14.05.2017  Beitrag drucken

Zwei Bücher – Ein korrekter und ein kritikabler Standpunkt

von Wertkritische Gruppe Karlsruhe

Die Einteilung Ernst Lohoffs Textes „Zwei Bücher – zwei Standpunkte“ in die zwei Themen­schwerpunkte: 1.) Analyse des fiktiven Kapitals und 2.) Analyse der von Robert Kurz  in Geld ohne Wert geleisteten Kritik des metho­do­lo­gischen Individualismus finden wir gut und folgen ihr im Wei­teren gerne. Vorab noch eine Be­mer­kung bezüglich Ernst Lohoffs Beschreibung unserer Inter­vention zu Bernd Czornys Text, die er am Anfang seines Aufsatzes wie folgt charakterisiert:

„…ihr [unserer Intervention] zufolge liegt Czorny mit seiner Einschätzung insofern falsch, als die in unserem Buch vertretene Theorie des fiktiven Kapitals weitgehend mit der von Robert Kurz vertretenen Position übereinstimme; zwar gebe es gewisse inhaltliche Dif­feren­zen zu Geld ohne Wert, doch seien diese sekundärer Natur.“

Wir versuchen gerne, wann immer nötig, zu vermitteln. In der Frage des fiktiven Kapitals jedoch betrachten wir die Differenzen keineswegs als „sekundär“ und  unser unmissverständliches An­liegen ist hierbei, Öl in die glimmende Glut der Diskussion zu gießen, um ein Feuer zu entfachen, in welchem die Waffe der Kritik die Schärfe und Prä­zi­sion erhält, die den bevor­ste­henden gesell­schaftlichen Auseinander­setzungen gerecht werden.

Teil 1: die Analyse des fiktiven Kapitals

Wir halten also die Differenzen in der Frage des fiktiven Kapitals keineswegs für sekundär. Die in Ernst Lohoffs Text durchgeführte Analyse der historischen Entwicklung des Stellenwerts des fikti­ven Kapitals in der wertkritischen Krisentheorie können wir vollständig nachvollziehen und möchten sie um folgende Passage eines Beitrags er­gän­zen, den wir der Krisis und der Exit vor einiger Zeit zukommen ließen. Wir nahmen darin Bezug auf die historischen Formen des fiktiven Kapitals, welche Ernst Lohoff auf S. 192 ff. in Die große Entwertung entwickelt. Wir zitieren:

„Die historische Entfaltung des fiktiven Kapitals beschreibend, unterscheidet Lohoff im Teil III des Buchs Die große Entwertung zunächst drei grundsätzliche Möglichkeiten der Nutzung des zusätzlich durch fiktive Kapitalbildung generierten Geldkapitals:

  • konsumtive Verausgabung
  • Investition als fungierendes Kapital zur Produktion Waren 1ter Ordnung
  • Verbleib in der Sphäre des fiktiven Kapitals

Konsumtive und insbesondere investive Nutzung, so der Autor, dominierten historisch die Epoche des Fordismus, untrennbar verknüpft mit den politökonomischen Interventionen Keynes’. Lohoff schreibt auf S. 197/198:

Anders als bei einer konsumtiven steht bei einer investiven Verausgabung von fiktivem Kapital den Waren 2ter Ordnung eine reale Wertproduktion gegenüber. Der Eigentumstitel (Aktie, Anleihe etc.) ist insofern gedeckt. […]Der Zwang, neue Aktien auszugeben[…], zielt auf eine Erweiterung der Produktion und damit der Grundlage der Kapitalverwertung. Soweit gesamtgesellschaftlich die Zahl der gedeckten Eigentumstitel zunimmt[…], sind dafür allein die gestiegenen Vorauskosten der Wertproduktion verantwortlich. So etwa im fordistischen Nachkriegsboom, als die immer größeren Investitionen, die im Zuge der Produktivkraftentwicklung notwendig wurden, eine ständige Erweiterung des Aktien– und Fremdkapitals erforderte. […] Die kapitalistische Gesellschaft ist reicher geworden als sie ohne das zeitweilige Auftreten der betreffenden Portion fiktiven Kapitals geworden wäre.

Hierin stimmen wir Ernst Lohoff voll und ganz zu. Gänzlich gedeckt war zwar auch das fungie­rende Kapital niemals. Jede zyklische Krise der Verwertung führte und führt zu temporärer Kapital­überakkumulation und folglich zu Kapitalvernichtung. Vermeintlich solides Sachkapital ist jederzeit durch die Konkurrenz von moralischem Verschleiß und damit vom Bankrott bedroht. Dies sind bekannte Konsequenzen fetischistischen, abstrakten Reichtums. Aber von zyklisch krisenhaften Einbrüchen abgesehen, war die Vermehrung des abstrakten Reichtums in der Epoche des Fordismus erfolgreich. Und dies ist das eigentliche und einzige Erfolgskriterium des Kapitalismus. Auch hierin stimmen wir zu.

Im Gegensatz hierzu formulierte Robert Kurz in „Die Himmelfahrt des Geldes“ (1995) folgendes:

Dieses Abheben des Kreditsystems lässt sich als wachsendes strukturelles Missverhältnis zwischen verwissenschaftlichtem Sachkapital und noch anwendbarer rentabler Arbeitsmasse beschreiben; die säkular ansteigende Kapitalintensität (bei Marx als »wachsende organische Zusammensetzung« des Kapitals figurierend) erfordert immer mehr Einsatz von Geldkapital, um immer weniger Arbeit pro Kapitaleinheit mobilisieren zu können. Dieser krisentheoretisch fassbare Sachverhalt drückt sich auch auf der monetären Ebene als die dargestellte wachsende Bedeutung des zinstragenden Kapitals aus. Mit anderen Worten: das »fungierende« reelle Betriebskapital, das abstrakte Arbeit in tatsächlicher Warenproduktion anwendet, muss in steigendem Maße auf geliehenes Geldkapital aus dem Bankensystem zurückgreifen, um den bereits akkumulierten Wert noch weiterverwerten zu können. […]

Das bedeutet nichts anderes, als dass das reale Betriebskapital immer mehr zukünftige vernutzte Arbeitsmengen (zu erwartende Gewinne) im Voraus verpfänden muss, um aktuell weiterproduzieren zu können. Das real warenproduzierende Kapital saugt also gewissermaßen seine eigene (fiktive) Zukunft an und verlängert damit auf einer Meta-Ebene sein Leben über die bereits aufscheinende innere Schranke hinaus. Das funktioniert nur, solange sich die Produktionsweise als solche noch ausdehnt (wie es bis zum letzten Drittel des 20. Jahrhunderts der Fall war) und die fiktional vorweg genommene, zukünftige Wertmasse auch tatsächlich wenigstens insoweit nachfolgt, als damit die Kredite verzinst werden können. Dass aber die säkular steigenden Kapitalinvestitionen grundsätzlich und im gesellschaftlichen Durchschnitt nicht mehr aus eigenen Mitteln, also nicht mehr aus der realen Profitmasse vollfinanziert werden können, ist ein starkes Indiz für den prekär werdenden Charakter der ganzen Veranstaltung. Diese strukturelle Verschiebung zugunsten des zinstragenden Kapitals ist zwar noch nicht dasselbe wie die direkte Bedienung von Krediten mit anderen Krediten; aber dennoch wird die reale Akkumulationsbewegung indirekt abhängig von den konzentrierten Spargeldern der Gesellschaft.

15 Jahre später, in einem Interview mit der Zeitschrift Telepolis aus 2010, äußert sich Robert Kurz ähnlich:

Reif geworden ist damit ein säkularer innerer Selbstwiderspruch der Kapitalverwertung, der sich in zwei Stufen darstellen lässt. Zunächst hat die von der Konkurrenz erzwungene Produktivkraftentwicklung dazu geführt, dass der Anteil des Sachkapitals (Maschinen usw.) im Zuge der Verwissenschaftlichung der Produktion gegenüber dem Anteil der Arbeitskraft immer größer wurde. Um auch nur eine einzige kapitalproduktive Arbeitskraft anwenden zu können, musste ein stets wachsendes Sachaggregat mobilisiert werden (steigende Kapitalintensität). Damit wuchsen die toten Vorauskosten für die Kapitalverwertung in einem Maße an, dass sie immer weniger aus den laufenden Gewinnen finanziert werden konnten (Maschinen übertragen nur früher produzierten Wert und schaffen keinen Neuwert). Die Folge war eine historische Expansion des Kreditsystems auf allen Ebenen (Unternehmen, Staat, private Haushalte). Um aktuellen Mehrwert produzieren zu können, musste in stetig wachsendem Ausmaß auf zukünftigen Mehrwert in Form des Kredits vorgegriffen werden. Dieser Widerspruch war aushaltbar, solange die Kredite aus laufender realer Mehrwertproduktion bedient werden konnten.

Diese Argumentation halten wir für nicht stichhaltig. Die beschriebene strukturelle Verschiebung zugunsten des zinstragenden Kapitals, so Robert Kurz, sei zwar noch nicht dasselbe wie die direkte Bedienung von Krediten mit anderen Krediten. Im Gegensatz dazu sind wir aber der Meinung, dass fiktives Kapital in der Ära des Fordismus und in der postfordistischen Phase ganz und gar nicht dasselbe ist, sondern etwas qualitativ grundsätzlich Verschiedenes. Weshalb?

Die Ausweitung des fiktiven Kapitalsektors in der Ära des Fordismus war dem Kapitalhunger des fungierenden Sektors geschuldet. Das fungierende Kapital vermochte die damals notwendigen Modernisierungs­investitionen nicht aus dem bereits akkumulierten Kapitalstock zu leisten. Diesen Kapitalmangel behob die keynesianische Kreation fiktiven Kapitals und dies hatte eine enorme Ausweitung der Nutzungsmöglichkeit menschlicher Arbeit in Form unmittelbarer Produktionsarbeit zur Folge. Von ‚Subaltern Werden der unmittelbaren Arbeit‘ (Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, S. 596) kann deshalb nicht die Rede sein. Die Epoche des Fordismus ist zweifelsohne der Aufstiegsphase des Kapitals zuzuordnen. Insgesamt ist sie gekennzeichnet durch strukturelle Unterakkumulation des Kapitals. Robert Kurz’ Formulierung, [D]as funktioniert nur, solange sich die Produktionsweise als solche noch ausdehnt, stellt den Sachverhalt auf den Kopf. Die Ausdehnung der Produktionsweise war nämlich gerade das Resultat der Ausweitung des fiktiven Kapitalsektors. Insofern war es logisch, dass die Kredite aus laufender realer Mehrwertproduktion bedient werden konnten. Der realen Mehrwertproduktion und mehr noch, deren Ausdehnung, lagen gerade die Kredite zugrunde. Bereits darin ein starkes Indiz für den prekär werdenden Charakter der ganzen Veranstaltung zu sehen, halten wir für eine Fehlinterpretation.

Das Dilemma der nachfolgenden ‚finanzkapitalistisch‘ dominierten Epoche ist demgegenüber die strukturelle Überakkumulation des Kapitals, verursacht durch die sukzessive Durchsetzung mikroelektronisch gesteuerter Industrierobotik in allen Produktionsbereichen. Das bereits akkumulierte Gesamtkapital verlor und verliert in wachsendem Ausmaß rentable Verwendung als fungierendes Kapital und ist insofern faktisch von fortschreitender Entwertung betroffen. Deshalb vollzog sich mit Beginn der 1980er Jahre der nicht nur quantitative, sondern eben sehr spezifische Take off des fiktiven ungedeckten Kapitals als ein qualitativ neues Phänomen. Dies ist aller Voraus­sicht nach letzte Phase des Kapitalverhältnisses, dessen historische Schranke. Darin sind wir uns einig. Vielleicht lässt sich der Unterschied so charakterisieren: Wenn fiktives Kapital in der ‚finanzkapitalistisch‘ dominierten Epoche Vorabkapitalisierung im Rahmen von Wertantizipation (Lohoff) darstellt, dann war fiktives Kapital in der Ära des Fordismus Vorabverwertung aus der Zukunft mobilisierten Kapitals, also logisch das genaue Gegenteil.“

Die in dieser Frage unzureichende Analyse und der mangelnde Begriff der verschiedenen Etappen des fiktiven Kapitals zeigen sich auch in Robert Kurz’ Geld ohne Wert auf S. 328 ff. Der Verdienst Ernst Lohoffs und der Krisis besteht darin, die Analyse des fiktiven Kapitals angestoßen und auf ein qualitativ neues Niveau gehoben zu haben. Dieser wichtige Beitrag sollte, ja muss, unab­hängig von Sym­­pathie oder Antipathie mit den Autoren, von allen Gruppen, denen es ernst ist mit der Über­win­dung des Kapital­verhältnisses, zur Kenntnis genommen werden.

Teil 2: Fragen der Kritik des methodologischen Individualismus.

Ernst Lohoff kritisiert hier mehrere Punkte, so a) Robert Kurz´ gegen den methodologischen Individualismus entwickeltes „dialektische Totalitätsverständnis“.

 „Schaut man sich den Kurzschen Standpunkt etwas genauer an, dann weist er fatale Schwächen auf. Zum einen ist der Vorwurf des methodologischen Individualismus, was Marx angeht, haltlos. Zum anderen verbirgt sich hinter dem Label des „dialektischen Totalitätsver­ständ­nis­ses“ fatalerweise genau die Vorgehensweise, deretwegen die wert­kritische Diskussion früher den Begriff des fiktiven Kapitals nur unzureichend erfasst hat.“

Weiter b) die systematische Verknüpfung des methodologischen Individualismus mit transhistori­sierenden, ontologisierenden Positionen.

„Für Kurz’ Marxkritik ist vor allem eine Weitung entscheidend. Sobald ein theoretischer Ansatz der ‚Historizität der Kategorien‘ (S.28) nicht Rechnung trägt und die der kapitalistischen Produktionsweise zugrundliegenden Kategorien zumindest in einer unreinen Gestalt auch schon in vorkapitalistischen Gesellschaften am Werk sieht, verfällt er dem Verdikt des ‚methodologischen Individualismus‘.“

Die Erörterung c) der wichtigen differentia specifica, des Substanzbegriffs, eröffnet er wie folgt:

„In den Marxschen ökonomiekritischen Schriften finden sich zwei unterschiedliche Fassungen der Kategorie der Arbeitssubstanz nebeneinander: ein naturalistisch-physio­logischer Begriff, der eigentlich aus dem bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb des 19. Jahrhunderts stammt, und ein genuin fetischismuskritischer.“

a) Zu Marx

Beginnen wir mit Marx. Anders als in den Grundrissen beginnt – wie bekannt – das Kapital mit der Ana­lyse der idealtypischen Ware. Kurz verweist unserer Meinung nach völlig zu Recht auf die mit dieser Darstellung verknüpften Probleme, die man durchaus als Probleme des methodo­logischen Individualismus bezeichnen muss. Exemplarisch analysieren wir die Marxschen Aus­führungen im 10. Kapitel des Kapital 1, MEW Bd. 23. Wir zitieren hierzu eine längere Passage S. 335 ff.:

„Stellt sich eine Arbeitsstunde in einem Goldquantum von 6 d. oder 1/2 sh. dar, so wird in zwölfstündigem Arbeitstag ein Wert von 6 sh. produziert. Gesetzt, mit der gegebnen Produktivkraft der Arbeit würden 12 Stück Waren in diesen 12 Arbeitsstunden verfertigt. Der Wert der in jedem Stück vernutzten Produktionsmittel, Rohmaterial usw. sei 6 d. Unter diesen Umständen kostet die einzelne Ware 1 sh., nämlich 6 d. für den Wert der Produktionsmittel, 6 d. für den in ihrer Verarbeitung neu zugesetzten Wert. Es gelinge nun einem Kapitalisten, die Produktivkraft der Arbeit zu verdoppeln und daher 24 statt 12 Stück dieser Warenart in dem zwölfstündigen Arbeitstag zu produzieren. Bei unverändertem Wert der Produktionsmittel sinkt der Wert der einzelnen Ware jetzt auf 9 d., nämlich 6 d. für den Wert der Produktionsmittel, 3 d. für den durch die letzte Arbeit neu zugesetzten Wert. Trotz der verdoppelten Produktivkraft schafft der Arbeitstag nach wie vor nur einen Neuwert von 6 sh., welcher sich jedoch jetzt auf doppelt so viel Produkte verteilt. Auf jedes einzelne Produkt fällt daher nur noch 1/24 statt 1/12 dieses Gesamtwerts, 3 d. statt 6 d. oder, was dasselbe ist, den Produktionsmitteln wird bei ihrer Verwandlung in Produkt, jedes Stück berechnet, jetzt nur noch eine halbe statt wie früher eine ganze Arbeitsstunde zugesetzt. Der individuelle Wert dieser Ware steht nun unter ihrem gesellschaftlichen Wert, d.h., sie kostet weniger Arbeitszeit als der große Haufen derselben Artikel, produziert unter den gesellschaftlichen Durchschnittsbedingungen. Das Stück kostet im Durchschnitt 1 sh. oder stellt 2 Stunden gesellschaftlicher Arbeit dar; mit der veränderten Produktionsweise kostet es nur 9 d. oder enthält nur 1 1/2 Arbeitsstunden. Der wirkliche Wert einer Ware ist aber nicht ihr individueller, sondern ihr gesellschaftlicher Wert, d.h., er wird nicht durch die Arbeitszeit gemessen, die sie im einzelnen Fall dem Produzenten tatsächlich kostet, sondern durch die gesellschaftlich zu ihrer Produktion erheischte Arbeitszeit. Verkauft also der Kapitalist, der die neue Methode anwendet, seine Ware zu ihrem gesellschaftlichen Wert von 1 sh., so verkauft er sie 3 d. über ihrem individuellen Wert und realisiert so einen Extramehrwert von 3 d. Andrerseits stellt sich aber der zwölfstündige Arbeitstag jetzt für ihn in 24 Stück Ware dar statt früher in 12. Um also das Produkt eines Arbeitstags zu verkaufen, bedarf er doppelten Absatzes oder eines zweifach größeren Markts. Unter sonst gleichbleibenden Umständen erobern seine Waren nur größeren Marktraum durch Kontraktion ihrer Preise. Er wird sie daher über ihrem individuellen, aber unter ihrem gesellschaftlichen Wert verkaufen, sage zu 10 d. das Stück. So schlägt er an jedem einzelnen Stück immer noch einen Extramehrwert von 1 d. heraus. Diese Steigerung des Mehrwerts findet für ihn statt, ob oder ob nicht seine Ware dem Umkreis der notwendigen Lebensmittel angehört und daher bestimmend in den allgemeinen Wert der Arbeitskraft eingeht. Vom letzteren Umstand abgesehen, existiert also für jeden einzelnen Kapitalisten das Motiv, die Ware durch erhöhte Produktivkraft der Arbeit zu verwohlfeilern. Indes entspringt selbst in diesem Fall die gesteigerte Produktion von Mehrwert aus der Verkürzung der notwendigen Arbeitszeit und entsprechender Verlängerung der Mehrarbeit. Die notwendige Arbeitszeit betrage 10 Stunden oder der Tageswert der Arbeitskraft 5 sh., die Mehrarbeit 2 Stunden, der täglich produzierte Mehrwert daher 1 sh. Unser Kapitalist produziert aber jetzt 24 Stück, die er zu 10 d. per Stück oder zusammen zu 20 sh. verkauft. Da der Wert der Produktionsmittel gleich 12 Schilling, ersetzen 14 2/5 Stück Ware nur das vorgeschossene konstante Kapital. Der zwölfstündige Arbeitstag stellt sich in den übrigbleibenden 9 3/5 Stück dar. Da der Preis der Arbeitskraft — 5 sh., stellt sich im Produkt von 6 Stück die notwendige Arbeitszeit dar und in 3 3/5 Stück die Mehrarbeit. Das Verhältnis der notwendigen Arbeit zur Mehrarbeit, welches unter den gesellschaftlichen Durchschnittsbedingungen 5:1 betrug, beträgt jetzt nur noch 5:3. Dasselbe Resultat erhält man so: Der Produktenwert des zwölfstündigen Arbeitstags ist 20 sh. Davon gehören 12 sh. dem nur wieder erscheinenden Wert der Produktionsmittel. Bleiben also 8 sh. als Geldausdruck des Werts, worin sich der Arbeitstag darstellt. Dieser Geldausdruck ist höher als der Geldausdruck der gesellschaftlichen Durchschnittsarbeit von derselben Sorte, wovon sich 12 Stunden nur in 6 sh. ausdrücken. Die Arbeit von ausnahmsweiser Produktivkraft wirkt als potenzierte Arbeit oder schafft in gleichen Zeiträumen höhere Werte als die gesellschaftliche Durchschnittsarbeit derselben Art. Aber unser Kapitalist zahlt nach wie vor nur 5 sh. für den Tageswert der Arbeitskraft. Der Arbeiter bedarf daher, statt früher 10, jetzt nur noch 7 1/2 Stunden zur Reproduktion dieses Werts. Seine Mehrarbeit wächst daher um 2 1/2 Stunden, der von ihm produzierte Mehrwert von 1 auf 3 sh. Der Kapitalist, der die verbesserte Produktionsweise anwendet, eignet sich daher einen größeren Teil des Arbeitstags für die Mehrarbeit an als die übrigen Kapitalisten in demselben Geschäft. Er tut im Einzelnen, was das Kapital bei der Produktion des relativen Mehrwerts im Großen und Ganzen tut. Andrerseits aber verschwindet jener Extramehrwert, sobald die neue Produktionsweise sich verallgemeinert und damit die Differenz zwischen dem individuellen Wert der wohlfeiler produzierten Waren und ihrem gesellschaftlichen Wert verschwindet. Dasselbe Gesetz der Wertbestimmung durch die Arbeitszeit, das dem Kapitalisten mit der neuen Methode in der Form fühlbar wird, dass er seine Ware unter ihrem gesellschaftlichen Wert verkaufen muss, treibt seine Mitbewerber als Zwangsgesetz der Konkurrenz zur Einführung der neuen Produktionsweise.“

Marx’ Darstellung ist an dieser Stelle unpräzise. Er behauptet: „Verkauft also der Kapitalist, der die neue Methode anwendet, seine Ware zu ihrem gesellschaftlichen Wert von 1 sh….“. Doch dem ist nicht so. Verkauft der Kapitalist, der die neue Methode anwendet, seine Ware zu einem Preis von 1 sh., so verkauft er sie definitiv nicht zu ihrem Wert, denn durch die Einführung der neuen Methode sank das Wertniveau notwendig, der gesellschaftliche Wert liegt unter 1 sh. Das Ausmaß dieses Absinkens hängt ab vom Marktanteil der neuen Methode, aber es erfolgt ad hoc. Des Weiteren bedeutet der Verkauf der Ware zu 10 d. keineswegs, wie Marx formuliert, Verkauf „über ihrem individuellen, aber unter ihrem gesellschaftlichen Wert…“. Der reduzierte Verkaufspreis kann zufällig dem neuen, aktuellen Wert entsprechen, in der Regel wird er über diesem neuen, aber unter dem bis zur Einführung der neuen Produktionsmethode gültigen alten Wertniveau liegen. Marx versäumt an dieser Stelle zu erwähnen, dass es sich bei der Darstellung eines zwölf­stündigen Arbeitstags in einem Goldquantum von 6 d. immer um einen durchschnittlichen Arbeitstag handelt. Ebenfalls problematisch, weil missverständlich, ist die Benutzung des Begriffs individueller Wert. Entweder ist der Wert ein gesellschaftliches Verhältnis der durchschnittlich notwendigen Arbeitszeit oder er ist individuell. Selbstverständlich ist dies Marx bewusst, da er klarstellt: „Der wirkliche Wert einer Ware ist aber nicht ihr individueller, sondern ihr gesellschaftlicher Wert.“ Aber der Begriff individueller Wert ist in erheblichem Maß irreführend und tatsächlich komplett unnötig. Genau dies meint Robert Kurz, wenn er das Darstellungs­problem von Marx im  Kapital, Band 1, in Geld ohne Wert S.169 wie folgt problematisiert:

„Das Darstellungsproblem von Marx beruht also letzten Endes darauf, dass der „Anfang“ in Gestalt der Analyse der Warenform unwillkürlich in die Falle des methodologischen Individualismus führt.“

Wir stimmendem bei und würden nur vorsichtiger – oder möglicherweise präziser – formulieren: „führen kann“. Um diese Prob­le­­me zu vermeiden, sollte eine adäquate Analyse, Kurz´ Vorschlag auf­greifend, mit der Darstel­lung der Totalität des Kapitalverhältnisses beginnen und nicht mit einer seiner Metamor­phosen, der Ware. Damit stiege man tatsächlich auf von den abstrakt-allgemeinsten Bestimmung der modernen auf Warenproduktion gründenden Gesellschaft. Die abstrakt-all­gemeinste Bestim­mung ist nämlich das Kapital­verhältnis im „dialektischen Totalitätsverständnis“ und nicht, wie Ernst Lohoff formuliert:

„…die Auf­lösung der gesellschaftlichen Produktion in Privatarbeit … als die abstrakteste Bestim­mung der kapita­listischen Produktionsweise, deren noch völlig unentfaltete Totalität, deren Totalität in nuce.“

Er schreibt ja selbst, Totalität in nuce. Die Totalität in toto und damit tatsächlich die abstrakteste Bestim­­mung der kapitalistischen Produktionsweise ist jedoch das Kapital, von welchem Ausgang zu nehmen ist, und nicht von einer dessen Meta­­morphosen. Ernst Lohoff führt weiter aus:

„Die Ware, die am Anfang des Kapital steht, ist so unempirisch wie die Kate­gorie des „Seins“, mit der Hegel seine Wissenschaft der Logik beginnt.“

Das ist richtig, aber der­gleichen wird von Kurz nirgends behauptet. Kurz unterstellt nicht, wie von Ernst Lohoff behauptet, „Marx würde versuchen, die kapitalistische Logik von der „einzelnen empirischen Ware“ her aufzurollen. Kurz schreibt im Gegenteil auf S. 168:

„Wenn diese [nicht-empirischen Modifikationen] aber selber begrifflich in ihrer logischen Allgemeinheit darzustellen wären, wie Marx es ja im dritten Band versucht, dann stellt sich die Frage nach dem Verhältnis der basalen Analyse der idealtypischen (einzelnen) Ware im ersten Band und der Analyse der abstrakt-allgemeinen Totalität des Reproduktions­prozesses im dritten Band.“

Marx geht also laut Kurz von der idealtypischen Ware aus und nicht von der empirischen. Lediglich die „landläufige Interpretation“, also die des „Marxismus“, die der „Arbeiterbewegung“, beziehe, wie Kurz auf S. 167 schreibt,

„…die elementare Marxsche Formanalyse umstandslos auf die empirischen Waren oder setzt implizit empirische und idealtypische Ware unproblematisch synonym.“

Weshalb Ernst Lohoff ein „dialektisches Totalitätsverständnis“ ominös erscheint, ist uns ein Rätsel. Dialektik und Totalitätsverständnis sind exakt die Methoden, die Marx von Hegel entlehnte. Und nur mittels dieses dialektischen Totalitätsverständnisses ist das Kapital als totales, fetischistisches, prozessierend selbstwider­sprüchliches Gesellschaftsverhältnis zu dechiffrie­­ren. Das Analogon des Kapitals ist im übrigen die „Kate­gorie des „Seins“, mit der Hegel seine Wissenschaft der Logik beginnt.“ Wir erkennen weiter keinen Grund, weshalb, wie Ernst Lohoff schreibt, sich „hinter dem Label des „dialektischen Totalitätsver­ständ­nisses“  fatalerweise genau die Vorgehens­weise, deretwegen die wert­­kritische Dis­kus­­sion früher den Begriff des fiktiven Kapitals nur unzu­reichend erfasst hat“, verbergen sollte. Wir meinen dagegen, nicht nur irreführende Begriffe wie beispiels­weise „indi­vi­dueller Wert“ lassen sich dadurch vermeiden, sondern auch der Zugang zur Kritik des fiktives Kapital als zentrale Kategorie verrückter gesellschaftlicher Verhält­nisse ließe sich so erleichtern.

Grob skizziert bestünde die Methode des dialektischen Totalitätsver­ständ­nisses darin, mit der Dar­legung des fetischistischen Charakters des Kapitalverhältnisses zu beginnen, dabei die Wesens­unter­schiede ab­strak­ten, selbstzweckhaften Reichtums des Kapitals und stofflichen Reich­tums zu ent­wickeln und darauf aufbauend die selbstreflexive Bewegung des Kapitals G – W – G´ darzu­stellen. Daran würde die Darstellung der verschiedenen Metamorphosen W des Kapitals anschließen, näm­lich Waren 1. Ordnung, Metamor­phosen des fungierenden Kapitals, Produkt vol­l­zogener abstrakter Arbeit und Waren 2. Ordnung als Metamorphosen des fiktiven Kapitals, Vorgriff auf zukünftigen Arbeits­vollzug, Wertantizipation.

b) Methodologischer Individualismus und Historizität

Kurz behauptet zunächst, jede transhistorische, ontologische Darstellung sei notwendig falsch und da sind wir mit ihm völlig d’accord. Auch bei Marx und in größerem Umfang bei Engels finden sich als transhistorisierend zu interpretierende Formu­lierungen, wie Ernst Lohoff ja auch bemerkt:

„Robert Kurz konstatiert zu Recht, dass Marx die Historisierung der für die kapitalistische Produktionsweise spezifischen Kategorien in seinen Schriften nicht konsequent durchgehalten habe.“

Wir betrachten dies als Erbe noch nicht überwundener,  hegelscher Geschichtsmetaphysik. Das ist hegelscher Inhalt, nicht hegelsche Methode. Es war offensichtlich nicht damit getan, den Idealisten Hegel vom Kopf auf die materialistischen Füße zu stellen, vielmehr wäre die komplette hegelsche Geschichtsmetaphysik zu kritisieren gewesen. Dies war und ist eine der Aufgabenstellungen des „über Marx Hinausgehens“. Walter Benjamin begann damit in den geschichtsphilosophischen Thesen. Die Marxsche, von Hegel entlehnte Methode des dialektischen Totalitätsverständnisses, des Aufsteigens vom Abstrak­testen zum Konkreten jedoch wird von Kurz nicht nur nicht in Frage gestellt, sondern sie wird geradezu nach­drück­lich eingefordert bei gleichzeitiger Darlegung dies­bezüglicher Inkonsistenzen bei Marx selbst. Eine Stelle, an welcher Kurz behauptete, jede trans­historische Herangehensweise, so die hegelsche geschichtsmetaphysische, transhistorische, ontolo­gisie­rende Auffassung, verfalle automatisch dem Verdikt des „methodologischen Indivi­dualismus“, konnten wir nicht finden. Diese hegelsche Auffassung ist falsch, aber nicht als Ganzes metho­dologisch individualistisch. Wir kön­nen Ernst Lohoffs Inter­pretation nicht zustimmen.

c) Begriff der Arbeitssubstanz

Ernst Lohoff schreibt:

„In den Marx´schen ökonomiekritischen Schriften finden sich zwei unterschiedliche Fassungen der Kategorie der Arbeitssubstanz nebeneinander: ein naturalistisch-physiologischer Begriff, der eigentlich aus dem bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb des 19. Jahrhunderts stammt, und ein genuin fetischismuskritischer.“

Es finden sich im Marxschen Werk mehrere Passagen, die man als naturalistisch-physiologische Auffassung der Wertsubstanz interpretieren kann. Tatsächlich ist die menschliche Energie­veraus­gabung als Arbeitssubstanz die qualitative Grundlage des Werts, aber eben  qualitativ. Dabei findet die erste Abstraktion statt, abstrahiert wird von jeglichem stofflich-sinnlich konkretem Inhalt der Arbeit. Gültig allein ist abstrakte Arbeit, Arbeit sans phrase. Noch niemals wurde der Wert quantitativ bestimmt als Menge der beim Arbeitsprozess verausgabten Joule – außer möglicher­weise von einigen vormarxschen Arbeits­physiokraten. Darin besteht der zweite Abstraktionsschritt. Quantitativ entscheidend ist nämlich der gesell­schaftlich durchschnittlich notwendige Zeit­aufwand, die gesellschaftlich durchschnittlich notwendige Arbeitsstunde. Die Fetischismus­kritik in der Frage der Arbeitssubstanz besteht in deren Deon­to­logisierung und Entindividualisierung und – damit verknüpft – der des Werts. Eine bloße Dekon­struk­tion der Arbeitssubstanz und damit des Werts zu einer rein gedanklichen Formation wäre absurd. Ernst Lohoff kann dies unmöglich meinen.

Insofern ist es völlig in Ordnung, dass Robert Kurz nicht von der Vorstellung einer „pseudo-sinnlichen physiologischen Arbeitssubstanz“ lässt. Genau dies stimmt ja: Die Arbeitssubstanz ist pseudo-sinnlich, inso­fern es auf deren Abstraktion von der konkreten Sinnlichkeit, auf deren abstrakte Verausgabung und nicht einmal auf deren Menge in Joule ankommt. In Geld ohne Wert leistet Robert Kurz außerdem  tatsächlich die Ablösung der arbeits­physiologischen Vorstellung von den besonderen Waren, also deren Entindividualisierung, indem er den Bezug auf die Ebene des kapi­ta­listischen Gesamt­prozesses herstellt. Ernst Lohoff zitiert Robert Kurz:

„Die verausgabte abstrakt-menschliche Eergie ‚fließt’ nicht unmittelbar in die produzierte einzelne Ware, sondern sie wird hinter dem Rücken der einzelnen Produktionsagenten objektiv aggregiert zu einer totalen Substanzmasse des gesamtgesellschaftlich produzierten Werts.“  (Kurz 2012, S. 179)

Der unmittelbar folgende Satz lautet übrigens:

„Selbstverständlich bleibt dabei die Bestimmung richtig, dass nur die mit gesellschaftlich-durchschnittlicher Produktivität verausgabte Arbeits­energie „gültig“ ist.“

Und das ist vollkommen korrekt. Genau dieser Prozess der Aggregierung zur gesamt­gesell­schaft­lichen Wertmasse wird von Marx im dritten Band des Kapital beschrieben und entwickelt, ohne erneut die irreführende Konstruktion des individuellen Werts aus dem ersten Band zu bemühen. Robert Kurz deshalb eine „überhistorische Verwendung des Arbeitsbegriffs“ und eine „daraus re­sul­­tie­­rende naturalisierende Herleitung der Arbeitssubstanz als physiologischem Sub­strat“ zuzu­schrei­ben, ist gegenstandslos. Einer der zahlreichen großen Verdienste der damaligen Krisis­gruppe bestand ja gerade in einer Historisierung des Arbeitsbegriffs und seiner Dechif­frierung als feti­schi­stisches Konstrukt. Unseres Erachtens zu Recht allerdings kritisiert Ernst Lohoff Kurz´ „Gegen­überstellung von substanz­losen und sub­stanziellen Reichtum“. Kurz spricht explizit von „substanz­losem Wert“ (S.339). Ein irreführender Begriff, substanzlos ist nicht der Wert, sondern das aus Finanz­transaktionen resultierende Kapital. Hierfür hat Marx den treffenderen Begriff fiktives Kapital geprägt. Und fiktives Kapital ist, wie Ernst Lohoff präzise in Die große Entwertung darstellt, Resultat von Wertantizipation und nicht Resultat substanzlosen Werts. Doch Robert Kurz´ falscher Begriff des „substanzlosen Werts“  ist nicht einem transhistorischen, naturalistischen Arbeits­begriff geschuldet, sondern vielmehr seinem unentwickelten Begriff des fiktiven Kapitals.

Resümee

Abschließend kommentieren wir drei Aussagen Ernst Lohoffs, deren Diskussion als Resümee gut geeignet ist:

1. „Die Methode, die Marx seinem Hauptwerk zugrunde legte, das sukzessive Auf­steigen von den abstraktesten Bestimmungen der kapitalistischen Produktionsweise zur entfalteten Totalität, ist nach wie vor wegweisend und als Darstellungsweise der kapita­listischen Totalität unverzichtbar.“

Nichts anderes fordert Kurz ein mit der Methode des dialektischen Totalitätsverständnisses. Das Kapital als Totalität ist die abstrakteste Bestimmung der kapitalistischen Produktionsweise, von welcher die Kritik sukzessive auszugehen und aufzusteigen hat zu den Kategorien Wert, Ware, Geld etc.

2. „Wer wie Robert Kurz in seinem letzten Buch so tut als ließe sich die Totalität erfassen, ohne sie dabei in ein gegliedertes Ganzes aufzulösen, landet zwangsläufig bei einer zirkulären Argumentation (siehe auch Samol 2013, S. 12 ff).“

3. „…Ein „dialektisches Totalitätsverständnis“, bei dem die Rekonstruktion der gesell­schaftlichen Totalität nicht mehr das Ergebnis des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten ist, sondern der entfaltete Gesamtprozess zur Voraussetzung jeder kategorialen Bestimmung gemacht wird, verunmöglicht jede kategoriale Bestimmung, die diesen Namen verdient.“

Der Gesamtprozess ist die Voraussetzung jeder kategorialen Bestimmung und nicht umgekehrt. Die gesellschaftlichen Totalität lässt sich nur rekonstruieren als Ergebnis des Aufsteigens vom Abstrakten zum Konkreten. Selbstverständlich muss dabei die Totalität analytisch in ein geglieder­tes Ganzes differenziert werden, aber mit der Totalität als Voraussetzung dieser Differe­nzierung und nicht als Resultat der Gliederungen. Belege für die Behauptung, die konkrete Analyse der Glie­derungen des Ganzen, der kategorialen Bestimmungen von Ware, Wert, Geld etc. würde über­flüssig, lassen sich bei Robert Kurz wohl kaum finden.