01.06.2004  Beitrag drucken

Die Frau im falschen Körper

aus: Lohoff, Ernst; Trenkle, Norbert; Wölflingseder Maria; Lewed, Karl-Heinz (Hg): Dead Men Working. Gebrauchsanweisungen zur Arbeits- und Sozialkritik in Zeiten kapitalistischen Amoklaufs, Münster 2004, S. 85

Von der Zurichtung zur Hinrichtung II

von Maria Wölflingseder

 Kaum war die Wende vollzogen, zog es die Frauen in der DDR massenhaft zur Sterilisierung – um die Chance auf einen Arbeitsplatz um ein paar Prozent zu erhöhen.

Nun soll endlich der Anachronismus Menstruation in Angriff genommen werden. Frauen wollen, sollen, müssen, dürfen nicht mehr bluten. Wer kann sich heute noch einen Körper leisten, der nicht auf Knopfdruck funktioniert? Ein eigener Rhythmus der Frauen – zu unberechenbar! Ihre kreativen Schübe und ihre größere körperliche Kraft in der zweiten Zyklushälfte erst recht beängstigend! Mit dem Versuch, die prä-, postund menstruellen Beschwerden medikamentös zu beseitigen, soll das Übel am besten gleich an der Wurzel gepackt werden. Vor allem japanische Forscher basteln eifrig daran, die Mensis gänzlich zu unterdrücken. Die labile Psyche und den Körper der Frau unter Kontrolle bringen, »schützt die Wirtschaft, die Arbeitgeber und die Männer vor allfälligen Ausfällen der Frau«.

Bereits im »England der 1950er Jahre wurden PMS(Prämenstruelles Syndrom)-Kliniken eingerichtet, in denen mit dem Hormon-Gewehr versucht wurde, Herr über die Stimmungslabilität der Frau zu werden«. Volkswirtschaftlichen Überlegungen zufolge verursachen berufstätige Frauen zu hohe Verluste. »Entweder raus aus dem Körper oder raus aus dem Job – Platz machen für die Kriegsheimkehrer.«

(Nicole Dietrich, Stimmungen und Verstimmungen, ein GanzIch-Report vom 15. November 2002, Ö1-Radio, ORF