31.12.1997  Beitrag drucken

Kommunismus oder Klassenkampf?

aus: Weg und Ziel 3/1997

Franz Schandl

Daß das mit dem Klassenkampf schon lange nicht mehr so funktioniert, wie die gesamte Linke es einst haben wollte, ist evident. Da tut sich einfach nichts mehr. Selbst wenn es irgendwo ein Aufflackern alter Kämpfe gibt, etwa im Pariser Dezember 1995, kommt dies nicht über ein Strohfeuer hinaus. Kaum, daß uns etwas in Erinnerung bleibt.

Gemeinhin war man in der Linken davon ausgegangen, daß die Begrifflichkeit, die sich positiv auf den Klassenkampf und seine Kategorien bezieht, zum essentiellen Bestandteil sozialistischer Theorie und Praxis gehört. Der Konsens reichte hier von den Sozialdemokraten bis zu den Kommunisten, von Gewerkschaftern bis hin zu Anarchisten und Linksradikalen. Differenzen gab es anderswo.

Am Jargon erkannte man sie. Vor allem an der Inflationierung martialischer Vokabel: Klassenkampf, Klassenfront, Klassenlinie, Klassenkader, Klassenverrat, Klassenjustiz, Klassenherrschaft. Das Martialische schreckt inzwischen freilich niemanden mehr, es ist nur noch lächerlich. Außer den Ablegern orientalischer K-Sekten hat man sich von dieser Terminologie daher auch weitgehend verabschiedet, oder besser: davongestohlen.

Vielleicht könnte man jetzt meinen, daß dieser Abgesang eigentlich unnötig ist, da der Klassenkampf ja sowieso schon praktisch desavouiert sei. Das mag teilweise stimmen. Doch so flüchtig das alte Getöse, so zäh sind die Inhalte. Die gegenwärtigen Schwierigkeiten bei der Führung und Gestaltung des Klassenkampfs werden vielfach als vorübergehende Schwächen entziffert, nicht als Verlust eines ganzen Universums.

Von außen

Vorerst einmal gilt es auf einen äußerst interessanten Gesichtspunkt zu verweisen. In der II. und III. Internationale wurde Klassenbewußtsein nicht als das wirkliche Bewußtsein der Proletarier verstanden, sondern das ihnen objektiv zugerechnete: „Die rationelle Reaktion nun, die auf diese Weise seiner bestimmten typischen Lage im Produktionsprozeß zugerechnet wird, ist das Klassenbewußtsein“,(1) behauptete etwa der ungarische Marxist Georg Lukacs.

Gleichgesetzt wurden hingegen Klassenbewußtsein und wissenschaftlicher Sozialismus. In der berühmten Kautsky-Stelle, die auch Lenin in „Was tun?“ zitieren sollte, liest sich das so: „Der Sozialismus als Lehre wurzelt allerdings ebenso in den heutigen ökonomischen Verhältnissen wie der Klassenkampf des Proletariats, entspringt ebenso wie dieser aus dem Kampf gegen die Massenarmut und das Massenelend, das der Kapitalismus erzeugt; aber beide entstehen nebeneinander, nicht auseinander, und unter verschiedenen Voraussetzungen. Das moderne sozialistische Bewußtsein kann nur erstehen auf Grund tiefer wissenschaftlicher Einsicht. (….) Der Träger dieser Wissenschaft ist aber nicht das Proletariat, sondern die bürgerliche Intelligenz, in einzelnen Mitgliedern dieser Schicht ist denn auch der moderne Sozialismus entstanden und durch sie erst geistig hervorragenden Proletariern mitgeteilt worden, die ihn dann in den Klassenkampf des Proletariats hineintragen, wo die Verhältnisse es gestatten. Das sozialistische Bewußtsein ist also etwas in den Klassenkampf des Proletariats von außen Hineingetragenes, nicht etwas aus ihm urwüchsig Entstandenes. Dem entsprechend sagt auch das alte Hainfelder Programm ganz richtig, daß es zu den Aufgaben der Sozialdemokratie gehöre, das Proletariat mit dem Bewußtsein seiner Aufgabe zu erfüllen. Das wäre nicht notwendig, wenn dieses Bewußtsein von selbst aus dem Klassenkampf entspränge.“(2)

Konsens war jedenfalls gewesen, daß der Sozialismus/das Klassenbewußtsein nicht organisch aus der Klasse erwachsen konnte, daher eine Sonderorganisation, die Partei notwendig sei: „Die Partei ist nämlich nicht nur das organisierte Klassenbewußtsein, sondern auch der organisierte Wille“,(3) wußte Trotzki wohl im Einklang mit allen anderen Sozialisten seiner Zeit. Oder Lukacs noch deutlicher: „Die kommunistische Partei ist eine – im Interesse der Revolution – selbständige Gestalt des proletarischen Klassenbewußtseins.“(4)

Unter die Fittiche

Auch Lenin und die russischen Bolschewiki standen vollkommen in dieser Tradition. Daß das Klassenbewußtsein „von außen“ in die Klasse hineingetragen werden mußte, daß Klassenbewußtsein und wissenschaftlicher Sozialismus identisch sind, ist also nicht typisch „leninistisch“. Lenin ging vielmehr in diesen Fragen nicht über das Marxismusverständnis der II. Internationale hinaus, ja verstand sich geradezu als treuester Rezipient. Eine Auseinanderdividierung von Kautsky und Lenin in puncto „von außen“, wie sie etwa von Hans-Jürgen Krahl vorgenommen wird, indem er Kautsky kathedersozialistische Intentionen unterschiebt, hingegen die Leninsche Interpretation als authentischen Marxismus gelten läßt, erscheint uns äußerst willkürlich.(5)

„Wir haben gesagt“, schreibt Lenin 1902 in „Was tun?“, „daß die Arbeiter ein sozialdemokratisches Bewußtsein gar nicht haben konnten. Dies konnte ihnen nur von außen gebracht werden. Die Geschichte der Länder zeugt davon, daß die Arbeiterklasse ausschließlich aus eigener Kraft nur ein trade-unionistisches Bewußtsein hervorzubringen vermag, d.h. die Überzeugung von der Notwendigkeit, sich in Verbänden zusammenzuschließen, einen Kampf gegen die Unternehmer zu führen, der Regierung diese oder jene für die Arbeiter notwendigen Gesetze abzutrotzen u.a.m. Die Lehre des Sozialismus ist hingegen aus den philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien hervorgegangen, die von den gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz ausgearbeitet wurden.“(6)

In diesem Zitat sind die elementarsten Aussagen Lenins bezüglich Arbeiterklasse und Klassenbewußtsein komprimiert zusammengefaßt:

  1. Klassenbewußtsein ist gleichzusetzen mit wissenschaftlichem Sozialismus.
  2. Träger des wissenschaftlichen Sozialismus (= Klassenbewußtsein) ist die (bürgerliche) Intelligenz;
  3. Die Arbeiterklasse ist alleine nur zu gewerkschaftlichem Bewußtsein befähigt;
  4. Das Klassenbewußtsein, d.h. der wissenschaftliche Sozialismus muß „von außen“ in die Klasse getragen werden.

Die Rolle der Partei lag daher vor allem in:

1. Der Vertretung und Führung der Arbeiterbewegung: „Die Sozialdemokratie ist die Vereinigung von Arbeiterbewegung und Sozialismus, ihre Aufgabe besteht nicht darin, der Arbeiterbewegung in jedem einzelnen Stadium passiv zu dienen, sondern darin, die Interessen der Gesamtbewegung als Ganzes zu vertreten, dieser Bewegung ihr Endziel, ihre politischen Aufgaben zu weisen, ihre politische und ideologische Selbständigkeit zu wahren. Von der Sozialdemokratie losgerissen, verflacht die Arbeiterbewegung und verfällt unweigerlich in Bürgerlichkeit (….).“(7)“Ohne eine solche Organisation ist das Proletariat nicht fähig, sich zum bewußten Kampf zu erheben, ohne eine solche Organisation ist die Arbeiterbewegung zur Ohnmacht verurteilt.“(8)

2. Dem Hineintragen des Klassenbewußtseins/des wissenschaftlichen Sozialismus in die Arbeiterklasse. „Darum besteht unsere Aufgabe, die Aufgabe der Sozialdemokratie im Kampf gegen die Spontaneität, sie besteht darin, die Arbeiterbewegung von dem spontanen Streben des Trade-Unionismus, sich unter die Fittiche der Bourgeoisie zu begeben, abzubringen und sie unter die Fittiche der revolutionären Sozialdemokratie zu bringen.“(9)

Für problematisch bei Lenin und anderen halten wir aber überhaupt nicht die Trennung von Klasse und Sozialismus, das ist eine absolut richtige Erkenntnis (deren Verschüttung übrigens einige der eigenständigen Dummheiten der alten Neuen Linken gewesen ist), problematisch ist vielmehr die zwanghafte Identifizierung von Klassenbewußtsein und wissenschaftlichem Sozialismus.(10) Es ist ja wirklich grotesk, der Klasse zu unterstellen, daß das Bewußtsein der Klasse kein Klassenbewußtsein sein könne, es zu einem solchen erst werde, wenn es von außen befruchtet wird. Genau das taten Kautsky, Lenin oder Lukacs. Der Ansatz der Scheidung war so richtig gewesen, nicht jedoch die dazugehörigen Begrifflichkeiten. Richtiger Ansatz und falscher Schluß haben bei Generationen von Sozialisten ihre Konfusionen hinterlassen. Der Schritt über Klasse, Klassenkampf und Klassenbewußtsein hinaus konnte dazumals freilich nicht getan werden. Der stand einfach nicht auf der Tagesordnung. Lenin war hier auf einer Fährte gewesen, die er – befangen in den Kämpfen seiner Zeit – vorzeitig abbrechen mußte.

Worauf wir in diesem einleitenden Exkurs hinauswollen ist: Die hier vorgeschlagene Trennung von Arbeiterklasse und Sozialismus ist so neu nicht. Nur besteht die Aufgabe heute nicht mehr in der völlig irrealen Verbindung oder gar Verschmelzung der beiden, sondern in der endgültigen Entkoppelung von Kommunismus und Klassenkampf. Was zu zeigen sein wird.

Das herrschende Bewußtsein

Wie ist das nun mit dem Bewußtsein, das die Beherrschten beherrscht? Gehen wir noch einen Schritt weiter zurück. Zitieren wir aus der „Deutsche(n) Ideologie“: „Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. Die Klasse, die die Mittel zur materiellen Produktion zu ihrer Verfügung hat, disponiert damit zugleich über die Mittel zur geistigen Produktion, sodaß ihr damit zugleich im Durchschnitt die Gedanken derer, denen die Mittel zur geistigen Produktion abgehen, unterworfen sind. Die herrschenden Gedanken sind weiter Nichts als der ideelle Ausdruck der herrschenden materiellen Verhältnisse, die als Gedanken gefaßten herrschenden materiellen Verhältnisse; also der Verhältnisse, die eben die eine Klasse zur herrschenden machen, also die Gedanken ihrer Herrschaft.“(11)

Man lese dieses Zitat aber ganz genau, übersetzte es nicht vorschnell und verkürzt mit:

1) Das herrschende Bewußtsein ist das Bewußtsein der Herrschenden.

Genauso stimmt nämlich auch:

2) Das herrschende Bewußtsein ist das Bewußtsein der Beherrschten.

3) Herrschende und Beherrschte sind sich im Bewußtsein einig.

4) Das herrschende Bewußtsein beherrscht die Herrschenden wie die Beherrschten in gleicher Weise, aber mit unterschiedlichen Folgen.

5) Das herrschende Bewußtsein ist auch den Herrschenden eingeherrscht, nicht Ausdruck irgendeines autonomen Willens.

So erscheint das Bewußtsein nicht als von einer äußeren Kraft oktroyiert, sondern als strukturell angelegt. Was hier herausgearbeitet wird, ist die Identität des Denkens und die Identifizierung mit den Verhältnissen, die Klassen wie Gedanken hervorbringen.

Anzumerken ist auch, daß in den blauen Bänden der Begriff Klassenbewußtsein schlichtwegnicht vorkommt. Trotzdem wird er dem jungen Marx nicht ganz zu Unrecht unterstellt. Ein häufig zu diesem Zweck verwendetes Zitat lautet: „Die Herrschaft des Kapitals hat für diese Masse eine gemeinsame Situation, gemeinsame Interessen geschaffen. So ist diese Masse bereits eine Klasse gegenüber dem Kapital, aber noch nicht für sich selbst. In dem Kampf, den wir nur in einigen Phasen gekennzeichnet haben, findet sich diese Masse zusammen, konstituiert sich als Klasse für sich selbst. Die Interessen, welche sie verteidigt, werden Klasseninteressen.“(12) Und weiter: „Inzwischen ist der Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie ein Kampf von Klasse gegen Klasse, ein Kampf, der, auf seinen höchsten Ausdruck gebracht, eine totale Revolution bedeutet. Braucht man sich übrigens zu wundern, daß eine auf dem Klassengegensatz begründete Gesellschaft auf den brutalen Widerspruch hinausläuft, auf den Zusammenstoß Mann gegen Mann als letzte Lösung?“(13)

Das schrieb Marx am Vorabend der Revolution von 1848. Doch diese Sicht muß als in der Situation befangen, schlußendlich als historisch falsifiziert gelten. Marx selbst bildet hier nur die Phänomene ab, verabsolutiert die aktuelle Zuspitzung der sozialen Auseinandersetzung einer spezifischen Periode hin zum Typus allgemeiner gesellschaftlicher Konfrontation. Was für Marx dazumals naheliegend gewesen ist, ist als heutiges Bekenntnis freilich nur noch anachronistisch.

Lohnarbeit und Kapital

Es ist auch gar nicht verwunderlich, daß in den Marxschen Hauptwerken zur Kritik der politischen Ökonomie – anders als in den politischen Schriften der Periode um 1848 – Klassen nur noch als untergeordnete und abgeleitete Kategorie auftreten. Klassen sind dort nichts anderes als Resultate entwickelter Warenproduktion, ihr nicht vorgelagert, sondern ihr entspringend. Ohne Wert und Mehrwert keine Klasse der Arbeiter. Die kapitalistischen Klassen sind bloß Folgen unterschiedlicher Positionierungen im Kapitalverhältnis.

Der Konflikt Lohnarbeit-Kapital ist kein den Kapitalismus konstituierender, sondern ein vom Kapitalismus konstituierter. Und das ist hier absolut nicht mit dem überstrapazierten Henne-Ei-Vergleich abzutun. Das Ganze dominiert in seiner Grundstruktur das Abgeleitete. Die Teile fügen sich der Totalität. Genauso verfuhr auch Marx in seiner „Kapital-Analyse“, wo ja eindeutig und vielfach die Ware als Elementarform des Kapitals bezeichnet wird, die Klassen hingegen bloß als akzidenteller Ausdruck unterschiedlicher Revenuen erscheinen. Relativ trocken heißt es am Ende des dritten Bandes: „Die Eigentümer von bloßer Arbeitskraft, die Eigentümer von Kapital und die Grundeigentümer, deren respektive Einkommensquellen Arbeitslohn, Profit und Grundrente sind, also Lohnarbeiter, Kapitalisten und Grundeigentümer, bilden die drei großen Klassen der modernen, auf der kapitalistischen Produktionsweise beruhenden Gesellschaft.“(14)

Der Klassenkampf beschreibt lediglich die Oberfläche des Verwertungsprozesses, nicht dessen Fundament. Er kennzeichnet keinen antagonistischen Gegensatz, sondern eine immanente Funktionsentsprechung, die eben auch ihre internen Kollisionen kennt. Er meint vorrangig nichts anderes als die Konflikte, die sich aus diesen Positionierungen entwickeln. In unserem Fall geht es somit um den Kampf zwischen konstantem zu variablem Kapital (c:v) über das Verhältnis von Lohn zu Mehrwert (v:m). Es ist daher auch die Frage zu stellen, ob der Klassenbegriff für andere Gesellschaftsformationen (Antike, Feudalismus, Orientalische Despotie etc.) überhaupt Sinn macht, ob er nicht vielfach als eine originäre Schöpfung bürgerlicher Zustände zu gelten hat. Ob also, die Ontologisierung, wie sie im Manifest vorgenommen wurde, nicht in die Irre leitet. Nicht jede soziale Auseinandersetzung wäre demnach, auch nicht in letzter Instanz, ein Klassenkampf gewesen. Die willkürliche Enthistorisierung der 48er-Schriften von Marx und Engels, der diese selbst mit apodiktischen Fomulierungen wie „Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist eine Geschichte von Klassenkämpfen“,(15) Vorschub geleistet haben, muß überwunden werden. Diesbezügliche Ambivalenzen finden sich übrigens schon bei Marx.(16)

Ein zweiter Strang der Argumentation läßt sich aber selbst in diesen Jahren ausmachen. Wenn Marx sich auf das Gebiet der Kritik der politischen Ökonomie vorwagt, gewinnt seine Argumentation an analytischer Schärfe, wenngleich sie an politischer Brisanz verliert. Die Bürgerkriegsstimmung ist verflogen. Betonte er einerseits die Konfrontation der Klassen, so betont er nun die direkte Zusammengehörigkeit ihrer Existenz:“Die unerläßliche Bedingung für eine passable Lage des Arbeiters ist also möglichst rasches Wachstum des produktiven Kapitals,“(17) schreibt er.

Die Borniertheit des Klasseninteresses ist ja eindeutig daran zu erkennen, daß das Proletariat als bürgerliche Klasse über das Wachstum gar nicht hinausdenken kann. Dieses ist ihm Lebenselexier. Und dies bindet das Proletariat strukturell an das Kapital, in der Konsequenz auch an die Plusmacherei der Kapitalisten. „Akkumulation des Kapitals ist also Vermehrung des Proletariats.“(18) Bereits 1849 heißt es unmißverständlich: „Die Interessen des Kapitals und die Interessen der Arbeiter sind dieselben, heißt nun: Kapital und Lohnarbeit sind zwei Seiten ein und desselben Verhältnisses.“(19)

Der konstatierte Doppelcharakter des Proletariats, einerseits Klasse in der bürgerlichen Gesellschaft, andererseits Klasse gegen die bürgerliche Gesellschaft, konstituierend für den Sozialismus, ist jedenfalls nicht aufrechterhaltbar. Der revolutionäre Charakter des Proletariats war stets ein postulierter, nie ein realer. Daran sollte auch die gelegentliche Schärfe der Konfrontation nicht hinwegtäuschen. Der behauptete antagonistische Widerspruch wurde übrigens nie analytisch begründet, auch wir haben bei der Neusichtung der Unterlagen keinen wirklichen inhaltlichen Beleg gefunden, dafür aber umso mehr kanonische Glaubensbekenntnisse, auch bei Marx und Engels.(20) Andre Gorz hat hier zweifelsohne recht: „Tatsächlich sucht man vergeblich nach einer Begründung der marxistischen Theorie Proletariats. Alles, was ihre Verteidiger anbieten, ist Marxens Werk und Lenins Wort, das heißt die Autorität der Gründer. Die Philosophie des Proletariats ist religiös.“(21)

Bourgeoisie und Proletariat gehören zusammen: „Das Kapital setzt also die Lohnarbeit, die Lohnarbeit das Kapital voraus. Sie bedingen sich wechselseitig; sie bringen sich wechselseitig hervor.“(22) Somit aber auch wechselseitig um. Unsere These lautet, daß die Kapitalakkumulation in ihrer Gesamtheit, d.h. die Verwertung des Werts ins Stocken geraten ist.(23) Dies bedeutet, daß die gegenwärtige Krise der Arbeit als eine Krise des Kapitals interpretiert werden muß, „weil die „proletarische Arbeit“ identisch ist mit dem Dasein des Kapitals. (….) Dieser Widerspruch ist heute in ein entscheidendes Stadium getreten, und eben deswegen steht erstmals der Kommunismus real auf der Tagesordnung, aber nicht als Vollendung und Triumph des „proletarischen Klassenbewußtseins“, sondern als dessen Krise und Negation.“(24)

Die stete Erhöhung in der organischen Zusammensetzung des Kapitals wird erst dann zu einem strukturellen Problem, wenn in Summe mehr Arbeiter ausgestoßen werden als angezogen. D.h. wenn die absolute Größe normierter Beschäftigungsmöglichkeiten – nicht nur im produktiven, sondern auch im unproduktiven Sektor! – unwiderruflich sinkt. „Im Fortschritt der Industrie hält daher die Nachfrage nach Arbeit nicht Schritt mit der Akkumulation des Kapitals. Sie wird zwar noch wachsen, aber in ständig abnehmender Proportion, verglichen mit der Vergrößerung des Kapitals.“(25) Entscheidend ist, ob hier ein qualitativer Umschlagspunkt, d.h. die Asynchronisierung schon konstatiert werden kann, oder noch nicht.(26)

Denn genau dort setzt unter anderem die Marxsche Krisentheorie an: „Aber es ist klar, daß trotz aller Wertrevolutionen die kapitalistische Produktion nur solange existiert und fortexistieren kann, als der Kapitalwert verwertet wird, d.h. als verselbständigter Wert seinen Kreislaufprozeß beschreibt, solange also die Wertrevolutionen in irgendeiner Art überwältigt und ausgeglichen werden.“(27) Noch deutlicher im dritten Band: „Eine Entwicklung der Produktivkräfte, welche die absolute Anzahl der Arbeiter verminderte, d.h. in der Tat die ganze Nation befähigte, in einem geringern Zeitteil ihre Gesamtproduktion zu vollziehn, würde Revolution herbeiführen, weil sie die Mehrzahl der Bevölkerung außer Kurs setzen würde.“(28)

Der doppelte Marx

Warum nun sollte das Proletariat aber wirklich die bestimmende Kraft der Überwindung sein? Warum wurde es dahingehend hochstilisiert? Die richtige falsche Antwort ist relativ leicht zu geben: die Arbeiterbewegung setzte die hervorstechendsten Momente gesellschaftlicher Emanzipation dieser Epoche (Durchsetzung bürgerlichen Rechts, freie Meinungsäußerung, Koalitionsfreiheit, Wahlrecht, Achtstundentag, Arbeiterschutz, Kranken- und Sozialversicherung etc.). „Marx hatte es in Wirklichkeit mit zwei ganz verschiedenen, bei ihm noch nicht klar unterscheidbaren, amalgamierten historischen Logiken zu tun: einerseits der Selbstbewußtwerdung der Ware Arbeitskraft im Rahmen des warenproduzierenden Systems, die durch die Arbeiterbewegung zur kapitalistischen Emanzipation der Lohnarbeiter von allen feudalen und patriarchalischen Schlacken, d.h. zu ihrem heutigen Dasein als demokratische Geld- und Staatsbürgermonaden führte; andererseits aber der tautologischen und subjektlosen Selbstbewegung des Geldes und deren eigener, immanenter Schranke.“(29)

Ernst Lohoff beschreibt das so: „Marx gelang es nicht, den grundlegenden Widerspruch zwischen beiden Betrachtungsweisen zu einem kohärenten Ganzen zusammenzufügen. Statt dessen durchkreuzen sich in seinem Werk unvereinbare Theoriestränge und der gigantische Torso der Marxschen Theorie bleibt doppeldeutig. In seinem Werk stehen zwei Positionen vom Untergang des Kapitalverhältnisses unvermittelt nebeneinander. Marx redet gleichermaßen von der Expropriation der Expropriateure durch die selbstbewußten Arbeitermassen wie von der immanenten objektiven Schranke des Kapitals, ohne je mehr als eine provisorische Verknüpfung beider Gesichtspunkte herstellen zu können. Der Bezug zwischen dem Schlußpunkt der Kritik der politischen Ökonomie, dem objektiven Krisenprozeß, und dem soziologisch daherstolzierenden revolutionären Arbeitersubjekt bleibt im gesamten Werk ein blinder Fleck und entsprechend unklar.

Dieser wenig befriedigende Umstand ist sicher nicht den mangelnden analytischen Fähigkeiten von Marx geschuldet. Er hat seinen Grund in den realen historischen Umständen, die in die Marxsche Theoriebildung miteingingen. Marx antizipierte zwei große historische Prozesse. Er nahm zum einen die Emanzipationsbewegung der Arbeiterschaft gedanklich vorweg, eine Bewegung, die zu seinen Lebzeiten noch in den Kinderschuhen steckte. Er analysierte andererseits auf sehr hohem Abstraktionsniveau das objektive Ausbrennen und die schließliche Auflösung der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer Grundformen. Die crux, die uns Nachgeborenen den Bezug auf dieses zweite, heute virulent werdende Moment seiner Theorie immens erschwert, liegt nun darin, daß er beide historische Prozesse nicht streng scheiden konnte, sondern sie als zusammengehörigen Komplex denken mußte. Für ihn und seine Anhänger sind Emanzipation der Arbeiterklasse und Ende der bürgerlichen Gesellschaft aneinander gekoppelt. Realiter fallen diese entscheidenden Einschnitte aber nicht nur historisch um einige Menschenalter auseinander, sondern auch logisch. Die Emanzipation der Arbeiter hat sich mittlerweile als Befreiung der Arbeiter zu gleichberechtigten Staatsbürgern und Warenbesitzern längst vollzogen, das Ausbrennen der Wert- und Warenform und die ganze Brisanz, die in dieser Entwicklung steckt, zeichnet sich erst heute am historischen Horizont ab. Die Zerstörung der bürgerlichen Form ist nicht mit der Emanzipation der Arbeit, sondern mit der Befreiung von ihr identisch. (…)

Für Marx war die illusorische Identifizierung von Arbeiteremanzipation und kommunistischer Revolution wohl unvermeidlich. Auf der Suche nach Anknüpfungspunkten für seine revolutionäre transbürgerliche Theorie im real sich vollziehenden historischen Prozeß, gab es in seiner Zeit nur einen denkbaren Bezugspunkt, und das war nun einmal die Arbeiterbewegung.“(30)

Der Sozialismus hingegen war bloß Glaubenszusatz, eine religiöse Beigabe, eben um vertrösten zu können. Dieser Sozialismus war schlechte Utopie, kein konkretes Ziel, Religionssubstitut, das fallen mußte. Aber doch notwendig, um die erforderliche Motivation der Unterprivilegierten voranzutreiben und zu gewährleisten. Mehr als der Sozialismus interessierte die Sozialisten immer die Arbeiterbewegung. Sie war nicht Mittel eines Zwecks, sondern Selbstzweck. Arbeiterbewegung und Arbeiterklasse wurden zum Fetisch linker Theorie. Stets wurden Bezüglichkeiten hergestellt und Radikalitäten unterstellt, selbst als eine Enttäuschung der nächsten folgte. Der Arbeiter wurde allmeist als Ikone vorangetragen. Die Kategorie des Arbeiters wurde nicht hinterfragt, sondern in den inhaltsloser werdenden Tiraden von Klasse und Bewegung evangelisiert. Die Klassenkampf-Rhetorik war überall präsent. Nicht der reale Arbeiter interessierte, sondern seine Idealbild. Dem Heldenlied folgte alsbald die Indifferenz, ja die Verachtung. Der umjubelte Arbeiter von einst ist inzwischen wieder das Letzte geworden. Derweil wehrte sich das Proletariat völlig zurecht gegen die Abschätzigkeiten anderer gesellschaftlicher Gruppierungen.

Immanenz ohne Transzendenz

Der Klassenkampf nahm nichts Zukünftiges vorweg, sondern setzte lediglich gegenwärtige Möglichkeiten innerhalb der Wertvergesellschaftung durch. Auch wenn seine Erscheinungen – die proletarischen Parteien, die roten Fahnen, die soziale Absonderung, die, je weiter letztere getrieben wurde, als abstruse Absonderlichkeit sich gestaltete – anderes suggerierten. Das war Beiwerk, nicht Wesen.

Ziel des Klassenkampfs ist das Geld. Auch dort, wo er mehr politisch erscheint (z.B. Kampf fürs Wahlrecht) handelt es sich nur um Übersetzungen von ökonomischen in politische Forderungen. Freiheit meint die Freiheit, die Arbeitskraft auf dem freien Markt verkaufen zu dürfen (nicht leibeigen, sondern verdinglicht zu sein); Gleichheit meint die Gleichheit der Warenbesitzer auf dem Warenmarkt und bei allen Geldgeschäften; Gerechtigkeit meint die Gerechtigkeit des Werts. Womit die Leitwerte der Arbeiterbewegung vollends als bürgerliche entzaubert sind.(31)

Stets war die Arbeiterklasse positiv auf Arbeit und Geld bezogen. Das will sie noch immer, wenngleich das utopische Beiwerk von gestern fehlt. Wenn wir heute auf Arbeiterdemonstrationen Transparente mit der Losung „Wir sind das Kapital!“ lesen müssen, dann erscheint das nur auf den ersten Blick als total verrückt. Nein, die Arbeiter haben hier bloß ihren profane Daseinsweise erkannt, das Problem ist nur, daß sie diese als Menschen nicht kritisieren, sondern als Arbeiter schier verzweifelt einzufordern.

Wie aus einer völlig anderen Welt wirken so auch Aussagen von vor über 100 Jahren. Etwa die folgende von Karl Kautsky: „Die Folge des Klassenkampfs kann daher stets nur eine Zunahme der Unzufriedenheit des Proletariats mit seinem Lose sein“, (32) schrieb dieser in seinen Erläuterungen zum „Erfurter Programm“. In der Arbeiterbewegung dachte damals unseres Wissens nach niemand anders. Und doch: Nichts falscher als das. Der Klassenkampf, vor allem der erfolgreich geführte, war vielmehr ein entscheidendes Instrument der subjektiven Integration und objektiven Akzeptanz.

Klassenkampf kann nicht in den Sozialismus umschlagen. Jener ist bloß eine Realisierungsform der Kapitalherrschaft. Nichts weiter. In seiner ökonomischen Dimension ist er – von oben wie von unten – ein Kampf um die Verwirklichung des Werts der Ware Arbeitskraft: „Das Lohngesetz wird durch den gewerkschaftlichen Kampf nicht verletzt; im Gegenteil, er bringt es voll zur Geltung. Ohne den Widerstand durch die Trade-Unions erhält der Arbeiter nicht einmal das, was ihm nach den Regeln des Lohnsystems zusteht. Nur die Furcht vor den Trade-Unions kann die Kapitalisten zwingen, dem Arbeiter den vollen Marktwert seiner Arbeitskraft zu zahlen. (…) Die Trade-Unions greifen demnach nicht das Lohnsystem an“,(33) schreibt Friedrich Engels.

B. Traven etwa läßt einen Gewerkschaftssekretär in seinem Roman „Die Baumwollpflücker“ (1926) folgendes sagen: „Es ist nicht unsere Absicht, das Geschäftsleben zu vernichten oder auch nur zu stören. Durchaus nicht. Aber es ist unsre Absicht, dafür zu sorgen, daß der Arbeiter von dem, was er produziert, nicht nur einen angemessenen Anteil erhält, sondern den Anteil, der ihm zukommt bis zu der höchsten Grenze, die das Geschäft tragen kann.“(34) Genau darum geht es.

Der Klassenkampf gehört so zu den Regeln des Lohnsystems, ja noch mehr, er ist die notwendige Regulierung desselben. So betrachtet muß der Klassenkampf sich affirmativ auf den Wert beziehen, nicht kritisch gegen ihn. Solange die zivilisatorische Potenz des Kapitals sich noch in Entfaltung befand, ist das auch durchaus progressiv. Heute jedoch ist ein offensives Setzen auf den Klassenkampf – eben als Interessenskampf – strategisch regressiv. Er bleibt nicht nur hinter den Anforderungen zurück, er desavouiert sie regelrecht durch seine antiquierten Inhalte und Formen.

Wenn der Wert zerfällt und sich zersetzt, dann ist das Einfordern des Werts als perspektivisches Konzept völlig verfehlt, weil hinfällig. Das ist auch der Hauptgrund, warum alle gegenwärtigen sozialen Kämpfe so erbärmlich verpuffen, und bei ihren Trägern nur Ratlosigkeit hinterlassen. Solange die neuen Kämpfe als alte Konflikte ausgetragen werden, ist dem nicht abzuhelfen. Der Klassenstandpunkt ist inzwischen zum bornierten Standpunkt par excellence geworden. Kein wirklich emanzipatorisches Anliegen läßt sich mehr an ihm entfalten. Weder immanent, noch transzendent. Er hat ausgedient. Nicht einmal die sozialen Abwehrkämpfe können sich an ihm hochziehen.

Antagonismus oder Entsprechung?

Der Klassenkampf ist ein Kampf um die Realisierung des Werts der Ware Arbeitskraft, aus der Lohnhöhe und Mehrwertrate folgen. Er richtet sich objektiv nie gegen das bestehende System: „Der „Klassenkampf“ in diesem Sinne ist aber nichts weiter als die subjektive Seite der „Selbstbewegung des Kapitals“, d.h. der Selbstverwertung des Werts, in der Form eines bewußtlosen, den Individuen äußerlichen gesellschaftlichen Verhältnisses.“(35)

Der proletarische Klassenkampf ist letztlich nur kritisch gegenüber den Kapitalisten, aber nicht gegenüber dem Kapitalismus. Seine an den gesunden Menschenverstand anknüpfende und appellierende Äußerungsform war auch stets auf bestimmte Personen fixiert, nicht an Strukturen orientiert. „Der alte Marxismus und Linksradikalismus hat sich ganz auf den Gegensatz der Funktionssubjekte innerhalb dieser Fetischform konzentriert“,(36) schreibt Robert Kurz. „Es gehört zur fetischistischen Mythologie des traditionellen Marxismus, die „Klasseninteressen“ in der vorgefundenen Form für „unversöhnlich zu erklären, ohne zu bemerken, daß sie gerade durch diese Form, die Warenform nämlich, zu einer Identität zusammengeschlossen werden (…). Innerhalb der Warenform ist das „Klasseninteresse des Proletariats“ ein ganz gewöhnliches, stinknormales Konkurrenzinteresse, das zwar einen Gegensatz zu anderen Konkurrenz-Interessen stiftet, aber als solches keineswegs einen „unversöhnlichen“.“(37)

Der Klassengegensatz ist ein wertimmanenter Konkurrenzgegensatz. „Der Kampf der konkurrierenden Interessen innerhalb der Warenform ist keinerlei den Kapitalismus praktisch infragestellendes Moment, sondern vielmehr umgekehrt gerade sein positives Dasein. Insofern gehört der Interessenskampf der Arbeiterklasse zum Funktionieren des Kapitalverhältnisses und die historische Herausbildung der „Klasse für sich“ kann gar nichts anderes zum Inhalt haben als die vollständige und bewußte Einbindung der Lohnarbeiter in das immer mehr auf seinen Grundlagen prozessierende Kapitalverhältnis.“(38) Und Robert Kurz und Ernst Lohoff an anderer Stelle: „Die Lohnarbeiter als Lohnarbeiter können überhaupt kein absolut unversöhnliches Interesse gegen das Kapital als Kapital besitzen, weil sie selber Moment und Bestandteil des Kapitals sind.“(39)

Wozu Klassenanalyse?

Obwohl die gesellschaftlichen Widersprüche sich laufend verschärfen, entschärfen sich die Klassenwidersprüche. D.h. die Konflikte sind immer weniger am Gegensatz Kapital-Lohnarbeit zu dechiffrieren, dieser bildet umgekehrt einen substantiellen Wachstumsblock, dessen Blockinteresse eindeutig die globale Destruktion mitbetreibt. In der Zwischenzeit ist diese Interessensidentität sogar auf der Oberfläche überdeutlich: Für Wachstum, für Verwertung, für Arbeit! Weiter so! Vor allem bei ökologischen Fragestellungen zeigt sich, wie sehr der „antagonistische“ Interessensgegensatz sich als gesellschaftliche Zusammengehörigkeit gestaltet.

Was die heutige Gesellschaft auszeichnet, ist der Verfall der Klassen. Wie die anderen Formprinzipien des Kapitals zerbröseln auch sie in geradezu rasantem Tempo. Das heißt nun nicht, daß es keine Klassen mehr gibt, sehr wohl aber, daß Klassen nicht einmal mehr sekundär zur Charakterisierung der gesellschaftlichen Struktur einen entscheidenden Beitrag leisten können. Die sozialen Individuen wechseln vielmehr zwischen verschiedenen losen Rollen, ohne sich ihnen dezidiert zugehörig zu zeigen. Klassenmerkmale werden Momente unter vielen, aufgehoben in einem Kunterbunt der Zu-, Hin- und Verwendungen. Menschen verstehen und verhalten sich nicht in erster Linie als Proletarier oder Bourgeois, Beamter oder Bauer.

Schon die klassische Definition hätte eigentlich zu denken geben müssen: „Das Proletariat ist diejenige Klasse der Gesellschaft, welche ihren Lebensunterhalt einzig und allein (Hvhb. von F.S.) aus dem Verkauf ihrer Arbeit und nicht aus dem Profit irgendeines Kapitals zieht; deren Wohl und Wehe, deren Leben und Tod, deren ganze Existenz von der Nachfrage nach Arbeit, also von dem Wechsel der guten und schlechten Geschäftszeiten, von den Schwankungen einer zügellosen Konkurrenz abhängt.“(40) Unsere Hervorhebung zeigt die Begrenztheit dieser Begriffsbildung auf. Menschen, die einzig und allein, also ausschließlich ihren Lebensunterhalt direkt aus der Lohnarbeit bestreiten, werden seltener. Auch der Lohnarbeiter von heute nimmt unterschiedlichste Rollen in der Gesellschaft wahr. Er ist Sparer, Arbeitsloser, Versicherter, Empfänger staatlicher Gelder, Pfuscher, Rentner, Selbständiger. Auch empirisch wird das Arbeiterdasein obsolet. Des Arbeiters existentielle €ußerungen sind multipel oder flexibel, nicht analog der Klassenlage zu rezipieren. Mag es einstens angegangen sein, den Menschen primär aufgrund seiner Klassenlage zu erläutern und zu bestimmen, so wird das heute zusehends unseriös.

In der Aufstiegsphase des Kapitalismus drängte sich die obligate Klassifizierung der Charaktermasken ja geradezu auf, zu auffällig war die personifizierte Realisierung der ökonomischen Position. Im Laufe der Zeit schwindet jedoch dieser schroffe Kontrast, die Grenzen werden durchlässiger, das Flanieren wird gefordert wie gefördert, das (nicht unbedingt freiwillige) Aus- und Umsteigen wird möglicher, ja normal.

Eine entscheidende Frage ist, ob die Menschen ihre Klassenlage primär prägt oder nicht. Wir würden das für heute geradewegs abstreiten. Das kapitalistische Individuum ist kein Klassenindividuum mehr, das „ensemble gesellschaftlicher Verhältnisse“(41) gestaltet sich an und in ihm komplizierter und vielfältiger. Seine Haltung ist nicht auf den Produktionsprozeß rückführbar, auch wenn man die Untersuchung auf Zirkulation und Konsumtion, ja auf die Reproduktion ausweitet. Der Klassenbegriff zerrinnt zwischen den Fingern. Er ist ein Begriff, der immer weniger begreift. Das kommunikative Verhalten der Menschen ist nicht nur nicht auf die Klassensituation zu reduzieren, es ist nicht einmal darauf analytisch zu konzentrieren. Klassenspezifische Momente sind Momente unter vielen, genießen keine vorrangige Stellung.

Die Klasse ist also nicht mehr die wesentliche Gestaltungsinstanz der darin klassifizierten Mitglieder. Die Klassenanalyse verliert an Relevanz, weil die Klasse an Relevanz verliert. Die Frage „Zu welcher Klasse gehörst du?“ wird von Tag zu Tag seltsamer, und daher auch seltener gestellt, sie erscheint nur noch geringfügig wichtiger als jene, ob man nun zur Union oder zur Liga gehört. Und man lache hier nicht, keine 350 Jahre zurück war das der zentrale Konflikt in Europa. Damit soll nun keineswegs bestritten werden, daß es nicht doch bestimmte Verhaltensmuster der Herkommenschaft gibt, die idealtypisch bürgerlich oder proletarisch, kleinbürgerlich oder bäuerlich sein mögen. Aber das sind Versatzstücke, keine Bestimmungsstücke des Individuums. Die Klassenanalyse ist zwar nicht gänzlich verzichtbar, aber sie sollte sich zur Gesellschaftskritik verhalten wie die Heraldik zur Geschichtswissenschaft.

Der Klassenbegriff kann keine relevanten Konturen mehr annehmen. Die Klasse löst sich selbst als poröse Einheit auf, sie ist immer schwerer zu fassen, so sehr man sich auch um Untergruppierungen, Schichten, Fraktionen und Kategorien bemüht. Ganze Lehrbücher des Marxismus sind damit vollgeschrieben. Anstatt die Elementarform des Kapitalismus und ihre spezifischen Ausprägungen zu untersuchen, hängt der linke Soziologismus an seinen klassifizierenden Verästelungen. Prototypisch etwa Friedhelm Kröll: „Dem angesonnenen Paradigmenwechsel, d.h. erst einmal Fallenlassen des Klassenparadigmas (vorgetragen als „Abschied vom Proletariat“), könnte mit einer neuen und erweiterten klassentheoretischen Konzeption entgegengetreten werden; und zwar dann, wenn es gelingt, das, was die Kritiker des Klassenparadigmas an ernstzunehmenden Befunden vorgelegt haben, zu verarbeiten. Die Wegrichtung scheint auf eine Theorie der Klassensegmentierung hinzuweisen.“(42)

Bezeichnend für Kröll ist, daß er zwar einerseits Kritiken des Klassenbegriffs vorlegt oder referiert, andererseits sich aber beharrlich weigert, Schlüsse zu ziehen, die über eine Ausdifferenzierung der alten Theorie hinausreicht. Rausgekommen ist so eine umfangreiche, durchaus interessante und detailreiche Verteidigungsschrift, die sich aber weiteren Folgerungen beharrlich verweigert, wohl weil das positive Urteil über Klasse und Klassenanalyse schon apriori festgestanden ist. Dahinter steckt eine unreflektierte Herleitung des Marxismus aus der Arbeiterklasse bzw. deren Identifizierung.(43) Die Arbeiterklasse ist aber keineswegs die materielle Grundlage der Marxschen Theorie, sondern bloß ihre Hinzufügung.

Wenn Kröll in seinen resümierenden Thesen dann gar dafür plädiert, die Option „für den Begriff der „Mittelschicht“ offenzuhalten“,(44) desavouiert er freilich selbst die ursprüngliche Klassenkategorie. Warum soll irgendeine Schichtenbegriff mehr bringen als der alten Klassenbegriff? Dort soll wohl nun alles – oder zumindest vieles – hinvermittelt werden, was im Klassenkonzept nicht unterzubringen ist. Dieser Klassenbegriff ist allerdings schon so offen, daß er nicht mehr dichtgemacht werden kann. Er ist Dichtung in anderem Sinne. Ebenfalls eine solche ist, wenn Kröll, da er den Zerfall der Klasse nicht mehr wegleugnen kann, ihn jetzt in „Zerfällung“(45)umbenennt, und meint, damit etwas qualitativ anderes bezeichnet zu haben. Das ist nicht nur grammatikalisch verunglückt. Mit den Mikrokategorien der Segmente soll hier die Makrokategorie der Klasse hinübergerettet werden. Nur, warum sollen diese Segmentierungen nicht unter der gleichen „Zerfällung“ leiden wie das ihnen Übergeordnete? Warum sollen jene analytisch mehr hergeben als Proletariat und Bourgeoisie? Und vor allem auch: wozu das Ganze?

Es geht also überhaupt nicht darum, sich „an eine Reformulierung der Klassenkonzeption heranzuarbeiten“,(46) wie Friedhelm Kröll das in Hinsicht auf eine angestrebte „Politikfähigkeit“ vermeint. Davon ist dringend abzuraten. Interventionsunfähigkeit und Klassenanalyse korrespondieren.

Es ist schon charakteristisch, daß bei unseren bisherigen Rekonstruktionsversuchen emanzipatorische Theorie die Klassenanalyse eigentlich überhaupt keine Rolle gespielt hat – ob in der Ökologie oder bei den Medien, in der Sexualität oder beim Subjekt, in der Religion oder bei der Wertkritik. Was soll man da mit Klassen auch erklären? Interessanterweise gab es zwar manch Einwände gegen unsere Argumentation sowie die Schlußfolgerungen, derjenige aber, daß die Klassenanalyse nicht Eingang gefunden hat, wurde kein einziges Mal geäußert. Diese ist niemandem abgegangen, selbst jenen nicht, denen sie hätte abgehen müssen.

Negative Klassenlosigkeit

Das aktuelle Bewußtsein ist vielmehr Ausdruck der objektiven Auflösung sozialer Rollenbildung als primäre Instanz gesellschaftlicher Beschreibung und Selbstbeschreibung. Gewöhnlich tut man solche Empfindungen als bloße Ideologie oder gar mediale Manipulation ab. Das greift daneben. Der heutige Mensch findet sich in vielen Rollen wieder. Sein Verhalten ist aus der spezifischen Totalität seines Universums zu schließen, nicht soziologistisch aus Besitz oder Nichtbesitz an Produktionsmitteln bzw. einer zugeordneten Eigentumsform (Revenue) ableitbar. Nichtsdestotrotz ist gerade der Zerfall der alten positiven Zugehörigkeiten, so auch das Überwinden des ständischen Klassenverständnisses der Tendenz nach positiv. Was sich formiert, ist eine negative Klassenlosigkeit, d.h. die bewußt-bewußtlose Affirmation von Wert und Geld hat sich durchgesetzt.

Der Klassenkampf ist nicht entscheidbar, eben weil er nichts anderes ist als die Realisierungsform der Determinanten des Werts. Auch wenn das Pendel einmal mehr auf diese oder jene Seite ausschlagen kann: Der Klassenkampf ist nicht gewinnbar, sondern nur überwindbar. Das Proletariat ist daher auch nicht zur Herrschaft oder gar Diktatur zu bringen, sondern schlicht und einfach zu entproletarisieren. Die negative Auflösung der Klassen ist ja auch schon weit vorangeschritten, doch eben nicht hin zum klassenlosen vielfältigen Menschen, sondern zur postmodernen beliebigen Geld- und Warenmonade, die nun losgelöst von vielen alten Beschränkungen der puren Form huldigt, ohne diese jedoch zu kennen.

Beliebigkeit ist aber nichts anderes als deformierte Vielfalt. Das zurecht wie zu Unrecht vielgescholtene postmoderne Individuum läuft also dem Kommunismus nicht grundsätzlich zuwider, es ist geradezu eine Voraussetzung (wiederum nicht zu verwechseln mit Bedingung!) emanzipatorischer Bemühungen. Die Kritik an seinem Verhalten ist keine klassenmäßige mehr – auf der banalsten Ebene etwa als Vorwurf, die eigenen Klasseninteressen zu verraten -, sondern eine bewußt klassenlose. Die klassenkampflose Zeit also als Vorstufe der klassenlosen? Möglicherweise. Die Bewegung für die klassenlose Gesellschaft wird mit Sicherheit eine klassenlose sein, eine, die sich ideell und zunehmend auch reell von den alten Fixierungen wird lösen müssen.

Proletarisch ist bürgerlich

Die Agenten des variablen wie des konstanten Kapitals haben sich in der sozialen und politischen Sphäre totgelaufen. Sie sind nicht mehr Transmissionsriemen, ihr Repellieren auf der Ebene der gezielten Intervention gehört der Vergangenheit an, ihre Attraktion hin zur Gesellschaft wird deutlicher. Sie stoßen sich immer weniger ab, relative Autonomie wird zur Kongruenz. Was weiter heißt: Die Arbeiterklasse ist deswegen nicht mehr mobilisierbar, weil es sie in der traditionellen Form nicht mehr gibt. Klasseninteressen sind für die Individuen von untergeordneter Bedeutung, die Arbeiterbewegung existiert nur noch in ihren Ausläufern. Sie läuft aus, verläuft sich. Keine gesellschaftliche Bewegung wird sie mehr zu einer emanzipatorischen sozialen Bewegung formen.

Paradigmatisch dafür war etwa die entscheidende Niederlage beim britischen Bergarbeiterstreik 1984. Ein letztes Mal zeigte die Arbeiterklasse ihre Kraft, demonstrierte Stärke und Geschlossenheit über eine lange Zeit hinweg. Dennoch zerschmetterten ihre Forderungen (etwa nach Erhaltung der Arbeitsplätze) an der (kapitalistischen) Produktivkraftentwicklung. Die fatale Lehre daraus ist: Man kann mit der Produktivkraftentwicklung streiken, aber nicht gegen sie. Das ist auch der Grund, warum die Form des Streiks in der nachfordistischen €ra mehr oder weniger zum Untergang verurteilt ist. Was soll mit ihm noch bewirkt werden? Wofür oder wogegen hätten etwa Semperit-Arbeiter streiken sollen, nein: können?

Die reinen Durchhalteparolen werden immer unglaubwürdiger, das Rückzugsgefecht immer erbärmlicher. Die Krise wird mißverstanden, sieht man sie als konjunkturelles Phänomen, wo nachher automatisch der Aufstieg bisheriger theoretischer Essentials folgt. Man kann nicht mehr mit den gleichen oder bloß renovierten Inhalten reussieren. Nie mehr. Die Klasse ist zur Kenntlichkeit verkommen. So wie sie sich gestaltet, ist sie. Sie ist nicht an sich so und für sich eigentlich anders, sie ist an und für sich so. „In den entwickelten westlichen Ländern hat sich der Zweck der alten Arbeiterbewegung erfüllt. Sie ist, jeder Emphase und jedes weitergehenden Zieles entkleidet, zum banalen Moment der Konkurrenz in der bürgerlichen Gesellschaft geworden.“(47)

Der Klassenkampf konnte nur erfolgreich (oder besser: folgenreich) sein, weil er mit der Entwicklung der Produktivkräfte im Kapitalismus korrespondierte, d.h. diese ungebrochen und flächendeckend nach variablem Kapital gierten. Solange der Kapitalismus auf dem Vormarsch, war der Klassenwiderspruch ja tatsächlich der immanente Hauptwiderspruch gewesen. Der Aufstieg der Arbeiterorganisationen war Folge davon. In der Stärke des Kapitals lag die Stärke der Lohnarbeiterklasse. Gemeinsam sind sie großgeworden, nicht gegeneinander, wie die Klassenkampfparolen unterstellen. Das Gegeneinander war nur die Verlaufsform des Füreinander. So wie zwei Kartenspieler, die sich zwar negativ zueinander verhalten, aber doch positiv auf das gemeinsame Spiel beziehen müssen, dessen Regeln sie einhalten.

Im Nachhinein wird sich die Arbeiterbewegung als bürgerliche Emanzipationsbewegung entpuppen. Als die zweite, und zahlenmäßig größere bürgerliche Klasse hat sie viel mehr als die Bourgeoisie zur Etablierung demokratischer Verhältnisse beigetragen, deutlicher als diese hat sie die bürgerlichen Werte ernstgenommen und verwirklicht. Nirgendwo wurden die Tugenden bürgerlicher Moral so hochgehalten wie in den Arbeiterhaushalten. Proletarisch meint stets bürgerlich.

Die Arbeiterbewegung ist die bedeutendste bürgerliche Bewegung, die wir je hatten. Sie ist die Bürgerbewegung schlechthin, eine für soziale Gerechtigkeit, für Lohnarbeit, für Demokratie, für Freiheit, für Rechtsstaatlichkeit. Eine Bewegung für den Wert, nicht gegen ihn, eine Bewegung für das Kapital, nicht gegen es. Es ging ihr nicht darum, Bourgeios und Proletarier ihrer Charaktermasken zu entledigen, sondern darum, Arbeiter in Bürger zu verwandeln. Nicht die Aufhebung des Bürgers konnte Ziel der Arbeiterbewegung und ihrer analogen Nachläuferbewegungen (prototypisch die Frauenbewegung) sein, sondern die Verwirklichung hin zum Bürger. Der Kampfslogan der Gleichheit drückt(e) das auch deutlich aus. Die Arbeiterbewegung hat damit auch nichts verraten, denn genau darin – und nur darin! – konnte ihre Aufgabe bestehen. Die Arbeiterbewegung ist nicht ihres Ziels verlustig gegangen, sie hat es damit erreicht. Die historische Mission ist erfüllt.

Der Klassenkampf ist ausgereizt. Die Arbeiterbewegung hat ihre heroischen Zeiten hinter sich. Endgültig. Da hilft kein Bedauern. An der Klassenfront entscheidet sich heute zusehends weniger, sie verdeutlicht lediglich noch einen immanenten Nebenwiderspruch. Die Systemfrage, wird sie als Frage gesellschaftlicher Transformation noch ernst genommen, hat sich anderweitig zu orientieren.

Kommunismus und Arbeiterklasse passen nicht nur nicht zusammen, sie gehören ganz entschieden und bewußt auseinandergehalten! Das strategische Einlassen auf die positiven Sonderinteressen irgendeiner Klasse ist antikommunistisch. Mit den Interessen der Arbeiterbewegung, mit Klasse, Klassenbewußtsein und Klassenkampf ist kein Kommunismus machbar.

(1) Georg Lukacs, Geschichte und Klassenbewußtsein (1923), Darmstadt-Neuwied 1970, S. 126.

(2) Karl Kautsky, Die Revision des Programms der Sozialdemokratie in Österreich, Die Neue Zeit, 20. Jg. (1901-1902), 1. Bd, Nr. 3, S. 79-80.

(3) Leo Trotzki, Unsere politischen Aufgaben (1904); in: ders., Schriften zur revolutionären Organisation, Reinbek bei Hamburg 1970, S. 47.

(4) Georg Lukacs, Geschichte und Klassenbewußtsein, S. 500.

(5) Vgl. etwa Hans-Jürgen Krahl, Konstitution und Klassenkampf. Schriften und Reden 1966-1970, Frankfurt am Main 1971, S. 156.

(6) Wladimir I. Lenin, Was tun? Brennende Fragen unserer Bewegung (1902), Lenin Werke, Bd. 5, S. 385-386.

(7) Wladimir I. Lenin, Die dringendsten Aufgaben unserer Bewegung (1900), Werke, Bd. 4, S. 367.

(8) Ebenda, S. 396.

(9) Wladimir I. Lenin, Was tun?, S. 396.

(10) Instruktiv, wenn auch kaum über die alten Debatten hinausgehend: Franz Schandl, Organisation und Revolution. Zur Entwicklung der politischen Theorie bei Wladimir I. Lenin (Dissertation), Wien 1992, S. 99-146.

(11) Karl Marx/Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie (1845/46), MEW, Bd. 3, S. 46.

(12) Karl Marx, Das Elend der Philosophie (1847), MEW, Bd. 4, S. 180-181.

(13) Ebenda, S. 182.

(14) Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band (1894), MEW, Bd. 25, S. 892.

(15) Karl Marx/Friedrich Engels, Manifest der Kommunistischen Partei (1848), MEW, Bd. 4, S. 462.

(16) Vgl. dazu: Jon Elster, Drei Kritiken am Klassenbegriff, PROKLA 58, März 1985, S. 69-73.

(17) Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital (1849), MEW, Bd. 6, S. 411.

(18) Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, MEW, Bd. 23, S. 642.

(19) Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital (1849), MEW, Bd. 6, S. 411.

(20) Vgl. etwa Friedrich Engels/Karl Marx, Die heilige Familie (1846), MEW, Bd. 2, S. 37f.

(21) Andre Gorz, Abschied vom Proletariat. Jenseits des Sozialismus, Frankfurt am Main 1980, S. 16.

(22) Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital (1849), MEW, Bd. 6, S. 410.

(23) Vgl. Franz Schandl/Gerhard Schattauer, Die Grünen in Österreich. Entwicklung und Konsolidierung einer politischen Kraft, Wien 1996, S. 37-54.

(24) Robert Kurz/Ernst Lohoff, Der Klassenkampffetisch. Thesen zur Entmythologisierung des Marxismus, Marxistische Kritik 7/89, S. 35.

(25) Karl Marx, Lohn, Preis und Profit (1865), MEW, Bd. 16, S. 151.

(26) Bzw. es einen solchen Umschlagspunkt überhaupt gibt – wenn nicht, dann allerdings ist die Marxsche Krisentheorie hinfällig, jede theoretische Begründung des Kommunismus Humbug.

(27) Karl Marx, Das Kapital, Zweiter Band, MEW, Bd. 24, S. 109.

(28) Karl Marx, Das Kapital, Dritter Band, MEW, Bd. 25, S. 274.

(29) Robert Kurz, Der Kollaps der Modernisierung. Vom Zusammenbruch des Kasernensozialismus zur Krise der Weltökonomie, Frankfurt am Main 1991, S. 74-75.

(30) Ernst Lohoff, Das Ende des Proletariats als Anfang der Revolution. Über den logischen Zusammenhang von Krisen- und Revolutionstheorie, Krisis 10 (1991), S. 80-81.

(31) Vgl. dazu unseren letzten Aufsatz in diesem Magazin: Franz Schandl, Jenseits der Gerechtigkeit, Weg und Ziel Nr. 2|97, S. 68-72.

(32) Karl Kautsky, Das Erfurter Programm (1892), Bonn, 20. Aufl. 1980, S. 232.

(33) Friedrich Engels, Das Lohnsystem (1881), MEW, Bd. 19, S. 253.

(34) B. Traven, Die Baumwollpflücker (1926), Reinbek bei Hamburg 1962, S. 88.

(35) Robert Kurz/Ernst Lohoff, Der Klassenkampffetisch. Thesen zur Entmythologisierung des Marxismus, Marxistische Kritik 7/89, S. 11-12.

(36) Robert Kurz, Die letzten Gefechte. Ein Essay über den Pariser Mai, den Pariser Dezember und das Bündnis für Arbeit, Krisis 18(1996), S. 44.

(37) Robert Kurz/Ernst Lohoff, Der Klassenkampffetisch, S. 17.

(38) Ebenda, S. 23-24.

(39) Ebenda, S. 21.

(40) Friedrich Engels, Grundsätze des Kommunismus (1847), MEW, Bd. 4, S. 363.

(41) Karl Marx, Thesen über Feuerbach (1845), MEW, Bd. 3, S. 6.

(42) Friedhelm Kröll/Monika Wammerl, Angebetet und verworfen. Streitfrage „Arbeiterklasse“. Sozialstruktur und Lebensweisen in Österreich. Segmentierung der Lohnarbeit, Marburg 1992, S. 83.

(43) Ebenda, S. 46.

(44) Ebenda, S. 212; bzw.: dies., Ansatzpunkte für eine zeitnahe Reformulierung der historisch-materialistischen Klassenkonzeption, Weg und Ziel, Nr. 4/96, S. 8.

(45) Friedhelm Kröll/Monika Wammerl, Angebetet und verworfen, S. 82.

(46) Ebenda, S. 14.

(47) Robert Kurz, Der Kollaps der Modernisierung, S. 89.