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	<title>krisis &#187; »Wert, Ware, Fetisch«</title>
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	<description>Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft</description>
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		<title>Interview: Arbeit und die Logik der Abstraktion</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 06:58:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik der Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur- und Ideologiekritik]]></category>
		<category><![CDATA[Wert, Ware, Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Moishe Postone]]></category>

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		<description><![CDATA[Moishe Postone im Gespr&#228;ch mit Timothy Brennan
Moishe Postones Arbeit „Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft“ hat seit ihrer Ver&#246;ffentlichung im Jahre 1993 zahlreiche zustimmende Beurteilungen aus den verschiedenen Bereichen der kritischen Sozialwissenschaften hervorgerufen. Postone stellt die These auf, dass die „gesellschaftliche Herrschaft“, auf die der Buchtitel Bezug nimmt, nicht allein durch Marktmechanismen und Privateigentum, sondern von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3><em>Moishe Postone</em> im Gespr&#228;ch mit Timothy Brennan</h3>
<h5>Moishe Postones Arbeit „Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft“ hat seit ihrer Ver&#246;ffentlichung im Jahre 1993 zahlreiche zustimmende Beurteilungen aus den verschiedenen Bereichen der kritischen Sozialwissenschaften hervorgerufen. Postone stellt die These auf, dass die „gesellschaftliche Herrschaft“, auf die der Buchtitel Bezug nimmt, nicht allein durch Marktmechanismen und Privateigentum, sondern von der Arbeit selbst erzeugt wird. &#196;hnlich wie in den Konzepten der Theoriegruppe krisis in Deutschland (und den Arbeiten von Ernst Lohoff, Norbert Trenkle und Robert Kurz, letzterer jetzt Gruppe Exit) wird die industrielle Arbeit eher als Hindernis f&#252;r die menschliche Emanzipation begriffen, denn als Schl&#252;ssel zu ihr. W&#228;hrend Postone insofern eine Konvergenz zwischen den Zielen des Kapitalismus und den &#228;lteren Formen des Staatssozialismus konstatiert, begn&#252;gt er sich jedoch nicht mit der Widerlegung &#228;lterer Systeme. Einer der tragenden Pfeiler seines Buches ist der Versuch, eine neue kritische Gesellschaftstheorie zu begr&#252;nden. <span id="more-4323"></span><br />
Dies ist der gedankliche Hintergrund, vor dem das folgende Interview am 16. Mai 2008 gef&#252;hrt worden ist.</h5>
<p><em>Timothy Brennan: Viele von uns betrachten Ihr Buch „Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft“ als eine der seit Jahrzehnten innovativsten Neudeutungen der Theorie des sp&#228;ten Marx. Was hat Sie veranlasst, es zu schreiben?</em></p>
<p>Moishe Postone: Danke. Es war ja ein sehr langer Prozess, der schon begann, als ich in der 1960ern auf der High School war. Fr&#252;her hatte der Marxismus f&#252;r mich eine Art von romantischem Appeal … Trotzki, zum Beispiel, und andere Revolution&#228;re. Theoretisch jedoch erschien er mir altmodisch, grobschl&#228;chtig und positivistisch. Ich war viel mehr von den Kritikern der Moderne angezogen, etwa von Nietzsche und Dostojewski, die mich wirklich ansprachen, obwohl sie eigentlich konservativ waren. Also versuchte ich, linksorientierte Politik mit dieser Art von Kritik zu verbinden, die ich als fundamentaler empfand als den Marxismus. Das Kapital war f&#252;r mich im Grunde ein Buch des viktorianischen Positivismus.</p>
<p><em>Ah ja. Der Dialog zwischen Nietzsche und Marx dauert noch an, nicht wahr? Sie sagten, das sei schon ein Charakteristikum Ihrer informellen Studienzirkel in den 1960ern gewesen, als Sie auf der Universit&#228;t waren …</em></p>
<p>Ja, als Student an der Universit&#228;t von Chicago.</p>
<p><em>Wie kam es nun, dass Sie Ihr Denken &#252;ber den vermeintlich sp&#228;tviktorianischen Marx revidierten?</em></p>
<p>Nach Sit-ins an der Universit&#228;t in den sp&#228;ten 60er Jahren gr&#252;ndeten wir eine Gruppe, die sich „Hegel und Marx“ nannte. Unter anderem lasen wir Teile aus Geschichte und Klassenbewusstsein, die nur in Fotokopien zur Verf&#252;gung standen. (Das Buch war noch nicht auf Englisch erschienen.) Lukács zu lesen war wie eine Offenbarung. Er nahm Themen der Moderne auf, wie sie zuvor von Nietzsche, Simmel und Weber formuliert worden waren, und transformierte sie, indem er sie in eine Kritik des Kapitalismus einbezog. F&#252;r mich er&#246;ffnete das die M&#246;glichkeit einer Kapitalismuskritik, die viel erkl&#228;rungsm&#228;chtiger war als die konservative Kritik der Moderne oder eines Marxismus, der alles auf die Kategorie der Klasse reduzierte, wie ich ihn bis dahin gewohnt war. Kurz danach entdeckte ich einen anderen Schl&#252;sseltext f&#252;r mich, die Grundrisse, vermittelt durch Martin Nicolaus’ The Unknown Marx in der New Left Revue.</p>
<p><em>Aber Sie machten schlie&#223;lich Ihren Doktor phil. in Deutschland. Ging es dabei mehr darum, Ihr Deutsch zu perfektionieren, oder dass Sie in ein Milieu eintauchen konnten, in welchem die Diskussionen auf einem h&#246;heren intellektuellen Niveau stattfanden?</em></p>
<p>Absolut das letztere! Der Betreuer meiner Dissertation, Gerhard Meyer, empfahl mir, nach Deutschland zu gehen, um dort in eine intellektuelle und politische Atmosph&#228;re einzutauchen, die einer ernsthaften Besch&#228;ftigung mit Marx f&#246;rderlicher w&#228;re.</p>
<p><em>Die Grundrisse waren in den 70er Jahren nat&#252;rlich au&#223;erordentlich popul&#228;r. Eine Anzahl von Theoretikern nahm das Buch zum Anlass, fr&#252;here Marx-Interpretationen zu revidieren. Noch heute kann man feststellen, dass diese Strategie ein Comeback in der neuen italienischen politischen Philosophie Negris und Virnos erlebt, welche sich z.B. sehr stark auf die Deutung einer einzelnen Passage &#252;ber Maschinen gegen Ende der Grundrisse st&#252;tzen (in Deutschland gel&#228;ufig unter dem Titel Das Maschinenfragment, Anm. d. &#220;bers.), um daraus Argumente f&#252;r das zu liefern, was sie den „General Intellect“ nennen (einen Terminus, den Marx in diesem Textabschnitt eher beil&#228;ufig benutzt). Liegt da nicht der Verdacht nahe, dass die Grundrisse, die ja im Grunde nur eine Ansammlung von Notizen sind, welche die Grundlage einer Kritik der Kategorien der politischen &#214;konomie darstellen sollten, deswegen so popul&#228;r sind, weil sie so unendlich dehnbar in der Auslegung sind?</em></p>
<p>Ich glaube eigentlich nicht, dass die Grundrisse so unendlich dehnbar in der Auslegung sind. Ich denke schon, dass in diesem Manuskript der eigentliche Marx zum Ausdruck kommt. Im Laufe der Arbeit an den Grundrissen kommt Marx zu dem Schluss, dass eine angemessene kritische Theorie ihrem Gegenstand vollkommen immanent sein muss. Die Kritik darf nicht von einem Standpunkt aus durchgef&#252;hrt werden, der dem Objekt &#228;u&#223;erlich ist, sondern muss sich aus der immanenten Darstellungsweise des Gegenstands selbst entwickeln. Das Kapital ist daher nach dieser immanenten Darstellungsweise strukturiert. Jedoch wurde hier, und zwar eben aufgrund dieser dicht strukturierten, immanenten Form von Marx’ Darstellungsweise, der Gegenstand der Marxschen Kritik (z.B. der Wert, ebenso wie die Arbeit, die diesen begr&#252;ndet, wobei beide als spezifische historische Formen analysiert werden) h&#228;ufig als Standpunkt dieser Kritik angesehen.<br />
Die methodologischen Abschnitte der Grundrisse erkl&#228;ren nicht nur diese Darstellungsweise; sondern andere Abschnitte – etwa wie der &#252;ber die Maschinen, auf den Sie sich bezogen haben – machen zudem deutlich, dass die Kategorien des Kapitals wie z.B. der Wert historisch spezifisch sind, dass also die sog. Arbeitswertlehre nicht eine Theorie des (transhistorischen) Reichtums darstellt. Genau aus dem Grunde, weil die Grundrisse eben nicht so immanent strukturiert sind, sind sie der Schl&#252;ssel zum Verst&#228;ndnis des Kapitals. Gleichzeitig gibt es Unterschiede zwischen den Grundrissen und dem Kapital. Die Marx-Forscher, welche diese Unterschiede betonen, haben sowohl Recht als auch Unrecht. Recht haben sie darin, dass z.B. die weitverzweigten Implikationen der Kategorie des Mehrwerts in den Grundrissen noch nicht v&#246;llig ausgearbeitet sind. Trotz alledem, wenn man sich auf solche Unterschiede konzentriert, kann es geschehen, dass man einen wesentlichen Punkt verwischt: dass n&#228;mlich Marx in den Grundrissen die allgemeine Natur seiner Kritik des Kapitalismus deutlich herausarbeitet. Die generelle Sto&#223;richtung seiner Kritik, die sich von der des traditionellen Marxismus unterscheidet, ist dieselbe wie im Kapital.<br />
Zum zweiten ist es nicht mein Hauptanliegen festzustellen, was Marx beabsichtigt haben mag oder nicht. Ich konzentriere mein Interesse auch nicht darauf, mich durch die inneren Widerspr&#252;che hindurchzuarbeiten, die im Kapital vorhanden sein m&#246;gen oder nicht. Mein Erkenntnisinteresse (deutsch im Original, Anm. d. &#220;bers.) ist es, dazu beizutragen, eine wirkungsvolle kritische Theorie des Kapitalismus neu zu formulieren. Zu diesem Zweck bem&#252;he ich mich, die Kritik der politischen &#214;konomie innerlich so koh&#228;rent wie m&#246;glich zu gestalten – aus theoretischen Gr&#252;nden und gewiss nicht aus Gr&#252;nden der Heiligenverehrung.</p>
<p><em>Wie wir alle wissen, wird zurzeit das theoretische Klima immer noch beherrscht von dieser oder jener Spielart des franz&#246;sischen Post-Strukturalismus, der noch heute – beispielsweise fortexistierend in Deleuzes Kritik der Modalit&#228;ten, an der Publikation von Foucaults unver&#246;ffentlichten Vorlesungen am Collège de France, der Wiedererstehung eines hegelianischen Lacan im Werk von Žižek oder an der Heideggerschen Wendung in Subaltern Studies und so weiter – der also noch heute der Ausgangspunkt f&#252;r einen gro&#223;en Teil der an Kultur orientierten Linken ist. Ich stelle mir vor, dass einige Leser unsere Diskussion als eine R&#252;ckschau auf die 1970er Jahre sehen, wohingegen ich daran erinnern m&#246;chte, dass die gegenw&#228;rtigen theoretischen Moden genau aus derselben Konstellation emporwachsen, wie es bei Ihnen der Fall war, und zwar gepr&#228;gt durch die gleichen Werke und Ereignisse. K&#246;nnen Sie ein paar Worte dazu sagen, warum und wie Sie selbst sich fortgesetzt auf die Frankfurter Schule und die Kritische Theorie hinorientieren – und zwar dergestalt, dass Sie, faktisch noch vor Beginn der Kritischen Theorie, mit Lukács anfangen und dann Ihren Weg bahnen bis zu deren abschlie&#223;enden Interpreten wie etwa J&#252;rgen Habermas? Das ist ja ein recht ungew&#246;hnlicher Ansatz im gegenw&#228;rtigen Kontext und sicherlich gegen den Strich der herrschenden Meinung.</em></p>
<p>Ich k&#246;nnte sowohl theoretische als auch eher zuf&#228;llige Gr&#252;nde nennen. Einer dieser zuf&#228;lligen Gr&#252;nde ist – und der reicht zur&#252;ck zu dem, was Sie &#252;ber die Bedeutung des unmittelbaren Zusammenhangs sagten – dass ich mich fast die gesamten 1970er und 1980er Jahre in Frankfurt aufhielt. Auf der einen Seite erfolgte gro&#223;enteils die Rezeption des Post-Strukturalismus in den USA w&#228;hrend der Zeit, als ich in Deutschland war. Auf der anderen Seite war die Rezeption des Post-Strukturalismus in Deutschland erheblich schw&#228;cher, und das lag an der weitverbreiteten Vertrautheit mit der Frankfurter Schule und mit Lukács. Dar&#252;ber hinaus waren, wenn ich das richtig einsch&#228;tze, die amerikanischen Hochschulen in den 1970er und 1980er Jahren weitaus mehr in den geisteswissenschaftlichen Fachbereichen f&#252;r diese Theorierezeption aufgeschlossen als in den sozialwissenschaftlichen.</p>
<p><em>Ja, vor allem in den literaturwissenschaftlichen Fachbereichen …</em></p>
<p>… was, wie ich glaube, eine zweischneidige Entwicklung war. Einerseits finde ich es gut und wichtig, dass hier &#252;berhaupt eine Theorierezeption stattfand. Andererseits denke ich, dass die Theorierezeption in den Literaturwissenschaften auf eine Begrifflichkeit zugeschnitten wurde, die deren eigenem Verst&#228;ndnis von Gesellschaft entsprach. Ich sage es nur ungern, aber das ist meine Meinung.</p>
<p><em>War es einfacher f&#252;r Sie, in die Frankfurter Schule einzutauchen, weil Sie in einem Land studierten, in dem der Post-Strukturalismus nicht in dem Ma&#223;e ernst genommen wurde, wie es in den Vereinigten Staaten der Fall gewesen war? Und wollen Sie sagen, dass einiges von dem, was manche f&#252;r neu an der post-strukturalistischen Kritik hielten, bereits viel fr&#252;her in anderer Weise und in anderer Sprache von der Frankfurter Schule geleistet worden war?</em></p>
<p>Ich denke, sie war wirkungsvoller, erheblich wirkungsvoller. Ich war von der Frankfurter Schule und von Lukács schon angezogen, bevor ich nach Deutschland ging und mich dort in Kreisen bewegte, die meine kritische Haltung sowohl in Bezug auf den Klassenreduktionismus als auch auf den Strukturalismus (z.B. Althussers) teilten. Post-Strukturalismus ist in Wirklichkeit ein Post- des Strukturalismus, und dies in gleicher (und impliziterer) Weise wie beim Klassenreduktionismus. Da ich nicht angezogen war von dem, worauf der Post-Strukturalismus reagierte, sprach mich dieser auch nicht besonders an. Ein Grundzug der gesamten theoretischen Richtung, Strukturalismus und sein Post-, ist der, dass er v&#246;llig unber&#252;hrt von jeglichen ernsthaften politisch-&#246;konomischen &#220;berlegungen ist. Ich war immer der Meinung, dass eine<br />
ad&#228;quate kritische Gesellschaftstheorie in irgendeiner Weise Kenntnis von der politisch-&#246;konomischen Dimension (wenn Sie es so nennen wollen) des Lebens nehmen sollte. Was ich als so schlagkr&#228;ftig empfand, als ich Lukács und die Grundrisse kennen lernte &#8211; viel schlagkr&#228;ftiger als bei den Konservativen, die mich mit ihrer Kritik der Moderne begeistert hatten – war die Tatsache, dass sie mir einen Weg zu einer fundamentalen kritischen Gesellschaftstheorie er&#246;ffneten, einen Weg, der viel historischer und zugleich kulturell und politisch-&#246;konomisch war.</p>
<p><em>Dennoch, in der Erkl&#228;rung, die Sie eben gegeben haben, weshalb Sie von der Frankfurter Schule angezogen waren, sprechen Sie nicht die Tatsache an, dass in jeder praktischen Hinsicht Ihre Alma Mater (die Johann Wolfgang Goethe Universit&#228;t) einen ziemlich gro&#223;en Teil der Frankfurter Denker der ersten Generation in die staubigen Regale einer ehrw&#252;rdigen Vergangenheit verbannt hat. Wie kommt das? Und wie erkl&#228;ren Sie Habermas’ Rolle in diesem theoretischen Panorama (abgesehen von seinen Ambitionen, als der Philosoph der Bundesrepublik Deutschland wahrgenommen zu werden)?</em></p>
<p>Zun&#228;chst war dies nicht g&#228;nzlich der Fall. Es gab einige, international weniger bekannte Wissenschaftler, wie z.B. J&#252;rgen Ritsert, welche die Arbeit in dem theoretischen Rahmen, den die erste Generation der kritischen Theoretiker etabliert hatte, weiterf&#252;hrten. Dennoch trifft es zu, dass Habermas dominant wurde. Ich bin der Meinung, dass dies nicht nur deshalb geschah, weil er hochschul- und wissenschaftspolitisch sehr erfolgreich war, sondern auch weil das Kategoriensystem der fr&#252;heren Kritischen Theorie historisch an seine Grenzen gesto&#223;en war. W&#228;hrend ich mit Habermas in diesem Punkt &#252;bereinstimme, bin ich doch g&#228;nzlich anderer Meinung, was den Charakter dieser Grenze betrifft, und ebenso hinsichtlich des Wegs, den er zur Wiederbelebung der Kritischen Theorie beschritten hat.</p>
<p><em>Ich w&#252;rde jetzt gerne Ihre Wiederaufnahme der Theorien des sp&#228;ten Marx (samt seiner Betonung der Produktion, der Handelsstatistiken, der Profitraten etc.) in Einklang bringen mit Ihrer eigenen theoretischen Konzentration auf das, was nur „Metaphysik“ genannt werden kann, d.h. spekulative Philosophie. M&#252;ssen wir „Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft“ verstehen als ein Werk der Philosophie &#8211; sagen wir als ein Werk des Genres (wenn auch nat&#252;rlich nicht des Umfangs) von Hegels Ph&#228;nomenologie des Geistes und seiner Rechtsphilosophie, welche beide &#246;konomische Fragen zum zentralen Thema haben, Fragen wie Arbeit, Ungleichheit, b&#252;rgerliche Gesellschaft und b&#252;rgerliche Eigentumsverh&#228;ltnisse, dabei jedoch nie das Terrain der f&#252;r das spekulative Denken als solches notwendigen Abstraktionen verlassen?</em></p>
<p>Philosophen werden wahrscheinlich bei diesem Gedanken erschrecken, aber ich w&#252;rde gerne die Problematik in anderen Begriffen formulieren. Trotz mancher Einw&#228;nde, die ich gegen Lukács habe – was ich an ihm sch&#228;tze, ist, dass er sich philosophische Fragstellungen unter Bezugnahme auf eine Theorie der kapitalistischen gesellschaftlichen Formen aneignete und analysierte, eine Theorie, die diese Fragen sinnvoll und produktiv erscheinen lie&#223;en, sowohl historisch als auch kulturell. Das er&#246;ffnete die M&#246;glichkeit, Philosophie weder idealistisch zu fassen – etwa als Ergebnis irgendeines mysteri&#246;sen Akts, der gro&#223;e Geister aus der Trivialit&#228;t der eigenen Zeit und des eigenen Raums katapultiert – noch sie in reduktionistische materielle Kategorien zu pressen. Lukács nahm die Philosophie ernst und ver&#228;nderte ihre Kategorien. Er historisierte sie, und er tat es auf analytisch rigorose Weise. Er ver&#228;nderte das Terrain des spekulativen Denkens, indem er dessen scheinbare Unabh&#228;ngigkeit vom Kontext beseitigte. Je mehr ich Marx lese, desto mehr bin ich &#252;berzeugt, dass es genau das ist, was er geleistet hat. Ich bin mir nicht sicher, dass ich Marx ohne Lukács h&#228;tte verstehen k&#246;nnen, und dennoch glaube ich nicht, dass Lukács’ Analyse dieselbe ist wie die von Marx. Ich bevorzuge die letztere.<br />
Der andere Punkt, auf den ich aufmerksam machen m&#246;chte, betrifft die Vorstellung, dass die Kritik des Kapitalismus eine &#246;konomische sei. So wie Lukács die philosophischen Fragen als Verschiebungen neu formulierte, als Denkformen, die eine Realit&#228;t zu fassen suchen, ohne sie jedoch v&#246;llig erfassen zu k&#246;nnen, so formulierte auch Marx die Postulate der Politischen &#214;konomie neu, n&#228;mlich die, welche die Oberfl&#228;chenformen einer Realit&#228;t darstellten, ohne diese selbst v&#246;llig erfassen zu k&#246;nnen. Es w&#228;re ein Fehler, diesen Ansatz als Argument f&#252;r den Vorrang der &#214;konomie zu betrachten, ebenso wenig als eine Affirmation der spekulativen Philosophie. Vielmehr handelt es sich hier um eine Theorie der historisch spezifischen gesellschaftlichen Vermittlung (was ich hier nur erw&#228;hnen, aber nicht ausf&#252;hren kann), die uns die M&#246;glichkeit er&#246;ffnet, sowohl &#246;konomisches wie philosophisches Denken als &#196;u&#223;erungsformen einer historischen/materiellen Realit&#228;t zu begreifen, die sie nicht v&#246;llig erfassen k&#246;nnen.</p>
<p><em>Ein besonders hervorstechender Aspekt Ihres Projekts ist der Respekt, den Sie gegen&#252;ber Lukács’ Geschichte und Klassenbewusstsein zeigen. Sie zeigen dabei neben anderem, wie sehr Adorno, Horkheimer und die &#252;brige Frankfurter Schule Lukács verpflichtet sind, und wie sehr Heideggers Sein und Zeit einen Versuch darstellt, darauf zu reagieren.</em></p>
<p>Als ich Geschichte und Klassenbewusstsein zum ersten Mal las, war ich beunruhigt &#252;ber das, was mir als Bruch erschien, als ein Bruch zwischen den ersten beiden Teilen der Ausf&#252;hrungen &#252;ber die Verdinglichung und dem dritten Teil. Im ersten Teil bettet Lukács Webers Kritik der Moderne, im Sinne einer Kritik von Rationalisierungsprozessen, in die Warenform ein. Er gibt so der Rationalisierung eine historische Grundlage. Lange bevor Foucault das Konzept der Disziplinargesellschaft entwickelte, hatte Lukács es im Wesentlichen schon getan und dar&#252;ber hinaus die Entwicklung dieser Formen historisch begr&#252;ndet. Im zweiten Teil des Essays unternimmt Lukács eine brillante Analyse der Entwicklungslinie des westlichen philosophischen Denkens von Descartes bis Hegel, indem er diese Entwicklung in den Rahmen einer Theorie der Kapitalformen eingliedert. Ich halte diese beiden Teile f&#252;r &#252;berragend. Jedoch schien es mir, als st&#252;nde Lukács’ Fokussierung auf das Proletariat im dritten Teil im Widerspruch zu dem weitaus umfassenderen Verst&#228;ndnis des Kapitalismus, wie er es in den ersten beiden Teilen entfaltet hatte. Es schien mir nicht klar, wie die proletarische Revolution, die er im Rahmen des dritten Teils vorgestellt hatte, den zuvor beschriebenen Prozess der Rationalisierung h&#228;tte &#228;ndern k&#246;nnen.<br />
Viele Leute, die Lukács’ „Mythos vom Proletariat“ kritisierten, sch&#252;tteten am Ende das Kind mit dem Bade aus. Sie verwarfen die gesamte Analyse der Warenform, wie sie von Lukács wiederentdeckt worden war, aufgrund dessen, was sie als „Mythos vom Proletariat“ bezeichneten. Ich habe mich bem&#252;ht – und es hat einige Zeit gebraucht, bis ich zu meinen eigenen Erkenntnissen gekommen bin – zwei Dinge zu trennen: das, was ich als die generelle Sto&#223;richtung von Lukács’ Analyse der Marxschen Kategorien ansehe, dass sie n&#228;mlich gleicherma&#223;en kulturelle und gesellschaftliche Formen sind &#8211; dies also zu unterscheiden von der ganz spezifischen Art und Weise, in der er diese Kategorien verstanden hat. Es brauchte eine ganze Weile, bis ich mich da durchgearbeitet hatte. Je l&#228;nger ich mich mit Lukács’ Kritik befasste, desto mehr erkannte ich (manchmal kann man dieselbe Sache viele Male lesen, und es ereignet sich erst ab einem bestimmten Punkt, was die Deutschen ein Aha-Erlebnis nennen; eben wenn etwas vertraut ist, dann verfremdet man in gewisser Weise das Vertraute): Wo n&#228;mlich ich die Kategorien der Marxschen Kritik immer als Kategorien der Praxis verstanden hatte, bedeutete Praxis f&#252;r Lukács fast eine Art unterirdische Realit&#228;t, eine Realit&#228;t, die von einer Oberfl&#228;che verdeckt ist, welche von den Kategorien konstituiert wird. Diese sind f&#252;r Lukács keine Kategorien der Praxis, sondern Kategorien, welche die Praxis verschleiern und hemmen. F&#252;r ihn ist Revolution, ebenso wie die Krise, die Eruption dieser „tieferen Ebene“ der Praxis durch die sie bedeckende Oberfl&#228;che der Abstraktion hindurch. Es ist die Eruption einer ontologischen Schicht des Lebens, konstituiert durch Arbeit. Ich denke nicht, das dies ein guter Weg ist, Marx zu lesen.</p>
<p><em>Ich habe dieses kalkulierte Einschleusen des „Proletariats“ in den Essay immer  anders aufgefasst. Lukács m&#252;ht sich nicht sonderlich ab mit der auf ihn &#252;berlieferten Idee des Proletariats als Praxis – als Motor und Agent der Geschichte (wie wir zuerst glauben m&#246;gen). Stattdessen vertritt er eher die These, dass die Revolutionen in der globalen Peripherie in den 1920er Jahren und kurz davor (in der Sowjetunion, China, Mexiko) die Natur der philosophischen Untersuchungen &#228;nderten. Sie f&#252;hrten in die philosophischen Konstrukte eine Art Akteur ein, dessen Existenz es dem Intellektuellen erm&#246;glichte, eine fr&#252;here mentale Sackgasse zu &#252;berwinden. Um es anders zu sagen, nur der Theoretiker, der sich mit den Menschen identifiziert, die das industrielle System und die damit verbundenen Werte ablehnen, konnte einen Ausweg aus den von Kant ererbten und mittlerweile abgestandenen Antinomien des b&#252;rgerlichen Denkens finden.</em></p>
<p>Ja, man k&#246;nnte argumentieren, dies sei Lukács’ Position. Eine wichtige Einsicht, die ich aus den Grundrissen gewann, ist jedoch, dass Marx’ Kritik des Kapitalismus tats&#228;chlich auf die Abschaffung des Proletariats zielt – nicht in dem legalistischen, sowjetischen Sinn, in der Weise, dass, wenn es keine Bourgeoisie gibt, es eo ipso auch kein Proletariat gibt; sondern eher im Sinne einer materiellen Abschaffung der vom Proletariat verrichteten Arbeit. Und mir scheint, dass im dritten Teil von Lukács’ Essay sich nichts in diese Richtung bewegt. Die Bewegung dort geht vom Proletariat als einem Objekt zu einem Proletariat als Subjekt. Letztlich impliziert das eine Affirmation des Proletariats; es zielt nicht auf eine Abschaffung des Proletariats und der von ihm verrichteten Arbeit.<br />
Die Bedingung f&#252;r die Abschaffung der Klassengesellschaft – in dem allgemeinen Sinne verstanden als eine Gesellschaft, in der viele Menschen fortw&#228;hrend ein Mehrprodukt schaffen, das von wenigen angeeignet wird (was in diesem Sinn die meisten menschlichen Gesellschaften seit der sog. Neolithischen Revolution charakterisiert) – ist die Abschaffung der Notwendigkeit der unmittelbaren Arbeit der Vielen als Voraussetzung f&#252;r die Erzeugung eines Mehrprodukts. Diese M&#246;glichkeit wird, so sagt Marx in den Grundrissen, vom Kapital selbst hervorgebracht.<br />
Sie erw&#228;hnten die Verpflichtung der Kritischen Theorie gegen&#252;ber Lukács. Ich sehe diese insofern, als die Entwicklung der Kritischen Theorie im R&#252;ckblick einige von Lukács’ Begrenzungen erhellt. Die Kritische Theorie eignete sich Lukács’ Kritik der Rationalisierung und B&#252;rokratisierung an, die auf einem sowohl gesellschaftlich/&#246;konomischem wie kulturellem Verst&#228;ndnis des Kapitalismus beruhte. W&#228;hrend der 1930er und 40er Jahre jedoch nahmen sie gegen&#252;ber Lukács’ Affirmation von Arbeit und Totalit&#228;t eine kritische Haltung ein. Dennoch hat die Kritische Theorie die Doppelseitigkeit des kategorialen Grundger&#252;sts nicht wiedererlangt, sondern im Gegenteil Lukács’ affirmative Position schlie&#223;lich in einer ebenso einseitigen Weise umkehrt.<br />
Pollock und Horkheimer beispielsweise kamen zu dem Schluss, dass sich eine neue, dirigistische Form des Kapitalismus herausgebildet hatte, in welcher der alte kapitalistische Gegensatz zwischen Arbeit einerseits und Markt und Privateigentum andererseits &#252;berwunden war. Das bedeutete f&#252;r sie, dass Totalit&#228;t und Arbeit historisch verwirklicht waren. Das Resultat davon war freilich nicht emanzipatorisch. Stattdessen war, verbunden mit der instrumentellen Vernunft, eine neue technokratische Form von Herrschaft entstanden. Sie assoziierte nun Arbeit mit instrumentellem Handeln.<br />
Horkheimers pessimistische Wendung hatte ihre Parallele in Adornos Verst&#228;ndnis der Marxschen Kategorien. Adorno folgte Lukács und Sohn-Rethel und begriff diese Kategorien als Kategorien sowohl der Subjektivit&#228;t als auch der Objektivit&#228;t. In Marx’ Analyse haben diese Kategorien einen Doppelcharakter. Adornos Lesart dieser Kategorien untermauerte seine h&#246;chst scharfsinnigen, oft brillanten Analysen. Dennoch betonte seine Lesart die Wertdimension in einseitiger Weise. Das Resultat war eine Analyse, die ungeachtet ihrer Erkl&#228;rungskraft schlecht ausgestattet daf&#252;r war, sich mit der Neuentstehung radikaler politischer Opposition angemessen auseinandersetzen zu k&#246;nnen, und die auf einer anderen Ebene auch nicht mehr angemessen reflexiv war.<br />
Meine Betonung des Doppelcharakters der Marxschen Analyse stellt den Versuch dar, aus den Sackgassen der Kritischen Theorie herauszukommen, wobei ich mich bem&#252;he, das zu vermeiden, was ich als die Schw&#228;chen der Habermas’schen theoretischen Antworten betrachte. Gleichzeitig lege ich besonderen Nachdruck auf die Arbeiten von Lukács und der Frankfurter Schule, weil ich der Auffassung bin, dass die Perspektive, die sie er&#246;ffneten – eine reflexive kritische Theorie, die Gesellschaft und Kultur mit denselben Kategorien begreift – erheblich erkl&#228;rungsm&#228;chtiger ist als die des Strukturalismus und des Post-Strukturalismus.</p>
<p><em>So wie es bei Lukács selbst der Fall war (und wie es sich in gleicher Weise mit Alfred Sohn-Rethels bedeutsamem Buch &#252;ber die geistige Arbeit verh&#228;lt), scheint sich Ihre Methode sehr stark zu bewegen von einer Analyse der Warenform zu den alles durchdringenden Strukturen, die auf makrologischer Ebene aus der Warenform hervorgehen. Deshalb verleiht der Doppelcharakter der Ware, die zugleich Gebrauchswert (eine Qualit&#228;t) und Tauschwert (eine Quantit&#228;t) ist, der gesellschaftlichen Existenz selbst einen doppelten Charakter, und zwar in der Tat einen widerspr&#252;chlichen. Meine Frage ist jedoch: Wie weisen wir eigentlich nach, dass der einzigartige Charakter der Ware im Kapitalismus diese durchdringende Gewalt hat? Wie vermeiden wir es, dabei in blo&#223;e Metaphorik abzugleiten?</em></p>
<p>Ich freue mich, dass Sie das fragen. Lassen Sie mich es mit meiner Antwort so versuchen, zumindest vorl&#228;ufig, dass ich zur&#252;ck zu Lukács gehe! Einer meiner Kritikpunkte am dritten Teil von Lukács’ Verdinglichungs-Essay ist, dass die Dialektik des proletarischen Bewusstseins wenig zu tun hat mit der fortlaufenden historischen Dialektik des Kapitals. Es ist eher so, dass der Prozess ein Prozess der wachsenden Selbstbewusstwerdung des Proletariats &#252;ber seine Lage ist. Lukács stellt ihn als einen Prozess dar, bei dem das Proletariat sich seiner selbst als Objekt bewusst wird, und insoweit es dies tut, ist es auf dem Weg, selber zum Subjekt zu werden. Die Lage des Proletariats ist jedoch eine statische. Die Entwicklung des Kapitals selbst von der formalen zur realen Subsumption und die Entwicklung der letzteren haben wenig mit dem von Lukács skizzierten Prozess zu tun. So wie ich das Kapital lese (das mit gro&#223;em Nachdruck auf der Ware als der allgemeinen Form des Kapitals anhebt), macht es eine Entwicklung deutlich, die nicht einfach &#246;konomisch genannt werden kann, sondern vielmehr die Entwicklung der Warenform in ihrer Bewegung zeigt. Diese Dynamik der Warenform ist das, was Marx „Kapital“ nennt. Der Doppelcharakter der Ware gr&#252;ndet in dieser Bewegung. Die Bedeutung der Marxschen Analyse der Warenform hinsichtlich ihres Doppelcharakters wird dann klarer, wenn man versteht, dass sie die Grundlage bereitstellt f&#252;r das Begreifen der historisch einzigartigen Dynamik, die den Kapitalismus kennzeichnet. Dieses Verst&#228;ndnis unterscheidet sich stark von dem, das auf den Gegensatz von Gebrauchswert und Tauschwert im ersten Kapitel des Kapitals beschr&#228;nkt bleibt.<br />
Marx begr&#252;ndet sowohl die Produktionsweise als auch die Wachstumsentwicklung im Kapitalismus vermittelst seiner Analyse der dynamischen Natur des Kapitals. Ich habe versucht, den allgemeinen Charakter dieser Dynamik als Tretm&#252;hlen-Dialektik herauszuarbeiten. Es ist diese Tretm&#252;hlen-Dialektik, welche die geschichtliche M&#246;glichkeit zur Abschaffung der proletarischen Arbeit erzeugt. Sie macht diese Arbeit anachronistisch, w&#228;hrend sie gleichzeitig stets aufs neue deren Notwendigkeit best&#228;tigt. Diese historische Dialektik schlie&#223;t Prozesse fortw&#228;hrender Transformation ebenso ein wie eine fortw&#228;hrende Reproduktion der grundlegenden Bedingungen des Ganzen.<br />
Jedoch in dem Ma&#223;e, in dem sich das Kapital entwickelt, ger&#228;t diese Notwendigkeit, die von den Formen dieser Dialektik aufgen&#246;tigt wird, zunehmend zu einer Notwendigkeit f&#252;r das Kapital allein; es wird immer weniger eine Notwendigkeit f&#252;r das menschliche Leben selbst. Mit anderen Worten, Kapital und menschliches Leben treten historisch auseinander. Ich glaube nicht, dass diese historische Dimension bei Lukács gegeben ist. Der Grund, warum ich dies als Antwort auf Ihre Frage erw&#228;hne, ist der: Es scheint mir, dass die auf den Kategorien von Ware und Kapital beruhende Analyse des Kapitalismus sich genau in Hinsicht auf die dynamische Entwicklung der heutigen Gesellschaft als &#228;u&#223;erst erkl&#228;rungskr&#228;ftig erweist.<br />
Diese analytische Dimension ist es, welche meiner Meinung nach die Theorie &#252;ber die blo&#223;e Metaphorik hinausf&#252;hrt. Wenn man sich nicht selbst mit dem Thema der historischen Dynamik des Kapitals befasst – welche in letzter Instanz den wechselnden Gestalten von Staat und b&#252;rgerlicher Gesellschaft zugrunde liegt – dann verfehlt man das, was ich als zentral in Marx’ Analyse betrachte, und man ist dann f&#252;r den Vorwurf verwundbar, lediglich einige interessante Homologien gezeigt zu haben.</p>
<p><em>Da genau liegt der Hund begraben. Da ist eine Sache in Ihrer Erkl&#228;rung, die mir ins Auge gesprungen ist. Sie sagten, dass Marx sich, wenn er das Wort „Kapital“ in seinem Werk Das Kapital verwendet, auf „die Bewegung der Warenform durch die Gesellschaft hindurch“ bezieht. Das scheint mir eine sehr weit gehende Behauptung zu sein, und sie passt sehr gut zu der Abstraktion, nach der Sie in Ihrer Argumentation streben: der Verallgemeinerung der Form. Darum lassen Sie mich schlicht fragen: W&#228;re es demnach aus Ihrer Sicht falsch, das Wort „Kapital“ eher in einem konventionellen Sinn zu verstehen als „akkumulierten Wert in Gestalt von Geld, das f&#252;r Investitionszwecke und nicht f&#252;r den Gebrauchsnutzen eingesetzt wird“?</em></p>
<p>Ja, denn das geht nicht weit genug. Nach meiner Auffassung reicht Marx’ Konzeption des Kapitals weiter. Obwohl man das Kapital als Geld betrachten kann, das in fortlaufender Weise investiert und re-investiert wird, erfasst das nicht in hinreichender Weise, was diese Kategorie in der Kritik der Politischen &#214;konomie leistet.<br />
Zum ersten ist es wichtig festzuhalten: Wenn Marx sich mit Geld und Akkumulation befasst, dann tut er das innerhalb des Bezugsrahmens der Werttheorie. Schlie&#223;lich erscheint das Kapital zuerst im Kapital als sich selbst verwertender Wert. Die Unterscheidung, die Marx im Kapital und in den Grundrissen zwischen Wert und stofflichem Reichtum macht – zwischen einer Form des Reichtums, die von der Verausgabung abstrakter Zeit bestimmt wird und einer, die auf der Beschaffenheit und der Menge der produzierten G&#252;ter beruht –, diese Unterscheidung wird vor allem wichtig f&#252;r die Erkl&#228;rung der spezifischen Tretm&#252;hlendynamik, die der Natur und dem Entwicklungsverlauf fortw&#228;hrenden „Wachstums“ im Kapitalismus zugrunde liegt, wo mehr und mehr produziert werden muss, um stetig schrumpfende Zuw&#228;chse von Mehrwert zu erzielen.<br />
Zum zweiten: die Kategorie des Kapitals wird von Marx im Verlauf seiner analytischen Darstellung dialektisch entwickelt. Kapital wird anf&#228;nglich bestimmt als sich selbst verwertender Wert. In zunehmendem Ma&#223;e jedoch wird die Dimension des Gebrauchswerts ein fester Bestandteil des Kapitals. Anders als es im ersten Kapitel des Kapitals den Anschein hat, existiert der Gebrauchswert nicht au&#223;erhalb der Formen; er ist kein ontologisches Substrat unterhalb der Formen. Erst sp&#228;ter im Text, wenn die Kategorie des Kapitals eingef&#252;hrt ist, bekommen Aspekte der Warenanalyse im ersten Kapitel r&#252;ckwirkend ihren Sinn. Das Konzept des Doppelcharakters der Ware als (Tausch-) Wert und Gebrauchswert wird deutlich herausgearbeitet als Teil einer kritischen Analyse, die weit &#252;ber eine romantische Zur&#252;ckweisung des Abstrakten (Wert) im Namen des Konkreten (Gebrauchswert) hinausgeht. Vielmehr geht es hier um die Analyse einer flie&#223;enden „Substanz“, ohne dass diese identisch w&#228;re mit den verschiedenen Erscheinungsformen, die sie im Verlauf ihres Flie&#223;ens annimmt. Das Kapital verwandelt sich selbstverst&#228;ndlich permanent von Geld in Waren, von Waren in Geld und wieder von Geld in Waren und von Waren in Geld. Es flie&#223;t durch alle hindurch, ohne mit ihnen identisch zu sein.<br />
Das Kapital ist hier eine Form von flie&#223;ender Vermittlung. Es ist gesellschaftlich konstituiert, aber was diese Analyse impliziert, ist ein ganz anderes Verst&#228;ndnis von sozialer Konstruktion, als die weitverbreitete Vorstellung eines platten sozialen Konstruktivismus, der auf simple Weise einen Gegensatz aufstellt zwischen dem, was konstruiert ist, und dem, was vermeintlich „nat&#252;rlich“ oder „ontologisch“ ist – eine Position, deren Kritik abstrakt und unbestimmt bleibt.<br />
Das Kapital stellt eine eigent&#252;mliche Form gesellschaftlicher Vermittlung dar, eine Art verborgene und dynamische soziale Konstruktion, deren Wirksamkeit nicht davon abh&#228;ngt, ob die Menschen an sie glauben (und die daher „quasi-objektiv“ ist). Diese Form der gesellschaftlichen Vermittlung konstituiert gesellschaftlich und historisch das, was das Objekt metaphysischer Spekulation ist.<br />
Dass das Kapital die Dimensionen sowohl des Werts als auch des Gebrauchswerts hat, erzeugt seine historisch einzigartige Dynamik, eine Dynamik, die auf eine Zukunft jenseits ihrer selbst verweist, gleichzeitig aber die Verwirklichung dieser Zukunft behindert. Das zeigt, dass Geschichte, Geschichte im Sinn einer immanent erzeugten, fortlaufenden Dynamik, selber historisch spezifisch ist. Es zeigt auch, dass kritisches Bewusstsein begriffen werden muss als ein Bewusstsein, das innerhalb des vom Kapital strukturierten Kontextes erzeugt wird und nicht durch den R&#252;ckgriff auf irgendeine vermeintlich „au&#223;erhalb“ liegende oder ontologische Dimension. Diese Position stimmt v&#246;llig &#252;berein mit Marx’ Darstellungsweise als einer immanenten Kritik. Sie erlaubt der Kapitalismuskritik, die Fallstricke von Theorien zu umgehen, die sich selbst als abgesondert von dem betrachten, was sie analysieren.</p>
<p><em>Ihre Arbeit ist ideenreich und komplex. Einer ihrer Aspekte ist zweifellos Ihre Feststellung, dass der traditionelle Marxismus in seiner Marx-Deutung allzu sehr auf Klassenkampf und Ausbeutung fixiert war. Ihr Hauptinteresse gilt eher dem sp&#228;ten Marx des Kapitals, wo er, wie Sie sagen, in Wahrheit versucht, etwas sehr Unterschiedliches zu beschreiben: eine alles bestimmende Logik, die einen jeden einschlie&#223;t und, zugespitzt gesagt, niemanden aus der Kontrolle entl&#228;sst. Sie formulieren das sehr lapidar, wenn Sie schreiben: „F&#252;r Marx ist das historische Subjekt die entfremdete Struktur der gesellschaftlichen Vermittlung, die f&#252;r die kapitalistische Formation konstitutiv ist.“ Was ist demnach Ihr Begriff des Handelns </em>(Anm. d. &#220;bers. : im Original agency, siehe dazu die Anmerkung am Schluss!)<em>? Und was die Sache mit der Ausbeutung betrifft – leitet sich in Ihrem Buch der Wert von der Arbeit ab oder nicht?</em></p>
<p>Das sind so nette kleine Probleme, die Sie stellen! Mal sehen, ob ich daran irgendwie herumt&#252;fteln kann. Wenn ich von einer beherrschenden Logik der Formen gesellschaftlicher Vermittlung im Herzen des Kapitalismus spreche, dann betrachte ich diese „Logik“ (ich m&#246;chte das Wort gern in Anf&#252;hrungszeichen setzen) als die Herausarbeitung dessen, was der junge Marx mit dem Begriff der Entfremdung zu erfassen versucht hat, was bedeutet, dass Menschen Strukturen schaffen und dann von diesen beherrscht werden. Diese dem Kapitalismus zugrunde liegende Herrschaftsform ist, gem&#228;&#223; dieser Analyse, reflexiv. Herrschaft im Kapitalismus wurzelt somit letztlich nicht in Institutionen des Eigentums und/oder des Staates, so wichtig diese auch sein m&#246;gen. Sie wurzelt vielmehr in quasi-objektiven Zwangsstrukturen, welche durch bestimmte Handlungsweisen erzeugt werden, die sich ihrerseits in den Kategorien von Ware und Kapital niederschlagen. Diese Form der Herrschaft findet ihren deutlichsten Ausdruck in der Dynamik des Kapitals, einer Dynamik, welche die Eigenschaften einer historischen Logik besitzt. Wenn wir darum von Geschichte im Kapitalismus sprechen, so sprechen wir in Wirklichkeit &#252;ber einen erheblich anderen Prozess, als wenn wir &#252;ber geschichtliche Entwicklungen in der antiken mediterranen Welt, im alten S&#252;dasien, in China oder sonstwo reden.<br />
In wachsendem Ma&#223;e ist diese Logik dichter und globaler geworden. Nat&#252;rlich ist sie sehr, sehr verschieden von jeglicher Vorstellung eines historischen Fortschritts (auch wenn sie die Grundlage f&#252;r die Idee eines historischen Fortschritts liefert), denn in dem Ma&#223;e wie diese Dynamik herrscht, wird das Handeln (im Orig.: agency) begrenzt und eingezw&#228;ngt. Je gr&#246;&#223;er die menschlichen Handlungsspielr&#228;ume (human agency) sind, desto weniger kann man von einer historischen Logik sprechen. Mir scheint, Marx analysiert den Kapitalismus als eine Gesellschaft, in der individuelles Handeln (individual agency) ein gro&#223;es Gewicht hat, die aber zugleich einem starken historisch-strukturellen Zwang unterliegt. Die Dynamik des Kapitalismus er&#246;ffnet jedoch historische Handlungsm&#246;glichkeiten (historical agency), auch wenn sie deren Verwirklichung einschr&#228;nkt. Ich denke, das zu begreifen, kann einem helfen, einige unvorhergesehene Konsequenzen politischen Handelns zu vermeiden. Die Konsequenzen politischen Handelns sind nicht v&#246;llig beliebig und, wenn man die Zw&#228;nge des Kapitals nicht begriffen hat, scheitern viele politische Vorhaben auf unerwartete Weise oder werden zu einem Teil dessen, was sie selbst zu &#252;berwinden trachteten.</p>
<p><em>Ein eher triviales Beispiel eines Handelns </em>(agency)<em> in Bezug auf den Kapitalismus w&#228;ren jene charismatischen und entschlossenen F&#252;hrer von milit&#228;rischen Parteien oder Volksbewegungen, die, einmal an die Macht gelangt, sich entschlossen, ihre National&#246;konomien partiell vom Weltmarkt abzugrenzen. Mossadegh und Nasser, in eingeschr&#228;nkter Weise auch Lumumba und Jyoti Basu, und als j&#252;ngere Beispiele Chavez, Mugabe und Evo Morales. M&#252;sste man nicht sagen, dass in dieser einfachen, direkten Weise, durch Willenskraft und g&#252;nstige gesellschaftliche Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse, die herrschende Logik des Kapitals &#252;berwunden werden k&#246;nnte?</em></p>
<p>Aus der R&#252;ckschau betrachtet w&#252;rde ich diese Dinge ein wenig anders sehen, insofern als das Ineinssetzen staatlichen Agierens mit Handlungsfreiheit (agency) und des Marktes mit Zwang nunmehr fragw&#252;rdig erscheint. Wenn wir die Entwicklung der letzten hundert Jahre betrachten, sehen wir, allgemein gesprochen, ein Auf und Ab von staatlich gelenkten wirtschaftlichen Aktivit&#228;ten unterschiedlichster Formen, die vom Keynsianismus im Westen bis zur Sowjetunion reichten. Diese Formen waren in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg vorherrschend und schienen sich in die Zukunft hinein fortzusetzen, gerieten aber in den 1970ern an ihre Grenzen. Das zeigt, dass der Grad an Handlungsfreiheit (agency), den sie darstellten, doch st&#228;rker eingegrenzt war, als es damals der Fall zu sein schien.<br />
Es gab damals viele widerstreitende Erkl&#228;rungen zur allgemeinen Krise der fr&#252;hen 70er Jahre. Statt eine umfassende Erkl&#228;rung zu versuchen, w&#252;rde ich sagen: Was die Sowjetunion als Sozialismus bezeichnete (und lassen wir einmal dessen negative Seiten, die wir nur zu gut kennen, beiseite), erscheint im R&#252;ckblick in Wirklichkeit als ein Mittel – und wahrscheinlich war es damals das einzig m&#246;gliche – nationales Kapital zu erzeugen, das hei&#223;t eine nationale &#214;konomie hervorzubringen. Eine nationale &#214;konomie zu schaffen bedeutete auch, zumindest auf dem Papier, dass man Ressourcen auf andere Weise zu verteilen vermochte, als wenn dies von au&#223;en her geschehen w&#228;re. Es war eine Strategie, um der ungleichen Entwicklung entgegenzutreten und eine staatliche Souver&#228;nit&#228;t zu etablieren. Das jedoch brachte ganz sicher nicht die &#220;berwindung des Kapitalismus mit sich.</p>
<p><em>Ich verstehe – Handelnde </em>(agent)<em> war also in Wirklichkeit die Strukturlogik, und nicht die Menschen.</em></p>
<p>Ich bef&#252;rchte, so war es. Ich glaube auch nicht, dass es ein Zufall war, dass, nachdem das staatszentrierte Konzept in den 70er Jahren in die Krise geriet, die in China zur Macht gelangte F&#252;hrung der Kommunistischen Partei zu erkennen schien, dass eine fr&#252;here Epoche zu Ende ging, w&#228;hrend die F&#252;hrung in der Sowjetunion das nicht wahrnahm. Der chinesische Weg war also nicht einfach das Ergebnis von Dengs Handeln; sondern die Hinwendung zum Markt, insbesondere zum Kapitalmarkt, war eine Antwort auf die Begrenzungen staatlichen Handelns. Die fr&#252;her sehr erfolgreiche Art der staatsdirigistischen Entwicklung war nun nicht mehr effizient. Diese allgemeine Betrachtung stellt die Identifikation staatlichen Handelns mit Handlungsfreiheit (agency) infrage.<br />
Auf der anderen Seite schienen marktorientierte Ans&#228;tze, die w&#228;hrend der vorherigen Epoche der etatistischen Entwicklung nicht gut funktionierten, nun erfolgreich zu sein. (Ich spreche, nat&#252;rlich, in den Termini der Kapitalverwertung.) Sie k&#246;nnten in zwanzig Jahren vielleicht nicht mehr funktionieren. Offensichtlich ist S&#252;dafrika heute anders, als es geworden w&#228;re, wenn der Kampf gegen die Apartheid eine Generation fr&#252;her erfolgreich gewesen w&#228;re; dann h&#228;tte es wahrscheinlich eher den klassischen Weg einer staatszentrierten Entwicklung (&#8220;developmental state&#8221;) eingeschlagen. Gerade das scheint f&#252;r das Land heute aber keine sinnvolle Option mehr zu sein. Wir sollten die Tendenz vermeiden, eine historische Erscheinungsform des Kapitalismus auszuw&#228;hlen und sie dann festzuschreiben. Die meisten Debatten &#252;ber Planung und Markt sind statisch; sie l&#246;sen die Kategorien aus ihrem Kontext heraus und vedinglichen sie.</p>
<p><em>Was w&#228;re das entscheidende Charakteristikum einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft?</em></p>
<p>Ich denke, es gibt mehrere Kennzeichen. Sicherlich zeigt sich auf der Grundlage eines zur&#252;ckschauenden Wissens, dass die Abschaffung des Privateigentums und des Marktes keine hinreichenden Bedingungen f&#252;r die Abschaffung des Kapitalismus sind. Wenn man zu Marx’ Unterscheidung zwischen Wert und stofflichem Reichtum zur&#252;ckkehrt, scheint es, dass eine grundlegende Bedingung f&#252;r die Abschaffung des Kapitalismus die Abschaffung des Werts ist. Das produktive Potenzial, wie es im Kapitalismus entwickelt worden ist, vorausgesetzt, w&#228;re es ein positives Resultat, dass der Reichtum der Gesellschaft nicht weiter abhinge von einer Masse von Menschen, die eine Arbeit verrichten, die wir als leer, zerst&#252;ckelt, unterdr&#252;ckend und ausbeuterisch ansehen. Im Sozialismus w&#252;rde ein gro&#223;er Teils dieser Arbeit abgeschafft, ohne dadurch einen enormen &#8220;Bev&#246;lkerungs&#252;berschuss&#8221; hervorzubringen, die heute eines der Probleme in vielen Teilen der Welt ist. Auf der anderen Seite w&#228;ren politische und &#246;konomische Entscheidungen weit weniger eingeengt von den quasi-objektiven Zw&#228;ngen des Werts und des Kapitals, sodass verschiedene Projekte, etwa solche, wie sie von der franz&#246;sischen Regierung in den fr&#252;hen 1980ern unternommen wurden, eine bessere Erfolgschance h&#228;tten. Obwohl ich mir nicht sicher bin, was die Grundbedingungen f&#252;r einen solchen Wechsel w&#228;ren, meine ich doch, dass es &#252;beraus wichtig ist, auf beide Dimensionen den Nachdruck zu legen: zum einen auf die Arbeitsbedingungen der meisten Menschen, zum andern auf die Zw&#228;nge, denen politische Entscheidungen unterliegen.</p>
<p><em>Selbst das gr&#252;ndlichste Verst&#228;ndnis der Marxschen Kritik des Kapitals f&#252;hrt letztlich nicht zu einer genauen Vorstellung von einem k&#252;nftigen Sozialismus. Mit anderen Worten, um den Kapitalismus zu verstehen, ist es nicht n&#246;tig, sich den Post-Kapitalismus auszumalen. Zugleich ist es schwierig, beides voneinander zu trennen. Gewisse Teile der Linken streben nichts weniger an als eine Welt ohne Gesetze, Regierungen oder Staatsorgane. Die Abschaffung entfremdeter Arbeit ist f&#252;r sie zu k&#252;mmerlich, um sich daf&#252;r zu begeistern. Was immer der real existierende Sozialismus tats&#228;chlich geleistet hat, diese Sorte der Linken verwirft das gesamte Projekt. Aber w&#228;re eine zumindest partielle Eind&#228;mmung des Marktes durch eine Regierungsinstanz nicht deutlich besser als das, was wir jetzt haben?</em></p>
<p>Oh, absolut! Wenn ich &#252;ber meine Vorstellungen von Sozialismus rede und dabei feststelle, dass diese sich von den traditionellen marxistischen Vorstellungen stark unterscheiden, dann bedeutet das nicht, dass ich ein Phantast bin. Ich denke ganz entschieden, dass eine solche Analyse dabei helfen kann, Reformen in die Wege zu leiten. Ich stimme mit Ihnen v&#246;llig darin &#252;berein, dass wir sogar von einer vorrevolution&#228;ren Situation sehr weit entfernt sind. Der einzige Weg zu einer solchen Situation w&#252;rde &#252;ber eine praktische Ebene f&#252;hren, d.h. &#252;ber eine Reihe von Reformen, von denen einige dringender als andere w&#228;ren. Das Thema der &#8220;Bev&#246;lkerungs&#252;berschuss&#8221; – in dem Sinne, dass eine gro&#223;e Zahl von Menschen infolge der kapitalistischen Entwicklung „&#252;berfl&#252;ssig“ geworden ist – ist ein ungeheuer dr&#228;ngendes Problem, ebenso wie es die Probleme der Umwelt sind. Ich bin da ein wenig pessimistisch, denn w&#228;hrend gleichzeitig eine Art globaler Reformismus immer notwendiger wird, geraten wir in eine Situation, die auf die Wiedererstehung eines gro&#223;en Machtkonflikts hinweist.<br />
Ich glaube nicht, dass Amerikas milit&#228;rische Abenteuer am Persischen Golf aus einer langfristigen Einsch&#228;tzung zuk&#252;nftiger gro&#223;er Machtkonflikte herausgel&#246;st werden k&#246;nnen. Obwohl die amerikanischen &#214;lgesellschaften davon m&#228;chtig profitiert haben d&#252;rften, so glaube ich doch nicht, dass die USA nur deshalb einmarschiert sind, um diesen Konzernen einen Gefallen zu tun. Nat&#252;rlich spielt &#214;l eine extrem wichtige Rolle, aber das ist zum Teil der Fall wegen der m&#246;glichen zuk&#252;nftigen Machtkonflikte.<br />
Die Dialektik eines gro&#223;en Machtkonflikts und der Globalisierung lenkt meinen Blick zur&#252;ck auf die beiden Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg, als wir eine &#228;hnliche Dialektik vorfanden. Aber lassen wir das einmal f&#252;r einen Moment beiseite, ich glaube n&#228;mlich, dass eine Vielzahl von Initiativen unternommen worden sind, die uns st&#228;rker in eine globale Perspektive r&#252;cken. Einer der Gr&#252;nde, weshalb mich die Anti-Sweat-Shop-Bewegung in den 1990er Jahren an den Unis so begeisterte, war, dass sie die Dritte-Welt-Regierungen nicht l&#228;nger mit einer gleichsam magischen progressiven Souver&#228;nit&#228;t aufluden, sondern sich stattdessen anschauten, was an der Basis geschah, egal ob die Fabriken in Indonesien oder in Vietnam standen.</p>
<p><em>Lassen Sie uns zum Thema „Arbeit“ zur&#252;ckkommen! Wenn ich das einmal so formulieren darf, stellen Sie mit Nachdruck heraus, dass Marx eher ein Theoretiker der gesellschaftlichen Formen ist als ein Prophet der Revolution. Eines Ihrer Argumente ist, dass im Kapitalismus der &#246;konomische Wert nicht reduzierbar ist auf Blut und Muskeln, die zur Herstellung materieller Objekte zum Zweck des Austauschs verausgabt werden. Der Wert, und so auch die ihn produzierende Arbeit, wird im Kapitalismus abstrahiert, und er zirkuliert in dieser h&#246;chst vermittelten Weise, fern von seinem Ursprung in der menschlichen k&#246;rperlichen Anstrengung. Wie Sie zeigen, rep&#228;sentiert diese Eigenschaft des Kapitalismus in gewisser Weise das, was Max Weber als „Rationalisierung“ bezeichnet hat – das bedeutet die quantitative Rationalisierung der modernen Institutionen sowie das, auf was Lukács mit seiner Vorstellung der Verdinglichung der menschlichen Beziehungen hingewiesen hat. W&#246;rter wie „Abstraktion“ und „Rationalisierung“ sind Ausdr&#252;cke, die in die Richtung von Denken, Management, Planung, Projekt, Theorie zielen. Meine Frage lautet: Beschreiben Sie einen Prozess der Bewegung von der k&#246;rperlichen zur geistigen Arbeit, oder ist das zu weit gegriffen?</em></p>
<p>Ich glaube, ja und nein. Was mir beim Nachdenken &#252;ber die Werttheorie im Kapital ins Auge fiel, ist, dass Marx auf der einen Seite versucht zu zeigen, dass mit der Entwicklung des Kapitals sich ein produktiver Apparat ausbildet, der nicht l&#228;nger einfach nur die Arbeitskraft ausdr&#252;ckt &#8211; es geht weit dar&#252;ber hinaus. Auf der anderen Seite bleibt f&#252;r Marx der Wert an die von den Arbeitern verausgabte Arbeitszeit gebunden. Dass die Schere zwischen diesen beiden Momenten immer weiter aufgeht, ist konstitutiv f&#252;r die Produktionsweise im Kapitalismus. Er begr&#252;ndet auch den fundamentalen Widerspruch der Gesellschaftsform. Diese Position unterscheidet sich von der von Theoretikern wie Daniel Bell und J&#252;rgen Habermas, die behaupten, dass die Arbeitstheorie des Werts zwar in der Vergangenheit g&#252;ltig gewesen sei, der Wert heute jedoch auf Wissenschaft und Technik beruhe. Diese Position unterscheidet sich ebenso von der Auffassung von Vertretern des orthodoxen Marxismus, die alles und jedes, einschlie&#223;lich der Rechenleistung eines Supercomputers inklusive dessen technischer Entwicklungszeit, auf die darin eingegangene Arbeitszeit zu reduzieren trachten.<br />
Diese beiden diametral entgegengesetzten Positionen teilen ein gemeinsames Verst&#228;ndnis vom Wert. In keinem Fall wird der Wert als eine spezifische Form des Reichtums verstanden. Marx hingegen entwirft ein Konzept, das ich viel interessanter finde, und das ist: Obwohl das Kapital diese enormen produktiven Kapazit&#228;ten entwickelt und damit, wenn Sie so wollen, die geistige Arbeit immer mehr in den Mittelpunkt r&#252;ckt, bleibt es strukturell an die unmittelbare Arbeit im Produktionsprozess gebunden. Das ist der Hauptwiderspruch des Kapitals. Ich denke, das ist es, was Marx mit seiner Werttheorie zu analysieren sucht. Das ist sehr verschieden von den Absichten eines Ricardo und Smith.</p>
<p><em>Also, trotz der Distanz, der Abstraktion usw., die Vermittlung …</em></p>
<p>… basiert weiterhin auf der Arbeitszeit.</p>
<p><em>Und damit meinen Sie die k&#246;rperliche Arbeit bei der Erzeugung von Dingen.</em></p>
<p>Ja, zeitlich gemessen.</p>
<p><em>Nun, in der Perspektive Ihrer Argumentation &#8211; wie stehen Sie zu den weitausholenden Vorhersagen, wie sie mindestens seit zwei, drei Jahrzehnten gemacht werden, wonach wir in eine postindustrielle &#196;ra eingetreten sind?</em></p>
<p>Nun ja, ich habe da in der Tat vor einer ganzen Weile etwas &#252;ber Daniel Bell geschrieben und ihn mit Ernest Mandel, der &#252;ber den Sp&#228;tkapitalismus geschrieben hat, verglichen.</p>
<p><em>Die beiden k&#246;nnten politisch nicht verschiedener sein.</em></p>
<p>Ja, aber Bell war einmal Assistent der Frankfurter Schule in Morningside Heights, nachdem diese nach New York gekommen war. Ich glaube, er hat sich eine Menge von ihr „angeeignet“ und dies dann in seiner eigenen unnachahmlichen Weise transformiert.</p>
<p><em>Ja, so wie er Marcuses Eindimensionalen Menschen f&#252;r sich „adaptierte“, als er Die kulturellen Widerspr&#252;che des Kapitalismus schrieb, wo er Punkt f&#252;r Punkt und ohne Quellenangaben Marcuses Gedankengang folgt, nur um dessen Konzept zu untergraben, w&#228;hrend er dabei die Moderne pries, die Marcuse, wie bekannt, verwarf.</em></p>
<p>Nun, er ist sicherlich vertraut mit den allgemeinen Fragestellungen der Frankfurter Schule. Wie dem auch sei, Daniel Bell postuliert, dass das Einzige, was uns am Erreichen einer postindustriellen Gesellschaft hindern k&#246;nne, eine Bewusstseinsstruktur sei, die er „&#246;konomistisch“ nennt, im Gegensatz zu einem „soziologistischen“ Denken. Vielleicht war in den sp&#228;ten 1960er und fr&#252;hen 1970er Jahren so eine Haltung noch plausibel. Aber ich glaube nicht, dass die Theorie der postindustriellen Gesellschaft, die im tiefsten Innern eine lineare Theorie ist, die Natur der Ver&#228;nderungen seit den sp&#228;ten 1960er Jahren erkl&#228;ren kann. Sie vermag nicht zu erkl&#228;ren, wie das, was eine historische Bewegung zu sein schien, die &#252;ber den &#214;konomismus hinausf&#252;hrt und befriedigende Arbeit sowie vermehrte Freizeit zur Folge hat, gestoppt und wieder umgekehrt werden konnte. Was nach meiner Auffassung die Theorie der postindustriellen Gesellschaft leistet, ist, dass sie uns daran gemahnt, welch ein gewaltiges Potenzial unter dem Kapitalismus geschaffen wurde, ein Potenzial, das tats&#228;chlich das Leben vieler Menschen verbessern k&#246;nnte, und dieses Bessere ist gerade nicht in den Kategorien des Konsums zu verstehen. Wenn man jedoch von den Zw&#228;ngen des Kapitals abstrahiert, dann f&#252;hrt die Theorie der postindustriellen Gesellschaft zu linearen Modellen, deren Versagen sie nicht zu erkl&#228;ren vermag.</p>
<p><em>Sie meinen also, dass, so gesehen, der „postindustrielle Kapitalismus“ sich viel eher auf etwas Reales bezieht als auf eine Metropolen-Illusion, die auf nichts weiteres zielt als auf die Auslagerung der Basisproduktion in die Dritte Welt?</em></p>
<p>Ja. Einer wie André Gorz hat schon vor Jahren gezeigt, dass die Masse proletarischer Arbeit, die durch die technische Rationalisierung verdr&#228;ngt wurde, gr&#246;&#223;er ist als diejenige, die exportiert wurde. Es ist falsch zu glauben, dass proletarische Arbeit ein fixer Betrag sei, der einfach exportiert wird, zun&#228;chst nach Mexiko, dann nach China, dann nach Vietnam. Nat&#252;rlich findet die Verlagerung von Arbeitspl&#228;tzen ebenfalls statt, beides geschieht. Ich versuche, das Problem zu erfassen, indem ich – zugegeben auf einer sehr abstrakten Ebene – beschreibe, wie das Kapital &#252;ber die proletarische Arbeit hinausweist, w&#228;hrend es sie best&#228;ndig neu konstituiert.</p>
<p><em>Einverstanden. Auf der andern Seite jedoch erscheint mir die Auffassung, dass die auf kruder k&#246;rperlicher Arbeit beruhende Basisproduktion nicht mehr die Grundlage des internationalen Reichtums sei, extrem und einseitig zu sein, insbesondere wenn man sich das Schauspiel der im Stil des 19. Jahrhunderts erfolgenden urspr&#252;nglichen Kapitalakkumulation im heutigen China anschaut oder die Kapitalisierung der zuvor nicht-kapitalisierten Industrien in Indien, um nur zwei Beispiele zu nennen. Warum sollten wir nicht den Verdacht hegen, dass die Vorstellung der „postindustriellen Gesellschaft“ nicht doch aus der Perspektive der in den Metropolen-L&#228;ndern lebenden Intellektuellen abgeleitet ist, L&#228;ndern, die aufgrund der Auslagerung von Arbeit, des Aufkommens der Dienstleistungsindustrie sowie der totalen Finanzialisierung der &#214;konomie schlichtweg abgetrennt sind von dem industriellen Motor hinter all dem Ganzen? Ist das nicht, mit anderen Worten, ein Ausdruck des Eigeninteresses?</em></p>
<p>Ich wei&#223; nicht, ob es immer eine Frage des Eigeninteresses ist. Es k&#246;nnte eine halbe Einbildung sein. Ich stimme Ihnen zu, dass es sich um eine sehr selektive Wahrnehmung handelt, aber ich glaube nicht, dass es eine pure Illusion ist. Wenn man sagt, dass die krude k&#246;rperliche Kraft immer die Grundlage des internationalen Reichtums sein werde, lenkt man die Aufmerksamkeit auf die herrschende brutale Ausbeutung. Allerdings, wenn man das tut, dann klammert man die historische Dimension des Kapitalismus aus und damit auch jegliche &#220;berlegung &#252;ber die Bedingungen, unter denen Sozialismus m&#246;glich sein k&#246;nnte. Man ersetzt dadurch r&#228;umliche &#220;berlegungen durch zeitliche. Nebenbei bemerkt, im Falle Chinas handelt es sich gerade nicht um eine Wiederholung von urspr&#252;nglicher Akkumulation im Stil des 19. Jahrhunderts. Wenn &#252;berhaupt, dann war es eher ein Fall „kommunistischer Akkumulation“. Nach meinem Verst&#228;ndnis stellt es sich so dar, dass die zentrale Bedeutung der Arbeitskraft in China in Marxschen Wertkategorien erkl&#228;rt werden kann (eher als in solchen der Entwicklungstheorie). Ich habe einmal gelesen, dass nach China exportierte deutsche Fabriken dort neu konzipiert wurden, dergestalt dass an den Flie&#223;b&#228;ndern die Roboter entfernt und an ihre Stelle Menschen eingesetzt wurden, weil diese erheblich billiger waren. Das bedeutet, den Schwerpunkt im Verh&#228;ltnis von absolutem und relativem Mehrwert in Richtung des ersteren zu verschieben. In gewisser Weise entspricht das dem, was die Amerikaner ein Kosteneinsparungsprogramm nennen (obwohl diese Formulierung die eben von mir getroffene Unterscheidung verwischt).</p>
<p><em>Es ist somit eine Art Umkehrung des im Kapital beschriebenen Prozesses.</em></p>
<p>In gewissem Sinne ja. Aber Marx beschreibt auch, wie das Kapital alte Formen in einem neuen Kontext wiederbelebt. Es gibt nichts Lineares in der Entwicklung des Kapitals.</p>
<p><em>Ein Teil der Kritik, die Sie an dem &#252;ben, was Sie den „traditionellen Marxismus“ nennen, besteht darin, dass dessen Vorstellung von der Arbeit „transhistorisch“ sei. Sie argumentieren, dass er nicht imstande sei, die qualitative Transformation der Arbeit im Kapitalismus zu erkl&#228;ren, eine Transformation, die nichts weniger bedeutet als die „Herrschaft der Zeit &#252;ber die Menschen“. Aber ist es nicht so, dass alle politische<br />
&#214;konomie vor der neoklassischen Revolution – und das schl&#246;sse Rousseau, Smith sowie die Marxschen Manuskripte von 1844 mit ein – uns eine anthropologische Interpretation der Arbeit pr&#228;sentieren? In diesem Blickwinkel bleibt die Arbeit, unabh&#228;ngig von den &#246;konomischen Verh&#228;ltnissen, in jeder Periode dieselbe. Stets gibt es die Notwendigkeit physischer Aktivit&#228;t zur Neugestaltung der Natur nach kulturellen Vorgaben, um ein soziales Mehrprodukt zu erzeugen. Kurzum, m&#252;ssen wir nicht unterscheiden zwischen „anthropologisch“ und „transhistorisch“? Die unvermeidliche Tatsache der menschlichen Arbeit als Konstante und Basis des menschlichen Lebens ist genau das, was den verschiedenen „Formen“ der Arbeit – inklusive jenen spezifischen, die im Kapitalismus aufkommen – erm&#246;glicht, ihren jeweiligen historischen Charakter zustande zu bringen.</em></p>
<p>Ich m&#246;chte der Unterscheidung zwischen dem „Transhistorischen“ und dem „Anthropologischen“ zustimmen, sie aber auch ein wenig modifizieren. Ich denke, es ist unzweifelhaft, dass irgendeine Art der Interaktion zwischen Mensch und Natur die Voraussetzung des menschlichen Lebens ist. Jedoch glaube ich, dass man sich heute fragen kann, ob dies notwendigerweise die k&#246;rperliche Arbeit vieler Menschen sein muss. Es gibt da eine Textstelle – ich glaube in der Einf&#252;hrung zu einem Beitrag zur Kritik der Politischen &#214;konomie – wo Marx die Geschichte bis jetzt, einschlie&#223;lich des Kapitalismus, als „pr&#228;historisch“ klassifiziert. Meine Lesart dieser Stelle ist die, dass es mit Beginn der sog. Neolithischen Revolution eine enorme Ausweitung der menschlichen produktiven F&#228;higkeiten gegeben hat. Diese Expansion geschah freilich immer auf Kosten der Vielen. Alle historischen Gesellschaftsformen beruhen auf der Existenz eines wachsenden Mehrprodukts, und dieses Mehrprodukt wurde stets von den Vielen geschaffen.</p>
<p><em>Sogar auch vor dem S&#252;ndenfall, wie er in der Genesis beschrieben ist? Das hei&#223;t, sogar vor der Entstehung von Ackerbaugemeinschaften und St&#228;dten?</em></p>
<p>Nein, ich sagte „nach der Neolithischen Revolution“. Das ist nach meinem Wissen nicht der Fall bei J&#228;gern und Sammlern. Allgemein bezieht man sich im streng historischen Sinn nur auf post-neolithische Gesellschaften. Deren Entwicklung mag f&#252;r die Menschheit als ganze ein riesiger Schritt gewesen sein, aber sicher hatte er f&#252;r einen gro&#223;enTeil der Menschen negative Folgen. Das Problem bei den historischen Gesellschaften ist nicht nur, dass eine Oberklasse diejenigen unterdr&#252;ckt, die den &#220;berschuss produzieren, und sie auf deren Kosten lebt, sondern dass das Wohl des Ganzen im Gegensatz zum Wohl der Einzelnen (oder zumindest der meisten Menschen) steht. Das Wachstum und die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkr&#228;fte m&#246;gen einer Oberklasse n&#252;tzen oder von dieser an sich gerissen werden; das wahre Problem aber ist, dass die M&#252;hsal der Vielen die Voraussetzung des Reichtums und der Kultur des Ganzen ist.<br />
Ich glaube, dass f&#252;r Marx der Kapitalismus die letzte Form der Vorgeschichte gewesen sein k&#246;nnte, weil dieser die Voraussetzungen f&#252;r eine fortw&#228;hrende &#220;berschussproduktion schafft, die nicht auf der Arbeit der Vielen beruht. Das verbindet sich mit dem, was Sie &#252;ber die Theorien sowohl der geistigen Arbeit als auch der post-industriellen Gesellschaft sagten. Das Problem dieser beiden miteinander zusammenh&#228;ngenden Ans&#228;tze ist, dass sie vom Kapitalismus abstrahieren. Ihre Betrachtungsweise ist schlicht auf den Aspekt der technischen Entwicklung beschr&#228;nkt, und deshalb verm&#246;gen sie nicht den diesen Aspekt &#252;berformenden Prozess zu begreifen.<br />
Die Erkl&#228;rungskraft von Marx’ Ansatz liegt hingegen darin, dass er sowohl die fortw&#228;hrende Unterdr&#252;ckung als auch ihre zunehmende Nicht-Notwendigkeit f&#252;r die Gesellschaft als ein Ganzes betrachtet. Er analysiert die reale Unterdr&#252;ckung der Menschen unter Bedingungen, wo diese nicht mehr notwendig ist. Das macht die Unterdr&#252;ckung umso schlimmer.</p>
<p><em>Das erkl&#228;rt vielleicht noch mehr, warum die sog. real existierenden Sozialismen nicht viel Unterst&#252;tzung finden. Man kann alle m&#246;glichen Unterscheidungsmerkmale zwischen diesen und dem Kapitalismus treffen, wenn man den Blick einzig auf die Marktbeziehungen lenkt, aber nicht mehr so viele, wenn man von der Arbeit der Vielen und deren Leiden spricht.</em></p>
<p>Richtig.</p>
<p><em>Wenn die Kritik nicht &#252;ber die Denkkategorien im Kapitalismus hinausgelangen kann, weil, wie wir gesagt haben, die herrschende Logik diese subsumiert, wenn die Kritik nicht &#252;ber entfremdete und verdinglichte Beziehungen zur Welt hinauszureichen vermag, au&#223;er dadurch, dass sie die Widerspr&#252;che innerhalb des Systems selbst aufdeckt, seine negative Realit&#228;t sozusagen, k&#246;nnen wir dann wenigstens kl&#228;ren, was f&#252;r Widerspr&#252;che das sind?</em></p>
<p>Lassen Sie mich einen Schritt zur&#252;ckgehen! Es h&#228;ngt davon ab, wie man die kapitalistisch geformten Denkkategorien versteht. Wenn der Kapitalismus nur als etwas Negatives gesehen wird &#8211; als ein unterdr&#252;ckerisches, ausbeuterisches System, das Qualit&#228;t in Quantit&#228;t verwandelt (was in der Tat, da stimme ich zu, einen wichtigen Aspekt des Kapitalismus beschreibt) &#8211; dann muss man notwendigerweise auf ein „Au&#223;en“ als Grundlage der Kritik rekurrieren. Nach meiner Auffassung jedoch muss der Kapitalismus als eine gesellschaftliche und kulturelle Ordnung verstanden werden, innerhalb derer wir leben, eine Ordnung, die in negativen Kategorien nicht hinreichend erfasst werden kann, sondern die gekennzeichnet sind durch eine komplexe Interaktion von positiven und negativen Momenten, welche s&#228;mtlich historisch konstituiert sind. Das hei&#223;t, der Begriff des Kapitalismus stellt eine strengere Form dar, die Moderne zu analysieren als eine gesellschaftlich/kulturelle Form des Lebens, die ein weites Spektrum von Ideen und Werten hervorgebracht hat (so z.B. der Idee der Gleichheit), die in verschiedener Hinsicht emanzipatorisch war.<br />
Ich halte es begrifflich nicht f&#252;r sinnvoll, Kritik als etwas zu denken, das au&#223;erhalb ihres sozialen und historischen Kontextes steht. Kritik jeglicher Art muss immanent begr&#252;ndet werden. Marx war sich dessen schon in der Deutschen Ideologie bewusst, als er den Idealismus der Junghegelianer kritisierte. Er schm&#228;ht sie nicht nur als verbohrte K&#246;pfe, sondern argumentiert, dass eine angemessene Theorie in der Lage sein sollte zu erkl&#228;ren, warum ihnen, den Jundhegelianern, ihr Idealismus einleuchtend erschien. Aus dem gleichen Grund sollte eine gute Theorie imstande sein, die Bedingungen ihrer eigenen M&#246;glichkeit zu erkl&#228;ren. Eine Theorie kann nicht auf der einen Seite verk&#252;nden, dass die Menschen sozial, historisch und kulturell geformt seien, und auf der anderen Seite implizit sich selbst als eine Ausnahme ihrer eigenen Grundannahmen betrachten.<br />
Sie haben Recht mit Ihrem Vorschlag, dass es die Vorstellung des Widerspruchs ist, die es einer solchen kritischen Theorie erm&#246;glicht, eine Art Durkheimschen Funktionalismus zu vermeiden. „Widerspruch“ ist nicht einfach ein objektivistischer Begriff in der Art wie etwa die maoistische Vorstellung vom Verh&#228;ltnis zwischen Erster und Dritter Welt oder die Idee eines finalen &#246;konomischen Zusammenbruchs. Vielmehr scheint er mir in einer Analyse der sich vertiefenden Kluft zwischen dem, was ist, und dem, was sein k&#246;nnte, angelegt zu sein<br />
Wie ich jedoch bereits gezeigt habe, wird diese Kluft nicht in angemessener Weise begriffen, als eine Kluft zwischen der industriellen Produktion auf der einen sowie dem Markt und dem Privateigentum auf der anderen Seite. Sie sollte viel eher begriffen werden als eine Kluft zwischen der gesellschaftlichen Arbeit, so wie sie gegenw&#228;rtig beschaffen ist, und der gesellschaftlichen Arbeit, wie sie beschaffen sein k&#246;nnte. Diese M&#246;glichkeit jedoch kann unter dem Kapitalismus niemals verwirklicht werden.<br />
Wir sprachen zuvor &#252;ber die Theorien der geistigen Arbeit und des Post-Modernismus als Theorien, die auf einer bestimmten Ebene eine m&#246;gliche Zukunft auf der Basis gegenw&#228;rtiger Entwicklungen entwerfen, Entwicklungen, die sie implizit als linear verstehen, wobei jedoch nicht begriffen wird, was der Verwirklichung dieser Zukunft eigentlich entgegensteht. Ich glaube, man kann auch einige soziale Bewegungen dahingehend untersuchen, dass sie einen bestimmten Sinn ausdr&#252;cken, n&#228;mlich den, dass das, was existiert, nicht notwendig so sein muss, wie es ist.<br />
Mit anderen Worten, der Begriff des Widerspruchs spielt nicht nur eine entscheidende Rolle bei der Selbstreflexion, sondern auch bei der kritischen Analyse entstehender sozialer Bewegungen, und er tr&#228;gt dazu bei, diese zu beurteilen. Meiner Meinung nach war z.B. die Idee der Nicht-Notwendigkeit der herrschenden Gegebenheiten au&#223;erordentlich wirksam bei den sog. Neuen Sozialen Bewegungen eine Generation zuvor. Ich bin auch der Auffassung, dass man den Fundamentalismus als eine genau entgegengesetzte Reaktion betrachten kann, und zwar im Sinne eines Niedergangs, nachdem die alte Weltordnung vor einer Generation ihre Grenzen erreicht hat.<br />
Das ist noch sehr grob ausgedr&#252;ckt, aber ich bin durchaus der Meinung, dass man anfangen sollte, den Blick auf ein oppositionelles Bewusstsein zu lenken, das auf der Grundlage eines Widerspruchs zwischen dem, was ist, und dem, was sein k&#246;nnte, sich bildet, und man sollte bestimmte Formen reaktion&#228;rer Gegenstr&#246;mungen als Ausdruck einer Bedrohung ansehen, als Reaktionen, die sich an dem festhalten, was ist (oder was sie daf&#252;r halten), und zwar auf ganz andere Weise, als wenn das Gegebene einfach als selbstverst&#228;ndlich hingenommen wird. Diesem Bewusstsein fehlt die verkl&#228;rende Bequemlichkeit, die wir Traditionalismus nennen k&#246;nnten.<br />
Zwar habe ich nicht ausf&#252;hrlich &#252;ber die verschiedenen Formen des religi&#246;sen Fundamentalismus geschrieben, die in den letzten Jahrzehnten aufgekommen sind und sich sehr stark entfaltet haben, z.B. in den USA, im Nahen Osten und Indien, aber ich habe &#252;ber eine reaktion&#228;re Entwicklung geschrieben, die nach meiner Ansicht Probleme f&#252;r die Linke aufwirft, n&#228;mlich &#252;ber den Antisemitismus. (Meine Arbeiten &#252;ber den Antisemitismus sind in Deutschland viel besser bekannt als in den USA.)<br />
Dieses Thema zu behandeln ist heute vor dem Hintergrund der Globalisierung und der Antiglobalisierungspolitik besonders wichtig. Dies ist zugegebenerma&#223;en eine schwierige Sache angesichts der Frage, in welchem Ma&#223; der Vorwurf des Antisemitismus von der israelischen Regierung und ihren Unterst&#252;tzern benutzt worden ist, um alle ernsthafte Kritik an der Politik Israels und deren Handeln pauschal zu diskreditieren. Auf der anderen Seite sollte jedoch die Kritik an Israel nicht dazu benutzt werden, um – und das w&#228;re weit weniger legitim – den tats&#228;chlichen aktuellen Antisemitismus zu verschleiern.<br />
Der Antisemitismus unterscheidet sich von anderen essenzialistischen Diskursformen wie z.B. dem Rassismus aufgrund seines scheinbar antihegemonialen, antiglobalen Charakters. Kern des Antisemitismus ist das Konstrukt von den Juden als den Drahtziehern einer m&#228;chtigen, geheimen, internationalen Verschw&#246;rung. Ich sehe darin eine fetischisierte Form des Antikapitalismus. Der Antisemitismus missdeutet die abstrakte Herrschaft des Kapitals – diese unterwirft die Menschen geheimnisvollen abstrakten M&#228;chten, die sie weder durchschauen und noch weniger kontrollieren k&#246;nnen – als die Herrschaft des „internationalen Judentums“. Das Problem, das dies f&#252;r die heutige Linke aufwirft, ist, wie ich es sehe, dass diese Ideologie, obwohl sie von Grund auf reaktion&#228;r ist, gleichzeitig als antihegemonial zu erscheinen vermag. Aus diesem Grund hat Bebel, einer der f&#252;hrenden K&#246;pfe der deutschen Sozialdemokratie, den Antisemitismus als den „Sozialismus der dummen Kerls“ bezeichnet. Heute k&#246;nnte man diese Charakterisierung erweitern: Der Antisemitismus ist der Anti-Imperialismus der dummen Kerls geworden. Er ist ein Aufbegehren gegen die vom Kapital geschaffene Geschichte, umgedeutet als j&#252;dische Verschw&#246;rung. Man kann dies als ein markantes Unterscheidungsmerkmal f&#252;r progressiven und reaktion&#228;ren Antikapitalismus nehmen.</p>
<p><em>Sie sagten, dass die Unzul&#228;nglichkeiten in Lukács’ Werk &#252;ber die Verdinglichung T&#252;ren f&#252;r Heidegger ge&#246;ffnet h&#228;tten. In dessen Werk Sein und Zeit, so sagten Sie, gehe Lukács gleich einem Gespenst um, und Heidegger mache gro&#223;e Anstrengungen, um einen Ausweg aus Lukács’ Problematik zu finden. Das hat mich neugierig gemacht. Von welchen T&#252;ren sprechen Sie?</em></p>
<p>Ich habe das noch nicht v&#246;llig durchgearbeitet, aber ich hatte mich dabei auf die ontologische Dimension in Lukács’ Denken bezogen. Es brauchte eine ganze Weile, bis ich die Wichtigkeit dieser Dimension in Lukács’ Ansatz erkannte. Ich las Lukács so, dass er Marxens Kategorien als Kategorien der Konstitution des Menschen ansah. Als ich mir den Text wieder vornahm und ihn mehrere Male las, kam ich zu dem Schluss, dass dies nicht notwendigerweise der Fall sei und dass in Wirklichkeit Lukács die Warenform nahezu vollst&#228;ndig in Kategorien ihrer wertspezifischen Dimension betrachtet und dass er dabei die Dimension des Gebrauchswerts zu ontologisieren scheint. Diese Anschauung, dass unter der gesellschaftlichen Ebene eine ontologische existiere, hat f&#252;r Heidegger, wie mir scheint, eine T&#252;r ge&#246;ffnet. Ich dachte damals, der Gegensatz zwischen Lukács und Heidegger sei der Gegensatz zwischen einer gesellschaftlich- und historisch-spezifischen Theorie und dem Versuch, sie vermittelst der Ontologie zu negieren. Heute bin ich zunehmend der Auffassung, dass Lukács’ Anschauung sowohl historisch-spezifische als auch ontologische Dimensionen enth&#228;lt und dass die ontolologische Dimension in Lukács’ Denken die T&#252;r f&#252;r Heidegger und seine reaktion&#228;re Ontologie ge&#246;ffnet hat.</p>
<p><em>Das ist interessant, denn man w&#252;rde nach der Lekt&#252;re von Lukács annehmen, dass er vor allem an Erkenntnistheorie interessiert war und dass Heideggers Wendung zur Ontologie ein Bem&#252;hen war, die dynamische Betonung des Subjekts gegen&#252;ber dem Objekt zu ver&#228;ndern, sie zu fixieren, festzumachen und stillzustellen, wie es ja tats&#228;chlich eine der Konsequenzen der Wendung zur Ontologie ist. Denn in Heideggers Denken erzeugt die Betrachtung des Seins ein R&#228;tsel, und das Telos seiner Untersuchung ist das R&#228;tsel selbst.</em></p>
<p>Ich stimme dem zu, und ganz sicher will ich nicht andeuten, dass Lukács und Heidegger im Grunde eins seien. Im R&#252;ckblick jedoch glaube ich, dass Lukács, weil er doch nicht so ausschlie&#223;lich gesellschaftlich und historisch orientiert war, wie ich ihn urspr&#252;nglich gelesen hatte, Heidegger gestattete, in seine, Lukács’, eigene Ontologie zu schl&#252;pfen.</p>
<p><em>Wenn Sie &#252;ber das ontologische Element bei Lukács reden, dann meinen Sie, dass seine Auffassung der Wertform des Kapitals ontologisch ist.</em></p>
<p>Nein, ich denke schon, dass f&#252;r ihn der Wert spezifisch historisch ist; aber er liegt sozusagen gleich einer Farbschicht &#252;ber dem Gebrauchswert. Der Gebrauchswert, so wie Lukács ihn versteht, ist ontologisch – oder jedenfalls erscheint es mir so.</p>
<p><em>Und das Wort ontologisch, wenn wir es einmal &#252;bersetzen wollen, hat es hier, wie Heideggerianer es nennen w&#252;rden, die Bedeutung von ontisch – einer rohen Existenz gleich einem Stein, ohne jede Beziehung?</em></p>
<p>Ich meine etwas anderes. Es scheint mir, als habe Lukács eine Vorstellung vom Gebrauchswert als einer qualitativen Dimension des Lebens, einer Dimension, die dem Leben inh&#228;rent ist, und dass die quantitative Dimension des Kapitalismus diese qualitative Dimension des Lebens verzerrt und verdunkelt habe &#8211; br&#228;chte man die abstrakten Formen des Kapitalismus zum Verschwinden, k&#246;nnte die qualitative Dimension des Lebens wiederhergestellt werden. Ich glaube jedoch, der Kapitalismus enth&#228;lt eine viel kompliziertere Dialektik von Qualit&#228;t und Quantit&#228;t. Sowohl Tauschwert und Gebrauchswert haben quantitative und qualitative Aspekte, und beide haben emanzipatorische und nicht-emanzipatorische Momente. Dar&#252;ber hinaus sind, wie ich zuvor erw&#228;hnte, im Kapitalismus beide ineinander verflochten – die Dynamik, die den Kapitalismus kennzeichnet, wurzelt in der Dialektik dieser Momente. Die Abschaffung des Kapitalismus f&#252;hrt zu einer Abschaffung des Werts – nicht jedoch auf der Basis einer zugrunde liegenden qualitativen Dimension, sondern auf der Grundlage einer M&#246;glichkeit, die historisch durch die Interaktion der beiden Dimensionen der gesellschaftlichen Formen des Kapitalismus erzeugt wird.</p>
<p><em>Sie sagen, dass die Kapital-Kategorien bei Lukács (Tauschwert, Mehrwert, Verdinglichung, Fetischismus etc.) eine Art Farbschicht bilden, wohingegen Ihr Argument ist, dass diese Kategorien selber eine Praxis darstellen. Im gegenw&#228;rtigen Augenblick klingt das wie die Behauptungen von Leuten wie Paolo Virno und Antonio Negri, die von der Revolution als einer Autopóiesis sprechen (im Orig.: autopoietic, dt. ein sich selbst erzeugender Prozess, Selbsterzeugung). Vielleicht liegt der Unterschied darin, dass Ihre Ma&#223;st&#228;be in Hinsicht einer wahrhaft postkapitalistischen Ordnung stringenter sind als die anderer, die n&#228;mlich glauben, dass die Revolution bereits stattgefunden habe: dass wahrer Internationalismus schon existiere und dass die Unterdr&#252;ckten von unten her ihren Willen den F&#252;hrenden schon aufgezwungen h&#228;tten.</em></p>
<p>Nun, das ist bequem.</p>
<p><em>Genau. Jedenfalls, wie w&#252;rden Sie Ihre vorhin dargelegte Auffassung von der Auffassung der Autopóiesis unterscheiden?</em></p>
<p>Es scheint mir, dass die neo-operaistische Auffassung sich in unerwarteter Weise mit der von Lukács &#252;berschneidet. In beiden F&#228;llen scheint die Praxis sich auf eine unmittelbarere gesellschaftliche Ebene zu beziehen als diejenige, die von den Kategorien erfasst wird. Diese Kategorien erfassen nicht wirklich die Formen des gesellschaftlichen Lebens selbst, sondern in erster Linie Erscheinungsformen eines von der Praxis gestalteten Lebens. Die Praxis scheint sich hier au&#223;erhalb der Kategorien zu befinden, wohingegen ich so argumentiere, dass die Kategorien selber die Formen der Praxis erfassen.<br />
Nun, in Hinsicht auf die Autopóiesis w&#252;rde ich so argumentieren: Das, was im Kapitalismus als autós bestimmt werden kann, ist das Kapital selber. In seiner dialektischen Entfaltung, in welcher Geschichte und Logik sich in einer historisch spezifischen Konfiguration verschlingen, erwirbt das Kapital Eigenschaften solcher Art, dass Marx von einem „automatischen Subjekt“ spricht. Nietzsche dr&#252;ckt das meiner Ansicht nach in fetischisierter Form in seiner Figur des Demiurgen (im Orig.: demiourgos) aus, als Erzeuger eines fortw&#228;hrenden Prozesses von Sch&#246;pfung und Zerst&#246;rung. Es ist das Kapital, diese besondere, sich selbst unaufh&#246;rlich fortzeugende und alles unterminierende Struktur, die meiner Ansicht nach zu Recht als autopoetisch bezeichnet werden kann.<br />
Was besagt das nun f&#252;r die Idee des menschlichen Handelns. Zum ersten entsteht Handeln nicht einfach aus dem Nichts heraus. Diese Vorstellung bleibt einem klassischen (b&#252;rgerlichen) Dualismus von Freiheit und Notwendigkeit verhaftet (heutzutage h&#228;ufiger gefasst als Dualismus von Handlung und Struktur). Der Begriff des Handelns ist tief eingebettet in der Struktur der kapitalistischen Gesellschaft, welche fr&#252;here, st&#228;rker eingebettete Formen zwischenmenschlicher Beziehungen samt den mit ihnen verbundenen Wertordnungen unterminiert hat. Die Ironie dabei ist, dass in dem Ma&#223;, in dem individuelles Handeln historisch entsteht, dies in einem Rahmen geschieht, der gleichzeitig historisches Handeln sehr stark einengt.<br />
Zum zweiten m&#252;ssen wir die Vorstellungen und Werte gesellschaftlicher Akteure als gesellschaftlich und historisch konstituiert betrachten. Eine gro&#223;e Anzahl subjektiver Formen ist mit verschiedenen Dimensionen und Momenten des Kapitalismus verbunden. Unter ihnen gibt es subjektive Formen, die &#252;ber den Kapitalismus hinausweisen. Diese Formen sind weder v&#246;llig kontingent, noch sind sie programmiert. Weder bewegt sich das Kapital gleichsam automatisch &#252;ber sich selbst hinaus, noch wird Subjektivit&#228;t, die &#252;ber das Kapital hinausweist, spontan erzeugt.<br />
Es verh&#228;lt sich vielmehr so, dass das Kapital die Bedingungen der M&#246;glichkeit einer Gesellschaft jenseits seiner selbst zu erzeugen vermag, aber die Dialektik des Kapitals ist keine transhistorische Dialektik der Geschichte. Das Kapital wird sich nicht selbst in etwas anderes verwandeln. Die Logik des Kapitals kann als autopoetisch angesehen werden, aber die Revolution ist genau das nicht. Die unaufh&#246;rliche, sich sogar beschleunigende und von den Futuristen so geliebte Bewegung ist die des Kapitals, aber Revolution bedeutet die Kontrolle dieser Bewegung. Sie beseitigt die Zw&#228;nge, welche das Kapital autopoetisch machen, und erm&#246;glicht eine Gesellschaft, die auf historischem Handeln (historical agency) gr&#252;ndet.<br />
Mit seiner Metapher von der Revolution als dem Ziehen der Notbremse in einem f&#252;hrungslos dahinrasenden Zug dr&#252;ckte Benjamin eine &#228;hnliche Vorstellung aus. Ich stimme dem Bild vom Kapitalismus als einem dahinrasenden Zug zu, obwohl ich meine, zur Revolution bed&#252;rfe es mehr als nur des Ziehens einer Notbremse.</p>
<p><em>K&#246;nnten wir das Gespr&#228;ch damit beschlie&#223;en, dass wir ein letztes Mal &#252;ber die geistige Arbeit sprechen? Ausgehend davon, wie wir das Thema des Handelns (agency) und der unpers&#246;nlichen und undurchdringlichen Kapitallogik behandelt haben – gibt es eine Chance, dass wir aus Ihnen eine Idee &#252;ber die Rolle und Funktion des Intellektuellen herauslocken k&#246;nnten? Was kann der Intellektuelle dazu beitragen, eine Bewegung vom Kapitalismus hin zu einem gerechteren System zu bewirken?</em></p>
<p>Lassen Sie mich das in einer etwas weiter ausholenden Weise ausf&#252;hren, denn der Ausdruck „geistige Arbeit“ ist geeignet, Dinge miteinander zu vermischen, die tats&#228;chlich voneinander verschieden sind.<br />
Ein gro&#223;er Teil der intellektuellen Arbeit wird zurzeit proletarisiert und ist nicht deshalb befriedigender als die fordistische Fabrikarbeit, nur weil die Menschen ihr Hirn anstelle ihres Bizeps benutzen. Ich glaube, dass die meisten mit geistiger Arbeit befassten Menschen in Wirklichkeit mit einer sehr einseitigen, eindimensionalen Arbeit besch&#228;ftigt sind, einer Arbeit, die sehr beschr&#228;nkt und unbefriedigend ist.<br />
In Anbetracht dessen scheint mir die Rolle des kritischen Intellektuellen darin zu bestehen, dass er das, was da vor sich geht, geistig in den Griff bekommt. Ungeachtet aller Differenzen, die ich mit David Harvey, Giovanni Arrighi oder Robert Brenner haben mag, so respektiere ich doch ihre Bem&#252;hungen, die Gegenwart historisch zu verstehen.<br />
Nur wenn wir die Gegenwart als Geschichte verstehen, k&#246;nnen wir eine Vorstellung davon gewinnen, welche politischen Projekte und Initiativen dazu beitragen k&#246;nnen, eine Bewegung zu schaffen, die &#252;ber den Kapitalismus hinausweist, und welche von ihnen falsch sind. Zumindest k&#246;nnte die Arbeit des kritischen Analysierens ein negativer Wegweiser sein, ein Wegweiser, der uns zeigt: „Dieser Weg f&#252;hrt nirgendwo hin“, oder: „Das hier ist gef&#228;hrlich“, oder: „Das sind einige der unvorhergesehenen Konsequenzen“, Konsequenzen einer, sagen wir, sehr eng gefassten Identit&#228;tspolitik, Konsequenzen, die sehr verschieden sind von dem, was die Menschen, die solche Identit&#228;tspolitik betreiben, urspr&#252;nglich beabsichtigt haben.<br />
Auf der anderen Seite m&#252;ssen Intellektuelle, die sich mit dem Kapitalismus befassen, das Aufkommen neuer Sichtweisen hinsichtlich der Welt ernst nehmen, nicht um auf diesen Zug aufzuspringen oder um sie nur deshalb zu &#252;bernehmen, weil sie neu sind, sondern vielmehr, um darin zumindest die Zeichen eines Wandels oder einen Ausdruck von Unzufriedenheit mit &#228;lteren Formen von Gesellschaftskritik und sozialen Bewegungen zu erkennen. (Zum Beispiel wurde die klassische Arbeiterbewegung nicht nur durch die Kapitalisten beim &#220;bergang zum Post-Fordismus geschw&#228;cht, sondern auch weil sie von einer gro&#223;en Zahl von Menschen auf der Alltagsebene als unzureichend empfunden wurde.)<br />
Hei&#223;t das, die Arbeit des kritischen Intellektuellen gleiche der Arbeit des Sisyphus? Mag sein, aber ich glaube es nicht. Ich wei&#223;, das ist keine besonders optimistische Art, unser, wie ich finde, sehr erfreuliches Gespr&#228;ch zu beenden, aber ich bin auch nicht sicher, ob die Zeiten viel Anlass f&#252;r Optimismus geben.</p>
<p><em>Ja, schon, aber wie k&#246;nnen wir sicher sein, dass sie es nicht doch tun?</em></p>
<p>Anmerkung: Wir danken Silvia Lopez, Mark Loeffler und Neil Larsen f&#252;r ihre unsch&#228;tzbaren Kommentare sowie Gabe Shapiro f&#252;r ihre Hilfe bei der Fertigstellung des Manuskripts.</p>
<p>_______________________________</p>
<h5>Das Gespr&#228;ch ist erschienen in: South Atlantic Quarterly 108:2, Spring 2009 bei Duke University Press als <em>Moishe Postone (with Timothy Brennan): Labor and the Logic of Abstraction: An Interview</em> (<a href="http://www.dukeupress.edu/Catalog/ViewProduct.php?viewby=journal&amp;productid=45629">www.dukeupress.edu/Catalog/ViewProduct.php?viewby=journal&amp;productid=45629).</a></h5>
<h5>&#220;bersetzung: Hermann Engster<br />
Ich danke Frank Engster und Norbert Trenkle f&#252;r ihre Hilfe bei der Kl&#228;rung terminologischer Fragen sowie Christine Achinger f&#252;r ihre Verbesserungsvorschl&#228;ge.</h5>
<h5>Anmerkung zur &#220;bersetzung: Postone und sein Gespr&#228;chspartner verwenden &#246;fter den Terminus agency. Dieser umfasst ein breites Bedeutungsspektrum im Wortfeld Handeln, und es ist oft schwierig, bei der Verwendung die jeweils gemeinte Bedeutung genau zu treffen; deshalb ist in solchen F&#228;llen der englische Terminus in Klammern angef&#252;gt.</h5>
<h5>Die krisis dankt Moishe Postone und dem Verlag f&#252;r die Erlaubnis zur &#220;bersetzung und zur Ver&#246;ffentlichung.</h5>
<h4><strong>Copyright 2009, Duke University Press. Reprinted by permission of the publisher.</strong></h4>
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		<title>Die etwas andere Normalisierung</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Jul 2009 10:37:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Mythos vom Kampf der Kulturen]]></category>
		<category><![CDATA[Krisentheorie und Krisenanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Staat, Politik, Demokratie und Rechtsform]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Wert, Ware, Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Lohoff]]></category>
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		<description><![CDATA[
Der Teheraner Fr&#252;hling und die Krise des warenproduzierenden Weltsystems
Ernst Lohoff
1.
Keine Frage, in diesen Tage fiebert man mit denen mit, die in den St&#228;dten des Irans auf die Stra&#223;e gehen und den Schl&#228;gertrupps Khameneis und Ahmadinedschads die Stirn bieten. Die Formierung einer breiten Protestbewegung angesichts der Wahlmanipulationen nach Jahren der politischen Apathie und des R&#252;ckzugs ins [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="zaehl"><img src="http://vg08.met.vgwort.de/na/779ce7cd624c43f19fcab99385b301d0" width="1" height="1" alt=""></span></p>
<h3>Der Teheraner Fr&#252;hling und die Krise des warenproduzierenden Weltsystems</h3>
<p><em>Ernst Lohoff</em></p>
<p>1.<br />
Keine Frage, in diesen Tage fiebert man mit denen mit, die in den St&#228;dten des Irans auf die Stra&#223;e gehen und den Schl&#228;gertrupps Khameneis und Ahmadinedschads die Stirn bieten. Die Formierung einer breiten Protestbewegung angesichts der Wahlmanipulationen nach Jahren der politischen Apathie und des R&#252;ckzugs ins Private war ein Hoffnungszeichen. Wird der Protest niedergeschlagen, dann geht auch davon weit &#252;ber das Land hinaus eine Signalwirkung aus. <span id="more-3661"></span>Umso mehr, als der Teheraner Fr&#252;hling, gemessen an dem Bild, das sich in anderen Abteilungen der Weltgesellschaft bietet, aus dem Rahmen f&#228;llt. Trotz der Weltwirtschaftskrise und des gr&#246;&#223;ten Verarmungsschubs der Geschichte stellt sich in den meisten L&#228;ndern die politische Lage erstaunlich stabil dar. Warum macht da ausgerechnet das Mullah-Regime eine Ausnahme und ist p&#252;nktlich zu seinem 30. Geburtstag in seine bisher schwerste Krise gest&#252;rzt?<br />
Anders lautenden Ger&#252;chten zum Trotz handelt es sich bei der islamischen Republik keineswegs um eine Steinzeitveranstaltung, sondern um eine im Scheitern begriffene Modernisierungsdiktatur. Die islamische Geistlichkeit gelangte 1979 nicht aus Versehen an die Spitze der Anti-Schah-Bewegung. Sie konnte damals plausibel machen, dass der Islam und seine Sprecher weit besser das Allgemeininteresse des Landes verk&#246;rpern als die bis dahin herrschende Clique und auch besser als die linke Konkurrenz. Der Islam, so die Fama, stehe &#252;ber allen egoistischen Privatinteressen und sei im Gegensatz zu weltlichen Regimes immun gegen Korruption. An diesem Gr&#252;ndungsmythos der „islamischen Republik“ hat der Zahn der Zeit allerdings inzwischen kr&#228;ftig genagt. Das als religi&#246;se Tugenddiktatur organisierte Modernisierungsprojekt ist sowohl aufgrund seiner beschr&#228;nkten Erfolge als auch seiner Misserfolge wegen geh&#246;rig unter Druck geraten. Nicht zuletzt aufgrund des &#214;lreichtums des Landes geh&#246;rt der Iran zu den L&#228;ndern der Semipheripherie mit dem h&#246;chsten Lebens- und Bildungsstandard. Gerade in der Zeit nach der islamischen Revolution sind breite Bev&#246;lkerungsschichten entstanden, die der permanenten kulturellen Bevormundung wenig abgewinnen k&#246;nnen. Inbesondere in der j&#252;ngeren Generation weckt diese einen antiautorit&#228;ren Impuls. Gleichzeitig konnte das islamische Modernisierungsregime aber auch seine Entwicklungsversprechen nicht einl&#246;sen. Parallel dazu hat der Nimbus des Regimes als unbestechlicher H&#252;ter des Gesamtinteresses schwer gelitten. Die in der Verfassung verankerte Sonderstellung des W&#228;chterrats und der Figur des Revolutionsf&#252;hrers, die in ihren Augen unislamische Kr&#228;fte vom politischen Leben ausschlie&#223;en k&#246;nnen, wurde urspr&#252;nglich mit deren vermeintlicher &#220;berparteilichkeit begr&#252;ndet, die in der Religion fundiert sei. Diese Ordnung hat sich aber l&#228;ngst als ein System parteilicher &#220;berparteilichkeit entpuppt. Das betrifft nicht nur die politischen Machtk&#228;mpfe, an denen der W&#228;chterrat und der Revolutionsf&#252;hrer Khamenei gleichzeitig als Schiedsrichter und Mitspieler partizipieren. Dieses Doppelspiel findet in der Verschwisterung von politischer und wirtschaftlicher Macht seine Fortsetzung. Aus der Tugendrevolution von einst, die das Schah-Regime als durch und durch korrupt bek&#228;mpfte, sind zunehmend klientel&#246;konomische Strukturen erwachsen, die dieses Attribut mindestens genauso verdienen. Die religionistische Mobilisierung<sup><a name="sdfootnote1anc" href="#sdfootnote1sym"><sup>1</sup></a></sup> verbindet sich mit der Zuteilung von Pfr&#252;nden und der Belohnung mit sozialen Brosamen, womit sie sich einerseits delegitimiert und sich andererseits eine soziale Basis schafft.<br />
Mit dieser Entwicklung steht der Iran alles andere als alleine dar. In allen m&#246;glichen zur Peripherie und zur Semiperipherie des warenproduzierenden Weltsystems geh&#246;renden L&#228;ndern haben sich in den letzten Jahrzehnten &#228;hnlich Prozesse abgespielt. Aus Entwicklungsregimen sind unmittelbar postdemokratisch-autorit&#228;re Klientelregime hervorgegangen (Simbawe) oder sie sind durch solche abgel&#246;st worden (Russland).<br />
Vom Grundtypus sind sie einander alle &#228;hnlich: Der Anspruch, die eigene Gesellschaft als Ganze zu integrieren und warengesellschaftlich zu entwickeln, bleibt bei dieser Sorte neuer Staatlichkeit h&#246;chstens noch pro forma erhalten; umso schrillere und irrationalere Formen nimmt daf&#252;r die ideologische Mobilmachung an. Die Beschw&#246;rung national oder religionistisch definierter „imagin&#228;rer Gemeinschaftlichkeit“ ersetzt die fehlende reale soziale und &#246;konomische Integration. Die &#246;konomische Basis dieser Regime beruht auf dem Zugriff auf die wenigen weltmarkttaugliche Segmente der heimische Warenproduktion; in der Regel beschr&#228;nkt sich das auf Rohstoffe. Dieser Zugriff erlaubt diesen poststaatlichen Gebilden nicht nur ihren Apparat zu finanzieren, sondern dar&#252;berhinaus auch noch Loyalit&#228;t gegen soziale Brosamen einzukaufen und sich damit eine gewisse Massenbasis zu verschaffen. Ihre Hauptst&#252;tze findet diese stukturell im Grunde schwache Macht indes in der Apathie einer vom elends&#246;konomischen &#220;berlebenskampf absorbierten Bev&#246;lkerung.<br />
Demokratietheoretisch betrachtet ist ein entscheidendes Merkmal bei der Herausbildung dieser paternalistischen Regime die Aufl&#246;sung der Grenze von Politik und &#214;konomie und die enge Verzahnung von staatlicher und privatwirtschaftlicher Macht. Gleichzeitig macht aber auch die ehemalige abstrakte Allgemeinheit, der Staat, eine postdemokratische Fortentwicklung durch, die es in sich hat. Diese Entwicklung geht in Richtung auf einen Zustand, in dem der gleiche Macht-Kl&#252;ngel je nach Bedarf mal als Exekutive, Legislative oder Judikative auftritt. Dessen Stellung wird durch die Kontrolle der offiziellen Medien (vierte Gewalt) komplettiert und durch die Zusatzoption auch mit au&#223;erstaatlichen Schl&#228;gertrupps à la Basiji und meist inoffiziell arbeitenden Todesschwadronen f&#252;r Ordnung zu sorgen.<sup><a name="sdfootnote2anc" href="#sdfootnote2sym"><sup>2</sup></a></sup></p>
<p>2.<br />
Das Aufkommen von postdemokratische-autorit&#228;ren Regimes ist ein historisches Ungl&#252;ck, aber kein blo&#223;er Ungl&#252;cksfall. Es gibt keinen Grund sich mit der Existenz dieser Ambrosia-Pflanzen unter den politischen Gew&#228;chsen abzufinden, aber gute Gr&#252;nde den Boden in Augenschein zu nehmen, auf dem sie erbl&#252;hen. Das geh&#246;rt zu den Voraussetzungen einer wirksamen Bek&#228;mpfung. Die Ver&#228;nderungen im Gef&#252;ge des Politischen lassen sich nicht f&#252;r sich begreifen, sondern nur als Teilmoment der Gesamtentwicklung des warenproduzierenden Weltsystems. Das gilt f&#252;r dessen Aufstiegsgeschichte, das gilt aber erst recht f&#252;r dessen Zerfalls- und Verwilderungsepoche.<br />
Die Vorstellung einer von allen Privatinteressen s&#228;uberlich getrennten abstrakten Allgemeinheit, eines Leviathans, der seine B&#252;rger als freie und gleiche Rechtssubjekte anerkennt und qua Selbstverpflichtung verspricht, sich dem Prinzip der Menschenrechte zu unterwerfen, hat seine ideengeschichtlichen Wurzeln bekanntlich in der Aufkl&#228;rungsphilosophie. Allerdings dauerte es nicht nur fast zwei Jahrhunderte, bis diese Vorstellung zum allgemein akzeptierten ideellen Rahmen von Staatlichkeit aufgestiegen war, dieser Erfolg ging mit einer grundlegenden Revision des urspr&#252;nglichen B&#252;rger- und Menschenrechtskonzepts einher. Die feierliche Selbstvereidigung der Staaten des kapitalistischen Zentrums<sup><a name="sdfootnote3anc" href="#sdfootnote3sym"><sup>3</sup></a></sup> auf die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit, wie sie im Dezember 1948 mit der Menschenrechtserkl&#228;rung der Vereinten Nationen ratifiziert wurde, war bereits ein genuines Produkt des „sozialdemokratischen Zeitalters“ (Ralf Dahrendorf).<br />
Das urspr&#252;ngliche liberal-aufkl&#228;rerische Verst&#228;ndnis fasste das B&#252;rger- und Menschenrecht sowohl inhaltlich eng als auch was den Kreis seiner potentiellen Inhaber betrifft. Die Forderung nach Rechtsf&#246;rmigkeit beschr&#228;nkte sich auf die Beziehung des wei&#223;en besitzenden Mannes zum Staat und zu seinesgleichen. Unm&#252;ndige wie Frauen und Nicht-Wei&#223;e, aber auch die blo&#223;en Besitzer der Ware Arbeitskraft, blieben dagegen vom Status des Rechtssubjekts ausgeschlossen. Von einer sozialen Dimension kann man beim liberal-aufkl&#228;rerischen Menschen- und B&#252;rgerrechtskonzept nur negativ sprechen. Es schrieb das unver&#228;u&#223;erliche Recht auf Privateigentum fest und verpflichtete die abstrakte Allgemeinheit dieses zu sch&#252;tzen. Ansonsten sollte der Staat, was die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums angeht, passiv bleiben. Die Neubestimmung des Menschen- und B&#252;rgerrechts im „sozialdemokratischen Zeitalter“ richtete sich gegen die Frontstellung von politischen Freiheitsrechten und sozialen Forderungen und zielte auf die Erweiterung der Rechtssubjektivit&#228;t auf bisher von ihr ausgeschlossene Bev&#246;lkerungsteile. Es w&#252;rde zu kurz greifen, die Umorientierung auf die Verzahnung von „politischen und sozialen Rechten“ nur als ideengeschichtliche Entwicklung zu fassen oder allein als Ergebnis sozialer K&#228;mpfe. Sie hat dar&#252;ber hinaus genauso wie die mit ihr verbundene Wendung vom passiven Nachtw&#228;chterstaat zum Interventionsstaat ihren handfesten „materiellen“ Hintergrund in der Entwicklung der Warengesellschaft selber. Der Aufstieg und die Expansion der Arbeitsgesellschaft erweiterte den Kreis derer, die selber positiv als Arbeits- und Warensubjekte an der Warengesellschaft partizipieren um bis dahin ausgeschlossene soziale Gruppen. Damit waren aber  auch die Bedingung f&#252;r eine Ausweitung des ideellen Ausdrucks wertf&#246;rmiger Vergesellschaftung gegeben. Im Zentrum dieses Prozesses stand die Verwandlung der Proletarier in freie und gleiche Rechtssubjekte und Staatsb&#252;rger. Aber auch der rassistische und sexistische Ausschluss verlor sukzessive seine rechtliche Verankerung und funktioniert stattdessen informell. Mit der  Anerkennung neuer sozialer Gruppen als freie und gleiche Rechtssubjekte ver&#228;nderte sich auch der Inhalt des B&#252;rger- Menschenrechtskanons, auf den sich die staatliche Macht verpflichtet. Neben das heilige Recht auf Eigentum traten soziale Rechte.<br />
Dieser Prozess der Verrechtlichung und Verstaatlichung hatte vom Standpunkt der Emanzipation einen doppelb&#246;digen Charakter. Auf der einen Seite ging er insbesondere in den kapitalistischen Zentren mit einer  realen Verbesserung der allgemeinen Lebensverh&#228;ltnisse einher und erlaubte bisher marginalisierten Schichten die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Partizipieren hie&#223; aber: in den warengesellschaftlichen Formen partizipieren. Die Erfolge der Arbeiterbewegung und anderer emanzipatorischer Bewegungen auf dem Boden von Staatlichkeit, Recht und Menschenrecht stellen zugleich deren Integration in die herrschenden Ordnung sowie ein Moment der Etablierung des Wertverh&#228;ltnisses dar. Die Erk&#228;mpfung des Rechtssubjektstatus brachte den Unterprivilegierten einen gr&#246;&#223;eren Spielraum innerhalb der herrschenden Ordnung, der mit deren Omnipr&#228;senz der warengesellschaftlichen Form und der Selbstunterwerfung unter diese bezahlt wurde.<br />
Die Verwandlung von Freiheitskampf in das Streben nach Freiheitsrechten und von sozialer Emanzipation in die gleichberechtigte Teilhabe am warengesellschaftlichen Irrsinn bedeutet eine brutale Reduktion ihres emanzipatorischen Gehaltes. Es gibt aber noch einen zweiten, f&#252;r uns Nachgeborene fast noch wichtigeren Pferdefu&#223;. Die erzielten Erfolge haben so etwas wie ein historisches Verfallsdatum. Diesem Produkt der Aufstiegsphase der Warengesellschaft bricht mit deren Ende sukzessive die Grundlage weg. Dass die Warengesellschaft ihre Integrationskraft verliert und massenhaft nach ihren Kriterien &#252;berfl&#252;ssige Menschen produziert – Geldsubjekte ohne Geld, Arbeitssubjekte ohne Arbeit  – geht nicht spurlos an Recht und Politik vorbei. In dem Ma&#223;e wie Wertvergesellschaftung nicht mehr repressive Vergesellschaftung sondern Entgesellschaftung und soziale Desintegration bedeutet, findet sie in einen neuen logischen Fluchtpunkt: Rechtssubjekte ohne Recht, verwilderte Staatlichkeit, die den Charakter abstrakter Allgemeinheit sukzessive abstreift.</p>
<p>3.<br />
Die Verfallsgeschichte des warenproduzierenden Weltsystems ist nicht weniger vielschichtig und reich an Wendung wie es die Aufstiegsgeschichte war und dementsprechend setzt die repressive Zersetzung von Rechtsform und Staatlichkeit in verschiedenen Weltregionen sich in unterschiedlichen Formen und Geschwindigkeiten durch. In den L&#228;ndern der Peripherie waren abstrakte Allgemeinheit und Rechtsform zu dem Zeitpunkt, an dem die warengesellschaftliche Ordnung in den 1970er Jahren ihren Zenit erreicht hatte, noch in der Herausbildung begriffen. Der &#220;bergang vom Durchsetzungs- zum Zerfallsprozess vollzog sich dort oft flie&#223;end. In einigen F&#228;llen ging die Metamorphose vom Entwicklungsregime zum klientel&#246;konomischen Pl&#252;nderungssystem sogar ohne Wechsel der F&#252;hrungspersonage vonstatten.<sup><a name="sdfootnote4anc" href="#sdfootnote4sym"><sup>4</sup></a></sup> Vor diesem Hintergrund interpretiert die herrschende Ideologie den Vorsprung dieser Weltregionen im Zerfall des gesamten warenproduzierenden Weltsystem<sup><a name="sdfootnote5anc" href="#sdfootnote5sym"><sup>5</sup></a></sup> noch immer gern als einen Entwicklungsr&#252;ckstand bei der Herausbildung dieser Ordnung. Dieses Missverst&#228;ndnis wird zus&#228;tzlich dadurch gef&#246;rdert, dass in den kapitalistischen Zentren der einsetzende Desintegrations- und Entgesellschaftungsprozess seine ideologische und praktische Durchsetzungsform in einem Umgestaltungsprojekt fand, das selber noch einen gesamtgesellschaftlichen Anspruch erhob: dem Neoliberalismus.<br />
Das neoliberale Projekt war eine Reaktion auf die Krise des Fordismus, in der die Grenzen der Integrationskraft des Waren produzierenden System sichtbar wurden. Angesichts der Unf&#228;higkeit des sozialdemokratischen Interventionsstaates, die kapitalistische Gesellschaft weiterhin auf Wachstumskurs zu halten, machte die neoliberale Ideologie aus der Not eine Tugend. Das neoliberale Programm war darauf ausgerichtet, die abstrakte Allgemeinheit von ihrer sozialen Pflicht f&#252;r die arbeitsgesellschaftliche Integration zu entbinden und die f&#252;r die vorhergehende Phase charakteristische Verzahnung von sozialen Rechten und Freiheitsrechten aufzubrechen. Die staatliche Macht sollte sich auf die Garantie der rechtsstaatlichen Form und der Freiheitsrechte der Marktsubjekte konzentrieren, w&#228;hrend die Verantwortung f&#252;r die soziale Integration in die „unsichtbare Hand des Marktes“ gelegt wurde. Die Hegemonie dieser Str&#246;mung erkl&#228;rt sich nicht zuletzt daraus, dass es ihr gelang, ihr Programm als St&#228;rkung der Freiheitsrechte zu verkaufen, als Gegenkonzept zu staatlicher Bevormundung. De facto war es darauf ausgerichtet, die sukzessive soziale Desintegration der Gesellschaft in Kauf zu nehmen und voranzutreiben, aber die rechtsstaatliche Integration aufrecht zu erhalten, also das absolute Primat des Privatinteresses mit der Fortexistenz einer abstrakten Allgemeinheit zu verbinden. Dieser Widerspruch muss fr&#252;her oder sp&#228;ter zu einer Aufl&#246;sung finden, weil er letztlich zu unhaltbaren Zust&#228;nden f&#252;hrt.<br />
Aus zwei Gr&#252;nden griff dieses Programm in den kapitalistischen Zentren aber vorerst. Zum einen gelang es drei&#223;ig Jahre lang die basale Krise der Arbeit mit der Entfesselung des Dynamik fiktiver Kapitalsch&#246;pfung zu &#252;berspielen. So prek&#228;r auch seine Grundlage ist, der Wachstumskurs der kapitalistische &#214;konomie hielt den sozialen Desintegrationsprozess zun&#228;chst einmal in Grenzen. Zum anderen lie&#223; sich in den kapitalistischen Zentren die in jahrzehntelangen Auseinandersetzungen geschaffene sozialstaatliche Substanz nicht auf einen Schlag entsorgen, sondern nur sukzessive abtragen. Das gilt insbesondere f&#252;r Kontinentaleuropa, wo die neoliberale Abrissbirne eigentlich erst mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts voll zum Einsatz kommt.<br />
Ein ganz anderes Bild bietet die Weltmarktperipherie. Zum einen bot die direkte Unterwerfung unter das Weltmarktdiktat nur einigen wenigen Regionen &#252;berhaupt eine praktikable Alternative zu den gescheiterten Projekten nachholender etatistischer Modernisierung, die auf die Entwicklung des Binnenmarktes ausgerichtet gewesen waren. Zum anderen war die Idee der abstrakten Allgemeinheit und der Rechtsstaatlichkeit sowohl institutionell wie mentalit&#228;tsgeschichtlich weit weniger tief verankert als in den kapitalistischen Zentren. Vor diesem Hintergrund konnte der pure Neoliberalismus dort kaum Fu&#223; fassen.<sup><a name="sdfootnote6anc" href="#sdfootnote6sym"><sup>6</sup></a></sup> Stattdessen gediehen in den Tr&#252;mmern der gescheiterten Projekte nachholender Modernisierung postdemokratisch-autorit&#228;re Regime, die sich bisher als relativ stabile Zerfallsprodukte der warengesellschaftlichen Ordnung erwiesen.<br />
Das Verh&#228;ltnis postdemokratisch-autorit&#228;rer Herrschaft zu der in den 1980ern und 1990ern in den kapitalistischen Zentren hegemonialen Str&#246;mung des Neoliberalismus ist mehrdeutig. Auf der einen Seite wird von deren Ideologen die Freiheit des Einzelnen, die das neoliberale Entgesellschaftungsunternehmen legitimiert, als Inbegriff von Dekadenz und moralischer Verderbnis interpretiert.<sup><a name="sdfootnote7anc" href="#sdfootnote7sym"><sup>7</sup></a></sup> Die Beschw&#246;rung der eigenen Nation oder Religion dient nicht allein als Ersatzantwort auf die realen Verheerungen, die vom totalen Weltmarkt ausgehen; diese Kulturalisierung rechtfertigt gleichzeitig die Entm&#252;ndigung der eigenen Bev&#246;lkerung als Verteidigung der heiligen nationalen bzw. religi&#246;sen Identit&#228;t. Viele autorit&#228;r-postdemokratische Regimes geben sich zus&#228;tzlich sozial paternalistisch und grenzen sich auch insofern scharf gegen&#252;ber der neoliberalen Ideologie ab. Auf der anderen Seite verwirklichen sie alle geradezu vorbildlich das Primat des Privatinteresses und die Wirtschaftsn&#228;he, die der Neoliberalismus den westlichen Regierungen Jahrzehnte lang gepredigt hat. Eine wirtschaftsn&#228;here Regierung als die an den Staatshebeln sitzende Mafia ist schlie&#223;lich kaum denkbar. Der Neoliberalismus betrieb ein Projekt sozialer Desintegration, wollte aber an der rechtsstaatlichen Integration mit gr&#246;&#223;ter Selbstverst&#228;ndlichkeit festhalten. Diesen Widerspruch l&#246;sen die postdemokratisch-autorit&#228;ren Regime auf gemeingef&#228;hrliche Weise auf. Das Soziale kehrt in einer perversen Form wieder. Diese Regime bieten den vom Weltmarkt zu Geldsubjekten ohne Geld und zu Arbeitssubjekten ohne Arbeit gestempelten Menschen in der Gestalt der Klientelwirtschaft eine Aussicht auf Restbeteiligung am warengesellschaftlichen Reichtum. Im Gegenzug findet so etwas wie eine sukzessive Privatisierung der abstrakten Allgemeinheit statt. Die Staatlichkeit setzt immer weniger als „ideeller Gesamtkapitalist“ (Marx) den vielen Sonderinteressen Grenzen und mutiert immer mehr zum organisierten Sonderinteresse einer staatsbesitzenden Klasse. Das Recht funktioniert immer weniger als allgemeines Regelwerk, dem alle Warensubjekte gleicherma&#223;en unterworfen sind; stattdessen machen die Staatsbesitzer dieses zur Waffe und entscheiden je nach Eigenbedarf, inwiefern Gesetze gelten und welche. Ihre Hauptaufgabe findet die Staatsmacht jedenfalls darin, die Bev&#246;lkerung zu demoralisieren &#8211; mit ein wenig Zuckerbrot und sehr viel Peitsche f&#252;r alle potentiell Unbotm&#228;&#223;igen.</p>
<p>4.<br />
Beim Scheitern nachholender Modernisierung handelt es sich um einen globalen historischen Prozess. In der einen oder anderen Weise betrifft er alle L&#228;nder der Weltmarktperipherie und -semiperipherie – selbstverst&#228;ndlich auch den Iran. Die iranische Entwicklung weist freilich einige Besonderheiten auf. Dazu z&#228;hlt, dass die Abl&#246;sung des Modernisierungsregimes des Schahs durch die „islamische Republik“ zu einem Zeitpunkt stattfand, zu dem der Gesamtprozess etatistischer nachholender Modernisierung l&#228;ngst im beschleunigten Niedergang begriffen war. Das religi&#246;s eingekleidete Modernisierungsregime geh&#246;rt zu den letzten Modernisierungsregimen, die sich &#252;berhaupt neu etablieren konnten. Nicht zuletzt aus diesem Grund findet aber auch die Metamorphose der „islamischen Republik“ vom autorit&#228;ren Entwicklungsregime zum postdemokratischen Autoritarismus verz&#246;gert statt. Nach 30 Jahren „islamischer Revolution“ hat sich die Schere zwischen Entwicklungs- und Allgemeinheitsanspruch und sozialer Wirklichkeit so weit ge&#246;ffnet, dass dadurch die Legitimit&#228;t der herrschenden Ordnung massiv in Frage gestellt ist; die postdemokratische Aufl&#246;sung der Gesellschaft ist aber andererseits noch nicht so weit voran geschritten, dass sich die Bev&#246;lkerung demoralisiert widerstandslos ihrem Schicksal ergeben w&#252;rde. Die punktuelle Entwicklung des Landes in den letzten Jahrzehnte hat im Gegenteil  f&#252;r einen Individualisierungsschub gesorgt und massenhaft Menschen geschaffen, deren pers&#246;nliche Lebensentw&#252;rfe in Widerspruch zur herrschenden religi&#246;sen Bevormundung stehen. Die Verschlechterung der &#246;konomischen Rahmenbedingungen im Gefolge der Weltwirtschaftskrise hat die Lage zus&#228;tzlich zugespitzt.<br />
Im Teheraner Fr&#252;hling haben sich zwei Elemente miteinander verbunden; der spontane Protest vor allem der Jugend, der prim&#228;r einem antiautorit&#228;ren Impuls folgt und vor allem individuelle Freiheitsspielr&#228;ume erk&#228;mpfen will. Gleichzeitig gibt es im politisch-klerikalen Establishment massive Spannungen, was den weiteren Kurs des Landes angeht. Die sogenannten „Reformer“ haben sich das Ziel gesetzt, das Entwicklungsversprechen des Regimes doch noch einzul&#246;sen und aus dem Iran eine im globalen Wettbewerb konkurrenzf&#228;hige kapitalistische Gesellschaft zu machen. Dazu geh&#246;rt f&#252;r sie die Lockerung der religi&#246;sen Z&#252;gel.<br />
Ohne das B&#252;ndnis dieser ungleichen Kr&#228;fte h&#228;tte es den Teheraner Fr&#252;hling in dieser Form nicht gegeben. Dieses B&#252;ndnis ist f&#252;r die Emanzipationsbewegung und ihre Ausrichtung allerdings alles andere als unproblematisch. Bei der &#246;konomischen und gesellschaftlichen Perspektive des Reformlagers handelt es sich um eine Fata Morgana. Das gilt vor allem f&#252;r die Str&#246;mungen im „Reformlager“, denen die Umsetzung neoliberaler Wirtschaftskonzepte vorschwebt, wie dem fr&#252;heren Pr&#228;sidenten Rafsanjani. Ausgerechnet in dem Moment auf eine Privatisierung der weitgehend in Staatshand befindlichen iranischen Wirtschaft zu setzen, in dem selbst die kapitalistischen Zentren bei Notverstaatlichungen Zuflucht nehmen m&#252;ssen, w&#228;re nicht nur anachronistisch, sondern &#246;konomischer Selbstmord. Dagegen gilt der Pr&#228;sidentschaftskandidat Mussawi zwar als undogmatischer Wirtschaftsfachmann<sup><a name="sdfootnote8anc" href="#sdfootnote8sym"><sup>8</sup></a></sup>; nach reinem neoliberalen Harakiri d&#252;rfte ihm nicht der Sinn stehen, aber auch ein „pragmatisches“ Mischmasch aus Privatisierung und staatlicher Intervention wird die soziale und &#246;konomische Misere des Landes nicht beheben. Insofern liefert die Protestbewegung Kr&#228;ften in der politischen Klasse eine Massenbasis, die selbst dann mittelfristig zum Scheitern verurteilt w&#228;ren, wenn sie sich im Machtkampf durchsetzen w&#252;rden.<br />
Die soziale und &#246;konomische Misere hat selbstverst&#228;ndlich die Zuspitzung der Lage im Iran &#252;berhaupt erst erm&#246;glicht. Die Mobilisierung gegen das Regime l&#228;uft aber ausschlie&#223;lich auf der politischen Schiene. Im Fokus steht der Kampf f&#252;r staatsb&#252;rgerliche Rechte, w&#228;hrend die soziale Frage ausgeblendet bleibt. Diese Ausrichtung ist mehr als nur eine Reaktion auf die Wahlmanipulationen. Nur diese Engf&#252;hrung erlaubt es den heterogenen Kr&#228;ften der Opposition &#252;berhaupt auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Das macht aber auch eine strukturelle Schw&#228;che des Protestes aus. Ob Ahmadinedschad und Khamenei den Protest jetzt brutal niederschlagen k&#246;nnen oder sich die autorit&#228;r-paternalistischen Kr&#228;fte in wenigen Jahren neu formieren, wenn die „Reformen“ scheitern, ihre gesellschaftliche Basis bleibt die gleiche: jene Teile der Bev&#246;lkerung, denen der Spatz in der Hand noch immer lieber ist als die Taube auf dem Dach, die sich an die klientel&#246;konomischen Brosamen halten, statt an ein leeres marktwirtschaftliches Entwicklungsversprechen.<br />
Dass die iranische Protestbewegung zwar von der Freiheit, aber nicht vom Fressen spricht, ist keineswegs nur der R&#252;cksichtnahme auf den B&#252;ndnispartner innerhalb der klerikal-politischen Klasse geschuldet. Was die soziale Frage angeht, ist sie auch selber ohne Konzept und von einer tragf&#228;higen Kritik des marktwirtschaftlichen Irrsinns meilenweit entfernt. Nat&#252;rlich w&#228;re es h&#246;chst unfair, der spontanen Protestbewegung, die dieses Fr&#252;hjahr im Iran aufgeflammt ist, aus diesem Manko einen Vorwurf zu machen. Sie hat die Entmischung von Fressen und Freiheit und die Reduktion von Freiheit auf staatsb&#252;rgerliche Rechte nicht erfunden, sondern als das Ergebnis der neoliberalen Epoche vorgefunden. Versagt hat nicht die neue iranische Opposition von 2009, das emanzipative Lager hat es weltweit seit den 1970er Jahren vers&#228;umt, den Kampf f&#252;r Freiheit und gegen die krisenkapitalistischen Verwerfungen theoretisch wie praktisch zusammenzuf&#252;hren. Die iranische Opposition – und das ist ihre Tragik &#8211; zahlt aber einen besonders hohen Preis f&#252;r dieses allgemeine Versagen.</p>
<p><a name="sdfootnote1sym" href="#sdfootnote1anc"> 1</a> Zum Begriff des Religionismus und seiner historischen Einordnung in den Prozess der nachholenden Modernisierung vgl. meinen Aufsatz „<a href="http://www.krisis.org/2008/die-exhumierung-gottes">Die Exhumierung Gottes</a>“ in krisis 32 (2008)<br />
<a name="sdfootnote2sym" href="#sdfootnote2anc"> 2</a> Putin-Russland d&#252;rfte diesem Ideal im Augenblick am n&#228;chsten kommen. Als ein dem kapitalistischen Zentrum angeh&#246;rendes Land steht Berlusconi-Italien noch relativ weit am Anfang dieses Wegs. Sein Beispiel verweist allerdings darauf, dass es durchaus so etwas wie eine Konvergenz zwischen den Entwicklungen an der Peripherie und der in den Zentren geben kann. Der Iran rangiert etwa in der Mitte der Skala.<br />
<a name="sdfootnote3sym" href="#sdfootnote3anc"> 3</a> Die diversen Entwicklungsdiktaturen behielten sich noch das Recht vor, die hehren Grundrechte des Individuums dem entwicklungsdiktatorischen Ziel unterzuordnen und im Bedarfsfall auszusetzen.<br />
<a name="sdfootnote4sym" href="#sdfootnote4anc"> 4</a> Ein Beispiel hierf&#252;r ist die Mugabe-Diktatur in Simbawe.<br />
<a name="sdfootnote5sym" href="#sdfootnote5anc"> 5</a> Karl Marx hat in seinem Hauptwerk zur Illustration der allgemeinen Bewegungsgesetze des Kapitals vor allem auf die englischen Verh&#228;ltnisse zur&#252;ckgegriffen. Im Vorwort zum „Kapital“ begr&#252;ndet er diese Vorgehensweise gegen&#252;ber einen imagin&#228;ren „pharis&#228;ischen deutschen Leser“, der sich angesichts der „Zust&#228;nde der englischen Industrie und Ackerbauarbeit“, sich damit beruhigt, da&#223; in Deutschland die Sachen noch lange nicht so schlimm stehen“. Er h&#228;lt ihm entgegen: „Das industriell entwickeltere Land zeigt dem minder entwickelten nur das Bild der eigenen Zukunft.“ (MEW 23. S.12) Was w&#228;hrend der Aufstiegsgeschichte des Kapitals plausibel gewesen sein mag, kehrt sich mit dem &#220;bergang zur Abstiegsgeschichte um. Die Zukunft der Peripheriel&#228;nder wird weit weniger &#196;hnlichkeit mit der Gegenwart der kapitalistischen Zentren haben, als die Zukunft der kapitalistischen Zentren mit der Gegenwart der Peripherie.<br />
<a name="sdfootnote6sym" href="#sdfootnote6anc"> 6</a> Am ehesten noch in einigen lateinamerikanischen L&#228;ndern.<br />
<a name="sdfootnote7sym" href="#sdfootnote7anc"> 7</a> In den L&#228;ndern, von denen die neoliberale Revolution ihren Ausgang nahm, war sie von Anfang an mit einer stark autoritaristischen Tendenz verschwistert. In den USA und Gro&#223;britannien fiel die Durchsetzung des Neoliberalismus mit der des Neokonservativismus zusammen. Die Befreiung des Inividuums von angeblicher staatlicher Bevormundung wurde als R&#252;ckbesinnung auf die fundamentalen religi&#246;sen und nationalen Werte verstanden. Insofern gibt es durchaus Parallelen zwischen der aus den angels&#228;chsischen L&#228;ndern vertrauten ideologischen Landschaft und den antiwestlich orientierten autoritaristischen Ideologien.<br />
<a name="sdfootnote8sym" href="#sdfootnote8anc"> 8</a> Diesen Ruf hat er sich w&#228;hrend des ersten Golfkrieges als Organisator der iranischen Kriegswirtschaft erworben. Glaubt man seinen Anh&#228;ngern, dann hat er damit die Bev&#246;lkerung des Iran vor dem Verhungern bewahrt.</p>
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		<title>„Es ist der Glaube, der selig macht“</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Jul 2009 10:43:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krisentheorie und Krisenanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Wert, Ware, Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Schandl]]></category>

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		<description><![CDATA[Insistierende Fragmente &#252;ber kapitalistische Realhalluzinationen – Hypothesen
Streifz&#252;ge 45/2009
Franz Schandl
Wir haben gelernt, zu glauben. Warum sollte es mit dem Kapital anders sein. Es ist sogar zu vermuten, dass viele Keime unserer Imaginationen in der &#214;konomie des Alltags stecken. Dass die dort erforderliche Sicht von Tausch und T&#228;uschung alle anderen Ph&#228;nomene zumindest pr&#228;gt, wenn nicht dominiert. Fiktiv [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Insistierende Fragmente &#252;ber kapitalistische Realhalluzinationen – Hypothesen</h3>
<p>Streifz&#252;ge 45/2009</p>
<p><em>Franz Schandl</em></p>
<p>Wir haben gelernt, zu glauben. Warum sollte es mit dem Kapital anders sein. Es ist sogar zu vermuten, dass viele Keime unserer Imaginationen in der &#214;konomie des Alltags stecken. Dass die dort erforderliche Sicht von Tausch und T&#228;uschung alle anderen Ph&#228;nomene zumindest pr&#228;gt, wenn nicht dominiert. Fiktiv ist gar vieles. Fiktionen sind nicht Folge des Kapitals, sondern Bestandteil seiner rationalen und rationellen Grundkonstitution.<span id="more-3673"></span></p>
<p>Bereits Karl Marx schrieb im dritten Band des „Kapital“: „Als Papier hat das Gelddasein der Waren ein nur gesellschaftliches Dasein. Es ist der Glaube, der selig macht. Der Glaube in den Geldwert als immanenten Geist der Waren, der Glaube in die Produktionsweise und ihre pr&#228;destinierte Ordnung, der Glaube in die einzelnen Agenten der Produktion als blo&#223;e Personifikation des sich selbst verwertenden Kapitals.“ (MEW 25:606) Die &#214;konomie selbst spricht eine deutliche Sprache, sogar vordergr&#252;ndig. Nicht zu Unrecht redet sie vom Schein, wenn sie vom Geldschein spricht. Und der wird allgemein akzeptiert, genauso wie M&#252;nzen oder Kreditkarten. Diese Einbildung verbindet die Leute und verwirklicht sich in Gesch&#228;ften, wo man ja tats&#228;chlich mit solchen Scheinen reale Dinge wie Bananen oder Br&#246;tchen, Gewehre oder Windschutzscheiben erstehen kann. Hier herrscht (insbesondere was Hartw&#228;hrungen wie Euro und Dollar, Yen und Franken betrifft) eine &#220;bereinkunft, die zum Ziel, den Gebrauchswerten, f&#252;hrt.</p>
<p>An Gebrauchswerten kann nie mehr konsumiert werden als produziert worden ist. Wohl aber kann mehr produziert als konsumiert werden. Das Stoffliche kennt also Mucken, die das Geld wenig scheren. Geld kann n&#228;mlich in Unmengen vorhanden sein, egal ob es real gedeckt ist oder nicht. Das sieht man dem Geld auch nicht an. Wert und Erscheinung fallen unmittelbar zusammen. So will es der herrschende Glaube. Denn der Waren sind nicht zu wenige (im Gegenteil), sie k&#246;nnen aber nicht gekauft werden, weil den Leuten das Geld fehlt. Schon jetzt regiert der virtuelle Vorgriff. Mittels Kredit (insbesondere auch Kreditkarte) verschafft man sich durch imaginierte zuk&#252;nftige Einkommen realen Zugang zu gegenw&#228;rtigen Produkten und Leistungen.</p>
<h3>Realisierte Banken</h3>
<p>Gehandelt wird nicht nur mit Waren, sondern auch mit Geld selbst. „Das Borgen und Verleihen von Geld wird zu einem besonderen Gesch&#228;ft.“ (MEW 25:416) Zentral sind die Geldh&#228;ndler oder deren System, die Banken. Sp&#228;testens hier sieht man, dass Geld nicht als blo&#223;es Instrument zu fassen ist, sondern als Geldkapital. Die Bank, das ist vielen Sparern nicht klar, ist auch keine Aufbewahrungsanstalt von Geldern, sondern eine Verfl&#252;ssigungsanstalt derselben. Geld als Kapital gibt es nur fl&#252;ssig, nicht als Schatz. Diese Wirtschaft ist nur in einer fieberhaften und ausdauernden Dynamik der Zirkulation am Leben zu erhalten.</p>
<p>Man k&#246;nnte das Bankkapital ja auf die Probe stellen, indem alle Leute auf einmal ihre Einlagen abheben. Das Finanzsystems w&#252;rde augenblicklich kollabieren, was aber auch hei&#223;t, dass die Realit&#228;t der Gelder auch unter besten Bedingungen nur im Konjunktiv gegeben ist und eine Realisierung derselben nur gew&#228;hrleistet werden kann, wenn lediglich ein Bruchteil der den Banken Geld Gebenden es auch wieder haben will. Die tats&#228;chlich verbrieften Optionen k&#246;nnen also gar nicht auf einmal in Anspruch genommen werden. Auch hier handelt es sich im besten Fall um pure Fiktion, die aber ihren Zweck erf&#252;llt. Wirkung und Wirklichkeit haben wenig miteinander zu tun.</p>
<p>Diese Realit&#228;t ist nur m&#246;glich, weil sie nicht realisiert wird. Und den Satz sollte man in seiner vollen Bedeutung erfassen. Also still sitzen, reflektieren, pausieren, spazieren gehen. – Und dann noch einmal: Diese Realit&#228;t ist nur m&#246;glich, weil sie nicht realisiert wird. Realisieren meint einl&#246;sen und begreifen. Die Aussetzung nicht nur des Denkens, sondern auch des Verwirklichens ist Voraussetzung der Funktion. W&#252;rde die Realit&#228;t realisiert werden, w&#228;re es um sie geschehen. Realisieren meinte liquidieren. Das Geld, das wir besitzen, das gibt es nur unter bestimmten Konditionen. Es ist nicht einfach da. Das gilt es wahrzunehmen.</p>
<h3>Kredit als Credo</h3>
<p>Via Kredit nimmt man Geld zu einem Preis auf, der &#252;ber dem liegt, was die erhaltene Summe ausmacht. Ein Kredit ist nichts anderes als Vorschuss oder Vorwegnahme auf noch zu produzierenden Wert. „Das Kreditwesen beschleunigt daher die materielle Entwicklung der Produktivkr&#228;fte und die Herstellung des Weltmarkts, die als materielle Grundlagen der neuen Produktionsform bis auf einen gewissen H&#246;hegrad herzustellen, die historische Aufgabe der kapitalistischen Produktionsweise ist. Gleichzeitig beschleunigt der Kredit die gewaltsamen Ausbr&#252;che dieses Widerspruchs, die Krisen, und damit die Elemente der Aufl&#246;sung der alten Produktionsweise“, schreibt Karl Marx (25:457). Inzwischen ist der Gro&#223;teil der wirtschaftlichen T&#228;tigkeit auf Kredit gebaut, und somit der Dynamik des Finanzmarkts ausgeliefert. Ohne ihn w&#252;rde der Warenmarkt gar nicht erst funktionieren, er erm&#246;glicht die notwendige Bewegung.</p>
<p>Wichtigste Basis f&#252;r die Vergabe von Krediten ist das Vertrauen der Kreditgeber in die Kreditnehmer. Das Versprechen h&#228;lt nur so lange es geglaubt wird. Glaubw&#252;rdigkeit ist also ihr wahres „Kapital“. Viele Finanzgesch&#228;fte funktionieren wie Pyramidenspiele. Solange sich Mitspieler finden, kann das Spiel laufen, sobald jedoch die Kette unterbrochen wird, droht der Kollaps. K&#246;nnen die Schulden nicht gedeckt oder zumindest umgeschuldet werden, dann entpuppt sich die Struktur als nicht tragf&#228;higes Kartenhaus.</p>
<p>Fiktives Kapital ist Folge des Kreditwesens. Sein Auftritt auf dem Finanzmarkt scheint unabh&#228;ngig von der Produktion, der so genannten Realwirtschaft, Zinsen geb&#228;ren, also G in G’ verwandeln zu k&#246;nnen. „Die Bildung des fiktiven Kapitals nennt man kapitalisieren. Man kapitalisiert jede regelm&#228;&#223;ig sich wiederholende Einnahme, indem man sie nach dem Durchschnittszinsfu&#223; berechnet, als Ertrag, den ein Kapital zu diesem Zinsfu&#223; ausgeliehen, abwerfen w&#252;rde (…) Aller Zusammenhang mit dem wirklichen Verwertungsprozess des Kapitals geht so bis auf die letzte Spur verloren, und die Vorstellung vom Kapital als einem sich durch sich selbst verwertenden Automaten befestigt sich.“ (MEW 25:484) Geld scheint hier wirklich f&#252;r sich zu arbeiten.</p>
<p>Fiktives Kapital ist nicht gedeckt, aber es „existiert“ trotzdem. Es ist ein reelles Trugbild, an das geglaubt wird, weil andere ebenfalls daran glauben. Dieser kollektive Glaube tr&#228;gt so lange, bis das Spiel auffliegt, die Blasen platzen, und fiktives Kapital sich als Luftnummer herausstellt. Solange die Blase aber nicht geplatzt ist und die kapitale Fr&#246;mmigkeit sie als ein F&#252;llhorn betrachtet, vermag dieses sich durchaus real im Wirtschaftsprozess einbringen, kann Waren und Dienstleistungen kaufen, Gesch&#228;fte in Gang setzen und die Produktion ankurbeln. Man sieht dem Geld nicht unmittelbar an, ob es Substanz hat oder nicht. Der Schein kann tragen, aber auch tr&#252;gen. Das fiktive Kapital ist die Hochstapelei des Realkapitals. Fr&#252;her oder sp&#228;ter wird jenes auf dieses zur&#252;ckgeworfen werden. Aber dazwischen gibt es Zeitfenster.</p>
<h3>Im Himmelreich</h3>
<p>Die Zirkulation von fiktivem Kapital ist eine im Himmel des Geldfetischs. Geld ist scheinbar nur noch sich selbst verpflichtet und selbstsch&#246;pferisch t&#228;tig. Wenn A dem B 100 borgt und B dem C auch 100, sodann C dem D wieder 100, auf dass dieser dem A 100 borgt, dass dieser es B borgen kann, wie viel haben sie? 0, 100, 400, 500, 700, 8.000, 90.000, 1 Million? Das ist wahrlich ein philosophisches Problem. Aber ganz &#228;hnlich funktionieren viele Hochrechnungen des Kapitals. Zwar nicht so primitiv wie das angef&#252;hrte Beispiel, sie sind komplexerer Architektur. Da werden fensterlose Pyramiden mit versteckten Kammern, dunklen Kan&#228;len, Labyrinthen, Schlupfl&#246;chern, Fallt&#252;ren und Spiegelkabinetten gebaut. Gl&#228;nzende Postkarten besorgen die PR. Die tats&#228;chlichen Konstruktionen sind also viel abgedrehter, so dass zum Schluss oft niemand mehr durchblickt. Glasperlenspieler sitzen um eine Illusionsmaschine, deren Bet&#228;tigung aber Waren und Dienste bewegt und somit selbst real sein muss, denn sonst k&#246;nnte sie das doch nicht bewerkstelligen. Oder? Das mag tautologisch sein, aber nicht anders ist die Logik eines sich entr&#252;ckenden Kapitals.</p>
<p>Im b&#252;rgerlichen Himmel fortw&#228;hrender Geldzirkulation ist der Phantasie keine Grenze gezogen. Sich vorzustellen, dass hier zuk&#252;nftig irgendwelche weltlichen Aufsichtsbeh&#246;rden gleich Fetischbeschw&#246;rungspolizisten den Ton angeben und sagen, was erlaubt ist und was nicht, ist t&#246;richt. Das wird es nicht spielen, weil es das gar nicht spielen kann. Transparenz und Kontrolle sind dem Kapital wesensfremd. Es kann nur bestehen und sich entwickeln als private „Black Box“, wo Gesch&#228;ftsergebnisse, also nackte Zahlen interessieren, nicht deren Zustandekommen und deren Ingredienzien, also die lebendigen Prozesse. Wir haben auch nicht zu wissen, wir haben selbst so zu handeln und zu kaufen. Und wenn wir dann doch was erfahren, was wir nicht wissen sollten, dann haben wir aufgeregt „Skandal!“ zu schreien, um in aller Ohnmacht das Ideelle gegen das Reelle anzuflehen.</p>
<p>Die mentale Basis des fiktiven Kapitals ist Realhalluzination. Nichtvorhandenes Geld kauft real vorhandene Ware. Der Kapitalismus ist in ein autosuggestives Stadium getreten. Aber selbst die, die das sp&#252;ren, misstrauen dem und verdr&#228;ngen das, weil sie, obwohl sie nicht mehr glauben k&#246;nnen, glauben m&#252;ssen. Woran sollen sie sonst glauben? Diesen Glauben in Frage zu stellen, hie&#223;e, unsere ganze Konstitution &#252;ber den Haufen zu werfen. Das Dogma kapitalistischer Metaphysik lautet: Die Leute m&#252;ssen daran glauben! Sie tun das, in doppeltem Sinne. Gegenw&#228;rtig ist zwar vieles ersch&#252;ttert, aber der schiere Glaube an das Geld als Form gesellschaftlichen Stoffwechsels, der ist selbst in Zeiten der gro&#223;en Verunsicherungen, vorerst unangefochten geblieben. Alle versuchen sich nicht vom Geld zu retten, sondern ins Geld. Jedes Kind meint zu wissen, dass Geld nur dann eine Bedrohung ist, wenn eins zu wenig davon hat.</p>
<p>Im fiktiven Kapital tr&#228;umt das Kapital seinen ureigenen Traum. V&#246;llig unabh&#228;ngig von seinen Produktionsgrundlagen agiert es losgel&#246;st von seinen stofflichen Resten, wird Geist, dass es geistlicher gar nicht mehr geht. Das Kapital hat sich von der Arbeit „befreit“, ist zu sich selbst gekommen, ist reine Geldbewegung. Losigkeit in Zahlen und Kurven. Eine Hochschaubahn, die erst w&#228;hrend der Fahrt ihre Schienen plant und baut. Vor allem in der Wirtschaftsstatistik – und das betrifft auch Aktienkurse – stellt &#214;konomie nichts anderes dar als hochgefahrene Daten fiktiver Ketten: Attrappenkapital. Indes, wenn viele glauben, da seien keine Attrappen, dann sind da keine Attrappen, auch wenn es Attrappen sind. Wiederum wird durch synthetische &#220;bereinkunft Nicht-Existierendes existent. Wahrlich, der Glaube kann Zwerge versetzen.</p>
<p>Es ist wie beim Fernsehen: Auch da verm&#246;gen wir in den gelieferten Bildern reale Geb&#228;ude von Kulissen in keiner Weise zu unterscheiden. Es ist naheliegend, das fiktive Kapital mit den Fiktionen in Televison und Unterhaltung, Werbung und Alltag kurz zu schlie&#223;en, d.h. die mentalen Beschaffenheiten mit den &#246;konomischen Grundlagen in Verbindung zu setzen. Es sind wohl mehr als zuf&#228;llige Parallelen, die sich da in den diversen Sph&#228;ren auftun. Kritik der politischen &#214;konomie hei&#223;t mehr denn je den ideologischen Charakter einer irren Kommunikationsform offen zu legen. Der &#214;konomie ist nicht &#246;konomisch zu begegnen bzw. beizukommen.</p>
<h3>Schulden und Schuldige</h3>
<p>Schulden entstehen durch Kauf ohne Zahlung oder wenn eine Zahlung zwar geleistet, aber mit fremdem Geld bedient wird. In der &#214;konomie meinen Schulden das Noch-nicht-Bezahlte. Kauf und Zahlung fallen auseinander. Entschuldung erfolgt durch Zahlung. Die Fiktion besteht darin, dass beide Seiten von der Kreditw&#252;rdigkeit des Schuldners ausgehen, insbesondere freilich der Gl&#228;ubiger. Er muss darauf spekulieren, nur so kann er selbst Gesch&#228;fte t&#228;tigen und Gewinne lukrieren. Ohne Schulden l&#228;uft heute gar nichts. Sie sind das Treibmittel der &#214;konomie.</p>
<p>Es ist bezeichnend, dass der Schuldige in der politischen &#214;konomie als Schuldner erscheint. Schuld ist verbunden mit einer Personalisierung von Defiziten, schnell wird man vom Zahlungsunf&#228;higen zum Zahlungsunwilligen und so zum B&#246;sen und &#220;blen. Und da sind sie sich einig von links bis rechts, auch wenn sie stets verschiedene Schuldige finden und unterschiedliche Gerechtigkeiten einfordern. Die Begriffe Schuld, Schulden, Schuldige treiben nun schon Jahrhunderte ein Verwesen, das stark nach Leichen riecht, weil es fortw&#228;hrend welche produziert. Die aktuelle Dynamik der globalisierten Wirtschaft spitzt das noch zu: M&#228;chtige Konzerne, mittlere Betriebe und auch immer mehr Einzelpersonen schlittern in den Konkurs. Dies noch produktive Zerst&#246;rung zu nennen gleicht einem Euphemismus.</p>
<p>Zweifellos, der Schuldner ist ein Schuldiger, er hat zu zahlen. Kann er nicht mehr, ist sein Status als Wirtschaftssubjekt in Frage gestellt. Wenn allerdings nicht nur kleine Fische, sondern Unternehmen, Banken, Versicherungen oder gar Staaten zahlungsunf&#228;hig werden, dann wird es gef&#228;hrlich f&#252;r die herrschende Ordnung, denn als gesamtgesellschaftliches Aggregat, als Wirtschaftsobjekt ist es auf Zahlungsf&#228;higkeit aufgebaut, und kann diese nicht ewig durch Hin- und Herschieben, durch Umgruppieren oder noch gewagtere fiskalische Machenschaften, also T&#228;uschungs- und Ablenkungsman&#246;ver mannigfaltiger Art, substituieren. Die Zeitstreckungen sind begrenzt und die Raumplatzierungen ebenso.</p>
<p>Das Versprechen der f&#228;lligen Abdeckung ist inzwischen an zu vielen Stellen por&#246;s geworden. Liquidit&#228;t ist oft nicht mehr gegeben, sodass ein System der Umschuldung jenes der Entschuldung abgel&#246;st hat. Umschuldung meint nichts anderes als die Schulden A durch die Schulden B zu ersetzen, etwa die Au&#223;enst&#228;nde auf der Kreditkarte C mit der neu besorgten D abzugelten. Nicht mehr herstellbare Zahlungsf&#228;higkeit simuliert sich in diversen Rechenk&#252;nsten und Versteckspielen. Umschuldung ist aber nichts anderes als Vertr&#246;stung auf Entschuldung, kann diese letztlich nicht ersetzen. Sie benennt die Verpflichtungen um und verlegt das, was morgen zu zahlen ist auf &#252;bermorgen, und das, was &#252;bermorgen gezahlt werden soll auf &#252;ber&#252;bermorgen…</p>
<h3>Betrug und B&#246;rse</h3>
<p>Das B&#246;rsenspiel ist ein gro&#223;es Monopoly. Alle spielen mit, nicht nur windige B&#246;rsenhaie und wendige Junghechte, alle tierischen Charaktere sind vertreten: Karpfen, Fr&#246;sche, Rinder, Hirsche, Spatzen, Habichte, Krokodile, Eichk&#228;tzchen, Kreuzottern, Motten und viele viele M&#228;use, die sich insgeheim f&#252;r Ratten halten, aber das nicht laut sagen. Die zu Schaden gekommenen Kleinaktion&#228;re, die Pensionsgl&#252;cksritter und Lebensversicherungsk&#252;nstler waren nichts anderes als M&#246;chtegernmitspekulanten, die sich jetzt &#228;rgern, dass das Spiel anders gelaufen ist, als die Berater ihnen und sie sich selbst versprochen haben.</p>
<p>Selten folgt Kritik der eigenen Beschr&#228;nktheit, sondern meist das dumpfe Ressentiment gegen &#252;ble Mitspieler. Nicht das Spiel halten sie f&#252;r &#252;bel, sondern nur, dass man ihnen &#252;bel mitgespielt hat. Die, die gerne Diebe gewesen w&#228;ren, f&#252;hlen sich ausgeraubt. Nun schreien sie nach Gerechtigkeit. Fiktionen werden nicht verworfen, sondern neue gesucht. Denn mit dem Markt habe das alles nichts zu tun, fein s&#228;uberlich meinen sie edle Ritter von b&#246;sen Raubrittern auseinander halten zu k&#246;nnen.</p>
<p>Zwischen Betrag und Betrug, da ist der Unterschied ein kleiner Selbstlaut und dem ist auch inhaltlich so. Beide sind Abpressungen, wenngleich der Betrag unter freiwillig firmiert, der Betrug aber unter unwillig. Wobei das Unwillige sich erst a posteriori als solches herausstellt, und somit sich auch diesbez&#252;glich nicht fundamental von vielen anderen Fehlk&#228;ufen abhebt. Diese Differenz ist schon deswegen minimal, weil via Reklame man den Leuten stets etwas andrehen wird m&#252;ssen. Zu kaufen, was man nicht braucht oder will, ist obligat. Jeder Trottel beherrscht diese Kunst. Das Angeschmiert-Sein, wie oft erleben wir es? Tr&#252;gerische und betr&#252;gerische Komponenten sind beim Spiel mit Fiktionen, also bei allen &#246;konomischen Aktivit&#228;ten ehern vorhanden. Nicht wenige nennen das Gesch&#228;ftst&#252;chtigkeit und h&#228;tten gern mehr davon.</p>
<h3>Krise und Animation</h3>
<p>Kredite, das lehrt auch diese Krise, sind organischer Bestandteil des Kapitals und k&#246;nnen daher zu faulen beginnen. Die Frage ist nur, fault der Kern oder ist er wie alle Apologeten behaupten, noch kerngesund. Es ist wohl so, dass nicht nur einige Kredite faul sind. Morsch sind die Balken und St&#252;tzen des Systems. Immer weniger &#252;berzeugt die vermeintliche Festigkeit. Der Kapitalismus bewegt sich wohl im Zustand einer modernden Moderne. Dagegen helfen nur neue Duftformate. Wir sind auf Blasensuche.</p>
<p>Geldeigner befinden sich zur Zeit in einer komischen Situation. Geben sie es auf der einen Seite aus, das Geld, kommt es m&#246;glicherweise auf der anderen nie wieder zur&#252;ck. Halten sie es jedoch fest, f&#252;rchten sie (mehr instinktiv als bewusst), dass es gleich anderen Anlagen verfallen k&#246;nnte. Wahrlich, die Gesch&#228;ftsgrundlagen, die wanken. Aufgabe der ideologischen Apparate ist es, die Verunsicherung zu eskamotieren. Da helfen nur noch F&#252;rbitten in der Art: „Mehr Stimmung bitte! Auf das richtige ‚mindset’ kommt es an.“ (Die Presse, 15. M&#228;rz 2009, Karrieren Beilage) Im autosuggestiven Stadium geht Innovation in Animation &#252;ber. Das aktuelle Beispiel etwa sind die Verschrottungspr&#228;mien f&#252;r Altautos und Anreize verschiedenster Art, nur um das Geld ja zirkulieren zu lassen. Politik und Medien sind fieberhaft auf Blasensuche.</p>
<p>So will das b&#252;rgerliche Gem&#252;t die Blasenst&#246;rungen auch nicht als Platzen von Organen wahrnehmen, sondern blo&#223; als zeitweiligen Blasenkatarrh. Es mag zwar brennen, einiges Kapital sogar verbrennen, aber morgen, nach der Kur mit Blasentee Marke Earl Keynes wird alles wieder ganz normal laufen. „Das Weltfinanzsystem – vom Absturz zum Neuanfang. Ist ethisches Investment ein Ausweg aus der Krise?“, lautet eines dieser typischen Symposien, wie sie jetzt laufend abgehalten werden. Und es ist auch nicht g&#228;nzlich auszuschlie&#223;en, dass staatlich oder gar &#252;berstaatlich organisierte Megablasen entstehen und ein St&#252;ck weit die Menschen mit neuem Kredit erf&#252;llen k&#246;nnen. In der Wirtschaft sei vieles Psychologie, sagen die Vertreter der ersteren. Dem ist noch viel mehr so. Eifrig wird diskutiert, welche Narkose noch wirken k&#246;nnte. An welche Blasen gedenken wir noch zu glauben?</p>
<p>Am Wichtigsten ist jetzt die Rekonsolidierung der Kreditw&#252;rdigkeit. Daher tritt die &#246;ffentliche Hand auf den Plan, um die unsichtbaren H&#228;nde des Markts wieder zum Handeln zu bringen. Der viel gescholtene Staat hat jetzt Vertrauen zu schaffen mit B&#252;rgschaften und Unterst&#252;tzungen, also einer Sicherung durch Geld, das er zwar nicht hat, aber von dessen Verzinsung er sich sogar Gewinne einredet. Dann, wenn die Krise vorbei ist und alles brav retourniert wird. Notfalls wird Geld gedruckt und gehofft, dass es sich am Finanzmarkt doch noch einmal rechnet. Blasen wir uns nochmals auf.</p>
<p>Dass hingegen die Steuerzahler einspringen k&#246;nnten, um die drohenden Verluste zu decken, ist unwahrscheinlich, denn woher sollen sie das viele Geld nehmen. Zu Hause drucken? Trotz allem Privatisierungswahn, hat das noch niemand vorgeschlagen. Es ist somit die Frage zu stellen, ob Verluste dieser Dimension &#252;berhaupt noch sozialisierbar sind. Ob „Wir zahlen eure Krise nicht“ nicht eher ein Faktum als eine Forderung ist, weil die staatlichen Garantien durch die Steuerzahler nicht mehr aufgebracht werden k&#246;nnen. Aber selbst wenn es ginge und man tats&#228;chlich den Leuten das Letzte weg n&#228;hme – womit sollen sie dann die Autos und Lebensversicherungen bezahlen? Die Melkkuh ist ersch&#246;pft, was also kann man ihr wegschneiden, auf dass die Schulden gedeckt werden, und Staat und Wirtschaft florieren? Brust oder Keule? Der ehemalige &#246;sterreichische Finanzminister und jetzige Unternehmer Hannes Androsch hat vorgeschlagen mit dem Helikopter &#252;ber das Land zu fliegen und Geld abzuwerfen. Das ist keineswegs verr&#252;ckter als das, was sonst l&#228;uft. Blasen wir das Geld doch einfach aus den Hubschraubern…</p>
<p>Ein staunendes Publikum sitzt vor der Glotze und sieht wie astronomische Summen verschwinden, andererseits aber immer wieder solche eingefordert und versprochen werden. Geld ist genug da, sagen unbeeindruckt viele Traditionslinke. Aber ob genug oder nicht genug, warum wollen wir (wer auch immer) die Krise eigentlich ausfinanzieren? Warum soll es Opfer geben? Wozu? Was versprechen wir uns davon, wenn alles wieder in geordnete Kostenrechnungen m&#252;ndet? Einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz?</p>
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		</item>
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		<title>Sackgasse Regionalw&#228;hrung</title>
		<link>http://www.krisis.org/2009/sackgasse-regionalwaehrung</link>
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		<pubDate>Thu, 14 May 2009 15:08:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur- und Ideologiekritik]]></category>
		<category><![CDATA[Wert, Ware, Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Andreas Exner]]></category>

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		<description><![CDATA[Contraste &#8211; Zeitschrift f&#252;r Selbstorganisation April 2009
Andreas Exner
In den Debatten um eine Alternative zum Kapitalismus tauchen ein ums andere Mal zwei Konzepte auf: der Tauschkreis und die Regionalw&#228;hrung. Beide Konzepte sind miteinander eng verbunden. Und beide wurzeln theoretisch in der Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine „nat&#252;rliche Wirtschaftsordnung“ begr&#252;nden wollte.
Gesell meinte, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Contraste &#8211; Zeitschrift f&#252;r Selbstorganisation April 2009</p>
<p><em>Andreas Exner</em></p>
<p>In den Debatten um eine Alternative zum Kapitalismus tauchen ein ums andere Mal zwei Konzepte auf: der Tauschkreis und die Regionalw&#228;hrung. Beide Konzepte sind miteinander eng verbunden. Und beide wurzeln theoretisch in der Freiwirtschaftslehre von Silvio Gesell, der Anfang des 20. Jahrhunderts eine „nat&#252;rliche Wirtschaftsordnung“ begr&#252;nden wollte.<span id="more-3558"></span></p>
<p>Gesell meinte, im Zins die Wurzel aller &#220;bel erkannt zu haben. Der Zins sei leistungsloses Einkommen. Als solches sei er zu bek&#228;mpfen. Gesell f&#252;hrte auch die Krisen auf den Zins zur&#252;ck. Als L&#246;sung propagierte er Freigeld und Freiland. W&#228;hrend die Freilandidee heute keine Rolle mehr spielt, erfreut sich das „Freigeld“ nach wie vor gro&#223;er Beliebtheit.</p>
<p>Das sollte Anlass zur Sorge sein. Denn Gesells Analyse ist falsch und seine Ziele k&#246;nnen nicht die unseren sein. Seine Kritik am „leistungslosen Einkommen“ sparte den Unternehmergewinn wohlweislich aus. Den Markt hielt er f&#252;r eine gute Einrichtung. Er meinte allerdings, dass sich dort nicht die „Fittesten“ durchsetzen, da der Zins den Geldbesitzern eine Macht verleiht, die nicht auf eigener Anstrengung beruhe. Erst wenn der Zins beseitigt ist, w&#252;rden nur mehr die „Fitten“ &#252;berleben. Auch Krisen geh&#246;rten dann der Vergangenheit an.</p>
<p>All dies ist falsch. Wir wollen die Konkurrenz ja nicht verst&#228;rken, sondern m&#252;ssen sie &#252;berwinden. Es kann auch nicht darum gehen, die Marktwirtschaft vom „Kapitalismus“ zu „befreien“. Der Markt ist nur eine Sph&#228;re des Kapitals – der Bewegung von Geld-Ware-Mehrgeld. Das Mehrgeld, das der Vernutzung von lebendiger Arbeit entspringt, spaltet sich dort in Unternehmergewinn und Zins. Den Zins zu kritisieren und den Unternehmergewinn zu verteidigen ist deshalb unlogisch. Auch eine Perspektive ergibt sich daraus nicht.</p>
<p>Kapitalismus ist ein System, in dem alles gekauft und verkauft werden muss. Der Kapitalismus ist deshalb Geldwirtschaft. Er macht alles zur Ware und anstelle direkter Herrschaft oder gemeinschaftlicher Entscheidungen tritt der anonyme Markt. In einem solchen System wird selbst die Lebenszeit zur Ware, Lohnarbeit zur beherrschenden Form von T&#228;tigkeit und die Abh&#228;ngigkeit von der Kapitalverwertung damit umfassend.</p>
<p>Der Geldwirtschaft ist die Konkurrenz eingebaut. Am Markt wird ja nicht bewusst und gemeinschaftlich dar&#252;ber entschieden, was f&#252;r wen von wem und auf welche Art produziert und verteilt wird. Ganz im Gegenteil trennt das Geld die Einzelnen in vereinzelte Einzelne, die nur mehr &#252;ber ihre Waren und das Geld „kommunizieren“. Die Konkurrenz f&#252;hrt dazu, dass Menschen gegeneinander arbeiten m&#252;ssen. Und sie f&#252;hrt zu einem Wachstumszwang. Denn ein Unternehmen, das weniger Gewinn einf&#228;hrt als der Konkurrent, droht &#252;ber kurz oder lang vom Markt zu verschwinden.</p>
<p>Die Geldwirtschaft bedingt allerdings auch einen Wachstumsdrang: den abstrakten Selbstzweck, aus Geld mehr Geld machen zu m&#252;ssen. In einer Wirtschaftsweise, in der die Produktionsmittel und Rohstoffe inklusive der Arbeit gekauft werden m&#252;ssen, und in der alle Waren verkauft werden m&#252;ssen – wo also Geld den Anfangs- und den Endpunkt der Produktion darstellt – ist das nicht anders m&#246;glich. Mit 100 Euro Waren im Wert von 100 Euro zu produzieren macht keinen Sinn. Den macht geldwirtschaftliche Produktion erst, wenn aus 100 Euro zumindest 101 Euro werden.</p>
<p>Diesem Ziel hecheln deshalb alle Unternehmen hinterher. So verselbstst&#228;ndigt sich die Produktion gegen&#252;ber den konkreten Bed&#252;rfnissen, die sie eigentlich befriedigen sollte. Aus 100 Euro k&#246;nnen 101 Euro werden, daraus 1.000, 10.000 und so immer fort. F&#252;r das Wachstum der Geldwirtschaft ist kein Ende denkbar, weil sich in ihr immer nur Geld auf Geld bezieht. Konkrete Bed&#252;rfnisbefriedigung, die an sich selbst eine Grenze findet, weil niemand endlos durstig ist, unaufh&#246;rlich isst, st&#228;ndig Sex hat, oder gleichzeitig in zwei H&#228;usern wohnt, spielt dann keine Rolle mehr.</p>
<p>Wachstumsdrang und Wachstumszwang bedingen Krisen. Weil alle Unternehmen auf Teufel-komm-raus und ohne sich abzusprechen produzieren, wird Kapital immer wieder an der zahlungsf&#228;higen Nachfrage vorbei investiert. Und es kommt regelm&#228;&#223;ig dazu, dass Kapital keine ausreichenden profitablen Investitionsm&#246;glichkeiten mehr findet und die Produktion in Folge einbricht. Das im &#220;berma&#223; angeh&#228;ufte Kapital wird entwertet, die Perspektiven sehr vieler Lohn- und damit Kapitalabh&#228;ngigen werden zerst&#246;rt.</p>
<p>Regionalw&#228;hrungen &#228;ndern an all diese strukturellen Problemen nichts. Es ist auch nicht zu erkennen, welcher entscheidende Unterschied – um ein Beispiel zu nehmen – zwischen dem fr&#252;heren &#246;sterreichischen Schilling und dem heutigen „Chiemgauer“ bestehen sollte. Dass kein Zins existiert, kann ja wohl kein Kriterium sein. Japan hatte jahrelang Nullzinsen, und auch die USA sind auf dem besten Weg dorthin.</p>
<p>Was dagegen ansteht, ist, die Geldwirtschaft durch eine direkte Kommunikation der Produzierenden zu ersetzen. Das ist in der Tat schwierig. Aber eine andere M&#246;glichkeit, aus dem Kapitalismus auszusteigen, gibt es nicht.</p>
<p>Zum Weiterlesen: <a href="http://www.krisis.org/2005/bye-bye-zinskritik">Bye bye Zinskritik. &#220;ber die Grenzen der Tauschkreise und den Unsinn der Freiwirtschaft</a></p>
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		<title>Konkret- und abstrakt-allgemeine Arbeit</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Apr 2009 10:57:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaftliche Emanzipation]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik der Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wert, Ware, Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Meretz]]></category>

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		<description><![CDATA[Red. Anmerkung: Ernst Lohoff hat sich in seinem Artikel »Der Wert des Wissens« in krisis 31 (2007, S. 13-51, Kurzfassung) zur Begr&#252;ndung der »Universalg&#252;terthese«, nach der digitale Informationsg&#252;ter genuin wertlos sind, u.a. auch auf den Begriff der »allgemeinen Arbeit« bezogen. Daraus ist eine Diskussion entstanden, die wir hier in loser Artikelfolge dokumentieren wollen. Den Auftakt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Red. Anmerkung: Ernst Lohoff hat sich in seinem Artikel »Der Wert des Wissens« in krisis 31 (2007, S. 13-51, <a href="http://www.krisis.org/2007/der-wert-des-wissens">Kurzfassung</a>) zur Begr&#252;ndung der »Universalg&#252;terthese«, nach der digitale Informationsg&#252;ter genuin wertlos sind, u.a. auch auf den Begriff der »allgemeinen Arbeit« bezogen. Daraus ist eine Diskussion entstanden, die wir hier in loser Artikelfolge dokumentieren wollen. Den Auftakt bilden die Thesen von Stefan Meretz.</em></p>
<h3>Thesen zur „allgemeinen Arbeit“</h3>
<p><em>Stefan Meretz</em><span id="more-3541"></span></p>
<p>(1) Ausgangspunkt meiner &#220;berlegungen ist Fu&#223;note 24 in dem Aufsatz „Der Wert des Wissens“ (Lohoff 2007), in der es hei&#223;t: „&#8230;der Terminus ‚allgemeine Arbeit‘ &#8230; k&#246;nnte dahingehend missverstanden werden, als handele es sich bei der Informationsarbeit um unmittelbar gesellschaftliche T&#228;tigkeit. Das ist nicht intendiert. Diese T&#228;tigkeiten sind in der kapitalistischen Gesellschaft selbstverst&#228;ndlich genauso borniert, entfremdet und formbestimmt wie jede andere Arbeit. Die Unterscheidung allgemeine Arbeit – getrennte Privatarbeit soll einen Binnengegensatz innerhalb der Welt ungesellschaftlicher gesellschaftlicher Praxis kenntlich machen. Streng arbeitskritisch gelesen handelt es sich beim Ausdruck ‚allgemeine Arbeit‘ insofern um eine paradoxe Begriffsbildung, als die Transformation von T&#228;tigkeit in Arbeit bereits die Herausl&#246;sung dieser T&#228;tigkeit aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang impliziert.“</p>
<p>(2) Hieraus ergeben sich eine Reihe von Fragen: Was ist allgemeine Arbeit? Ist allgemeine Arbeit unmittelbar gesellschaftliche T&#228;tigkeit? Ist Informationsarbeit dazuzurechnen, oder wenn nicht, wozu dann? Wie ist das Verh&#228;ltnis von Arbeitsform und gesellschaftlicher Form? Ist allgemeine Arbeit ein paradoxer Begriff? Ist Arbeit aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang herausgel&#246;ste T&#228;tigkeit? – Diesen und weiteren Fragen versuche ich mich anzun&#228;hern (hier nur thesenhaft).</p>
<p>(3) Zun&#228;chst ben&#246;tige ich eine Kl&#228;rung der Frage, was »Allgemeines« eigentlich ist. H&#228;ufig wird Allgemeines als Resultat eines Abstraktionsvorgangs und damit als Gegenteil des Besonderen angesehen: Ich lasse solange die Besonderheiten der Einzelnen weg, bis ich zu einem Residuum komme, dass dann dann noch allen Einzelnen gemeinsam ist. Diese Form des Alltagsverstandes entspricht durchaus der realabstraktiven Form der Verallgemeinerung in der Warenproduktion. Hegel hingegen unterscheidet zwei Formen der Allgemeinheit: <strong>Abstrakt-Allgemeines</strong>, worin Besonderes ununterscheidbar eingeebnet ist, und <strong>Konkret-Allgemeines</strong>, worin Besonderes als Repr&#228;sentant des Allgemeinen zur Geltung kommt. Dem Abstrakt-Allgemeinen steht das Einzelne und Besondere &#228;u&#223;erlich gegen&#252;ber, w&#228;hrend das Konkret-Allgemeine das »Reichtum des Besonderen in sich fassende Allgemeine« (Hegel 1979, S. 54) ist. – Nun aber zum Gegenstand.</p>
<p>(4) Menschen finden ihre Lebensbedingungen nicht blo&#223; vor, sondern sie stellen sie verallgemeinernd-vorsorgend her. Vorsorgend, insofern es nicht nur um die aktuelle Bed&#252;rfnisbefriedigung geht, sondern immer auch um die zuk&#252;nftige; verallgemeinernd, insofern es nicht blo&#223; darum geht, in unmittelbarer Kooperation die notwendigen Dinge herzustellen und zu nutzen, sondern indem zwischen Herstellen und Nutzen ein unterschiedlicher Grad gesellschaftlicher Vermittlung daf&#252;r sorgt, dass alles gemacht, aber nicht jeder Einzelne alles machen muss. Die Ebene der Verallgemeinerung ist also die Gesellschaft, und die Art (und der Grad) der Vermittlung ist die historisch-spezifische Art (und der Grad) der Vergesellschaftung.</p>
<p>(5) Allgemeine Arbeit ist Arbeit f&#252;r allgemeine Andere. Allgemeine Arbeit darf also nicht verwechselt werden mit unmittelbar-kooperativer (gemeinschaftlicher) Arbeit. Marx betont, es sei »zu unterscheiden zwischen allgemeiner Arbeit und gemeinschaftlicher Arbeit. Beide spielen im Produktionsproze&#223; ihre Rolle, beide gehn ineinander &#252;ber, aber beide unterscheiden sich auch. Allgemeine Arbeit ist alle wissenschaftliche Arbeit, alle Entdeckung, alle Erfindung. Sie ist bedingt teils durch Kooperation mit Lebenden, teils durch Benutzung der Arbeiten Fr&#252;herer. Gemeinschaftliche Arbeit unterstellt die unmittelbare Kooperation der Individuen.« (MEW 25, 113f) Daraus folgt zweierlei: Allgemeine Arbeit <em>ist</em> gesellschaftliche Arbeit. Allgemeine Arbeit als Entdeckung oder Erfindung unterscheidet sich von anderen Formen allgemeiner Arbeit.</p>
<p>(6) Die Warenproduktion ist eine indirekte, &#252;ber den Wert vermittelte gesellschaftliche Form, allgemeine Arbeit zur Geltung zu bringen. Allgemein ist nur jene Arbeit, die gesellschaftliche Geltung besitzt. Im Kapitalismus wird jedoch getrennt voneinander produziert. Gesellschaftliche Geltung erlangen die Produkte damit nicht in „direkter Vermittlung“, sondern nur &#252;ber die indirekte Vermittlung von Markt und Tausch. Durch diese Indirektion m&#252;ssen die Produkte – um gesellschaftlich verallgemeinert zu werden – einen Vergleichs­prozess durchlaufen, der von der (potenziell) allgemeinen N&#252;tzlichkeit abstrahiert und sie auf ein reines Quantum, <em>abstrakt-allgemeine Arbeit</em> und mithin Wert<em>, </em>reduziert: »Tauschwert setzende Arbeit ist daher abstrakt allgemeine Arbeit« (MEW 13, 17).</p>
<p>(7) Es ist nicht m&#246;glich, dass die Gebrauchswerte als solche – n&#228;mlich als besondere Einzelne – allgemeine gesellschaftliche Geltung erlangen. Allgemeinheit gewinnen sie nur als »R&#252;ckseite« des Werts. Marx hat diese Dialektik so ausgedr&#252;ckt: »Der der Ware immanente Gegensatz von Gebrauchswert und Wert, von Privatarbeit, die sich zugleich als unmittelbar gesellschaftliche Arbeit darstellen mu&#223;, von besondrer konkreter Arbeit, die zugleich nur als abstrakt allgemeine Arbeit gilt, von Personifizierung der Sache und Versachlichung der Personen – dieser immanente Widerspruch erh&#228;lt in den Gegens&#228;tzen der Warenmetamorphose seine entwickelten Bewegungsformen.« (MEW 23, 128)</p>
<p>(8) Mit der Unterscheidung von Konkret- und Abstrakt-Allgemeinen k&#246;nnen wir die von Marx angef&#252;hrte »allgemeine Arbeit«, f&#252;r die er als Beispiel die Wissenschaft nannte, als <em>konkret-allgemeine Arbeit</em> spezifizieren. Konkret-allgemeine Arbeit kann jedoch gerade nicht mehr das leisten, was die Wertabstraktion leistet: Die Reduktion der Verausgabung menschlicher Lebensenergie auf ein unterschiedloses Ma&#223;. Anders ausgedr&#252;ckt: konkret-allgemeine Arbeit kann im Unterschied zu abstrakt-allgemeiner Arbeit keinen Wert bilden. Sie ist genuin <em>wertunproduktiv</em>.</p>
<p>(9) Zusammengefasst: Als Allgemeines und damit Gesellschaftliches bew&#228;hrt sich Privatarbeit nur, wenn sie sich als Wertding im Tausch realisieren kann. Die gesellschaftliche Vermittlung &#252;ber den Wert gelingt jedoch nur unter Absehung von jeder Besonderheit, gelingt nur als Abstrakt-Allgemeines. Diese Abstraktion ist kein Denkvorgang, sondern Ergebnis eines Handlungsvollzugs, ist Realabstraktion. Entsprechend ist abstrakte Arbeit nicht auf der sinnlich-konkreten Ebene angesiedelt, ist in diesem Sinne nichts, was an-sich existieren w&#252;rde, sondern abstrakte Arbeit ist die realabstraktive Widerspiegelung des gesellschaftlichen Verh&#228;ltnisses des Werts in der Arbeit: Es z&#228;hlt nur, was als Arbeitszeit in einer Ware inkarniert und auf dem Markt erl&#246;st werden kann.</p>
<p>(10) Konkret-allgemeine Arbeit hat es hingegen »nicht n&#246;tig«, sich &#252;ber den Umweg der Wertabstraktion gesellschaftliche Geltung zu verschaffen, sie hat bereits ohne Umweg gesellschaftlichen Charakter, sie ist <em>unmittelbar gesellschaftliche Arbeit</em>. Abstrakt-allgemeine Arbeit kann sich demgegen&#252;ber nur vermittels des Wertvergleichs gesellschaftlich bew&#228;hren. Gelingt der Tausch und damit der Wertvergleich nicht, so konnte das besondere Produkt auch nicht Allgemeinheit erreichen, weil es sich aposteriori – obwohl intendiert – doch nicht als verallgemeinert f&#252;r Andere produziert herausgestellt hat. Da f&#252;r solche unverk&#228;uflichen Produkte dennoch Arbeitskraft verausgabt wurde, geht dieser Aufwand negativ in die Gesamtwertbilanz ein. Gelingt der Tausch hingegen, so bew&#228;hrt sich die verausgabte Arbeitskraft indirekt, n&#228;mlich vermittelt &#252;ber die Wertabstraktion, als allgemeine Arbeit, in diesem Fall als abstrakt-allgemeine Arbeit. Abstrakt-allgemeine Arbeit ist <em>mittelbar gesellschaftliche Arbeit</em>. Als wertvermittelte Arbeit kann das scheinbare Paradox aufgel&#246;st werden, nach dem »jeder f&#252;r sich arbeitet und die besondre Arbeit zugleich als ihr Gegenteil, abstrakt allgemeine Arbeit, und in dieser Form gesellschaftliche Arbeit sich darstellen mu&#223;« (MEW 26, 529f).</p>
<p>(11) Es gibt eine weitere zu abstrakt-/konkret-allgemein orthogonale Dimension der Allgemeinheit, die beachtet werden muss, und das ist die <em>historische Allgemeinheit</em>. Die Menschheit produziert ihre Lebensbedingungen, jedoch tut sie dies nicht fortw&#228;hrend beginnend bei Null. Sie baut jeweils auf dem gegenst&#228;ndlich und symbolisch kumulierten Bestand gesellschaftlich-historischer Erfahrungen auf (vgl. Holzkamp 1985, 177). Nicht alle Ergebnisse menschlich-gesellschaftlicher Lebenst&#228;tigkeit erlangen historische Allgemeinheit. Es k&#246;nnen die Produkte verloren gehen, die entweder nur unmittelbar kooperativ tradiert werden oder als bedeutsame Produkte oder stoffliche Tr&#228;ger gesellschaftlicher Bedeutungen verfallen ohne jemals reproduziert zu werden.</p>
<p>(12) Historische Allgemeinheit k&#246;nnen nur die Resultate konkreter T&#228;tigkeiten erlangen. Abstrakt-allgemeine Arbeit ist somit nicht historisch verallgemeinerbar, sie ist nur Teil der Bewegungsform der Warenmetamorphose, sie existiert nur im Tausch und erlischt mit ihm. Was &#252;berlebt und historisch verallgemeinert werden kann, sind die Gebrauchsdinge, also die Resultate konkreter Arbeit als Moment der Lohnarbeit. Dar&#252;ber hinaus k&#246;nnen die Ergebnisse konkret-besonderer T&#228;tigkeiten, die als solche und nicht als Moment der Lohnarbeit verausgabt werden, obwohl intentional nicht f&#252;r den verallgemeinerten Anderen gemacht dennoch historisch in den gesellschaftlichen Erfahrungsfundus eingehen.</p>
<p>(13) Konkret-allgemeine Arbeit ist immer <em>gleichzeitig</em> historisch-allgemeine Arbeit. Sie wird f&#252;r den verallgemeinerten Anderen verausgabt und schafft gesellschaftlich &#252;berdauernde historisch-allgemeine Produkte. Dabei ist das wesentliche &#252;berdauernde Moment nicht die konkrete stoffliche Inkarnation, die durchaus verfallen oder verbraucht werden kann, sondern die vergegenst&#228;ndlichte gesellschaftlich-kumulierte Erfahrung, kurz: das gesellschaftliche Wissen. Mit zunehmender Vergesellschaftung und Produktivkraftentwicklung ist das gesellschaftliche Wissen immer weniger an einen besonderen stofflichen Tr&#228;ger gebunden. Das gilt sowohl f&#252;r gegenst&#228;ndliche (etwa: das Haus) wie auch symbolische gesellschaftliche Bedeutungen (etwa der Hausbauplan). Wissenschaftliches Wissen als spezifische Form gesellschaftlich-allgemeinen Wissens ist hierbei nur eine besonders »reine« Form und keinesfalls als einziges Resultat konkret-allgemeiner Arbeit.</p>
<p>(14) Die historische Tendenz der Abl&#246;sung des gesellschaftlich-historisch allgemeinen Wissens von einem besonderen stofflichen Tr&#228;ger erf&#228;hrt einen qualitativen Sprung mit der Entwicklung der digitalen Universalmaschine, des Computers. Nun ist erstens die digitale Form zur Darstellung des Wissens allgemein geworden und zweitens ist es nun bei gegebener Infrastruktur (die allerdings selbst erst geschaffen werden muss) mit minimalem Aufwand und in geringer Zeit m&#246;glich, das Wissen durch Kopie global zu verallgemeinern. Damit erlangen die durch konkret-allgemeine Arbeit geschaffenen Resultate im Moment ihrer Entstehung historische Allgemeinheit. Oder anders herum formuliert: Konkrete und historische Allgemeinheit erlangt jene T&#228;tigkeit, die nur einmal getan werden muss und damit der Menschheit zur Verf&#252;gung steht.</p>
<p>(15) Wann haben wir es nun im Kapitalismus mit konkret-allgemeiner Arbeit zu tun? Gem&#228;&#223; der entwickelten Kriterien immer dann, wenn das Resultat einer einmal getanen T&#228;tigkeit der Menschheit allgemein zur Verf&#252;gung steht. Das Produkt konkret-allgemeiner Arbeit ist damit gleichzeitig Besonderes, in dem es eine spezifische indendierte Zwecksetzung erf&#252;llt, und Allgemeines, weil jene Zwecksetzung mit ihrer konkreten Realisierung allgemein verf&#252;gbar in der Welt ist. Diese Identit&#228;t von Konkretheit und Allgemeinheit kann beschnitten oder gar v&#246;llig zerst&#246;rt werden, historisch setzt sie sich jedoch auch unter kapitalistischen Verh&#228;ltnissen durch.</p>
<p>(16) Universalg&#252;ter, etwa Informations- und Wissensg&#252;ter, entsprechen nun genau diesen Kriterien. Ihre Besonderheit ist es, dass sie durch konkret-allgemeine Arbeit entstehen. Aufgrund ihrer Unabh&#228;ngigkeit von einem bestimmten stofflichen Tr&#228;ger (sie brauchen nur <em>irgendeinen</em> Tr&#228;ger) erlangen sie gleichzeitig historische Allgemeinheit – einmal in der Welt, stehen sie potenziell der Menschheit zur Verf&#252;gung. Das bedeutet jedoch, dass sie als von vornherein gesellschaftliche G&#252;ter keinen Wert darstellen k&#246;nnen. Darin sind sie mit der Wissenschaft vergleichbar.</p>
<p>(17) Nun darf man sich jedoch keines ontologisierenden Abfeierns der konkret-allgemeinen Arbeit als der »guten Arbeit« hingeben: Auch die konkret-allgemeine Arbeit ist widerspr&#252;chlich in die dominante fetischistische Konstitution von Gesellschaftlichkeit &#252;ber »Arbeit« eingebunden, und gleichzeitig &#252;berschreitet sie diese Einbindung. Diesen Widerspruch gilt es zu begreifen. Im Fall der Universalg&#252;ter zeigt er sich besonders deutlich. Zum Beispiel Software: Als privat angeeignetes, als <em>privatisiertes Universalgut</em> erh&#228;lt etwa propriet&#228;re Software eine warenf&#246;rmige H&#252;lle, zumeist erzeugt durch Rechtsform und Kopierschutz. Das genuin unknappe Universalgut wird k&#252;nstlich verknappt, um es zum Bezahlgut zu machen. Ein privatisiertes Universalgut ist Ergebnis <em>privatisierter konkret-allgemeiner Arbeit</em>.</p>
<p>(18) Konkret-allgemeine Arbeit in freier Form verliert ihren Charakter als »Arbeit«. Dies kann man am Beispiel der (doppelt) Freien Software beobachten. Freie Software emanzipiert sich von der privaten Form, sie ist als freies universelles Gut (den sog. <em>Commons</em>) Ergebnis konkret-allgemeiner Produktion und besitzt sui generis gesellschaftliche Geltung. Freie Software verk&#246;rpert die Universalg&#252;tern angemessene Produktionsweise – jenseits von Arbeit, Wert und Markt.</p>
<h4>Literatur</h4>
<p>G. W. F. Hegel (1979), Wissenschaft der Logik, Erster Teil, Werke Band 5, Suhrkamp: Frankfurt/M.</p>
<p>K. Holzkamp (1983), Grundlegung der Psychologie, Campus: Frankfurt/M., New York</p>
<p>E. Lohoff (2007), Der Wert des Wissens, in: krisis 31, S. 13-51</p>
<p>K. Marx (1859), Zur Kritik der Politischen &#214;konomie, MEW 13, Dietz (1971): Berlin/DDR</p>
<p>K. Marx (1863), Theorien &#252;ber den Mehrwert, MEW 26.2, Dietz (1987): Berlin/DDR</p>
<p>K. Marx (1890, 4. Aufl., hrsg. v. F. Engels), Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie, Band 1, MEW 23, Dietz (1962): Berlin/DDR</p>
<p>K. Marx (1894, 1. Aufl., hrsg. v. F. Engels), Das Kapital. Kritik der politischen &#214;konomie, Band 3, MEW 25, Dietz (1962): Berlin/DDR</p>
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		<title>Kreislaufprobleme</title>
		<link>http://www.krisis.org/2009/kreislaufprobleme</link>
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		<pubDate>Mon, 06 Apr 2009 10:12:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krisentheorie und Krisenanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik der Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wert, Ware, Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Samol]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum Dienstleistungen als tragender Wirtschaftszweig nicht in Frage kommen
Streifz&#252;ge 45/2009
Peter Samol
Die Krise ist noch gar nicht richtig eingetreten, da wird bereits bekundet, ihr Ende sei in Sicht. So &#228;u&#223;erte etwa der gerade zur&#252;ckgetretene deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kurz vor seinem Ausscheiden, es st&#252;nde zwar ein heftiger, aber nur kurzer Abschwung bevor und der n&#228;chste [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Warum Dienstleistungen als tragender Wirtschaftszweig nicht in Frage kommen</h3>
<p>Streifz&#252;ge 45/2009</p>
<p><em>Peter Samol</em></p>
<p>Die Krise ist noch gar nicht richtig eingetreten, da wird bereits bekundet, ihr Ende sei in Sicht. <span id="more-3480"></span>So &#228;u&#223;erte etwa der gerade zur&#252;ckgetretene deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kurz vor seinem Ausscheiden, es st&#252;nde zwar ein heftiger, aber nur kurzer Abschwung bevor und der n&#228;chste Aufschwung werde binnen Jahresfrist kommen. Seine schlichte Begr&#252;ndung: “Zum Optimismus gibt es keine Alternative”.<sup><a name="sdfootnote1anc" href="#sdfootnote1sym"><sup>1</sup></a></sup> &#196;hnlich klingt der neue BDI-Chef Hans-Peter Keitel: “Der Aufschwung muss kommen, um uns aus der Krise zu holen.”<sup><a name="sdfootnote2anc" href="#sdfootnote2sym"><sup>2</sup></a></sup> Sie und andere Gesundbeter &#252;bersehen wissentlich oder unwissentlich, dass es sich um eine tiefe strukturelle Krise handelt und keineswegs nur um ein vor&#252;bergehendes Konjunkturtief. Seit den fr&#252;hen 1970er Jahren machen Rationalisierung und Automatisierung auf der Grundlage immer effizienterer Technologien gro&#223;e Mengen lebendiger Arbeit bei der Herstellung von G&#252;tern schlichtweg &#252;berfl&#252;ssig, w&#228;hrend gleichzeitig viel weniger neue Arbeitsm&#246;glichkeiten entstehen. In der Bilanz bedeutet das einen Ausschlussprozess der Arbeitskraft, der noch lange nicht an sein Ende gelangt ist. Das schlug sich so lange nicht in Form einer Krise nieder, wie die Finanzm&#228;rkte den Anlegern ein Anwachsen ihrer Verm&#246;genswerte suggerieren konnten, w&#228;hrend das angelegte Geld faktisch in den Warenkonsum umgeleitet wurde und die schrumpfende Nachfrage der Besch&#228;ftigten bzw. Arbeitslosen ersetzte. Nach dem Platzen der Finanzblase bleibt jedoch die absatz- und damit auch produktions- und investitionsstimulierende Wirkung der Finanzblasen aus. Die Kombination aus &#220;berproduktions- und Unterbesch&#228;ftigungskrise wird damit virulent.<br />
Eine echte langfristige &#220;berwindung dieser Krise k&#246;nnte nur auf der Grundlage eines arbeitsintensiven Wirtschaftszweiges auf H&#246;he des aktuellen Produktivit&#228;tsniveaus geschehen. Nur dann w&#252;rden viele Menschen ausreichend bezahlte Arbeit finden, gen&#252;gend gesamtgesellschaftliche Wertmasse erzeugen und als zahlungskr&#228;ftige Kunden f&#252;r die produzierten Warenberge auftreten k&#246;nnen. Aber welcher Wirtschaftszweig k&#246;nnte diese Schl&#252;sselstellung einnehmen? Typische Industrieprodukte k&#246;nnen mit immer geringerem Arbeitsaufwand hergestellt werden. Das d&#252;rfte &#252;ber kurz oder lang auch f&#252;r die Etablierung von Umwelttechnologien gelten, die sich zur Zeit einer wachsenden Beliebtheit als Kandidaten f&#252;r eine neue “Schl&#252;sselindustrie” erfreuen. Es ist fraglich, ob Umwelttechnologien nicht bestenfalls eine kurze Atempause f&#252;r die kapitalistische Wertverwertung verschaffen k&#246;nnten. Man erinnere sich nur an die gro&#223;en Verhei&#223;ungen, die das aufkommen des Mobiltelefons mit sich brachte. Innerhalb von etwa zehn Jahren ist es vom gro&#223;en Hoffnungstr&#228;ger zu einem Ramschartikel verkommen, der bei jedem Discounter f&#252;r kleines Geld feilgeboten wird.<sup><a name="sdfootnote3anc" href="#sdfootnote3sym"><sup>3</sup></a></sup></p>
<h4>Letzte Hoffnung “Dienstleistungsgesellschaft”?</h4>
<p>Mehr als eine solche Gnadenfrist verspricht sich manch einer vom Heraufziehen einer neuen “Dienstleistungsgesellschaft”. K&#246;nnte die gesellschaftliche Gesamtarbeitszeit durch einen Ausbau dieses Wirtschaftszweiges gesteigert und damit Konsum, Produktion und Investitionen auf der Grundlage echter Werthaltigkeit des gesellschaftlichen Gesamtprodukts gew&#228;hrleistet werden? Schon im Jahr 1949 &#228;u&#223;erte der franz&#246;sische &#214;konom Jean Fourastié die Hoffnung, dass sich in den Industriel&#228;ndern eine umfangreiche “Dienstleistungsgesellschaft” etablieren w&#252;rde, in der massenhaft Arbeitspl&#228;tze vorhanden w&#228;ren.<sup><a name="sdfootnote4anc" href="#sdfootnote4sym"><sup>4</sup></a></sup> Bei genauem Hinsehen muss man allerdings feststellen, dass die Potenziale in den meisten Dienstleistungsbereichen entweder ersch&#246;pft sind (Finanzwirtschaft, Staatsdienst) oder durch ihre arbeitsplatzvernichtende Wirkung eher kontraproduktiv wirken (Informations- und Kommunikationstechnologie, Outsourcing).<sup><a name="sdfootnote5anc" href="#sdfootnote5sym"><sup>5</sup></a></sup><br />
Was &#252;brig bleibt, sind die so genannten “personennahen Dienstleistungen”. Von ihnen soll im Folgenden die Rede sein. Beim ersten Hinsehen scheinen hier besonders arbeitsintensive T&#228;tigkeitsbereiche einer weiteren Erschlie&#223;ung durch die Arbeitsgesellschaft zu harren. Um jedoch als tragender Wirtschaftszweig der kapitalistischen Verwertungsbewegung fungieren zu k&#246;nnen, m&#252;ssen die entsprechenden Arbeiten dem Zweck aus Geld mehr Geld zu machen unterworfen werden. Denn nur, wenn es durch das Nadel&#246;hr der Wertverwertung hindurch geht, fungiert das eingesetzte Geld als Kapital und erzeugt die notwendige Wertmasse, die ja zur Finanzierung der restlichen kapitalistischen Produktion dienen soll. Bei den “personennahen Dienstleistungen” sind es nun vor allem in die Bereiche Pflege, Gesundheit, Erziehung und Bildung, bei denen es von der reinen Bedarfslage her betrachtet tats&#228;chlich viel zu tun g&#228;be. Daher k&#246;nnte man auf den ersten Blick meinen, hier g&#228;be es enorme Besch&#228;ftigungspotenziale.<sup><a name="sdfootnote6anc" href="#sdfootnote6sym"><sup>6</sup></a></sup> Allerdings weisen die genannten Bereiche eine ganz spezifische Besonderheit auf. Sie besteht darin, dass der Gro&#223;teil der Leistungsempf&#228;nger in eben jener Lebenslage, die sie zu Empf&#228;ngern der betreffenden Dienstleistung macht, selbst nicht arbeitsf&#228;hig ist. Wer gerade die Leistungen des Erziehungs- und Bildungssystems in Anspruch nimmt, ist in der Regel zu jung um arbeiten zu gehen.<sup><a name="sdfootnote7anc" href="#sdfootnote7sym"><sup>7</sup></a></sup> Am anderen Ende der individuellen Lebenszeit steht das Pflege- und Gesundheitssystem. Hier ist das Gros der Leistungsempf&#228;nger bereits altersbedingt aus dem Besch&#228;ftigungssystem ausgeschieden. Hinzu kommt, dass die entsprechenden Dienstleistungen dann nicht mehr &#8211; wie bisher zum gr&#246;&#223;ten Teil &#8211; &#252;ber staatliche Transfers (sprich Steuern und Sozialversicherungsleistungen) finanziert werden k&#246;nnen, wenn sie gesamtkapitalistisch rentabel wirtschaften sollen. Dadurch l&#228;gen sie n&#228;mlich anderen Sektoren der kapitalistischen Gesamtproduktion auf der Tasche anstatt sie noch einmal durch eigene Wertsch&#246;pfung zu befeuern. Sollen Gesundheit und Bildung wirklich zu einer tragenden S&#228;ule der Wertsch&#246;pfung werden, dann muss f&#252;r sie das Motto “Keine Leistung ohne Gegenleistung!” in Kraft gesetzt werden. Das ist ein basales Credo kapitalistischer Gesellschaften, h&#228;ufig verk&#252;rzt auf das Grobe: “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!” Da jedoch die Empf&#228;nger die Kosten lebenslagebedingt nicht durch Arbeit bestreiten k&#246;nnen, fallen mindestens zwei Drittel der Bev&#246;lkerung in einer forcierten Dienstleistungsgesellschaft als zahlende Kunden aus, weil sie &#252;ber kein eigenes Verm&#246;gen verf&#252;gen.<sup><a name="sdfootnote8anc" href="#sdfootnote8sym"><sup>8</sup></a></sup> Dieser Umstand steht einer “Dienstleistungsrevolution” im personennahen Bereich diametral entgegen. Um es mit Marx zu sagen: Im Kapitalismus entscheidet der Profit &#252;ber Ausdehnung oder Beschr&#228;nkung der Produktion. “Sie kommt zum Stillstand, nicht wo die Befriedigung der Bed&#252;rfnisse, sondern wo die Produktion und Realisierung von Profit diesen Stillstand gebietet”.<sup><a name="sdfootnote9anc" href="#sdfootnote9sym"><sup>9</sup></a></sup> Selbst das schrumpfende Drittel verm&#246;gender Menschen ist letztlich darauf angewiesen, dass ihre Guthaben auf der Grundlage gelingender Wertverwertung anwachsen bzw. &#252;berhaupt erst entstehen k&#246;nnen &#8211; und genau diese Wertverwertung funktioniert immer weniger. In Folge dessen wird langfristig auch hier Substanz aus vergangenen Zeiten aufgezehrt und die Wertverwertungsbewegung kommt sp&#228;testens dann zum Stillstand, wenn gesellschaftsweit der letzte Spargroschen aufgezehrt ist. Auch ein angedachtes Perpetuum Mobile nach dem Motto “heutige Pflegekr&#228;fte, Lehrerinnen usw. sparen f&#252;r sp&#228;ter” w&#252;rde allenfalls auf Downcycling hinaus laufen. Letztlich sind die genannten Dienstleistungen also auf eine anderswo gelingende Wertverwertung angewiesen und k&#246;nnen folglich keineswegs selber eine tragende Rolle in diesem basalen kapitalistischen Prozess einnehmen.</p>
<h4>Zentralisierung des kapitalistischen Kreislaufs</h4>
<p>Im Prozess der allgemeinen Schrumpfung der kapitalistischen Verwertungsbewegung wird jede Form von Konsum in Frage gestellt, die nicht unmittelbar der kapitalistischen Reproduktion dient. Betrachten wir in diesem Zusammenhang den Begriff “Konsum” ein wenig n&#228;her. Jeder Konsum ist zun&#228;chst einmal Wertvernichtung. Wenn ein Mensch ein Brot isst, dann ist nicht nur der Gebrauchswert, sondern auch der Tauschwert dieses Nahrungsmittels aufgezehrt. Gleiches gilt auch f&#252;r Bildungs- und Pflegedienstleistungen.<sup><a name="sdfootnote10anc" href="#sdfootnote10sym"><sup>10</sup></a></sup> Diese Regel hat aber eine wichtige Ausnahme, die f&#252;r das System der Wertverwertung von entscheidender Bedeutung ist: Die produktive Konsumtion. Wenn etwa im Zuge der Herstellung eines industriellen Produktes Rohstoffe verbraucht werden, so wird deren Wert auf das hergestellte Produkt &#252;bertragen. Das Produkt kann weiterverarbeitet und dabei verbraucht werden, wodurch sein Wert wiederum auf das daraus hervorgegangene Produkt &#252;bertragen wird usw. Erst der Verzehr durch den Endkonsumenten bereitet dem darin enthaltenen Wert ein Ende. Selbst dann gibt es jedoch noch eine M&#246;glichkeit, wie dieser Wert noch weiter existieren kann. Und zwar, wenn der besagte Endkonsument seine durch den Warenkonsum (wieder-)hergestellte Leistungsf&#228;higkeit daf&#252;r einsetzt, neue Waren zu produzieren, sprich wenn er arbeitet. In diesem Fall wird selbst der finale Konsum zur Wert&#252;bertragung genutzt und der Wert der konsumierten G&#252;ter kehrt wieder in den Kreislauf der Wertproduktion zur&#252;ck.<sup><a name="sdfootnote11anc" href="#sdfootnote11sym"><sup>11</sup></a></sup> Aber der Wert von Waren und auch Dienstleistungen, die nicht von solchen Arbeitern konsumiert werden, erlischt nun wirklich endg&#252;ltig mit ihrem Konsum. Genau das ist der Fall, wenn Menschen, die f&#252;r den kapitalistischen Verwertungsprozess bereits zu alt oder noch zu jung sind, konsumieren. Ihr Konsum dient nicht dazu, als Arbeitskraft wieder in den Prozess der Kapitalreproduktion einzutreten.<sup><a name="sdfootnote12anc" href="#sdfootnote12sym"><sup>12</sup></a></sup> In der gegenw&#228;rtigen Phase des allgemeinen R&#252;ckgangs der Verwertungsbewegung gibt es nun eine wachsende Tendenz, die Geld- bzw. Warenstr&#246;me auf die zur Warenproduktion n&#252;tzlichen Gesellschaftsmitglieder (sprich auf die produktiven Konsumenten) zu konzentrieren. Auf diese Weise tritt das kapitalistische System in eine forciert sozialdarwinistische Phase ein und versucht sich durch fortschreitenden Ausschluss von immer mehr Menschen, die im Sinne der Wertverwertung &#252;berfl&#252;ssig sind, &#252;ber die Runden zu retten. Wer nichts zur Wertsch&#246;pfung beitragen kann, wird an den Rand gedr&#228;ngt und auf eine immer magerer ausfallende Armenspeisung umgestellt. Dadurch fallen allerdings auch nach und nach immer mehr Absatzm&#246;glichkeiten und dadurch wiederum urspr&#252;nglich rentable Arbeitsm&#246;glichkeiten weg. Wenn n&#228;mlich immer mehr Menschen keine Waren mehr kaufen k&#246;nnen, dann werden sukzessive auch zuvor “produktive Konsumenten” arbeitslos und damit zu unproduktiven Konsumenten. So wie ein Blutkreislauf im Falle von kritischen Situation (z.B. bei extremer K&#228;lte) zentralisiert wird und nur noch die lebenswichtigen Organe im K&#246;rperkern versorgt werden (wobei es durchaus passieren kann, dass periphere K&#246;rperteile absterben), so geschieht dann &#196;hnliches mit dem Kreislauf von Arbeit, Ware und Geld. Immer mehr Bereiche der Gesellschaft fallen nach und nach heraus. Nun ist aber gerade der Gro&#223;teil der medizinischen Versorgung, Pflege, Bildung etc. in einem Bereich der Wertverwertung angesiedelt, der besonders fr&#252;h von diesem Ausschlussprozess betroffen ist. Auf der Erscheinungsebene zeigt sich das seit einiger Zeit daran, dass diese Dienste tendenziell kostenpflichtig werden und sich eine wachsende Zahl von Menschen diese Dienste nicht leisten kann. So werden die Gesundheitsleistungen f&#252;r einen zunehmenden Teil der Bev&#246;lkerung unerschwinglich und in Folge dessen zur&#252;ckgefahren. &#196;hnliches ereignet sich auf dem Sektor der Bildung; hier wurden Studiengeb&#252;hren eingef&#252;hrt sowie Eliteuniversit&#228;ten eingerichtet bei gleichzeitiger Vernachl&#228;ssigung der Breitenbildung. Sowohl im Bildungs- wie auch im Gesundheitsbereich schrumpft also die Zahl der Menschen, die die betreffenden Leistungen bei entsprechender Qualit&#228;t in Anspruch nehmen k&#246;nnen. Beide Bereiche werden k&#252;nftig keinen nennenswerten Beitrag zur Akkumulation des Gesamtkapitals leisten. Die “Dienstleistungsgesellschaft” kommt nicht &#8211; auch nicht auf Basis der personennahen Leistungen.</p>
<h4>Anmerkungen</h4>
<p><a name="sdfootnote1sym" href="#sdfootnote1anc"> 1</a> Frankfurter Rundschau, 22.01.2009, S. 7.<br />
<a name="sdfootnote2sym" href="#sdfootnote2anc"> 2</a> Deutschland-Radio Berlin, 24.01.2009, 11:10 Uhr.<br />
<a name="sdfootnote3sym" href="#sdfootnote3anc"> 3</a> Zu weiteren Argumenten &#252;ber die (Un-)M&#246;glichkeit eines &#246;kologischen Umbaus innerhalb der kapitalistischen Wirtschaftsordnung siehe Exner, Andreas; Lauk, Christian: <a href="http://www.krisis.org/2008/die-oekologische-krise-des-kapitals">Die &#246;kologische Krise des Kapitals</a>. In: Streifz&#252;ge Nr. 44 / November 2008, S. 8-9.<br />
<a name="sdfootnote4sym" href="#sdfootnote4anc"> 4</a> Fourastié, Jean: Die gro&#223;e Hoffnung des 20. Jahrhunderts, K&#246;ln-Deutz 1954 [frz. Orig. 1949].<br />
<a name="sdfootnote5sym" href="#sdfootnote5anc"> 5</a> Was das so genannte “Outsourcing” &#8211; die Auslagerung von Firment&#228;tigkeiten auf externe “Dienstleister” &#8211; angeht, so handelt es sich hinsichtlich des Besch&#228;ftigungseffektes bestenfalls um Nullsummenspiele, da keine neuen Arbeitsm&#246;glichkeiten entstehen, sondern lediglich alte verlagert werden. Nicht selten wird das betreffende Arbeitsvolumen aufgrund h&#246;herer Effizienz sogar verringert. In den drei zuvor genannten T&#228;tigkeitsfeldern (Finanzwirtschaft, Staatsdienst und Informations-/Kommunikationstechnologie) wird noch dazu vor allem unproduktive Arbeit geleistet, also Arbeit, bei der kein Wert im kapitalistischen Sinne gesch&#246;pft wird. Siehe dazu die einschl&#228;gigen Aufs&#228;tze von Ernst Lohoff, Stefan Meretz und mir in krisis Nr. 31. Kurzfassungen dieser Aufs&#228;tze in Form einer Vortragsmitschrift finden sich unter <a href="http://www.krisis.org/2008/crashkurs-krise">http://www.krisis.org/2008/crashkurs-krise</a>.<br />
<a name="sdfootnote6sym" href="#sdfootnote6anc"> 6</a> Vertreter der “Theorie der langen Wellen” vertreten &#252;brigens seit den 1990er Jahren die Auffassung, dass der sog. “sechste Kondratieffzyklus” sich auf den Bereich der Gesundheitsdienstleistungen st&#252;tzen werde. Allerdings hat sich dieser Theoriestrang in j&#252;ngster Zeit bereits dadurch blamiert, dass der sog. “f&#252;nfte Kondratieff-Zyklus” (Computer, Internet, Telekommunikation) ein ziemlicher Rohrkrepierer war &#8211; sieht man einmal von der Dot.com-Blase ab. Ferner wird zur Zeit vielmehr krampfhaft an einer uralten Tr&#228;gertechnologie, n&#228;mlich dem Auto (”Basistechnologie” des “vierten Kondratieff-Zyklus”) festgehalten. Man denke nur an die Verschrottungspr&#228;mie f&#252;r Altautos in Deutschland, die derzeit einen kleinen Boom bei den Autoh&#228;ndlern auszul&#246;sen scheint.<br />
<a name="sdfootnote7sym" href="#sdfootnote7anc"> 7</a> Im Sp&#228;tkapitalismus wird Bildung immer mehr zur conditio sine qua non, um sich &#252;berhaupt noch als Arbeitskraft verdingen zu k&#246;nnen. Junge Menschen m&#252;ssen daher erst eine lange Bildungsstrecke zur&#252;cklegen, bevor sie akzeptable Arbeitseinkommen erzielen k&#246;nnen. Au&#223;erdem entspricht die umfangreiche t&#228;gliche Bildungszeit zunehmend selbst einen kompletten Arbeitstag.<br />
<a name="sdfootnote8sym" href="#sdfootnote8anc"> 8</a> Zwei Drittel der Deutschen Bev&#246;lkerung verf&#252;gen &#252;ber kein oder nur ein sehr geringes Sach- bzw. Geldverm&#246;gen. Hinzu kommen im Falle von Gesundheitsleistungen die strengen Regelungen der Verm&#246;gensanrechnung bei Hartz IV-Bezug, der wiederum vor allem &#228;lteren Menschen droht (Stichwort Altersarbeitslosigkeit). Die f&#252;hren dazu, dass bei Bezug von Arbeitslosengeld II erst ein Gro&#223;teil der Verm&#246;gensbest&#228;nde aufgezehrt werden muss, bevor ein berechtigter Anspruch auf Leistungen besteht. Dieses Verm&#246;gen steht dann nicht mehr zur Zahlung entsprechender Dienstleistungen im Fall von sp&#228;terer Pflege- bzw. medizinischer Behandlungsbed&#252;rftigkeit zur Verf&#252;gung.<br />
<a name="sdfootnote9sym" href="#sdfootnote9anc"> 9</a> MEW 25, S. 269.<br />
<a name="sdfootnote10sym" href="#sdfootnote10anc">10</a> Dass solche Dienstleistungen &#8211; anders als ein Brot &#8211; nicht aufbewahrt werden k&#246;nnen, sondern bereits im Moment ihrer Herstellung “verzehrt” werden, muss uns nicht weiter irritieren.<br />
<a name="sdfootnote11sym" href="#sdfootnote11anc">11</a> In seinem Text “<a href="http://www.krisis.org/2008/veroeffentlichung-untersagt">Die Himmelfahrt des Geldes</a>” (krisis Nr. 16/17, 1995, S. 34f.) erliegt Robert Kurz der Versuchung, die Marxsche Kategorie des produktiven Konsums zur Bestimmung des (f&#252;r die Theoriebildung &#228;u&#223;erst wichtigen) Unterschiedes zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit heranzuziehen. Laut Kurz kann eine klare Begriffstrennung zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit “kreislauftheoretisch” gewonnen werden, indem Produkte nur dann Resultate produktiver Arbeit seien, wenn sie von produktiven Arbeitern verzehrt werden. Aber welche Arbeiter sind produktive Arbeiter? Wenn sie produktive Arbeit leisten? Die wiederum ist Arbeit, deren Produkte von produktiven Arbeitern verzehrt wird… Es ist leicht zu erkennen, dass sich diese Argumentation nicht halten l&#228;sst, weil sie den Charakter eines Zirkelschlusses hat. Dieser Fehlschluss steht bei Kurz im Kontext der Beschreibung eines gesellschaftlichen Prozesses, den man als Zentralisierung der Waren- und Geldkreisl&#228;ufe bezeichnen k&#246;nnte (siehe hierzu im Haupttext weiter unten). Diese Beschreibung taugt allerdings in keinster Weise zur Bestimmung des Begriffs der “produktiven Arbeit”. Aufgrund eines &#252;berschie&#223;enden Vereinfachungsbed&#252;rfnisses definiert Kurz misslingende Wertrealisierung (sprich misslingenden Warenabsatz), die sich aufgrund misslingender Akkumulation ergibt, in der Weise um, dass die in den nicht abzusetzenden Waren steckende Arbeit unproduktive Arbeit sei. Das ist sehr verf&#252;hrerisch, vor allem jedoch hochproblematisch. 1) Zum einen gibt es eindeutig unproduktive Arbeiten (etwa in der Zirkulationssph&#228;re), die beim besten Willen nicht auf Kurz’ Kreislauftheorem reduzierbar sind: Arbeit, die (noch) im Zentrum des Verwertungsgeschehens steht, ist nicht gleich produktive Arbeit. Denn dort werden sich immer auch Arbeiten befinden, die nicht produktiv, aber f&#252;r das Funktionieren des Kapitalismus unersetzbar sind &#8211; z.B. eben solche der Zirkulation. 2) Zum anderen kann man nach Kurz erst im Nachhinein wissen, ob eine Arbeit unproduktiv gewesen sein wird. Daraus ergeben sich weitere gravierende theoretische Probleme. Kurzum: Der zirkul&#228;re Schluss von der Zentralisierung der Kreisl&#228;ufe auf die Definition von produktiver Arbeit f&#252;hrt in die Irre. Die Kreislauftheorie ist auf einer anderen analytischen Ebene angesiedelt. Sie tr&#228;gt zur Kl&#228;rung der Frage nach dem kategorialen Unterschied von produktiver und unproduktiver Arbeit nichts bei und durch die Kurzsche Argumentation wird nichts klarer.<br />
<a name="sdfootnote12sym" href="#sdfootnote12anc">12</a> Das gilt im Kapitalismus nat&#252;rlich generell f&#252;r Menschen, die nicht am allgemeinen Produktionsprozess beteiligt sind, z.B. auch f&#252;r Arbeitslose.</p>
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		<title>Interview: Nach der Krise ist vor der Krise</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Apr 2009 21:54:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Ernst Lohoff]]></category>
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		<description><![CDATA[Interview mit Ernst Lohoff auf Radio Z, N&#252;rnberg, am 3.10.2008 (9 min., 6 MB)
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		<title>Vortrag: Weltmarktbeben</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 13:02:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Norbert Trenkle]]></category>
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		<description><![CDATA[Vortrag von Norbert Trenkle am 19. November 2008 in G&#246;ttingen
Download Vortrag (66 min., 17 MB) &#8211; Download Diskussion (48 min., 12 MB)
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			<content:encoded><![CDATA[<h3>Vortrag von Norbert Trenkle am 19. November 2008 in G&#246;ttingen</h3>
<p><strong><a href="http://www.antifee.de/180grad/download/vortraege/Trenkle-Weltmarktbeben_01_Vortrag.ogg">Download Vortrag</a></strong> (66 min., 17 MB) &#8211; <strong><a href="http://www.krisis.org/wp-content/data/trenkle-weltmarktbeben_02_diskussion.ogg">Download Diskussion</a></strong> (48 min., 12 MB)</p>
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		<title>Κριτική Θεωρία για τον Καπιταλισμό σήμερα</title>
		<link>http://www.krisis.org/2009/3448</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Mar 2009 12:23:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kritik der Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Wert, Ware, Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[Ελληνικά]]></category>
		<category><![CDATA[Moishe Postone]]></category>

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		<description><![CDATA[English version &#8211; T&#252;rk versiyon
Η συνέντευξη αυτή με τον Moishe Postone που δόθηκε στον Salih Selcuk και δημοσιεύτηκε στο τουρκικό περιοδικό YARIM
(Istanbul, Φεβρουάριος 2005‏(, μεταφράστηκε από τα αγγλικά στις αρχές Γενάρη του 2006 από το περιοδικό «Terminal 119: για την κοινωνική και ατομική αυτονομία». Στην αγγλική της μορφή πρωτοδημοσιεύθηκε στη σελίδα της γερμανικής συλλογικότητας Krisis)
Ερωτήσεις
1. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h4><a href="http://www.krisis.org/2005/critical-theory-of-capitalism-today">English version</a> &#8211; <a href="http://www.krisis.org/2005/moishe-postone-ile-kapitalizmin-guencel-elestirel-teorisi">T&#252;rk versiyon</a></h4>
<h3>Η συνέντευξη αυτή με τον Moishe Postone που δόθηκε στον Salih Selcuk και δημοσιεύτηκε στο τουρκικό περιοδικό YARIM</h3>
<p><span id="more-3448"></span>(Istanbul, Φεβρουάριος 2005‏(, μεταφράστηκε από τα αγγλικά στις αρχές Γενάρη του 2006 από το περιοδικό «Terminal 119: για την κοινωνική και ατομική αυτονομία». Στην αγγλική της μορφή πρωτοδημοσιεύθηκε στη σελίδα της γερμανικής συλλογικότητας Krisis)</p>
<p>Ερωτήσεις</p>
<p>1. Επαναπροσδιορίζετε τις βασικές κατηγορίες της κριτικής της πολιτικής οικονομίας του Μαρξ. Σύμφωνα με την άποψη σας, πού φαίνεται σήμερα ο μαρξισμός να είναι ανεπαρκής όταν καλείται να εξηγήσει την καπιταλιστική κοινωνία;</p>
<p>2. Η «Εργασία», όπως ισχυρίζεστε, μοιάζει να είναι η βασική κατηγορία που συγκροτεί την καπιταλιστική ζωή. Μπορεί κανείς/ καμιά να συνθέσει σήμερα μια έξυπνη κριτική του καπιταλισμού χωρίς να ασκεί κριτική στην εργασία;</p>
<p>Ο επαναπροσδιορισμός που επιχειρώ στις κεντρικές κατηγορίες της κριτικής της πολιτικής οικονομίας του Μαρξ επηρεάστηκε εν μέρει από τους μαζικούς παγκόσμιους ιστορικούς μετασχηματισμούς από το 1973 και μετά. Αναδρομικά, από την πλεονεκτική θέση του πρώιμου 21ου αιώνα, μπορούμε να δούμε πιο καθαρά ότι ο καπιταλισμός έχει υπάρξει με μια πλειάδα διαφορετικών ιστορικών διαμορφώσεων – για παράδειγμα, ως φιλελεύθερος καπιταλισμός του 19ου αιώνα, ως κρατικιστικός, «φορντιστικός» καπιταλισμός του 20ου αιώνα και, πλέον, ως νεο-φιλελεύθερος παγκόσμιος καπιταλισμός. Αυτό μας δείχνει ότι η καπιταλιστική ιστορία δεν μπορεί να κατανοηθεί επαρκώς ως γραμμική ανάπτυξη. Επίσης, ακόμη πιο σημαντικό, μας δείχνει φανερά ότι τα πιο βασικά χαρακτηριστικά του καπιταλισμού δεν μπορούν να ταυτιστούν εντελώς με οποιαδήποτε από τις ιδιαίτερες ιστορικές του διαμορφώσεις.</p>
<p>Αποπειράθηκα, μέσω μιας επισταμένης μελέτης των πιο θεμελιωδών κατηγοριών της μαρξικής κριτικής της πολιτικής οικονομίας, να κατανοήσω τα πιο βασικά χαρακτηριστικά του καπιταλισμού – αυτά που χαρακτηρίζουν την καρδιά της κοινωνικής δομής, μέσω των ποικίλων ιστορικών του διαμορφώσεων. Πάνω σε αυτή τη βάση ισχυρίστηκα ότι ο παραδοσιακός μαρξισμός αναγνώρισε βασικά χαρακτηριστικά του φιλελεύθερου καπιταλισμού – την αγορά και την ατομική ιδιοκτησία των μέσων παραγωγής – ως τα πιο θεμελιώδη χαρακτηριστικά του καπιταλισμού γενικά. Σε άμεση συνάρτηση με αυτό, επιπλέον, έθεσε την κατηγορία της εργασίας ως το κεντρικό σημείο από το οποίο ασκούταν κριτική στον καπιταλισμό. Ο καπιταλισμός ταυτίστηκε με την αστική τάξη κι ο σοσιαλισμός με το προλεταριάτο.</p>
<p>Σύμφωνα με τη δική μου ερμηνεία, ωστόσο, μακριά από το να είναι το κεντρικό σημείο κριτικής στον καπιταλισμό, η καπιταλιστική εργασία συγκροτεί απλά το κεντρικό αντικείμενο της κριτικής του Μαρξ και βρίσκεται στον πυρήνα των μαρξικών κατηγοριών του εμπορεύματος και του κεφαλαίου. Ισχυρίστηκα, αντίθετα, ότι στον πυρήνα του ιστορικού σχηματισμού βρίσκεται μια ιστορικά συγκεκριμένη μορφή κοινωνικής διαμεσολάβησης που συγκροτείται από την εργασία – συγκεκριμένα, η Αξία. Αυτή η μορφή διαμεσολάβησης (η οποία επίσης είναι μια μορφή πλούτου) είναι την ίδια στιγμή μια ιστορικά συγκεκριμένη μορφή κυριαρχίας που μπορεί να εκφραστεί μέσω της ταξικής κυριαρχίας, αν και δεν ταυτίζεται με αυτήν. Είναι αφηρημένη, χωρίς κάποιο συγκεκριμένο τόπο (κέντρο δράσης, locus) και είναι επίσης δυναμική μέσα στο χρόνο. Αυτή η μορφή κυριαρχίας που εμφανίζεται ως εξωτερική αναγκαιότητα, παρά ως κοινωνική, γεννά τόσο τον καπιταλιστικό τρόπο παραγωγής όσο και τον εγγενώς δυναμικό χαρακτήρα του συστήματος. Είναι, φυσικά, αδύνατον ακόμη και το να ξεκινήσεις να διερευνήσεις την πολυπλοκότητα των θεμάτων που έχουν σχέση με αυτό, αλλά μερικοί σημαντικοί συλλογισμοί είναι ότι η βιομηχανική παραγωγή, η οποία ιστορικά αρχίζει να υπάρχει παράλληλα με τον καπιταλισμό, δεν αντιπροσωπεύει και τη βάση του σοσιαλισμού, αλλά είναι εγγενώς καπιταλιστική. Ότι το πρόβλημα ανάπτυξης του καπιταλισμού δεν είναι μόνο ότι κυριαρχείται από την κρίση, αλλά ότι η ίδια η μορφή ανάπτυξής του είναι προβληματική. Ότι η ύπαρξη της αστικής τάξης δεν αποτελεί το έσχατο σημείο που ορίζει τον καπιταλισμό και ότι ο κρατικός καπιταλισμός (που ακροθιγώς περιέγραψε ο Μαρξ το 1844) μπορεί να υπάρξει και βασικά υπήρξε. Τέλος, ότι το προλεταριάτο είναι η τάξη της οποίας η ύπαρξη ορίζει τον καπιταλισμό και ότι το ξεπέρασμα του καπιταλισμού αφορά στην κατάργηση – και όχι στον εορτασμό – της προλεταριακής εργασίας.</p>
<p>Ο παραδοσιακός μαρξισμός έχει κιόλας καταντήσει αναχρονιστικός στον 20ο αιώνα με πολλούς και ποικίλους τρόπους. Ήταν ανίκανος να παράσχει μια θεμελιώδη κριτική των μορφών του κρατικού καπιταλισμού που αναφέρονται ως «υπαρκτός σοσιαλισμός». Επιπρόσθετα, το πώς κατανόησε τη χειραφέτηση εμφανίζεται διαρκώς και περισσότερο εξίσου αναχρονιστικό, αν δει κανείς/ καμιά τις φιλοδοξίες, τις ανάγκες και τις κινητήριες επιθυμίες που εκφράστηκαν στο τελευταίο τρίτο του 20ου αιώνα από τα λεγόμενα «νέα κοινωνικά κινήματα». Όπου ο παραδοσιακός μαρξισμός έτεινε να επιβεβαιώσει την προλεταριακή εργασία και, με αυτό τον τρόπο, τη δομή της εργασίας που αναπτύχθηκε ιστορικά, ως διάσταση της καπιταλιστικής ανάπτυξης, τα νέα κοινωνικά κινήματα εξέφρασαν μια κριτική αυτής της δομής της εργασίας, αν και κάποιες φορές με μια ατελή και ανώριμη μορφή. Ισχυρίζομαι, εν τέλει, ότι η ανάλυση του Μαρξ είναι μια ανάλυση που εστιάζει πέρα από την υπαρκτή δομή της εργασίας.</p>
<p>3. Κατά την άποψη σας, η κατάρρευση του σοσιαλισμού δεν αποτελεί το τέλος ενός εναλλακτικού προτάγματος αλλά το τέλος του φορντισμού. Πότε και με ποιον τρόπο ξεπεράστηκε ο φορντισμός;</p>
<p>4. Ο καπιταλισμός όλο και πιο αποσυνδέεται από την εστίασή του στο Κράτος και, έτσι, δεν μπορεί να συλληφθεί πλέον μόνο με τους όρους του έθνους-κράτους. Πως είναι δυνατόν, κάτω από τέτοιες περιστάσεις, να διατυπώσουμε μια χειραφετική προοπτική;</p>
<p>Αναλύοντας αναδρομικά,  μοιάζει όλο και πιο ξεκάθαρο ότι ο σοβιετικός κομμουνισμός δεν μπόρεσε με κανένα τρόπο να εκφράσει ένα ξεπέρασμα του καπιταλισμού. Αυτό συνέβη όχι μόνο λόγω, όπως έχουν τονίσει ήδη πολλοί πιο πριν, του μη δημοκρατικού και καταπιεστικού χαρακτήρα του καθεστώτος, αλλά επίσης λόγω του ότι η άνοδος, το απόγειο και η παρακμή της Σοβιετικής Ένωσης ακολούθησε την ιστορική τροχιά  της ανόδου, του απογείου και της παρακμής του κρατικιστικού, Φορντιστικού καπιταλισμού. Αυτό μας λέει ότι η Σοβιετική Ένωση θα έπρεπε να κατανοηθεί ως μια παραλλαγή του κρατικιστικού καπιταλισμού της Φορντιστικής περιόδου, μια παραλλαγή της οποίας η συγκεκριμένη μορφή ήταν εγγενώς συσχετισμένη με την προσπάθειά της να δημιουργήσει εθνικό (σε αυτή την περίπτωση κρατικής ιδιοκτησίας) κεφάλαιο στη βάση μιας ραγδαίας και βάναυσης μορφής αυτού που ο Μαρξ αποκαλούσε «πρωτογενή συσσώρευση». Ένα σχέδιο συγκρότησης του κεφαλαίου σε εθνική βάση δεν μπορεί, σε οποιοδήποτε επίπεδο, να εξισωθεί με ένα πρόταγμα ξεπεράσματος του καπιταλισμού. Ένα αποτέλεσμα της ιστορίας της σοσιαλιστικής ιδεολογίας σε μια χώρα αποτελεί το ότι η μαρξική κριτική του καπιταλισμού η οποία είναι στον ίδιο της τον πυρήνα ιστορική, και άρα προσωρινή, αντικαταστάθηκε από μια κοσμοθεώρηση που ήταν στον ίδιο της τον πυρήνα χωρική («η ιδέα των σοσιαλιστικών και καπιταλιστικών στρατοπέδων») – μια ιδεολογία που αναπαριστούσε ειρωνικά μια προέκταση του «Μεγάλου Παιχνιδιού (1η ΣτΜ) του 19ου αιώνα.</p>
<p>Τα όρια της κρατικιστικής, Φορντιστικής διαμόρφωσης του καπιταλισμού αποκαλύφθηκαν από την κρίση στις αρχές του 70’, η οποία οδήγησε σε μια αποσύνθεση αυτής της συνθήκης (αν και υπάρχουν διαφορετικές ερμηνείες των βασικών θεμελίων αυτής της κρίσης). Τελικά, μια νέα, νεο-φιλελεύθερη παγκόσμια διαμόρφωση του καπιταλισμού αναδύθηκε. Αξίζει να σημειώσουμε, όσον αφορά αυτή την πλευρά, ότι η ραγδαία παρακμή της Σοβιετικής Ένωσης ξεκίνησε στα 1970 και όχι στα 1980 που σημαίνει ότι δεν ήταν αποτέλεσμα του πολέμου στο Αφγανιστάν ή του εντεινόμενου αγώνα των στρατιωτικών εξοπλισμών ενάντια στις ΗΠΑ. Από την άλλη πλευρά, οι στρατηγικές του Deng (2η ΣτΜ) στην Κίνα θα μπορούσαν να ερμηνευτεί ότι εκφράζουν μια επίγνωση ότι η εποχή του κρατικισμού είχε τελειώσει (τουλάχιστον προσωρινά).</p>
<p>Η κατάρρευση της Σοβιετικής Ένωσης δεν μπορεί με κανένα τρόπο να σηματοδοτήσει το τέλος του σοσιαλιστικού σχεδίου – με την έννοια μιας θεμελιώδους κριτικής στον καπιταλισμό που στοχεύει στην πραγμάτωση του χειραφετικού δυναμικού που ο καπιταλισμός ιστορικά τόσο εξέθρεψε όσο και περιόρισε και υπονόμευσε. Και, ακόμη, έκανε πρόδηλο ένα μεγάλο αποπροσανατολισμό. Αυτός ο αποπροσανατολισμός εκφράζει, εν μέρει, τις αρνητικές ιστορικές συνέπειες του μαρξισμού-λενινισμού στο σοσιαλιστικό φαντασιακό. Εκφράζει, ακόμη, εν μέρει, τις δυσκολίες συγκρότησης μιας σοσιαλιστικής κριτικής στη μετά-κρατική εποχή που, από τη μια πλευρά, ενώ είναι κριτική στην Αγορά και στην ατομική ιδιοκτησία των μέσων παραγωγής, δεν εστιάζει θεμελιωδώς σε τέτοιες αστικές σχέσεις. Ωστόσο, το να επεξεργάζεσαι ακόμα μια τέτοια κριτική – η οποία επίσης θα περιλάμβανε μια αποκατάσταση της ιδέας του διεθνισμού που δεν αποτελεί απλά ένα ιδεολογικό σχήμα μιας θεμελιωδώς εθνικιστικής κοσμοθεώρησης (υπεράπιστης του «σοσιαλιστικού στρατόπεδου») – είναι απόλυτα ουσιώδες. Είναι ουσιώδες επειδή ο καπιταλισμός είναι αληθινά παγκόσμιος και δεν μπορεί επαρκώς να κατανοηθεί ως αποικιοκρατισμός, δηλαδή απλά μια επιβολή των δυτικών αξιών και θεσμών σε άλλα μέρη του κόσμου. Ο καπιταλισμός μπορεί συμπτωματικά να αναδύθηκε στη Δύση αλλά άλλαξε θεμελιακά την ίδια τη Δύση, ακριβώς όπως αλλάζει και τον υπόλοιπο κόσμο. Η μόνη θεωρία που παρέχει μια επαρκή θεμελίωση για μια σκληρή κριτική θεωρία του παγκόσμιου καπιταλισμού είναι αυτή που συγκροτείται για πρώτη φορά από τον Μαρξ. Οι κριτικές θεωρίες που ήταν τόσο διακριτά ισχυρές στα 1970 και 1980, όπως ο μετα-δομισμός, κείνται πλέον αβοήθητες μπροστά στον παγκόσμιο καπιταλισμό. Η αποτυχία του να θεμελιωθεί, πάνω στη διανοητική κληρονομιά του Μαρξ, η σύνθεση μιας μετα-παραδοσιακής κριτικής θεωρίας του καπιταλισμού, αφήνει το πεδίο της κριτικής στις εξαιρετικά αντιδραστικές και επικίνδυνες μορφές του «αντι-καπιταλισμού» και «αντι-ιμπεριαλισμού» που δεν είναι πλέον περισσότερο χειραφετικοί απ’ ότι ήταν ο φασιστικός «αντι-καπιταλισμός» και «αντι-ιμπεριαλισμός» στο πρώτο μισό του 20ου αιώνα.</p>
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		<title>Tremors on the Global Market</title>
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		<pubDate>Tue, 24 Mar 2009 20:19:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Achim</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krisentheorie und Krisenanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Tagesgeschehen]]></category>
		<category><![CDATA[Wert, Ware, Fetisch]]></category>
		<category><![CDATA[English]]></category>
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Deutsche Version &#8211; Versión española
On the underlying causes of the current financial crisis.
 Norbert Trenkle
translated by Josh Robinson
[In 2005, Franz M&#252;ntefering, at the time chairman of the German Social Democratic Party, made articulated a ‘critique of capitalism’ according to which the blame for the increased economic instability and precarisation of twenty-first-century capitalism lies with ‘greedy [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span class="zaehl"><img src=src="http://vg07.met.vgwort.de/na/eb87d1af4c644882bf6776af2a05ecce" alt="" width="1" height="1" /></span><br />
<strong><a href="http://www.krisis.org/2008/weltmarktbeben">Deutsche Version</a> &#8211; <a href="http://www.krisis.org/2009/terremoto-en-el-mercado-mundial">Versión española</a></strong></p>
<h3>On the underlying causes of the current financial crisis.</h3>
<p><em> Norbert Trenkle</em><span id="more-3383"></span><br />
translated by Josh Robinson</p>
<p>[In 2005, Franz M&#252;ntefering, at the time chairman of the German Social Democratic Party, made articulated a ‘critique of capitalism’ according to which the blame for the increased economic instability and precarisation of twenty-first-century capitalism lies with ‘greedy speculators’, whom he described as locusts. This prompted a wide-ranging debate on the German left as to the appropriateness of this and other images that replace analysis of the structural logic of capitalism with moral condemnation of individual agents within this logic. In conjunction with hostility towards finance capital, this personification of structural relationships resonates with the long tradition of what August Bebel termed the ‘socialism of fools’, culminating in the ‘critique of capitalism’ advanced by the NSDAP and the contemporary far-right. This essay, written during the early stages of development of the current financial crisis in May 2008, is a contribution to the analysis of the nature of the relationship between the current over-inflation of the financial markets and the dynamics of globalised capitalism, and of its consequences for trade unions and social movements. – JR]</p>
<p>The causes of the current crisis in the international financial markets, which is threatening to develop into a genuine global market crisis, have been attributed by almost all commentators and economic experts to the uninhibited freedom granted to speculation, particularly in the USA. The principal agents of this speculation are generally held to be the banks and investment-funds, but also the governments and central banks (particularly the US government and federal reserve) which have enabled and supported this development. Those who have for years seen the causes of every economic and social fissure – mass unemployment, pressure on wages, increased local competition and the tearing down of social security – in the fact that speculation has been set free and become an end in itself, and who see regulation and control of the financial markets as the key to solving these problems, now feel that their views have been confirmed.</p>
<p>On a superficial level, it could indeed appear that the financial markets constitute the original cause of the increasing economic pressure on society as a whole. Who could deny that the markets have taken on historically unprecedented levels of significance and have a stronger influence than ever on economic development? Does that not itself almost amount to blaming them primarily for social misery? It is not simply because they reflect surface-appearances that polemics against hedge funds, private equity funds and other players of the financial markets (particularly those that use ideologically incendiary images such as ‘locusts’ and ‘blood-suckers’)<sup><a name="sdfootnote1anc" href="#sdfootnote1sym"><sup>1</sup></a></sup> find such strong resonance in the public sphere. More than that, they can find support in the widespread preconception that finance capital, banks and ‘speculators’ are responsible for most of the evils of capitalism, because they supposedly extract their profit at the expense of ‘honest labour’ and of ‘productive entrepreneurship’, without themselves lifting a finger. Thus the frequent denouncements of the ‘insatiable greed’ of speculators who are supposedly in search of ‘excessive rates of return’, as if capitalist production were not by its very nature based on the maximisation of profit, as if it didn&#8217;t already stop at nothing in pursuit of this aim.</p>
<p>This is clearly no critique of capitalism: it is at best a nostalgic look back at the post-war regulation of capitalism by a social state, in a world that was still ‘in order’. Worse still, it opens the door for delusional antisemitic projections, at the core of which is the division of capital into a (concrete) ‘creative capital’ and an (abstract) ‘grasping capital’, in which ‘the speculators’ are identified with ‘the Jews’, who reputedly pull the strings behind the scenes of global economics and politics. This dangerous ideological combination has in recent years been identified and criticised many times – I thus don’t treat it in further detail here.<sup><a name="sdfootnote2anc" href="#sdfootnote2sym"><sup>2</sup></a></sup> I shall instead concentrate on evidence for the claim that these one-sided attacks on finance capital also turn the cause-effect relationships of the functional logic of capitalism on their head, which blocks the way not only for an analysis of the ongoing crisis, but also for an adequate opposition to the unreasonable social and political demands that are bound up with it.</p>
<h4>The long-term repercussions of the crisis of Fordism</h4>
<p>A glance at history shows that the development of large-scale speculative and credit-bubbles has never been the cause of capitalist crises; rather, it has always been simply a consequence and stage in the development of the crisis-process, the causes of which can always be traced back to stagnation in the valorisation of capital in the real economy. This is no less true for the current financial crisis and for the long period of speculation that preceded it, even if there are certain characteristics that distinguish it from previous crises.</p>
<p>It is generally recognised that it was in the mid-1970s that the financial markets first began to grow rapidly and become independent. This was not, as is often asserted now, caused by any deliberate political decision or by the influence of neo-liberal think-tanks and powerful economic interest-groups, but by the fact that the long post-war boom fell into a structural crisis, as Fordism ran up against its limits. The exhaustion of organisational and administrative reserves of productivity of standardised mass-production brought about increased pressure on rates of profit, while at the same time labour had successfully struggled for increases in wages and social services, and the capital-costs of financing general public infrastructure continued to rise. Then, when the OPEC countries raised oil-prices gently – which caused the costs of the excessive exploitation of fossil energy-reserves to rocket – the self-supporting thrust of post-war growth came to an end. There was no increased investment in the means of production, factories, buildings etc., because these could no longer produce sufficient profit; a significant proportion of capital was thus ‘set free’ and found no profitable investment.</p>
<p>But since capital is by its nature self-valorising value – that is, since the only purpose to capitalist production consists in making more money out of money (which is the source of capitalism’s compulsion to perpetual quantitative growth without regard for human needs or natural limits) – such a stagnation in the process of valorisation is synonymous with a crisis. More precisely: with a crisis of over-accumulation, or, to put it in the vocabulary of contemporary macro-economics, with a crisis of over-investment. A proportion of capital becomes excessive (measured according to its own abstract rationality as an end in itself) and is therefore threatened by devalorisation. And when this devalorisation happens, it is not constrained to the collapse of individual companies and banks (as is the case in the normal functioning of capitalism) but reverberates, mediated through and strengthened by negative multiplying effects – through the entire economy and society.</p>
<p>Precisely this danger threatened in the mid-1970s – as was predicted by many (not only left-wing) economists.<sup><a name="sdfootnote3anc" href="#sdfootnote3sym"><sup>3</sup></a></sup> But why didn’t it happen? Why did the great world-economic crisis fail to break through? One fundamental reason was that a substantial proportion of the superfluous capital that could no longer be invested in the real economy was diverted into the financial markets, where it was then invested primarily in government bonds, but also increasingly in stock- and security-speculation. This diversion into the financial sphere, seen on its own, is a perfectly normal stage of progression of every crisis of the valorisation of capital. Marx had already analysed it in relation to the crisis of 1857, and coined for it the term ‘fictitious capital’. Credit and speculation capital is fictitious because it only apparently serves as capital. For it yields high interest-rates and speculative gains it for its owner in the relative absence of real valorisation takes place, which always presupposes that abstract labour is spent on the production of commodities and services and that a proportion of it is siphoned off as surplus value. But the ‘returns’ that fictitious capital ‘yields’ stem from other sources, whether taxes and new credits (in the case of exponentially growing national debt), bets on the future (in the case of speculative gains) or the selling off of social substance (in the case of privatisation).</p>
<p>This is most obvious in the case of increasing national debt: the state borrows money in order to flush it straight back into circulation. From the point of view of the creditor, this money appears as capital, because it ‘yields’ interest. But it fact it is long-since spent, and therefore exists as ‘value’ only in the form of receipts (government bonds). But personal loans and mortgages function according to the same principle: the debtor borrows money to to buy houses, cars or other consumer goods; although the money is long-since spent, it appears to the creditor as capital that has been profitably invested. Admittedly, from the creditors’ perspective, this relationship doesn&#8217;t matter at all. Credit and speculation seem to them no less ‘real’ opportunities for investment, as long as the sources of money continue to gush.</p>
<p>However, the growth of fictitious capital not only provides an alternative choice for investors, but also constitutes, when viewed on the macroeconomic level, a deferral of the outbreak of crisis. For the turn to the financial markets prevents the devalorisation of superfluous capital only temporarily, and at the same time also creates increased purchasing power through various mechanisms, which in turn increases the demand for commodities and services and thus keeps the real economy running, or even stimulates it. In the case of increases in public borrowing this mechanism functions immediately, and has become a central instrument of economic policy. Regardless of whether the state spends the borrowed money on building roads, buying fighter planes or social transfer payments, it always flows straight back into consumer circulation and stimulates further economic activity. As the latest property boom in the USA has shown, personal loans and mortgages carry out precisely the same macroeconomic function, the only difference being that the debtors are private individuals. To a certain degree, profits from the financial market also flow back into the real economy, whether through money spent on fixtures and furnishings for banks, funds and other institutional players of the financial markets (from the fleet of company cars, via the computers, to the prestigious office-buildings), or through the fact that employees and investors finance their own consumption through yields from interest and speculation. Fictitious capital is to this extent anything but a dead weight that burdens the real economy and prevents it from functioning properly. Quite the opposite: it enables the temporary prolongation of capitalist business as usual.</p>
<p>In no great capitalist crisis so far has this means of deferring the crisis lasted long. A short period of speculative overheating has been followed by a large crash, in which the built-up potential for crisis discharged with huge impact, destroying in a single stroke a substantial proportion of economic and social structures. The historical particularity of the crises of Fordism consists in the fact that such a huge devalorisation of the speculation and credit amassed in the aftermath of the crisis has not yet taken place. But this should by no means be taken to mean that the principles of the logic of capitalist valorisation and function have been disproved, as has repeatedly been asserted. Only the immensely long duration of the deferral is historically unique: mediated through the mechanisms of fictitious capital, it is structurally no different from previous crises, and must therefore sooner or later discharge into a surge of devalorisation. To this long duration corresponds the correspondingly gigantic inflation of the speculation and credit bubbles. If it is the case that today – as it says in almost every newspaper – about 97% of all international transactions serve purely speculative ends, this is no evidence of economic ‘malfunction’ or even for the ‘greed’ of insatiable speculators, but simply shows the extent to which the deferral of the crisis has grown, and thus also the huge potential for crisis that has been built up.</p>
<h4>The particularities of the long deferral of the crisis</h4>
<p>Seen politically, it was the growing liberalisation of the transnational financial markets and the final delinking of money from gold (the US dollar leaving the gold standard in 1971 was the beginning of the end of the system of regulated exchange-rates), that made it possible to prolong the deferral of the crisis for such a long time in the first place. For it was only in this way that the global money supply could grow to an extent unimaginable in previous crises, during which the gold standard and nationally regulated financial markets set limits to monetary expansion. The decision to tear down these limits was not a wilful political act that can be attributed to the influence of particular powerful interest groups.<sup><a name="sdfootnote4anc" href="#sdfootnote4sym"><sup>4</sup></a></sup> Rather, it was a consequence of economic development in the 1950s and 60s, which dug away little by little at the foundations of the Bretton Woods system. As the undisputed economic supremacy of the USA withered away to the extent that it could only cover the costs of its political and military position of global power through increased public borrowing (the costs of the Vietnam war played a major part in this), fixed exchange-rates and the pegging of western currencies to US gold-reserves could no longer be maintained. This was the point at which the prerequisites for a huge increase in the money supply – with the active participation of governments, central banks and the IMF – were first present. Since the 1970s – and above all since the 1980s – huge amounts of unsecured liquidity have been pumped into the markets, either through the direct route of public borrowing or through ‘cheap money’ policies, which were always introduced whenever the markets looked a little shaky. The USA played a central role in this process, for its global power enabled it to borrow in its own currency without having to fear devaluation, since the dollar functioned as a de facto world currency (a role that is currently being questioned). But the fiscal and monetary policies of other western states have also made a significant contribution to the permanent inflation of the global bubble of fictitious capital in order to defer the onset of the crisis ever further.</p>
<p>There is a further important historical particularity to the long cycle of finance-capital since the 1970s. Namely, that it not only represented a deferral of the crisis of Fordism, but it also interfered with the mighty surge in productive capacity that was the third industrial revolution. Under the conditions of a ‘normal’ crisis of overaccumulation, a fundamental transformation of production towards the foundations of information and communication technologies would only have been able to establish itself, if at all, after a period of deep global depression in which the post-war economic structures had been reduced to rubble and ashes. However, the long postponement of the crisis by means of fictitious capital made it possible to restrict this destructive work primarily to the global south and the former eastern bloc. The structures of Fordism were also ruined in western cities, but this was part of a longer process, during the course of which pressure on the conditions of labour and on social systems was steadily growing, and the structures of production were undergoing fundamental transformation. This process unfolded differently in each country depending on its position on the global market and in competition, but the trend was the same everywhere: industrial sectors were radically rationalised with the help of micro-electronic applications, and slowly reduced to their hyper-productive cores, while each aspect of production that could not (yet) be made economically profitable by automation was outsourced to countries or sectors in which wages are lower.</p>
<p>Since the so-called service sector at once both gained increasing significance and absorbed a substantial proportion of the labour-power that was no longer required by industry, it was possible to interpret the situation, if superficially, as if capitalism had simply gone through a further structural change, a process which could essentially be characterised by the replacement of the dominant industrial sector with that of services and ‘knowledge-production’, and at the same time the globalisation of economic relations.  Correspondingly, most observers and economic experts where united in the view that capitalism, at least in the urban west, had managed to overcome the crisis of the 1970s and 80s (keyword: ‘crisis of labour society’), if at the price of increased precarisation of the conditions of life and labour for large sections of the population, which, depending on the commentator’s political position, were either treated as unavoidable or denounced as the unnecessary result of neoliberal policies. But from all positions the diagnosis of a fundamental process of crisis seemed absurd and fallacious. ‘Just look how vivacious capitalism is’ was heard from all quarters – whether rejoicing, critical or resigned – with reference to the gushing profits even during the last few years.<br />
The current crisis of the financial market shows relatively unmistakably that this assessment was fundamentally false. And not because speculation destroys the real, sustainable economic structure (just as in the current controversy the ‘locusts’ are always blamed), but because the structure that has emerged in the last twenty-five to thirty years was never the cause of a self-supporting boom of capital accumulation. Quite the reverse: it was only viable at all because it was (and still is) continually serviced by the flows of fictitious capital. A self-supporting boom would presuppose that whenever growth were checked, more labour-power would be exploited in the production of commodities up to the required level, for this is the only way to ensure that the amount of added value can increase and the cycle ‘money – commodities – more money’ perpetually be preserved. From the perspective of demand, this would mean that at at every stage of development, enough labour-income would have to be generated to sell the commodities produced during the previous stage. Precisely this condition is absent under the conditions of the third industrial revolution. The rationalisation enabled by new information and communication technologies is ploughing up all sectors of the economy with such immense speed that more labour-power is always being rendered superfluous than can be put to use by the ensuing growth. This means that the process of valorisation not only has to cut away at the demand on which it depends in order to liquidate the produced value on the market, but also, more fundamentally, that it permanently undermines its very own foundations.<sup><a name="sdfootnote5anc" href="#sdfootnote5sym"><sup>5</sup></a></sup> To this extent the micro-electronic revolution in production is a sort of permanent crisis of over-accumulation: that is, it always produces an excess of capital that can no longer be valorised, which must in turn be diverted into the sphere of fictitious capital, and thus constitutes an essential contribution to the exponential growth of the financial bubble.</p>
<h4>Crisis? What crisis?</h4>
<p>Against this diagnosis it is often claimed that in the last decades millions of new jobs have been created in countries that were previously peripheral to the world economy, particularly in East and Southeast Asia, and that the basis for the production of value has therefore grown rather than shrunk. But this argument ignores two fundamental factors. Firstly, the great majority of industrial labour in the relevant countries is carried out at a very low level of productivity and thus produces very small amounts of value, measured against the standard of the automated and completely rationalised factories on the global market. For from the standpoint of value-production, it is not so much that the level of value produced is defined by the mere number of hours worked as that the amount of value of a commodity is defined by the relevant level of social productivity.<sup><a name="sdfootnote6anc" href="#sdfootnote6sym"><sup>6</sup></a></sup> And since in the core sectors of global production this level has been rising consistently, the value of the unproductive labour in the outsourced elements of production falls just as consistently. This means that outsourcing is only economically profitable as long as yet lower wages and worse working conditions can always be found.<sup><a name="sdfootnote7anc" href="#sdfootnote7sym"><sup>7</sup></a></sup> And this in turn is the reason why the current drive towards rationalisation has not led to general reductions in labour-time and a good life for all (indeed, it has not even created the opportunity for a relative improvement of living conditions within capitalist society), but rather to large-scale social impoverishment.</p>
<p>But secondly, the boom in China, India and the other ‘emerging markets’ is by no means sustainable, but is itself thoroughly dependent on the global generation of money by credit and speculation. It is widely recognised that the entire economic structure of these countries is oriented towards mass export, primarily to the USA and EU, which in turn largely finance their imports with income from finance and credit capital. Paradigmatic for such relationships is the Pacific deficit-circulation between the USA and East Asia, which since the Reagan-administration has become the central motor driving world economic activity. Its functional mechanism is fundamentally very simple: a permanently growing trade deficit is covered by (also permanently growing) imports of finance capital, which, partly via the direct route of credit-financed government expenditure (‘twin deficit’), partly via the detour that is the private finance system, is flushed back into consumer circulation. But since most of the money flows from the Asian countries (currently primarily Japan, but increasingly China), which invest their sales revenue in the US finance sector or build up their currency reserves in US dollars, they in fact finance these exports themselves. In the Reagan-era it was burgeoning public borrowing that functioned as a motor for consumption, while share and bond speculation became more significant later – during the so-called ‘new economy’ many private investors financed a proportion of their consumption from the huge price-rises on the ‘new market’. And in the last few years the emphasis has finally moved to property speculation.</p>
<p>However, this cycle can only function as long as the US dollar enjoys the necessary trust to sustain the flow of fresh finance capital necessary to cover the permanent deficit. It is a mark of the current financial crises that this trust is to a great extent crumbling (a sign for this is the falling dollar). Should the US government and the Federal Reserve fail to reverse this trend, the pacific deficit-cycle will come to a halt, which would have approximately the same effect on the world economy as the likely Gulf Stream shutdown on the global climate. It is nothing other than lazy anti-Americanism when more and more voices in Europe respond to the current prognosis by condemning the US with moral outrage for having ‘lived at the expense of the rest of the world’ by financing their ‘unproductive consumption’ on credit,<sup><a name="sdfootnote8anc" href="#sdfootnote8sym"><sup>8</sup></a></sup> and also now for tipping the world economy into crisis. This reproduces once more the ideological split between ‘parasitic’ credit capital and honest productive capital – anti-American ideological models are in Europe always at the very least an indication of a dangerous proximity to antisemitic constructs – and what’s more, it turns the actual relationship right on its head. For on the one hand, European countries have profited to a great extent from credit-financed demand from the US: German industry in particular would have been in a sorry state for a long time were it not for the huge volume of exports across the Atlantic. On the other hand, when compared to GDP, national debt in Europe is on a par with that of the US, and it is not as if speculation is unheard of: in recent years there has been a huge speculative property boom, particularly in southern Europe, which is also collapsing right now. And in any case, the global capitalist economy as a whole is surviving on a drip of fictitious capital because it can no longer be sustained by the real economy.</p>
<p>It is thus completely absurd for commentators in every newspaper from left to right to accuse the US central bank of having stimulated property speculation with its policy of low interest rates, and therefore of responsibility for the current financial crisis. The Fed’s actions after the crash of the New Economy were simply to prevent a landslide on the financial markets. The Fed also deferred the onset of the crisis by seven or eight years and then enabled the much talked-of upturn, which all politicians claim as their own. Anyone who insists on using moral categories in this situation ought to be thankful to the Fed and the US government for allowing the world economy such an orderly pause for breath through their expansive monetary policy. But thankfulness is here no more helpful than moral condemnation. It is much more important to understand that the causes of the crisis of the financial markets lie not in speculation, but in a much more fundamental structural crisis of capitalist reproduction. This insight has far-reaching consequences for social conflict in the near future.</p>
<h4>Further deferral of the crisis&#8230;</h4>
<p>It is not possible to offer a definite prognosis as to the future course of the crisis. At the moment it is not clear if the united forces of the central banks and governments would be able once again to defer the megacrash of the financial markets and its destructive consequences for the entire world. Should they succeed, it would only be through the inflation of another financial bubble. That would be in open mockery of those who see the solution to the problem in regulation of the financial markets. For this demand has been taken up from all sides, including by former neoliberal hardliners, who argue along the lines of ‘what do I care about what I said yesterday?’ But in practice, the state’s intervention will result in the exact opposite: it will essentially act to limit the direct damages that result from the collapse of the property bubble. It is significant that even the social-democrat populist Oskar Lafontaine is arguing that the state should prevent failing banks from going under, because he knows that a collapse of the banking system would have disastrous consequences for society as a whole.<sup><a name="sdfootnote9anc" href="#sdfootnote9sym"><sup>9</sup></a></sup> Of course, he conscientiously tacks on the demand for better control of the banks and financial markets. But that is a mere rhetorical flourish, for bad credit given now can under current conditions only be repaid – if at all – through future gains on the financial markets. It makes no difference whether the players of the market are states or individuals, for both are equally subject to the requirement to invest ‘their’ capital profitably, and under conditions of over-accumulation that means investing only in the spheres of credit and speculation, because there is only very limited scope for the valorisation of capital within the real economy.<sup><a name="sdfootnote10anc" href="#sdfootnote10sym"><sup>10</sup></a></sup> It doesn’t matter whether we recognise this fact or not: the point is proved in practice. It is for this reason that governments and central banks have no choice beyond the reopening of the monetary floodgates. The US government and the Fed are already steering this course.<sup><a name="sdfootnote11anc" href="#sdfootnote11sym"><sup>11</sup></a></sup></p>
<p>Of course, political action is always restricted by the fact that it cannot call into question the functional logic of capitalism itself. Politics is by its nature restricted to the administration of public affairs within this logic. However, the available political room for manoeuvre changes over the course of history. It is shaped and restricted by the limits of what is possible at any historically specific moment, which itself depend on the blind dynamic of the development of capitalism. Within these limits, political decisions and courses are not determined, but result from the interplay of different factors, such as relationships of social and international power, or relative strength in competition on the global market; but the frame defined by the limits is beyond the reach of politics. This is just as true for Fordism, today so often romanticised. Despite the relatively high potential for regulation during this period, politics could no more be said to have created the Fordist boom as such, than it could have prevented its end. However, it was able to influence the boom’s internal course to a certain degree, and to use the scope available for distribution to build up an extensive social infrastructure. The period of crisis-capitalist globalisation presents a mirror-image of this. Politics cannot substantively transform fictitious capital into flesh, because the constant inflation of the credit- and speculation-bubble is a precondition for the precarious deferral of the crisis, and thus determines the limits of political action. Politics is to this extent compelled to do everything to guarantee the existence of this precondition for as long as possible, and beyond monetary measures, its recources include increased predation of ‘public goods’, which are thrown into the fire of private valorisation in order to keep the capitalist machine running.<sup><a name="sdfootnote12anc" href="#sdfootnote12sym"><sup>12</sup></a></sup></p>
<p>But putting a stop to the crisis-dynamic of capitalism itself would be beyond the possible reach of politics, whose interventions instead contribute to the constant reproduction at an ever higher level of the contradictions that lie at the heart of the crisis-process. While the amount of fictitious capital that must be protected from devalorisation grows exponentially (as a glance at the growth of of the financial markets shows), the pressure on society and the large majority of the population, forced to sell themselves under ever more precarious conditions, grows with every stage of the deferral of the crisis. Correspondingly, the social costs of further postponement of the great crash will be considerable. On the one hand, we can count on a proper economic slump, which in contrast to the current ‘upturn’ will certainly hit rock bottom. On the other hand, increases in the money supply will probably lead to further acceleration of inflation, and with it to further decreases in the already shrinking mass purchasing-power. And finally, the next wave of speculation will likely be in raw materials, food and agrofuels, and will therefore have catastrophic consequences for large sections of the global population. The horrendous rises in food-prices in the last two years can to a great extent be attributed to the fact that more and more institutional investors have placed their capital in commodity futures. If this trend continues, the unavoidable result will be a price-explosion, increasing world hunger many times over.</p>
<p>And even then the increased volume of fictitious capital would not be the direct cause of the catastrophe, but would rather function (as is already is in the current wave of privatisation) as the drive-belt and transmission of the crisis-process and of its inherent tendency toward exclusion and precarisation. There is therefore a considerable danger that the resentment that this causes will be directed only against the imagined enemy of ‘greedy’ finance capital, onto whom the blame for the entire misery will be shifted. It remains all the more important to take a stance against this inverted ‘critique of capitalism’ that leaves a way open for antisemitism. But this presupposes not only the necessary ideology-critique, but also a well-grounded analysis of the crisis that removes the ground from beneath the inverted perception of the capitalist cause-and-effect relationships. This is not to claim that speculation and the financial markets should be placed beyond critique, but to argue that they must always be analysed as aspects of a fundamental crisis of capitalism – and it is this process as a whole that will result in the wide-ranging destruction of the foundations of social and natural life.</p>
<p>This critique must also be directed against the partly nostalgic, partly populist plans for a return to a Keynesian politics of growth and regulation. Even the proponents of these plans know that under the current conditions there is simply no scope for their implementation. Evidence for this is provided whenever ‘left-wing’ parties come to power, and then carry out quite the opposite of their promised programme; this is no less true for the SPD-Left Party coalition in the Berlin city government as it is for the former ‘centre-left coalition’ in Italy or broadly speaking for the Lula-government in Brazil. Insanely enough, it is not the case that the electorate is simply credulous and is ‘deceived’, but rather, that in the absence of any better prospects it wants to believe that a return to the Keynesian post-war social state is still possible, even though it is at another level thoroughly aware that this cannot happen. That is at the heart of the schizophrenic mood in Germany where there is both broad support for classical social-democratic demands (universal minimum wage, no rail-privatisation etc.) and at the same time high levels of affection for the Merkel-government. What is problematic about this mood is that in its oscillation between unrealisable wishes and uncritical acceptance of the structural logic of capitalism it is deeply susceptible to the danger of identifying scapegoats, whether hedge-funds, the US government, large corporations or – in its final delusional ramification – ‘the Jews’.</p>
<p>It might sound paradoxical, but the point at which the last thing one wants to give oneself up to ‘realpolitik’ and its credo of practical constraint is precisely when clearly naming the limits of politics in the current period of crisis becomes more necessary than ever. Not in order to acknowledge the validity of these limits, but as a necessary process of orientation for social movements and the parts of the trade union movement that are opposed to the systematic predation of the social state, the progressive intrusion of monetary value into all aspects of life, increasing precarisation and the state-control and -repression that are associated with them. If they commit themselves to illusory political perspectives and immerse themselves in party politics, the result is nothing other than their neutralisation.<sup><a name="sdfootnote13anc" href="#sdfootnote13sym"><sup>13</sup></a></sup> If, on the other hand, they concentrate on uniting their struggles across the divisions between between special-interest campaigns, isolated living-conditions and fragmented identities, they could succeed in reversing the trend away from solidarity that has been driven forward by the pressure of the crisis, and in forming an oppositional social power that stands opposed to the neoliberal politics of demolition and exclusion, and that at the same time brings the defeat of the logic of capital back into the realm of the possible.</p>
<h4>&#8230; or global economic crisis?</h4>
<p>Should attempts once more to defer the crisis fail, there threatens a global economic crisis of formidable proportion, in which the crisis-potential that has been built up over thirty years will be released. The immediate consequences will be the collapse of a great many businesses and banks, probably along with a huge rise in inflation. It doesn’t take much to imagine the destructive consequences of such stagflation on public finances, social services and the living conditions of the great majority of the population. It is highly likely that under these conditions the ideology of a national-populist crisis-administration – as has been advocated for a long time, and not only from the right wing of the political spectrum – will grow in popularity. When the journalist J&#252;rgen Els&#228;sser (currently at Neues Deutschland, the newspaper of the former ruling party of the DDR) calls for a ‘national popular front’ against globalised capital and particularly against finance capital (that he locates, quelle surprise, predominantly in the USA), it still sounds perhaps somewhat overexcited. But it represents a tendency that amounts to an aggressive, nationalist shutting-off from the outside, and authoritarian internal discipline in conjunction with the mobilisation of antisemitic hatred. Given the complex relationships of transnational economic interdependence, it is hardly possible to imagine a return to the largely isolated nation-state, even merely in administration of the crisis. More likely is the disintegration of the world economy into continental blocs, a scenario that is already being played through in think tanks and in the corridors of power. The visible fall of the US dollar and its ensuing loss of its function as a global country could be a strong driving mechanism in this direction.<sup><a name="sdfootnote14anc" href="#sdfootnote14sym"><sup>14</sup></a></sup></p>
<p>Such a possible scenario does not present any hope for a solution to the crisis, in any genuine sense of the world, but only for a form of administration of the state of emergency. That is to say, any sudden instance of devalorisation would in no way have the character of a ‘purifying crisis’ in which the foundations for a new self-supporting surge of accumulation could be created through the sweeping away of surplus capacity and bad credit. For this would not eliminate the actual cause of the crisis, the displacement of living labour power through the relocation of productive capacity from immediate production onto the level of the general social complex of knowledge, and the ensuing destabilisation of the production of value. Furthermore, all production would have to take place at the level of productivity attained through the new information and communication technologies, or be measured against this level, while the race for increased productivity would continue. At lower levels of value-production, a state of permanent over-accumulation would be immediately re-established, and with it the compulsion for the renewed pumping up of fictitious capital. The contradictions of the current crisis-process would be reproduced under substantially worse economic and social conditions. The decisive question will then be whether a transnational movement of emancipation can succeed in developing out of the resistance against the gravity of the crisis-process, a movement that can take an understanding of the social situation beyond the capitalist logic of valorisation towards a practical programme.</p>
<p><a name="sdfootnote1sym" href="#sdfootnote1anc"> 1</a> On the booklet produced by ver.di mentioned in the introduction, ‘Finanzkapitalismus – Geldgier in Reinkultur’ [‘Finance Capitalism – Unadulterated Greed’] cf. Lothar Galow-Bergemann: ‘Gegen B&#246;rsenungeziefer’ [‘Against Vermin of the Stock Exchange’] (Streifz&#252;ge 42)  and the critique of the Finance Capital Working Group of ver.di Stuttgart, online at http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/real/insekten.html.<br />
<a name="sdfootnote2sym" href="#sdfootnote2anc"> 2</a> Cf. Norbert Trenkle, ‘Entsorgung nach Art des Hauses’ [‘Waste-Disposal à la maison], Streifz&#252;ge 32 (2004), online at <a href="http://www.krisis.org/2005/entsorgung-nach-art-des-hauses">http://www.krisis.org/2005/entsorgung-nach-art-des-hauses</a><br />
<a name="sdfootnote3sym" href="#sdfootnote3anc"> 3</a> Cf. the in part very good analyses in Elmar Altvater, Volkhard Brandes and Jochen Reiche, eds, Handbuch 4. Inflation – Akkumulation – Krise II, (Frankfurt/Main 1976).<br />
<a name="sdfootnote4sym" href="#sdfootnote4anc"> 4</a> A grotesque caricature of the idea that the abandoning of the gold standard was a wilful decision can be found in J&#252;rgen Els&#228;sser’s work: ‘In 1971 US president Richard Nixon announced the end of the gold standard for the dollar in a hush-hush operation. Since then the economic foundation of capitalism has been in gradual decay’, in Solidarit&#228;t – Sozialistische Zeitung, Nr. 57 (4.5.2007).<br />
<a name="sdfootnote5sym" href="#sdfootnote5anc"> 5</a> From economic statistics it is well-known that much higher rates of growth in GDP are needed to create further jobs today than was the case in the 1970s. However, the statistical overview paints a rosy picture, because it adds all jobs together, without asking whether they contribute to the production of value (of course, economics disqualifies such a question from the start). For the majority of services and for the ‘production of knowledge’, this question must be answered in the negative (c.f. the article by Samol, Lohoff and <a href="http://www.krisis.org/2007/der-kampf-um-die-warenform">Meretz in krisis 31</a>). The growth of the service sector cannot therefore compensate for the exceptional melting-away of labour and value.<br />
<a name="sdfootnote6sym" href="#sdfootnote6anc"> 6</a> It should be remembered that Marx already points to this relationship in the first volume of Capital: ‘It might seem that if the value of a commodity is determined by the quantity of labour expended to produce it, it would be the more valuable the more unskilful and lazy the worker who produced it, because he would need more time to complete the article. However, the labour that forms the substance of value is equal human labour, the expenditure of identical human labour-power. The total labour-power of society, which is manifested in the values of the world of commodities, counts here one homogeneous mass of human labour-power, although composed of innumerable individual units of labour power. [...] The introduction of power-looms into England, for example, probably reduced by a half the labour required to convert a given quantity of yarn into woven fabric. In order to do this, the English hand-loom weaver in fact needed the same amount of labour-time as before; but the product of his individual hour of labour now only represented half an hour of social labour, and consequently fell to one half its former value.’ Capital, transl. Ben Fowkes, vol 1 (Harmondsworth: Penguin, 1976) p. 129.<br />
<a name="sdfootnote7sym" href="#sdfootnote7anc"> 7</a> C.f. Norbert Trenkle, ‘Es rettet euch kein Billiglohn’ [‘Low wages won’t save you’], in Kurz, Lohoff, Trenkle, eds, Feierabend! Elf Attacken gegen die Arbeit [Knock off! Eleven Attacks on Work] (Hamburg 1999), online at <a href="http://www.krisis.org/1999/es-rettet-euch-kein-billiglohn">http://www.krisis.org/1999/es-rettet-euch-kein-billiglohn</a>.<br />
<a name="sdfootnote8sym" href="#sdfootnote8anc"> 8</a> Elmar Altvater writes: ‘US citizens can afford a higher level of consumption, ‘the American way of life’, although they are so highly indebted. [...] However, this is only possibly because of high savings-ratios in other regions, which allow the USA and its citizens to get carried away. The financial markets must therefore function in such a way that the world’s savings are flushed into the USA.’ Elmar Altvater, Das Ende des Kapitalismus – so wie wir ihn kennen [The End of Capitalism as We Know It] (M&#252;nster 2005), p. 135.<br />
<a name="sdfootnote9sym" href="#sdfootnote9anc"> 9</a> Lafontaine ironically offered Josef Ackermann membership of the German Left Party because of his support for government intervention into the banking system because of the finance crisis (Netzeitung, 20.3.2008). This only shows that when it comes to the administration of the crisis, all the political parties are singing from the same hymnsheet.<br />
<a name="sdfootnote10sym" href="#sdfootnote10anc">10</a> It is thus ridiculous to condemn banks for their losses in property speculation. They have only done what everyone expects of them in a boom: invested ‘their’ money as profitably as possible. If they hadn’t, the same ‘experts’ who are now shouting ‘scandal’ because of the high losses would certinla have criticised them for ‘false excessive caution’.<br />
<a name="sdfootnote11sym" href="#sdfootnote11anc">11</a> Here, however, there is a conflict of interest between the US and the EU on the horizon, which might well accelerate the crisis-dynamic. Whereas the USA is characteristically beating down interest rates, and has issued with lightning-speed a state-run economic programme worth around $150bn, the European governments and the European Central Bank are focused on combating inflation, and are refusing to cut interest rates further. The in many ways ridiculous claim results that the crisis is basically taking place in the USA, while the European economy is stable, as if they weren’t closely interconnected. It could lead to further falls in the US dollar, at which point the USA would lose its function as consumption-motor of the world economy. The connection that the ECB and EU-governments have tried to repress would then assert itself violently.<br />
<a name="sdfootnote12sym" href="#sdfootnote12anc">12</a> On the analysis of this mechanism cf. Ernst Lohoff, ‘Out of  Area – Out of Control’ Streifz&#252;ge 31 and 32 (2004), online at <a href="http://www.krisis.org/2004/out-of-area-out-of-control-1">http://www.krisis.org/2004/out-of-area-out-of-control-1</a>.<br />
<a name="sdfootnote13sym" href="#sdfootnote13anc">13</a> For example, large sections of the Italian anti-globalisation movement and social forums have allowed themselves to be integrated into Rifondazione Comunista and have thus been compelled at least indirectly to support the Prodi-government. This has to a great extent lost them their capacity to mobilise, and they are now standing before a political scrapheap&#8230;<br />
<a name="sdfootnote14sym" href="#sdfootnote14anc">14</a> Economists are even seriously discussing a return to the gold-standard, which would result in the complete devaluation of the dollar-debts that have built up over the last decades: ‘When nothing else works and no one wants weak dollars any more, America takes a step forward and pegs its currency to the gold-reserves in Fort Knox. The rest of the world, which has financed the US debt through the purchase of US-bonds, keeps an eye on the screen.’ Wirtschaftswoche 18.2.2008, p. 134.</p>
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