28.12.2007
Sprengversuche am bürgerlichen Subjekt
Franz Schandl
All the world’s a stage, and all the men and women merely players.
(William Shakespeare)1
Das Leben ist ein Film.
(Aktueller Spot)
Was sind das eigentlich für Menschen, die da heute herumlaufen, eben nicht ihr Leben leben, sondern eine oft zufällige Existenz fristen? Gibt es da etwas, das sie verbindet, sie gemeinsam kennzeichnet, so unterschiedlich sie sich auch dünken? Der folgende Beitrag will diese Fragestellungen anhand des Marxschen Begriffs der Charaktermaske näher erläutern. Ob alle Sprengversuche mit diesem Zünder gelingen, sei dahingestellt. Der Maskenbegriff wird jedenfalls extensiv gebraucht, er war aber auch bei Marx nicht auf das Figurenpaar Käufer-Verkäufer oder gar Lohnarbeiter-Kapitalist beschränkt. Explizit spricht er sogar von Charaktermasken vor dem Kapitalismus.2 Weiterlesen »
31.12.2006
Aspekte einer Entzauberung
Streifzüge 37/2006
von Franz Schandl
Der Triumph des Heldischen im Zeitalter fortschreitender Rationalisierung ist nur vordergründig betrachtet anachronistisch. Auf jeden Fall ist er nicht bloß unübersehbar, er ist unüberblickbar. Ob in Ausstellungen, Sendungen, Filmen, Theaterstücken oder gar in der flächendeckenden Werbung. Man hat den Eindruck, dass das einst Geläufige inzwischen regelrecht läufig geworden ist. Was läuft also ab?
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31.12.2005
Über notwendige Differenzierungen
Aus: junge Welt vom 19.08.2005
Von Franz Schandl
Angeblich jammern die Leute, insbesondere die Deutschen, zuviel. Das ist Unsinn. Wo die Welt ein Jammertal ist, kann gar nicht genug gejammert werden. Wer nicht jammert, das gilt es ganz kategorisch festzuhalten, ist krank. Der Jammer ist zu bejammern, was denn sonst. Das Problem ist also überhaupt nicht, dass gejammert wird, sondern lediglich, dass erstens das Jammern beim Jammern verbleibt, Ventil ist, selbst nicht zum Zündfunken von Reflexion und Kritik wird. Und zweitens, wie gejammert wird: Das Jammern ist in der Unart seines Gegenstands befangen. Schon aus diesem Grund hat es nichts Befreiendens an sich, wirkt selbst beklemmend, mehr als eigene Störung denn als Störung des Störenden.
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31.12.2004
Thesen zu einer Typologie des affirmativen Unwesens
Bei nachfolgendem Thesenpapier handelt es sich um ein Exzerpt eines gleichnamigen längeren Beitrags, der kurz vor seiner Fertigstellung steht und in der nächsten Ausgabe der Krisis erscheinen soll. Über Rückmeldungen, Ergänzungen, Widersprüche, Einwände und Tipps würden wir uns freuen.
hier veröffentlicht: 28. Mai 2004
Von Franz Schandl
1.
Populismus projiziert reale Anliegen auf oberflächliche Muster und Reflexe. Seine Faszination besteht geradewegs in der Einfachheit und Beschränktheit seiner Lösungen. Diese Einfachheit unterstellt stets, dass etwas hintertrieben wird, oder besser noch: dass jemand etwas hintertreibt. Es gilt nunmehr die dunklen Mächte und ihre Machenschaften zu benennen. Der Populismus urteilt vor jeder Kenntnis, in die er sich gar nicht erst versetzen will. Umgekehrt: die Unkenntnis ist der Boden, auf der der Populismus gedeihen kann. Dafür äußert es sich dann in präpotenter Überzeugtheit ausgesprochen handfest: “Wenn ich etwas zu sagen hätte”, so beginnt eine dieser standardisierten Leerformeln des Stammtischs. Der Populismus ist konsequent antikritisch. Er meint Auslieferung an die Stimmungen durch ihre Einforderung. Er ist die entschiedene Kommerzialisierung des politischen Sektors.
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30.12.2004
Anregungen zu einer Typologie des affirmativen Unwesens
Franz Schandl
„Warum Halbgott sein wollen? Warum nicht lieber Vollmensch?“1
(Arnold Schönberg)
Wenn wir den grassierenden Populismus in seinen verschiedenen, nicht nur politischen Varianten analysieren, dann sollten wir uns mehr um dessen kulturindustriellen Kern kümmern (Medien, Vergnügungsindustrie, Mode, Werbung) als vorschnell in historische Analogien flüchten. Die Analogiebildung zählt überhaupt zu den dürftigsten Methoden der Forschung, eben weil sie den Gegenstand aus seiner unmittelbaren Umgebung ablöst und ihn in ein anderes historisches Bezugsfeld stellt; somit in identitätslogischer Reduktion im Seienden und Werdenden primär das Gewesene erkennen möchte. Mit solchen Verkürzungen wollen wir hier nicht dienen. Kritische Analyse darf nicht in den retrospektiven Diskurs flüchten. Weiterlesen »