12.07.2021  Beitrag drucken

Krisis-Seminar: Kapitalistisches Naturverhältnis

Freitag 1. – Sonntag 3. Oktober 2021 im Naturfreundehaus Hannover

Mit der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise entsteht auch ein neues Verhältnis von Gesellschaft und Natur. Die Natur erscheint als etwas Fremdes, Außergesellschaftliches und Bedrohliches, das „gezähmt‟ werden muss und damit zugleich zum bloßen Material der gesellschaftlichen Produktion degradiert wird. Daraus folgt nicht nur eine zunehmende Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, sondern auch ein historisch-spezifisches Weltverhältnis, wie es sich etwa in der sexistischen und rassistischen Hierarchisierung der Gesellschaft aber auch in einer spezifischen naturwissenschaftlichen Erkenntnisform und ausdrückt.

Auf dem Seminar wollen wir verschiedene Aspekte des kapitalistischen Naturverhältnisses diskutieren und zugleich der Frage nachgehen, wie eine gesellschaftliche Emanzipation in Zeiten der sich zuspitzenden ökologischen Krise aussehen könnte.

Freitag 1.10.

16.30 Uhr: Begrüßung und Vorstellung

17.00 – 18.15 Uhr: Der Mythos vom grünen Leviathan. Zur Kritik an der Staatsfixierung in der ökologischen Debatte (Vortrag von Norbert Trenkle)

18.30 Uhr: Abendessen

19.30 – 21.00 Uhr: Diskussion des Vortrags

Samstag 2.10.

9.15 – 12.30 Uhr: Workshops

  1. NATUR nach dem Tod der Natur (Friederike Habermann)

  2. Wie der Kapitalismus die Klimakrise macht (Julian Bierwirth)

  3. Was hat Naturerkenntnis mit der kapitalistischen Daseinsform zu tun? (Nick Gietinger)

12.30 Mittagessen

15.00 – 18.00 Uhr: Gesellschaftskritisches World-Café

18.15 Uhr Abendessen

20.00: Öffentliche Mitgliederversammlung des Förderverein Krisis e.V.

Sonntag 3.10.

9.15 – 11.30 Uhr: Ökologische Krise und gesellschaftliche Emanzipation. Podiumsdiskussion mit Friederike Habermann, Lasse Thiele und Ernst Lohoff – Moderation: Julian Bierwirth

11.45 – 12.15 Uhr: Abschlussrunde

12.30 Mittagessen und danach Abreise


Die Veranstaltung findet statt in Kooperation mit den Falken Niedersachsen und der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen e.V. 

Organisatorisches:

Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung betragen 75 € (Dreier-/ Viererzimmer), 90 € (Doppelzimmer) und 110 € (Einzelzimmer). Geringverdienende (Selbsteinstufung) zahlen einen ermäßigten Beitrag von 45 € (bei Bedarf auch geringer). Außerdem freuen wir uns über Spenden zusätzlich zum Tagungsbeitrag zur Finanzierung des Seminars. Bettwäsche und Handtücher können ausgeliehen werden: Bettwäsche 4,50 € pro Set und Handtücher 1,50 € pro Stück. Ansonsten bitte selber mitbringen.

Um schnelle Anmeldung wird gebeten. Einzelzimmer stehen nur begrenzt zur Verfügung und werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben. Tagesgäste sind willkommen und können gegen Kostenbeitrag am Essen teilnehmen (pro Essen 7 €). Bitte auch als Tagesgast anmelden. Wer lieber in einem Hotel übernachten möchte, findet ganz in der Nähe zwei günstige Möglichkeiten: Hotel zur Eiche und Hotel Eilenriede. Ihr könnt dann als Tagesgast an den Essen im Seminarhaus teilnehmen.

Sollten zum Zeitpunkt des Seminar wieder staatliche Einschränkungen wegen einer verschärften Corona-Lage bestehen, behalten wir uns vor, das Seminar unter entsprechenden Auflagen (z.B. Teilnahme nur mit aktuellen Test oder Impfnachweis) oder mit einer geringeren Zahl von Teilnehmer*innen durchzuführen. Sollten wir Anmeldungen deshalb stornieren müssen, erstatten wir die Seminarbeiträge selbstverständlich. Außerdem werden wir dann versuchen, Teile des Seminars zu streamen. Wenn das Seminar gar nicht in Präsenz stattfinden kann, wird es online durchgeführt.

Das Tagungshaus befindet sich mitten in Hannover, im Stadtpark Eilenriede, nur sechs Stadtbahn-stationen vom Hauptbahnhof entfernt: Naturfreundehaus Hannover, Hermann-Bahlsen-Allee 8, 30655 Hannover, Tel.: 0511 – 69 14 93, www.naturfreundehaus-hannover.de/ . Infos zur Anfahrt finden sich hier: www.naturfreundehaus-hannover.de/unser_haus_anreise/stadtplan

_____________________________________________________________________________

Anmeldung zum Krisis-Seminar Kapitalistische Naturverhältnisse

per Mail an krisisweb@yahoo.de

Name:

Adresse:

O im Dreibett-/ Vierbettzimmer (75 €)

O im Doppelzimmer (90 €)

O im Einzelzimmer (110 €)

O zum ermäßigten Beitrag (45 €)

O als Tagesgast am:

O ich esse nur vegetarisch / vegan (bitte unterstreichen)

Die Kosten für Übernachtung und Verpflegung bitte bis zum 24.09.2021 überweisen: Förderverein Krisis IBAN: DE97 7601 0085 0300 1148 59, Postbank Nbg. BIC: PBNKDEFF

Für das World-Café am Samstagnachmittag möchte ich gerne die folgenden Fragestellungen vorschlagen:


Die
Veranstaltungen im Einzelnen:

Freitag, 17.00 – 18.15 / 19.30 – 21.00: Vortrag und Diskussion

Der Mythos vom grünen Leviathan. Zur Kritik an der Staatsfixierung in der ökologischen Debatte (Norbert Trenkle)

Angesichts der Klimakrise ist die Debatte um die Rolle des Staates in der Linken wieder voll entbrannt. Während die einen den Staat zum Akteur eines „Green New Deal‟ machen möchten, streben die anderen einen „Ökosozialismus‟ an, in dem der Staat ebenfalls eine zentrale Rolle als Planungsinstanz spielen soll. Beide Strategien überschätzen jedoch die staatliche Handlungsfähigkeit gegenüber der kapitalistischen Form der Reichtumsproduktion und ihrer Zerstörungsdynamik. Der Vortrag kritisiert diese Staatsfixierung und argumentiert, dass eine öko-logische Produktions- und Lebensweise nur jenseits von Warenproduktion und Staat möglich ist.

Samstag, 9.15 – 12.30 Uhr: Workshops

1. NATUR nach dem Tod der Natur (Friederike Habermann)

Die von der Kritischen Theorie inspirierte Carolyn Merchant sprach vom „Tod der Natur“ für die historische Verschiebung weg von der Betrachtung der Erde als lebendem Organismus, hin zu ihrer Betrachtung als Maschine. Gleichzeitig fand jedoch umgekehrt die Konstruktion einer NATUR statt, die diese zur Ressource degradiert. Wurden im Zuge der Aufklärung auch Frauen und die Menschen (of Colour) in den Kolonien dazu gezählt, so verläuft heute die Grenze fragmentierter, wenn auch noch immer entlang sexistischer, rassistischer, anthropozentristischer und auch klassistischer Ausgrenzungen. Vor allem aber hat sich am Prinzip nichts geändert. Was bräuchte eine emanzipatorische Zukunft, um dieses Herrschafts- und Ausbeutungsverhältnis zu überwinden?

2. Wie der Kapitalismus die Klimakrise macht (Julian Bierwirth)

In diesem Workshop wollen wir ausgehend von der kapitalismuskritischen Gesellschaftsanalyse die Klimakrise analysieren. Den Ausgangspunkt soll dabei die Aufspaltung des gesellschaftlichen Lebens in eine sinnliche Realität auf der einen und eine abstrakt-gesellschaftliche Dimension auf der anderen Seite bilden. Zentrale Dimensionen der Klimakrise lassen sich auf diese Weise als Folge der monetären und rechtsförmigen Vermittlung im Kapitalismus dechiffrieren.
Vor diesem Hintergrund verwandelt sich jedoch der Gegenstand der Kritik: die Menschheit befindet sich dann nicht in einem historisch-unspezifischen „Anthropozän‟, sondern im Kapitalozän. Der tatsächliche Klimakiller ist nicht „der Mensch“, sondern die kapitalistische Produktions- und Lebensweise. Politische Strategien, die auf individuelle Verhaltensänderungen abzielen, müssen daher notwendig scheitern; vielmehr ist eine grundlegende gesellschaftliche Transformation notwendig. Vor dem Hintergrund dieser Analyse wollen wir uns mit gängigen Positionen in der Klimadebatte auseinandersetzen, die zielsicher die Dimension der gesellschaftlichen Veränderungsnotwendigkeit unterschätzen.

3. Was hat Naturerkenntnis mit der kapitalistischen Daseinsform zu tun? (Nick Gietinger)

Während sich naturwissenschaftliche Populärwissenschaftler*innen in den Medien immer größerer Beliebtheit erfreuen, bleiben Reflexionen über die gesellschaftliche Produktion der naturwissenschaftlichen Erkenntnis aus. Die sich vor den rationalen Augen der aufgeklärten Weltbevölkerung vollziehende Zerstörung der Umwelt bleibt unverstanden, da die Naturwissenschaft ihre eigene Verwicklung in die bedingungslose Zerstörung der Natur nicht reflektiert und sie auf böse Mächte externalisiert. Insofern erkennt und warnt sie vor der Klimakatastrophe, kann jedoch keine Alternative anbieten, und bleibt somit ohnmächtig. Wichtige Strömungen des Wissenschaftsbetriebs wie der Marxismus, der Positivismus und besonders der Neostrukturalismus haben zwar Vorstellungen über die Bedingungen der menschlichen Erkenntnis im Austausch mit der Natur. Jedoch kann keine der bekannten Strömungen adäquat erklären, wie die moderne abstrakt-naturwissenschaftliche Methode sich gesellschaftlich als Ergebnis der kapitalistischen Daseinsform entwickeln konnte. Leider längst vergessene Autoren wie Bodo von Greiff oder Rudolf-Wolfgang Müller befassten sich schon in den 1970ern mit den gesellschaftlichen Ursprüngen der modernen Naturwissenschaften, sowohl auf logischer als auch auf historischer Ebene. Um die Grenzen des naturwissenschaftlichen Paradigmas aufzuzeigen, soll diese wissenschaftstheoretische Tradition im Kontext der Wertkritik diskutiert werden.

Samstag, 15.00 – 18.00: Gesellschaftskritisches World-Café

Das World-Café bietet die Möglichkeit, verschiedene Aspekte aus dem Themenfeld des Seminars aber auch andere, gesellschaftskritische Fragestellungen in kleinen, moderierten Gruppen und einem informellen Rahmen zu diskutieren. Die einzelnen Diskussionsrunden dauern ca. 30 Minuten, danach kann in neue Gruppen und zu neuen Themen gewechselt werden. Alle Teilnehmer*innen können schon im Vorfeld des Seminars Fragestellungen vorschlagen, die im World-Café diskutiert werden sollen. Bitte schickt uns eure Vorschläge per Mail an krisisweb@yahoo.de. Am Samstagvormittag treffen wir dann gemeinsam eine Auswahl.

Sonntag, 9.15 – 11.30: Podium

Ökologische Krise und gesellschaftliche Emanzipation (Friederike Habermann, Lasse Thiele und Ernst Lohoff)

Die fortschreitende ökologische Krise wirft die Frage nach einer grundlegenden gesellschaftlichen Transformation mit erneuter Dringlichkeit auf. Aber wie kann und soll diese bewerkstelligt werden? In welchem Verhältnis stehen immanente Kämpfe zum notwendigen Bruch mit der kapitalistischen Logik? Welche Rolle spielen Politik und Staat und welche das Commoning? Wie lässt sich die transnationale Dimension herstellen? Über diese und ähnliche Fragen diskutieren die Teilnehmer*innen des Podiums. Die Moderation hat Julian Bierwirth.