Ein Perry-Rhodan-Heftchen für Kammerjäger
Jürgen Elsässer sieht die Heuschrecken am Werk und will dagegen platten Populismus als DDT einsetzen
Streifzüge 40/2007
Peter Samol
Unverkennbar verschlechtern sich die Lebensbedingungen für immer mehr Menschen auf diesem Globus. Nicht nur in den so genannten „Entwicklungsländern“, sondern längst schon in den reichen Zentren der weltweiten Produktion. Auch mitten im so genannten Aufschwung. Wer nicht aus der Sphäre der Wertschöpfung hinaus ins wachsende Elend gedrängt wird, steht unter zunehmender Leistungshetze bei stagnierenden oder sinkenden Gratifikationen. Diese Tendenz ist für jeden Zeitgenossen unverkennbar, der die schönfärberischen Berichte und Prognosen aus TV-Nachrichten und Tagespresse nicht einfach schluckt. Die Zustände verlangen nach Erklärungen, und Jürgen Elsässer ist in seinem neuen Buch bereit, eine zu liefern. Er bezeichnet sie selbst als „ein blutiges Schlachtengemälde” (S. 17)1. Die kriegerische Ausdrucksweise kommt nicht von ungefähr. Es geht ihm nämlich gar nicht um eine sorgfältige Analyse der Zustände und ihrer Entstehungsbedingungen. Vielmehr steht Elsässers Auffassung schon von vornherein fest und ist darüber hinaus von geradezu bestürzender Schlichtheit. An allem Schlechten nämlich seien ganz einfach andere schuld, böse Hintermänner mit schändlichen Absichten, die wahlweise als „Heuschrecken“ oder „Aliens“ bezeichnet werden. Auf der Grundlage dieser ebenso simplen wie falschen Gewissheit geht es eigentlich nur noch darum, die Schurken ausfindig zu machen, ihre Machenschaften zu durchschauen und ihnen das Handwerk zu legen. Dieser Dreisatz durchzieht in immer neuen Ansätzen das gesamte Buch.



