21.02.2026 

Glaube an Technik, die Besiedlung des Mars und Longtermism als regressive Krisenbearbeitung

Eine gesellschaftstheoretische Perspektive auf rechts-libertäre Tech-Milliardäre in der Klimakrise1

Carla Ostermayer

aus: Graduiertenkolleg »Krise und sozial-ökologische Transformation« (Hg.): Kämpfe um Transformation, Bielefeld: transcript Verlag, 2025
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„Grenzenlos Natur zu beherrschen,
den Kosmos in ein unendliches Jagdgebiet zu verwandeln
war der Wunschtraum der Jahrtausende.“
(Horkheimer/Adorno 2020: 264)

Als Max Horkheimer und Theodor W. Adorno vom Kosmos als unendlichem Jagdgebiet schrieben, hatten sie noch nicht die Kolonisierung des Mars im Kopf, wie sie gegenwärtig Elon Musk oder Jeff Bezos vorschwebt. Ausgehend vom fortdauernden Wunschtraum, grenzenlos die Natur zu beherrschen, möchte ich in diesem Artikel ein Nachdenken über den Umgang rechts-libertärer Tech-Milliardäre mit der Klimakrise anregen und argumentieren, dass dieser Umgang als regressive Krisenbearbeitung interpretiert werden kann. Da es sich bei rechts-libertären Tech-Milliardären um keine klar abgrenzbare politische Bewegung mit einer einheitlichen Ideologie handelt, fasse ich sie im Folgenden in der Sozialfigur des postheroischen Helden (Bröckling 2020) und betone, dass diese Figur in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung verstanden werden muss. Um aufzuzeigen, wie die Sozialfigur des rechts-libertären Tech-Milliardärs auch durch die gesellschaftlichen Naturverhältnisse bürgerlich-kapitalistischer Gesellschaften im Globalen Norden hervorgebracht wird, ziehe ich die Analysen von Horkheimer und Adorno in der Dialektik der Aufklärung zur Naturbeherrschung als Ausgangspunkt für meine konzeptionell-analytische Linse heran. Die beiden Theoretiker der frühen Kritischen Theorie entfalten eine materialistische Gesellschaftstheorie, in der sozialpsychologische Perspektiven mit dialektischem Denken sowie Analysen von materiellen Phänomenen und Herrschaftsstrukturen verbunden sind (Gentzel 2024: 479). Dies ermöglicht ein Zusammendenken von Subjekt- und Gesellschaftstheorie. Da Horkheimer und Adorno zudem das Herrschaftsverhältnis der Naturbeherrschung als zentral in der kapitalistischen Moderne verorten, kann Kritische Theorie zur Erklärung beitragen, welche grundsätzlichen Dispositionen die Klimakrise begründen. Anhand einer zeitdiagnostischen Aktualisierung ihrer Erkenntnisse lässt sich im Folgenden sowohl gesellschaftstheoretisch beleuchten, weshalb die sozial-ökologische Transformation so schleppend vorangeht oder gar behindert wird; als auch subjekttheoretisch, in welcher Beziehung dies zur Konstitution des hegemonialen, bürgerlichen, männlichen Subjekts steht, welches in der Figur des rechts-libertären Tech-Milliardären wie durch ein Brennglas sichtbar wird.

Für ein besseres Verständnis der Hintergründe aktueller Kämpfe um sozial-ökologische Transformationen lohnt sich die Auseinandersetzung mit rechts-libertären Positionen zu Natur und Klimakrise aus zwei Gründen: Zum einen aufgrund des immensen Einflusses rechts-libertäre Akteure wie Elon Musk und Peter Thiel auf die aktuelle Weltpolitik. Ihr Einfluss kann dazu führen, dass sich Subjekte aktiv gegen eine sozial-ökologische Transformation wenden (siehe Niederhauser in diesem Band) oder daran glauben, dass keine sozial-ökologische Transformation notwendig sei, da technologische Lösungen die Auswirkungen der Klimakrise auch ohne politische Intervention oder wirtschaftlich-gesellschaftliche Transformation abfedern werden. Zum anderen argumentiere ich, dass über die Analyse rechts-libertärer Ansichten zu Natur und Klimakrise auch Grundsätzliches in Bezug auf Naturbeherrschung und den Umgang mit Natur in kapitalistischen Gesellschaften aufgezeigt werden kann: Meine These ist, dass rechts-libertäre Ansichten wie ein Brennglas gesamtgesellschaftlich vorhandene Strukturen im Verhältnis zur Natur in der bürgerlichen Moderne im Globalen Norden offenlegen, die mitursächlich für die heutige Klimakrise sind.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung in Deutschland mit dem rechts-libertären Umgang mit der Klimakrise steht noch am Anfang. Mit diesem Artikel eröffne ich vor allem den Raum für eine Diskussion über das Thema und schlage herrschaftskritische Interpretationen des Verhältnisses der Tech-Milliardäre zur Natur und der Bearbeitung der Klimakrise zur Diskussion vor. Dabei biete ich drei Dimensionen an, die ich als regressive Krisenbearbeitung durch die Sozialfigur betrachte: Erstens lässt sich der Glaube an Technik als Machbarkeitsversprechen zur Bewältigung der Klimakrise interpretieren, welches die Angst vor der Natur im Klimawandel nimmt. Zweitens wird auf die Klimakrise mit Fluchttendenzen reagiert, die Sicherheit für einige wenige verspricht. Und drittens wird eine Zukunftsfokussierung sichtbar, die die Probleme im Jetzt als geringfügig ansieht und alles auf eine optimierte Zukunft für eine kleine intelligente Elite ausrichtet.

Das autoritäre Programm im Postfordismus: Tech-Milliardäre als Sozialfigur des postheroischen Helden

Rechts-libertäre Ansichten haben in den letzten Jahren zunehmend Einfluss unter den Tech-Milliardären im Silicon Valley gefunden. Personen mit besonderer Prominenz sind dabei Peter Thiel, Elon Musk oder Marc Andreessen (Löpfe 2023). Die spezifische Sozialfigur des postheroischen Helden, die ich hier untersuche, zeichnet sich dadurch aus, dass die Akteure mit dem Silicon Valley verbunden sind, Milliardenvermögen im Tech-Bereich erwirtschaftet haben und cis-männlich2 sind. Sie verkörpern Erfolg, Erfindergeist, Einfluss, Freiheit, Individualismus, Stärke, Macht und Männlichkeit. Sie werden teilweise auch als Anarcho-Kapitalisten (Hughes 2024), reaktionäre Futuristen (Klein 2023), autoritäre Technokraten (LaFrance 2024), Anhänger des Dark Enlightenment (Duran 2024), Techno-Colonists (Hughes 2024), u.ä. bezeichnet. Ihre unterschiedlichen Ansichten bauen aufeinander auf, bilden aber kein kohärentes Ideenkonstrukt. Gleichzeitig überschneiden sich ihre grundsätzlichen rechts-libertären Ansichten, die auf absolute Freiheit des Einzelnen, die Abwesenheit eines Staates und uneingeschränkten Kapitalismus setzen (Humborg/Nguyen 2018: 6).

Rechtslibertäre Tech-Milliardäre, allen voran Musk und Thiel, sind eng verbunden mit dem Wahlerfolg von Donald Trump zum 47. Präsidenten der USA und üben finanziellen und ideologisch-politischen Einfluss auf diesen und den Vize-Präsidenten J.D. Vance aus (Shuster 2024; Zellinger 2024). Der Einfluss dieser Tech-Unternehmer auf die US-Politik wird, wie aktuelle Entwicklungen vermuten lassen, in den nächsten Jahren nicht abnehmen und auch langfristig Konsequenzen für eine sozial-ökologische Transformation in den USA sowie global haben.3 Schon heute sind die politischen Ansichten der als „PayPal-Mafia“ bezeichneten Gruppe um Thiel und Musk (Estes 2024) und anderer Silicon Valley-Größen eine intellektuelle Inspirationsquelle für viele ‚Tech-Bros‘ und Bitcoin-Fans weltweit; Musk avancierte beispielsweise zum Poster Boy für junge Männer. Sichtbar wird das z.B. darin, dass 45% der jungen Männer in den USA Musk gegenüber sehr positiv eingestellt sind und seinen Ansichten vertrauen (Young Men Research Initiative 2024). Über ihre Reichweite, u.a. durch den Besitz von Plattformen, wie im Fall von Musk die Plattform X (LaFrance 2024), haben ihre Ansichten großen Einfluss auf breite Bevölkerungsschichten im Plattformkapitalismus.4

Bei der Betrachtung dieser Sozialfigur stellt sich die Frage nach ihrer zeitdiagnostischen Einordnung: Weshalb nimmt gerade in den letzten Jahren ihr öffentlicher Einfluss sichtbar zu, wie können sie eine solche Anziehungskraft entfalten? Ich schlage vor, die zunehmende Anziehungskraft der Tech-Milliardäre unter anderem als Reaktion auf die aktuelle gesellschaftspolitische Situation zu interpretieren: Die rechts-libertären Tech-Milliardäre bieten angesichts der multiplen Krise des Postfordismus (Bader et al. 2011), in denen sich das Bedürfnis nach Sicherheit und Eindeutigkeit potenziert, eine attraktive, wenn auch unrealistische, Abwehrstrategie an. Sie dienen als Imaginationsfläche und sprechen dabei autoritäre Sehnsüchte, Ohnmachtsgefühle und den Wunsch nach Größe, im postfordistischen Subjekt an.

In der Klimakrise als Teil der multiplen Krise tritt die Natur den Menschen wieder als beherrschende Naturgewalt entgegen. Unabhängig davon, ob man an die Klimakrise ‚glaubt‘ oder nicht, ruft dieser Kontrollverlust gegenüber der Natur Affekte und Resonanzen im Subjekt hervor (Behrensen 2020: 14f). Die Klimakrise löst bei den Subjekten das Gefühl von Ohnmacht aus und gleichzeitig den Wunsch, die eigene Ohnmacht nicht fühlen zu müssen. Die Angst vor der Natur, die durch Naturbeherrschung verdrängt wurde, kommt mit der Klimakrise zurück und Sicherheit, die über die Naturbeherrschung gewonnen wurde, wird instabil (Hogh 2021: 1023). Die Subjekte wollen die Klimakrise als bevorstehende Katastrophe sowie den eigenen Anteil daran abwehren. So wird der Umgang mit der Klimakrise z.B. zu einer individuellen Konsumentscheidung oder einem regressiven Wunsch danach, dass verstärkt autoritär gehandelt wird (Lilge-Hartmann et al. 2024: 47; 56).

Die Klimakrise trifft postfordistisch vergesellschaftete Subjekte, die entsolidarisiert für sich selbst zu sorgen haben. Der Postfordismus basierte auf „Privatisierung, Deregulierung und Entstaatlichung“ (Décieux/Sennewald 2018: 177). Die soziale Absicherung durch den Wohlfahrtsstaat wurde zunehmend fragiler. In immer größeren Teilen des Globalen Nordens wurde welfare durch workfare ersetzt (ebd.). Durch diese Entwicklung wird das Gefühl von Gleichheit und Solidarität zwischen den Menschen abgebaut und die Legitimität der Demokratie schwindet in der Wahrnehmung von Teilen der Bevölkerung (Sauer 2018: 185). Neue Freiheiten, welche die Subjekte im Postfordismus erhielten, sind individuelle Freiheiten ohne institutionelle Sicherheit in einer entsoldiarisierten Umgebung. Das libertäre Versprechen nach Freiheit, das für zahlreiche Subjekte keine Realität wurde, stellt die Basis für den Wunsch nach Autoritarisierung dar (Ludwig/Woltersdorff 2018: 49f; 58). Auch Caroline Amlinger und Oliver Nachtwey (ebd.: 18f.) sehen in der ambivalenten Grundkonstitution des postfordistischen Subjekts eine zentrale Ursache für den libertären Autoritarismus heute. Die Subjekte können ihr Leben so autonom wie keine Generation vor ihnen gestalten, gleichzeitig sind sie aber weiterhin gesellschaftlichen Zwängen unterworfen. Die Subjekte sind meist leistungsorientiert und passen sich den kompetitiven Gesetzen des Kapitalismus an, haben aber gleichzeitig den Wunsch danach, ein authentisches Selbst zu sein, das seine Bedürfnisse verwirklicht, erfolgreich ist und Anerkennung bekommt. Das Subjekt verleugnet die Abhängigkeit von anderen. Laut Amlinger und Nachtwey (2022: 18ff.) produziert dieses Verhältnis systematisch Enttäuschungen und eine verdinglichte Freiheit, die nicht als gesellschaftliches Verhältnis, sondern als individuelle Eigenschaft aufgefasst. Auch gesellschaftliche Konflikte werden nicht mehr als solche gesehen. Vielmehr werden sie durch die Individualisierung ins Selbst verlagert.

Ich denke, dass es für die spätere Analyse hilfreich ist, wenn an diesem Punkt Ulrich Bröcklings (2020) Konzeptualisierung des Postheroischen Helden als Sozialfigur ergänzend herangezogen wird. Bröckling (ebd.: 14) beschreibt diese Figur als den „Anführer einer Brüderhorde“, der eine „gewaltsame Welt [beschwört], in der nur Stärke zählt und ausschließlich jene eine Chance haben, die kein Mitleid kennen“. Er verspricht seinen Anhänger*innen nicht „Sicherheit und Wohlstand“ sondern eine „affektive Entladung“. Zur Selbstinszenierung gehört die Zurschaustellung des eigenen Reichtums und einer aggressiven Männlichkeit. Diese Sozialfigur spricht Subjekte an, die der kapitalistische Wettbewerb zu Selbstüberbietung und Konkurrenz zwingt, die in ihrem Alltag Ohnmacht erfahren und dadurch dem Phantasma von Größe anhängen (ebd.: 17).

Meine These ist hier, dass gerade in einer Zeit, in der gesellschaftlich und ökonomisch auf Vereinzelung und Selbstverantwortung gesetzt wird, die individualistische und technologische Antwort von Tech-Milliardären auf die Klimakrise dazu führt, dass sich die Subjekte mit ihnen identifizieren, wodurch sie sich selbst ebenfalls als stark, erfolgreich, männlich, autonom, erfinderisch etc. imaginieren können.

Ihr Leben in einer entsolidarisierten Umgebung und ihr Leugnen von Abhängigkeit ruft bei den Subjekten die Vorstellung hervor, dass sie in der Klimakrise für sich selbst, für ihr Überleben und ihre Zukunft individuell sorgen müssen – wofür der Tech-Milliardäre als postheroischer Held der ein gelungenes Vorbild darstellen. Die Krisen der Gegenwart machen die Menschen empfänglich für die Anziehungskraft postheroischer Helden, die ihrem Wunsch nach Autoritarisierung nachkommen und die ihnen eine affektive Entladung versprechen. Gleichzeitig führt diese Art der regressiven Krisenbearbeitung nicht aus der Krise heraus, sondern verstärkt diese.

Das Machbarkeitsversprechen: Glaube an Technologie und Fortschritt als Bewältigung der Angst vor der Natur

Die aktuellen Zukunftspläne der Tech-Milliardäre verdeutlichen, dass sie vom Ziel der unendlichen Naturbeherrschung getrieben sind, die inzwischen nicht mehr nur die Erde mit all ihren Ressourcen umfasst, sondern auch den Kosmos (Grind 2024). Ich schlage hier als erste Dimension der regressiven Krisenbearbeitung eine Interpretation der Beziehung der rechts-libertären Tech-Milliardäre zur äußeren Natur vor, die durch eine Angst vor der Natur getrieben ist, die durch den Glauben an technologischen Fortschritt, der alle Krisen und Katastrophen überwinden kann, bewältigt wird. Natur soll durch einen rationalen und technologischen Zugriff als beherrschbar erfahren werden. Abgespalten wird dabei, dass Naturbeherrschung selbst mitursächlich an der heutigen Klimakrise ist.

Der extreme Glaube an Technik und Fortschritt durch Technik unter den Tech-Milliardären wird durch ein Zitat aus The Techno-Optimist Manifesto5von Marc Andreessen, Erdenker des ersten Webbrowsers (Slobodian 2023: 308) und heute rechts-libertärer Tech-Milliardär und selbsternannter „Chefideologen des Silicon Valley“ (Löpfe 2023), sichtbar: „In fact, technology […] has always been the main source of growth, and perhaps the only cause of growth, as technology made both population growth and natural resource utilization possible.“ (Andreessen 2023) Technologie ist das Mittel, wenn nicht sogar die einzige Grundlage für kapitalistisches Wachstum, da dadurch natürliche Ressourcen nutzbar gemacht werden: „We believe in nature, but we also believe in overcoming nature. We are not primitives, cowering in fear of the lightning bolt. We are the apex predator; the lightning works for us.“ (ebd.) Die Gruppe der Technik-Gläubigen, die die Angst vor der Natur überwunden hat. Sie machen sich die Natur zu nutzen und lassen sie für sich arbeiten, sind keine ‚Primitiven‘ mehr, sondern weiterentwickelt.

Horkheimer und Adorno analysieren in der Dialektik der Aufklärung eben dieseAngst vor der Natur6, von der sich die Tech-Milliardäre los sagen, als ursprünglich für das heutige Verhältnis zur Natur: Sie brachte den Prozess der Naturbeherrschung in Gang (Horkheimer/Adorno 2020: 22). Angst wurde in den Modus der Naturbeherrschung transformiert. Das Verhältnis zur Natur und der Blick auf diese veränderte sich. Horkheimer und Adorno (ebd.: 10) beschreiben dieses Verhältnis, wie folgt: „Was die Menschen von der Natur lernen wollen, ist, sie anzuwenden, um sie und die Menschen vollends zu beherrschen.“ Der Blick auf die Natur im Herrschaftsverhältnis der Naturbeherrschung ist demnach ein funktionaler und rationaler. Die Menschen7 richten einen wissenschaftlichen, vermeintlich objektiven Blick auf die Natur, um dadurch Herrschaft über sie und – darüber vermittelt – die Herrschaft über sich und andere Menschen ausüben zu können.

Vor dem Hintergrund dieser Theoretisierung lässt sich das Zitat aus dem Manifest von Andreessen als zutiefst durchtränkt von der menschlichen Angst vor der Natur und dem subjektstiftenden Modus der herrschaftsförmigen Bewältigung dieser Angst lesen. Andreessen konstituiert die eigene Überlegenheit, indem er eine Differenz zwischen den Technik-Gläubigen und der Natur schafft, die zu beherrschen und deren ökonomischen Nutzbarmachung ihn über ein ‚primitives‘ Stadium erhebt. Indem die Natur gedanklich (und materiell) angeeignet wird, ist sie dem Menschen nicht mehr fremd, sondern erscheint kontrollierbar (Wallmeyer 2021: 311). Alles muss erklärbar sein, um keine Ursache von Furcht zu sein. In der Klimakrise ändert sich dieses Verhältnis zur Natur jedoch. Hatte man zuvor noch das Gefühl, dass man durch das wissenschaftliche Erfassen der Gesetzmäßigkeiten der Natur diese, und ihre Katastrophen, vorhersagen kann, so nimmt die Klimakrise dieses scheinbar planbare Verhältnis zur Natur.

Wie Philip Hogh (2021: 1023) argumentiert, ist der moderne Bewältigungsmodus der ursprünglichen Angst in Form der Naturbeherrschung die Ursache für eine neue Angst vor der Natur. Schließlich trägt die Naturbeherrschung selbst zur Ausbeutung der Natur und zur Klimakrise bei. Die Klimakrise destabilisiert die beherrschte äußere Natur, wobei diese destabilisierte Natur an den Schrecken des Naturzwangs, der ursprünglich durch die Beherrschung der äußeren Natur verdrängt werden sollte, erinnert (ebd.: 1031). Die Klimakrise kann als Kontrollverlust erfahren werden, indem Natur nicht mehr als form- und beherrschbar erscheint, sondern uns wieder in Form von Naturgewalt begegnet (Behrensen 2020: 14). Das kann eine Kränkung für das Subjekt sein, das ständig beweisen muss, dass es Natur beherrscht. Gleichzeitig wissen die Subjekte – bewusst oder unterbewusst – dass ihr Verhältnis zur Natur selbst die Ursache für die Klimakrise und damit für den Kontrollverlust gegenüber der Natur ist. Die menschengemachte Destabilisierung der Natur wirkt somit destabilisierend auf die Gesellschaft zurück und die im Mythos vorherrschende Angst vor der Natur kehrt wieder (Hogh 2021: 1031). Nur ist diesmal, wie ich vermute, die Angst vor der Natur verbunden mit Emotionen der Schuld, vor dem eigenen Anteil an der Klimakrise (Lilge-Hartmann et al. 2024: 47ff.), der aber verdrängt werden muss, um weiterhin ein möglichst stabiles Verhältnis zur Natur und zum Selbst zu haben. Gefühle wie Angst erscheinen als etwas, das dem Ich fremd ist, das eine irrationale Alterität darstellt, die unterdrückt werden muss, da sie sonst als Bedrohung für die rationale Identität empfunden wird (Wallmeyer 2021: 312).

Im rechts-libertären Manifest von Andreessen lässt sich erahnen, was eine Antwort auf diese neue Angst vor der Natur sein kann. Sie operiert im Modus der scheinbaren Rationalität, um weiterhin ein stabiles Verhältnis zum Selbst zu haben und die Ohnmacht in der Klimakrise, die man nicht fühlen will, zu verdrängen: „Give us a real world problem, and we can invent technology that will solve it.“ (Andreessen 2023) Auf die Klimakrise als Problem wird reagiert, indem man neue Technologie erfindet. Die Klimakrise wird nicht als gesellschaftspolitisches, sondern als ein technologisches Problem interpretiert: Treibhausgase sollen z.B. mit Hilfe von Technologie wieder aus der Atmosphäre entfernt oder neue Energietechnologien erfunden werden (Marx 2024). Ausgeblendet wird dabei, dass ihre technischen Erfindungen, die von ihnen hervorgebrachten Kryptowährungen, etc. auf einer extremen Ressourcenausbeutung basieren und mitursächlich für die Klimakrise sind (Slobodian 2023: 308f). So zerstört der Abbau seltener Metalle die Lebensräume von Menschen. Wenn die alten technischen Geräte dann zum Recycling in den Globalen Süden gebracht werden, werden Lebensräume oft zu Giftmülldeponien, die sie wiederum für das Recycling von noch verwendbaren Ressourcen und damit auch dem Versprechen eines grünen Kapitalismus, durchsuchen müssen. Dieser Aspekt der Produktion wird externalisiert (Rushkoff 2022: 8f). Alles muss in Richtung technologischer Entwicklung und weiter-so gehen, es muss tiefer gegraben werden, noch nicht genutzte Teile der Natur müssen nutzbar gemacht werden, um den auf Wachstum basierenden Kapitalismus am Laufen zu halten. Man vertraut auf Wissenschaft, Technologie und die Kräfte des Marktes (ebd.: 134). Die Sozialfigur steht hier für den aufgeklärten Erfinder, der für alle Probleme eine technische Lösung entwickeln kann. Durch die Identifikation mit ihm kann die Angst vor der Natur und das Gefühl von Ohnmacht in der Klimakrise weiter verdrängt werden und man sich selbst als ein Macher in der Krise fühlen.

Die Fluchttendenzen: Auf zu neuen Territorien ohne Krisen

Paradoxerweise bereiten sich die rechts-libertären Tech-Milliardäre entgegen ihrer eigenen Machbarkeitsrhetorik individuell auf die Flucht vor den Auswirkungen des Klimawandels vor. Diese Fluchttendenz schlage ich als zweite Dimension der regressiven Krisenbearbeitung der Tech-Milliardäre vor. Während der Meeresspiegel steigt, die Ressourcen schwinden und immer mehr Menschen aufgrund der Klimakrise fliehen müssen, wollen sie ihren extremen Reichtum dafür nutzen, um mithilfe neuer Technologie vor dem Rest der Menschheit zu fliehen (Rushkoff 2022: 5). Es gibt Pläne für schwimmende Städte auf internationalen Gewässern, Enklavenprojekte werden als Schutzräume in der Klimakrise angepriesen (Slobodian 2023: 333ff.) oder es wird vor dem Hintergrund drohender Katastrophen von einem multiplanetaren Leben geträumt (Hughes 2024: 2). Die Natur, die nicht mehr beherrschbar erscheint, wird zurückgelassen und andere Territorien als neues Eigentum eingenommen. Dieses Verhalten zeigt ein tradiertes Muster des kolonial-bürgerlichen Subjekts: Immer neue Territorien, die das konstruierte Außen darstellen, werden sich als Eigentum aneignet und für den eigenen Selbsterhalt ausgebeutet. Zudem wird in der Logik neoliberaler Selbstverantwortung auf eine entsolidarisierte, individualistische Lösung gesetzt und Involviertheit in das Leben und die Zukunft von anderen Menschen wird abgespalten. Das diese Distanz zu anderen Subjekten so aufgebaut werden kann, liegt, folgt man Horkheimer und Adorno, grundsätzlich an der sozialen Herrschaft, die mit Naturbeherrschung vermittelt ist. So schreiben sie: „Die Distanz des Subjekts zum Objekt, Voraussetzung der Abstraktion, gründet in der Distanz zur Sache, die der Herr durch den Beherrschten gewinnt“ (Horkheimer/Adorno 2020: 19). Das Subjekt, das Natur beherrscht, verdrängt im Prozess der Naturbeherrschung sein eigenes Vorhandensein in der Natur und die Natur in sich selbst, wodurch es gleichgültig gegenüber sich selbst sowie anderen menschlichen und nicht-menschlichen Objekten wird. Die Macht, die Natur zu analysieren, zu manipulieren und zu kontrollieren, die es durch die instrumentelle Vernunft erhielt, wird mit fatalem Erfolg auf die Gesellschaft übertragen (Gunster 2011: 208). Die Herrschaft der Menschen über die Natur ermöglicht, erfordert und intensiviert die Herrschaft einiger weniger Menschen über viele andere, da die Herrschenden sich von den Naturzwängen befreien, indem sie die Beherrschten zwischen sich und die Naturzwänge bringen (ebd.; Colligs 2021: 167). Gesellschaftliche Arbeitsteilung ermöglicht den Herrschenden die Distanz zur Natur. Diese differenziert zwischen ihnen, die das Kommando geben, und den Arbeiter*innen. Arbeitsteilung ist die gesellschaftliche Form, in der sich die soziale Herrschaft manifestiert und die den einzelnen Subjekten als vernünftig erscheint (Horkheimer/Adorno 2020: 28). Nur indem sie andere Menschen für sich auf der Erde arbeiten lassen und durch ihre Ausbeutung Kapital und Wissen anhäufen, können sich die Tech-Milliardäre die schwimmenden Inseln und die Raketen leisten und produzieren lassen, die sie vom Rest der Menschheit wegbringen sollen. Mit ihren Raketen möchten sie sich, wie ‚Pioniere‘ im Kolonialismus, dazu aufmachen, neues Land im All zu entdecken und dort Kolonien zu erreichten (Hughes 2024). An diesem Aspekt wird sichtbar, dass die Beschreibung von sozialer Herrschaft, die sich bisher auf die Trennung zwischen Arbeiter*innen und Kapitalist*innen bezog, noch um eine Dimension ergänzt werden muss. Die Analysen von Horkheimer und Adorno haben einen weißen Fleck: Das männliche, bürgerliche Subjekt, das sie analysieren, ist ein koloniales (Kohpeiß 2023: 11). Das moderne bürgerliche Subjekt bildete sich im Verhältnis zum naturalisierten, ‚irrationalen‘, kolonialen Anderen heraus. Es ist Mensch, während die ‚Anderen‘ ‚Unmenschen‘ sind, ist Subjekt, während es andere zum Objekt macht, hat Eigentum, während es andere als Besitz ansieht. Das bürgerliche Selbst ist folglich grundlegend mit der Geschichte kolonialer Gewalt verknüpft (ebd.: 10). Das ‚Außen‘ von Europa wurde zum Objekt, das ausgebeutet werden konnte, Natur, die beherrscht werden musste; war Grundlage für fossile Freiheiten und kapitalistischen Wachstum im Globalen Norden (Greiner 2023: 13).

Diese Logik des kolonialen Subjekts zeigt sich im Vorhaben der Tech-Milliardäre, sich ‚unberührtes‘ Land auf dem Meer oder im All anzueignen. Tristan Hughes (2024: 5) spricht in diesem Zusammenhang von „techno-colonists“, deren Weltanschauung darin besteht, der Realität entfliehen zu wollen und die sich in die Pionierzeit zurücksehnen. Musk denkt z.B., dass die Menschheit auf dem Mars autarke und politisch unabhängige Kolonien errichten sollte, für den Fall, dass die Erde zerstört wird (Utrata 2024: 1099). Er bringt dies auf die Formel: “There’s high urgency to making life multi-planetary” – Das Leben auf mehreren Planeten muss erreicht werden, so lange die Zivilisation noch ‚stark‘ ist (Grind 2024), damit die Menschheit vor dem Hintergrund drohender Katastrophen im Zweifelsfall dort fort-existieren kann (Hughes 2024: 2). Diese Ideen basieren auf der Vorstellung des Weltraums als leeren Raums. Genauso wird davon ausgegangen, dass es auf dem Meer oder im Internet noch leeren Raum gibt, den man sich aneignen kann. Indem diese Räume als leer imaginiert werden, können die Rechtslibertären die von ihnen romantisch verklärte koloniale Vergangenheit nachahmen. Thiel bedauert z.B., dass es heute im Gegensatz zum 18. Jahrhundert keine leeren Flächen mehr auf der Landkarte gäbe. Während Männer zu Beginn des Kolonialismus noch dem ‚Multikulturalismus‘ Europas entfliehen konnten, hätten Männer diese Möglichkeit heute nicht mehr. Deshalb – so die Lösung – muss mit technischen Ideen auf den Mangel an freien Raum reagiert werden, indem neues Land geschaffen wird: im Cyberspace, im Weltraum oder auf dem Meer (Utrata 2024: 1106). Auf der verlebten Erde häufen sich Katastrophen wie Kriege, Pandemien und die Klimakrise, deshalb will man, wie die kolonialen Vorbilder, das alte Land und die alte Ordnung, mit der man nicht zufrieden ist, zurücklassen und zu neuem Land aufbrechen.

Patri Friedman, der Enkel von Milton Friedman, und Thiel gründeten gemeinsam 2008 das Seasteading Institut (SI), um ihren Traum von der Kolonisierung der Meere in die Praxis umzusetzen. Sie planen schwimmende Privatstädte auf dem Meer zu bauen.8 Diese sollten als unabhängige und souveräne Staaten anerkannt werden (Hughes 2024: 9f.). Die Klimakrise wird als Chance für die Etablierung neuer Gesellschaften verkauft: Man siedelt um und etabliert dort eine neue (nicht-demokratische) politische Ordnung (ebd.: 2ff.). Es geht ausschließlich um das eigene Überleben, was sich darin zeigt, dass es Überlegungen der Rechtslibertären gibt, Teile des Globalen Südens zu ‚Opferzonen‘ zu machen, die man angesichts der Klimakrise aufgeben müsse. Es gibt aber Ideen von Unternehmen, auch für die Menschen in den ‚Opferzonen‘ schwimmende Strukturen zu schaffen – Teile der Erde werden in neokolonialer Logik verplant, um die Krise sicher und ohne Lebensstiländerung zu überstehen (Slobodian 2023: 333ff.).

Verletzlichkeit und Involviertheit gegenüber anderen werden zugunsten von Freiheit und Autonomie abgespalten. In postfordistischer Logik ist Solidarität Mangelware. Die regressiven Krisenabwehr ist hier ist eine privatisierte Lösung, die Flucht vor der unkontrollierten Natur. Die anderen werden zurückgelassen. Die Rechtslibertären nutzen ihre individuellen Freiheiten, die sie aufgrund ihres Reichtums besitzen, um darüber weiterhin die Illusion von Autonomie aufrechtzuerhalten, in dem sie neue Territorien einnehmen. Im Kolonialismus wurde noch das vermeintlich ‚Wilde‘ kolonisiert. In der Klimakrise ist das ‚Wilde‘ der Natur nicht beherrschbar. Daher flieht man in Enklaven oder ins All und kann damit gleichzeitig seiner romantischen Vorstellung von Kolonialismus nachkommen.

Die Identifikation mit der Sozialfigur bietet den Subjekten die Möglichkeit Gefühle der Involviertheit, der Schuld oder auch Scham gegenüber anderen in der Klimakrise abzulegen. Gerade im Globalen Norden kann man damit auch eine Verantwortung für die Klimakrise, die andere Menschen und Regionen aktuell schon stärker betrifft, abspalten – Die Tech-Milliardäre schauen schließlich auch nicht zurück und kümmern sich nur um sich selbst.

Die Zukunftsfokussierung: Glaube an eine verheißungsvolle Zukunft für die ‚Intelligenten‘ ohne die ‚Schwachen‘

Eine dritte Dimension der regressiven Krisenbearbeitung, bezieht sich darauf, dass alles auf eine Zukunft für eine weiterentwickelte Menschheit9 ausgerichtet ist. Probleme im Jetzt spielen im Schatten des ‚größeren Ganzen‘ eine untergeordnete Rolle. Es geht vielmehr darum, dass eine kleine Elite überlebt, die in eugenetischer Logik die richtigen Eigenschaften für die zukünftige Menschheit hat. So kann die Klimakrise in sozialdarwinistischer Ideologie sogar als nützlicher Anlass zur Selektion betrachtet werden. Longtermism bedeutet, aktuelle Krisen, wie z.B. die Klimakrise, für ein optimierte Zukunft der Menschheit in Kauf zu nehmen, die durch Fortschrittsglauben zu erreichen sei. Longtermisten unterdrücken (scheinbar) ihre eigenen Bedürfnisse, für das große Ganze: das Weiterleben der Spezies Mensch (philomag 2021; Read 2022). Sie tun dies als Dienst an der ‚Zivilisation‘, sodass diese in der Zukunft nur noch durch ihre Nachfahren und damit eine – so das Selbstbild – hochqualifizierte, technologisierte Gesellschaft fortbesteht (Marx 2023).

Dabei wird eine Person, die heute lebt, gleichwertig mit einer Person, die zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft existiert, betrachtet. Dadurch wird der spekulativen Verringerung des zukünftigen Aussterbens der Menschheit eine größere Bedeutung zugeschrieben, als der Lösung von gegenwärtigen Herausforderungen (ebd.). Hier überschneiden sich Marktradikalismus und rechte Ideologien. Innerhalb beider Ideologien gibt es die sozialdarwinistische „Notwendigkeit“ der Auslese, in der sich die Starken gegen die Schwachen durchsetzen (Butterwegge 2008: 206). Diese Ideen werden in den Kontext des Zerfalls der (westlichen) Zivilisation gestellt. Elon Musk verbindet diese Argumentation beispielsweise mit dem Konzept des Pronatalismus. Dabei geht es darum, dass eine kleine Elite weiterhin viele Kinder bekommen soll, die ihre Intelligenz vererbt, sodass sich eine vermeintlich intelligentere Menschheit herausbildet (Marx 2023).

Die Vorstellung, besonders gut die eigenen Bedürfnisse und Triebe für das Wohle aller und im Sinne einer rationalen Zukunft unterdrücken zu können, sind mit der Konstitution des sich über Andere erhebenden, bürgerlichen Subjekts verbunden. Die triebhaften Teile werden vom Selbst abgespalten, müssen kontrolliert und zum Objekt der eigenen Beherrschung werden (Maihofer 1995: 113). Subjektwerdung geht also nicht nur mit der Beherrschung der äußeren Natur und der Beherrschung von Anderen, sondern auch mit „Entsagung, Introjektion und […] [dem] umfassendem Triebverzicht“ einher (Stögner 2014: 23). Der Kapitalismus versachlicht alles, inklusive der Emotionen der Subjekte, der inneren Natur wird kein Eigensinn mehr zugesprochen. Das Subjekt beutet sich selbst als lebendiges Wesen aus, was sich in pathologischer Selbstdisziplin ausdrückt. Dadurch verdinglicht es sich selbst (Wallmeyer 2021: 312f.). Die Rechtslibertären, die sich selbst an der Spitze der rationalen Subjekte sehen, leben diese Ideologie scheinbar mit Blick auf den gesellschaftlichen Nutzen vor: Debatten um Longtermism werden häufig unter dem Label des Effektiven Altruismus geführt (Utrata 2024: 1100). Hinter den vordergründig altruistischen Motiven stehen jedoch ideologische Motive der Tech-Milliardäre, die damit ihre eigenen kapitalistischen ‚Bedürfnisse‘ durchsetzen wollen. In einer eugenischen Logik sollen all jene, die ihren Bedürfnissen und Zielen im Weg stehen, nicht mit in die Zukunft genommen werden. Nur der Teil der Menschheit, der auf Big Tech oder auf die Erforschung des Weltraums setzt, soll am Leben gehalten und mit in die Zukunft genommen werden (Read 2022). Nur ihnen wird die Planung der Zukunft der Menschheit zugetraut, da ihr Reichtum ihnen eine langfristigere Sichtweise ermöglichen würde, die andere Menschen mit ihren alltäglichen Sorgen nicht in Betracht ziehen könnten (Marx 2023) Reichtum ermöglicht in diesem Weltbild instrumentelle Vernunft. Diese Perspektive dient jedoch nur dem eigenen Interesse der Tech-Milliardäre und spielt ganz bewusst die Risiken der Klimakrise herunter (ebd.).

Die Zukunft der jetzt lebenden Menschen sowie ein gutes Leben für alle wird zugunsten einer Zukunft für eine kleine Elite geopfert, die vor allem aus Menschen wie Thiel oder Musk besteht, die durch ihre Vernunftfähigkeit den technischen Fortschritt vorantreiben können, sich selbstdisziplinieren und ihre volle Arbeitskraft auf die technologische Zukunft richten. Das ideale Subjekt im Postfordismus ist autonom, mobil, flexibel und gesund. Allen, die diesem individualistischen und an Leistung orientierten Ideal nicht entsprechen können, wird weniger Wert zugesprochen (Walgenbach 2015: 33). Es entspricht demnach einer neoliberalen und sozialdarwinistischen Logik, dass keine Zukunft für alle Menschen gewünscht ist, sondern nur für die Gesunden und Leistungsfähigen, die die Menschheit für ihre optimierte Zukunft voranbringen.

Die Identifikation mit der Sozialfigur bietet hier das Versprechen zu den Starken und Leistungsfähigen zu gehören, die die Krise – auch durch ihren Erfindergeist – überleben werden und die richtigen Dispositionen dafür haben, mit in die Zukunft genommen zu werden. Der postheroische Held beschwört hier, wie von Bröckling beschrieben, eine Welt in der nur Stärke zählt und nur diejenigen eine Chance haben, die kein Mitleid gegenüber ihren Mitmenschen haben.

Fazit – Das Angebot der regressiven Krisenbearbeitung durch die postheroischen Tech-Milliardäre

Der Wunschtraum, grenzenlos die Natur zu beherrschen kann nur in einer Katastrophe für Mensch und Natur enden. Die regressive Krisenbearbeitung in Form des Machbarkeitsversprechens, der Fluchttendenzen und der Zukunftsfokussierung der Tech-Milliardäre zielt aber genau darauf ab. Die Natur soll in der Krise noch weiter und exzessiver über die verlebten und krisengeplagten Kontinente hinaus bis in die Ozeane und das noch frische und unverbrauchte Weltall beherrscht werden. Dabei knüpfen sie mit der regressiven Krisenbearbeitung an ein Versprechen der Moderne an: die beherrschbare Natur. Gerade durch das scheinbare Vorleben von Naturbeherrschung sind die Tech-Milliardäre für Subjekte, die in der Klimakrise das Gefühl von Ohnmacht, Angst und Kontrollverlust gegenüber der Natur spüren, eine Identifikationsfigur. Sie verkörpern, dass sich in der Klimakrise nichts am Herrschaftsverhältnis der Naturbeherrschung ändern muss. Vielmehr sei der darin angelegte Glaube an Technik und Fortschritt sogar ein Weg aus der Klimakrise heraus. Wie mithilfe von Horkheimer und Adornos Analysen aufgezeigt wurde, ist Naturbeherrschung ein grundlegendes Herrschaftsverhältnis der Moderne, das jedoch von rechts-libertären Tech-Milliardäre zu einem sozialdarwinistischen und kolonialen Projekt zugespitzt wird. Nur eine besonders intelligente Elite sei dazu fähig, grenzenlos Natur zu beherrschen. Trotz aller Inkohärenz und Widersprüchlichkeiten in der Krisenbearbeitung (Kann die Klimakrise durch Technik aufgehalten werden oder muss man vor ihr auf den Mars fliehen?) zeichnen sich alle drei besprochenen Dimensionen durch ein tiefes Vertrauen in Technik, extremen Individualismus und die Leugnung von Abhängigkeit und Involviertheit von anderen und der Natur aus. Wie die zeitdiagnostische Erweiterung der theoretischen Perspektive sichtbar macht, verkörpert die Sozialfigur des Tech-Milliardärs ein Verhalten, das die postfordistischen Subjekte anspricht, die gelernt haben, dass es in einer entsolidarisierten Gesellschaft mit einem schlanken Staat am besten ist, für sich selbst zu sorgen. Während die Subjekte vom nicht eingelösten Freiheitsversprechen enttäuscht sind und deswegen den Wunsch nach Autoritarisierung verspüren, lebt die Sozialfigur grenzlose Freiheit vor. Die eigenen Wünsche und Bedürfnisse werden ausgelebt, ohne sich durch Gefühle von Involviertheit und Verantwortungsbewusstsein gegenüber anderen ausbremsen zu lassen. Sie bieten damit auch eine Entlastung von Gefühlen wie Scham und Verantwortung an.

In der Realität der meisten Menschen wird die Identifikation mit der Sozialfigur sowie ein absoluter Glaube an technologische Innovation nicht die versprochene Krisenlösung bereithalten: Im Gegensatz zu den Tech-Milliardären bleibt vielen auf Grund mangelnder materieller Möglichkeiten keine Möglichkeit eine private Insel, einen Bunker oder einen Flug zum Mars zu kaufen. Es bleibt konsequent die Forderung nach einer restriktiven Migrationspolitik, die die bestehenden Privilegien verteidigen soll. Die Tech-Milliardäre als Sozialfigur der postheroischen Helden sind Teil eines autoritären Programms, das den Subjekten ein Angebot zur regressiven Krisenbearbeitung macht, in der die eigene unsichere Subjektivität und Angst verdrängt werden können. Wenig überraschend ist dieses Angebot nur ein scheinbarer Ausweg aus der Krise und verunmöglicht vielmehr das gute Leben für alle in einer intakten Umwelt.

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1 Für die hilfreichen Anmerkungen und Hinweise, die in verschiedenen Phasen zentral zur Weiterentwicklung des Textes beitrugen, bedanke ich mich besonders bei Henrike Bloemen, Julian Niederhauser, Carla Noever Castelos, Fabio Schmidgall, Kira Schmied, Constanze Stutz, Tatjana Vogel, Friedemann Wiese sowie Markus Wissen.

2 Daher verwende ich im Folgenden nur die männliche Form.

3 Dieser Text entstand ursprünglich im Zeitraum um die Wahlen zum 47. Präsident*in in den USA. Im Februar 2025 ist bereits sichtbar, wie sich Musk als Schattenpräsident installiert. Da sich die Lage diesbezüglich beständig verändert, werde ich die aktuellen politischen Entwicklungen nicht direkt einbeziehen.

4 Der Plattformkapitalismus ist von großer Bedeutung für den Reichtum und Einfluss der Tech-Milliardäre. Plattformen prägen zentrale Aspekte unseres Alltags – sie sind zur unverzichtbaren Infrastruktur geworden. Die Risiken, die mit den Plattformen einhergehen, tragen die Plattformbetreiber meist nicht selbst, sondern übertragen sie auf die Angestellten, den Staat oder die Gesellschaft, während sie den Profit davon abschöpfen können (Altenried 2021: 50f.; 57).

5 Im 2023 veröffentlichten Manifest werden Führungskräfte aus dem Tech Bereich, nicht mehr nur als Unternehmensführer, sondern als Bewahrer der gesellschaftlichen Ordnung imaginiert. Alles Gute in der Welt soll durch die „techno-capital-machine“ produziert werden (Estes 2024; Spiers 2023). Andreessen bezieht sich in seinem Manifest direkt auf den anarcho-kapitalistischen Theoretiker David D. Friedman und auf Filippo Tommaso Emilio Marinetti, einen Vertreter des italienischen Futurismus und Protofaschisten (Stöcker 2024).

6 Der Naturbegriff bei Horkheimer und Adorno ist vieldeutig. Er umfasst (1) die innere, (2) die äußere, (3) erste und (4) zweite Natur. Sowohl im Mythos als auch in der Aufklärung wird versucht, die (erste) Natur durch den Modus der Beherrschung zu kontrollieren. Im Prozess der Aufklärung sollen durch positivistische Wissenschaft Erkenntnisse auf das reduziert werden, was sie wirklich seien. Alles, was darunter nicht erfasst werden kann, soll ausgeschlossen werden. Dadurch verfällt die Aufklärung zurück in die zweite Natur und in den Mythos (Breitenstein 2013: 145).

7 Zwar im Kanon europäischer Philosophie als allgemein gesetzt, aber meist das Ideal eines weißen, männlichen, besitzenden Subjekt beschreibend.

8 Ursprünglich brachten sie die Gründung von SI nicht mit dem Anstieg der Meeresspiegel in Verbindung. Erst als sie feststellten, dass diese Rechtfertigung das Branding von SI deutlich verbesserte, bewarben sie SI auch damit, dass sich die ‚alten‘ Städte auf dem Land nun mal nicht an die Klimakrise anpassen könnten, Seasteads dagegen anpassungsfähige und mobile Städte seien, die dem Anstieg der Meeresspiegel stand halten könnten (Hughes 2024: 9f).

9 Ein Urtext des Tech-Libertarismus ist das Buch The Sovereign Individual: How to Survive and Thrive During the Collapse of the Welfare State von James Dale Davidson und William Rees-Mogg, das u.a. das Denken von Thiel und Andreessen beeinflusst. In ihm wird das Argument vertreten, dass wir bald in eine Phase der beschleunigten Evolution der Menschen treten würden, die eine mobile Superklasse aus extrem intelligenten Menschen hervorbringen würde. Diese könnten von weit entfernten Orten die ‚wenig intelligente‘ Arbeitskräfte in ihrer Arbeit führen (Slobodian 2023: 293–296).