07.07.2009
Insistierende Fragmente über kapitalistische Realhalluzinationen – Hypothesen
Streifzüge 45/2009
Franz Schandl
Wir haben gelernt, zu glauben. Warum sollte es mit dem Kapital anders sein. Es ist sogar zu vermuten, dass viele Keime unserer Imaginationen in der Ökonomie des Alltags stecken. Dass die dort erforderliche Sicht von Tausch und Täuschung alle anderen Phänomene zumindest prägt, wenn nicht dominiert. Fiktiv ist gar vieles. Fiktionen sind nicht Folge des Kapitals, sondern Bestandteil seiner rationalen und rationellen Grundkonstitution. Weiterlesen »
23.03.2009
Überlegungen jenseits des Bilderverbots.
Streifzüge, Nummer 45, April 2009
Franz Schandl
“Innerhalb der genossenschaftlichen, auf Gemeingut an den Produktionsmitteln gegründeten Gesellschaft tauschen die Produzenten ihre Produkte nicht aus; ebensowenig erscheint hier die auf Produkte verwandte Arbeit als Wert dieser Produkte, als eine von ihnen besessene sachliche Eigenschaft, da jetzt, im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft, die individuellen Arbeiten nicht mehr auf einem Umweg, sondern unmittelbar als Bestandteile der Gesamtarbeit existieren. “(Karl Marx, Kritik des Gothaer Programms, MEW 19: 19-20) Weiterlesen »
23.12.2008
Radikale Überlegungen zu einigen Grundfragen des Menschseins
von Franz Schandl
Unsere alltäglichen „Selbstverständlichkeiten“ sind gewachsen und nicht ehern. Sie entstammen nicht der Natur, sondern dem Training. In meinem Beitrag werden jene nicht einfach vorausgesetzt, sondern im Gegenteil: ausgesetzt und auseinander genommen. Sie stehen im Zentrum einer schrägen Betrachtung, die mehr verrückt als sie ist. Die gebenedeite Marktwirtschaft wird nicht nur einer Kritik unterzogen, ihre zentralen Mechanismen Tausch, Geld, Wert, Arbeit, Konkurrenz oder Geschäft werden überhaupt in Frage gestellt. Dem Selbstverständlichen ist das Verständnis zu entziehen. Weiterlesen »
31.12.2006
Notizen zum gesellschaftlichen Stoffwechsel – Teil 1
Streifzüge 37/2006
von Franz Schandl
“Henry Ford hat kürzlich hundert Millionen Dollar für die Errichtung einer Schule gestiftet, die er die Schule der Zukunft nennt. ‚Ich habe so lange Autos fabriziert’ erklärte er, ‚bis ich den Wunsch bekam, nunmehr Menschen zu fabrizieren. Die Losung der Zeit ist Standardisierung.’ — Die erste Musterschule Fords, die ihre Tätigkeit bereits begonnen hat, nimmt nur Knaben im Alter von 12 bis 17 Jahren auf. Verpönt sind Sprachen, Literatur, Kunst, Musik und Geschichte. — Die Lebenskunst müssen die Schüler lernen, sie müssen verstehen, zu kaufen und zu verkaufen — “ (Karl Kraus, Der Fordschritt (1930); Schriften, Band 20, Frankfurt am Main 1994, S. 162.)
Was passiert beim Kauf? Wessen Gestalt ist er? Was geht in uns vor? Was machen wir da? Was stellen wir an und wie?
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31.12.2006
Notizen zum gesellschaftlichen Stoffwechsel – Teil 2
Streifzüge 38/2006
von Franz Schandl
Forsch zur Sache schreitet Niklas Luhmann. Sein Band “Die Wirtschaft der Gesellschaft” (Frankfurt am Main 1994) beginnt gleich mit den Preisen, im Index finden sich weder die Begriffe Kaufen noch Verkaufen. Worum es ihm geht, ist die Zahlung: “Ein System, das auf der Basis von Zahlungen als letzten, nicht weiter auflösbaren Elementen errichtet ist, muss daher vor allem für neue Zahlungen sorgen.” (S. 17) Das, was deren Bedingung ist, was hinter den Zahlungen steckt, kommt nur am Rande vor. Für Luhmann scheint da kein Problem vorhanden zu sein, zumindest keines, das er, der alles theoretisieren will, theoretisieren möchte. Und Luhmann steht hier nicht alleine. Kaufen gilt solch forschen Forschern als fixe Größe der menschlichen Spezies. Ein Problem sehen die politischen Ökonomen erst dann gegeben, wenn nicht mehr gezahlt werden kann, aber keineswegs in dem Umstand, dass gekauft werden muss.
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31.12.2005
Kolumne UNUMGÄNGLICH
Streifzüge 35/2004
von Franz Schandl
Im Wirtschaftsblatt, dem Handelsblatt für Österreicher, nimmt man sich kein Blatt vor den Mund. “Wir müssen lernen, jemandem einen Todesstoß zu versetzen.” Das behauptet Christine Bauer-Jelinek, ihres Zeichen Wirtschaftscoach und Gründerin eines “Instituts für Macht-Kompetenz” in der Ausgabe vom 23. Juli 2005. Es ist nicht zu übersehen, dass “der Konkurrenzkampf wesentlich härter geworden ist”, sagt sie und man wagt nicht zu widersprechen. Dem ist so.
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31.12.2004
Von Franz Schandl
André Gorz ist ein sehr kurzweilig zu lesender Autor. So auch in seinem neuesten Büchlein, das wohl als Zusammenfassung aber auch Modifizierung schon bisher entwickelter und vorgetragener Thesen angesehen werden muss. Sein Denken und Schreiben zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er sich was traut und dass er was vorschlägt. Ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger als der analytische Aspekt ist für Gorz stets die handlungsorientierte Komponente gewesen. Jedenfalls gibt sich der Autor keinen partiellen Lösungen hin. Das unterscheidet ihn von vielen Zeitgenossen, auch oder gerade weil es heute antiquiert wirkt.
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31.12.2004
Ausführungen zum Okkultismus der Ware Arbeitskraft
Streifzüge 30/2004
von Franz Schandl
Er spukt also wieder in den Hirnen, und er war auch nie ganz draußen. Gemeint ist der Mehrwert, jene Größe, um die es eigentlich gehen soll. Unsere Aufgabe besteht nun darin, die Mehrwertkritik in ihre Schranken zu weisen, sie bloß als das gelten zu lassen,was sie ist, ein integrierter Bestandteil der Wertkritik, nicht ihre Gegensetzung.Wird sie als diese verstanden und gar zum Zentrum der Gesellschaftskritik aufgeblasen, dann ist sie als eine Form verkürzter Kapitalismuskritik zu interpretieren, deren Implikationen alles andere als unproblematisch sind. Weiterlesen »
31.12.2001
Ausgewählte Materialien zu einer Philosophie des Staus
von Franz Schandl
Alle reden vom Stau und viele stecken in ihm, doch niemand sagt, was dieser eigentlich ist. Nachfragen zu einem Phänomen.
Sprache verrät stets mehr als ihre Benutzer wissen. Einerseits ist ihre oberste Schicht ein affirmativer Jargon der Assoziationen, andererseits ist sie aber auch immer eine geheime Offenbarung, versteht man die Sprache anders zu deuten, als sie gemeinhin gehört und gelesen, kurzum rezipiert wird. Sprache ist nicht nur das bevorzugte Kommunikationssystem, sondern essentieller: als das “Dasein des Geistes”, zu verstehen.
31.12.1999
von Franz Schandl
Daß das Gewöhnliche nur aufgrund der Gewöhnung als solches erscheint, macht kaum jemanden stutzig. Daß gerade der Tausch eine vergängliche Angelegenheit sein könnte, ist für das bürgerliche Individuum eine unzumutbare Zumutung. Er zeichnet es nämlich aus.
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