31.12.2003  Beitrag drucken

Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft: Verlagsvorstellung

Eine neue Interpretation der kritischen Theorie von Marx

Moishe Postone

600 Seiten, 34 €, ISBN: 3-924627-58-4, ça ira-Verlag, Freiburg

Aus dem Amerikanischen von Manfred Dahlmann, Christoph Seidler u.a.

In diesem Buch interpretiert Postone die von Marx in seinem Spätwerk entwickelte kritische Theorie grundlegend neu, um die Natur der kapitalistischen Gesellschaft in neuartiger Weise theoretisch erfassen zu können. Seine Interpretation der von Marx analysierten gesellschaftlichen Verhältnisse und Herrschaftsformen der kapitalistischen Gesellschaft macht es erforderlich, die zentralen Kategorien der Kritik der politischen Ökonomie zu überdenken. Dazu werden Begriffe entwickelt, die zwei Kriterien genügen: Zum einen sollen sie das Wesen und die geschichtliche Entwicklung der modernen Gesellschaft erfassen, zum anderen soll in ihnen die in den Sozialwissenschaften gängige Dichotomie von Struktur und Handlung bzw. objektiven Lebensumständen und subjektivem Sinn überwunden werden. Im Bezug der Marxschen Theorie auf die aktuellen theoretischen Debatten wird nicht nur zu zeigen sein, inwieweit die Reformulierung dieser Theorie für die Gegenwart relevant ist, sondern daß in ihr auch eine grundsätzliche Kritik an traditionellen marxistischen Theorien und am ehemals “real existierenden Sozialismus” formuliert werden kann.

Postone bietet somit die Grundlage für eine kritische Analyse der kapitalistischen Gesellschaftsformation, die im Vergleich zu den bisherigen Analysen überzeugender und der heutigen Zeit angemessener ist.

Der Autor: Moishe Postone, geb. 1942, Dr. phil., lehrt Soziologie an der Universität in Chicago und hat Time, Labour and Social Domination: A Reinterpretation of Marx’ Critical Theory 1993 bei Cambridge University Press veröffentlicht. Zwischen 1972 und 1982 lebte der Autor in Frankfurt am Main und war Mitarbeiter des Instituts für Sozialforschung. In der Bundesrepublik ist Moishe Postone bekannt geworden durch einen “Offenen Brief” an die Deutsche Linke sowie durch seinen Aufsatz “Antisemitismus und Nationalsozialismus”, der 1979 zum ersten Mal in deutscher Übersetzung in der Frankfurter Studentenzeitung Diskus erschien. Dieser Aufsatz reflektiert die Aufnahme des Filmes “Holocaust” in der BRD und diskutiert den Antisemitismus in der BRD. Der zweite Teil des Beitrages erschien in überarbeiteter Form im Merkur (1982) und wurde in dem von Dan Diner herausgegebenen Band Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz sowie in der Zeitschrift Kritik und Krise, herausgegeben vom ça ira-Verlag, übernommen.

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