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krisis

Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft

Artikel zum Thema »Sozialkritik« von Ernst Lohoff

22.01.2009 Beitrag drucken

Out of Area – Out of Control

Sociedade da mercadoria e resistência na era da desregulamentação e desestatização

Deutsche Version Teil 1Teil 2

Ernst Lohoff Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

Zur Analyse der heutigen Gesellschaft ungeeignet


Neues Deutschland, 14.03.08

Ernst Lohoff

In den 1960er Jahren verkündete die bundesdeutsche Soziologie das »Ende der Klassen« und den Übergang zur »nivellierten Mittelstandsgesellschaft«. Diese These hatte das goldene fordistische Zeitalter zum historischen Hintergrund, in dem auch die arbeitende Bevölkerung etwas vom kapitalistischen Kuchen abbekam. Damals schien zumindest in den Weltmarktzentren das Massenelend ein für alle mal zu verschwinden. Der Vorstellung einer »nivellierten Mittelstandsgesellschaft« kam dabei auch im ideologischen Richtungsstreit eine Schlüsselfunktion zu. Sie war die Antithese zur Doppelbehauptung der Marxisten, Kapital und Arbeit stünden in einer antagonistischen Beziehung und Kapitalismus bedeute zunehmende soziale Polarisierung.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Die vierte Enteignung

Aus: Grundeinkommen – Soziale Sicherheit ohne Arbeit

Herausgegeben von Andreas Exner, Werner Rätz, Brigitte Zenker1

Ernst Lohoff

Der Begriff Kapitalismus bezeichnet ein Selbstzwecksystem, das darauf programmiert ist, sich den gesamten gesellschaftlichen Reichtum einzuverleiben und allen sozialen Beziehungen seinen Stempel aufzudrücken. In keiner Phase der Geschichte reichte die Herrschaft der Verwertungsmaschinerie derart tief in den Alltag der Menschen hinein wie heute. Dieser Zustand steht am Ende einer mehrhundertjährigen Entwicklung, die zwar nicht mit eherner Notwendigkeit, aber auch nicht zufällig zum modernen Markt- und Konkurrenztotalitarismus führte.

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31.12.2006 Beitrag drucken

Die permanente Gegenreform

Hartz IV – Neue Folge

Kolumne Dead Men Working

von Ernst Lohoff

Man möchte sich die Augen reiben. Wer wüsste nicht aus eigener Anschauung, dass die arbeitslose Bevölkerung mit der Einführung von Hartz IV den größten Verarmungsschub der bundesdeutschen Geschichte durchgemacht hat; jetzt verkünden alle Kanäle und alle Blätter: Hartz IV kommt viel zu teuer und ist deshalb dringend reformbedürftig! Der Bund muss für das Arbeitslosengeld II (ALG II) rund 10 Mrd. Euro mehr aufbringen als veranschlagt und damit steht die angepeilte Haushaltskonsolidierung in Frage. Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, kommentiert die Ergebnisse von Hartz IV folgendermaßen: “Aus Angst vor dem Sozialabbau wurde ein unkontrollierter Sozialaufbau”. Die Große Koalition nimmt diese Unverschämtheit als Diagnose und zieht die Konsequenz. Am 1. August soll ein neues Gesetz zur “Optimierung des SGB II” in Kraft treten, das die Langzeitarbeitslosen noch schärfer an die Kandare nimmt, weitere “Nachbesserungen” stehen in Aussicht.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Schnäppchen für das Kapital

Kleine Politische Ökonomie des Praktikumsbooms

Aus: Jungle World vom 19.10.2005

von Ernst Lohoff

Seit den Tagen Adam Smiths gilt die freie Lohnarbeit gemeinhin als einzig adäquate Form abhängiger Beschäftigung in der kapitalistischen Produktionsweise. Doch im Zeitalter der Krise der Arbeit zeigt sich das Kapital in dieser Hinsicht immer undogmatischer. Zum einen machen sich im globalisierten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts innovative Formen der Sklaven- und Leibeigenenarbeit breit, die als unproduktiv aus der Mode gekommenen waren. Zum anderen gehen ganze Branchen dazu über, die Vernutzung freier Lohnarbeit durch die Vernutzung kostenloser oder symbolisch bezahlter Arbeit zu ersetzen – und das nicht zuletzt bei qualifizierten Tätigkeiten. Eine der beliebtesten Formen dafür ist die Beschäftigung von Praktikanten.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Placebo für den Widerstand

Die Befürworter eines Grundeinkommens scheuen die Auseinandersetzung mit den Verhältnissen im gegenwärtigen Kapitalismus. Mit ihnen lässt sich keine Gegenbewegung begründen.

Ernst Lohoff

Die PDS, die Gewerkschaften und ihre linkskeynesianischen Stichwortgeber leugnen wie die Neoliberalen die strukturelle, fundamentale Krise der Arbeitsgesellschaft. Käme »die Politik« nur ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach und zwänge das Kapital zur Erfüllung seiner Ausbeutungspflicht, also zur Schaffung von Arbeitsplätzen, dann würde sich das Gespenst der Arbeitslosigkeit schon verflüchtigen. Diese Vorstellung ist nicht nur illusionär, sondern auch reaktionär.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten des kapitalistischen Amoklaufs

Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten des kapitalistischen Amoklaufs

Ernst Lohoff & Maria Wölflingseder

Kein Tag vergeht, an dem PolitikerInnen, Arbeitgeberverbände oder irgendwelche so genannte WirtschaftsexpertInnen nicht mit neuen Vorschlägen zur “Rettung des Sozialstaats” und zur Verbesserung der Arbeitsmarktlage aufwarten würden. Der Begriff “sozial” macht einen grundlegenden Bedeutungswechsel durch. Früher bezeichnete “sozial” eine Pflicht der Gesellschaft gegenüber ihren Mitgliedern. Heute steht das Wörtchen “sozial” umgekehrt für die Fürsorgepflicht der Gesellschaftsmitglieder gegenüber der kapitalistischen Gesamtmaschine.

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31.12.2004 Beitrag drucken

Negative Sozialromantik

Manchen Linken ist die Kritik an der Bewegung wichtiger als die Kritik an Hartz IV.

erschienen in: Jungle World Nr. 40 / 22. September 2004

Ernst Lohoff

Auch in Deutschland lässt sich der Sozialstaat nicht völlig widerstandslos abwickeln. Auf diese Einsicht, die der großen Koalition von Regierung und Opposition von den Montagsdemonstrationen aufgezwungen wurde, reagiert sie mit der Diffamierung der Proteste. Vor allem zwei Varianten von Schmutzpropaganda kommen dabei zum Einsatz. Entweder sie beschwört die Gemeinschaft der Demokraten und denunziert den Widerstand gegen Hartz IV als aktive Wahlhilfe für die NPD, so wie der alte und neue saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nach seinem Wahlsieg; oder sie warnt vor einer neuerlichen Ost-West-Spaltung. Glaubt man Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Michael Glos, dann riskieren die Montagsdemonstranten leichtfertig die »innere Einheit des Landes«. Der Sache nach ist dieser Vorwurf ein schlechter Witz. Niemand geht in Leipzig auf die Straße, um den Arbeitslosen in Bochum die Butter vom Brot zu stehlen. Keine Montagsdemonstration in West- oder Süddeutschland bläst zum Verteilungskampf gegen die Ossis. Im Gegenteil: Die Forderung »Weg mit Hartz IV!« vereint die Opfer der Sozialdemontage in Ost und West, statt sie zu trennen.

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31.12.2004 Beitrag drucken

Out Of Area – Out Of Control

Warengesellschaft und Widerstand im Zeitalter von Deregulierung und Entstaatlichung

Versão portuguêsa

Streifzüge 31/04

Ernst Lohoff

1. Teil: Der fatale Endsieg der Ware*

I. Die Unselbständigkeit der Politik

1.

Seit den Tagen des Ersten Weltkriegs bis tief in die 70er Jahre hinein galt es als ausgemacht: Zukunft hat nur eine durch Staatseingriffe modifizierte und sozial eingehegte Marktwirtschaft. Insbesondere zur Zeit des Nachkriegsbooms teilten alle tonangebenden gesellschaftlichen und politischen Kräfte in den Weltmarktzentren diese Perspektive. In den 60er Jahren firmierte dieses Programm hierzulande unter dem Markennamen “Soziale Marktwirtschaft”, in den USA zur gleichen Zeit unter dem Label “Great Society”. Da wie dort stand außer Frage, dass der Staat als Gegengewicht zum freien Spiel der Marktkräfte aufzutreten hat. Insbesondere der Sozialstaat wurde als Synonym von Modernität gefeiert und “Reformpolitik” bezeichnete an beiden Ufern des Atlantiks nichts anderes als dessen energischen Ausbau.

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31.12.2004 Beitrag drucken

Vorwort – Dead Men Working


Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs

Unrast-Verlag, Münster

Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Karl-Heinz Lewed und Maria Wölflingseder (Hg.):

Vorwort

Unablässig wird uns die immergleiche Botschaft ins Hirn gehämmert: Neue Arbeit braucht das Land. Die aber sei nur zu haben, wenn die betriebswirtschaftliche Rentabilität endlich bedingungslos als gesellschaftliche Leitkultur anerkannt werde. Dann blühe uns ein Leben in materiellem Wohlstand und Freiheit.

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31.12.2002 Beitrag drucken

The World Is (Not) a Commodity

Ernst Lohoff

The anti-globalization protest has formed as a movement against neoliberalism. Across the spectrum of protest, certainly the ideas on how the ruling order is to be critiqued differ widely. There is also not exactly consensus on how the path to a more humane society could look. But all realize that the neoliberal dream of a total market is a nightmare.

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31.12.2002 Beitrag drucken

Hosen hochkrempeln

Ernst Lohoff

“Heute ist ein schöner Tag für die Arbeitslosen in Deutschland”, verkündete Freitag letzter Woche Peter Hartz, und auch der Kanzler zeigte sich strahlend der Presse. Die Vorschläge der nach dem VW-Manager benannten Kommission kommen zwar erst am 16. August vollständig auf den Tisch, dafür hat das werte Publikum aber schon erfahren, was ihre Umsetzung bringen wird: Zwei Millionen Arbeitslose weniger. Leere Versprechungen im Sommerloch? Verzweifelter Aktionismus angesichts einer kaum mehr abwendbaren Wahlniederlage? Klar. Viel Lärm um nichts, genauso wie damals als Kohl die Halbierung der Arbeitslosenziffern ankündigte? Jein! Der diskutierte Maßnahmenkatalog wird zwar garantiert nicht die angekündigte Wirkung zeitigen, Wirkung aber schon.

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31.12.1999 Beitrag drucken

Hilfe zur Zwangsarbeit

Aus den Annalen der bundesdeutschen Sozialverwaltung

Ernst Lohoff / Martin Massip

Die Geschichte der Arbeit ist eine Geschichte des Zwangs. Der Zwang zur Arbeit hat im Laufe der Modernisierung allerdings seine Durchsetzungsform sukzessive verändert. Am Anfang der Arbeitsdressur stand blanke Gewalt. Die Urheimat der Arbeit liegt hinter hohen Mauern, denn seine allerersten Opfer fand der Maloche-Moloch in Menschen, die buchstäblich eingesperrt wurden. In den Anfängen dieses Systems verwandelten sich vornehmlich diejenigen in »Arbeitskräfte«, die von den Häschern der frühmodernen Staatsgewalt weggefangen wurden, weil sie nicht mehr die Kraft hatten davonzulaufen. In demselben Maße, wie es der Arbeitsgesellschaft gelang, nach und nach allen sozialen Reichtum für sich zu okkupieren, entstand indes nicht nur die Notwendigkeit, über diese erbärmliche Grundlage hinauszugehen, es bot sich zugleich die Möglichkeit des Wechsels zu etwas diffizileren Methoden. Mit der Zerstörung jeder autonomen Reichtumsproduktion und Aneignung war die Arbeit, also die Tätigkeit für den anonymen Markt, zum unhintergehbaren Sachzwang aufgestiegen. Mehr noch: Die Verallgemeinerung der totalen Abhängigkeit vom Marktgeschehen ließ die »Arbeitsfähigkeit« geradezu als Inbegriff einer selbständigen Lebensführung erscheinen. Die Arbeit verwandelte sich von einem Fluch, der allein unglückliche Abhängige traf, in den unumstrittenen sozialen Leitwert.

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31.12.1999 Beitrag drucken

Zuckerguß für eine bittere Pille

Zur Diskussion um das garantierte Mindesteinkommen

Ernst Lohoff

Immer ist die Linke im wesentlichen Modernisierungslinke gewesen. Mit ihren Versuchen, das kapitalistische System zu überwinden, hat sie ein ums andere Mal unfreiwillig nur dessen vollständigere Herausbildung mitbefördert. Es wäre allerdings höchst ungerecht, den Emanzipationsbewegungen der Vergangenheit die Diskrepanz zwischen kapitalismuskritischer Intention und kapitalismuskonformen Resultaten zum Vorwurf zu machen. Denn solange das System der abstrakten Arbeit einerseits schon irreversibel in der Gesellschaft installiert war und andererseits seinen Entwicklungshorizont noch vor sich hatte, strukturierte es auch die Ideen der Opposition. So schien die sozialistische Umwertung der an sich bürgerlichen Kategorie »Arbeit« völlig ausreichend, um einen Ausweg aus dem kapitalistischen Jammertal zu eröffnen, der jedoch immer nur zur jeweils nächsten Entwicklungsstufe des Kapitalverhältnisses und seiner Tätigkeitsform führen konnte. Die reale Oberwindung der Arbeitskategorie mußte dagegen als so gut wie unvorstellbar anmuten und konnte allenfalls in den lichtesten Momenten gesellschaftskritischer Theorie aufscheinen; und auch das nur auf hohem Abstraktionsniveau. Für die praktischen sozialen Bewegungen lag eine solche Zielsetzung völlig außerhalb ihrer Reichweite.

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