31.12.2000  Beitrag drucken

Zum Verhältnis von Theorie und Praxis

Bewegungsversuche auf Glatteis

„Am schädlichsten ist es, sich vor Irrtümern bewahren zu wollen.“ — G.W.F. Hegel (1)

von Franz Schandl

Vorweg sei erwähnt, daß die folgenden Einwürfe nicht von einer prinzipiellen Unzufriedenheit mit dem Projekt getragen sind, wohl aber von der Sorge, daß bestimmte Behinderungen nicht überwunden werden können, ja nicht einmal als solche begriffen werden. Wir haben uns zwar inhaltlich, nicht aber der Form nach von der traditionellen Linken gelöst. Der Grundwiderspruch zwischen einer entwickelten Theorie einerseits und einer konventionellen, sich selbst unterlaufenden Praxis und Nichtpraxis andererseits, ist evident. Diesbezüglich ist das Reflexionsniveau wenig über das der alten neuen Linken hinausgekommen. Wobei einschränkend dazugesagt werden muß, daß es sich beim Kritischen Kreis um eine Theoriegruppe handelt, deren Anspruch (vorerst?) einer ist, der primär den Erkenntnissen Genüge tun will.

Der folgenden Beitrag will erkunden, was denn eine emanzipatorische gesellschaftskritische Praxis ist, wie sie sich konstituieren könnte und wie sie ausschauen könnte. Der hier beschriebene Abschied ist als ein Prozeß zu verstehen, der das zu Verabschiedende noch nicht für gänzlich erledigt und ausgestanden hält. Er rechnet mit seinen Wirkungen. Auch wenn es nur solche im Abgang sind, sagt das nichts über Schwäche oder Gefährlichkeit aus.

1. Das strategische Manko

Das bedingte Primat der Theorie über die Praxis war eine notwendige Folge des Abgesangs der Achtundsechziger, K-Gruppen und Grünen in die Bewegungs- und Bauchpolitik gewesen. Jenes ist aber kein dogmatisches Gebot, das Allgemeingültigkeit besitzt, sondern variables Gut. Die Gewichtung ist eine strategische Frage, die durchaus auch das taktische Kalkül kennt, ohne sogleich sich vor dem Opportunismus zu fürchten.

Strategie ist in gewisser Hinsicht die Theorie der organisatorischen Praxis,“(2)schrieb Hans-Jürgen Krahl. Die Organisationsfrage stellt sich heute unter gänzlich neuen Aspekten. Alles was starr und fest erschien, ist dynamisch und flexibel geworden, ohne daß die kritische Praxis bisher diesen Anforderungen folgen konnte. Voraussetzung ist eine fundamentale Kritik und langfristig auch eine systematische Umwälzung der herkömmlichen Formen, in denen wir uns intern wie extern bewegen. Es geht also nicht nur darum, zu neuen Inhalten vorzudringen und diese vielfältig zu entwickeln, Theorie zu neuern und zu erneuern, notwendig ist ebenso die Auslotung und Erprobung alternativer Formen der Praxis.

Auf den ersten Blick erscheint Praxis als eine ganz einfache Veranstaltung. Als exoterisches Tun mit beabsichtigten Folgen. Kaum, daß sie jemand als solche hinterfragen will. Gewöhnlich versteht man unter Praxis die Einheit von Subjekt und Objekt durch das Prädikat. Ihr Kriterium ist nicht die Wahrheit, sondern die Wirkung. Nicht jedes beliebige Hantieren ist allerdings Praxis, dazu bedarf es mehr als die Anwendung der Alltagserfahrung im Alltag, d.h. eine höhere Stufe reflektierter Reflexion ist unabdingbar. Zur Unterscheidung vielleicht Kant: „Man nennt einen Inbegriff selbst von praktischen Regeln alsdann Theorie, wenn diese Regeln, als Prinzipien, in einer gewissen Allgemeinheit gedacht werden, und dabei von einer Menge Bedingungen abstrahiert wird, die doch auf ihre Ausübung notwendigen Einfluß haben. Umgekehrt, heißt nicht jede Hantierung, sondern nur diejenige Bewirkung eines Zwecks Praxis, welche als Befolgung gewisser im allgemeinen vorgestellten Prinzipien des Verfahrens gedacht wird.“(3) Das Anstellen wird erst durch das Vorstellen von einem bloßen Tun zu einem bewußten Handeln. „In der Praxis gibt es etwas, das zu tun ist.“. Es geht, so Cornelius Castoriadis weiter, um ein „Tunsollen„.(4)

Die „Was tun?“-Frage ist nicht einfach zu entsorgen, sie darf aber ebensowenig wie ein „automatisches Einschnappen“(5) (Adorno) funktionieren. „Ihr wißt ja auch nicht, was zu tun ist“, sagen jene, die dann im Zweifelsfall — mangels Alternativen, die sie ultimativ fordern — mittun, wogegen sie vorgeben zu sein. Dem obligaten Diktat der Praxis ist aber kein Verdikt der Theorie gegenüberzustellen. Kritik, so unsere These, kann sich heute weder von Theorie noch Praxis absentieren (selbst wenn sie sich distanzieren soll und muß!), sie holen sie herausfordernd ein. Keine Reinheit, die nicht der Gemeinheit der Anlassigkeit zum Opfer fällt. Es gibt letztlich kein geschütztes Reservat.

2. Erkenntnis und Wirkung

Aufgabe der Theorie ist es, Erkenntnis zu liefern bzw. ein Begreifen zu ermöglichen. Wobei Erkennen und Begreifen nicht bloß als erhellendes Aufklären, sondern auch als verdunkelndes Eintrüben verstanden werden müssen. Nicht alles, was wir verstehen wollen, kann verstanden werden. Aber auch: Nicht alles, was wir heute nicht denken können, kann nicht nicht gedacht werden.

Theorie kennt keine Taktik, Praxis verlangt nach einer strategischen Anlage. Sie steht unter dem unbedingten Anspruch, zu verbinden, nicht nur sich abzusetzen. Sie hat Attraktion zu sein, nicht bloß Repulsion, wie es der Theorie durchaus erlaubt ist. Sie hat daher Stimmungen und Emotionen zu berücksichtigen, ja auf sie Rücksicht zu nehmen, will sie Einfluß gewinnen. Kritische Praxis kann nie in der reinen Negation sich behaupten, sondern muß sich als Synthese versuchen. Ziel der Praxis ist es, umfassend anzusprechen. Es geht — auch wenn das nur abstrakt, nicht aber konkret durchgehalten werden knann — um eine bewußte Zweiteilung, die den Widerspruch als einen handhabbaren benennt und zu bewerkstelligen versucht. Theorie hat in jeder Hinsicht intransigent, d.h. rücksichtslos zu sein und bedingungslos zu agieren; Praxis hat in vielerlei Hinsicht Rücksicht zu nehmen, will sie erreichen, was sie soll: wirken.

Praxis ist nicht die von der Erkenntnisebene auf die Handlungsebene verschobenen Theorie. Theorie muß den (nie erfüllbaren) Anspruch erheben, zu sagen, was warum ist, was sie also zu erkennen vermeint; Praxis hingegen muß versuchen, was geht. Das Kriterium der Praxis ist die Wirkung. Theorie hingegen, die auf Wirkung abstellt, ist nichtig. Kritische Theorie ist frei vom Zwang des unmittelbaren Nutzens. Ist sie das nicht, dann ist sie Legitimationsideologie geworden.

Wirkung bemißt sich aber nicht als eine unbestimmte, sondern als eine bestimmte und bestimmbare. Nicht nach Anschlußfähigkeit frägt Praxis, sondern nach Anzugsfähigkeit, die Bewegung muß die richtige Richtung haben. Die Leute abzuholen, wo sie sind, hieße ja sich zu ihnen, auf ihre Ebene, zu begeben; nein es geht darum, diese von dort abzuziehen: sie haben zu kommen. Was von ihnen zu lernen ist, ist eindeutig negativ bestimmt. Wir positionieren uns nicht mit ihnen, sondern gegen sie für sie. Der gemeine Menschenverstand wird ernstgenommen, ohne daß er ein Zugeständnis erhält, oder um es vielleicht mit dem § 318 der Hegelschen Rechtsphilosophie zu umschreiben: „Die öffentliche Meinung verdient daher ebenso geachtet als verachtet zu werden, dieses nach ihrem konkreten Bewußtsein und Äußerung, jenes nach ihrer wesentlichen Grundlage, die, mehr oder weniger getrübt, in jenes Konkrete nur scheint. Da sie in ihr nicht den Maßstab der Unterscheidung noch Fähigkeit hat, die substantielle Seite zum bestimmten Wissen in sich heraufzuheben, so ist die Unabhängigkeit von ihr die erste formelle Bedingung zu etwas Großem und Vernünftigem.“(6)

Eine Anforderung an die transvolutionäre Praxis ist, daß sie dem gesunden Menschenverstand zwar nicht anschlußfähig ist, aber doch aufmischungsfähig. Sie muß ihn verstehend unverständlich machen. Das Normale zum Irren küren, ist ihre Aufgabe. Sie will Fronten nicht erhärten, sondern diese aufbrechen und auflösen. Alles andere ist sektiererische Selbstinszenierung und intellektuelle Kraftmeierei, die sich meist so lange aufführt, bis der Illusionismus in die Desillusion umschlägt, und selbst in die Normalität desertiert.

Unterhalb der Systemschranke ist Praxis, da mag sie nun Reform sein oder sich revolutionär gebärden, immer bloß eine partikulare Größe. Praxis kann lediglich im Moment der Systemtransformation total und somit auch überflüssig werden. Unmittelbar kann sie nicht hinausführen, ohne (hin)auszufallen. Theorie hingegen kann hinausdenken. „Das nicht Bornierte wird von der Theorie vertreten. Trotz all ihrer Unfreiheiten ist sie im Unfreien Statthalter der Freiheit.“(7) Nur im reflektierten Denken kann der Mensch über seine reproduktiven Möglichkeiten hinauskommen. „Durch ihre Differenz von dieser als dem unmittelbaren, situationsgebundenen Handeln, durch Verselbständigung also, wird Theorie zur verändernden, praktischen Produktivkraft.“(8) Die Verächtlichkeit mit der man heute über graue oder reine Theorie spricht, zeigt die ganze Geistesfeindschaft des herrschenden common sense. Wer Theorie denunziert, denunziert Alternativen.

3. Zweiheit von Theorie und Praxis

Die allseits propagierte Einheit ist kontraproduktiv. Wenn Theorie Praxis folgt, wird sie zur Ideologie. Wenn Praxis Theorie folgt, ist Sektierertum am Werk. Wir plädieren für eine konstruktive Distanz. Damit es zu keinem bloßen Nebeneinander kommt, sind Einmischungen erforderlich, Einmischungen freilich, die das Andere als Anderes und wiederum doch auch nicht akzeptieren. Wobei das Eine nicht das transformierte Andere ist, sondern ihre Beziehung eine der Brüche und Verwerfungen darstellt. „An Knotenpunkten, Bruchstellen der Entwicklung mögen Reflexion und Handlung zünden; selbst dann jedoch sind beide nicht eins.“(9) Kritische Theorie und emanzipatorische Praxis stehen in einem Spannungsverhältnis, das nur auszuhalten ist, wenn sie sich gegenseitig Autonomie gewähren. Wenn es keine eherne einseitige Dominanz gibt. Der Bezug zueinander ist aber kein pragmatischer, sondern gezeichnet durch Dissidenz und Konflikt. Gesellschaftskritik ist doppelbödig. Sie bewegt sich auf einem Boden, der nicht ihrer sein soll und auf einem anderen, der inexistent nur in schwindelnden Höhen sich behauptet.

„Herzustellen wäre ein Bewußtsein von Theorie und Praxis, das beide weder so trennt, daß Theorie ohnmächtig würde und Praxis willkürlich; noch Theorie durch den von Kant und Fichte proklamierten, urbürgerlichen Primat der praktischen Vernunft bricht. Denken ist ein Tun, Theorie eine Gestalt von Praxis; allein die Ideologie der Reinheit des Denkens täuscht darüber.“(10) Wer sich der Mühe unterzieht, Kants „Kritik der praktischen Vernunft“ zu lesen, wird unschwer feststellen, wie sehr die praktischen Gesetze der allgemeinen Vernunft auf die bürgerliche Gültigkeit hin beschlossen wurden. Der absolute Vorrang dieser Praxis scheint hier durch. Vernünftig ist was praktisch ist und allgemein anerkannt wird. Demgemäß hat sich auch der Wille in dieser Form zu gestalten.(11)

Kritische Theorie ist angesiedelt jenseits des gesunden Menschenverstandes. Seine Gemeinheiten sind ihre nicht. „Das Alltagsdenken und Alltagsverhalten ist primär pragmatisch,“(12) schreibt Agnes Heller, und das sollte hellhörig machen: „Das pragmatische Verhältnis ist ein Zeichen unmittelbarer Einheit von Theorie und Praxis.“(13) Eine solche Einheit ist also keineswegs das non plus ultra der Gesellschaftskritik, sondern schuldet sich dem Eindringen des gesunden Menschenverstands in ebenjene. Was vordergründig richtig erscheint, ist hinterhältig abgründig. Irgendetwas stürzt ab. Mit ihrer plumpen Forderung nach der Einheit von Theorie und Praxis, von Wort und Tat, hat vor allem die radikale Linke die notwendige Debatte über das systembedingte Auseinanderklaffen beider geradezu desavouiert. Im Postulat erstickte die Differenz.

Theodor W. Adorno schreibt in der „Negative(n) Dialektik“: „Die Forderung der Einheit von Praxis und Theorie hat unaufhaltsam diese zur Dienerin erniedrigt; das an ihr beseitigt, was sie in jener Einheit hätte leisten sollen. Der praktische Sichtvermerk, den man aller Theorie abverlangt, wurde zum Zensurstempel. Indem aber in der berühmten Theorie-Praxis, jene unterlag, wurde diese begriffslos, ein Stück der Politik, aus der sie hinausführen sollte; ausgeliefert der Macht. Die Liquidation der Theorie durch Dogmatisierung und Denkverbot trug zur schlechten Praxis bei; daß Theorie ihre Selbständigkeit zurückgewinnt, ist das Interesse von Praxis selber. Das Verhältnis beider Momente zueinander ist nicht ein für allemal entscheiden, sondern wechselt geschichtlich.“(14)

Andernorts notiert er: „Sind Theorie und Praxis weder unmittelbar eins noch absolut verschieden, so ist ihr Verhältnis eines der Diskontinuität. (…) Das Dogma von der Einheit von Theorie und Praxis ist entgegen der Lehre, auf die es sich beruft, undialektisch: es erschleicht dort simple Identität, wo allein der Widerspruch die Chance hat, fruchtbar zu werden. Während Theorie aus dem gesellschaftlichen Gesamtprozeß nicht herausoperiert werden kann, hat sie in diesem auch Selbständigkeit; sie ist nicht nur Mittel des Ganzen sondern auch Moment; sonst vermöchte sie nicht dem Bann des Ganzen irgend zu widerstehen. Das Verhältnis von Theorie und Praxis ist, nachdem beide einmal voneinander sich entfernten, der qualitative Umschlag, nicht der Übergang, erst recht nicht die Subordination. Sie stehen polar zueinander.“(15)

„Das Falsche des heute geübten Primats von der Praxis wird deutlich an dem Vorrang von Taktik über alles andere.“(16) Doch dort sind wir angelangt, und es wird sogar ausgesprochen: „Die Theorie macht Fortschritte! Sie kommt aus der Praxis“,(17) weiß Anthony Giddens den Blairismus auf den Gefrierpunkt bringend. Fast schon in Hegelscher Manier wird hier das Wirkliche zum Vernünftigen erklärt. Aber genau das ist es, was Politik letztlich leistet; sie ist eben eine vorbestimmte Praxis, nämlich die bürgerliche Ordnungspraxis, stets orientiert am Staat, egal wie sie zu ihm steht. Wer mehr mit ihr anstellen will, irrt.

Von der Praxis ausgehen, heißt in der Praxis aufgehen, vom Praktiker zum Praktikanten zu werden, der dann zur eigenen Rechtfertigung dumme Kalauer von sich gibt, Marke: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Nur-Praktiker kommen über das Praktikantenstadium nicht hinaus. Ja, sie idealisieren es gar, springen von Frage zu Frage, von Bewegung zu Bewegung. Sie sind immer da, wo sich etwas rührt. Sie bringen sich überall ein, ohne sich einzubringen. In ihrer Beschränktheit sind sie rührig, ja fast rührend. Vor lauter Handeln kommen sie nicht zum Denken. „Aktionismus ist regressiv. Im Banner jener Positivität, die längst zur Armatur der Ichschwäche rechnet, weigert er sich, die eigene Ohnmacht zu reflektieren. Die unablässig „zu abstrakt“ schreien, befleißigen sich des Konkretismus, einer Unmittelbarkeit, der die vorhandenen theoretischen Mittel überlegen sind.“(18) Indes, es ist „der Gedanke, der Atem schöpft“.(19) Die kritische Reflexion ist das Moment der Befreiung, des stets bedrohten Richtigen im falschen Ganzen. Denken meint Luft holen.

Adorno weiter: „Keine Theorie darf agitatorischer Schlichtheit zuliebe gegen den objektiv erreichten Erkenntnisstand sich dumm stellen.“(20) Aber sie hat umgekehrt diesen Vorsprung nicht wie ein Geheimnis zu hüten, sondern ihn eben — so weit als möglich — weiterzureichen. Kritische Theorie hat Avantgarde zu sein, nicht Elite. Ihr Habitus ist bei aller nötigen Distanz kein akademischer. Theorie verhält sich zur Praxis als Stachel und Treibsatz, die einmahnt, was die andere in ihrem profanen Treiben stets preiszugeben gedenkt. Mit der Kritik versucht die Theorie die Praxis sich vom Leib, aber doch auf Trab zu halten.

„Der Geist aber hat seinen Rang in der Absonderung.“ (Aristoteles)(21) Denken ist eine menschliche Absonderlichkeit. Theorie entwickelt sich in Abgehobenheit, als Außer-Sich-Setzung. Theorie möchte von der beobachteten Wirklichkeit das Ganze begreifen und über sie hinausgehen. Das ist anstrebbar, aber doch nicht erfüllbar. Theorie kann nie das Ganze benennen, die Wahrheit (das Kriterium der Theorie) nie der Wirklichkeit (dem Kriterium der Praxis) entsprechen. Theorie wird sich vielmehr zur Praxis verhalten, nicht dem Identitätswahn verfallen. Theorie wird sowohl über Praxis hinausgehen als auch hinter ihr zurückbleiben. Keine Theorie reicht je an ihre Praxis. Und doch geht jede über sie hinaus. Auch wenn sie als das Einfachere erscheint, ist die Praxis immer vielfältiger und komplizierter als die Theorie. Allerdings gilt das auch vice versa. Das Niveau einer Theorie läßt sich erkennen an der Größe des Hinausgehens aber auch des Herankommens.

Theorie — die zu sein hat, solange die bürgerliche Gesellschaft besteht — ist nicht identisch mit Kritik, wenngleich diese ihre entwickeltste Seite ausdrückt, jene Dialektik beinhaltet, die transvolutionäre Qualität aufweist. Kritik beinhaltet sowohl die Negation, aber auch das Wollen. Kritik will nicht hinnehmen. Theorie hat ihre Eigenständigkeit zu bewahren, indem sie darum kämpft. Ihr Ort ist nicht der der Segregation, der bloßen Attitüde und Attention, schon gar nicht verbunden mit irgendeiner Aura, sondern jener der beständigen Repulsion. Der Elfenbeinturm ist offen, und der Überblicker steht nicht nur am Turm, sondern er bewegt sich auch im Gelände. Will es nicht entschwinden, darf das Vorauseilende nicht enteilen, lautet eine avantgardistische Grundregel.

Unser Ansatz beharrt auf einer Trennung von Theorie und Praxis, wobei der Theorie ihr Platz eingeräumt werden muß. Nicht Einheit von Theorie und Praxis wird vertreten, sondern eine Zweiheit, die sich der notwendigen Diskrepanz der beiden in der falschen Gesellschaft bewußt sein muß.

4. Im Gehäuse

Sind wir ein antiquierter Klüngel? Bisweilen beschleicht einen der Eindruck. Unsere Treffen und Veranstaltungen demonstrieren Konventionalität, sie hätten so auch 1976, 1983 oder 1990 statttfinden können. Dechiffrieren müssen wir nicht bloß die Gesellschaft, sondern auch uns selbst. Eine wichtige Aufgabe der Kritik ist immer auch die Selbstkritik. Selbst wenn es weh tut, und einen vorerst einmal ratlos macht. Dabei ist es erforderlich, zu beobachten, was die Theoretiker denn sowieso (sic!, F.S.) so alles tun, ohne dies a priori zu rechtfertigen, aber es ebensowenig als private Angelegenheit abzutun und aus der Betrachtung zu exkludieren. „Womit beginnen?“ und „Was tun?“, diese Fragen sind so aktuell wie vor hundert Jahren. Wahrlich Lenin läßt ungebetenerweise grüßen.

Charakteristisch für die Streifzüge ist – und darin besteht ihre hervorstechende Qualität! -, daß sie über den „ureigensten“ Klüngel hinausreichen, angenommen und auch rezipiert werden. Das sollte mehr erfreuen als erstaunen. Die Risken der Attraktion dürfen zwar nicht unterschätzt werden, außerhalb dieser gibt es jedoch weder theoretischen Einfluß noch praktische Wirkung. Das Manko des Kritischen Kreises, des Trägervereins der Streifzüge, hingegen besteht darin, daß er diese Potenz seiner Zeitschrift, für die Gruppe nicht oder kaum zu nutzen versteht. Die Berührungsangst im Praktischen und Persönlichen ist hier größer als die Angriffslust im Theoretischen. Warum eigentlich? Unmittelbar mag das ja nicht tragisch sein, auf Dauer möglicherweise aber doch.

Menschen werden stets von bestimmten Aspekten angesprochen, nicht vom Ganzen, welches dargeboten wird. Ihr Anschluß ist ein selektiver. Soll dieser nicht abreißen, sondern ist deren Aufschluß gewünscht, dann muß die Gruppe auch bereit sein, einiges zuzulassen. Erst Akzeptanz, die keine beliebige ist, ermöglicht Entwicklung, auch die Wegentwicklung von falschen Positionen, die man sogar — man halte es zumindest für möglich! — bei sich selbst nicht ausschließen sollte. Kapieren meint nicht kapitulieren, meint es das, haben — zumindest was die emanzipatorische Seite betrifft — nicht nur die sich unterwerfenden Kapitulanten verloren.

Ein gesellschaftskritisches Kollektiv darf nicht wie ein familiales Gehäuse erscheinen. Eine der schlimmsten Gefahren ist, daß die Gruppe sich in ihrer Parzelle wärmt, wie ein hermetischer Riegel auftritt, der offenbar nichts zuläßt, was von ihm abweicht. Daß gerade unzählige linksradikale Kritiken einer zwänglerischen Identität huldigen, wo allzuoft Kritik und Verdächtigung kaum zu unterscheiden sind, ist mit ein Grund (nicht: der), warum es nicht gelingt, die notwendige Repulsion mit einer ebenso möglichen Attraktion zu verbinden.

Die Geschichte der Linken in den letzten Dezennien ist eine unendliche und kaum nachvollziehbare Geschichte der Spaltungen. Diese gilt es zu beenden. Man muß lernen mit Differenzen innerhalb einer bestimmten Spannweite umzugehen, ohne sofort in den Abgrenzungswahn zu verfallen. Man muß lernen wieder im Und zu denken, nicht nur im Entweder-oder. Und ist integrierend und differenzierend zugleich; meint Zusammenhang ohne Identität, ohne ein bloßes Nebeneinander zu sein. Solche gilt es zu schaffen.

5. Außer Haus

Wertkritik muß also auch sämtliche praktische Formen einer fundamentalen Kritik unterziehen, darf sie nicht unangetastet lassen. Sonst könnte es sein, daß die Kritiker der politischen Simulation über die Rolle des linken Saalschutzes der Demokratie nicht hinauskommen, so elaboriert ihre Ansätze auch sein mögen. Wie könnten Momente einer emanzipatorischen und transformatorischen Praxis beschrieben werden? Woher könnten sie rühren? Wo erkennen wir ihre objektiven Grundlagen? Wo sind nun diese Eingriffsmöglichkeiten jenseits der Medienfalle?

Die zur Verfügung stehenden Kommunikationsformen sind ebenso wenig neutral wie die bürgerlichen Formprinzipien. Die uns bekannte Sitzung (mit ihren Tages- und Geschäftsordnungen) etwa ist ein rationalisiertes Element bürgerlicher Demokratie. Der Schritt zur systematischen Kritik spezifischer Kommunikationsformen steht jedenfalls an. Intern wie extern. Fordistische Formen des Widerstands (Demonstration, Streik, Kundgebung….) sind allesamt prekär geworden. Sie regen weder an, noch sind sie zielführend. Die gängige öffentliche Praxis war bisher weitgehend mit Politik identisch. Aufgabe ist die bewußte Gestaltung dieses Auflösungsprozeß.

Small talk meint stete Verwechslung und Austauschbarkeit. Egal, was da gesprochen wird, Hauptsache es wird. Daß Reden oft von Schnattern nicht mehr zu unterscheiden ist, stört da wenig. Gegenwärtig erleben wir dessen Verallgemeinerung von televisionären Talk-shows bis zu alternativen Podiumsdiskussionen. Der Zweck ist stets die marktmäßige Besetzung der Segmente im jeweiligen Publikum. Am Podium geht es nicht um Kraft oder Substanz der Argumente, sondern um die kommerzialisierte Konkurrenz der Verkaufbarkeit. Um Machwerk und Mundwerk inklusive Mimik, Gestik, Polemik. Gefragt ist der Promi, wo er (fast ausschließlich männlich) auftritt, ist der Auflauf gelungen. Gefragt ist markentinggerechte Anmache. Das Publikum soll nicht befreit, sondern erobert werden.

Solche Form sind inzwischen geprägt von hochgradiger Obskuranz. Ihr Äußerungsmodus ist durch und durch kulturindustriell präformiert. Alles dreht sich um den Verkauf. In ihr dominiert die Konkurrenz, das Was kommt an? nicht das Was ist? Die Charaktermaske wird damit nicht einmal angekratzt, sondern stets reproduziert. Die Personen treten nicht als sie selber auf, sondern als stereotype Rolle, als standardisiertes Muster, wo ein paar Sager schon als Originalität gelten. „Der Diskussionsgegner wird zur Funktion des jeweiligen Plans: verdinglicht von verdinglichtem Bewußtsein malgre lui meme. Entweder man will ihn durch Diskussionstechnik und Solidaritätszwang zu etwas Verwertbarem bewegen, oder ihn vor den Anhängern diskreditieren; oder sie reden einfach zum Fenster hinaus, der Publizität zuliebe, deren Gefangene sie sind: Pseudo-Aktivität vermag einzig durch unablässige Reklame sich am Leben zu erhalten.“(22)

Vor diesem Hintergrund ist es ziemlich sinnlos, sich in den vorgegebenen Metiers (Podiumsdiskussionen, Runden, Talk-shows) zu verschleißen. Kritik an der Form muß vom bloßen Unbehagen zu einem öffentlichen Thema aufsteigen. Damit soll keine Lanze für eine Absenz gebrochen werden, sehr wohl aber ist es notwendig, Kräfte so einzuteilen, daß sie auch optimal genützt werden können, sie nicht in unproduktiven Hahnenkämpfen zu verpuffen. Konjunktureller Applaus sollte nicht mit substantiellem Zuspruch verwechselt werden. Neuer Wein darf nicht hauptsächlich durch alte Schläuche geleitet werden.

So stellt sich die banale Frage, warum man bei Veranstaltungen auftritt (besser eigentlich: antritt), die einen als Zuschauer kaum locken würde. Zweifellos, manchmal ist es der schnöde Mammon, aber sonst? Eitelkeit? Betriebsamkeit? Wohlgemerkt, d.h. nicht, daß man dies prinzipiell nicht soll, immer aber stellt sich die Frage: Was das soll? Wozu? Darüber gilt es sich apriori und a posteriori Rechenschaft abzulegen. Sämtliche Teilnahmen müssen unter diesen Gesichtspunkten reflektiert werden.

Die Hilflosigkeit im Umgang mit den herrschenden Formen ist Ausdruck auch unserer Verunsicherung mit der Praxis schlechthin, vor allem dahingehend, was denn eine postpolitische sein kann, bzw. was sich heute unweigerlich im politischen Rahmen bewegt. Konkrete Handlungsebenen sind anders beschaffen als das theoretische Terrain, man bewegt sich ausschließlich im Feindesland. Was meint, man muß dessen Regeln nicht nur kennen, sondern auch anerkennen. Das zeitigt allerdings unangenehme Resultate.

6. Intervenieren als Experimentieren

Proben wir neue Praxen. Betätigungsfelder gibt es zur Genüge. Man sollte nicht zimperlich sein und experimentieren. Die Differenz zum Aktionismus liegt darin, daß das so verstandene Experiment, am besten vielleicht beschrieben als Intervention, nicht als Selbstzweck der Betätigung gilt, sondern als Probe beabsichtigter Wirkung. Sie bedingt sich nicht selbst, noch liefert sie eine politische Daseinsberechtigung. Es geht um ein gerichtetes Eingreifen, nicht um die Omnipräsenz einer Position, die in unserem Fall sowieso schwer von einer pathologischen Umtriebigkeit zu scheiden wäre.

Die Frage, was man darf, darf nicht durch apriorische Gebote, was man alles nicht darf, limitiert werden. Man sollte es lockerer angehen. Als sinnvolle Intervention erscheint uns in Zeiten der Auflösung alter Widerstandsformen (Streik, Demonstration, Rededuell etc.) das reflektierte Experiment, das sich keinen Zugzwang verordnet und keinen Erfolgszwang auferlegt; sondern eben ausprobiert und durch Erfahrungen und Erkenntnisse seine Denk- und Handlungsmuster zu präzisieren versteht. Kritik hat zwar wirksam zu werden, diese Wirksamkeit ist aber eine essentielle und keine graduelle, die mit den üblichen Skalen von Markt und Tausch gemessen werden kann: Veranstaltungsbesuche, Sympathisanten, Mitglieder, Erwähnungen, Bestellungen, Spenden, Abozahlen sind nachgeordnet, wenngleich auch nicht gänzlich zu vernachlässigende Indikatoren des Zuspruchs. Kurzum, es geht nicht um die Quote, auch wenn diese einen nicht losläßt.

Das zentrale Kriterium ist, was wir in den Köpfen anrichten, dort hinterlassen, an Kritik initialisieren und vielleicht auch potenzieren. Es geht darum, Birnen ihre Formatierung begreifbar zu machen, den Automaten des bürgerlichen Subjekts zu entautomatisieren, kurzum den Menschen gegen seine Masken zu mobilisieren. Der gesellschaftliche Trieb, zu treiben, was getrieben werden soll, muß der Reflexion zugeführt werden. Wir wollen sein ein Virus im Getriebe der Betriebsamkeit. Den Monaden sollen wahrlich einige Lichter aufgehen. Das ist die aktuell vorrangige Aufgabe. Und wir sind die Zündler.

Das mag jetzt alles etwas abstrakt klingen, aber selbstverständlich gibt es Möglichkeiten unmittelbarer interventionistischer Subversion. Nehmen wir als Beispiel die Meinungsumfragen. Diese kommentieren nicht bloß die Politik, sie machen sie zusehends. Sie beeinflußen mehr als sie ausdrücken. Sie sind ein Politikum erster Klasse. Harmlos ist etwas anderes. Aber muß man mitspielen? Ist es selbstverständlich, bereitwillig Auskunft zu geben? Man könnte sich verweigern, falsch aussagen, oder schließlich in überaffirmativer Manier Geld für die Antworten verlangen. Denn diese Auskünfte bringen Einkünfte. Die einzig florierende Sozialwissenschaft bezieht ihren Rohstoff von den Befragten in hinterhältiger Weise umsonst. Das kann man in einer Marktwirtschaft nicht durchgehen lassen. Da wird einfach den Interviewten Zeit gestohlen, und da Zeit Geld kostet, kostet das Interview je nach Länge mal Breite. Cash and carry! Im Informationszeitalter Information gratis rauszurücken, das können sich wirklich nur „kleine Leute“ gefallen lassen.

Ziel ist jedenfalls ein destruktives Unterlaufen kulturindustrieller Überwachung und Zurichtung. Progressiv könnte z.B. sein, permanent von Meinungsüberwachung anstatt von Meinungsforschung zu sprechen. Progressiv wäre es auch, nicht mit all den andern die freie Meinung zu affirmieren, sondern die begrenzte Möglichkeit ebendieser zu kritisieren, die freie Meinung als ideologische Konstruktion bürgerlicher Selbstverherrlichung zu dechiffrieren. Hörig ist der Bürger, nicht mündig. Und letztlich wäre auch die Kritik der ganzen Zahlenmetaphysik progressiv. Wie das alles genau sich gestalten kann, ist in jeder Hinsicht eine spannende und vorrangige Frage emanzipatorischer Praxis. Setzen wir unseren Phantasien keine Grenzen, befreien wir sie aus den alten Genügsamkeiten. Was man nicht alles anstellen könnte…..

Letztlich geht es auch um eine Relativierung des protestantischen Bilderverbots. Dieses ist zutiefst durchdrungen von der kapitalistischen Rationalität. Realistisch ist, was real ist: du sollst dir keine Bilder machen außer den vorgemachten. — Nicht die alte Utopie soll hier rehabilitiert werden, wohl aber gilt es so etwas wie synthetische Projektionen zu entwickeln, wenngleich diese vorerst weitgehend negativ bestimmt bleiben müssen. Die Welt ohne Geld sich vorzustellen, die Güterentnahme ohne Warenmarkt, sollte doch geboten sein, nicht verboten.

Die nicht ganz unberechtigte Angst davor, sich an einem kommunistischen Luftschloß zu erbauen, darf nicht dazu führen, die richtige Gesellschaft erst gar nicht mehr anzudenken. Da ist heute sogar mehr angebbar als zu Marxens Zeit. Die Furcht vor dem falschen Jenseits gleitet sodann allzuleicht in die Auslieferung an das falsche Diesseits. Es geht ganz profan um die Entzauberung der bürgerlichen Welt, um den ideellen Abzug des fetischistischen Schleiers, der auf allen Zusammenhängen so schwer und bestimmend lastet. Statt in der Askese zu vertrocknen, sollten wir ruhig zur Prothese greifen. Keine Negation ohne Projektion. Anstellen wird man nur, was man sich vorstellen kann. Ist das Abschaffen nicht an ein Schaffen gekoppelt, fällt es ins Nichts.

Ohne Telos keine Mobilisierung!

Fußnoten

  1. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Aphorismen (1803-1806), Werke 2, Frankfurt am Main 1986, S. 550.
  2. Hans-Jürgen Krahl, Konstitution und Klassenkampf. Schriften und Reden 1966-1970, Frankfurt 1971, S. 166.
  3. Immanuel Kant, Über den Gemeinspruch: Das mag in der Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis (1794), Werkausgabe Band XI, Frankfurt am Main 1991, S. 127; vgl. auch S. 132-133.
  4. Cornelius Castoriadis, Gesellschaft als imaginäre Institution. Entwurf einer politischen Philosophie (1975), Frankfurt am Main 1990, S. 128.
  5. Theodor W. Adorno, Marginalien zu Theorie und Praxis, Gesammelte Schriften 10.2., Frankfurt am Main 1997, S. 779.
  6. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts (1821), Werke 7, Frankfurt am Main 1986, S. 485-486.
  7. Theodor W. Adorno, Marginalien zu Theorie und Praxis, S. 763.
  8. Ebenda, S. 765.
  9. Ebenda, S. 766.
  10. Ebenda, S. 761.
  11. Vgl. Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft (1788), Werkausgabe Band VII, Frankfurt am Main 1991, S. 125.
  12. Agnes Heller. Das Alltagsleben. Versuch einer Erklärung der individuellen Reproduktion (1970), Frankfurt am Main 1978, S. 217.
  13. Ebenda, S. 218.
  14. Theodor W. Adorno, Negative Dialektik (1966), Gesammelte Schriften 6, Frankfurt am Main 1997, S. 146-147.
  15. Theodor W. Adorno, Marginalien zu Theorie und Praxis, S. 780.
  16. Ebenda, S. 770.
  17. profil 46, 15. November 1999, S. 106.
  18. Theodor W. Adorno, Marginalien zu Theorie und Praxis, S. 776.
  19. Ebenda, S. 777.
  20. Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, S. 206.
  21. Aristoteles, Nikomachische Ethik, Buch X, Stuttgart 1983, S. 291. [1178a 12-31]
  22. Theodor W. Adorno, Marginalien zu Theorie und Praxis, S. 771.