31.12.1990
Es ist keine Neuigkeit für uns gewesen, dass das realsozialistische Gebälk mehr als morsch war. Die radikale Kritik der realsozialistischen Reproduktionsform war von Beginn an ein zentrales Moment unserer “fundamentalen Wertkritik”. Was diese Form allerdings eingebüsst hat, ist ihre Realität.
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31.12.1990
Funktionsmechanismus und Zusammenbruch der sowjetischen Planökonomie
“Bevor er in die blaue Flut gesunken,
Träumt noch der Schwan und singet todestrunken;
Die sommermüde Erde im verblühn,
Lässt all ihr Feuer in den Trauben glühn;
Die Sonne, Funken sprühend, im Versinken,
Gibt noch einmal der Erde Glut zu trinken,
Bis, Stern auf Stern, die Trunkne zu umfangen,
Die wunderbare Nacht ist aufgegangen.”
Joseph Freiherr von Eichendorff
Johanna W. Stahlmann
Einleitung: der Zusammenbruch des Realsozialismus
Es ist ein Phänomen der beginnenden neunziger Jahre, dass eine von Endzeitphantasien zu Aufschwungsjubilieren sich wandelnde Zeitgeiststimmung mit wachsender ideologischer Verunsicherung und Perspektivlosigkeit sich paart.
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31.12.1990
Vom immanenten Zyklus zur Zersetzung der kapitalistischen Struktur
Ernst Lohoff
1. Krisenphänomenologie
Ein Begriff macht Karriere: der Begriff der Krise. Der inflationäre Gebrauch dieses Terminus, der sich in den letzten Jahren breit gemacht hat, ist nicht nur ein ideologisches Phänomen. Der Sprachgebrauch, so bunt-obskure Blüten er auch treiben mag, verweist auf eine dahinterstehende reale Veränderung.
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31.12.1990
Zu Christoph Türckes Auseinandersetzung mit dem Ethik-Betrieb
“Über Hegel hinaus kommt
Philosophie nur, wenn
sie etwas anderes als
Philosophie wird.”
(Christoph Türcke)
Peter Klein
Der Name Christoph Türcke müsste dem durchschnittlich informierten Leser allein schon durch die Häufigkeit seines Vorkommens aufgefallen sein. In letzter Zeit vergeht kein Monat, ja bald schon keine Woche mehr, ohne dass man ihm in jenen Publikationen begegnet, die man früher wohl unter die Kategorie der “Intelligenzblätter” eingeordnet hätte. Man findet seine Aufsätze, Glossen und Polemiken in der ZEIT, in der Frankfurter Rundschau, im Merkur und wer weiss sonst noch wo. Es hat geradezu den Anschein, als würden sie ihm aus den Händen gerissen. Und das ist bei dem Lesegenuss, den diese flott geschriebenen und zugleich anspruchsvollen Texte bereiten, kein Wunder.
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31.12.1990
Technokratische Massenuniversität und neue Studentenbewegung
Nuno Tomazky
1.
Als es im Wintersemester 88/89 zum Unmutsaubruch an den bundesdeutschen Universitäten und Fachhochschulen kam, stießen die Studenten auf allgemeines Verständnis, sowohl in der Presse, als auch bei der großen Mehrheit der Bevölkerung. Das lag nicht nur daran, daß das enorme Anwachsen der Studentenzahlen in den letzten 20 Jahren dem verbreiteten Volksvorurteil über die süßen Privilegien des akademischen Nachwuchses die Grundlage entzogen hat, sondern vor allem an dem, gegenüber den Protesten ihrer Elterngeneration, völlig anderen Charakter der Bewegung. Keine Spur mehr vom Bürgerschreck, der die Welt umkrempeln möchte, kein Ho-Ho-Ho-Chi-Minh, keine Transparente mit den Köpfen der “Klassiker” des Kommunismus und kein Angriff auf verklemmte Sexualvorstellungen.
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31.12.1990
Editorial
Robert Kurz: Deutschland einig Irrtum. Die Wiedervereinigungsfalle und die Krise des warenproduzierenden Weltsystems
Johanna W. Stahlmann: Die Quadratur des Kreises. Funktionsmechanismus und Zusammenbruch der sowjetischen Planökonomie
Ernst Lohoff: Das Gorbi-Syndrom. Ein Generalsekretär für westliche Sinndefizite
Robert Kurz: Aschermittwoch des Marxismus. Der Abgesang der Linken und die Kritik der politischen Ökonomie
Robert Schlosser: Das Scheitern des »Sozialismus« und die Chancen eines »Neuen Anfangs«
Ernst Lohoff: Die Inflationierung der Krise. Vom immanenten Zyklus zur Zersetzung der kapitalistischen Struktur
Nuno Tomazky: Die Wissenschaftsfabrik entläßt ihre Kinder. Technokratische Massenuniversität und neue Studentenbewegung
Udo Winkel: Unkritische Theorie. Anmerkungen zu einer Habermas-Kritik der linken Enkel Adornos
Peter Klein: Moralische Kritik oder Kritik der Moral? Zu Christoph Türckes Auseinandersetzung mit dem Ethik-Betrieb