23.06.2022 

Dossier: Ukrainische und russische Linke zum Angriffskrieg auf die Ukraine (aktualisiert am 15.6.2022)

Hat sich die Linke immer die internationale Solidarität auf die Fahnen geschrieben, so ist davon angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine bisher nicht viel zu sehen. Im Gegenteil. Je länger der Krieg andauert und je stärker die russischen Truppen in die Defensive geraten, desto lauter fordern Linke und Pazifist:innen (vor allem in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern) ihre Regierungen auf, die Ukraine nicht mehr mit Waffen zu beliefern und diese damit schutzlos dem Aggressor auszusetzen. Die berechtigte Angst vor einer militärischen Eskalation bis hin zum Einsatz von Atomwaffen mündet so praktisch in der anmaßenden Forderung, das angegriffene Land solle sich opfern, damit die Sache endlich ein Ende nimmt. Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass hinter diesen Friedensappellen die engherzige Furcht um den eigenen Vorgarten steckt und man vor allen Dingen in Ruhe gelassen werden will. Was deren Verfasser:innen nicht im Mindesten zu interessieren scheint, ist, was eigentlich linke, feministische, queere und andere emanzipative Bewegungsaktivist:innen in der Ukraine von solchen Gedankenspielen halten. Mit ihnen wird nicht gesprochen, sondern immer nur über sie – genauer gesagt, es wird gerade so getan, als gebe es sie gar nicht (vgl. dazu auch die deutliche Kritik von Christian Zeller an den beiden Offenen Briefen vom 22.4. bzw. 29.4.2022: Frieden für uns, Besatzung für die Ukraine?)

Um dem etwas entgegenzusetzen, werden wir hier ab sofort ukrainische, russische und andere osteuropäische Stimmen aus sozialen Bewegungen zu Wort kommen lassen. Dazu verlinken wir eine Auswahl von Artikeln und Interviews aus Zeitschriften wie Emanzipation, analyse&kritik, Jungle World u.a., die dem freundlicherweise zugestimmt haben.

Über die russische Feminist Anti-War Resistance
von Anastasia Tikhomirova, Jungle World, 9. Juni 2022

RUSSLAND: Kriegsverweigerer
von Alain Refalo, Colomiers, Frankreich, 18.05.2022, Veröffentlicht in Archipel 314

Russische Frauen gegen den Krieg
von femagainstwar, 15.04.2022, Veröffentlicht in Archipel 313

RUSSLAND / UKRAINE: Gemeinsame Erklärung der Linken
von Russische Sozialistische Bewegung u. Ukrainische Soziale Bewegung, 18.05.2022

„Russia Is Completely Depoliticized“
A sociologist from Moscow explains how the nation learned to deny reality.
An interview with Greg Yudin bei Sarah Jones in Intelligencer, April 7, 2022

Genug von der gemanischen Linken
von Kyrylo Tkachenko, Jungle World 19. Mai 2022

Im Mahlwerk der Geopolitik
Bericht von der internationalen Konferenz in Lwiw (5. – 6. Mai)
von Jan Ole Arps, Sebastian Bähr und Nelli Tügel, analyse & kritik, 12. Mai 2022

Wenn Pazifismus zum Luxus wird
Bericht von der internationalen Konferenz in Lwiw (5. – 6. Mai)
von Johannes Simon, Jungle World, 12. Mai 2022

Selbstbestimmung und der Krieg in der Ukraine
von Taras Bilous, Emanzipation, 8. Mai 2022
Self-Determination and the War in Ukraine
by Taras Bilous, Dissent-Magazine, May 4, 2022

Kampf für die ukrainische Selbstbestimmung
Interview mit Yuliya Yurchenko, Emanzipation, 5. Mai 2022
Fighting for Ukrainian Self-Determination
Interview with Yuliya Yurchenko, International Viewpoint , April 13, 2022

Entretien avec un membre d’Operation Solidarity en Ukraine
paru dans lundimatin#337, le 2 mai 2022

„In Russland droht ein faschistisches Regime‟
Der Moskauer Soziologe Greg Yudin über den Angriff auf die Ukraine
Interview: David Ernesto García Doell, analyse & kritik, 30. März 2022
„A fascist regime looms in Russia“
Moscow sociologist Greg Yudin on the attack on Ukraine
Interview: David Ernesto García Doell, analyse & kritik, 1. April 2022