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krisis

Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft

Artikel zum Thema »Sozialkritik«

04.03.2010 Beitrag drucken

Arm, aber mutig

Julian Bierwirth


Der Kapuzinermönch richtet seinen besorgtem Blick in die Kamera: Viel zu viele Jugendliche in Deutschland lebten in zu großer Not, hätten keine Arbeit und kein zu Hause. Deshalb, so Bruder Paulus, unterstütze er das Europäische Jahr 2010, weil es die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben fordere. Die Kamera zoomt dichter an den Geistlichen heran. Alles im Auftreten des Bettelmönchs ist auf einen Effekt aus: der sorgsam einstudierte Text, der mitfühlende Blick, das aufmunternde Nicken beim Sprechen, die sorgsam eingestreuten Vokabeln aus einer vermeintlichen Alltagssprache von Jugendlichen: es soll Lebensnähe und Fürsorglichkeit, Kompetenz in der Sache und Ernsthaftigkeit im Anliegen gleichermaßen zum Ausdruck bringen. Weiterlesen »

30.04.2009 Beitrag drucken

Mit Muskelarbeit gegen die Gier

Der DGB veranstaltet einen Kapitalismuskongress und ruft zu einer Großdemonstration auf. Doch auch in der Krise träumen die Gewerkschaften weiterhin vom „Markt für die Menschen“.

jungle world 18/2009

Lothar Galow-Bergemann

In der Marktwirtschaft gilt das eherne Gesetz des Äquivalententausches: Was gibst du mir, was gebe ich dir? Die Waren werden zu einem bestimmten Wert getauscht. Schon Karl Marx hatte seine liebe Not damit, diesen Sachverhalt Leuten klarzumachen, die zutiefst davon überzeugt waren, der Kapitalismus beruhe auf Betrug. Weiterlesen »

22.01.2009 Beitrag drucken

Out of Area – Out of Control

Sociedade da mercadoria e resistência na era da desregulamentação e desestatização

Deutsche Version Teil 1Teil 2

Ernst Lohoff Weiterlesen »

18.01.2009 Beitrag drucken

Gross Social Happiness

Deutsche Version

Maria Wölflingseder

The new magic formula against poverty, unemployment and all other grievous dislocations is: “Invest in Social Capital. Enjoy immediate profit, the personal surplus value of voluntary activity. You, dear entrepreneur, create social and ecological surplus value.” Sociology has discovered “social capital” as a wonder cure. Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

“Bruttosozialglück”

Streifzüge 43/2008

Maria Wölflingseder

Der dernier cri hallt frohgemut durch die Feuilletons der Printmedien und durch die einschlägigen Sendungen des ORF-Radio Ö1, in dem sich die alternativ-links-liberalen Trendsetter ein Stelldichein geben. Ihre neuen Zauberformeln gegen Armut, Arbeitslosigkeit und alle anderen leidvollen Auswirkungen lauten: “Investieren Sie in Ihr Sozial-Kapital! Weiterlesen »

23.10.2008 Beitrag drucken

Friendly Reading

Skizze zu Wertkritik und Soziologie

Julian Bierwirth

Wertkritik als Gesellschaftskritik

In seinem Werk “Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft” stellt Moishe Postone die Behauptung auf, bürgerliche Individuen hätten analog zur Ware einen Doppelcharakter. Diesen macht er in ihrer Bestimmung als warenproduzierende und -tauschende Menschen aus: Einerseits sind es die Menschen, die hier ihre Gesellschaftlichkeit produzieren, die also handelnd ihre Welt einrichten. Andererseits sind sie den dadurch entstehenden Systemnotwendigkeiten unterworfen, die als scheinbare Naturgewalt auf sie einwirken. Sie sind also zugleich Subjekt gesellschaftlichen Handelns und Objekt gesellschaftlicher Verhältnisse.

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23.10.2008 Beitrag drucken

Gewinne statt Gesundheit

Zu den Hintergründen der Krankenhausmisere und warum Klinikbeschäftigte (endlich) auf die Straße gehen

junge Welt 25.9.2008

Lothar Galow-Bergemann

Wenn Sie demnächst einen Freund im Krankenhaus besuchen, wünschen Sie ihm nicht nur “Gute Besserung!”, sondern auch “Viel Glück!”. Er wird es brauchen können, denn in den Kliniken häufen sich Überlastungssituationen dauergestresster Pfleger und Ärztinnen, die nicht immer glimpflich für die Patienten ausgehen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat Berichte von Klinikbeschäftigten veröffentlicht. Kostproben gefällig? “Die Patienten werden fertig gemacht: fertig gepampert, fertig infundiert, fertig herumgewälzt (unabhängig von den Frakturen). Und damit sie das alles mitmachen, fertig gefesselt – sei es durch Gitter oder Handfesseln oder durch Schmerz- und Beruhigungsmittel.” “Es wird an allem gespart, sogar bei der Reinigung der Patientenzimmer (Flusen am Boden, schmutzige Waschbecken, ungeleerte Mülleimer usw.), am Essen, am Material und natürlich am Personal… Wir müssen mehr Zeit am Computer mit Dokumentationen verbringen als am Patientenbett.” “Kontinuierliche Überwachung geht nicht mehr, Medikamente und Essen gibt es nur zeitverzögert, 1 Kind nach Kopf-OP musste lange schreien, da keine Kapazität zum Füttern vorhanden war, auch Säuglinge mussten auf ihre Malzeiten warten. 1 Patient lag 2-3 stunden in seiner vollen Windel (Stuhlgang), eine zeitnahe Reaktion auf Alarme ging auch nicht mehr.”

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23.10.2008 Beitrag drucken

Ende der Lufthoheit

Verdi verliert immer mehr Mitglieder an Kleine Gewerkschaften, die sich vor allem um ihre eigenen Belange kümmern. Und jetzt droht auch noch der nächste Abschwung.

Jungle World 34/2008

Peter Samol

»Die Mehrheit der Beschäftigten« habe das Ergebnis der Verhandlungen mit der Lufthansa AG akzeptiert, teilte Erhard Ott, der Verhandlungsführer von Verdi, vorige Woche mit. Das war nicht gelogen, aber denkbar knapp: Genau 51 Prozent sprachen sich in der Urabstimmung für die Einigung aus.

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23.10.2008 Beitrag drucken

Schäubles Kleingeld ist nicht genug

Was die Lokomotivführer hinter sich haben, könnte den Beschäftigten im öffentlichen Dienst noch bevorstehen: Streik. Ob Verdi eine kämpferische Strategie beibehält und die sozialpartnerschaftlichen Illusionen aufgibt, ist aber offen.

Jungle World 03/08, 17. Januar 2008

Lothar Galow-Bergemann

Früher hörte man häufig den Satz: »Man müsste es so machen wie die Franzosen.« In letzter Zeit wird er häufig ergänzt: »Oder wie die Lokführer.« Die Stimmung unter den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes hat sich geändert. Dazu hat nicht nur ihre schlechte finanzielle Lage beigetragen, sondern auch das Beispiel der Lokomotivführer, die sich nicht mehr an die Spielregeln gehalten und gezeigt haben, dass es tatsächlich anders geht. So hört mancher Gewerkschafter immer häufiger Bemerkungen wie: »Es reicht!« Oder: »Jetzt sind wir auch mal dran!«

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23.10.2008 Beitrag drucken

Zur Analyse der heutigen Gesellschaft ungeeignet


Neues Deutschland, 14.03.08

Ernst Lohoff

In den 1960er Jahren verkündete die bundesdeutsche Soziologie das »Ende der Klassen« und den Übergang zur »nivellierten Mittelstandsgesellschaft«. Diese These hatte das goldene fordistische Zeitalter zum historischen Hintergrund, in dem auch die arbeitende Bevölkerung etwas vom kapitalistischen Kuchen abbekam. Damals schien zumindest in den Weltmarktzentren das Massenelend ein für alle mal zu verschwinden. Der Vorstellung einer »nivellierten Mittelstandsgesellschaft« kam dabei auch im ideologischen Richtungsstreit eine Schlüsselfunktion zu. Sie war die Antithese zur Doppelbehauptung der Marxisten, Kapital und Arbeit stünden in einer antagonistischen Beziehung und Kapitalismus bedeute zunehmende soziale Polarisierung.

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23.10.2008 Beitrag drucken

Wir sind wertlos!

Die Arbeit sei »mehr wert«, so begründen Gewerkschaften wie Verdi die aktuellen Arbeitskämpfe. Damit verkehren sie nur ökonomische Kategorien ins Moralische und riskieren, mögliche emanzipatorische Bewegungen im Keim zu ersticken.

Jungle World 8/2008

Roger Behrens

»Soziale Arbeit ist mehr wert!«, »Pflege ist mehr wert!«, »Wir sind mehr wert!« Die Parolen, welche die jüngsten Streikaktivitäten der Gewerkschaften, insbesondere Verdi, begleiten, muten paradox an. Es ist das ABC der Kritik der politischen Ökonomie, dass Lohnarbeitsverhältnisse im Kapitalis­mus darauf basieren, dass die Arbeit mehr wert ist: Arbeit ist nämlich die einzige Quelle, aus der ein Mehrwert abgeschöpft werden kann. Anders gesagt: Der Mehrwert ist die Kapitalismus-spezifische Form des Mehrprodukts und geht über ein bloßes Äquivalent für den Wert der Arbeitskraft, das ausreicht, um diese zu reproduzieren, hinaus.

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23.10.2008 Beitrag drucken

Emancipation under Conditions that the Left Didn’t Want

Generalized Resource Shortages as a Historical Crisis of the Social Formation of Capitalism

deutsche Version

www.stateofnature.org

Andreas Exner, Christian Lauk & Konstantin Kulterer

“If there is a lack of appropriate analysis of environmental processes and societal relations to nature because they don’t fit into the wishful thinking of ‘eternal capitalism,’ dangerous ways of ideologically processing the crisis can gain momentum.”

Rising prices for food are increasing hunger, a global recession is waiting in the wings, and at the same time, energy is getting more and more expensive. Within only a few years, the terrain has changed dramatically for left movements. Nonetheless, many people are still holding on to well-known formulas. Unfortunately, they don’t fit the new circumstances.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Durchstarten!

Streifzüge 39/2007

Maria Wölflingseder

Auf der Pampers-Windel-Werbung prangt unter dem Foto eines friedlich schlafenden Säuglings der Schriftzug: “Bitte nicht stören. Arbeite auf Hochtouren.” Dass “dein Gehirn während der Nacht Millionen von Verbindungen herstellt, um all das zu verarbeiten, was du tagsüber erlebt hast”, wird klein gedruckt erklärt. – Auf Hochtouren arbeiten, ist das Gebot der Stunde, offenbar vom Säuglingsalter an!

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31.12.2007 Beitrag drucken

Die vierte Enteignung

Aus: Grundeinkommen – Soziale Sicherheit ohne Arbeit

Herausgegeben von Andreas Exner, Werner Rätz, Brigitte Zenker1

Ernst Lohoff

Der Begriff Kapitalismus bezeichnet ein Selbstzwecksystem, das darauf programmiert ist, sich den gesamten gesellschaftlichen Reichtum einzuverleiben und allen sozialen Beziehungen seinen Stempel aufzudrücken. In keiner Phase der Geschichte reichte die Herrschaft der Verwertungsmaschinerie derart tief in den Alltag der Menschen hinein wie heute. Dieser Zustand steht am Ende einer mehrhundertjährigen Entwicklung, die zwar nicht mit eherner Notwendigkeit, aber auch nicht zufällig zum modernen Markt- und Konkurrenztotalitarismus führte.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Interview mit José López, dem Vorsitzenden der Gesundheitskooperative Junin, Argentinien

1.

a) Wie ist das Verhältnis der Mitarbeiter untereinander?

a) Auf der Ebene des Umgangs miteinander bemühen wir uns um möglichst weitgehende demokratische Verhältnisse und haben dafür bestimmte Mechanismen entwickelt. Dazu zählen die monatlichen Versammlungen, die ein demokratisches und partizipatives Instrument darstellen, weil dort die wichtigsten Entscheidungen über das Schicksal unserer Kooperative getroffen werden. Die Versammlung ist das oberste Organ der Kooperative. Der Verwaltungsrat hat Kompetenzen in Bezug auf Entscheidungen in Alltagssituationen, muss darüber aber vor der monatlichen Versammlung Rechenschaft ablegen.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Geld ist tückisch

Fast alle diskutieren es, in Deutschland mindestens. Die meisten sind dagegen. Die dafür sind, werden mehr. Das muss nicht gut sein.

Abgedruckt in: Organisation für Eine solidarische Welt: “Bedingungsloses Grundeinkommen”, Rundbrief Eine Welt, Ausgabe 143, Oktober 2007, S.3-5.

Andreas Exner

Deutsche Grüne können lernen. Nachdem sie Hartz IV verbrochen haben, kommt nun Reue über sie. Ein gewaltig schlechtes Gewissen muss da auf manch einer ökologisch-sozial Bewegten lasten. Erst im Frühjahr hieß es deshalb, gar nicht mal so überraschend, die grüne Basis hieße es willkommen: Ein bedingungsloses Grundeinkommen. Weniger begeistert war davon die grüne Führung. Nun sickert durch, die Grünen würden ernsthaft ein “Teilgrundeinkommen” diskutieren, “in einer ersten Stufe”, so die Formulierung. Der Lack ist davon schneller ab als einer schauen kann. Das “Teilgrundeinkommen” wäre, rein finanziell betrachtet, Hartz IV (ALG II-Regelsatz 345 Euro) plus 75 Euro. Der Unterschied: bedingungslos soll es sein. Dazu käme dann noch ein Wohnkostenzuschuss. Für den hätte eins allerdings wie eh und je beim Staat zu betteln.

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31.12.2007 Beitrag drucken

Die Maßnahmen des AMS

Oder: Fußfesseln für Arbeitslose

schulheft Nr. 127*, Dezember 2007

Maria Wölflingseder

Die Maßnahmen

Die Faulen werden geschlachtet,
die Welt wird fleißig.
Die Hässlichen werden geschlachtet,
die Welt wird schön.
Die Narren werden geschlachtet,
die Welt wird weise.
Die Kranken werden geschlachtet,
die Welt wird gesund.
Die Alten werden geschlachtet,
die Welt wird jung.
Die Traurigen werden geschlachtet,
die Welt wird lustig.
Die Feinde werden geschlachtet,
die Welt wird freundlich.
Die Bösen werden geschlachtet,
die Welt wird gut.
Erich Fried

Maßnahme

Eine Maßnahme ist das hoheitliche Handeln, das in die (Grund-)Rechte einer Person eingreift und gegen deren Willen vollzogen wird. Maßnahmen können nur von zuständigen Amtsträgern angeordnet und durchgeführt werden. Der Rechtseingriff durch die Maßnahme ist rechtmäßig, wenn sie auf einer gesetzlichen Eingriffsermächtigung beruht (Rechtfertigungsgrund). Maßnahmen können mittels Verwaltungszwangs oder mittels unmittelbaren Zwangs durchgesetzt werden. Sobald der Betroffene die Freiwilligkeit des Vollzugs einer (ursprünglich) hoheitlichen Tätigkeit einräumt, spricht man nicht mehr von einer Maßnahme. Bei der Polizei wird zwischen Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und zur Strafverfolgung unterschieden. Maßnahmen, die beide Gebiete tangieren, sind doppelfunktionale Maßnahmen. de.wikipedia.org

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31.12.2007 Beitrag drucken

Widerspruch und Praxis

Das Grundeinkommen und die emanzipatorische Linke

Streifzüge 41/2007

Julian Bierwirth

Dass wir Kapitalismus haben, also in einer Gesellschaft leben, in der unser Leben nicht zuletzt durch selbstzweckhafte Realabstraktionen wie Arbeit und Geld bestimmt wird, ist nicht schön, aber durchaus zu ändern. Auch wenn der warenproduzierende Gesamtmoloch dazu neigt, die ihm unterworfenen Menschen tendenziell total unter seine Prinzipien zu subsumieren, so tut er dies doch niemals vollständig. Denn es handelt sich hier um ein widersprüchliches System, das genau in dieser Widersprüchlichkeit auch immer wieder Möglichkeiten zur emanzipatorischen Intervention bietet. Damit wäre dann auch die Aufgabe kritischer Theorie umrissen: den emanzipatorischen Kräften innerhalb der sozialen Bewegungen eine Analyse von den Widersprüchen mitzugeben, die diese dann nach kritischer Reflexion thematisieren können.1

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31.12.2007 Beitrag drucken

Gesundheitskooperative Junín, Argentinien

Die Beschäftigten einer angeeigneten Klinik in Argentinien berichten

Die Gesundheitsgenossenschaft Junín (Cooperativa de Trabajo de la Salud Junín Ltda.) wurde im Jahre 2002 von den Angestellten der Privatklinik Junín SRL gegründet, als deren Schließung drohte. Das Missmanagement des Arbeitgebers und der gezielte Entzug von Kapital hatten die Klinik in eine tiefe Krise gestürzt; sie hatte unzählige Schulden aufgehäuft und sah sich Konflikten und Gerichtsverfahren mit Lieferanten wegen nicht erfolgter Zahlungen und ähnlichem ausgesetzt. In dieser chaotischen Lage ergriff der Arbeitgeber Maßnahmen, die auf eine Schließung der Firma abzielten und darauf, die Auszahlung der ausstehenden elf Monatsgehälter der Angestellten zu umgehen.

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31.12.2006 Beitrag drucken

Die permanente Gegenreform

Hartz IV – Neue Folge

Kolumne Dead Men Working

von Ernst Lohoff

Man möchte sich die Augen reiben. Wer wüsste nicht aus eigener Anschauung, dass die arbeitslose Bevölkerung mit der Einführung von Hartz IV den größten Verarmungsschub der bundesdeutschen Geschichte durchgemacht hat; jetzt verkünden alle Kanäle und alle Blätter: Hartz IV kommt viel zu teuer und ist deshalb dringend reformbedürftig! Der Bund muss für das Arbeitslosengeld II (ALG II) rund 10 Mrd. Euro mehr aufbringen als veranschlagt und damit steht die angepeilte Haushaltskonsolidierung in Frage. Der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, kommentiert die Ergebnisse von Hartz IV folgendermaßen: “Aus Angst vor dem Sozialabbau wurde ein unkontrollierter Sozialaufbau”. Die Große Koalition nimmt diese Unverschämtheit als Diagnose und zieht die Konsequenz. Am 1. August soll ein neues Gesetz zur “Optimierung des SGB II” in Kraft treten, das die Langzeitarbeitslosen noch schärfer an die Kandare nimmt, weitere “Nachbesserungen” stehen in Aussicht.

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31.12.2006 Beitrag drucken

Ein Zweidrittelsieg

Die Strategie der Kommunalen Arbeitgeber in Baden-Württemberg ist gescheitert. Die Gewerkschaft ist stärker geworden. Eine Antwort auf Felix Klopotek

Jungle World 16/2006

Von Lothar Galow-Bergemann

›Meine Begeisterung über den Abschluss hält sich in Grenzen‹, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster vor der versammelten Presse und bilanzierte das Ergebnis mit den Worten: ›Die Gewerkschaft Verdi hat einen guten Teil ihrer Ziele erreicht.‹ So zitierte die Stuttgarter Zeitung Schuster. Seine Worte klingen nicht so, als hätte er Verdi retten wollen, wie es Felix Klopotek den Arbeitgebern im öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg nachsagt.

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31.12.2006 Beitrag drucken

Mythos Bildung

Eines darf man in der Unterschichtdebatte nicht vergessen: Auch Bildung schützt nicht mehr Arbeitslosigkeit

Kommentar im “Falter” Nr. 45/06

Maria Wölflingseder

Dass Arbeitslosigkeit vor allem die Ungebildeten treffe, ist ein hartnäckiger Mythos. Auch Robert Misik schreibt in seinem Kommentar Diagnose: Asozialität (Falter 43) bezüglich der Unterschicht-Debatte in Deutschland: “Bildungspolitik ist das Wichtigste, um die Fatalität der negativen Sozialvererbung zu unterbrechen.” Sicher gibt es dieses Phänomen, aber auch eine gute Bildung schützt schon lange nicht mehr vor Arbeitslosigkeit. Spätestens seit Barbara Ehrenreichs Buch “qualifiziert und arbeitslos” sollte dieser Mythos erledigt sein.

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30.12.2006 Beitrag drucken

Kämpfe ohne Klassen

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Warum das Proletariat im kapitalistischen Krisenprozess nicht wieder aufersteht.

Aus: Jungle World 26 vom 28. Juni 2006

Von Norbert Trenkle

Während auch in den ehemaligen Gewinnerländern des Weltmarkts die Prekarisierung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse fortschreitet und immer größere Teile der Bevölkerung erfasst, hat die Rede von einer Rückkehr der Klassengesellschaft und des Klassenkampfes Konjunktur. Angesichts der rapide verschärften sozialen Polarisierung mag sie zunächst plausibel erscheinen. Doch wie so oft trägt der Rückgriff auf die Deutungs- und Erklärungsmuster der Vergangenheit nicht etwa zur Klärung, sondern nur zur Verwirrung bei. Entgegen dem ersten Augenschein lässt sich weder die extrem wachsende soziale Ungleichheit adäquat in den Kategorien des Klassengegensatzes fassen, noch entsprechen die daraus resultierenden Interessengegensätze und -kon­flikte dem, was als Klassenkampf geschichtsmächtig wurde.

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29.12.2006 Beitrag drucken

Piqueteros oder: Wenn Arbeitslosigkeit adelt

Über die schwierige Kunst, Basisbewegungen in den neoliberalen Metropolen zu organisieren [1]

Marco Fernandes [2]

„Ich glaube, die Piquetes haben auf ihre Weise die Apathie gesprengt. Wir haben das Land aus den süßen Träumen aufgerüttelt, die Menem und all diese Politiker verkauften; wir waren wie der Durchbruch eines neuen Lichts. Zusammen mit anderen Kämpfen haben wir das Land aus der Wunschträumen der Postmodernität aufgeweckt. Sie haben uns Piqueteros genannt, und das war unsere Art zur ganzen Gesellschaft zu sprechen , ihr zu sagen, dass es andere Kampfformen gibt, und um unserer Leidenschaft und unserer Würde Ausdruck zu verleihen.“ (Aktivist des MTD Solano) [3] Weiterlesen »

31.12.2005 Beitrag drucken

Warten auf den Aufschwung

Peter Samol

frei nach Samuel Becket: „Warten auf Godot“

Download als OGG-Theora-Video bei archive.org

Personen:

Gigi ein Arbeitsloser

Dodo noch ein Arbeitsloser

Peter Hartz Arbeitgeber und Politikberater

Schröder sein Diener

Der Experte ein Arbeitsmarktforscher

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31.12.2005 Beitrag drucken

Der sozialdemokratische Geisterfahrer

Franz Münteferings „Kapitalismuskritik“

April 2005

Tobias Peschke

In der breitenwirksamen Medienberichterstattung werden die Attacken von SPD-Chef Franz Müntefering als „Kapitalismus-Kritik“ bezeichnet oder gar mit der Theorie von Karl Marx in Verbindung gebracht. Tatsächlich haben seine Auslassungen mit ersterem wenig und mit zweiterem gar nichts zu tun. Das glaubt höchstens, wer bereits die Wiedereinführung der Vermögenssteuer für eine altlinke Forderung hält. Aber in einer Zeit, in der schon als linker Spinner abgetan wird, wer nur das Wort „Nachfrageorientierung“ (nein, auch dieser Begriff stammt nicht von Marx) in den Mund nimmt, sollte solch eine eklatante Fehleinschätzung eigentlich niemanden verwundern.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Schnäppchen für das Kapital

Kleine Politische Ökonomie des Praktikumsbooms

Aus: Jungle World vom 19.10.2005

von Ernst Lohoff

Seit den Tagen Adam Smiths gilt die freie Lohnarbeit gemeinhin als einzig adäquate Form abhängiger Beschäftigung in der kapitalistischen Produktionsweise. Doch im Zeitalter der Krise der Arbeit zeigt sich das Kapital in dieser Hinsicht immer undogmatischer. Zum einen machen sich im globalisierten Kapitalismus des 21. Jahrhunderts innovative Formen der Sklaven- und Leibeigenenarbeit breit, die als unproduktiv aus der Mode gekommenen waren. Zum anderen gehen ganze Branchen dazu über, die Vernutzung freier Lohnarbeit durch die Vernutzung kostenloser oder symbolisch bezahlter Arbeit zu ersetzen – und das nicht zuletzt bei qualifizierten Tätigkeiten. Eine der beliebtesten Formen dafür ist die Beschäftigung von Praktikanten.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Ärger mit dem Müll

Die Ausschreitungen in den Banlieues zeigen die destruktive Tendenz einer Gesellschaft, die immer mehr Menschen als »Humanmüll« betrachtet.

Aus: Jungle World vom 23.11.2005

Von Karl-Heinz Lewed

Besser dokumentiert ist wohl kaum eine Chronik des sozialen Verfalls als die Geschichte der französischen Banlieues. Wurden Anfang der achtziger Jahre noch knapp zwei Dutzend Kommunen von den französischen Behörden als »sensible urbane Zonen« eingestuft, so waren es zehn Jahre später bereits über 300 und im Jahre 2002 gar 750. Entgegen allen Versuchen der Politik, ob von links mit Sozialprogrammen oder von rechts mit Repressalien, diesen Prozess zu stoppen, wurde am Ende alles nur noch schlimmer.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Placebo für den Widerstand

Die Befürworter eines Grundeinkommens scheuen die Auseinandersetzung mit den Verhältnissen im gegenwärtigen Kapitalismus. Mit ihnen lässt sich keine Gegenbewegung begründen.

Ernst Lohoff

Die PDS, die Gewerkschaften und ihre linkskeynesianischen Stichwortgeber leugnen wie die Neoliberalen die strukturelle, fundamentale Krise der Arbeitsgesellschaft. Käme »die Politik« nur ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nach und zwänge das Kapital zur Erfüllung seiner Ausbeutungspflicht, also zur Schaffung von Arbeitsplätzen, dann würde sich das Gespenst der Arbeitslosigkeit schon verflüchtigen. Diese Vorstellung ist nicht nur illusionär, sondern auch reaktionär.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Ersatzdroge für Arbeitssüchtige – Zwangstherapie für Arbeitsunwillige

Ein-Euro-Jobs: Die neue amtliche Zwangsarbeit

Streifzüge 34/2004

von Peter Samol

In Deutschland ist die Parole “Jede Arbeit ist besser als keine” unter Peter Hartz und Gerhard Schröder zur unmittelbaren materiellen Gewalt geworden. Seit am ersten Januar dieses Jahres die berüchtigte Hartz IV-Reform in Kraft getreten ist, können Langzeitarbeitslose, d.h. Menschen, die über ein Jahr arbeitslos sind und deren Versorgung in Folge dessen auf das neu eingeführte Arbeitslosengeld II umgestellt wurde, für ein bis zwei Euro pro Stunde zu gemeinnütziger Arbeit gezwungen werden. Schon früher konnten Sozialhilfeempfänger zu solchen Arbeiten verpflichtet werden. Das hing von der jeweiligen Gemeinde ab. Jetzt aber sind die Ein-Euro-Jobs flächendeckend eingeführt worden. Offiziell heißen solche Arbeitsangebote “Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung”. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat sich aber die Bezeichnung “Ein-Euro-Job” durchgesetzt. Jeder fünfte Langzeitarbeitslose soll einen bekommen und damit bei Kommunen, Kirchen oder gemeinnützigen Organisationen beschäftigt werden.

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31.12.2005 Beitrag drucken

Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten des kapitalistischen Amoklaufs

Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten des kapitalistischen Amoklaufs

Ernst Lohoff & Maria Wölflingseder

Kein Tag vergeht, an dem PolitikerInnen, Arbeitgeberverbände oder irgendwelche so genannte WirtschaftsexpertInnen nicht mit neuen Vorschlägen zur “Rettung des Sozialstaats” und zur Verbesserung der Arbeitsmarktlage aufwarten würden. Der Begriff “sozial” macht einen grundlegenden Bedeutungswechsel durch. Früher bezeichnete “sozial” eine Pflicht der Gesellschaft gegenüber ihren Mitgliedern. Heute steht das Wörtchen “sozial” umgekehrt für die Fürsorgepflicht der Gesellschaftsmitglieder gegenüber der kapitalistischen Gesamtmaschine.

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31.12.2004 Beitrag drucken

Negative Sozialromantik

Manchen Linken ist die Kritik an der Bewegung wichtiger als die Kritik an Hartz IV.

erschienen in: Jungle World Nr. 40 / 22. September 2004

Ernst Lohoff

Auch in Deutschland lässt sich der Sozialstaat nicht völlig widerstandslos abwickeln. Auf diese Einsicht, die der großen Koalition von Regierung und Opposition von den Montagsdemonstrationen aufgezwungen wurde, reagiert sie mit der Diffamierung der Proteste. Vor allem zwei Varianten von Schmutzpropaganda kommen dabei zum Einsatz. Entweder sie beschwört die Gemeinschaft der Demokraten und denunziert den Widerstand gegen Hartz IV als aktive Wahlhilfe für die NPD, so wie der alte und neue saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) nach seinem Wahlsieg; oder sie warnt vor einer neuerlichen Ost-West-Spaltung. Glaubt man Gerhard Schröder, Joschka Fischer und Michael Glos, dann riskieren die Montagsdemonstranten leichtfertig die »innere Einheit des Landes«. Der Sache nach ist dieser Vorwurf ein schlechter Witz. Niemand geht in Leipzig auf die Straße, um den Arbeitslosen in Bochum die Butter vom Brot zu stehlen. Keine Montagsdemonstration in West- oder Süddeutschland bläst zum Verteilungskampf gegen die Ossis. Im Gegenteil: Die Forderung »Weg mit Hartz IV!« vereint die Opfer der Sozialdemontage in Ost und West, statt sie zu trennen.

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31.12.2004 Beitrag drucken

Out Of Area – Out Of Control

Warengesellschaft und Widerstand im Zeitalter von Deregulierung und Entstaatlichung

Versão portuguêsa

Streifzüge 31/04

Ernst Lohoff

1. Teil: Der fatale Endsieg der Ware*

I. Die Unselbständigkeit der Politik

1.

Seit den Tagen des Ersten Weltkriegs bis tief in die 70er Jahre hinein galt es als ausgemacht: Zukunft hat nur eine durch Staatseingriffe modifizierte und sozial eingehegte Marktwirtschaft. Insbesondere zur Zeit des Nachkriegsbooms teilten alle tonangebenden gesellschaftlichen und politischen Kräfte in den Weltmarktzentren diese Perspektive. In den 60er Jahren firmierte dieses Programm hierzulande unter dem Markennamen “Soziale Marktwirtschaft”, in den USA zur gleichen Zeit unter dem Label “Great Society”. Da wie dort stand außer Frage, dass der Staat als Gegengewicht zum freien Spiel der Marktkräfte aufzutreten hat. Insbesondere der Sozialstaat wurde als Synonym von Modernität gefeiert und “Reformpolitik” bezeichnete an beiden Ufern des Atlantiks nichts anderes als dessen energischen Ausbau.

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31.12.2004 Beitrag drucken

Vorwort – Dead Men Working


Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs

Unrast-Verlag, Münster

Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Karl-Heinz Lewed und Maria Wölflingseder (Hg.):

Vorwort

Unablässig wird uns die immergleiche Botschaft ins Hirn gehämmert: Neue Arbeit braucht das Land. Die aber sei nur zu haben, wenn die betriebswirtschaftliche Rentabilität endlich bedingungslos als gesellschaftliche Leitkultur anerkannt werde. Dann blühe uns ein Leben in materiellem Wohlstand und Freiheit.

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31.12.2004 Beitrag drucken

Obszönität und Reichtum

spanische Version

Streifzüge 35/2004

von Franz Schandl

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein überarbeitetes und ausgebautes Referat im Zuge eines Forschungsprojekts zum Thema Ethik, das der Autor nach folgender vorgegebener Problemstellung ausgearbeitet hat:

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31.12.2004 Beitrag drucken

Der Nächste bitte…

BEMERKUNGEN ZUR AKTUELLEN DURCHKAPITALISIERUNG DES LEBENS AM BEISPIEL DER KRANKENHÄUSER

Streifzüge 30/2004

von Lothar Galow-Bergemann

(Vorabdruck aus “Dead Men Working – Gebrauchsanweisung zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs”, hg. von Ernst Lohoff, Norbert Trenkle, Karl-Heinz Lewed, Maria Wölflingseder, das im Juni 2004 im Unrast Verlag erscheint.)

Der nachfolgende Text ist aus der Praxis des Autors als Gewerkschafter und Personalrat in einem Großklinikum entstanden. Er hat einen Beitrag zur innergewerkschaftlichen Debatte um die Positionierung zu den gegenwärtigen tief greifenden Veränderungen in der Krankenhauslandschaft der BRD zur Grundlage.1

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31.12.2004 Beitrag drucken

Die Simulation der Simulation

EIN AUGENZEUGENBERICHT VON DER PRIVATISIERUNG DER ARBEITSLOSENVERWALTUNG

Streifzüge 30/2004

von Achim Bellgart

(Dieser Text ist ein Vorabdruck aus “Dead Men Working – Gebrauchsanweisung zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs”, hg. von Ernst Lohoff u.a.)

Die Hartz-”Reformen” zielen bekanntlich darauf ab,die Kosten zu senken, die das allmähliche Verschwinden der Arbeit verursacht. Dazu gehört der Rausschmiss der Langzeitarbeitslosen aus der Arbeitslosenhilfe. Aber es kann auch noch zusätzlich gespart werden, denkt sich das Arbeitsamt. Und weil dessen Bürokraten sich inzwischen als Manager fühlen, haben sie schon was von kostensenkendem Outsourcing gehört. Gedacht, getan. Diejenigen, die gar nicht mehr zu vermitteln sind, sollen nicht mehr mit ihrer massenhaften Anwesenheit in den neuen Kundencentern der Bundesanstalt stören.

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31.12.2003 Beitrag drucken

Informalisiertes Elend


Über den Zusammenhang von informellem Sektor und moderner Warenproduktion

Erschienen in: blätter des iz3w, Nr. 267, März 2003

von Norbert Trenkle

Der Trend der Informalisierung der Weltökonomie wird sich noch gewaltig beschleunigen und in weit größerem Maße als bisher auch die kapitalistischen Metropolen erfassen. Oberflächlich betrachtet, mag dies als eine Rückkehr des Frühkapitalismus erscheinen. Tatsächlich jedoch kündigt sich eine viel grundsätzlichere Krise an.

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31.12.2003 Beitrag drucken

Sozialkritik in Zeiten der Konterreform

Streifzüge 2/2003

von Franz Schandl

Schön langsam spüren es auch die krisenresistenten Geister. Irgendwie funktioniert das alles nicht mehr. Die Portionen an Ideologie, die notwendig sind, die Wahrnehmung von der Wahrheit abzuhalten, werden größer. Doch unbarmherzig schlägt die Wirklichkeit zu.

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31.12.2002 Beitrag drucken

The World Is (Not) a Commodity

Ernst Lohoff

The anti-globalization protest has formed as a movement against neoliberalism. Across the spectrum of protest, certainly the ideas on how the ruling order is to be critiqued differ widely. There is also not exactly consensus on how the path to a more humane society could look. But all realize that the neoliberal dream of a total market is a nightmare.

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31.12.2002 Beitrag drucken

Hosen hochkrempeln

Ernst Lohoff

“Heute ist ein schöner Tag für die Arbeitslosen in Deutschland”, verkündete Freitag letzter Woche Peter Hartz, und auch der Kanzler zeigte sich strahlend der Presse. Die Vorschläge der nach dem VW-Manager benannten Kommission kommen zwar erst am 16. August vollständig auf den Tisch, dafür hat das werte Publikum aber schon erfahren, was ihre Umsetzung bringen wird: Zwei Millionen Arbeitslose weniger. Leere Versprechungen im Sommerloch? Verzweifelter Aktionismus angesichts einer kaum mehr abwendbaren Wahlniederlage? Klar. Viel Lärm um nichts, genauso wie damals als Kohl die Halbierung der Arbeitslosenziffern ankündigte? Jein! Der diskutierte Maßnahmenkatalog wird zwar garantiert nicht die angekündigte Wirkung zeitigen, Wirkung aber schon.

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31.12.1999 Beitrag drucken

Hilfe zur Zwangsarbeit

Aus den Annalen der bundesdeutschen Sozialverwaltung

Ernst Lohoff / Martin Massip

Die Geschichte der Arbeit ist eine Geschichte des Zwangs. Der Zwang zur Arbeit hat im Laufe der Modernisierung allerdings seine Durchsetzungsform sukzessive verändert. Am Anfang der Arbeitsdressur stand blanke Gewalt. Die Urheimat der Arbeit liegt hinter hohen Mauern, denn seine allerersten Opfer fand der Maloche-Moloch in Menschen, die buchstäblich eingesperrt wurden. In den Anfängen dieses Systems verwandelten sich vornehmlich diejenigen in »Arbeitskräfte«, die von den Häschern der frühmodernen Staatsgewalt weggefangen wurden, weil sie nicht mehr die Kraft hatten davonzulaufen. In demselben Maße, wie es der Arbeitsgesellschaft gelang, nach und nach allen sozialen Reichtum für sich zu okkupieren, entstand indes nicht nur die Notwendigkeit, über diese erbärmliche Grundlage hinauszugehen, es bot sich zugleich die Möglichkeit des Wechsels zu etwas diffizileren Methoden. Mit der Zerstörung jeder autonomen Reichtumsproduktion und Aneignung war die Arbeit, also die Tätigkeit für den anonymen Markt, zum unhintergehbaren Sachzwang aufgestiegen. Mehr noch: Die Verallgemeinerung der totalen Abhängigkeit vom Marktgeschehen ließ die »Arbeitsfähigkeit« geradezu als Inbegriff einer selbständigen Lebensführung erscheinen. Die Arbeit verwandelte sich von einem Fluch, der allein unglückliche Abhängige traf, in den unumstrittenen sozialen Leitwert.

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31.12.1999 Beitrag drucken

Zuckerguß für eine bittere Pille

Zur Diskussion um das garantierte Mindesteinkommen

Ernst Lohoff

Immer ist die Linke im wesentlichen Modernisierungslinke gewesen. Mit ihren Versuchen, das kapitalistische System zu überwinden, hat sie ein ums andere Mal unfreiwillig nur dessen vollständigere Herausbildung mitbefördert. Es wäre allerdings höchst ungerecht, den Emanzipationsbewegungen der Vergangenheit die Diskrepanz zwischen kapitalismuskritischer Intention und kapitalismuskonformen Resultaten zum Vorwurf zu machen. Denn solange das System der abstrakten Arbeit einerseits schon irreversibel in der Gesellschaft installiert war und andererseits seinen Entwicklungshorizont noch vor sich hatte, strukturierte es auch die Ideen der Opposition. So schien die sozialistische Umwertung der an sich bürgerlichen Kategorie »Arbeit« völlig ausreichend, um einen Ausweg aus dem kapitalistischen Jammertal zu eröffnen, der jedoch immer nur zur jeweils nächsten Entwicklungsstufe des Kapitalverhältnisses und seiner Tätigkeitsform führen konnte. Die reale Oberwindung der Arbeitskategorie mußte dagegen als so gut wie unvorstellbar anmuten und konnte allenfalls in den lichtesten Momenten gesellschaftskritischer Theorie aufscheinen; und auch das nur auf hohem Abstraktionsniveau. Für die praktischen sozialen Bewegungen lag eine solche Zielsetzung völlig außerhalb ihrer Reichweite.

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31.12.1998 Beitrag drucken

Dispositionen sozialer Emanzipation

Bruchstücke zur Neuorientierung der Sozialkritik

Franz Schandl

In diesem Beitrag geht es darum, einige Akzente für zukünftige soziale Kämpfe zu entwickeln. Denn wie es lief, läuft es nimmermehr, auch wenn zahlreiche Akteure noch immer so tun als ob.

Arm und reich sind allgemeinsverständliche Assoziationen, aber keine auch nur irgendwie positiv festzuhaltende Kategorien: “Der Mensch ist arm oder reich”, sagt Adam Smith, “je nachdem in welchem Ausmaß er sich die zum Leben notwendigen und annehmlichen Dinge leisten und die Vergnügungen des Daseins genießen kann.”(1) Eine Art Symbiose von Leistungsfähigkeit und Genußfähigkeit, die keine genaue Festlegung kennt. Arm und reich gerät so zu einer Frage der Quantität, im Kapitalismus zu einer Frage der Aneignung von Wert, sei es in Form von Geld oder Ware. Maßstab ist das mehr oder weniger.

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31.12.1997 Beitrag drucken

Proletarisch meint stets bürgerlich

Thesen zur Entmythologisierung von Klasse und Klassenkampf

Franz Schandl

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Gemeinhin war man in der Linken davon ausgegangen, daß die Begrifflichkeit, die sich positiv auf den Klassenkampf und seine Kategorien bezieht, zum essentiellen Bestandteil sozialistischer Theorie und Praxis gehört. Der Konsens reichte hier von den Sozialdemokraten bis zu den Kommunisten, von Gewerkschaftern bis hin zu Anarchisten und Linksradikalen. Differenzen gab es anderswo.

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31.12.1997 Beitrag drucken

Kommunismus oder Klassenkampf?

aus: Weg und Ziel 3/1997

Franz Schandl

Daß das mit dem Klassenkampf schon lange nicht mehr so funktioniert, wie die gesamte Linke es einst haben wollte, ist evident. Da tut sich einfach nichts mehr. Selbst wenn es irgendwo ein Aufflackern alter Kämpfe gibt, etwa im Pariser Dezember 1995, kommt dies nicht über ein Strohfeuer hinaus. Kaum, daß uns etwas in Erinnerung bleibt.

Gemeinhin war man in der Linken davon ausgegangen, daß die Begrifflichkeit, die sich positiv auf den Klassenkampf und seine Kategorien bezieht, zum essentiellen Bestandteil sozialistischer Theorie und Praxis gehört. Der Konsens reichte hier von den Sozialdemokraten bis zu den Kommunisten, von Gewerkschaftern bis hin zu Anarchisten und Linksradikalen. Differenzen gab es anderswo.

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