27.12.2006  Beitrag drucken

Kategorie ohne Eigenschaften

Ernst Lohoff

1.

Was Anspruch und Ausgangspunkt angeht, liegen Peter Kleins „Die Schizophrenie des modernen Individuums“ und meine „Verzauberung der Welt“ nahe beieinander. Beiden in der krisis 29 publizierten Beiträgen geht es um radikale Subjektkritik, beide stellen dabei vor allem das antimetaphysische Selbstverständnis des Warensubjekts in Frage. Auch wenn sich das moderne Warensubjekt einredet, es sei ein ganz dem Diesseits zugewandtes Wesen und habe alles „Übersinnliche“ hinter sich gelassen, der Subjektform liegt eine zutiefst metaphysische Struktur zugrunde. Unerkannt bleibt diese nur, weil sie in die alltäglichen Beziehungen eingerückt und damit omnipräsent geworden ist, so die gemeinsame Grundthese. Der Triumph des positiven Denkens markiert demnach keineswegs die Befreiung von der Metaphysik, wie Auguste Comte und seine Erben unterstellte bzw. unterstellen, sondern den Eintritt in ihr höchstes Entwicklungsstadium.
Über den zentralen Stellenwert der Subjektform-Metaphysik sind sich Peter Klein und ich einig; was die ominöse, für das Handeln und Denken in der Warengesellschaft bestimmende Metaphysik im Kern eigentlich ausmacht, darüber kommen unsere Beiträge freilich zu recht unterschiedlichen Urteilen. Während Peter Klein die Subjektform als Abstraktion vom Sinnlichen bestimmt, fasse ich in der „Verzauberung der Welt“ die Konstitution der modernen Subjektform als das Resultat eines Abstraktionsprozesses am Sinnlichen selber. Dieser Perspektivwechsel ist mit einschneidenden Veränderungen im begrifflich-kategorialen Bezugssystem verbunden.
Die moderne Subjektform-Metaphysik fällt für Peter Klein mit der Herrschaft des „freien Willens“ in eins, und zwar der Herrschaft eines als an sich selber völlig inhaltsleer zu denkenden „freien Willens“. Gerade sein besonderer Charakter als eine Kategorie ohne Eigenschaften setze, so Klein, die Kernbestimmung der Subjektform in den Stand, sich unterschiedslos über die gesamte sinnliche Wirklichkeit zu legen. Indem der Mensch sich in den Dienst eines allem Sinnlichen gegenüber gleichgültigen freien Willens stelle, beziehe er einen „Standpunkt der Gegenstandslosigkeit“1, während ihm „Gefühl, Antrieb und Neigungen“ (Kant) hinter einer Art undurchdringlicher Nebelwand verschwänden. „Die Schizophrenie des abstrakten Individuums“ behandelt den „freien Willen“ demnach als reines Ausblendprinzip.
Demgegenüber versteht die „Verzauberung der Welt“ den „freien Willen“ als ein selber mit inhaltlichen Bestimmungen ausgestattetes Ordnungsprinzip. Dem „freien Willen“ sind, wenn er sich der sinnlich-empirischen Existenz seines Trägers zuwendet, keineswegs alle Katzen gleichermaßen grau. Er herrscht vielmehr, indem er der sinnlichen Wirklichkeit zu Leibe rückt und ihr seine strengen Eigenkriterien aufzwingt. Dieses Aufzwingen zerfällt analytisch betrachtet in zwei Prozesse. Zunächst einmal funktioniert „der freie Wille“ als Selektionsinstanz und scheidet rigoros zwischen willensformkompatiblen sinnlich-empirischen Inhalten und -inkompatiblen. Alles was an „Gefühl, Antrieb und Neigung“ sich nicht für die Selbstbehauptung als Konkurrenzsubjekt instrumentalisieren lässt, ist damit willensuntauglich und zählt daher unter der Herrschaft des freien Willens einfach nicht. Auf dieser negativ-exkludierenden Bestimmung der Willenssubjektivität baut eine sie ergänzende, positiv-schöpferische auf. Die vom „freien Willen“ strukturierte Subjektform schwingt sich zum herrschenden Prinzip auf, indem sie zusammen mit der Form den dazugehörigen Inhalt, eine der subjektherrlichen Logik adäquate Sinnlichkeit, überhaupt erst gebiert und das kann er natürlich nur als ein selber inhaltlich bestimmtes Prinzip.2 Das ist durchaus auch historisch zu verstehen. Der Aufstieg des freien Willens zu einer allgegenwärtigen Kategorie war daran gebunden, dass neben die dann als inferior abgespaltene und der Frau zur Restverwaltung überantwortete Sinnlichkeit eine zweite, „männlich-weiß-westliche“ Sinnlichkeit trat.3 Ausschließlich diese Sinnlichkeit kann der freie Wille als ihm adäquat anerkennen.
Weil Klein dem „freien Willen“ Kriterienlosigkeit zuschreibt, wird ihm das Sinnlich-Empirische zu einer Blackbox, die keiner begrifflichen Differenzierung zugänglich ist. Das ist aber nicht die einzige Schwäche seines Ansatzes. Gleichzeitig legt er damit den „freien Willen“ auf eine rein passive Rolle fest. Als Kategorie ohne Eigenschaften gedacht, kann der „freie Wille“ nämlich prinzipiell keinen gestaltenden Einfluss auf das empirisch Sinnliche haben, sondern findet sie als eine ihm äußere Wirklichkeit fertig vor. Die Subjektform und ihre Verkehrsform, der „freie Wille“, erscheinen ausschließlich als blinder Reflex und Exekutor vorausgesetzter gesellschaftlicher Strukturzwänge. Diese Sicht ist schon, was die Figur des zeitgenössischen vereinzelten Willenssubjekts angeht, nicht unproblematisch, erst Recht aber in Hinblick auf die Installationsgeschichte des „freien Willens“. Demgegenüber geht es mir in der „Verzauberung“ gerade um die aktiv tragende Rolle, die der Subjektform im Allgemeinen und dem „freien Willen“ im Besonderen bei der „Verzauberung der Welt“ zukam. Was die historische Genese betrifft, so schuf die Selbstzurichtung zum Subjekt überhaupt erst den warenfetischistischen Zusammenhang. Aber auch die Aufrechterhaltung der einmal hergestellten verdinglichten Herrschaft hat die beständige Reproduktion der Subjektform als verbindlicher gesellschaftlicher Handlungsform zur Voraussetzung. Sein kategorialer Zugang verdammt Klein dazu, den Inhaber des „freien Willens“ ausschließlich als ein Geschöpf und Exekutor verdinglichter Verhältnisse zu behandeln. In meiner Darstellung erscheint das Willenssubjekt dagegen nicht allein als Kreatur, sondern auch und wesentlich als Kreator des Zusammenhangs, dem es selber unterliegt.

2.

Peter Kleins Beitrag hat im Wesentlichen deskriptiven Charakter und beschäftigt sich vornehmlich mit Erscheinungsformen der Subjektformmetaphysik. Eine theoretisch ausgewiesene Begründung für seine Auffassung vom „freien Willen“ fehlt in seinem Artikel. Der Autor versucht auf einem anderen Weg plausibel zu machen, warum es sich bei seiner Basiskategorie um eine inhaltsleere Größe handelt: Er beschreibt ausführlich und plastisch die inhaltliche Beliebigkeit und Austauschbarkeit auf dem Markt der Haltungen und Meinungen, legt diesem Oberflächenphänomen dann seine Version des „freien Willens“ zugrunde, um es anschließend wiederum als Beleg für dessen Inhaltsneutralität heranzuziehen. Strenggenommen hat diese Vorgehensweise einen Zug ins Zirkuläre und argumentationstechnische Puristen dürften sie wohl unter Tautologieverdacht stellen. Aber auch wenn man Kleins „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ als zulässige Methode akzeptiert, bleibt doch eine Bedingung: Wenn die Inhaltsleere des „freien Willens“ das zentrale Wesensmerkmal der Subjektform sein soll, dann muss die zu deren Bestätigung herangezogene „Herrschaft der Beliebigkeit“ zwingend flächendeckenden Charakter haben. Sie darf nicht bloß da und dort anzutreffen sein, sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen und Beziehungen. Wenn nur ein eingrenzbarer gesellschaftlicher Sektor, der „Herrschaft der Beliebigkeit“ gehorcht, dann erlaubt dieses Oberflächenphänomen dagegen keine derart weitreichenden Rückschlüsse auf die Kernbestimmung des „freien Willens“, wie sie Peter Klein zieht.
Dieser Umstand ist dem Autor der „Schizophrenie“ keineswegs entgangen. Er prägt vielmehr die ganze Argumentations- bzw. Suggestionsweise des Textes, und zwar zu dessen Schaden. Wenn Peter Klein von der „Herrschaft der Beliebigkeit“ spricht, hat er zwar faktisch immer nur die Verkehrsform im Auge, in der sich die fertigen Konkurrenzsubjekte als Identitätseigner miteinander ins Benehmen setzen. Was diesen Ausschnitt der Subjekt-Existenz angeht, trifft seine Diagnose ja auch ins Schwarze; Klein versucht allerdings beharrlich den Eindruck zu erwecken, dass die gesamte Subjekt-Wirklichkeit der „Herrschaft der Beliebigkeit“ unterläge und nicht nur das Geschehen im intersubjektiven Binnenraum. Man darf sich von der phänomenologischen Ausrichtung des Artikels und vom beständigen Rückgriff auf Alltagserlebnisse nicht in die Irre führen lassen; der Autor erhebt für seinen kategorialen Zugriff allgemeinen Geltungsanspruch und kann aufgrund seiner theoretischen Vorgabe auch gar nicht anders.
Den Kern der modernen Subjektherrlichkeit macht Peter Klein im „Wollen überhaupt“ aus, das bei ihm als „eine Art Platzhalter für jeden beliebigen Inhalt“4 figuriert. Aus dieser Perspektive existiert Identität ausschließlich als jederzeit austauschbare Staffage und was Warenmonaden auch immer denken und tun, sie bewegen sich immer nur auf einem gigantischen Maskenball. So viel ist an dieser Sichtweise richtig: Ob die Konkurrenzmonaden beim After-Work-Stelldichein ihresgleichen gegenüber mit Heckspoilern glänzen, mit Weinkennertum aufwarten oder mit ostasiatischen Atemtechniken auftrumpfen, ist eine akzidentielle, keine substantielle Frage. Das auf das Theorem der „Gegenstandslosigkeit“ geeichte Kleinsche Kategoriensystem löscht aber eine entscheidende Differenz aus: Allein die Inhalte, anhand derer das Konkurrenzsubjekt sich von seinesgleichen abzuheben versucht und den anderen gleichzeitig als seinesgleichen, als „freies Willenssubjekt“ anerkennt, sind austauschbar. Das moderne Individuum vergewissert sich seiner Subjektherrlichkeit aber auch und sogar primär, indem es Personen und Gruppen die Anerkennung als vollwertiges Subjekt verweigert. Es kann sich nicht formieren, ohne dass es das, was es an „Gefühl, Antrieb und Neigung“ an sich nicht zulassen kann, anderen zuschreibt. Egal, ob es an dem zusammen mit seiner Selbstkonstruktion entstehenden Pendant Schwäche, Triebhaftigkeit und Mangel an Leistungsbereitschaft inkriminiert oder in exotisierender Sehnsucht sein Gegenbild als das verlorene Eigentliche feiert, diese subjektkonstitutiven Abgrenzungen haben alles andere als zufälligen Charakter. Rassismus, Antisemitismus und Sexismus lassen sich nicht auf der gleichen Ebene abhandeln wie die Vorliebe für Country Music und eingefleischte Ressentiments unter den Anhängern „verfeindeter“ Fußballclubs. Mit dem Theorem von der „Gegenstandslosigkeit des freien Willens“ hat Peter Klein die Möglichkeit aus der Hand gegeben, diesem Unterschied kategorial Rechnung zu tragen. Argumentativ stehen ihm deshalb nur zwei Möglichkeiten offen. Entweder bleibt der universelle Anspruch seiner Charakterisierung des freien Willens ungedeckt und die für die Subjektform konstitutive Beziehung zum „Nicht-Subjekt“ wird genauso ausgeklammert wie die zum „Un-Subjekt“. Oder die Kategorie des inhaltsleeren Willens dient als Prokrustesbett, dem die Realität gewaltsam anzupassen ist. „Die Herrschaft der Beliebigkeit“ wird in Denkinhalte hineingesehen, in denen offensichtlich eine ganz andere Logik am Werk ist, um den Gegensatz von sinnlichem Inhalt und leerer Willensform als theoretisches Universalraster zu retten.
Die „Schizophrenie des modernen Individuums“ präsentiert vor allem die erstgenannte Vorgehensweise. Es finden sich allerdings auch Spuren der zweiten Variante.5 Auf Phänomene wie Rassismus und Antisemitismus kommt Peter Klein in seinem Text wohlweislich nicht weiter zu sprechen und erspart sich damit die Peinlichkeit, sie der Logik seiner Willenskategorie entsprechend als Accessoire verkaufen zu müssen. Was die sexistische Abwertung der Frau angeht, gibt er diese vornehme Zurückhaltung zwischenzeitlich auf, mit entsprechend niederschmetterndem Resultat. Das warengesellschaftliche Strukturmerkmal der geschlechtlichen Abspaltung deklariert Klein zu einer auf dem Weg zum reinen inhaltsleeren Willen längst erledigten historischen Durchgangsstation um.
Der Verweis auf die soziologische Tatsache, dass auch Frauen heute anders als in der Zeit Kants als Konkurrenzsubjekte agieren können und müssen, reicht ihm, um den der Subjektkonstitution inhärenten Zwang zur Konstruktion und Inferiorsetzung eines „Anderen der Vernunft“ für gegenstandslos zu erklären. Mit dieser En-passant-Entsorgung6 landet er genau an dem Ort, gegen den er in dem Text ansonsten so gerne polemisiert, am „demokratischen Stammtisch“ – ein hoher Preis für die Aufrechterhaltung seiner verkehrten Vorstellung vom „freien Willen“.
Dem Willenssubjekt einen „Standpunkt der Gegenstandslosigkeit“ unterschieben heißt freilich nicht nur die Logik ignorieren, nach der das Warensubjekt die ihm unverzichtbaren Antipoden konstruiert; mit dieser Zuschreibung verkennt Peter Klein zugleich, dass es sich beim Maskenball der Identitäten auch, was die dort feilgebotenen Inhalte angeht, um eine Closed-Shop-Veranstaltung handelt. Die bunte Welt der Meinungen und Haltungen steht keineswegs unterschiedslos allem offen, wie Klein behauptet. Eingang finden ausschließlich Inhalte, die in irgendeiner Weise zur Inszenierung der eigenen Leistungs- und Souveränitätsfähigkeit verwendbar sind. Selbst die eigene Emotionalität und Spontaneität kann zwar auf den Marktplatz geraten, aber nur wenn sie vorher gründlich zum Verfügungsgegenstand umgemodelt wurde und das souveräne Subjekt in keiner grundsätzlich anderen Beziehung zu ihr mehr steht als zu anderen Verfügungsgegenständen auch, wie zu seinem Auto oder seiner Briefmarkensammlung. Damit die Träger des „freien Willens“ sich über ihre sinnliche Dimension und über ihre eigenen Gefühle austauschen können als seien sie tote Objekte, müssen sie gelernt haben, ihrer Sinnlichkeit als einem toten, ihnen äußerlichen Objekt gegenüberzutreten.
Das Bonmot „Herrschaft der Beliebigkeit“ bringt zwar die Tanzordnung auf dem Maskenball der Identitäten auf den Punkt, es lockt aber insofern auf eine falsche Fährte, als es darüber die Existenz einer äußerst rigiden Zugangsordnung vergisst. Peter Klein betont, dass es sich bei dem Verhältnis von Form und Inhalt um eine von Gleichgültigkeit gekennzeichnete Beziehungen handelt. Gegen diese Aussage ist nicht das Geringste einzuwenden. Allerdings ist die Doppelbedeutung des Schlüsselbegriffs Gleichgültigkeit zu beachten, die Klein offenbar entgangen ist. Die konkurrierenden Inhalte begegnen sich auf dem Identitätenmarkt gleichgültig, weil sie vorher – ganz im ursprünglichen Wortsinn – als gleichermaßen gültig anerkannt wurden. Das Geschehen auf dem Markt der Meinungen folgt der „Herrschaft der Beliebigkeit“ nicht aufgrund der vermeintlichen Gegenstandslosigkeit des Willens, sondern weil sich der gemeinsame Nenner aller Identitätsinhalte in ihrer Binnenbeziehung herauskürzt. Peter Klein nimmt Austauschbarkeit und Inhaltsleere synonym und erklärt die gemeinsame inhaltliche Grundlage für nicht existent. Anfänger im Bruchrechnen setzen gern gekürzte Faktoren mit Null gleich. Die Kleinsche leere Form entsteht auf einem ähnlichen Weg.

3.

Beim modernen Individuum handelt es sich um ein innerlich zutiefst zerrissenes Wesen. Unvereinbares ist in seinem Denken und Fühlen am Werk. Vom leibhaftigen Alltagsmenschen weiß das selbstverständlich auch Peter Klein, wie der Titel seines Beitrags ja schon andeutet. Seine Kategorienlehre sieht allerdings gerade diese innere Zerrissenheit nicht vor. Der „neue Dualismus“, der nach Klein an die Stelle des „alten Dualismus“ von religiösem Jenseits und Sinnenwelt getreten sein soll, kennt nur den äußeren Gegensatz von reiner Willensform und sinnlichem Inhalt schlechthin, aber keinen grundsätzlichen Widerspruch auf der Ebene der Bewusstseins- und Gefühlsinhalte selber. Diese Diskrepanz von Empirie und Kategorie will überbrückt sein. Bei Klein übernimmt die Formel von der „Verinnerlichung der Metaphysik“7
diese Aufgabe. Welche historischen Prozesse Klein mit diesem Ausdruck zusammenfassen will, erfährt der Leser zwar nicht einmal andeutungsweise; dafür ist mit der Einführung des Verinnerlichungsbegriffs aber eine für die Rettung der Kleinschen dualistischen Kategorienordnung unerlässliche definitorische Festlegung getroffen. Um „verinnerlicht“ zu werden, muss etwas eigentlich „außen“ beheimatet sein. Auch wenn es schließlich die Herrschaft über das „Innere“ erlangt, bleibt diese letztlich Fremdherrschaft über ein vorgängiges, wahres menschliches Wesen.8 Mit dem Verinnerlichungsbegriff deklariert Klein alle Widersprüche auf der Ebene von „Gefühl, Antrieb und Neigungen“ als Sekundärphänomene und damit ist die gegenstandslos gedachte und jedem Inhalt vorausgesetzte Willensform gerettet.
Indem das Konstrukt der Verinnerlichung die dualistische Weltsicht festschreibt, löst es noch zwei Aufgaben, die mit ihr in einem engen Zusammenhang stehen. Zunächst einmal bringt es den vorher durch die kategoriale Eingangspforte herausbeförderten Widerspruch durch die Hintertür wieder in die Alltagswirklichkeit zurück. Klein beschreibt die „Gegenstandslosigkeit“ der reinen Willensform als Garanten einer reibungslosen Subsumtion alles Sinnlichen unter ihre Herrschaft. Das hat immanent gesehen durchaus seine Logik. Wenn der freie Wille so inhaltsleer und kriterienlos wäre, wie Klein behauptet, dann sind tiefergehende Konflikte und Widersprüche im Grunde gar nicht möglich. Nicht nur die Welt der sinnlichen Inhalte wäre ein konfliktfreier Raum, auch im Verhältnis Inhalt und Form müsste alles glatt aufgehen. Erst indem Klein die These von der Verinnerlichung einführt und unter der Hand in die These der prinzipiellen Unvollständigkeit dieser Verinnerlichung verwandelt, entsteht nachträglich wieder so etwas wie eine Reibungsfläche. Ohne diesen Kunstgriff könnte Klein nie und nimmer proklamieren: „Es ist dünnes Eis, auf dem sich der psychologische Totalitarismus (des eigentlichen Selbst, E. L.) abspielt.“9 Damit ist die Funktion der Verinnerlichungsvorstellung noch nicht erschöpft. Sie verschafft der Kleinschen Subjektkritik außerdem eine vermeintlich handfeste Bezugsbasis. Die Willensmetaphysik ist zwar nach Klein allgegenwärtig und dementsprechend auch ihr Repräsentant, der „Fassadenmensch“. Irgendwo hinter der Fassade – der Begriff suggeriert das ja auch schon – bleibt jedoch eine von den „Verinnerlichungsprozessen“ unerreichbare Sphäre der Eigentlichkeit. Wie er diese „andere Welt“ taufen soll, weiß Peter Klein nicht so recht; Namen wie „existentielle Dimension des Daseins“, „unmittelbare Existenz“ oder „empirisches Dasein“10
sind im Angebot. Dafür weiß er umso sicherer, dass ihr im Gegensatz zur bloßen „Fassadenexistenz“ ontische Dignität zukommt und sie dient ihm daher gegenüber der Willensmetaphysik als eine positive Anrufungsinstanz.11

4.

Empirisch ist die Beobachtung, dass es sich bei den Helden des freien Willens um vom Zusammenbruch bedrohte Wesen handelt, evident. Das Raunen von der „existentiellen Dimension des Daseins“ liefert indes keinen Ansatz zur Erklärung dieser Instabilität, sondern kaschiert eine Leerstelle in der Argumentation.
Wo Kleins Zugriff wertkritisch an seine Grenzen stößt, bedient er sich anderweitig. Mit dem „Unmittelbaren“ und dem „Existentiellen“ greift Klein auf ein ebenso wohlvertrautes wie schillerndes Motiv zurück, das in der einen oder anderen Form seit 200 Jahren im warengesellschaftlichen Bewusstsein präsent ist. Ob Romantik oder Lebensphilosophie oder vulgarisiert in der Esoterik, immer wieder wurde „das Echte“ oder „das Sein als solches“ gegen die westliche Ratio in Stellung gebracht. Klein lehnt sich an diese Tradition an.
Das argumentative Hilfskonstrukt einer Unmittelbarkeit des Seins steht indes in Widerspruch zu Kleins metaphysikkritischem Anspruch. Wie immer man die unter dem Stichwort Gegenaufklärung provisorisch zusammenfassbaren Strömungen im Einzelnen einschätzen mag, gerade ihre Seinsversessenheit stand nämlich nie im Widerspruch zum Siegeszug der Metaphysik des „eigentlichen Selbst“, gegen die Klein sich ja wenden möchte. Bei der Apotheose des vermeintlich Unbedingten handelt es sich vielmehr um deren zweites Basisideologem. Der Kultus des Existentiellen und Ganzheitlichen taugt nicht als Gegeninstanz zur modernen Metaphysik, das unbedingte Sein bildet vielmehr die andere Abteilung des modernen metaphysischen Universums. Weil er einseitig auf die Kritik der Willensmetaphysik fixiert ist, die Klein für die einzige Gestalt der Metaphysik des Subjekts hält, läuft er, ohne dessen gewahr zu werden, ihrer Zwillingsschwester in die Arme.12

5.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Peter Kleins Beschwörung der „existentiellen Dimension des Daseins“ liegt eine völlig andere Intention zugrunde als sie die Denker der Gegenaufklärung umtrieb. Nichts liegt ihm ferner als jede Art von existentialistischer Überspanntheit und Seins-Heroismus, in deren Dienst das Existentielle einst Karriere gemacht hat. Sobald eine Position „das Unmittelbare“ besingt und dabei einen wertkritischen Anspruch erhebt, reicht es indes nicht, dass sie etwas anderes meint als ihre dubiosen Sangesbrüder. Sie müsste sich schon Rechenschaft darüber ablegen, welche Rolle das Gloria in der Geistes- und Mentalitätsgeschichte gespielt hat und heute noch spielt. Sie käme außerdem nicht umhin eine klare, kategorial bestimmbare Grenze zwischen dem reaktionären und einem emanzipativen Bezug auf „das Existentielle“ anzugeben.
Mit seiner Kritik an einer der Schlüsselfiguren der gegenaufklärerischen Traditionslinie, an Friedrich Nietzsche, demonstriert Klein indes, dass er diese Grenzziehung nicht nur versäumt hat. Mit seiner Vorstellung vom „freien Willen“ als einer Kategorie ohne Eigenschaft hat er sich den analytischen Zugang zu diesem Problem verstellt. Klein wertet Nietzsches Absetzbewegung von der Metaphysik durchgängig als verfehlte und zu kurz greifende Kritik. Nietzsche sei der Metaphysik, gegen die er sich wandte, selber noch „auf den Leim gegangen“13, so Kleins Urteil. Sein „unbedingtes ,Ja‘ zum Leben“ sei nicht weit genug gegangen. „Gerade das ‚Ja‘ zum Leben müsste doch im ‚Nein‘ zu einer Gesellschaft münden, die gerade dabei ist, die immer gleiche und also tote Abstraktion der Kantschen reinen Form zum einzig Bestimmenden zu machen.“14

Klein kommt gar nicht auf die Idee, Nietzsches Denken auf den Transformationsprozess zu beziehen, den die Metaphysik in den 200 Jahren nach Kant durchgemacht hat. Dafür, dass Nietzsche der Abstraktion Leben einen biologischen Sinn gab, und zwar als Garant des „höchst eigenen Ich“15, hat Klein dementsprechend nur ein verständnisloses Kopfschütteln übrig. Genau die Reduktion sozialer Existenz auf biologisches Substrat kennzeichnet wesentlich die postkantianische Metaphysik. Nietzsche war sich über den metaphysischen Charakter seiner Überhöhung des „Lebens“ nicht im Klaren. Insofern könnte man Peter Klein mit seiner Behauptung recht geben, Nietzsche hätte den Erscheinungsformen der neuen Metaphysik blind gegenüber gestanden. Seine Blindheit war aber nicht die eines zu kurz greifenden Kritikers, wie in der „Schizophrenie“ unterstellt wird, sondern die eines der wichtigsten Vordenker und Repräsentanten der neuen Metaphysik. Was Klein für die „schiere Kapitulation“ vor der Metaphysik hält, entpuppt sich näher betrachtet als das Durchsetzungsprogramm der modernen Metaphysik im nachkantianischen Zeitalter der „reellen Subsumtion“16 unter die Subjektform.
Klein meint, Nietzsche wäre mit seinem Ansinnen, dem Sinnlichen zu seinem Recht zu verhelfen, gescheitert. Dieser Eindruck kann nur entstehen, wenn man Sinnlichkeit als Blackbox nimmt und davon absieht, um welche Sorte von Sinnlichkeit es Nietzsche eigentlich ging. Wenn dieser „männliche Hysteriker“ (Christina von Braun) das „Leben“ beschwört, propagierte er immer nur eine durch und durch mit der Wertlogik kompatible heroische Gegensinnlichkeit zu der für ihn erbärmlichen Sinnlichkeit von Frauen und Sklaven. Er gehörte zum Hebammen-Team, das die neue Herrenmenschen-Sinnlichkeit ans Licht der Welt gezerrt hat, über deren aktuelle Gestalt sich ja auch Klein zu Recht mokiert. Vor diesem Hintergrund ist indes auch die Reduktion des Menschen auf Biologie zu sehen, die sich nicht nur bei Nietzsche findet, sondern die Vorstellungswelt im ausgehenden 19. Jahrhundert überhaupt prägte. Sie ist kein simpler „Irrglaube“, sondern lieferte den für die Konstruktion dieser Herrenmenschen-Sinnlichkeit unverzichtbaren kategorialen Ausgangspunkt.

6.

Peter Klein zeigt sich für den spezifischen Inhalt, den die Beschwörung des „prallen Lebens“ bei Nietzsche hat, blind und damit für dessen Rolle in der Geistesgeschichte. Die Gründe dafür sind sicherlich nicht in philologischen Problemen zu suchen. Verantwortlich ist vielmehr die Kategorienbrille der „reinen inhaltsleeren Form“, durch die Klein die Wirklichkeit insgesamt und damit auch die Geistesgeschichte betrachtet. Er scheitert an der historischen Einordnung Nietzsches, weil sein begriffliches Bezugssystem Widersprüche auf der Ebene des inhaltlich Sinnlichen nicht kennt und damit überhaupt zur Erfassung sowohl der mentalitätsgeschichtlichen wie der geistesgeschichtlichen Entwicklung ungeeignet ist. Im Umgang mit Nietzsche tritt also eine ganz fundamentale Schwäche des Kleinschen Ansatzes zu Tage.
Dieser geht von der Verkehrsform der Warensubjekte aus und behandelt sie fälschlicherweise als das Ganze der Subjektwirklichkeit. Die Fixierung auf diesen Aspekt lässt nicht nur das Problem der Herstellung und Reproduktion der Subjektform im kategorialen Nebel verschwinden, sondern auch einen Gutteil ihrer Geschichte. Dafür ist nicht allein die Einseitigkeit der Ausrichtung als solche verantwortlich zu machen. Mitentscheidend ist auch der besondere Charakter von Kleins Bezugspunkt. Die Welt der Verkehrsform ist per se eine Welt struktureller Geschichtsliquidierung. Ob sich Waren auf dem Markt begegnen oder Identitätseigner17
aufeinander treffen, in ihrem Verkehrsraum ist die Entstehungsgeschichte der Ware und die Geschichte der Subjekte18
getilgt. Sowohl das objektivierte Prinzip des Marktes, das Äquivalenzprinzip, als auch sein subjektives Pendant, die Vertragsbeziehung der freien Willensträger, beinhaltet das Gentlemen’s Agreement, den jeweiligen eigenen Bedingungszusammenhang auszulöschen. Der Herrschaftsbereich der Beliebigkeit hat zwar eine Geschichte, er kennt aber keine.
Diese Geschichtsresistenz schlägt unweigerlich auf die anhand der Verkehrsform gewonnene Kleinsche kategoriale Ordnung durch. Indem Klein den „freien Willen“ dem Schein der Verkehrsform entsprechend für „gegenstandslos“ erklärt, schrumpft ihm die Gesamtgeschichte der Subjektform auf eine Sparversion. Ein inhaltlich bestimmungsloses Prinzip kann grundsätzlich nämlich nur gelten oder nicht gelten, und dieser binären Logik entsprechend löst sich Klein die gesamte historische Entwicklung in zwei mögliche Aggregatszustände auf. Es existiert entweder eine Ordnung, die alles Inhaltliche am Subjekt in eine akzidentelle Größe verwandelt, oder sie existiert nicht.
Wer die Entstehungsgeschichte der Subjektform als die Form eines spezifischen, selber in Entwicklung begriffenen Inhalts aufzurollen versucht und die Inhaltsebene als Widerspruchsebene begreift, dem tut sich unweigerlich ein weites, fast unermessliches Forschungsfeld auf. In welcher Beziehung stehen die mentalitätsgeschichtlichen Veränderungen der letzten 500 Jahre, aber auch neue geistesgeschichtliche Strömungen jeweils zum Prozess der Herausbildung der Subjektform? Welche Etappen lassen sich ausmachen und wo sind die widerständigen und gegenläufigen Momente zu verorten? Diese Fragen sind allesamt am Material zu klären. Indem Klein die Widerspruchslinie zwischen reiner Subjektform und Inhalt überhaupt zieht, ist er solcher Mühen enthoben und weiß von vornherein Bescheid. Er muss nur den historischen Nullpunkt festlegen, an dem die Herrschaft der reinen Form erreicht ist.
Den Anschein einer historischen Entwicklung kann die Kleinsche Darstellung lediglich insofern wecken, als ihr der geistesgeschichtliche und der realgeschichtliche Nullpunkt auseinanderfallen. Auf welchem Weg auch immer die von der philosophischen Reflexion längst vorweggenommene inhaltsleere reine Willensform Eingang in die Alltagswirklichkeit gefunden haben mag, von substantieller Bedeutung ist Geschichte nur, soweit sie für die nachträgliche Adaption an diesen einen philosophischen Gedanken steht. Darüber hinaus sind für Klein weder realgeschichtliche noch geistesgeschichtliche Entwicklungen von kategorialer Bedeutung zu verzeichnen. Auf dem Gebiet der Philosophie hat bereits Kant das ultimative Schlusswort gesprochen. Die nachkantianische Geistesgeschichte erscheint demgegenüber als reine Verfallsgeschichte, und außer dem Verlust des schon erreichten Reflexionsniveaus bleibt nicht allzu viel zu konstatieren. Um die außerphilosophische Wirklichkeit, die verzögert in die Welt des „neuen Dualismus“ eintritt, ist es nicht viel besser bestellt. Versteht man das Merkmal der völligen Inhaltsleere konsequent, dann wären selbst noch der National- und Realsozialismus dem „alten Dualismus“ zuzurechnen und stünden letztlich in ihrer Struktur mit der christlichen Metaphysik auf einer Stufe! Von der „Ausbreitung der Kantschen Metaphysik“19 in die gesellschaftlichen Beziehungen hinein kann demnach strenggenommen erst nach dem Zweiten Weltkrieg die Rede sein und auch nur, solange der Warengesellschaft tiefergehende Krisenschübe erspart bleiben. Indem Klein den freien Willen als inhaltslos bestimmt, bleiben von der Geschichte der Subjektform nicht viel mehr als zwei räumlich wie zeitlich genau festmachbare Standbilder: Was die Reflexion angeht, Königsberg im späten 18. Jahrhundert und das goldene fordistische Zeitalter, in dem Demokratie, Recht und Arbeit gleichermaßen in Blüte standen; letzteres auch nur bezogen auf die Binnenbeziehungen der westlichen Metropolenländer. Peter Klein operiert also mit einer Zentralkategorie, die einen universellen Erklärungsanspruch erhebt, aber einen Großteil der Geschichte von Warengesellschaft und Subjektform für unwesentlich erklärt und ins kategoriale Dunkel schiebt.
Selektiv fällt aber nicht nur Peter Kleins Blick auf die Historie aus. Sobald er auf empirische Tatsachen stößt, die sich nicht über den Leisten eines an der intersubjektiven Verkehrsform des inhaltsleeren „freien Willens“ schlagen lassen, wird sein kategoriales Instrumentarium zum Wahrnehmungsfilter. Klein scheidet solche Probleme als ex definitione nicht zur Subjektform gehörig und damit einer wertkritischen Analyse nicht zugänglich aus. Zumindest bei den Schlusspassagen des Beitrags, die von der Problematik „Gewalt“ und „Ausrasten“ handeln, springt das ins Auge. Von diesem offensichtlich außerhalb des Herrschaftsbereichs der Beliebigkeit liegenden Faktum ist empirisch nur die Rede, um ihm auf der kategorialen Ebene ex cathedra jede innere Beziehung zur Subjektformkonstitution abzusprechen. Die um sich greifende Neigung des Warensubjekts zum Amoklauf deklariert Klein allen Ernstes als eine Art verunglückte Rebellion gegen die Subjektformzumutung.20 In voller Übereinstimmung mit dem warengesellschaftlichen Apologetenverstand behandelt Klein damit die irrationale und selbstdestruktive Seite des Warensubjekts als etwas diesem Fremdes.
Dieser Freispruch ist kein Ausrutscher. Er ist vielmehr zur Rettung seines verkürzten Verständnisses der Subjektform unerlässlich. Wenn diese allein mit der Verkehrsform identisch sein soll, in der sich die fertigen Willens- und Rechtssubjekte wechselseitig als gleichermaßen freie Willensträger anerkennen, dann müssen Praktiken wie Gewalt und Totschlag von einem fernen Stern stammen.
Weil Klein eisern die Reduktion der Subjekt- auf die Verkehrsform durchhält, stellt sich ihm deren tatsächlicher Konstitutionszusammenhang auf den Kopf. In irrationalen Gewaltexzessen, in Mord, Krieg und Totschlag verabschiedet sich der moderne Mensch keineswegs von dieser Form. Die Verwandlung anderer Menschen in tötbare Biomasse bildet ganz im Gegenteil den Urakt, in dem sich der weiße Mann zur Subjekt-Herrlichkeit aufgeschwungen hat und aufschwingt. Die subjektkonstitutive und weltdestruktive Praxis setzt sich aus zwei Schichten zusammen. Im gesellschaftlichen Normalbetrieb agieren die modernen Individuen als Subjekte, indem sie die außermenschliche Welt zu einem optimaler Vernutzung wegen existierenden Ensemble toter Dinge degradieren und ihre Beziehung zu anderen Menschen zu einem Verhältnis wechselseitiger Instrumentalisierung machen. Der Subjektstatus lässt sich aber auch ohne den Umweg Produktion und Vertragslogik erringen, nämlich indem sie direkt Vernichtung zum Inhalt nimmt. Nicht nur für die Herausbildungsgeschichte des Warensubjekts spielt die Formierung seines „Gewaltkerns“21 eine Schlüsselrolle; mit dem sukzessiven Zerfall der „schönen Maschine“ tritt diese tiefere Schicht wieder verstärkt zutage.
Als Theoretiker der Gegenstandslosigkeit erklärt uns Peter Klein, hinter der Fassade des Warensubjekts lauere „nichts“. Es sei flach und eindimensional. Wer nicht nur diese selbst eindimensionale Perspektive, sondern den Gesamtprozess der Subjektkonstitution im Auge hat, muss freilich etwas nachkorrigieren: Hinter der Fassade des Warensubjekts lauert das Nichts, die Vernichtung als letztes und grundlegend inhaltliches Programm. Flach und eindimensional sei das Warensubjekt, resümiert Peter Klein seine Diagnose. Eindimensional ist aber wohl eher die ausschließlich auf die intersubjektive Verkehrsform ausgerichtete Kleinsche Analyse als ihr Gegenstand, das moderne Individuum.

Fußnoten:

1 krisis 29, S. 75. Sämtliche Zitate von Peter Klein stammen aus dem in der letzten krisis erschienenen Artikel.
2 In der Verzauberung der Welt habe ich diesen Zusammenhang in den Abschnitten 11-17, also S. 32-50, skizziert und als Prozess der „reellen Subsumtion unter die Subjektform“ beschrieben.
3Der Dreiklang „männlich-weiß-westlich“ geht ursprünglich auf Claudia von Werlhof zurück.
4 S. 75.
5 S. 71 und S. 90.
6 S. 90.
7 S. 72.
8 Diese Überlegung verdanke ich Robert Bösch.
9 S. 90.
10 S. 88.
11 Auf dieses Problem hat schon Karl-Heinz Lewed am Schluss seines Aufsatzes „Schopenhauer on the rocks“ hingewiesen, krisis 29, S. 139f.
12 Vgl. ausführlicher: „Die Verzauberung der Welt“, krisis 29, insbesondere S. 37f.
13 S. 66.
14 S. 77.
15 S. 65.
16 gl. zum Unterschied von reeller und formeller Subsumtion unter die Subjektform: „Die Verzauberung der Welt“, krisis 29, S. 32.
17 Im Grunde ist diese Geschichtslosigkeit schon im Begriff der Identität (= vollkommene Gleichheit) enthalten.
18 Das gilt sowohl für die biographische wie für die historische Ebene, für die individuelle Vergangenheit wie für die Entstehungsgeschichte der Subjektform überhaupt.
19 S. 84.
20 Vgl. S. 92.
21 Vgl. „Gewaltordnung und Vernichtungslogik“, krisis 27.