17.12.2019 

Noch ein Postkapitalismus? Diesmal von Nick Srnicek und Alex Williams

Zumindest versprochen wird das im Untertitel. Das Buch von Nick Srnicek und Alex Williams: »Die Zukunft erfinden. Postkapitalismus und eine Welt ohne Arbeit« (übers. aus dem Englischen von Thomas Atzert; Edition TIAMAT, Berlin 2016; 384 S.; € 24,00) könnte, wenn man auch den zweiten Teil des Untertitels anschaut, obendrein die Verfasser und alle Liebhaber/innen des »Manifest gegen die Arbeit«[1] durchaus in Verzückung versetzen. Gegen die Arbeitsgesellschaft in ihrer heutigen Ausprägung zu sein, ist jedoch kein Privileg linker Gesellschaftskritiker/innen; zum Beispiel auch das als Spiegel-Bestseller, also nicht als allzu linksradikal einzustufende, firmierende Buch: »Hört auf zu arbeiten!«[2] zielt grundsätzlich in eine ähnliche Richtung. Allerdings lobt auch der ManU- und Corbyn-Fan Paul Mason das Buch von Srnicek/Williams auf dem hinteren Buchdeckel: »Ein überzeugendes Buch […] Eine Pflichtlektüre«. Wer meine Rezension von Masons Buch: »Postkapitalismus«[3], kennt, die/der ahnt schon, dass eine gute Beurteilung seitens Paul Mason nicht unbedingt als Vorschusslorbeeren durchgeht. Dennoch halte ich das neue Buch der Autoren von »#Accelerate. Manifest für eine akzelerationistische Politik«[4] für einigermaßen informativ und bedingt lesenswert, obwohl, oder vielleicht gerade, weil es einige Schwächen aufweist.

Kurzer Inhaltsüberblick

Zu Beginn zählen Srnicek/Williams die aus ihrer Sicht wichtigsten Gründe für die mangelnden Erfolge der Linken in den letzten Jahrzehnten auf. Die meisten Gruppierungen kämen über eine lokale Betroffenheitsperspektive nicht hinaus und versäumten es, die vorhandenen Zusammenhänge mit vielen anderen Bereichen sowie das System insgesamt in ihre Überlegungen und Aktionen miteinzubeziehen. Die Orientierung auf Hierarchielosigkeit, der sogenannte Horizontalismus, verbunden mit einem oft strengen Konsensprinzip, verhindere eine schlagkräftige Organisation von Kämpfen und Aktivitäten. Obgleich solche Vorgehensweisen für begrenzte Probleme zuweilen adäquat sein mögen, also grundsätzlich ihre Berechtigung durchaus hätten, so wären sie doch gänzlich ungeeignet, eine Änderung der Gesellschaft zu bewirken. Mit präfigurativen Versuchen, die Gesellschaft im Kleinen schon einmal ansatzweise zu ändern, könne der geballten Macht der Herrschenden nicht begegnet werden. Es werden zahlreiche Beispiele dafür genannt: Occupy, die Zapatisten, Slow-Food Bewegung, Lokavorismus[5], später auch Podemos, Syriza und einige mehr.

Nach einem Durchgang durch die Tiefen und Unbilden des Neoliberalismus ziehen Srnicek/Williams den Schluss: man müsste eine Art ›linke‹ Mont Pèlerin Society anstreben, um ein intellektuelles und mediales Gegengewicht zum Neoliberalismus aufzubauen. Anschließend legen sie dar, wie sich eine Moderne sozusagen links wenden ließe: durch einen »hyperstitionalen Fortschritt« (S. 119ff.). Das soll ein Fortschritt sein, dessen Fiktion aus der Zukunft in die Gegenwart wirkt, sowie ein »Gegen-Universelles« (S. 125ff.), das sich gegen das Universelle des Heute richtet. Anzustreben sei in diesem Zusammenhang eine nicht natürliche, sondern eine »synthetische Freiheit« (S. 130ff.), also eine Freiheit, die nicht dem Naturrecht entspringt, sondern die von der Gesellschaft konstruiert werden müsse.

Die »überschüssige Bevölkerung« (z. B. S. 147) wachse seit einiger Zeit an und »die Zahl der Menschen, die außerhalb formeller Lohnarbeitsverhältnisse stehen und ihren Lebensunterhalt mit geringen staatlichen Transferleistungen, mit Schwarz- und Subsistenzarbeit oder mit illegalen Mitteln bestreiten« (S. 171) vergrößere sich mit ihr, so behaupten völlig zurecht die Autoren. Die Arbeit sei also in einer Krise und diese treffe »vor allem jene überschüssige Bevölkerung, die heute die Mehrheit der Weltarbeitskraft stellt.« (ebd.). Die ›Linke‹ müsse deswegen dafür Sorge tragen, dass die Menschen nicht länger auf Lohnarbeit angewiesen sind.

Dann stellen die Autoren ihre vier Hauptforderungen zur Erreichung eines Zustandes »Nach der Arbeitsgesellschaft« (S. 175ff.) vor: vollständige Automatisierung der Wirtschaft, Verkürzung der Arbeitszeit ohne Einkommensverlust, ein bedingungsloses Grundeinkommen mit einem Recht auf Faulheit, sowie das gegenhegemoniale Projekt der Zerstörung des gegenwärtigen Arbeitsethos.

Um den neoliberalen Common Sense auszumanövrieren, sei es wichtig, eine gegenhegemoniale Strategie zu verfolgen mit dem Ziel, einen neuen Common Sense aufzubauen. Dieser müsse eine soziotechnologische Utopie enthalten, mit der der technische Fortschritt von seinen kapitalistischen Fesseln befreit werden könne.

Zur Erreichung dieser Gegenhegemonie seien wenigstens drei Dinge erforderlich, und zwar eine linke populistische Massenbewegung, ein stabiles organisatorisches Ökosystem und nicht zuletzt die Benennung strategischer Interventionspunkte. Neben dem Volk müsse sich die Linke auch an den Staat und an die etablierten Organisationen, wie Parteien, Gewerkschaften usw., wenden, um erfolgreich sein zu können.

Am Ende wiederholen die Autoren ihre Vorstellungen von technologischer Hegemonie und wünschen sich die Mobilisierung von Träumen bei den Linken.

Politik als Drogenerfahrung

Der politische Ausgangspunkt der Ausführungen von Srnicek/Williams ist ein gut nachvollziehbarer: Die jüngsten Kämpfe (der meisten sozialen Bewegungen) weltweit führten »zu einer Fetischisierung lokaler Räume, der Unmittelbarkeit und des Ephemeren sowie zu allen möglichen Partikularismen«. Diese Art der Politik ziele im Wesentlichen darauf ab, »sich gegen die Zumutungen des globalen Neoliberalismus Zufluchtsorte einzurichten.« (S. 10). Sie seien beinahe überall gescheitert, ohne ernste Konsequenzen zu zeitigen. Das Resultat ist allzu häufig, dass nur noch unreflektierte Phrasen gedroschen werden, wie z. B. ›Occupy Wall Street!‹, ›Freiheit für Rojava!‹, oder ›Rettet den Hambi!‹, womit ausgerechnet Wladimir Iljitsch Lenin als Seher der Zukunft erscheint, als er 1918 ausrief: »Mit lauten Phrasen um sich werfen ist eine Eigenheit der deklassierten kleinbürgerlichen Intelligenz.«[6] Oder aber »Politik verwandelt sich hier zum Zeitvertreib – Politik als Drogenerfahrung« (S. 16). Die beiden schon erwähnten Gründer/innen der Initiative ›Rebels at Work‹, Anja Förster und Peter Kreuz unterstützen so eine Haltung: »Es gibt auf der Welt verstreut viele Inseln der Autarkie, wo es möglich ist, außerhalb des Systems zu leben.« (Förster/Kreuz, 140). Srnicek/Williams sehen darin »eine weithin akzeptierte und unkritische Vorstellung von Politik, die wir ›folkloristisch‹ nennen.« (S. 20). Im weiteren Verlauf prägen sie den Ausdruck »Folk-Politik« (ab S. 10), worunter sie eine defensive, partikularistische, lokal orientierte und das große Ganze außer Acht lassende, ja letzteres geradezu ablehnende Politik verstehen, die schlussendlich »lediglich den Beteiligten in Erinnerung« (S. 17) bliebe. Durch zahlreiche, aber leider sehr unübersichtliche, weil ohne zusammenfassende Quellen- und Literaturliste angegebene, aber in 810 (!) Endnoten über 77 Seiten – also mehr als ein Viertel des ganzen Textes – vermerkte Hinweise und Quellenangaben wird dieses harte Urteil über die rezenten ›linken‹ oder sich fortschrittlich wähnenden Bewegungen, Gruppen und Grüppchen überwiegend plausibel untermauert.

Das schräge Horizontale

Der in linken Kreisen seit einiger Zeit beliebte Horizontalismus, i. e. eine Organisationsform für Bewegungen und Aktionsteams, bei der es keine ›vertikalen‹ Hierarchien[7] gibt, wird von den Autoren einerseits kritisiert, weil diese Art von Hierarchie- und Machtfreiheit in politischen Organisationen bzw. Bewegungen lediglich im Kleinen funktionieren könne. Andererseits gestehen sie dem Konsensprinzip und der horizontalen ›Organisationsform‹ ihre Berechtigung zu, da sie präfigurativ bereits heute Verhaltens- und Entscheidungsweisen etablieren und trainieren könne, die die hierarchischen Strukturen unserer Gesellschaftsformation aufzubrechen helfe, denn: »Nicht die Mehrheit, die Einhaltung parlamentarischer Regel oder das Diktat eines Zentralkomitees sollen den Ausschlag geben, sondern das eigentliche Ziel ist in vielen Fällen Konsens.« (S. 49). Sowohl Srnicek/Williams als auch die Anhänger/innen des ›Horizontalen‹ übersehen dabei seltsamerweise, dass in japanischen (sowie teilweise chinesischen und südkoreanischen) Einzelkapitalen, insbesondere bei größeren Konzernen, diese Art des Konsensprinzips auf fast allen Ebenen schon seit langem gang und gäbe ist, jedoch zu keinerlei Änderungen an den kapitalistischen Grundprinzipien der Kapitalverwertung um ihrer selbst willen, am Konkurrenzprinzip sowie an der Geschlechterhierarchie geführt hat. Immerhin weisen die Autoren darauf hin, dass das Konsensprinzip schon bei den Quäkern, also einer religiösen Sekte (!) üblich war (vgl. S. 308 En12). Sowohl die von Srnicek/Williams kritisierten Bewegungen als auch sie selbst betonen zwar die Wichtigkeit der Diskussion über adäquate Organisationsformen. Allerdings kommt es keinem/r in den Sinn, dass Gesellschaftskritik sich nicht darin erschöpfen kann, sondern sich schon auch der Widersprüchlichkeiten der Realität und deren Zusammenhänge annehmen muss – und das auf einer materialistischen (›objektiven‹) wie auch auf einer ideologischen (›subjektiven‹) Ebene. Wenn man allerdings – wie die Autoren es tun – die zentralen Kategorien der kapitalistischen Gesellschaftsformation lediglich in Interessenkonflikten und in Machtausübung erblickt, dann verbaut man sich die Möglichkeit, fundierte Gesellschaftskritik zu betreiben. In dem ganzen Buch ist zwar immer wieder die Rede von ›Arbeit‹ und deren Abschaffung; allerdings kommen Srnicek/Williams auch nirgends über die Auffassung hinaus, dass ›Arbeit‹ im Kapitalismus – oder wie es bei ihnen stattdessen allzu häufig heißt: im »Neoliberalismus« – eine Plackerei und Mühsal sei, die der Ausbeutung durch die bösen Kapitalist/inn/en ausgesetzt sei. Dass ›Arbeit‹ sowohl abstrakt und damit (Tausch-) Wert schaffend, als auch konkret und damit öde und hart Gebrauchswerte erzeugend verausgabt wird, übersehen beide Autoren geflissentlich. Den Begriff der Arbeit als genuin kapitalistisch und damit als zu überwindendes Konzept zu fassen, gelingt den Autoren leider nicht.

Eine ›linke‹ Mont Pèlerin Society

Für die Autoren scheint eines klar zu sein: Nicht etwa der Zwang zur Kapitalverwertung um ihrer selbst willen, die Verausgabung von Privatarbeit, die Diskriminierung und Hierarchisierung der Geschlechter, sowie die immer weiter fortschreitende Abkoppelung des Finanzbereiches von der Kapitalverwertung, oder die Vereinzelung der Einzelnen, haben zur heutigen Situation der ›Postmoderne‹ geführt. Ihrer Meinung nach waren es vielmehr es die Verschwörer/innen der vom neoliberalen Cheftheoretiker Friedrich Hayek im Jahr 1947 persönlich mitbegründeten Mont Pèlerin Society (MPS), die den Neoliberalismus ersponnen und in geheimer Mission unter die Leute gebracht haben. Dieser Neoliberalismus schickte sich dann ab den 1970er Jahren an, seine Bosheit zu entfalten und den jetzigen Krisenzustand hervorzubringen. Dass letzterer vielmehr ein Produkt der kapitalistischen Eigendynamik ist, scheint völlig jenseits der Vorstellungskraft der beiden Autoren zu liegen. Dass es vielleicht eher umgekehrt gewesen sein könnte, das wird im Buch nicht gesehen. Durch einen langen Atem der Beeinflussung von Universitäten, von Medien und der öffentlichen Meinung sei es der MPS schließlich gelungen, den verhassten Keynesianismus zu verdrängen und selbst neoliberal hegemonial zu werden. Um dem entgegen zu wirken wäre demnach eine Art linker Mont Pèlerin Society ins Leben zu rufen: »Die Forderung nach einem Mont Pèlerin der Linken bedeutet letztendlich, neu anzufangen und eine linke Hegemonie zu schaffen.« (S. 113). Da eine strukturelle Krisenanalyse im Buch leider nicht zu finden ist, so bleibt leider auch im Dunkeln, wie denn eine ›linke‹ MPS es fertigbringen könnte, die Gesellschaft in eine solche »nach der Arbeit« zu verwandeln – sieht man einmal von voluntaristischen Postulaten ab.

Das hyperstitionale Wünschen

Die Ebene Kritik an der gegenwärtigen Linken, die meines Erachtens eine Menge Richtiges beinhaltet, sich jedoch recht eindimensional an organisatorischen und kommunikativen Schwächen, nicht aber an grundsätzlichen Defiziten der Linken abarbeitet, verlassen Srnicek/Williams ab dem vierten Kapitel. Von da an mehren sich die Merkwürdigkeiten im Text deutlich. »Ein zentrales Anliegen jeder zukunftsorientierten Linken muss, so meinen wir, das Ringen um ein Konzept der ›Moderne‹ sein.« (S. 116) rufen sie bedeutungsschwanger aus, um »eine bessere Welt zu schaffen« (S. 117). Unter ›Moderne‹ verstehen sie keineswegs die Zeit des beginnenden Kapitalismus, sondern vielmehr »eine Reihe von Konzepten, die unabhängig voneinander in zahlreichen Kulturen weltweit entstanden« (S. 118). Der Kapitalismus ist also konzeptionell überall auf der Welt entstanden, daher musste folglich auch niemand jemanden kolonisieren? Weiter heißt es: Für »das Projekt einer linken Moderne von Nutzen sein könnten: das Bild historischen Fortschritts, den universalistischen Horizont und die Bedeutung der Befreiung.« (S. 118). Der erstere müsste selbstverständlich »hyperstitional« sein! Ja klar, was denn sonst – hä? Möglicherweise ist den Autoren gar nicht aufgefallen, was sie damit – zugegeben etwas umständlich – sich selber attestieren: ersetzt man nämlich das (griechische) ›hyper‹ in ›hyperstitional‹ durch das völlig synonyme (lateinische) ›super‹, dann erhält man ›superstitional‹, was laut Fremdwörterlexikon (hier: Wahrig; Gütersloh/München 2007) bedeutet: ›abergläubisch‹ (hyperstitional wird dort hingegen gar nicht angeführt[8]). Und Aberglaube könnte so manche der Merkwürdigkeiten im Buch von Srnicek/Williams zumindest ansatzweise erklären helfen…

Die Merkwürdigkeiten gehen weiter; an die Stelle einer »negativen Freiheit« (S. 131; Hervorh. im Orig.), die lediglich bedeute, von anderen (Staat, Organisationen, Individuen, etc.) nicht willkürlich beeinträchtigt werden zu können, wollen die Autoren etwas anderes setzen: »Eines der Hauptziele der postkapitalistischen Welt wäre dementsprechend, synthetische Freiheit zu maximieren« (S. 132). Diese »beinhaltet zunächst, in größtmöglichem Umfang alles zu einem vernünftigen Leben Notwendige bereitzustellen, also für Einkommen, Zeit, Gesundheit und Bildung zu sorgen.« (S. 133). Da die Autoren keinen Begriff von Arbeit, Reichtum und Wert im Kapitalismus haben, können sie auch nicht angeben, wie es der ›linken‹ Bewegung gelingen sollte, all diese schönen Dinge hervorzuzaubern, um final zur synthetischen Freiheit nach der Arbeit zu gelangen. Da aber nun der »Grad unserer Freiheit in hohem Maße vom historischen Stand naturwissenschaftlicher und technologischer Entwicklung abhängig« (S. 135) sei, komme dieser Entwicklung eine hohe Bedeutung zu. Nicht etwa die Wandlungsfähigkeit des Kapitalismus und sein jeweils aktuell zu analysierender Zustand seien also ausschlaggebend für den Grad der Freiheit der Menschen, sondern lediglich die Innovationen und ihr Entwicklungsstand. Auch Science Fiction haben die Autoren ganz leger im Angebot: »Die völlige Entfaltung der synthetischen Freiheit erfordert daher, in Einklang mit der dynamischen Erweiterung unserer Handlungsmöglichkeiten, eine Neueinrichtung der materiellen Welt. Dazu gehören das Experimentieren mit kollektiven und technologischen Erweiterungen und ein prometheischer Geist, der sich weigert, Einschränkungen als natürlich und unüberwindlich anzuerkennen. Cyborgisierung, künstliches Leben, synthetische Biologie und technologisch vermittelte Reproduktion sind Beispiele einer solchen Entfaltung.« (S. 136). Im bereits erwähnten »Manifest für eine akzelerationistische Politik«[9] verdeutlichen Srnicek/Williams ihre Nähe zu den Transhumanisten noch klarer: Die Technologie müsse genau darum beschleunigt werden, »weil sie gebraucht wird, um sich in sozialen Konflikten durchzusetzen«, daher »wollen [wir] den Prozess der technologischen Evolution [sic!] beschleunigen« und die »Linke muss eine soziotechnologische Hegemonie entwickeln«[10]. Einfach zusammengefasst: Antonio Gramsci (Hegemonie) plus Friedrich Nietzsche (Übermensch) plus Philip von Becker (Transhumanismus inkl. Science Fiction), sollen die Arbeit und das Kapital sind eskamotieren, und fertig ist der Postkapitalismus.

Das Ende der Arbeit?

Oder vielleicht doch noch nicht? Unter der zu beendenden ›Arbeit‹ verstehen Srnicek/Williams nicht etwa die kapitalistische Art und Weise, sich als vereinzelte Einzelne mit der Naturumformung auseinanderzusetzen, um damit Gebrauchswert und Tauschwert inkl. Mehrwert zu erzeugen und die Kapitalverwertung um ihrer selbst willen zu garantieren, sondern lediglich »unsere Jobs – also Lohnarbeit: Die Zeit und die Leistung, die wir veräußern, um im Gegenzug ein Einkommen zu erhalten. Es ist die Zeit, über die wir nicht länger selbst verfügen, sondern andere: Vorgesetzte, Manager, Auftraggeber.« (S. 139). Es ist also ein Dispositiv, über das nicht wir selber, sondern andere bestimmen, daher kein gesellschaftliches Verhältnis, sondern ein persönliches – zwischen Chef/in und Mitarbeiter/in. Das hätte folgenden tieferen Grund: »Die soziale Grundlage des Kapitalismus als Gesellschaftssystem – das Verhältnis zwischen proletarischen Beschäftigten und kapitalistischen Unternehmen, vermittelt durch Lohnarbeit – löst sich auf.« (S. 151). Ersetzt werden soll es durch ein Verhältnis unabhängiger, individueller Privatproduzenten. Das jedoch ist exakt das, was der neoliberalen Ideologie entspricht: Die Arbeit selber und ihr Begriff werden jedoch nicht in Frage gestellt und werden somit auch nicht abzuschaffen sein. Das Ganze läuft also hinaus auf eine Gesellschaft isolierter, lediglich formal gleicher Privatproduzenten.

Auf eine meines Erachtens sehr wichtige und von vielen nicht klar genug gesehene Tatsache weisen Srnicek/Williams auch hin. Zwar hat sich die Zahl der regulär Beschäftigten weltweit zwischen 1991 und 2017 von 2,25 Mrd. Menschen auf 3,46 Mrd. erhöht, wohingegen im selben Zeitraum die Arbeitslosigkeit lediglich von 0,14 auf 0,19 Mrd. Frauen und Männer stieg[11]. Allerdings vermehrte sich die Weltbevölkerung im selben Zeitraum von etwa 5,3 Mrd. auf 7,6 Mrd. Menschen, also um rund 2,3 Mrd.[12] Die Differenz zwischen Bevölkerungswachstum und netto neu geschaffenen Arbeitsplätzen, also etwa 1,1 Mrd. Personen, ist wohl dem informellen Sektor oder auch dem Sektor der »Überschüssigen« (S. 161) zuzurechnen. Und die Autoren stellen trocken fest: »So entstehen weltweit nur zögerlich neue Jobs« (S. 155). Es muss daher eine »Krise der Arbeit« (S. 171) geben. Die Autoren begnügen sich aber – wie so häufig im Buch – mit dem Betrachten der reinen Daten und Fakten und verzichten darauf, darauf aufbauend die wirklichen Grundlagen für diese unbefriedigende Empirie ausfindig zu machen. Ihre Feststellung einer »Krise der Arbeit« beschränkt sich daher auf die zu geringe Anzahl an neuen Jobs, »um allen eine Beschäftigung zu bieten« (ebd.). Von dem von Marx formulierten prozessierenden Widerspruch, dass das Kapital einerseits zur Steigerung der Mehrwertproduktion immer mehr Arbeitskräfte beschäftigen möchte, andererseits aber vom Markt dazu gezwungen wird, aus Kostengründen immer mehr Arbeitskräfte freizusetzen[13], haben die Autoren vermutlich noch nichts gehört. Sie könnten allerdings, von diesem Widerspruch ausgehend, die konstatierte Krise der Arbeit weit fundierter verstehen und müssten sich nicht auf den abgeschmackten Klassenwiderspruch zurückziehen.

Das Recht auf Faulheit

Unter dem Motto des SF-Autors Arthur C. Clarke: »Künftig soll niemand mehr arbeiten müssen« (S. 175) und der Deklamation von Paul Lafargue in 1880 für: »Le Droit à la Paresse«[14] eröffnen uns Srnicek/Williams ihre »vier Minimalforderungen nach

  1. umfassender Automatisierung,
  2. Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit,
  3. Bereitstellung eines bedingungslosen Grundeinkommens,
  4. Demontage des Arbeitsethos.« (S. 209).

Damit glauben sie, »die Zentralität der Arbeit im heutigen Leben zu bekämpfen« (S. 208), sowie auf »eine vollkommen neue hegemoniale Formation, gegen Neoliberalismus und Sozialdemokratie, gleichermaßen« (S. 209) abzustellen. »Das Ziel lautet, dem Kapitalismus die Zukunft zu entwinden und eine Welt des 21. Jahrhunderts nach unseren Vorstellungen zu schaffen. Es geht darum, Zeit und Geld zur Verfügung zu stellen, die unentbehrlichen Voraussetzungen der Freiheit.« (S. 210). Leider sind aber Zeit und Geld essentiell gerade für den von den Autoren als abzuschaffend postulierten Kapitalismus, mithin Voraussetzung für genau dessen Art von Freiheit. Diese Freiheit impliziert ja gerade die Freiheit, als Individuum sich in der Konkurrenz formal gleichberechtigt um die Erhaltung der Lebensgrundlagen zu streiten – und immer und immer wieder exakt diese verrückten gesellschaftlichen Bedingungen zu reproduzieren. Weiter heißt es: »Ein Grundeinkommen […] gibt dem Proletariat unabhängig von einer Beschäftigung Subsistenzmittel an die Hand« und »befreit vom Zwang zur Lohnarbeit, dekommodifiziert in gewisser Weise die Arbeit und verändert so das politische Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit grundlegend.« (S. 198). Eine gewisse Albernheit kann man dem sowie dem dann folgenden kaum mehr absprechen: »Zugleich würden mit der Einführung eines BGE nicht nur die schlimmsten Jobs neu bewertet, sondern es wäre auch ein Schritt, die unbezahlte Tätigkeit im Bereich der Haus- und Pflegearbeit stärker anzuerkennen […] ob die Arbeit formell oder informell, häuslich oder öffentlich, individuell oder kollektiv ist. Zentral ist nicht länger produktive Arbeit – sei es im marxistischen oder im neoklassischen Sinn –, sondern diese Position nimmt die allgemeine Kategorie Reproduktionsarbeit ein. Angesichts der Tatsache, dass wir alle zur Reproduktion des Kapitalismus beitragen, verdienen auch alle Tätigkeiten ein Entgelt.« (S. 201). Die Autoren werfen munter (oder auch dösig) alle Tätigkeiten im Kapitalismus wild und unreflektiert durcheinander, setzen sie einander gleich und postulieren dann: »[…] den Wert eines Menschen am armseligen Maßstab seiner Leistung abzulesen, wird so eine Absage erteilt, und Menschen werden einfach deswegen wertgeschätzt, weil sie Menschen sind.« (S. 201). Um die Problematik der Einführung eines BGE, die von Srnicek/Williams völlig falsch eingeschätzt wird, ein wenig zu verdeutlichen, lohnt sich ein Blick in das kürzlich erschienene Buch von Christian Oswald[15]. Er problematisiert das BGE dort einerseits als den »einzige[n] politische[n] Vorschlag, der den Arbeitszwang ernsthaft in Frage stellt« (Oswald, 60); zum anderen benennt er völlig korrekt einen der wichtigsten Einwände: »Ihre Befürworter lassen sich, indem sie von einem Einkommen sprechen, vorbehaltlos auf die Geldform ein. Sie unterstellen damit die kapitalistische Produktionsweise als die Grundlage, auf der das Grundeinkommen erwirtschaftet werden soll […] Dann ist jedoch die Forderung nach einem Grundeinkommen die danach, im Rahmen der kapitalistischen Produktionsverhältnisse […] die gesamte ausbeuterische Mehrwertproduktion zu untergraben […] Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist so gesehen ein Widerspruch in sich« (a.a.O., 61). Abgesehen davon, dass die Affirmation der Geldform es den Gegner/inne/n eines BGE allzu leicht macht, die Argumentation auf seine reine Höhe und damit auf die Finanzierbarkeit zu reduzieren, »passt die [mit dem Grundeinkommen verbundene; R.A.] Förderung individueller Unabhängigkeit grundsätzlich zu einer liberalen Programmatik« (a.a.O., 62).

Gramscis Zauberkiste plus Technikbefreiung

Alles in allem sind die Vorstellungen von Srnicek/Williams dahingehend, was die Linke denn jetzt oder demnächst tun solle, enttäuschend: »Die Linke muss daher eine Art soziotechnologische Hegemonie entwickeln: sowohl in der Sphäre der Ideen und Ideologien als auch im Bereich der materiellen Infrastruktur.« (S. 223). Damit bleiben sie sehr abstrakt und eine potentielle Praxis auf dieser Grundlage würde unmöglich oder beliebig und völlig unverbindlich. Da die Autoren das vielleicht unbewusst ahnen, empfehlen sie dann ganz konkret: »Ein über die Arbeitsgesellschaft hinausweisendes politisches Programm aber ist auf eine Linke mit utopischen Ambitionen angewiesen; dazu ist es notwendig, sich der Zukunft zu erinnern und sie neu zu gewinnen. Utopien verkörpern Hyperstitionen des Fortschritts, Sie verlangen, die Zukunft zu verwirklichen, sie bilden das unerreichbare, gleichwohl unabdingbare Objekt des Begehrens, und sie bergen eine Sprache der Hoffnung und der Sehnsucht nach einer besseren Welt. Die Geringschätzung utopischer Phantasie übersieht, dass es gerade das Moment der Imagination ist, das Utopien für jeden politischen Wandel unentbehrlich macht.« (S. 227). Die Linke soll sich also erst einmal mit utopischen Imaginationen aus der Zukunft etwas vormachen, um danach darauf aufbauend weitere unkonkrete Phantasmagorien zu erzeugen, die allen Ernstes Wirklichkeit darstellen und einen politischen Wandel herbeiführen sollen? Um dann wieder zu scheitern, wieder neu zu beginnen und so immer fort? Es bedarf schon eines Zauberstabes aus einer sehr gut sortierten Zauberkiste, damit die Gramsci’sche (Gegen-) Hegemonie von der Linken erreicht wird. Aber die Autoren haben noch andere Ideen, z. B.: »Hinzu kommen sollten Untersuchungen, wie Postkapitalismus in der Praxis aussehen kann […] Welche Rolle könnten beispielsweise nicht-staatliche Kryptowährungen spielen?« (S. 235). Ihre oben schon einmal erwähnte Nähe zu den Transhumanisten und deren Träumen von technischer und meist männlicher Omnipotenz verstärken Srnicek/Williams ein weiteres Mal, als es darum geht, die Technologie für ihren neuen, links induzierten, Common Sense zu etablieren: »Statt sich mit geringfügigen Verbesserungen […] zufriedenzugeben, sollte die Linke darangehen, Träume zu mobilisieren, von Dekarbonisierung, vom Weltraumflug, von Roboterökonomien – alles Themen der traditionellen Science Fiction –, um sich auf die Zeit nach dem Kapitalismus vorzubereiten.« (S. 300). Also lautet die Herausforderung, »institutionelle Mechanismen zu entwickeln, die eine effektive demokratische Kontrolle der Ausrichtung technologischer Innovationen erlauben.« (S. 241). Aber Achtung: »Besteht beispielsweise der einzige Sinn einer Technologie darin, Arbeiter auszubeuten, oder ist die Funktion für den Einsatz dieser Technologie unabdingbar, dann hat sie in einer postkapitalistischen Zukunft keinen Platz […] Auch Nuklearwaffen mit ihrer Fähigkeit zur Massenvernichtung hätten in einer postkapitalistischen Welt keinen Platz.« (S. 250). Nun `mal aber ganz ehrlich und vertraulich unter uns eingefleischten SF-Fans: Ich würde mir für einen möglichen Angriff der als äußerst aggressiv einzuschätzenden Aliens von der Wega – siehe die SF-Serie ›Invasion von der Wega‹ aus den 1960er Jahren – schon ein paar tausend Kernfusionsbomben ganz insgeheim übrigbehalten, nur so für alle Fälle… Aber Scherz beiseite: Welchen Sinn sollte eine Technologie im Kapitalismus haben, wenn nicht den zur Kapitalverwertung, ergo zur Ausbeutung des Proletariats. Demzufolge müssten dann nach den Urteilen unserer Autoren in deren »postkapitalistischer Zukunft« sämtliche technologischen Errungenschaften seit rund zehntausend Jahren wieder abgeschafft bzw. verboten werden, weil sie ja allesamt ausbeuterische waren bzw. sind: erst haben sie Sklaven, dann Leibeigene und jetzt Proleten ausgebeutet; also doch zurück auf die Bäume, so ganz ohne technologisches Teufelszeug? Es gibt nur einen kleinen Hoffnungsschimmer: »Der Kapitalismus beschränkt die Technologie, indem er ihre Zwecke darauf reduziert, Profit zu erwirtschaften und die Arbeitenden zu kontrollieren. Aber dennoch bleiben darüber hinaus gehende Möglichkeiten bestehen. Solche verborgenen Potentiale gilt es aufzudecken und mit Veränderungsprozessen auf allen Ebenen zu verknüpfen. Letztlich handelt es sich dabei um eine utopische Intervention« (S. 239). Also lasst uns alle das Klandestine, Subversive und Zukunftsweisende an der Technik von heute suchen – Ostereier finden wir ja doch auch alle, oder?

Noch ein Gruß von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau

Macht aufbauen (für die Linke) und »eine gesellschaftliche Transformation im großen Maßstab« (S. 253) schaffen, davon träumen Srnicek/Williams fast das ganze Buch über. Gegen Ende erkennen sie, dass »mindestens drei Dinge notwendig sind, um eine neue hegemoniale Ordnung zu etablieren: eine populistische Massenbewegung, ein stabiles organisatorisches Ökosystem sowie eine Bestimmung strategischer Interventionspunkte.« (S. 254). Die Massenbewegung kann, so die immerhin zutreffende Einsicht auch unserer Autoren, gar nicht die Arbeiterklasse sein, denn es »existiert das alte revolutionäre Subjekt nicht mehr« (S. 257). Wer also soll nun die angestrebte Umwälzung in dieser unserer Deindustrialisierung und Krise der Arbeit bewerkstelligen? »Wer wäre also heute das Subjekt der Transformation?« (S. 258) fragen sie fast schon verzweifelt und ratlos. Im Unterschied zu den folkpolitischen Bewegungen, die zu viel Gewicht auf die Betonung und Akzeptanz von Differenzen legten, will der Populismus à la Srnicek/Williams (und à la Mouffe/Laclau) eine gemeinsame Sprache finden und ein gemeinsames Vorhaben herausbilden. Die »auf das Ende der Arbeitsgesellschaft zielende populistische Bewegung hätte ihr politisches Projekt so zu artikulieren, dass eine Vielzahl von Kämpfen für soziale Gerechtigkeit und menschliche Emanzipation ihre Interessen darin ausgedrückt fänden.« (S. 262). Die Autoren greifen auf die Thesen von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau zurück, die, ganz kurz gesagt, für eine neue Art des Populismus und der damit verbundenen Identitätsfindung der Linken plädieren. Dieses Projekt böte demnach gleichzeitig ökologischen, sozialen, feministischen, antirassistischen, postkolonialen und indigenen Kämpfen eine Plattform und es sollte fast alle, also Staat, Gewerkschaften, Parteien usw. inkludieren (vgl. S. 262f.). Das ähnelt frappant der wenig bzw. nur in Einzelfällen erfolgreichen ›Bündnispolitik‹ der 1970er und 1980er Jahre in Westeuropa und in den USA, mit der bei vielen Demonstrationen und Kundgebungen zu ›linken‹ Themen häufig formal der Bogen von Parteien über Gewerkschaften, Bürgerinitiativen und spontanen Gruppen gespannt werden sollte. Srnicek/Williams haben definitiv daraus nichts lernen können oder wollen. Das ist peinliche Geschichtsvergessenheit.

Fazit

Nachdem es Srnicek/Williams auf den ersten achtzig Seiten gelungen ist, eine halbwegs akzeptable, kritische Aufarbeitung des ›linken‹ Desasters und Scheiterns der letzten Jahre zu präsentieren, verfallen sie gemäß ihrer Grundeinstellung – dass nämlich Macht, Hegemonie und Interessenkämpfe das Bestimmende in unserer Gesellschaftsformation seien – in althergebrachte und neu verpackte Plattitüden über Zurückgewinnung der Moderne, über einen neuen Common Sense und nicht zuletzt in Technologiephantasien, die allesamt über moralische und wettbewerbliche Postulate an keiner Stelle hinausgehen. Analysen des kapitalistischen Fetischverhältnisses – wie etwa die Wertkritik – sind den Autoren offenbar nicht bekannt oder werden ignoriert.  Lediglich eine bornierte Faktenaufzählung und -bewertung wird geboten, die leider kaum neue Erkenntnisse erbringt. Das Buch sollte man lesen, aber nicht um neue Erkenntnisse in Richtung Aufhebung der Gesellschaftsformation der privaten Warenproduktion und des Patriarchats zu gewinnen, sondern um die Positionen derjenigen Schlaumeier besser kennen zu lernen, die sich über das aktuelle Niveau der heutigen ›Linken‹ zu erheben berechtigt und ermächtigt fühlen, diesen Anspruch aber an keiner Stelle einlösen können. Unsere Aufgabe ist es nun zu erfinden, was an deren Stelle zu setzen sei!


[1] Gruppe KRISIS; Manifest gegen die Arbeit; 4. Aufl.; Nürnberg 2019.

[2] Anja Förster / Peter Kreuz; Hört auf zu arbeiten. Eine Anstiftung, das zu tun, was wirklich zählt; München 2014.

[3] vgl. Richard Aabromeit; Ein Postkapitalismus, der gar keiner ist; https://exit-online.org/textanz1.php?tabelle= autoren& index=30&posnr=576&backtext1=text1.php; 2018; auch zu finden im HumHub im „Open Space“.

[4] Nick Srnicek / Alex Williams; #Accelerate. Manifest für eine akzelerationistische Politik; in: Armen Avanessian (Hg.); #Akzeleration; Berlin 2013.

[5] Eine Bewegung, die für das Essen überwiegend lokaler Produkte eintritt.

[6] Wladimir Iljitsch Lenin; Ausgewählte Werke Band II; Berlin 1976; S. 782.

[7] Dass im Hintergrund von solchen ›horizontal‹ organisierten Events immer hyperaktive, aber von niemandem legitimierte, vertikal agierende ›Aktionskomitees‹ (o. ä.) stehen, wird dabei gerne verdräng.

[8] Im Internet kann man dazu folgendes finden (unter http://xenopraxis.net/readings/carstens_hyperstition.pdf): Hyperstition is a neologism that combines the words ‘hyper’ and ‘superstition’ to describe the action of successful ideas in the arena of culture. Akin to neo-Darwinist Richard Dawkins’ concept of memes, hyperstitions work at the deeper evolutionary level of social organisation in that they influence the course taken by cultural evolution. Unlike memes, however, hyperstitions describe a specific category of ideas. Coined by renegade academics, the Cybernetic Culture Research Unit (CCRU), hyperstition describes both the effects and the mechanisms of apocalyptic postmodern ‘phase out’ or ‘meltdown’ culture.

[9] vgl. oben Fn4.

[10] Nick Srnicek / Alex Williams; #Accelerate. Manifest für eine akzelerationistische Politik; in: Armen Avanessian (Hg.); #Akzeleration; Berlin 2013; S. 30ff., Hervorh. im Orig.

[11] vgl. ilo.org/ilostat.

[12] vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1694/umfrage/entwicklung-der-weltbevoelkerungszahl/.

[13] vgl. MEW 42, S. 601f.

[14] Dt.: Das Recht auf Faulheit; Paul Lafargue; u. a. Berlin 2015.

[15] Jenseits des Arbeitszwangs. Thesen zu einer anderen Gesellschaft; Münster 2019.