung der Geschlechterdifferenz, denn der main stream des feministischen Diskurses wähnt sich selbst längst jenseits dieser Alternative. Tatsächlich aber hat er sie nicht wirklich überwunden, sondern lediglich im Kompromiß entschärft. Differenz und Gleichheit, so lautet die Formel, die sich in der Sprachregelung der vergangenen Jahre durchgesetzt hat. Damit ist zwar ein alter Streit vorläufig beigelegt, doch die darin aufgeworfenen Grundsatzfragen sind keinesfalls befriedigend geklärt. Statt die in der Dichotomie aufscheinenden Widersprüche produktiv aufzuarbeiten, werden Geschlechtergegensatz und Gleichheitsprinzip äußerlich miteinander versöhnt
Norbert Trenkle
Eine englische Karikatur aus dem späten achtzehnten Jahrhundert zeigt einen doppelgesichtigen Bürger, der nach der Seite des Königs hin kämpferisch Freiheit und Gleichheit einfordert, nach der anderen Seite hin aber, gegenüber der Frau, die ebensolches verlangt, den Stock zückt. Diese Karikatur drückt alles über das Selbstverständnis der frühen Frauenbewegung aus, ein Selbstverständnis, das sich in den Grundzügen bis heute erhalten hat. Die Anklage gegen die bürgerliche Gesellschaft lautete, dass diese die Prinzipien von Freiheit und Gleichheit zwar hochhalte, sie jedoch nur für die eine, die männliche Hälfte der Gesellschaft, gelten lassen wollte. Damit war auch schon die Stossrichtung der Frauenbewegung markiert, ging es doch darum, dem weiblichen Geschlecht die ihm zustehenden Rechte zu erkämpfen. Herausfordernd wurde den Bürgern ihr eigener Kampfbegriff entgegengeschleudert und egalit, auch für die Bürgerinnen eingefordert.