31.12.1998  Beitrag drucken

Der Positivismus entdeckt das Erlebnis

Oder: Wie die Soziologie die Gesellschaft aus einem Hut zaubert, dessen Krempe ihr offenbar über Augen und Ohren reicht, wenn sie ihn aufhat

Erschienen in: Krisis 21/22

Roger Behrens

Richard Sennetts Buch „Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus“ ist, grob gesagt, eine Enttäuschung. Leer bleibt das Versprechen, welches der Autor mit dem Titel seines Buches und nicht zuletzt mit seinem Namen suggeriert, nämlich eine originelle und genaue Reflexion auf gegenwärtige Umbruchsituationen und Verdichtungen kapitalistischer Verhältnisse vorzulegen. Statt dessen ist über weite Strecken des Buches überhaupt fraglich, ob es sich um analytische Reflexion im wissenschaftlichen Sinne handelt, geschweige denn, daß die im Titel sich ankündigende Brisanz des Themas („. . . neuer Kapitalismus . . .“, „. . . flexibler Mensch . . .“) in irgendeiner Form eingeholt wird. Vielmehr bedient sich Sennett des Beiklangs, der im Titel nun auch mitschwingt; schon die Originalausgabe klang mit ihrem Titel „The Corrosion of Charakter“ verdächtig nach Sensation oder nach Ratgeber, also nach Orientierungshilfe, die die Soziologie der Massenleserschaft populär anbietet, aber wohl doch als Popularisierung des Soziologischen für sich selber gedacht hat. Sennett wechselt damit die Fronten – ein konsequenter Schritt, nachdem er ja schon vor rund einem Jahr das „Ende der Soziologie“ ausgerufen hatte – und tauscht Forschungspraxis mit Öffentlichkeitsarbeit. Treu bleibt Sennett sich allerdings in dem Gestus der Tatsachengläubigkeit, immer mit der Priese Abenteuerlust gewürzt, die nach wie vor der methodische Abhub des Positivismus ist. Nur statt Foucaultschem „fröhlichen Positivismus“ genealogischer Unmittelbarkeit, der problematisch genug war, gilt jetzt der lustige Positivismus journalistisch nachgezeichneter Biographie, mit Hang zum Selbstinszenatorischen – ein Verfahren, das vermutlich bei Richard Rorty sein Vorbild hat. Die Fadheit der Tatsachen, die der Positivismus den Dokumenten entreißt, wird mit dem Erlebnis abgeschmeckt – und als überzogene Erlebnisserei schließlich abgeschmackt.

Der Autor kokettiert mit einem Duktus, der ansonsten wissenschaftlicher Forschung als ihr Gegenteil und ihre Entmächtigung angekreidet wird. Sennett scheint wichtiger zu sein, daß die Leserschaft erfährt, wie ehrlich und betroffen er geschrieben hat, als daß logische Stringenz hier überzeugte. „Vor kurzem traf ich jemanden auf dem Flughafen, den ich seit fünfzehn Jahren nicht gesehen hatte.“ (S. 15) So beginnt also einer der gegenwärtig wohl renommiertesten Vertreter der spätbürgerlichen Soziologie seine Kapitalismuskritik. Das ganze Buch geriert sich, als hätte Sennett während des Gesprächs mit dem alten Bekannten Plan und Skizze des Textes entworfen, gewissermaßen stenografiert. Transparent wird so zwar, wie das Buch entstanden ist; verdunkelt bleibt jedoch, was Sennett eigentlich zu sagen hat. Die Nachvollziehbarkeit, ja die Plausibilität, auf die Sennett sich stützen möchte, liegt keineswegs in der Kommunizierbarkeit der Erlebnisse an sich, liegt also nicht darin, sich auf gemeine Erfahrungen zu berufen, sondern ist – im Gegenteil, und paradox zugleich – in der merkwürdigen Strategie begründet, die gemeinen Erfahrungen als exklusive Erkenntnisse zu verbraten: dazu dienen die herbeizitierten Quellentexte und das Datenmaterial. Sie belegen Sennetts Draht zur Wirklichkeit, nicht aber seine gebotenen Ansichten über diese Wirklichkeit. Daß Sennett stets derart seinem Publikum gegenüber gewissermaßen Rechenschaft über seine Wahrhaftigkeit (und eben nicht Wahrheit und Richtigkeit) abgibt, ist gleichwohl nachvollziehbar durch die Exklusivität seiner zur Soziologie aufbereiteten Alltagsbeobachtungen, die eben schlichtweg unspektakulär sind – wenn vielleicht nicht für die Soziologie, so doch zumindest für den gemeinen Menschen, den sie beschreiben möchte. Für die Erkenntnis, daß der Kapitalismus die Individualität fragmentiert – „dividiert“ – und damit ausschaltet, daß der Kapitalismus den Menschen morgens einkaufen läßt, mittags zeitarbeiten läßt, nachmittags scheinselbständig sein läßt und abends fernsehen läßt, ohne daß dieser Mensch an diesem Tag auch nur eine Stunde lang Mensch gewesen wäre, für diese Erkenntnis, die jedermann und jederfrau selbstverständlich ist und als selbstverständlich erscheint, weil sie eben das Selbst von jedermann und jederfrau konstituiert, braucht die gegenwärtige Soziologie also einen Flughafen, ein wenig Jetset, akademisches Reisefieber, und den alten Bekannten. Es verwundert kaum, daß den nach dieser >Methode< gewonnenen soziologischen Erkenntnissen keine große Reichweite beschert ist.

„Drift“ nennt Sennett das, was er glaubt im wesentlichen festgestellt zu haben („Drift. Wohin treibt der neue Kapitalismus“ sollte das Buch auch erst in der Übersetzung heißen): ein zielloses Dahintreiben der Menschen, die Opfer der Flexibilisierung geworden sind; die protestantische Ethik ist ausgehebelt, die Berufsmoral dahin – die Folgen sind der Zusammenbruch privater Sozialstrukturen: die Gewalt des neuen Kapitalismus gipfelt in der Verunmöglichung langjähriger Freundschaften. Freilich erscheint unter diesem Gesichtspunkt die Konstruktion des Buches gerechtfertigt bis originell, die Diagnose der Zerstörung freundschaftlicher und familiärer Beziehungen in die signifikante Flughafen-Wiedersehens-Situation einzukleiden. Allein, die Diagnose des „neuen Kapitalismus“ darin kulminieren zu lassen, daß es um dauerhafte Freundschaft heutzutage schlecht bestellt sei, ist nun einigermaßen dürftig; es bleibt Psychologie der Befindlichkeit. Ja, es entsteht geradezu das Bild, als seien erst im entwickelten, neuen Kapitalismus auch Folgen für den seelischen Haushalt der Menschen zu verzeichnen, während bisher wenigstens sichere Sozialbeziehungen (psychische) Stabilität garantierten. Sennett verharrt auch hier positivistisch im Faktischen: es geht um die Freundschaft als Wert, nicht um die soziale Isolation und um die Ohnmacht der Individuen. Damit bleibt er weit hinter dem einmal erreichten Stand der dialektischen Sozialpsychologie zurück, wie sie etwa von Erich Fromm für eine kritische Theorie begründet wurde. Wie weit dies schlichtweg Ignoranz sein muß, zeigt der Schlußsatz des Buches, der gewissermaßen zum Resultat macht, was einer kritischen Gesellschaftstheorie eigentlich Ausgangspunkt wäre: „Ein Regime, daß Menschen keinen tiefen Grund gibt, sich umeinander zu kümmern, kann seine Legitimität nicht lange aufrechterhalten.“ (S. 203) Als wenn nicht gerade das 20. Jahrhundert gezeigt hätte, mit welcher Bravour – bis zum blanken Terror – der Kapitalismus es sehr wohl vermag, gerade auf dem Boden der individuellen Ohnmacht seine Macht zu begründen; auch hat das 20. Jahrhundert mit Schrecken bewiesen, daß der Kapitalismus beileibe nicht über Legitimationsprobleme in Bedrängnis gerät – schon die von Max Horkheimer herausgegebenen „Studien über Autorität und Familie“ kommen zu solchen Einschätzungen. Die Frage, die dann im Interesse kritischer Theorie daraus resultiert, hakt nach, weshalb die sich verschärfenden Zustände – und mögen dies dann auch Verluste stabiler sozialer Zuverlässigkeiten sein – bedingungslos von den Menschen akzeptiert werden.

Die Großthese, die sich hinter diesem Psychologisieren der Flexibilisierungstendenzen kapitalistischer Ökonomie verbirgt, lautet ungefähr: der Kapitalismus kennt keine Alternativen mehr, er ist sich selbst zur einzigen Alternative geworden, ein flexibler liberaler Kapitalismus versus Staatskapitalismus. Diese These spielt allerdings analytisch keine Rolle: Kapitalismus ist bei Sennett – selbst wenn von der Ökonomie die Rede ist – kein System von Wert, Tausch und Produktion, sondern der positive-positivistische Rest einer längst im Poststrukturalen sich verflüchtigt habenden Welt. Die Krise ist immer nur eine der Vermittlung zwischen Mensch und Welt, niemals fundamental im Sinne einer Infragestellung der gesamten Arbeits- und Wertlogik (und auch dies auszublenden, macht aus diesem Buch eben keineswegs die „streibare Schrift“, wie der Klappentext suggeriert, sondern einen schrägen Anachronismus). Gleichwohl kennt auch Sennetts positivistische Küchenpsychologie Folgen – „Drift“ ist eine, die Sache mit dem Verlust der dauerhaften Freundschaften eine andere. Inwiefern dieses nicht einfach soziologistische Ableitungen aus der Erlebnisserei sind, sondern durchaus Ergebnisse eines bestimmten Klimas innerhalb der gegenwärtigen sozialtheoretischen Diskussionen, zeigt sich an dem roten Faden, an dem Sennett seinen Befund anknotet. Zu sprechen wäre von einer poststrukturalistischen Psychologie, also einer Seelenkunde ohne Subjekt; das heißt die Problematisierung der Verhältnisse in soziologischer Hinsicht leiht Sennett gewissermaßen aus dem Poststrukturalismus. Poststruktural ist das, was den neuen Kapitalismus für den flexiblen Menschen so schwierig macht, nicht Hunger, nicht Lohnarbeit, nicht physische Gewalt, sondern – Lesbarkeit. „Im flexiblen Regime ist das, was zu tun ist, unlesbar geworden.“ (S. 81) Nach und nach wird das nun subjektlos, aber persönlichkeitspsychologisch angereichert und aufbereitet: „In der flexiblen Ordnung kristallisieren sich die Schwierigkeiten, die Gesellschaft und sich selber zu >lesen< in einem besonderen Akt: dem Akt des Risiko-auf-sich-Nehmens.“ (S. 97) Was das heißt, erfahren Leserinnen und Leser zehn Seiten später: „Allem Risiko wohnt die Drift inne, denn Drift ist die verbale Übersetzung der Regression zu einem Mittelwert. Wie der Würfel in jedem einzelnen Wurf fällt ist reiner Zufall. Anders ausgedrückt, dem Eingehen von Risiken fehlt mathematisch die Qualität einer Erzählung, bei der ein Ereignis zum nächsten führt und dieses bedingt. Natürlich kann man die Tatsache der Regression leugnen. Der Spieler tut es, wenn er sagt, er habe eine Glückssträhne; er redet so, als wären die verschiedenen Würfe irgend wie miteinander verbunden. Damit verleiht er dem Akt des Risiko-auf-sich-Nehmens das fiktive Wesen der Erzählung.“ (S. 109)

Die flexiblen Menschen, die im neuen Kapitalismus primär mit der Schwierigkeit zu tun haben, zu lesen und nicht richtig lesen zu können, stoßen bei ihren Lektüren auch irgendwann auf sich selbst. „>Wer braucht mich?< ist eine Frage, die der moderne Kapitalismus völlig zu negieren scheint. Das System strahlt Gleichgültigkeit aus. Es tut dies bei den Ergebnissen menschlichen Strebens ebenso wie auf den Märkten des Alles oder Nichts, wo es kaum noch eine Verbindung zwischen Risiko und Belohnung gibt. Der Gewinner bekommt alles. Es strahlt in der Organisation der Wirtschaft Gleichgültigkeit aus, wo das Fehlen von Vertrauen keine Rolle mehr spielt, wo Menschen behandelt werden, als wären sie problemlos ersetzbar oder überflüssig. Solche Praktiken vermindern für alle sichtbar und brutal das Gefühl persönlicher Bedeutung, das Gefühl, für andere notwendig zu sein.“ (S. 201) Wohl bemerkt: der Kapitalismus scheint die Frage >Wer braucht mich< zu negieren, als wären die Menschen problemlos ersetzbar. Die Konjunktive zeigen an, daß es Sennett um etwas anderes geht, daß es mithin egal ist, ob der Mensch nun tatsächlich ersetzbar ist oder nicht, oder sogar ersetzt wird. Die „Persönlichkeit“, der flexible Mensch ist auch hier Thema, weil es um die Lesbarkeit des neuen Kapitalismus geht: „Man könnte einwenden, daß der Kapitalismus immer so war. Aber nicht in dieser Weise. Die Gleichgültigkeit des alten klassengebundenen Kapitalismus war grob materiell; die Indifferenz, die der flexible Kapitalismus ausstrahlt, ist persönlicher, weil das System selbst weniger definiert ist, in seiner Form weniger lesbar.“ (S. 202)

Das Problem der Lesbarkeit ist offenbar Sennetts eigenem Vermittlungsproblem geschuldet, Erlebnissoziologie und Positivismus poststruktural verbinden zu wollen. Das wird deutlich etwa in seinem Umgang mit Theorien, insbesondere der Marxschen, die sich ja thematisch aufdrängt. Wer bei diesem Buch noch bis zu den letzten Seiten hin die Hoffnung hegt, daß Sennett, auch wenn er schon von Marx nicht redet, ihn doch zumindest gelesen haben möge, wird immer wieder von Sätzen auf den Boden zurückgeholt, die bei Sennett nicht einfach Beiwerk sind, sondern Kernstücke konkreter Untersuchung sein wollen. Als Zentralpassage findet sich in dem Buch etwa eine Geschichte einer Brotfabrik. Die alte Backkunst wurde durch Computer ersetzt. Oft verbrennt das Brot; einfacher sei es nun, „die verdorbenen Brote wegzuwerfen, den Computer neu zu programmieren und von vorn anzufangen. Früher sah ich in der Bäckerei wenig Abfall, nun sind die riesigen Plastikmülltonnen jeden Tag voller geschwärzter Laibe. Die Mülltonnen erscheinen als passendes Symbol für das, was aus der Kunst des Backens geworden ist.“ (S. 88) Die Mülltonnen erscheinen aber auch als passendes Symbol für das, was aus der linksbürgerlichen Soziologie geworden ist; Sennett fährt fort: „Nach der alten marxistischen Klassentheorie müßten die Arbeiter wegen des Verlusts ihrer Fähigkeiten entfremdet und zornig über die abstumpfenden Arbeitsbedingungen sein. Die einzige Person in der Bäckerei, auf die diese Beschreibung paßt, war jedoch der schwarze Vorarbeiter, der auf der niedrigsten Stufe des Managements stand.“ (S. 88) Es ist wohl kaum notwendig, darauf hinzuweisen, daß dies „nach der alten marxistischen Klassentheorie“ ziemlicher Unfug ist. Über vermeintliche Marxismen zu schwadronieren und diese mit augenfälliger Unkenntnis mit einer gewissen Selbstsicherheit zu verbreiten, ist eine Sache, zudem eine übliche Sache als Abwehrreaktion gegen marxistische Kritik der politischen Ökonomie, die heute zu überprüfen überfällig ist; dies ist zur Kenntnis zu nehmen und der Autor muß sich gefallen lassen, daß er allein nach Maßgaben des wissenschaftlichen Arbeitens nicht ernst genommen wird. Eine andere Sache ist aber von größerer Bedeutung, nämlich die Nachfrage danach, was und wen Sennett eigentlich mit den Menschen meint. Sennett steht hier begrifflich vor großen Schwierigkeiten, die schon methodisch ansetzen: Aus seiner Erlebnisserei und dem positivistischen Abhub von Alltagsgeschehen kann er wohl grade noch konstatieren, daß der Kapitalismus sich irgendwie gewandelt hat. Inwiefern diese Wandlungen nun mit den Menschen zu tun haben und auch auf sie rückwirken, bleibt aber abstrakt und wird entweder mit Statistik deduziert, oder im Rückbezug auf das Alltagsverhalten aus Einzelschicksalen induziert. Nirgends sind die Menschen, von denen Sennett schreibt, konkret, nirgends vergesellschaftete Wesen: die Bedürfnisse, die Ängste, Sorgen und Nöte dieser Menschen werden selbst schon als flexible Regungen vorgeführt, als austauschbare Konstanten: der flexible Mensch ist mithin kein Resultat neuer ökonomischer Bedingungen, sondern Offenbarung der individuellen Vermögen. Diese Vermögen sind zwischen Erlebnispositivismus und poststrukturaler Lesbarkeit-von-Welt-Theorie für Sennett jedoch immer nur als gleiche, mithin chancengleiche wahrnehmbar. Kategorial sind Drift oder das Risiko-auf-sich-Nehmen auf derselben Stufe wie soziale Klassen, als Grundmuster der Individualität. Offenbar geht Sennett davon aus, daß die Frage „Wer braucht mich?“ früher noch über die individuelle Zuordnung in Klassen entschieden wurde, halb calvinistisch, halb demokratisch. Heute ist die alte Orientierungsgleichheit und -gewißheit in Klassen ersetzt durch die Desorientierungsgleichheit und -gewißheit. Sennett macht keinen Unterschied zwischen dem Brotfrabrikarbeiter, der Barfrau und Bill Gates; im Gegenteil – Bill Gates ist sogar der Prototyp des Drift-Menschen: „Er ist das Musterbeispiel eines flexiblen Wirtschaftsbosses . . . Statt sich in einem festumrissenen Job selbst zu lähmen, erklärte er, solle man sich lieber in einem Netz von Möglichkeiten bewegen . . . Doch die flexible Fähigkeit zur Anpassung zeigt sich in seinem Wissen, das von ihm Geschaffene zu zerstören, wenn es die Situation erfordert – er ist zum Loslassen fähig, wenn schon nicht zum Geben.“ (S. 78f.)

„Der flexible Mensch“ unterscheidet sich also auffällig, vor allem in wissenschaftlicher Hinsicht, von vorausgegangenen Publikationen Sennetts. Von dem geschichtlichen Detailblick, der die Originalität seiner Bücher wie „Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität“ (dt. 1985), „Civitas. Die Großstadt und die Kultur des Unterschieds“ (1991) oder „Fleisch und Stein. Der Körper und die Stadt in der westlichen Zivilisation“ (dt. 1995) kennzeichnet, findet sich fast nichts. Der Gegenwartsbezug, der zugleich die geschichtliche Gewordenheit der Zustände verleugnet, übt sich statt dessen in sozialdemokratischen Parolen: „Die Probleme, vor denen wir stehen, müssen wir heute und für heute angehen.“ (S. 157) Eines dieser Probleme, das nach Lektüre dieses Buches sich aufdrängt, ist wohl Sennetts Soziologie selbst.

Richard Sennett, Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus, a. d. Amerk. v. Martin Richter, Berlin Verlag: Berlin 1998, 224 S. geb., 38,- DM