16.11.2022 

Die Rechnung bitte! Überlegungen zur aktuellen Inflation

Online-Vortrag und Diskussion mit Ernst Lohoff
in der Reihe LeMonADe (Letzter Montag Analyse und Debatte)

Montag 28. November, 19.00 Uhr (Online)

Zum Zoom-Meeting hier klicken:
Meeting-ID: 870 6401 6084
Kenncode: 565859

Vielleicht erinnern sich noch die einen oder anderen, wie angesichts stagnierender (und kurzzeitig sogar sinkender) Verbraucherpreise im Jahr 2020 in Europa das Gespenst der Deflation umging. Zwei Jahre später beschäftigt die westlichen Gesellschaften kaum ein Thema mehr als die rasant steigenden Lebenshaltungskosten. Den globalen Süden trifft der Teuerungsschub noch viel härter. Angesichts explodierender Energie- und Lebensmittelpreise zeichnen sich dort Hungerkatastrophen ab.

Der Neoliberalismus hielt sich viel darauf zugute, die inflationäre Pest aus der Welt geschafft zu haben. Und in der Tat: Nachdem die Krise des Fordismus den westlichen Gesellschaften in den 1970er Jahren eine Ära der Stagflation, also des Nebeneinanders von Wachstumsschwäche und hoher Teuerung beschert hatte, sanken mit dem Übergang zu einem von der Finanzmarktdynamik getragenen Kapitalismus die Inflationsraten für mehrere Dekaden in den Keller. Aber warum war das überhaupt so, und warum kehrt die vergessene Teuerung mit derartiger Wucht zurück? Handelt es sich dabei nur um Episode aufgrund gerissene Lieferketten und kriegsbedingter Energieknappheit oder ist die Inflation gekommen, um zu bleiben?

Der aktuelle Inflationsschub erklärt sich nur sehr partiell aus der physischen Verknappung von Schlüsselgütern wie Agrarprodukten und Energieträgern. Viel entscheidender ist die Art der Preisbildung im heutigen, von der Finanzmarktdynamik getragenen Kapitalismus. Die Rohstoffbörsen heißen nicht nur Rohstoffbörsen, sie funktionieren auch nach ähnlichen Mustern wie Aktienmärkte. Die Aussicht Rohstoffe könnten möglicherweise in Zukunft knapp werden, katapultiert heute die Preise an den Rohstoffbörsen nach oben. Und auch die Privatisierung der Energieinfrastruktur und die Unterwerfung dieses Sektors unter das Prinzip der Profitmaximierung rächt sich jetzt bitter.

An die eigentlichen Ursachen der aktuellen Malaise traut sich die Politik nicht heran. Es werden zwar Preisdeckel für Gas und Strom verkündet; der Ausdruck hat aber eine widersinnige Bedeutung bekommen. Nicht die Preise werden gedeckelt, sondern der Staat schreibt einen Teil der Mehrkosten vorläufig auf seinen Deckel. Eine nachhaltige und emanzipative Lösung sähe anders aus. Um die kritische Infrastruktur krisenfest zu machen, ist eine völlige Neuorganisierung unerlässlich. Es gilt die Sackgasse der Privatisierung zu verlassen, und neue Formen der Vergesellschaftung zu entwickeln.

Einen Text des Autors zur Inflation findet sich hier.