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Wissenschaft, Rationalisierung und Qualifikation im Kapitalismus

[Vorbemerkung: Die Seitentrennung bezieht sich auf die Original-Ausgabe]

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Udo Winkel

1. Einleitung: Rationalisierung und Entfremdung. Zur Problematik der kapitalistischen Industriegesellschaft.

MAX WEBER hat die Entstehung und Entfaltung des okzidentalen Kapitalismus als umfassenden Prozeß der „Rationalisierung“ und „Entzauberung“ der Welt beschrieben. Dieser Kapitalismus beruht auf rationaler Organisation formell freier Arbeit, basierend auf der Trennung von Haushalt und Betrieb und der „rationalen Betriebsführung“. „Der spezifisch moderne okzidentale Kapitalismus nun ist offenkundig zunächst in starkem Maße durch Entwicklung von technischen Möglichkeiten mitbestimmt. Seine Rationalität ist heute wesenhaft bedingt durch Berechenbarkeit der technisch entscheidenden Faktoren: der Unterlagen exakter Kalkulation. D.h. aber in Wahrheit: durch die Eigenart der abendländischen Wissenschaft, insbesondere der mathematisch und experimentell exakt und rational fundierten Naturwissenschaften. Die Entwicklung dieser Wissenschaften und der auf ihnen beruhenden Technik erhielt und erhält nun ihrerseits entscheidende Impulse von den kapitalistischen Chancen, die sich an ihre wirtschaftliche Verwertbarkeit als Prämien knüpfen“(1). Den grundlegenden Unterschied zu vorkapitalistischen Gesellschaften hat Weber am Selbstverständnis abendländischer Wissenschaft in seinem Vortrag über „Wissenschaft als Beruf“ angeführt: „Daß Wissenschaft heute ein FACHLICH betriebener ‚Beruf‘ ist im Dienste der Selbstbesinnung und der Erkenntnis tatsächlicher Zusammenhänge, und nicht eine Heilsgüter und Offenbarungen spendende Gnadengabe von Sehern und Propheten oder ein Bestandteil des Nachdenkens von Weisen und Philosophen über den SINN der Welt – das freilich ist eine unentrinnbare Gegebenheit unserer historischen Situation, aus der wir, wenn wir uns selbst treu bleiben, nicht herauskommen können“(2). Die formale Rationalität, die für Max Weber die umfassende, alle gesellschaftlichen Erscheinungen umspannende Kategorie für das Verstehen von Genesis und Struktur des Kapitalismus bildet, bedeutet ihm „Entzauberung der Welt“, weil der moderne Mensch davon überzeugt ist, daß man im Prinzip alle Dinge durch Berechnen beherrschen könne.

KARL MARX hat demgegenüber gerade von einer „Verzauberung“ der Gesellschaft unter Bedingungen kapitalistischer Warenproduktion gesprochen. Die „Entfremdung“ (so der junge Marx), die „Verdinglichung“ und „Fetischisierung“ der gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen, d.h. die Verselbständigung der von den Menschen geschaffenen Verhältnisse ihnen selbst gegenüber, entspringt gerade der – im Gegensatz zum Einzelbetrieb – nicht gesamtgesellschaftlich geplanten Produktion. Der gesamtgesellschaftliche Zusammenhang stellt sich auf der Grundlage individueller Warenproduktion eben nicht in der Produktion, sondern erst über den Markt, also über Tauschbeziehungen, über Waren, d.h. eben

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über Dinge, und zwar erst im nachhinein her. Die Konkurrenz der Warenproduzenten schlägt sich in sie selbst beherrschenden Marktgesetzen nieder: „Die freie Konkurrenz macht die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion dem einzelnen Kapitalisten gegenüber als äußerliches Zwangsgesetz geltend“(3). D.h.: „Die bei der Teilung der Arbeit im Innern der Werkstatt a priori und planmäßig befolgte Regel wirkt bei der Teilung der Arbeit im Innern der Gesellschaft nur a posteriori als innere, stumme, im Barometerwechsel der Marktpreise wahrnehmbare, die regellose Willkür der Warenproduzenten überwältigende Naturnotwendigkeit (die als ‚zweite Natur‘, als ‚gesellschaftliche Naturgesetze‘ in Erscheinung tritt, d. V.). Die manufakturmäßige Teilung der Arbeit (die Arbeitsteilung innerhalb der Fabrik, d.V.) unterstellt die unbedingte Autorität des Kapitalisten über Menschen, die bloße Glieder eines ihm gehörigen Gesamtmechanismus bilden; die gesellschaftliche Teilung der Arbeit stellt unabhängige Warenproduzenten einander gegenüber, die keine andere Autorität anerkennen als die der Konkurrenz, den Zwang, den der Druck ihrer wechselseitigen Interessen auf sie ausübt, wie auch im Tierreich das bellum omnium contra omnes (der Krieg aller gegen alle, d.V.) die Existenzbedingungen aller Arten mehr oder minder enthält“(4).

Formale Rationalität, geplante Effektivierung und Verwissenschaftlichung der Produktion und Entfaltung der produktiven Fähigkeiten der Menschen im Einzelbetrieb und gesamtgesellschaftliche Planlosigkeit und Regulierung über den Markt im nachhinein stehen nicht in einem äußeren, sondern einem inneren notwendigen Widerspruch, dessen Seiten oder Momente sich gegenseitig bedingen. Die vorher nicht gekannte Dynamik und ständige Umwälzung der Produktion und ihrer Bedingungen entspringt gerade der Notwendigkeit für den Einzelbetrieb, im Konkurrenzkampf zu überleben und sich durchzusetzen. Die von Weber konstatierte innerbetriebliche Rationalität erfolgt auf der Folie der von Marx analysierten äußeren Zwangsgesetze des Marktes.

II. Wissenschaft, Produktionsweise und Technologie

1. Die neuzeitliche Wissenschaft

MAX SCHELER hat die Naturwissenschaft als „Kind der Vermählung von Philosophie und Arbeitserfahrung“ bezeichnet(5). Das neuzeitliche Wissenschaftsbewußtsein wird durch die Verbindung von drei reflexiven Momenten – Gesetz, Experiment, Fortschritt – geprägt: Seit der Spätrenaissance wird sich der Mensch darüber klar, daß er selbst die gesellschaftlichen Fortschritte hervorgebracht hat, wie er sie gestalten und fortsetzen kann. „Das Bewußtsein der Innovationsfähigkeit des Menschen und die Bewertung der Innovation als Fortschritt ist die grundlegende und allgemeine reflexive Thematisierung zu Beginn der Neuzeit“(6). Diese Vorstellung erhält ihre Grundlage, ihre eigene Methode im Experiment(7). Einzelne Gesetzeserkenntnisse kombinieren sich allmählich zu zweckmäßigen Verfahren.

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„Die Überzeugung von der Gesetzmäßigkeit der Natur macht diese Einheitlichkeit VORWEG zum Prinzip; das moderne Bewußtsein stellt diese Einheit THEORETISCH her“(8). Wie WOLFGANG KROHN gezeigt hat, bleibt die Definition von Wissenschaft ein Desiderat der Wissenschaftssoziologie. Er arbeitet drei soziologische Definitionsgesichtspunkte heraus(9):

a) „Wissenschaftliche Innovationen des Westens“: Die neuzeitliche Wissenschaft als kulturelle Innovation wird als Bestandteil des sozialkulturellen Wandlungsprozesses in die Gesellschaft integriert.

b) „Die Institutionalisierung der Wissenschaft“: Erst im 17. Jahrhundert kommt es zur „sozialen Stabilisierung“ der Wissenschaft durch die Akademiegründungen im Absolutismus.

c) „Die gesellschaftliche Definition legitimer Wissenschaft“: Die Institutionalisierung der Wissenschaft drückt gleichzeitig einen Kompromiß mit den herrschenden Gewalten aus(10). WOLFGANG BÜCHEL bezeichnet die gesellschaftlichen Kräfte, die die neuzeitliche Naturwissenschaft konstituieren(11):

a) Der Humanismus: Herausbildung einer an weltlicher Bildung interessierten Gelehrtenschicht im 14. Jahrhundert in den italienischen Städten(12).

b) Der Frühkapitalismus: Handel und Messewesen bringen im 13. Jahrhundert in Italien – dem Durchgangsland des Handels zwischen Orient und Okzident – kapitalistische Wirtschaftsformen hervor, die die Naturwissenschaft stimulieren(13).

c) Die Künstler-Ingenieure: „Sie erwuchsen aus den Leuten, die sich den Zwängen der Zünfte entwunden hatten und, angestachelt durch den wirtschaftlichen Wettbewerb, Kanonen, Papier-, Draht-, Brechmühlen und Hochöfen konstruierten und maschinelle Vorrichtungen in den Bergbau einführten. Sie waren in Personalunion Künstler, Architekten und (Militär) Techniker“(14). Hat die moderne Naturwissenschaft wesentliche Impulse von handwerklich-technischen Fragestellungen erhalten, so hat umgekehrt die Naturwissenschaft bis weit ins 19. Jahrhundert hinein die technologische Entwicklung kaum gefördert.

Erst die industrielle Massenproduktion erforderte die Anwendung wissenschaftlicher Methoden(15).

2. Entwicklung der Produktion und Technologie(16)

Ausgangspunkt der modernen Produktion und Technologie ist das mittelalterliche Handwerk. Es ist durch qualifizierte Handarbeit des Meisters und seiner Gesellen, durch dezentralisierte Produktion in der eigenen Werkstatt („Hauswerk“) und dezentralisierten Absatz durch Kundenbestellungen geprägt. Das Handwerk bleibt als feudal geprägte Produktionsform in die Zunft eingebunden, die Charakter, Umfang und Qualität der Produktion und der Produkte vorschreibt. Das Eindringen des Handelskapitals in die Produktion schafft, auf der Grundlage der Hausindustrie, das Verlagssystem. Die Handwerker produzieren in ihren eigenen Werkstätten und liefern die Produkte an den Verleger: die

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Produktion bleibt weiterhin dezentralisiert, der Absatz wird zentralisiert. „Der Kaufmann bringt mittels seiner finanziellen Überlegenheit den wirtschaftlich schwachen Lieferanten in ein immer fester werdendes Abhängigkeitsverhältnis. Er leistet ihm Vorschüsse an Geld, an Rohstoffen, ja Arbeitswerkzeugen, und bestimmt zugleich mehr und mehr Richtung, Umfang und Umstände der handwerklichen Produktion“ (17). Der Handwerker bleibt nur formell selbständig und wird faktisch zum Lohnarbeiter. Der nächste logische Schritt ist dann die Zusammenfassung der abhängig gewordenen Handwerker in einem Raum, während der Kapitalist als Unternehmer die Produktionsleitung übernimmt. In der Manufaktur ist nun auch die Produktion zentralisiert(18). Hier kommt es auch zur endgültigen Trennung von Werkstatt und Haushalt. In der HETEROGENEN Manufaktur werden Einzelteile selbständig produziert und zusammengesetzt (wie in der Uhrenproduktion), in der ORGANISCHEN Manufaktur wird das Produkt arbeitsteilig hergestellt (wie in der Nadelproduktion). In der Manufaktur wird die Arbeitsteilung soweit vorangetrieben, daß ein Übergang zur maschinellen Produktion möglich wird. Die industrielle Produktion tritt an ihre Stelle, wobei unter Industrialisierung der „Übergang von der handarbeits-orientierten zur maschinenorientierten Tätigkeit“ (HENNING) verstanden wird.

Auf dieser neuen Grundlage wird die Arbeitsteilung und die Umwälzung der Tätigkeitsformen beschleunigt vorangetrieben. MARX hat den qualitativen Unterschied der neuen Produktionsweise gegenüber der handwerklichen und manufakturellen klar herausgearbeitet: „In Manufaktur und Handwerk bedient sich der Arbeiter des Werkzeugs, in der Fabrik dient er der Maschine. Dort geht von ihm die Bewegung des Arbeitsmittels aus, dessen Bewegung er hier zu folgen hat. In der Manufaktur bilden die Arbeiter Glieder eines lebendigen Mechanismus. In der Fabrik existiert ein toter Mechanismus unabhängig von ihnen, und sie werden ihm als lebendige Anhängsel einverleibt“. Und: „Die Maschinerie … funktioniert nur in der Hand unmittelbar vergesellschafteter oder gemeinsamer Arbeit. Der kooperative Charakter des Arbeitsprozesses wird jetzt also durch die Natur des Arbeitsmittels selbst diktierte technische Notwendigkeit“(19).

RAMMERT unterscheidet drei Formen von Rationalisierung auf der Grundlage des Industriebetriebs(20):

1. Die formale Organisierung legt die standardisierten Arbeitsanforderungen im Sinne des vorgegebenen Betriebsziels fest, was funktionale Arbeitsteilung und hierarchische Stufung der Arbeitsorganisation umfaßt, im Sinne von „Auslese und Anpassung, Kooperation und Kontrolle der Arbeitskräfte“.

2. Die Technisierung, also Rationalisierung der Arbeitsmittel und -gegenstände, im Sinne einer verstärkten Ersetzung menschlicher Arbeitsfunktionen durch Maschinen und technische Vorrichtungen zwecks Steigerung der Arbeitsproduktivität.

3. Verwissenschaftlichung als Erhöhung des verfügbaren Wissenspotentials über den Produktionsprozeß durch Methoden wissenschaftlicher Informationsgewinnung und Datenverarbeitung.

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3. Verwissenschaftlichung der Produktion

Erst mit der Durchsetzung der mechanisierten Massenproduktion wird die Verwissenschaftlichung der Produktion zur Notwendigkeit. Wissenschaftliches Wissen tritt an die Stelle rational-handwerklichen Wissens. „Das rationale Verfahren ist ebenso charakteristisch für den Frühkapitalismus, wie das wissenschaftliche Verfahren für den Hochkapitalismus“ (SOMBART)(21). Erst jetzt entstehen neue Produktionszweige auf wissenschaftlicher Grundlage und ihrer technologischen Anwendung, wird naturwissenschaftliche Forschung zur Basis neuer Industrien(22).

Doch es findet nicht nur eine Anwendung der Wissenschaft auf die Industrie statt, sondern auch eine Industrialisierung der wissenschaftlichen Arbeit. Wurden im 19. Jahrhundert die meisten Erfindungen von Einzelforschern an Hochschulen oder im Privatbereich gemacht, so dominiert heute das industrieeigene Forschungslabor. So stieg in den USA die Zahl der industriellen Forschungs- und Entwicklungslabors von 1910: ca. 100 auf 1960: 5400 an(23). Der geistige Arbeitsprozeß wird so betriebsmäßig organisiert und in Funktionsbereiche aufgegliedert. So etwa in Grundlagen- Anwendungs-, Entwicklungs- und Konstruktionsforschung zerlegt. Die Verwissenschaftlichung der Arbeit drückt sich nicht nur in der Ersetzung der praktischen Handwerker- und Ingenieurserfahrung durch Planung wissenschaftlicher Verfahren in Forschungs- und Entwicklungsinstituten aus, sondern auch zunehmend in der Wissensverarbeitung als organisierter Verwaltungs- und Planungsarbeit. „Da das Steuerungs- und Kontrollwissen für die ökonomische Position des Unternehmens gegenüber seinen Marktkonkurrenten und für die interne Machtstellung des Managements gegenüber den Beschäftigten zunehmende Bedeutung gewinnt, wird die INFORMATISIERUNG DER WISSENSVERARBEITUNG zu einer unternehmerischen Strategie, sich das lebendige Wissen der Arbeitenden anzueignen und die Erfahrungen und das Gedächtnis einzelner Individuen durch wissenschaftlich verkodete Informationen zu ersetzen, die sich zentral speichern und kontrolliert verteilen lassen“(24). Die Zentralisierung des Wissens durch die moderne Informationstechnologie ermöglicht dem Management eine Informationshierarchisierung, die die bestehende Trennung von planender, steuernder und kontrollierender sowie ausführender Tätigkeit zementiert und verstärkt.

III. Technologie, Wissenschaft und abhängig Beschäftigte

Voraussetzung für die Durchsetzung der kapitalistischen Produktionsweise sind die Anhäufung von Kapitalfonds, die produktiv eingesetzt werden können und der im Doppelsinn „freie Lohnarbeiter“, der, im Gegensatz zum feudal abhängigen leibeigenen Bauern, persönlich frei, Besitzer seiner eigenen Arbeitskraft, seines Arbeitsvermögens ist, andererseits aber auch von eigenen Produktionsmitteln „befreit“ gezwungen ist, seine Arbeitskraft auf dem Markt als Ware anzubieten. MARX hat diesen mehrere Jahrhunderte dau-

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ernden Prozeß der Herausbildung des „freien Lohnarbeiters“ am Beispiel Englands beschrieben(25). Auch WEBER nennt neben „Marktfreiheit“, „rationaler, d.h. im Höchstmaß berechenbarer und daher mechanisierter Technik“, „rationalem Recht“ und „Kommerzialisierung der Wirtschaft“ vor allem „Appropriation (Aneignung, d.V.) aller sachlichen Beschaffungsmittel (Grund und Boden, Apparate, Maschinen, Werkzeuge usw.) als freies Eigentum an autonome private Erwerbsunternehmungen“ und „freie Arbeit, d.h., daß Personen vorhanden sind, die nicht nur rechtlich in der Lage, sondern auch wirtschaftlich genötigt sind, ihre Arbeitskraft frei auf dem Markt zu verkaufen“ als Voraussetzungen des Kapitalismus(26).

1. Technologischer Wandel, Arbeitsplatzstruktur und Lohnarbeit

Die Stimulanz der kapitalistischen Produktion ist die Gewinnerwirtschaftung. Es geht also um die Verwertung von Kapital, das zum Subjekt dieser Produktionsweise wird (s.o. Einleitung). Es setzt somit in seinem „Akkumulationsprozeß“ auch die Arbeitsbedingungen, die es permanent umgestaltet und weiterentwickelt und damit auch die verschiedenen Kategorien von Arbeitern. Das bedeutet Entwicklung von Qualifikationen und Dequalifikationen, die Entstehung neuer und das Verschwinden alter Berufe. Die sich wandelnde Arbeitsteilung und Kooperation der Arbeitenden bietet so die Grundlage ihrer Stratifizierung (Schichtung), Spezialisierung und Professionalisierung im Betrieb. Kam es im Zuge der industriellen Revolution zu einer Nivellierung und Angleichung der Tätigkeit und Qualifikation, was sich, insbesondere in der Textilindustrie, im massiven Einsatz von Frauen- und Kinderarbeit niederschlug, so setzte sich mit der Ausweitung und Differenzierung der Produktion auch eine Hierarchisierung der Arbeit und des Wissens durch: gelernte Facharbeiter, angelernte und ungelernte Arbeiter. In der Industriesoziologie wird der Zusammenhang von technischer Entwicklung und industrieller Arbeit idealtypisch in einem „Drei-Phasen-Schema“ zusammengefaßt(27): Die 1. Phase der „handwerklichen Produktion“ ist geprägt durch den idealisierten Facharbeiter, d.h. hochqualifizierte Werkzeug- und Maschinenbedienung, hohe Autonomie und Dispositionsspielräume, vielfältige soziale Interaktion und informelle Kommunikationsmöglichkeiten. Die 2. Phase der „Maschinen- und Fließbandproduktion“ setzt den umfassenden Maschineneinsatz und arbeitsorganisatorische Rationalisierung durch. D.h. die immer weiter getriebene Zerlegung des Arbeitsprozesses reduziert die Tätigkeit der Maschinen- und Fließbandarbeiter auf immer wiederkehrende und routinisierte Handgriffe (repetitive Teilarbeit), bewirkt geringe Qualifikation, hohe physische und psychische Belastung und kaum Möglichkeit von sozialer Interaktion und Kommunikation. Die 3. Phase der „automatisierten Produktion“ substituiert menschliche Arbeitskraft durch die Einführung teil- oder vollautomatisierter Maschinensysteme, d.h. die menschliche Tätigkeit konzentriert sich auf Kontrolle, Überwachung, Wartung und Instandhaltung der Produktion, was relativ hohe Qualifikation (wenn auch meist kompli

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zierte Angelerntenfunktionen), geringe physische und hohe nervliche Belastung bei guter Regenerations- und Kommunikationsmöglichkeit bedeutet. Im Störfall ist der Dispositionsspielraum zwar gering, bei der Überwachungstätigkeit der Autonomiegrad der Arbeit aber groß. KERN und SCHAUER arbeiten 1978 drei Tendenzen der weiteren Rationalisierung in der Metallindustrie heraus(28):

1. Mechanisierung und Effektivierung vorhandener Einrichtungen

2. Weiterentwicklung von elektronischen Bauelementen

3. Spezielle Rationalisierungsverfahren in der Kleinserienfertigung.

Aus der Sicht der Arbeitsanforderungen sind eine allgemeine Tendenz zur Polarisierung der fachlich-technischen Anforderungen im Sinne von Höherqualifizierung in den der Produktion vor-, neben- und nachgelagerten Bereichen (kleine Gruppe) und Dequalifizierung in der Produktion, d.h. Herabsinken auf Angelerntentätigkeiten (größere Gruppe) festzustellen (s.u.).

Mit der Entfaltung der industriellen Produktion nimmt seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts (Großindustrie, Monopolbildung) auch die Büroarbeit im kaufmännischen, technischen und verwaltenden Sektor des Betriebs zu, was auch zu einem raschen quantitativen Anwachsen der abhängig Beschäftigten, d.h. der Angestellten führt(29). Auch diese Tätigkeit ist der Technisierung und Mechanisierung unterworfen. Historisch bilden sich, wie BAHRDT gezeigt hat(30), das „Fabrikkontor“ (Aufstiegsmöglichkeiten und geringe Delegation von Unternehmerfunktionen), das „Vorzimmerbüro“, das parallel zum industriellen Großbetrieb entsteht (den Teilbereichen der Leitung, Organisation und Verwaltung zugeordnet; gewisse Arbeitsteilung nach den Fachbereichen; beginnende Technisierung und Feminisierung; Entstehung der besonderen Schicht der Büroangestellten) und das „Großbüro“ heraus (Routinisierte Tätigkeit in Bürosälen; Einsatz einfacher und entwickelter Büromaschinen und differenzierte Arbeitsteilung; restriktive Tätigkeit bei geringer Qualifikation). Nach BRAUN(31) lassen sich drei Phasen der Technisierung der Büroarbeit unterscheiden:

1. Die „instrumentale“ Phase als Vereinfachung und Effektivierung der routinemäßigen Arbeiten durch Einsatz einfacher Büromaschinen (Schreib-, Rechen- und Vervielfältigungsmaschinen);

2. die Phase der „Büromaschinen“ im Sinne einer Rationalisierung komplexerer Büroarbeit und Arbeitsteilung nach Erfordernissen dieser Maschinerie (Buchungsmaschinen, einfache Lochkarten- und Hollerithmaschinen);

3. die Phase der „automatischen und elektronischen Datenverarbeitung“ führt zur Technisierung ganzer Bürokomplexe und erfaßt auch die mittleren und höheren Qualifikationen.

2. Verwissenschaftlichung der Produktion als Taylorismus

Arbeits- und Zeitdisziplin der Beschäftigten ist eine wesentliche Voraussetzung für die

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Kontinuität und Berechenbarkeit der Kapitalverwertung, wobei die Kontrolle immer stärker von der persönlichen Beaufsichtigung hin zu ihrer Integration in die Technologie und Arbeitsorganisation verlagert wird. Der amerikanische Ingenieur F.W. TAYLOR hat die verschiedenen Methoden der organisatorischen Rationalisierung zum System der „wissenschaftlichen Betriebsführung“ zusammengefaßt(32). RAMMERT konstatiert: „Trotz vieler Kritiken und Verbesserungen durch die modernen Arbeitswissenschaften … sind die Zwecksetzungen und Prinzipien Taylors auch für die heutige Unternehmenspraxis der Arbeits- und Betriebsrationalisierung richtungweisend“(33). Die Bedeutung liegt eben darin, daß die organisatorische Rationalisierung vorrangig ein Instrument der Rentabilitätssteigerung bleibt. TAYLOR hat die vier Prinzipien der „methodischen Betriebsführung“ am Beispiel der Maurertätigkeit herausgearbeitet(34):

1. „den Aufbau der Wissenschaft des Mauerns mit festen Regeln für jede Bewegung jeden Arbeiters sowie der zweckmäßigsten Vervollkommnung und Normalisierung aller Arbeitsgeräte und Arbeitsbedingungen“.

2. „Der sorgfältigen Auswahl der geeigneten Leute und der darauffolgenden Erziehung sowie der Ausschaltung aller jener Leute, denen der gute Wille oder die Fähigkeit fehlt…“.

3. „Der Herbeiführung einer bestimmten Beziehung zwischen den geeigneten Arbeitern und der Wissenschaft durch dauernde Nachhilfe und Überwachung seitens der Betriebsleitung…“.

4. „Einer fast gleichen Verteilung der Arbeit und der Verantwortung zwischen Arbeiter und Leitung“.

Die Verfeinerung und Ergänzung der Taylorschen Prinzipien führt zu einer „Kontrollstruktur“: „Kontrolle über die räumlich-zeitliche Dimension der Arbeitsverausgabung“ (Festlegung des Ablaufs und Standardisierung der Bewegungen und Zeiten); „Kontrolle über den fachlich-qualifikatorischen Aspekt des Arbeitsprozesses“ (Rekrutierung spezifisch geeigneter Arbeitskräfte und Anlernung); „Kontrolle über den arbeitswirtschaftlichen Aspekt des Lohn-Leistungs-Verhältnisses“ (Leistungsabgabesteuerung durch Pensumvorgabe und Lohnanreizsysteme) und „Kontrolle über die Quellen der politischen Gegenmachtbildung“ (durch Aneignung des Arbeits- und Organisationswissens und ihrer zentralen Steuerung und Koordination durch die Unternehmensleitung)(35).

3. Die neue Qualität von Automation und Rationalisierung heute und ihre Auswirkungen

U. BRIEFS hat in einer zusammenfassenden Darstellung gezeigt, daß die mit Mikroelektronik, EDV und Kommunikationstechnologie umschriebenen neuen Formen von Technologie und Organisation zu einer neuen Qualität von Automation und Rationalisierung geführt haben(36). Diese Tendenz läßt sich an Indikatoren des „technischen Wandels“ von 45 Sektoren der industriellen Produktion (außer Bau- und Energiewirtschaft) aufzeigen. Im Zeitraum von 1970-1977 erhöhte sich die Nettoproduktion um 13,5 Prozent, das Be-

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schäftigungsvolumen (Zahl der Beschäftigten multipliziert mit der Arbeitszeit) verminderte sich um 21,3 Prozent; darin drückt sich das Absinken der Beschäftigtenzahlen um 14,5 Prozent (1,246 Millionen Personen) aus. Der potentielle Kapitalkoeffizient dagegen (Kapitaleinsatz je produzierte Einheit) erhöhte sich um 7,1 Prozent, die Produktivität pro Stunde stieg um 44,3 Prozent. Im Bereich der Büro- und Datenverarbeitungsmaschinen stieg im gleichen Zeitraum die Nettoproduktion um 48,9 Prozent, die Beschäftigtenzahlen sanken um 25,8 Prozent, das Beschäftigungsvolumen um 27,5 Prozent, die Produktivität pro Stunde stieg um 105,5 Prozent, der potentielle Kapitalkoeffizient sank um 16,3 Prozent(37). FRIEDRICHS sieht in der Mikroelektronik die „Schlüsseltechnologie unseres Jahrzehnts“: Die Möglichkeit ihrer Anwendung ist so vielfältig, daß alle Bereiche der Ökonomie und Gesellschaft in irgendeiner Form betroffen werden; der Preisverfall erfolgt so extrem, daß eine rasche Verbreitung zu erwarten ist (in den frühen 60er Jahren kostete eine Transistorfunktion 100 Pf., heute nur noch 0,1 Pf.). Viele Typen des „technischen Wandels“ sind in gleicher Weise kapital- und arbeitssparend (Datenverarbeitung, Textverarbeitung, numerisch gesteuerte Maschinen, Industrieroboter, computergestützte Fabrikation, computergestütztes Konstruieren u.a. werden wesentlich billiger werden); war in der Vergangenheit die Automation auf Massenproduktion beschränkt, so werden in Zukunft mikroelektronische Kontroll- und Steuergeräte einen hohen Grad von Elastizität für automatische Produktion in Klein- und mittelgroßen Serien und in kleinen Produktionsstätten ermöglichen. In der Vergangenheit konzentrierte sich „technischer Wandel“ auf die Produktion, in Zukunft wird die Mikroelektronik auch eine wichtige Rolle in privaten und öffentlichen Verwaltungen und innerhalb der Dienstleistungen spielen (38).

Die Elektronische Datenverarbeitung (EDV) zeichnet sich aus durch eine hohe Rechenund Verarbeitungsgeschwindigkeit, durch Erfassung, Verarbeitung und Speicherung sehr großer Datenmengen, durch die Möglichkeit, Daten und Informationen entsprechend den Notwendigkeiten der jeweiligen Arbeitsprozesse gezielt zu erfassen, zu kombinieren, zu verarbeiten und zu speichern, weiter durch die Möglichkeit, Daten und Informationen über große Entfernungen zu transportieren und zu verarbeiten, ferner durch die Möglichkeit, im Zusammenhang mit Telekommunikation und anderen Technologien komplexe Informationssysteme, Datenbanken, Netzwerke von Computern u.a. Informationsverarbeitungsgeräten usw. aufzubauen (auch die DV-Geräte verbilligen sich weiter: von 1970 bis 1978 sank der Preisindex von 100 auf 82,6 Punkte). Die neuen Technologien bilden tendenziell eine komplexe Infrastruktur aus: Die INTEGRATION von unterschiedlichen technischen Systemen wie EDV, Werkzeugmaschinen, Geräten zur Nachrichtenübermittlung, Bürotechnologien etc. führt mehr und mehr zu teil- und schließlich zu vollautomatischen Gesamtprozessen, die als einheitliche Gebilde zu steuern und zu kontrollieren sind: Die Bildung von komplexen HIERARCHIEN von Systemkomponenten, d.h. eine Zentralanlage steuert mehrere andere Computer, von denen wiederum größere Zahlen von Geräten an den einzelnen Arbeitsplätzen gesteuert werden. BRIEFS verweist darauf, daß zwar einer-

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seits am Arbeitsplatz mehr maschinenunterstützte Verarbeitungskapazität, mehr Zugang zu gespeichertem Wissen, mehr Möglichkeiten zum planmäßigen Umgang mit Arbeitsobjekten zur Verfügung gestellt werden, andererseits aber gleichzeitig die Verhältnisse in den Betrieben im Interesse der Betriebsleitungen neu durchdacht, gestaltet und strukturiert werden (Einerseits Einsatz von zahlreichen spezialisierten kleinen Geräten – Mikrocomputer – für die Automation in Betrieb und Büro, andererseits Entfaltung flächendeckender Computernetze).

BRIEFS hat die sozialen Auswirkungen der Durchsetzung der neuen Technologien herausgearbeitet:

a) MASSENARBEITSLOSIGKEIT: In den nächsten 10 bis 15 Jahren werden 10 Millionen, d.h. die Hälfte aller Arbeitsplätze erfaßt. Es wird geschätzt, daß 30 Prozent aller Arbeitsplätze der Banken und Versicherungen wegfallen und 25 Prozent aller Arbeitsplätze im Einzelhandel. Im Öffentlichen Dienst können – laut Siemensstudie – 72 Prozent aller Tätigkeiten formalisiert und 38 Prozent automatisiert werden. Die IBM schätzt, daß allein von der Ausbreitung der CAD/CAM-Systeme 1,1 Millionen Arbeitsplätze in der Bundesrepublik Deutschland betroffen werden. Im gewerblichen Bereich sind allein 700.000 Arbeitsplätze durch den Einsatz von Mikroprozessoren und Mikrocomputern bedroht.

b) AUSWIRKUNGEN AUF DIE QUALIFIKATIONS- UND ARBEITSBEDINGUNGEN: 1. Polarisierung der Qualifikationen: Auf der einen Seite werden kleine Gruppen im Sinne besserer Qualifikationen und Entfaltungsmöglichkeiten begünstigt. EDV-Spezialisten, technische und kaufmännische Fachkräfte oft mit Doppelqualifikation, vielfach mit Hochschulausbildung, Organisationsfachkräfte und „Berater“, Teile des Managements und der Stabsspezialisten, Teile der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, Dokumentationsspezialisten u.a. Allerdings sind diese Positionen einem verstärkten Qualifikationsdruck ausgesetzt. Auf der anderen Seite werden große Teile der Beschäftigten dequalifiziert, ihre Kenntnisse und Erfahrungen werden entwertet. Die traditionellen qualifizierten Sachbearbeiter werden zu Bürohilfsarbeitern, die Facharbeiter zu Angelernten. 2. Verschärfung der Arbeitsbedingungen: Die Anwendung der analytischen Arbeitsplatzbewertung, wie MTM-Verfahren u.a., und die darauf aufbauenden Organisationsanalysen führen zur Bürokratisierung und Routinisierung der Tätigkeiten, die Zerstückelung zur repetitiven Teilarbeit mit der allgemeinen Auswirkung einer Intensivierung der Arbeit.

c) VERSCHÄRFTE ÜBERWACHUNG UND KONTROLLE IN BETRIEB UND BÜRO: 1. Kontrolle durch die Steuerungssysteme der Datenverarbeitung. Die Erfassung der Arbeitsplätze durch die Netzwerke aus Computern, Bildschirmgeräten und anderen Terminals machen die jeweilige Tätigkeit transparent und kontrollierbar, etwa durch „Buch führen“ der einzelnen Tätigkeiten am Bildschirm. 2. Kontrolle durch Personal-Informations-Systeme. Die bisher entwickelten Systeme können mehr als tausend Informationen je Beschäftigten erfassen und damit ein bisher nicht vorstellbares Maß von Kontrolle erreichen. D.h. es wird neben dem Leistungsverhalten im Betrieb auch ansatzweise das außerbetriebliche

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Verhalten der Beschäftigten erfaßt. Insbesondere die Personaleinsatzplanung wird durch die Erstellung der individuellen Leistungs- und Persönlichkeitsprofile effektiviert. 3. Kontrolle im Zuge der wissenschaftlichen Rationalisierung: Methoden mathematischer Programmierung und Simulation eröffnen neue wissenschaftliche Rationalisierungsmöglichkeiten. So werden aus den Informationssystemen die Ausgangsinformationen für Planungen und Rationalisierungskonzepte bereitgestellt und computergestützte Modelle und Rechenverfahren dienen der Durchführung und Durchrechnung der Planung selbst(39).

d) VERÄNDERUNG DES GRUNDCHARAKTERS DER ARBEIT: Neben der schon genannten dauerhaften und massenhaften Arbeitslosigkeit, der Beschäftigungsunsicherheit und Existenzbedrohung kommt es zur Zersetzung der traditionellen Vorstellungen über den Beruf, d.h. Sinn und Perspektive der Arbeit wird zunehmend in Frage gestellt, der Job und die Beschäftigung unter der eigenen Qualifikation setzt sich durch. Die aktiven und gestaltenden Momente der Arbeit werden zugunsten passiver Anforderungen zurückgedrängt. Die traditionelle Bindung an die Arbeit und ihre Inhalte (und die damit verbundene Selbstbestätigung) bei Facharbeitern und angestellten Sachbearbeitern löst sich auf. Die Spannungen zwischen den von dieser Entwicklung Begünstigten und der Mehrzahl der negativ Betroffenen steigen. Die Atomisierung der Beschäftigung durch den Kommunikationsverlust in der Arbeit bzw. durch den Trend hin zur technisch vermittelten Kommunikation verschärft die negative Entwicklung. „Die Zerstörung vieler traditioneller Qualifikationen und möglicherweise des traditionellen Berufs- und Qualifikationsbegriffs überhaupt führt nicht zur Bildung eines neuen Qualifikationsbegriffs, sondern setzt an dessen Stelle ein Sammelsurium von Fähigkeiten und Kenntnissen, das gerade nicht die Herausbildung eines besseren Gesamtverständnisses und einer verbesserten Gesamtfähigkeit der Beschäftigten zur aktiven Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt ermöglicht“(40).

Es bleibt die Frage, ob in dem hier skizzierten Prozeß nicht auch Ansätze für neue, höherwertige Qualifikationen – über den kleinen privilegierten Stamm hinaus – geschaffen werden. BRIEFS bejaht das als Möglichkeit; im Gegensatz zu den benannten sozialen Auswirkungen gebe es auch Tendenzen, die auf die Schaffung und Weiterentwicklung neuer Qualifikationen verweisen. Die schon benannten „Doppelqualifikationen“, also die Verbindung von Kenntnissen über die Produktions- und Verwaltungsprozesse mit Kenntnissen über die informationstechnologischen Systeme, könnten auf alle Beschäftigten ausgedehnt werden. Ein breites Wissen über die neuen Technologien könnte vermittelt werden. BRIEFS fragt: „Wäre es nicht möglich, auf diesem Wege einen Massenprozeß der ständigen Erneuerung und Verbesserung der Produktionsbedingungen durch die Beschäftigten selbst in ihrem eigenen Interesse entstehen zu lassen, einen Prozeß, der zugleich die gewaltigen schöpferischen Kräfte der Massen mobilisieren und ihnen Möglichkeiten für eine vielseitige Entfaltung in der Arbeit geben würde?“ Könnte nicht die „Universalität und Komplexität“ der neuen Technologien mit einer Vermittlung von ebenso komplexen und universalen Kenntnissen korrespondieren? Doch die bezeichneten Möglichkeiten werden sich,

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so BRIEFS, unter den bestehenden gesellschaftlich-ökonomischen Verhältnissen kaum verwirklichen können: „Tatsachlich bilden sich quer zur vorherrschenden Tendenz der Entwertung menschlicher Arbeit gewisse Hinweise für neue Qualifikationselemente und neue Herausforderungen für die Entwicklung und Ausbreitung von besseren Formen menschlicher Beherrschung der neuen Technologien heraus. Diese werden jedoch unter den gegebenen Bedingungen der chaotischen kapitalistischen Produktionsweise nur partiell, fragmentarisch, ohne ganzheitlichen Charakter und ohne innere Logik entwickelt. Die positiven Tendenzen werden nur unzureichend genutzt, sie werden vergeben, deformiert oder sogar pervertiert“(41).

Exkurs: Zur „Humanisierung der Arbeit“(42)

In der Diskussion um eine Humanisierung der Arbeit geht es um eine Verbesserung, eine Vermenschlichung der Arbeitsbedingungen. Hier drückt sich, wie WIENDIECK betont, die „Diskrepanz zwischen Arbeitsrealität und Arbeitshoffnung“(43) aus. Die Ansprüche an eine humanere Arbeit beziehen sich allgemein auf vier Ebenen:

1. Konkrete Bedingungen am Arbeitsplatz (Belastung, Handlungsspielraum, Unfallgefahr, Arbeitstempo usw.); 2. Situation in der Institution und dem Herrschaftsverband Betrieb (Kooperationsmöglichkeiten, Herrschaftsverhältnisse, Anerkennung und Aufstiegsmöglichkeiten, Betriebsklima usw.); 3. Lage der abhängig Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt (Betriebsbindung, berufliche Karrieremöglichkeiten, Bedeutung sozialer Merkmale wie Alter, Geschlecht, Nationalität usw.); und 4. Einfluß von Arbeitsbedingungen auf die Freizeit (etwa Bedeutung von Arbeitszeitregelung und Arbeitsbelastungen auf die Möglichkeiten von Freizeitgestaltung).

Der verschärfte betriebliche Rationalisierungsdruck hat die Diskussion vor allem auf die erste Ebene bezogen. Das 1974 angelaufene Forschungsprogramm „Humanisierung der Arbeitswelt“ der Bundesregierung ist aus der Sicht der Gewerkschaften letztlich gescheitert. Während die Unternehmerverbände eine mangelnde wirtschaftliche Rationalität des Programms kritisieren, verweisen die Gewerkschaften auf seine mangelnde Umsetzungskapazität: die „Humanisierung“ erscheint als „Fortsetzung der Rationalisierung mit anderen Mitteln“.

Die „Humanisierung der Arbeit“ bleibt letztlich ein Nebenprodukt der technologischen Entwicklung. Etwa dort, wo die Zerstückelung der Arbeit so weit vorangetrieben wurde, daß eine weitere Steigerung der Arbeitsproduktivität und -effektivierung nicht mehr möglich war, wird auf Methoden der Ausweitung und Anreicherung der Tätigkeit oder Gruppenarbeit zurückgegriffen. (So beim Paradebeispiel Volvo.) Typen solcher neuen Formen von Arbeitsorganisation sind: 1.“Job-Rotation“: Arbeitsplatzwechsel durch systematisches Rotieren; 2. „Job-Enlargement“: Vergrößerung der individuellen Arbeitsaufgaben am Arbeitsplatz; 3. „Job-Enrichment“: Vergrößerung der individuellen Arbeitsaufgaben und ihre Verselbstän-

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digung; 4.“Teilautonome Gruppen“: Übertragung von Entscheidungen in die Kompetenz der zuständigen Gruppe.(44)

IV. Formen der Qualifikation

Der Arbeitende muß, um den Anforderungen eines spezifischen Arbeitsplatzes nachkommen zu können, eine entsprechende Qualifikation besitzen, eben die hier geforderten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten. Zwar ist die jeweilige Qualifikation formal durch den Berufsbildungsabschluß bestimmt, doch konkret wird sie vielfach durch betriebsspezifische Qualifizierung und Berufserfahrung ergänzt und modifiziert. Die Qualifikationsanforderungen eines bestimmten Arbeitsplatzes hängen von den arbeitsorganisatorisch zugeordneten Teilfunktionen, d.h. dem Grad der Arbeitszerlegung und von der Art der Arbeitsmittelausstattung, d.h. dem Grad der Mechanisierung ab. SCHUMM unterscheidet zwischen beruflichfachlichen und normativen Qualifikationen.(45) Die technisch-organisatorischen Qualifikationen umfassen drei zusammenhängende Ebenen:

1. Anforderungen an „sensumotorisches Verhalten“ (präziser Umgang mit Werkzeugen, Bewegungssicherheit, Fingerfertigkeit);

2. Anforderungen an „perzeptiv-routinisiertes Verhalten“ (Materialgefühl, Sensibilität für

optische, akustische und taktile Wahrnehmung) und

3. Anforderungen an „diagnostisch-planendes Verhalten“ (Planung von Montageschritten, Suchvorgänge bei Störungen). Die normativen Qualifikationsanforderungen umfassen „die Gesamtheit aller motivational geprägten und an Wertvorstellungen gebundenen Einstellungen, die zu erfüllen von Beschäftigten erwartet wird, wenn Tätigkeiten im Rahmen einer bestimmten gesellschaftlichen Organisation der Arbeit ohne ständigen äußeren Zwang ausgeführt werden sollen“.(46) Wobei die Ambivalenz normativer Qualifikationen im Widerspruch der Anforderungen an Anpassungsbereitschaft und eigenständigem Handeln liegt. Wir werden uns im weiteren auf die beruflich-fachliche Qualifikation beschränken.

In der Diskussion um die Entwicklung von Qualifikation ist zu unterscheiden zwischen den Qualifikationsanforderungen eines Arbeitsplatzes und der Qualifikation eines Individuums die sein Arbeitsvermögen bestimmt, denn gerade im möglichen Auseinanderfallen der beiden Momente liegt die Problematik beruflicher Qualifizierung, also die Frage individueller Entwertung von Qualifikationen, der Anpassung an neue Bedingungen durch Umschulung oder Weiter- und Neuqualifizierung. Vor allem zeigt sich hier auch die Problematik der Koordination von Bildungssystem und Beschäftigungssystem, auf das unten noch zurückzukommen ist.

KERN UND SCHUMANN haben für den Produktionsbereich die These von einer Polarisierung von Qualifikationsanforderungen im Zuge der technologischen Umwälzung entwickelt.(46) Der technische Fortschritt führt nicht zu einer allgemeinen höheren Qualifizierung der Tätigkeiten, sondern zu einer Differenzierung der Gesamtgruppe der Industriearbeiter.

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Nur für eine kleinere Anzahl erhöhen sich die Anforderungen an Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten (wie etwa Instandhaltungsarbeit und Meßwartentätigkeit); während es bei der Mehrheit zu einer Verringerung der Anforderungen und wachsender Restriktivität der Arbeit kommt (Repetitive Teilarbeiten und Automatenkontrolle). Auch im Bereich der Büro- und Verwaltungstätigkeiten ist diese Polarisierung der Anforderungen festgestellt worden.(48)

Die Polarisierungsthese ist sehr kontrovers diskutiert worden, wobei bisher nicht endgültig entschieden werden konnte, ob sie einen säkularen Trend oder eher eine Übergangsphase darstellt. Wenn im Zuge der Automatisierung die Arbeitsplätze mit geringen Anforderungen wegrationalisiert werden, also verschwinden, erhebt sich im Sinne einer Requalifizierungsthese das Niveau der verbliebenen Arbeitsplätze, so die Argumentation der „PROJEKTGRUPPE AUTOMATION UND QUALIFIKATION“.(49) Bei verringertem Personaleinsatz erhöht sich die Flexibilität im Einsatz des verbliebenen Personals.(50) Demgegenüber vertritt BRAVERMAN die These vom Trend zur Dequalifizierung durch fortschreitende Taylorisierung und Abtrennung der geistigen Potenzen der Arbeit. Der qualitative Unterschied zeigt sich etwa darin, daß ein gelernter Maschinenschlosser eine vierjährige Lehre benötigt, um seine Grundausbildung zu erhalten, während der Bediener einer numerisch gesteuerten Maschine in vier Monaten ausgebildet wird. Entscheidend aber bleibt, daß die abhängig Beschäftigten keinen Einfluß auf die Entwicklung der Qualifikationsanforderungen im Betrieb haben und damit auch allein das Risiko der Entwertung der erworbenen Qualifikationen tragen. LITTEK verweist darauf, daß die „betriebliche Personalpolitik … im Zuge der organisatorisch-technischen Rationalisierung prinzipiell bestrebt (ist), sich von der Notwendigkeit des Einsatzes hoher Qualifikationen zu befreien“.(51)

V. Ausblick

KERN UND SCHUMANN versuchen in einer neuen Nachfolgeuntersuchung zu ihrer Studie über „Industriearbeit und Arbeitsbewußtsein“ (siehe weiter oben) eine Prognose der weiteren Entwicklung zu geben. (52) Neben den krisenbestimmten Branchen wie Stahl- und Werftindustrie,die massenhafte Arbeitslosigkeit hervorbringen, existieren noch „funktionierende Kernbereiche“, wie Autoindustrie, Werkzeugmaschinenbau, Großchemie, die differenzierter zu sehen sind. Neben der auch von ihnen konstatierten Wegrationalisierung und „Freisetzung“ der wenig Qualifizierten durch die neuen Technologien entsteht auch eine Tendenz der Requalifizierung und Reprofessionalisierung in Gestalt des „Produktionsfacharbeiters“. „Das darf man sich nicht als schlichte Rückkehr zu den Berufsprofilen der Vergangenheit vorstellen, zu jenen „Professionisten“, die den Arbeitskörper vor allem der Metallindustrie vor 70 Jahren bestimmten und die in den klassischen handwerklichen Metallberufen noch rudimentär fortbestehen. „Produktionsfacharbeiter“ kann in unserem Zusammenhang nur eine Arbeitskraft bedeuten, die in einem organisierten mehrjährigen Lernprozeß ausbau-

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fähige Grundkenntnisse über die Technisch-physikalischen-chemischen Funktionsprobleme moderner Produktionsprozesse erworben hat und die durch Gebrauch dieser Fähigkeiten einen wichtigen Beitrag zum optimalen Betrieb neuer Produktionssysteme leistet. In Status und Entlohnung werden solche industriellen Produktionsfacharbeiter den Handwerkern alter Art auf Dauer gleichgestellt werden, in Qualifikationsinhalten und Funktionen unterscheiden sie sich gewaltig von ihnen.“(53) KERN UND SCHUMANN unterscheiden vier ihnen wesentlich erscheinende Gruppen von Arbeitern: Die genannten Produktionsfacharbeiter in den industriellen Kernbereichen als „Rationalisierungsgewinner“; die „Rationalisierungsdulder“ mit einem traditionalen Arbeitsplatz im Kernbereich, die in der dauernden Gefahr stehen „ausgefiltert“ zu werden; die Arbeiter der krisenbestimmten Branchen ohne Perspektiven und die Arbeitslosen, deren Chance schwindet, überhaupt noch einmal in den Produktionsbereich hineinzukommen. Als Fazit wird formuliert: „Seit den unmittelbaren Nachkriegsjahren sind noch nie die Lageunterschiede innerhalb der Arbeiterschaft so groß gewesen wie jetzt. Wenn das Wort von den disparitären Lebensverhältnissen je einen Sinn gehabt hat, so jetzt. Für die Unternehmer heißt dies allemal „teile und herrsche“, also relativ leichtes Spiel…. Vernünftigerweise kann auch niemand das negative Moment leugnen, daß die neuen Produktionskonzepte nicht nur vorhandene Differenzierungslinien verfestigen, sondern mit der ungleichgewichtigen Verteilung der Rationalisierungslasten auch einen gesellschaftspolitisch höchst problematischen Zug aufweisen. Unter diesem Blickwinkel ist Segmentierung gleichsam die moderne Variante der Polarisierung.“(54)

ANMERKUNGEN

(1) Max Weber: Die Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. München und Hamburg 1965, S. 18-19

(2) Max Weber: Wissenschaft als Beruf. In: Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. Tübingen 1968, S.609. Siehe hierzu Johannes Weiß, M. Weber: Die Entzauberung der Welt. In: Grundprobleme der großen Philosophen, hrsg. v.J. Speck, Bd. IV Philosophie der Gegenwart, Göttingen 1981.

(3) Karl Marx :Das Kapital Bd.1, MEW Bd. 23. Berlin 1962, S.28. Marx entfaltet die Logik des Prozesses der Verschleierung der menschlichen Verhältnisse in den drei Bänden des „Kapital“. Siehe hierzu im einzelnen Elmar Treptow: Die Entfremdungstheorie bei Karl Marx. München 1978.

(4) Marx, ebenda. S.377. Dabei verweist Marx auf einen bis heute existierenden Widerspruch: „Dasselbe bürgerliche Bewußtsein, das die manufakturmäßige Teilung der Arbeit, die lebenslängliche Annexation des Arbeiters an eine Detailverrichtung und die unbedingte Unterordnung der Teilarbeiter unter das Kapital als eine Organisation der Arbeit feiert, welche ihre Produktivkraft steigere, denunziert daher ebenso laut jede bewußte gesellschaftliche Kontrolle und Regelung des gesellschaftlichen Produktionsprozesses als einen Eingriff in

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die unverletzlichen Eigentumsrechte, Freiheit und sich selbst bestimmende ‚Genialität‘ des industriellen Kapitalisten. Es ist sehr charakteristisch, daß die begeisterten Apologeten des Fabriksystems nichts Ärgeres gegen jede allgemeine Organisation der gesellschaftlichen Arbeit zu sagen wissen, als daß sie die ganze Gesellschaft in eine Fabrik verwandeln würden“. Ebda, S. 377.

(5) MAX SCHELER: Die Wissensformen und die Gesellschaft. Bern 1960, S. 92.

(6) WOLFGANG KROHN: Zur soziologischen Interpretation der neuzeitlichen Wissenschaft.

In: Edgar Zisel: Die sozialen Ursprünge der neuzeitlichen Wissenschaft. Ffm. 1976, S. 13.

(7) ebda, S. 13.

(8) ebda.

(9) Ebda, S. 18-23.

(10) Ebda, S. 21. „Seit dieser Zeit verzichten Politik und Theologie darauf, Wissenschaft zu verfolgen, sofern sie sich in den engen Grenzen eines Natur- und Technikverständnisses aufhält, das die Problematisierung sozialer Verhaltnisse ausschließt. Diese restriktive Definition der Wissenschaft beseitigt die emanzipatorischen Ansprüche, die bis ca. 1650 geradezu selbstverständlich mit ihr verbunden waren“.

(11) WOLFGANG BÜCHEL: Gesellschaftliche Bedingungen der Naturwissenschaft, München 1975.

(12) Ebda, S. 52-53.

(13) Als günstige Bedingungen erwiesen sich: 1. Die Verlagerung des kulturellen Lebens von Klöstern und Ritterburgen in die Städte und damit Überwindung der religiösen und militärischen Dominanz. 2. Technische Neuerungen in Produktion und Militärwesen stimulieren naturwissenschaftliche Fragestellungen. 3. Aushöhlung der traditionalen Autoritäten und des sozialen Gefüges durch individualistischen Wettbewerb im Zuge der sich durchsetzenden Warenproduktion. 4. Ökonomische und technische Rationalität bereiten den Boden für das neuzeitliche naturwissenschaftliche Denken.

(14) Ebda, S. 54-55.

(15) „Mit der Vergrößerung der Nachfrage nach den Produkten der chemischen und der Eisen- und Stahlindustrie erreichten die Produktionsanlagen eine kritische Größenordnung, die zu neuen Verfahrensproblemen führte, welche nicht einfach durch das herkömmliche Ausprobieren gelöst werden konnten. Ihre Lösung erforderte eine genaue THEORETISCHE ERKENNTNIS der chemischen Eigenschaften und der thermodynamischen Reaktionsweisen der Stoffe unter verschiedenen Bedingungen, wie sie die wissenschaftlichen Disziplinen der Chemie und Physik anboten und wie sie in der chemischen Verfahrenstechnologie systematisiert wurden“. WERNER RAMMERT: Verwissenschaftlichung der Arbeit: Industrialisierung der Wissensproduktion und der Informationsverarbeitung. In: W. LITTEK u.a. (Hrsg.): Einführung in die Arbeits- und Industriesoziologie. Ffm. – New York 1982, S. 77.

(16) Siehe hierzu ERNST MICHEL: Sozialgeschichte der industriellen Arbeitswelt. Ffm.

1947. Karl Marx hat im 1. Band des „Kapital“ die Entwicklungsformen kapitalistischer

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Produktion vom Verlag über die Manufaktur bis zur Fabrik verfolgt und im einzelnen analysiert.

(17) KARL A. WITTFOGEL: Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft. Hannover 1977, S. 233-34.

(18) Die Manufaktur hat nicht die umfassende Bedeutung bekommen wie das Handwerk, der Verlag und die Fabrik; sie ist aber als logisches Zwischenglied zwischen handwerklicher und maschineller Produktion wichtig.

(19) MARX: Das Kapital Bd.1, S. 445 und 407.

(20) WERNER RAMMERT: Kapitalistische Rationalität und Organisierung der Arbeit. In: W. LITTEK u.a. (Hrsg.): Einführung…, a.a.O., S. 45-46.

(21) WERNER SOMBART: Der moderne Kapitalismus, Bd. 3, München und Leipzig 1928, S. 80.

(22) RAMMERT: Verwissenschaftlichung…, a.a.O., S. 79-80. „Die Nutzung der Wissenschaften für den Produktionsprozeß führte seit Beginn des 20. Jahrhunderts zur Entstehung und schnellen Ausbreitung ganz neuer Industriezweige, die eng mit bestimmten wissenschaftlichen Entdeckungen verbunden sind, besonders in der Elektrotechnologie (Telegraph, Telefon, Glühbirne, Radio, Fernsehen, Haushaltsgeräte, Büromaschinen, Computer, Kernkraftwerke), in der chemischen Industrie (Benzin, Anilinfarben, Pharmaka, Gummi, Plastik,Kunstfasern, synthetische Waschmittel, Margarine) und in der Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbauindustrie (Edelstähle, Aluminium, Benzinmotor, Diesellokomotive, Propellerflugzeug, Turbine, Raketenantrieb)“.

(23) Nach SILK und BIRR, zitiert bei RAMMERT, a.a.O., S. 80.

(24) RAMMERT, a.a.O., S. 83.

(25) MARX: Das Kapital Bd.1, Kap. 24. Die sogenannte ursprüngliche Akkumulation, S. 741-91.

(26) MAX WEBER: Wirtschaftsgeschichte. München und Leipzig 1923, S. 239-40.

(27) R. BLAUNER: Alienation and Freedom. Chicago 1964; J. BRIGHT: Automation and Management. Boston 1958; A. Touraine: L’évolution du travail, ouvriers aux usines Renault. Paris 1955. Siehe auch: A. OPPOLZER: Hauptprobleme der Industrie- und Betriebssoziologie. Köln 1976.

(28) H. KERN und H. SCHAUER: Rationalisierungs- und Besitzstandssicherung in der Metallindustrie. In: Gewerkschaftliche Monatshefte 5/1978, S. 272-76.

(29) Siehe zur Angestelltenproblematik generell SIEGFRIED BRAUN: Zur Soziologie der Angestellten, Ffm. 1964.

(30) H.P. BAHRDT: Industriebürokratie. Stuttgart 1958.

(31) BRAUN, a.a.O.

(32) Siehe hierzu die ausführliche Darstellung bei HARRY BRAVERMAN: Die Arbeit im modernen Produktionsprozeß, Ffm. – New York 1977, Kap. 4: Wissenschaftliche Betriebsführung.

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(33) RAMMERT: Kapitalistische Rationalität, a.a.O., S. 51. Auch BRAVERMAN hebt die Bedeutung des Taylorismus hervor: „Trotz vieler Kritiken und Verbesserungen durch die modernen Arbeitswissenschaften seit Erscheinen der beiden Hauptwerke … sind die Zwecksetzungen und Prinzipien Taylors auch für die heutige Unternehmenspraxis der Arbeits- und Berufsrationalisierung richtungsweisend“, BRAVERMAN a.a.O., S. 74-75.

(34) F.W. TAYLOR: Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung. München und Berlin 1919, S. 89-90.

(35) RAMMERT, a.a.O.

(36) ULLRICH BRIEFS: Arbeiten ohne Sinn und Perspektive? Köln 1980. Ich stütze mich im wesentlichen auf diese m.E. bisher umfassendste und beste Gesamtdarstellung zur Automations- und Rationalisierungsproblematik. Der Band enthält auch ein umfassendes Literaturverzeichnis.

(37) GÜNTHER FRIEDRICHS: Mikroelektronik – eine neue Dimension von technischem Wandel und Automation. In: Gewerkschaftliche Monatshefte 4/1980.

(38) FRIEDRICHS, a.a.O., S. 279.

(39) BRIEFS verweist hier auch auf die Bedeutung der neuen Technologien für politische Kontrollmöglichkeiten (ungeheure Verbundmöglichkeiten und geringe Transparenz), a.a.O., S. 85-90.

(40) BRIEFS, a.a.O., S. 95.

(41) Ebda, S. 97.

(42) Siehe hierzu G. WACHTLER: Humanisierung der Arbeit und Industriesoziologie. Stuttgart 1979.

(43) GERD WIENDIECK: Humanisierung der Arbeitswelt. In: Handwörterbuch der Betriebspsychologie und Betriebssoziologie, hrsg. von P.G. von Beckerath, P. Sauermann und G. Wiswede. Stuttgart 1981, S. 200.

(44) Hierzu im einzelnen WACHTLER, a.a.O., S. 128-139.

(45) WILHELM SCHUMM: Sozialisation durch Arbeit. In: LITTEK u.a. (Hrsg.): Einführung …, a.a.O., S. 250-258.

(46) SCHUMM, a.a.O., S. 255.

(47) HORST KERN und MICHAEL SCHUMANN: Industriearbeit und Arbeiterbewußtsein. Frankfurt 1970. Hierzu auch O. MICKLER u.a.: Technik, Arbeitsorganisation und Arbeit. Frankfurt 1976.

(48) Siehe hierzu etwa U. JAEGGl und H. WIEDEMANN: Der Angestellte in der Industriegesellschaft. Stuttgart 1966, und W. KUDERA u.a.: Betriebliche Rationalisierung und Angestellte. Köln 1979.

(49) Projektgruppe Automation und Qualifikation: Theorien über Automationsarbeit. Berlin 1978.

(50) 0. MICKLER und M. SCHUMANN, in SOFI-Mitteilungen Nr. 3, Ffm 1980.

(51) W. LITTEK: Arbeitssituation und betriebliche Arbeitsbedingungen. In: derselbe u.a.

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(Hrsg.): Einführung…, a.a.O., S. 131.

(52) HORST KERN und MICHAEL SCHUMANN: Ein Stachel im Fleisch der Rationalisierungsgewinner, Teil I und II. In: Frankfurter Rundschau v. 10. und 12.3.1984, S. 10 und 14. Nach Abschluß dieses Manuskripts wurde die Untersuchung publiziert: HORST KERN/MICHAEL SCHUMANN: Das Ende der Arbeitsteilung? München 1985.

(53) Ebda, S. 14.

(54) Ebda.