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krisis

Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft

Krisis 11 (1991)

31.12.1991 Beitrag drucken

Von Auschwitz nach Bagdad

Anmerkungen zu den wundersamen Wandlungen des Anti-Antisemitismus

von Ernst Lohoff

Download (PDF): von-auschwitz-nach-bagdad.pdf

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Krisis 11 — Editorial

1.

Der Golfkrieg, eine von vielen Stationen im abrollenden Krisen- und Katastrophenprozess des warenproduzierenden Weltsystems, hat die Gemüter bewegt wie schon lange kein Ereignis von vergleichbarer Tragweite mehr. Rechte wie Linke gleichermassen wurden irre an ihren gewohnten Meinungsrastern; Fronten vertauschten sich mit atemberaubender Geschwindigkeit quer durch das gesamte politisch-ideologische Spektrum. Hatte die Krise der 3. Welt seit Beginn der 80er Jahre noch recht und schlecht einigermassen in die alten Schablonen eingepresst werden können, obwohl sie bereits über die Nachkriegs-Konstellation hinauswies, so waren der Zusammenbruch des Realsozialismus und die unglaublich rasche Selbstaufgabe der DDR schon nicht mehr in das politische Normalbewusstsein integrierbar; der Golfkrieg, obwohl vergleichsweise episodenhaft, hat offenbar das tradierte Weltbild vollends obsolet gemacht.

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Brüderchen und Schwesterchen

Ernst Lohoff

1. Verkehrung und Verdinglichung

Der bürgerlichen, auf Warenproduktion und abstrakter Arbeit beruhenden Gesellschaft liegt eine ausgesprochen paradoxe Konstellation zugrunde. Unter bürgerlichen Bedingungen treten die Menschen einander nicht unmittelbar gegenüber und verständigen sich subjektiv über ihren eigenen Zusammenhang; der gesellschaftliche Zusammenhang erscheint stattdessen in Dingen inkorporiert. Die Menschen treten nicht unmittelbar mit ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten in Verkehr zueinander, es sind ihre Produkte, die miteinander kommunizieren und sich austauschen. Das Wesen der menschlichen Subjekte, die Totalität ihrer menschlichen Beziehungen, schlüpft in die toten Dinge und beseelt sie.

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Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit

Die Gleichheitsforderung als Auslaufmodell

Norbert Trenkle

1.

Eine englische Karikatur aus dem späten achtzehnten Jahrhundert zeigt einen doppelgesichtigen Bürger, der nach der Seite des Königs hin kämpferisch Freiheit und Gleichheit einfordert, nach der anderen Seite hin aber, gegenüber der Frau, die ebensolches verlangt, den Stock zückt. Diese Karikatur drückt alles über das Selbstverständnis der frühen Frauenbewegung aus, ein Selbstverständnis, das sich in den Grundzügen bis heute erhalten hat. Die Anklage gegen die bürgerliche Gesellschaft lautete, dass diese die Prinzipien von Freiheit und Gleichheit zwar hochhalte, sie jedoch nur für die eine, die männliche Hälfte der Gesellschaft, gelten lassen wollte. Damit war auch schon die Stossrichtung der Frauenbewegung markiert, ging es doch darum, dem weiblichen Geschlecht die ihm zustehenden Rechte zu erkämpfen. Herausfordernd wurde den Bürgern ihr eigener Kampfbegriff entgegengeschleudert und egalit, auch für die Bürgerinnen eingefordert.

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Rien ne va plus

Ein Nachruf auf die Anti-Golfkriegs-Bewegung und ihre Kritiker

Norbert Trenkle

1.

Selten hat eine Bewegung so viel dezidierte Kritik aus der Ecke der linksradikalen Zeitgeistkommentatoren auf sich gezogen, wie die für ein paar kurze Tage aufgeflackerte Opposition gegen den Golfkrieg. Es war geradezu verblüffend, zu welchen verbalen Verrenkungen sich die Kritiker dabei hinreißen ließen. Am schwersten fiel es ihnen wohl, den Generalvorwurf des Antisemitismus mit dem Impuls des spontanen Erschreckens auf einen Nenner zu bringen, der ganz offensichtlich die Triebkraft der kurzatmigen Bewegung war.

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Demokratendämmerung

Das Ende von Freiheit und Gleichheit

Peter Klein

1. Das Dilemma der demokratischen Linken

Dass wir hierzulande in demokratischen Verhältnissen leben, ist eine Aussage, die der oder die traditionelle Linke üblicherweise nur mit erheblichen Einschränkungen gelten lässt – wofern er sie nicht vollkommen bestreitet. Zumindest für die siebziger-Jahre-Linke dürfte diese Skepsis, dieser Unglaube gegenüber der realexistierenden Demokratie im Namen einer erst noch zu verwirklichenden “eigentlichen Demokratie” kennzeichnend sein.

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Krisis 11 — Inhalt

Editorial

Robert Kurz: Geschichtsverlust – Der Golfkrieg und der Verfall des marxistischen Denkens

Ernst Lohoff: Von Auschwitz nach Bagdad – Anmerkungen zu den wundersamen Wandlungen des Anti-Antisemitismus

Norbert Trenkle: Rien ne va plus – Nachruf auf die Anti-Golfkriegs-Bewegung und ihre Kritiker

Ernst Lohoff: Brüderchen und Schwesterchen

Norbert Trenkle: Freiheit, Gleichheit, Schwesterlichkeit – Die Gleichheitsforderung als Auslaufmodell

Peter Klein: Demokratendämmerung – das Ende von Freiheit und Gleichheit