31.12.1997  Beitrag drucken

Dilemma der russischen Revolution

„Eine Revolution hat noch niemals und nirgends vollständig mit den Vorstellungen übereingestimmt und übereinstimmen können, die sich ihre Teilnehmer von ihr gemacht hatten.“ — Leo Trotzki (1)

Franz Schandl

Es ist an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Die Bilanz des bedeutendsten gesellschaftlichen Aufbruchs dieses Jahrhunderts und seines Niedergangs. Wobei dieser Aufsatz sich auf ersteren beschränkt, und dabei versucht, zu zeigen, warum das revolutionäre Projekt gelingen konnte, aber als kommunistisches scheitern mußte.

Ursprünglich, d.h. vor der Formulierung der berühmten Aprilthesen war Lenin vom bürgerlichen Charakter der kommenden russischen Revolution ausgegangen.2 Doch bereits 1915 war eine andere Tendenz zu erkennen. Man liest: „Der soziale Inhalt der nächsten Revolution in Rußland kann nur die revolutionär-demokratische Diktatur des Proletariats sein“3, aber „die bürgerliche-demokratische Revolution ist heute schon nicht mehr nur ein Prolog, sondern der untrennbare Bestandteil der sozialistischen Revolution im Westen“4 Lenin überbrückte diesen Gegensatz nirgends, wandte sich sogar noch dezidiert gegen Trotzkis Theorie der permanenten Revolution5, die das Hinüberwachsen der bürgerlichen in die sozialistische Revolution konstatierte.

Erst mit den Aprilthesen6 löste Lenin diesen Widerspruch auf. Er akzeptierte darin de facto Trotzkis Konzept der permanenten Revolution, sprach von den „sinnlos gewordenen Worte(n) von der demokratischen Diktatur des Proletariats und der Bauernschaft“7. Die Oktoberrevolution war geradezu gekoppelt an die Rücknahme der alten bolschewistischen Vorstellung sowie mit der, wenn auch unausgesprochenen, Übernahme der Trotzkischen Theorie. Der führende Bolschewik Karl Radek etwa bekannte 1921 in der theoretischen Zeitschrift der KPD ganz offen, daß es Trotzki gewesen war, der schon 1905 auf die Überschreitung des bürgerlichen Charakters der Revolution hingewiesen hat.8 Niemand hat dem damals widersprochen. Für Lenin und Trotzki war die Oktoberrevolution Auftakt und Bestandteil der sozialistischen Revolutionen in Europa.

Internationalistische Grundlegung

In internationaler Hinsicht hat die Oktoberrevolution eine doppelte Bedeutung. Erstens wurde sie konzipiert und durchgeführt als Bestandteil der Weltrevolution und zweitens wurde sie zum Vorbild für die revolutionären Bewegungen in Europa und immer stärker auch für die nationalrevolutionären Befreiungsbewegungen außerhalb Europas. Die Oktoberrevolution ist so in einem sehr engen Konnex zu den sonstigen revolutionären Erhebungen im und nach dem Ersten Weltkrieg zu sehen.

Die bolschewistische Revolution war ohne die Annahme einer sozialen Umwälzung in Europa nicht denkbar. Mehr noch, man muß diese Annahme als die zentrale Bedingung des bolschewistischen Handelns benennen. Keine Vorwegnahme ohne diese Annahme. Nur mit der Überlegung, daß die anderen, d.h. vor allem die entwickelteren und reiferen west- und mitteleuropäischen Länder dem bolschewistischen Beispiel bald nachfolgen würden, können die Machtübernahme und die ersten Jahre nach der Revolution verstanden werden.

Die Oktoberrevolution war an die europäische Revolution gekoppelt: „Hat das Proletariat Rußlands die Macht ergriffen, so hat es alle Aussichten, sie zu behaupten und Rußland bis zur siegreichen Revolution im Westen zu führen.“9 Zwar wußte Lenin, „daß dort die Revolution noch schwieriger ist als bei uns“10, aber, so das bolschewistische Credo: „Wir glauben an die Revolution im Westen.“11 Ohne diese feste Überzeugung wäre der Oktoberaufstand zweifellos wirklich nicht mehr gewesen als Abenteurertum. Mit den prognostizierten revolutionären Ereignissen im Westen sollten die Bolschewiki auch nicht irren. Selbst wenn sie die Erfolgsaussichten – wie sich später herausstellen sollte – überschätzten.

„Der Sozialismus kann nicht gleichzeitig in allen Ländern siegen. Er wird zuerst in einem oder einigen Ländern siegen, andere werden für eine gewisse Zeit bürgerlich oder vorbürgerlich bleiben.“12 Von diesem, bereits 1916 formulierten Leninschen Grundsatz ausgehend, mußte jemand den Anfang machen. Ohne Übertreibung waren die Voraussetzungen nirgendwo so günstig wie im Rußland der Februarrevolution. Sowohl subjektive Momente, vor allem die Stärke und Geschlossenheit der bolschewistischen Partei (und der Räte) als auch objektive Bedingungen, vor allem die Schwäche der alten Kräfte wie des Übergangsregimes unter Kerenski, begünstigten die bolschewistische Machtübernahme. „Die Stärke der Kette wird durch die Stärke ihres schwächsten Gliedes bestimmt“13, heißt der Titel eines Leninschen Aufsatzes aus dem Revolutionsjahr. Der russische Staat war sicher der in diesen Monaten der angeschlagenste, somit das schwächste Glied in der Kette. Das Vorantreiben der Revolution war für die Bolschewiki „die Erfüllung einer internationalen Pflicht, es ist die Eroberung einer der wichtigsten Positionen auf der allgemeinen Front des Kampfes mit dem Weltimperialismus“14.

Weltrevolution

Die Frage nach dem Sozialismus stelle sich, so Trotzki, von dem das vorhergehende wie das folgende Zitat stammt, nicht auf nationaler, sondern auf internationaler Ebene: „Die Weltwirtschaft in ihrer Gesamtheit ist zweifellos für den Sozialismus reif. Das bedeutet aber nicht, daß jedes Land einzeln reif ist.“15 Der Sozialismus wird in diesen Überlegungen zu einer internationalistischen Angelegenheit, der nationale Arbeiterparteien ihre Taktik und Strategie unterzuordnen hätten. Für Trotzki, der wohl am stärksten diese Komponente betonte, war schon im Sommer 1917, d.h. vor dem siegreichen Oktoberaufstand klar: „Ein haltbarer, entscheidender Erfolg ist für uns außerhalb der europäischen Revolution undenkbar.“16 Und 1921 schreibt er: „Wäre auf den Sieg des russischen Proletariats bald der Sieg des westeuropäischen Proletariats gefolgt, so hätte das nicht nur den Bürgerkrieg in Rußland ganz außerordentlich abgekürzt, sondern dem russischen Proletariat durch eine feste Verknüpfung der Wirtschaft Sowjet-Rußlands mit der höher entwickelten Wirtschaft der anderen proletarischen Länder auch neue organisatorische und technische Möglichkeiten eröffnet.“17

Diese Sichtweise war vor, während und in den ersten Jahren nach dem Oktoberaufstand Konsens in der bolschewistischen Partei, die 1918 in Kommunistische Partei Rußlands umbenannt wurde. Ohne hohe Arbeitsproduktivität sahen die Revolutionäre keine Möglichkeit zum Sozialismus oder gar Kommunismus voranzuschreiten18, allen war klar, daß das russische Dorf der wirtschaftlichen Gesamtplanung mit der europäischen Stadt bedürfe19: „Die Tatsache, daß das russische Proletariat als erstes zur Macht gelangt ist, bedeutet noch keinesfalls, daß es als erstes zum Sozialismus kommen wird.“20

Auch Nikolai Bucharin, der später die Theorie des Sozialismus in einem Land entwerfen sollte und damit maßgeblich an der Grundlegung des Stalinismus mitbeteiligt gewesen ist, war in diesen Jahren ein vehementer Verfechter des oben skizzierten Gedankens: „Ein dauerhafter Sieg des russischen sozialistischen Proletariats ist aber ohne die proletarische Revolution in Europa unmöglich.“21 Deutlicher kann man das kaum formulieren. In dem von Bucharin und Preobraschensky herausgegebenen Band „Das ABC des Kommunismus“22, einem von allen kommunistischen Parteien vertriebenen offiziellen Dokument, einem „Elementar-Lehrbuch des kommunistischen Wissens“23, heißt es ganz unzweideutig: „Und wenn gefragt wird, wie denn Rußland zur kommunistischen Gesellschaftsordnung übergehen könne, da es doch ein zurückgebliebenes Land ist, so muß diese Frage vor allem mit dem Hinweis auf die internationale Bedeutung der Revolution beantwortet werden. Die Revolution des Proletariats kann jetzt nur eine Weltrevolution sein. Und in dieser Richtung entwickelt sie sich auch.“24

Grundlegende Widersprüche

Die bolschewistischen Hoffnungen auf die Internationalisierung der Revolution sollten sich nicht erfüllen. Zwar kam es auf dem ganzen Kontinent zu revolutionären Aufständen – d.h. es gab nicht nur in Rußland eine revolutionäre Situation -, doch zu mehr als einigen kurzfristigen Machtübernahmen war die europäische Revolution nicht imstande. Das revolutionäre Rußland war zur Isolation verurteilt.

Der Erfolg war aber an den Westen gekoppelt. Am III. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale 1921 in Moskau faßte Lenin diesen Standpunkt noch einmal dezidiert zusammen: „Als wir seinerzeit die internationale Revolution begannen, taten wir es nicht in dem Glauben, daß wir ihrer Entwicklung vorgreifen könnten, sondern deshalb, weil eine ganze Reihe von Umständen uns veranlaßte, diese Revolution zu beginnen. Wir dachten: Entweder kommt uns die internationale Revolution zu Hilfe, und dann ist unser Sieg ganz sicher, oder wir machen unsere bescheidene revolutionäre Arbeit in dem Bewußtsein, daß wir selbst im Falle einer Niederlage der Sache der Revolution dienen und daß unsere Erfahrungen den anderen Revolutionen von Nutzen sein werden. Es war uns klar, daß ohne die Unterstützung der internationalen Weltrevolution der Sieg der proletarischen Revolution unmöglich ist. Schon vor der Revolution und auch nachher dachten wir: Entweder sofort oder sehr rasch wird die Revolution in den übrigen Ländern kommen, in den kapitalistisch entwickelteren Ländern, oder aber wir müssen zugrunde gehen. Trotz dieses Bewußtseins taten wir alles, um das Sowjetsystem unter allen Umständen und um jeden Preis aufrechtzuerhalten, denn wir wußten, daß wir nicht für uns, sondern auch für die internationale Revolution arbeiten.“25

Diese Erkenntnis nahm im revolutionären Rußland und in den entstehenden Sektionen der Komintern geradezu den Charakter eines kategorischen Glaubensgrundsatzes an, so sehr war man vom nahen Sieg des Sozialismus in Europa überzeugt. Grigorii Sinowjew, der bis 1926 Präsident der Internationale sein sollte, brachte diese Überzeugung auf einen wahrlich einfachen Nenner. Für die Internationale postulierte er: „Es ist die Organisation, deren Sieg absolut sicher ist, und die uns in einer sehr nahen Zukunft zur internationalen sozialistischen Räterepublik führen wird.“26

Indes, die internationale Revolution erlitt eine schwere, ja vernichtende Niederlage. Außerhalb Rußlands kam es in allen Ländern zur Herausbildung bürgerlicher Regimes – teils demokratischer, teils autoritärer Natur -, die zwar oft instabil waren, denen es aber trotzdem gelingen sollte, die revolutionäre Gefahr zu bannen. Der bolschewistische Optimismus wurde realpolitisch desavouiert. Die Bolschewiki hatten so die Macht erobert und erhalten unter der Voraussetzung, daß etwas eintritt, was nicht eintrat: „Unsere bolschewistischen Genossen“, schreibt Karl Kautsky, „hatten alles auf die eine Karte der allgemeinen europäischen Revolution gesetzt. Als diese Karte nicht herauskam, waren sie in eine Bahn gedrängt, die ihnen unlösbare Aufgaben stellte.“27

Die Bolschewiki wurden mit ihrer Revolution im wahrsten Sinne des Wortes sitzengelassen. Sie fanden sich daher vor Aufgaben wieder, die sie ursprünglich gar nicht gestellt hatten. Dem mußte zweifellos Rechnung getragen werden. Die Einführung der Neuen Ökonomischen Politik (NEP), die auf Formen der Marktwirtschaft und des bürgerlichen Privateigentums zurückgriff, um die Produktion anzukurbeln, war alles andere als ein Schritt Richtung Aufbau des Sozialismus, sondern vielmehr ein Eingeständnis der eigenen Schwäche. Lenin selbst, der die NEP entschieden forcierte und ihre Unumgänglichkeit propagierte, bezeichnete sie als „eine ernste Niederlage (….) und einen strategischen Rückzug“28

Eine positive Aufhebung dieses Dilemmas durch deren Internationalisierung hat jedenfalls nicht stattgefunden. Absichten und Möglichkeiten klafften mit dem Verebben der Revolution in den zwanziger Jahren immer mehr auseinander. Die Sicherung der Macht wurde zur entscheidenden Größe der sowjetischen Politik. Der Bürgerkrieg und das Ausbleiben der Revolution im Westen beschleunigten und bedingten die Installierung des bolschewistischen Gewalt-, und später offenen Terrorregimes. Auf dem Niveau sowjetischer Produktivkräfte konnte das auch gar nicht anders sein.

Sozialismus in einem Lande

Es gab aber auch noch die Möglichkeit, dieses Dilemma wegzuschieben, indem man die ursprüngliche Problemstellung ganz einfach leugnete. Vertreter dieses Standpunktes waren vor allem Josef Stalin und Nikolai Bucharin. Sie interpretierten die real existierende Sowjetunion in einen real existierenden Sozialismus um. Bucharin erschuf dafür eigens die dem wissenschaftlichen Sozialismus völlig wesensfremde Theorie des Sozialismus in einem Lande.29

Die bedeutendste und umfassendste Kritik dieser Theorie, die wir als Quintessenz des Stalinismus begreifen, lieferte kein Geringerer als der in die Verbannung und später ins Exil getriebene Trotzki. Er sah in der Diktatur des Proletariats keine Stufe, sondern bloß eine Vorstufe des Sozialismus. Sie sei unumgänglich, sollte aber nicht zum Bild einer zukünftigen Gesellschaft uminterpretiert werden: „Die Diktatur des Proletariats war für die Bolschewiki die Brücke zur Revolution im Westen. Die Aufgabe der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft wurde als eine ihrem Wesen nach internationale Aufgabe erklärt.“30

Im Gegensatz zur Theorie des Sozialismus in einem Lande ist ihm die russische Revolution von untergeordneter Bedeutung. Sie ist Bestandteil, niemals Selbstzweck. Nach der Niederlage der europäischen Revolution waren es aber gerade die Thesen von Bucharin und Stalin, die scheinbar konstruktiv dieses Dilemma aufzulösen vermochten, wohingegen Trotzki oder Sinowjew durch ihr weiteres Setzen auf die Internationalisierung der Umwälzung scheinbar völlig utopischen Konzepten anhingen. Die Schwäche der Weltrevolution wurde zur Schwäche ihrer Protagonisten.

Während Trotzki und die Linke Opposition den Sozialismus weiterhin als internationales Projekt und als internationalistische Aufgabe verstanden, akzeptierten Stalin und Bucharin diese Niederlage und konzentrierten sich auf das aktuell Mögliche. Darin lag ihre Stärke und auch ein Grund, warum sie sich in Partei und Gesellschaft durchsetzen konnten. Ihr großes Manko war, daß sie diesen objektiv notwendigen Rückzug ideologisierten, d.h. die beschränkten Möglichkeiten des Sowjetstaates als Sozialismus affirmierten. Die Behauptung, daß es möglich sei, den Sozialismus isoliert und noch dazu in einem rückständigen Land aufzubauen, war nichts anderes als die Kapitulation (nicht zu verwechseln mit der Anerkennung) vor und nach dieser Niederlage, eine Uminterpretation des Erreichten, indem man es zum Ziel erklärte.

Der zentrale Gedanke Trotzkis in seiner Auseinandersetzung mit der stalinistischen Theorie und Praxis vom „Sozialismus in einem Lande“ ist folgender: „Die sozialistische Revolution beginnt auf nationalem Boden. Sie kann aber nicht auf diesem Boden vollendet werden. Die Aufrechterhaltung der proletarischen Revolution im nationalem Rahmen kann nur ein provisorischer Zustand sein, wenn auch, wie die Erfahrung der Sowjetunion zeigt, einer von langer Dauer. Bei einer isolierten proletarischen Diktatur wachsen die inneren und äußeren Widersprüche unvermeidlich zusammen mit den wachsenden Erfolgen. Isoliert bleibend, muß der proletarische Staat schließlich ein Opfer dieser Widersprüche werden. Ausweg besteht für ihn nur in dem Siege des Proletariats der fortgeschrittenen Länder.“31

Nationaler Sozialismus?

In einer kapitalistisch dominierten Welt gibt es für Trotzki keinen nationalen Sozialismus: „Würde sich die Revolution in den entwickelten kapitalistischen Ländern um Jahrzehnte verzögern, so würde die Diktatur des Proletariats in der Sowjetrepublik unweigerlich den eigenen wirtschaftlichen Widersprüchen zum Opfer fallen, möglicherweise in Verbindung mit einer militärischen Intervention. In der Sprache der Politik heißt das: Das Schicksal der Sowjetrepublik hängt unter den oben skizzierten Bedingungen sowohl von der wirtschaftlichen Führung im Inneren als auch der Führung des revolutionären Kampfes der internationalen Proletariats ab. Letztlich ist der zweite Faktor entscheidend.“32

Trotzki hielt am alten bolschewistischen Revolutionsmodell der Komintern fest, allerdings unabhängig von den jeweiligen Chancen. Für ihn blieb weiterhin die Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung ohne Revolutionierung des Westens, d.h. der entwickelten kapitalistischen Länder, ein Ding der Unmöglichkeit: „Die sozialistische Gesellschaftsordnung setzt eine hohe Technik, eine hohe Kultur und eine hohe Solidarität der Bevölkerung voraus.“33 Der Sozialismus ist gebunden an ein hohes Niveau der Produktivkräfte34 und kann nicht unabhängig von einem von überlegenen Mächten geprägten Weltmarkt aufgebaut werden.35 Erstere waren in der nachrevolutionären Sowjetunion ganz einfach zu niedrig um auf dem internationalen kapitalistischen Markt bestehen zu können: „Die internationale Arbeitsteilung und der internationale Charakter der gegenwärtigen Produktivkräfte behalten nicht nur ihre Bedeutung, sondern sie werden diese Bedeutung für die Sowjetunion mit deren ökonomischen Aufstieg verdoppeln und verzehnfachen.“36

Das von Stalin (und später auch von Chruschtschow) propagierte Überholen der Weltwirtschaft – dazu verleiteten wohl die allzu guten Wirtschaftsdaten in dieser Zeit der nachholenden ursprünglichen Akkumulation, man glaubte diese einfach hochrechnen zu können – nannte Trotzki daher schlichtweg „ein Hirngespinst“37.

Die Machtübernahme ist in der Trotzkischen Theorie zwar eine Voraussetzung des Sozialismus, darf jedoch nicht mit diesem verwechselt werden. Die Sowjetunion war daher niemals sozialistisch. In der Trotzkischen Theorie werden die Sowjetunion, deren Satellitenstaaten als auch erfolgreiche revolutionäre Regimes in der Dritten Welt als Übergangsgesellschaften38 bzw. als bürokratische deformierte Arbeiterstaaten bezeichnet.

Über den Klassencharakter der Sowjetunion schrieb Trotzki: „Die widerspruchsvollen Prozesse in Wirtschaft und Politik der UdSSR entwickeln sich auf der Grundlage der Diktatur des Proletariats. Der Charakter eines gesellschaftlichen Regimes wird vor allem durch die Eigentumsverhältnisse bestimmt. Die Grundlage der Gesellschaftsstruktur der UdSSR ist die Verstaatlichung des Bodens, der Mittel der industriellen Produktion und des Warentauschs – bei staatlichem Außenhandelsmonopol. Die durch die Oktoberrevolution enteigneten Klassen, die sich neu bildenden Elemente der Bourgeoisie und die bourgeoisen Teile der Bürokratie, könnten das Privateigentum an Boden, Banken, Fabriken, Betrieben, Eisenbahnen usw. nur auf dem Wege eines konterrevolutionären Umsturzes wiederherstellen. Durch diese Eigentumsverhältnisse, die den Klassenverhältnissen zugrundeliegen, ist für uns der Charakter der Sowjetunion als proletarischer Staat bestimmt.“39

Keinesfalls kann hingegen von einem sozialistischen Charakter dieses ersten proletarischen Staates ausgegangen werden40: „Wo das materielle Lebensniveau der überwiegenden Mehrheit noch so niedrig ist, daß das Eigentum an Brot und Stiefeln von Erschießungskommandos geschützt werden muß, klingt das Gerede von der angeblichen Verwirklichung des Sozialismus wie eine infame Verhöhnung der Menschen.“41

Trotzki war hier weiter als er dachte. Die permanente Unterscheidung in proletarisch und sozialistisch wurde bei ihm aber bloß als hypothetischer Ansatzpunkt gewählt, nicht jedoch inhaltlich zugespitzt. Die proletarische Zwischenstufe wurde so lediglich als bürokratische Deformation wahrgenommen, nicht als etatistisch geprägte nachholende Entwicklung eines warenproduzierenden Systems. Der Kapitalismus konnte in der Sowjetunion nie überwunden werden, so wenig es auch Kapitalisten geben mochte. Dafür sprechen viele von der Sowjetregierung durchgesetzte Maßnahmen inklusive Begrifflichkeit: Taylorismus, Mehrwertaneignung, ursprüngliche sozialistische Akkumulation etc. Der Markt konnte nie abgeschafft werden – das zeigte auch das traurige Experiment des Kriegskommunismus -, er wurde lediglich geplant. Hierin besteht zwischen Trotzki und Stalin übrigens ein fundamentaler Konsens.

Trotzkis Analyse, aber auch all seine Attacken verbleiben auf der Ebene politischer Auseinandersetzungen. Sie leisten hier Bedeutendes, doch dringen sie nie zur Kritik der bestehenden ökonomischen Gesellschaftsformation durch. Der Mangel an Wertformanalyse und Wertkritik ist bei Trotzki noch deutlicher als bei Lenin. Trotzki dachte den Sozialismus stets zentriert auf die rechtliche Eigentumsform der Ware, nicht jedoch bezogen auf die inhaltliche Eigentümlichkeit der Ware. Für die Kritik der politischen Ökonomie – man muß es so hart aussprechen – hatte der Bolschewikenführer wenig Verständnis, zumindest fließt jene kaum in seine Überlegungen ein. Was Trotzkis Artikel und Bücher erhellen, das verdunkelen sie gleichzeitig wieder in kurzsichtigen politischen Losungen wie eben jener der „politischen Revolution“, die die Stalinsche Herrschaft stürzen und einen authentischen Sozialismus errichten sollte. Daß die Hoffnungen Trotzkis in ihrer bornierten Form Unsinn gewesen sind, offenbarte sich – welch Ironie der Geschichte – gerade mit dem Fall der stalinistischen Regimes 1989.

Antiimperialistische Revolution

Der ‚Gang der Weltrevolution‘ meinte es nicht gut mit den Bolschewiki. Die Revolution folgte nicht in den entwickelten Ländern, sondern in noch weiter rückständigen Gebieten als der späteren Sowjetunion. Die Weltrevolution nahm ihren Weg über die Dritte Welt und nicht über Europa oder Nordamerika. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung können wir mit Rudolf Bahro die russische Revolution durchaus als „die erste antiimperialistische Revolution“42 bezeichnen. Sie wurde beispielwirkend für die nationalen Befreiungsbewegungen in Asien, Afrika und Lateinamerika, während sie – vor allem mit den Moskauer Schauprozessen und der Etablierung der Diktaturen des Ostblocks – für die westlichen Zentren zusehends Anziehungskraft verlor.

Die Isolierung wurde damit jedoch nur scheinbar durchbrochen. Sowohl die nationalen Befreiungsbewegungen als auch die nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Sowjeteinfluß stehenden Ostblockstaaten konnten dieses Dilemma, in das der Sozialismus durch seine unverschuldete Abkapselung geraten war, nicht aufheben. Das Problem wurde nur hinausgezögert, die Schwierigkeiten blieben. Die zum Selbstzweck gewordenen Werkzeuge der Macht, die mit Zwang und offener Repression den mangelnden Konsens ersetzen mußten, konnten in der vom Kapitalismus geprägten Welt nicht von Dauer sein.

Trotz alledem sollte die emanzipatorische Rolle der Sowjetunion (und auch Chinas) und ihrer Verbündeten für die Dritte Welt nicht vergessen werden. Bei nüchterner Betrachtung war es vor allem die sowjetische und chinesische Militärmacht, die diesen Befreiungsbewegungen Rückendeckung gab. Nicht uneigennützig, aber doch. Inwiefern diese Abhängigkeit eine günstige war, ist da eine andere Frage. Hervorzuheben bleibt jedoch, daß bis vor kurzem beinahe alle Revolutionäre in den unterentwickelt gehaltenen Ländern auf die Unterstützung der Sowjetunion setzten und selbst einen positiven Bezug zu ihr entwickelten oder entwickeln mußten. „Wie weit die sozialistischen Länder auch entfernt sind, immer wird ihr positiver Einfluß auf die kämpfenden Völker spürbar sein, und ihr erzieherisches Beispiel wird ihnen größere Kraft geben“,43 meinte etwa Ernesto Che Guevara 1963.

Der reale Sozialismus hatte jedenfalls mit einem wirklichen Sozialismus nichts zu schaffen, er blieb, um einen Ausdruck Rudolf Bahros zu verwenden, „protosozialistisch“44 Das isolierte Rußland war nach 1917 ökonomisch wie politisch nicht reif zum Übergang zu einer höheren Gesellschaftsordnung. Das Übergangsregime, die Diktatur des Proletariats, von der mittelfristig nur die Diktatur überbleiben konnte, war somit dem Untergang geweiht. Das Regime Stalin und seiner Nachfolger offenbarte bloß den verzweifelten Kampf, diesem Schicksal zu entgehen. Daran hätte auch eine Regierung Trotzki-Sinowjew nichts geändert, bestenfalls hätte sie die Sowjetunion vor den Moskauer Schauprozessen oder dem Hitler-Stalin-Pakt bewahrt, schlechtestenfalls aber auch Europa in einen aussichtslosen Bürgerkrieg getrieben.

Das Grunddilemma war so nicht aufzuheben. Der Kapitalismus sollte zwar an seinen schwächeren Gliedern einbrechen, mit den schwächeren Gliedern alleine läßt sich aber keine den stärkeren Gliedern überlegene Formation gestalten. Der Sozialismus in einem Lande war so gesehen eine reine Illusion, auch dann noch, als sich der sowjetische Herrschaftsbereich zu einem Block ausweitete. Das Schicksal der russischen Revolution war schon mit der Niederlage der europäischen Revolution besiegelt: „Die sowjetische Tragödie muß begriffen werden. Sie beruht darauf, daß die russische sozialistische Bewegung des Jahrhundertanfangs objektiv eine andere Aufgabe zu erfüllen vorfand als die, zu der sie sich berufen glaubte.45 Von einem Sozialismus oder gar Kommunismus konnte in der Sowjetunion nie die Rede sein. Um so mehr wurde davon aber geredet.

Paradigmendesaster

Das Dilemma der Russischen Revolution wurde zum Dilemma der Weltrevolution. Das Dilemma bestand darin, daß gerade jene erfolgreiche Revolutionen durchführen, und zur Umwälzung fähig sind, die auf die Etablierung einer sozialistischen Gesellschaft, d.h. solidarische Produktion, Distribution und Kommunikation auf einem entsprechend hohen Niveau der Produktivkräfte, eigentlich keine Chance haben. Was herauskam, sind – und das trotz aller unleugbaren positiven Maßnahmen – linke Zwangsregimes auf niedrigem Produktions- und Konsumniveau.

Die Mißstände, die zu permanenten Zuständen geworden waren, konnten unter den gegebenen, ökonomisch bestimmten internationalen Herrschaftsverhältnissen nicht überwunden werden. Wie schrieb doch Friedrich Engels in seiner klassischen Broschüre über den Deutschen Bauernkrieg: „Es ist das Schlimmste, was dem Führer einer extremen Partei widerfahren kann, wenn er gezwungen wird, in einer Epoche die Regierung zu übernehmen, wo die Bewegung noch nicht reif ist für die Herrschaft der Klasse, die er vertritt, und für die Durchführung der Maßregeln, die die Herrschaft dieser Klasse erfordert. Was er tun kann, hängt nicht von seinem Willen ab, sondern von der Höhe, auf die der Gegensatz der Klassen getrieben ist, und von dem Entwicklungsgrad der materiellen Existenzbedingungen, der Produktions- und Verkehrsverhältnisse, auf dem der jedesmalige Entwicklungsgrad der Klassengegensätze beruht. Was er tun soll, was seine eigne Partei von ihm verlangt, hängt wieder nicht von ihm ab, aber auch nicht von dem Entwicklungsgrad des Klassenkampfs und seiner Bedingungen; er ist gebunden an seine bisherigen Doktrinen und Forderungen, die wieder nicht aus der momentanen Stellung der gesellschaftlichen Klassen gegeneinander und aus dem momentanen, mehr oder weniger zufälligen Stande der Produktions- und Verkehrsverhältnisse hervorgehn, sondern aus seiner größeren oder geringeren Einsicht in die allgemeinen Resultate der gesellschaftlichen und politischen Bewegung. Er findet sich so notwendigerweise in einem unlösbaren Dilemma: Was er tun kann, widerspricht seinem ganzen bisherigen Auftreten, seinen Prinzipien und den unmittelbaren Interessen seiner Partei; und was er tun soll, ist nicht durchzuführen. (Hvhb. von F.S.) Er ist, mit einem Wort, gezwungen, nicht seine Partei, seine Klasse, sondern die Klasse zu vertreten, für deren Herrschaft die Bewegung gerade reif ist. Er muß im Interesse der Bewegung selbst die Interessen einer fremden Klasse durchführen und seine eigne Klasse mit Phrasen und Versprechungen, mit der Beteuerung abfertigen, daß die Interessen jener fremden Klasse ihre eignen Interessen sind. Wer in diese schiefe Stellung gerät ist unrettbar verloren.“46

Was Engels in der folgenden Passage über Münzer schrieb, trifft auch auf Lenin oder Trotzki und noch stärker auf Stalin oder Bucharin zu: „Der gesellschaftliche Umschwung, der seiner Phantasie vorschwebte, war noch so wenig in den vorliegenden materiellen Verhältnissen begründet, daß diese sogar eine Gesellschaftsordnung vorbereiteten, die das gerade Gegenteil seiner geträumten Gesellschaftsordnung war.“47

Kurz und Klein

Eine völlige Neuinterpretation der Oktoberrevolution und der aus ihr direkt oder indirekt hervorgegangenen Regimes haben Robert Kurz und Peter Klein vorgenommen. Sie kennzeichnen die Sowjetunion als eine Gesellschaft der nachholenden Modernisierung innerhalb des Kapitalismus: „Ironischerweise und im Gegensatz zu allen linsradikalen Legenden fand die Revolution im Westen ebendeswegen nicht statt, weil der Westen schon weiter entwickelt war und ihrer für den nächsten Schritt bürgerlicher Modernisierung gar nicht bedurfte.“48 Und: „Der besondere, nachholende Charakter eines kapitalistischen Basisprozesses erzwang ein Regime, das absolutistischer als der Absolutismus und kriegswirtschaftlicher als die Kriegswirtschaft zu sein hatte.“49 Der Ost-West-Konflikt war für Kurz daher ein ideologisches Mißverständnis, vielmehr handelte es sich um „die Auseinandersetzung zweier ungleichzeitiger historischer Stufen ein und desselben warenproduzierenden Systems.“50

Diese Sichtweise ist aber nichtsdestotrotz ausgesprochen proleninistisch, da ja gerade die Kommunisten gewesen sind, die die Weichen ebendieser Modernisierung gestellt haben. Zur bolschewistischen Herrschaft habe es dazumals keine Alternativen gegeben, weder rechts noch links davon. Die Bolschewiki werden hier nicht primär dafür kritisiert, was sie taten oder unterließen, sondern, daß sie glaubten, daß ihr Wollen wirklich zum Sozialismus führen konnte. Andererseits war freilich dieser Überzeugung die stärkste Grundlage der Motivation. „Die Crux der Angelegenheit liegt nicht im energischen Willen der Veränderung, sondern in dem Glauben, daß dieser Wille auch noch hinausreichen könnte über jene Vergesellschaftungsform, der er selbst angehört. Ihrem Begriff nach ist die sozialistische Revolution die Aufhebung sowohl der Warenform der Produkte als auch der Willensform der menschlichen Subjektivität.“51 Darin äußert sich auch „das Dilemma der alten Arbeiterbewegung: den (vermeintlichen) antikapitalistischen Kampf führen zu müssen in einer Epoche, die dem Ziel des Kampfes, dem Sozialismus, keine realistische Aussicht auf Erfolg eröffnete.“52

Das Dilemma der Revolution konstatiert ein eklatantes Auseinanderklaffen von revolutionärem Wollen und nachrevolutionärer Wirklichkeit. Die Möglichkeiten der Machtübernahmen und die Möglichkeiten der Systemtransformierung waren nicht identisch. Von Rußland bis Vietnam entstanden so Staaten, deren Verfaßtheit zurecht als Diktatur bezeichnet werden kann. Doch Diktaturen sind nichts anderes als bürgerlich-etatistische Zwangsregime. Nur der Kapitalismus kennt Diktatur und Demokratie. Sowohl für vor- als auch für nachkapitalistische Zustände sind dieses Gegensatzpaar wie die Begriffe selbst völlig unbrauchbar.

Die erste Welle des Sozialismus konnte sich in all ihren Ausprägungen (Sozialdemokratie, Bolschewismus, Dritte Wege, Anarchismus) noch nicht vom bürgerlichen Grundcharakter ihrer Epoche lösen. Sie blieb in ihm befangen, um einerseits offen zu kapitulieren oder sich andererseits ins sektiererische Eck zu manövrieren. Ein konsequenter Weg zwischen Opportunismus und Sektierertum war in diesen Jahrzehnten nie möglich gewesen. Das Beste war noch ein Lavieren zwischen diesen Agbleitflächen, doch auch das verhinderte nicht den Absturz. Eine Alternative wurde also nicht verabsäumt.

Mit 1989 ist die Periode der Oktoberrevolution endgültig vorbei, weil erledigt. Auf der Ebene der alten Konflikte sind nur noch Perchtenläufe und Gespensterdebatten möglich. Eine zukünftige Linke wird nicht antibolschewistisch sein – das wäre ein absurdes Verleugnen der eigenen Geschichte, sie wird aber auch nicht bolschewistisch sein – das wäre eine völlige Verkennung aktueller Aufgaben. Der Bolschewismus (Leninismus, Stalinismus, Trotzkismus) ist endgültig zu Grabe zu tragen, nicht um jemanden eine Freude zu tun, sondern einfach in der Erkenntnis, daß dieses Kapitel des Kommunismus abgeschlossen ist. Der Kommunismus der Zukunft hat mit dem Bolschewismus so viel zu tun wie der Computer mit Hammer und Sichel.

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1) Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution (1931/34), Frankfurt am Main 1982, S. 1006.

2) Wladimir I. Lenin, Brief aus der Ferne (1917), Werke, Bd. 23, S. 320; Wladimir I. Lenin, Einige Thesen (1915), Werke, Bd. 21, S. 408.

3) Wladimir I. Lenin, Einige Thesen, S. 409.

4) Wladimir I. Lenin, Die Niederlage Rußlands und die revolutionäre Krise (1915), Werke, Bd. 21, S. 385.

5) Wladimir I. Lenin, Über die zwei Linien der Revolution (1915), Werke, Bd. 21, S. 426-427.

6) Wladimir I. Lenin, Über die Aufgaben des Proletariats in der gegenwärtigen Revolution (1917), Werke, Bd. 24, S. 1-8, v.a. S. 45.

7) Wladimir I. Lenin, Briefe über die Taktik (1917), Werke, Bd. 24, S. 28.

8) Karl Radek, Ist die russische Revolution eine bürgerliche Revolution?, Die Internationale, Jahrgang 3, Heft 18/19, 15. Dezember 1921, S. 650.

9) Wladimir I. Lenin, Die russische Revolution und der Bürgerkrieg. Man schreckt mit dem Bürgerkrieg (1917), Werke, Bd. 26, S. 24.

10) Wladimir I. Lenin, Sitzung des Zentralkomitees der SDAPR(B), 16.(29.) Oktober 1917, Werke, Bd. 26, S. 180.

11) Wladimir I. Lenin, Sitzung des gesamtrussischen Zentralexekutivkomitees, 4.(17.) November 1917, Werke, Bd. 26, S. 286.

12) Wladimir I. Lenin, Das Militärprogramm der proletarischen Revolution (1916), Werke, Bd. 23, S. 74.

13) Wladimir I. Lenin, Die Stärke der Kette wird durch die Stärke ihres schwächsten Gliedes bestimmt (1917), Werke, Bd. 24, S. 522.

14) Leo Trotzki, Der Charakter der russischen Revolution (1917), Wien 1921, S. 53.

15) Leo Trotzki, Die permanente Revolution (1929); in: ders., Ergebnisse und Perspektiven/Die permanente Revolution. Mit Einleitungen von Helmut Dahmer und Richard Lorenz, Frankfurt am Main, 2. Aufl. 1975, S. 138.

16) Leo Trotzki, Der Charakter der russischen Revolution, S. 49.

17) Leo Trotzki, Die Wirtschaftslage Sowjet-Rußlands vom Standpunkt der Aufgaben der Sozialistischen Revolution, Kommunistische Korrespondenz, Nr. XI/XII, 1922, Band III/2, Erlangen 1971, S. 733.

18) Wladimir I. Lenin, Entwurf des Programms der KPR (1919), Werke, Bd. 29, S. 97.

19) Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, S. 1036.

20) Ebenda, S. 1021.

21) Nikolaj Bucharin, Vom Sturz des Zarismus bis zum Sturz der Bourgeoisie, Berlin 1919, S. 7.

22) N. Bucharin/E. Preobraschensky, Das ABC des Kommunismus. Populäre Erläuterung des Programms der Kommunistischen Partei Rußlands (Bolschewiki), I. Teil und II. Teil, Wien 1920.

23) Ebenda, I. Teil, S. 5.

24) Ebenda, II. Teil, S. 5.

25) Wladimir I. Lenin, III. Kongreß der Kommunistischen Internationale. 22. Juni – 12. Juli 1921, Werke, Bd. 32, S. 502-503.

26) Grigorii Sinowjew, Die Kommunistische Internationale. Bericht des Genossen Sinowjew auf dem 8. Kongreß der Kommunistischen Partei Rußlands vom 20. März (1919), Die Internationale, Jahrgang 1, Heft 7/8, 19. Juli 1919, S. 32.

27) Karl Kautsky, Die Diktatur des Proletariats, S. 29. Kautsky selbst hing übrigens einem anderen Optimismus an. Im Westen sah er den Sozialismus tatsächlich vor der Türe stehen: „Und wir brauchen diesen Zustand nicht in eine ferne Zukunft versetzen. In einer Reihe von Industriestaaten scheinen bereits die materiellen und ideellen Vorbedingungen des Sozialismus in ausreichendem Masse vorhanden zu sein. Die Frage der politischen Herrschaft des Proletariats ist bloß noch eine Frage der Macht, vor allem der Geschlossenheit des Proletariats zu entschlossenem Klassenkampf.“ (S. 42-43) Ein Optimismus, der ebenfalls durch die historischen Ereignisse entscheidend korrigiert, verkehrt wurde.

28) Wladimir I. Lenin, Die Neue Ökonomische Politik und die Aufgaben der Ausschüsse für Politisch-Kulturelle Aufklärung (1921), Werke, Bd. 33, S. 43.

29) Vgl. dazu etwa: Nikolai Bucharin, Die Ergebnisse des XIV. Parteitags der KPdSU. Referat in der Funktionärsversammlung der Moskauer Parteiorganisation am 5. 1. 1926; in: Ulf Wolter(Hg.), Die Linke Opposition in der Sowjetunion 1923-1928, Band III. Texte von 1925 bis 1926, Westberlin 1976, S. 466-474.

30) Leo Trotzki, Geschichte der russischen Revolution, S. 1007.

31) Leo Trotzki, Die permanente Revolution, S. 28-29. Vgl. auch die ähnliche Formulierung auf S. 161.

32) Leo Trotzki, Zum 12. Jahrestag der Oktoberrevolution (1929), Schriften 1, Band 1.1., S. 132.

33) Leo Trotzki, Die permanente Revolution, S. 12.

34) Leo Trotzki, Erfolge des Sozialismus und Gefahren des Abenteurertums (1930), Schriften 1. Sowjetgesellschaft und stalinistische Diktatur, Band 1.1. (1929-1936), Hamburg 1988, S. 132.

35) Ebenda, S. 260.

36) Leo Trotzki, Die permanente Revolution, S. 14.

37) Leo Trotzki, Zum 12. Jahrestag der Oktoberrevolution (1929), Schriften 1, Band 1.1, S. 132.

38) Leo Trotzki, Verratene Revolution. Was ist die UdSSR und wohin treibt sie? (1936), Schriften 1. Sowjetgesellschaft und stalinistische Diktatur, Band 1.2. (1936-1940), Hamburg 1988, S. 737, 957. Vgl. zu dieser Begrifflichkeit weiters: Ernest Mandel, Politische Ökonomie der Übergangsperiode, Die Internationale (hg. von der Gruppe Internationaler Marxisten (GIM), Deutsche Sektion der IV. Internationale), Sondernummer 3, Westberlin o.J., S. 3-48.

39) Leo Trotzki, Probleme der Entwicklung der UdSSR. Entwurf einer Plattform der Internationalen Linken Opposition zur russischen Frage (1931), Schriften 1, Band 1.1, S. 266.

40) Leo Trotzki, Erfolge des Sozialismus und Gefahren des Abenteurertums, S. 249.

41) Leo Trotzki, Die neue Verfassung der UdSSR (1936), Schriften 1, Band 1.1, S. 663.

42) Rudolf Bahro, Die Alternative. Zur Kritik des real existierenden Sozialismus, Köln-Frankfurt am Main 1977, S. 58.

43) Ernesto Che Guevara, Guerillakrieg: eine Methode (1963), Politische Schriften. Eine Auswahl, Berlin(West) 1976, S. 28.

44) Rudolf Bahro, Die Alternative, S. 25.

45) Ebenda, S. 23.

46) Friedrich Engels, Der deutsche Bauernkrieg (1850), MEW, Bd. 7, S. 400-401.

47) Ebenda, S. 401-402.

48) Robert Kurz, Der Kollaps der Modernisierung. Vom Zusammenbruch des Kasernensozialismus zur Krise der Weltökonomie, Frankfurt am Main 1991, S. 51.

49) Ebenda, S. 63.

50) Ebenda, S. 222.

51) Peter Klein, Die Illusion von 1917. Die alte Arbeiterbewegung als Entwicklungshelferin der modernen Demokratie, Unkel/Rhein und Bad Honnef 1992, S. 87.

52) Ebenda, S. 69.